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Ape-Canyon-Bibliographie erschienen

 

 

Im Juli 1924 kam es bei Kelso im US-Bundesstaat Washington zu einer bis heute klassischen Konfrontation mit einem mutmaßlichen Bigfoot. In Gegensatz zu manchen anderen Bigfoot-Begegnungen vor 1955 ist sie aus zeitgenössischen Quellen bekannt. Ich folge hier der Beschreibung in John Greens Standardwerk „Sasquatch – the Apes among Us“ (S. 89 f.).

Angriff der Bergteufel – nach tödlichem Schuss

Die Goldsucher Marion Smith, Roy Smith, Fred Beck, Gabe Lefever und John Peterson übernachteten in einer Blockhütte auf dem Mount St. Helens und wurden von einer Herde „Bergteufeln“ oder „Berggorillas“ angegriffen.Die Männer hatten bereits seit sechs Jahren Fußspuren der Tiere bemerkt. Smith erschoss einen der aufrecht gehenden „Gorillas“ mit seinem Revolver. Er schätze dessen Gewicht auf 400 Pfund, der Kadaver stürzte einen Abhang hinab. In der Nacht danach sollen die Tiere – die Männer zählten vier –die Hütte mit einem regelrechten Hagel von Steinwürfen angegriffen haben.

Der Spirit Lake am Mt St. Helens
Die Hütte von Fred Beck und seinen Kameraden lag acht Meilen vom Spirit Lake entfernt. Das Bild zeigt den See im März 2005. (Foto: US Geological Survey)

Der Ape Canyon heute
Der Ape Canyon heute. (Foto: Caroline, CC 2.0)

Die Gorillas waren mit langem, schwarzem Haar bedeckt, hatten große, 10 cm lange und spitze Ohren und wiesen 32 bis 35 cm lange Füße mit vier Zehen auf. Da die Blockhütte neu errichtet worden war, vermuteten die Männer, dass sie zu nahe an der Höhle stand, in der die Gorillas hausten. Soweit die Angaben aus den Presseberichten von 1924.

Ein langes Interview, das Roger Patterson 1966 mit Fred Beck führte, findet sich in Green auf den Seiten 91 bis 97.

1982 behauptete der damals 86-jährige Rant Mullens, er und ein paar Freunde hätten den Zwischenfall inszeniert, um den Männern Angst einzujagen. (Bord 1998, S. 228) Beweise für diese Behauptung aber gibt es keine.

Übersinnliche Wesen?

Nach der amerikanischen Wikipedia schrieb Beck 1967 ein 22 Seiten langes Büchlein über seine Begegnung, in dem er die Bigfoots als Wesen aus einer anderen Dimension beschreibt. Beck meint, er habe Zeit seines Lebens Visionen und übernatürliche Fähigkeiten gehabt.

Der Kryptozoologe Mark A. Hall wies darauf hin, dass Beck im Laufe des Interviews mit Patterson die Gorillas immer größer machte: Zuerst wuchsen die Füße auf 48 cm, dann die Körperhöhe auf 2,50 m, schließlich das Gewicht auf 600 bis 800 Pfund.

Vergilbte Fotoaufnahme von vier Männern, die an einer Bretterhütte stehen
Zeitungsfoto, das die Untersucher bei der belagerten Hütte zeigt. Von links nach rechts: Burt Hammerstrom, freier Journalist; Bill Welch, Waldaufseher an der Spirit Lake Ranger Station; Frank (Slim) Lynch, Reporter aus Seattle und Jim Huffman, Waldaufseher

David Perez
Der Bigfoot-Forscher Daniel Perez leitet das „Center for Bigfoot Studies“ und gibt den Newsletter Bigfoot Times heraus. Er hat mit Kollegen eine Bibliographie zum Ape-Canyon-Zwischenfall herausgegeben, die kostenlos zum Download zur Verfügung steht.

Ein Fall von besonderem Interesse

Der Fall ist also aus vielerlei Hinsicht von besonderem Interesse. Nun hat der überzeugte amerikanische Bigfoot-Forscher und Leiter des „Center for Bigfoot Studies“, Daniel Perez, mit mehreren Forschungskollegen eine Ape-Canyon-Bibliografie zusammengestellt, die alle Nennungen des Ape-Canyon-Zwischenfalls erfasst, und sie allen Kryptozoologen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Das PDF kann hier (1924 Ape Canyon Bibliograpy) heruntergeladen werden, Daniel Perez’ Seite, auf der auch sein Newsletter „Bigfoot Times“ bezogen werden kann, finden Sie hier: http://www.bigfoottimes.net/


Literatur:

Bord, Janet und Colin: The Bigfoot Casebook. Harrisburg PA: Stackpole Books 1982, S. 41, 169

Bord, Janet und Colin: The Evidence für Bigfoot and other Man-Beasts. Wellingborough: Aquarian Press 1984, S. 127–128

Bord, Janet und Colin: Der amerikanische Yeti. Rastatt: Moewig 1998, S. 58, 61, 228

Dahinden, René, mit Hunter, Don: Sasquatch. New York: Signet 1975, S. 23 f.

Green, John: Sasquatch – the Apes among Us. Surrey, BC: Hancock House 2006S. 89 f.

https://en.wikipedia.org/wiki/Ape_Canyon (dort weitere Literaturangaben)


Ulrich Magin (geb. 1962) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Kryptozoologie, insbesondere mit Ungeheuern in Seen und im Meer. Er ist Mitarbeiter mehrerer fortianischer Magazine, darunter der „Fortean Times“, und Autor verschiedener Bücher, die sich u.a. mit Kryptozoologie befassen: Magischer Mittelrhein, Geheimnisse des Saarlandes, Pfälzer Mysterien und jüngst Magische Mosel.

Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.




Augenloser Strandfund in Mexiko: Schnabelwal, Tiefseefisch oder was?

In Mexiko hat eine Gruppe von Strandspaziergängern die Überreste eines scheinbar mysteriösen Wesens gefunden Der Puerto Vallarte-Fund ist ein Tier ungewisser Größe. Es wurde am Strand von Destiladeras beim bekannten Touristenort Puerto Vallarta angeschwemmt.

Die Augen fehlen

Der ungewöhnlich erscheinende Kadaver ist langgezogen, wirkt kräftig und zeigt weder Augen noch Brust-, Rücken-, Bauch- oder sonstige Flossen. Der Puerto Vallarta-Fund ist mehr oder weniger einheitlich basaltgrau und trägt einige wenige, unregelmäßige weiße Markierungen. Schuppen sind nicht zu sehen.

Der Puerto-Vallarta-Fund
Der Puerto-Vallarta-Fund in situ. Wie groß ist das Tier?
Foto: Nayarit / Facebook

Kopf des Puerto-Vallarta-Fund
Kopf des Fundes. Die Schnauze ist lang ausgezogen (Foto: Nayarit / Facebook)

Der Puerto Vallarta-Fund liegt auf der rechten Körperseite und ist zur Bauchseite hin gekrümmt. Das Maul ist tief gespalten und zu einer Schnauze verlängert, die einige Kommentatoren an einen Delfin erinnert. Es steht ein wenig offen, im Oberkiefer ist zwischen den beiden Reihen Kieferzähne noch eine Reihe Zähne zu sehen, die mittig am Gaumen zu stehen scheinen. Die Zähne sind lang, schlank und wirken ein wenig glasartig. Die Bezahnung des Unterkiefers ist kaum sichtbar, die Zähne wirken ähnlich. An der Kehle zeigt der Kadaver eine Reihe von Furchen. Ein Stück hinter den Furchen liegt ein etwa rundes Loch in der Haut, dahinter beginnt der Eingeweidesack, der bereits vor dem sichtbaren After wieder aufhört. Hinter dem After steht eine lange, flache Flosse, die sich bis zum runden Schwanzende hin zieht und es zu umgeben scheint. Nichts deutet auf eine Verletzung hin, die eine Schwanzflosse oder andere Flossen abgetrennt haben könnte.

Bei dem Kadaver gibt es keinerlei Objekte oder Strukturen, die auf seine Größe hindeuten. Er liegt im nassen Sand und spiegelt sich teilweise in den Wasseransammlungen.

Die Umgebung

Der Pazifik ist in der Gegend beinahe tropisch warm, wird aber sehr schnell tief. Kurz vor der Küste verläuft ein Tiefseegraben mit mehr als 1000 m Wassertiefe.

Kopf eines Großen Tümmlers
Zum Vergleich der Kopf eines großen Tümmlers.

Laut mehrerer, übereinstimmender Meldungen haben weder Meeresbiologen noch lokale Fischer den Puerto Vallarta-Fund identifizieren können. Diese Floskel liest man sehr häufig, nahezu ebenso oft ist sie unwahr. Meist werden weder Fischer noch Meeresbiologen gefragt, da eine „Identifikation auf den ersten Blick“ für eine Story der Tod ist.
Die Spekulationen in den sozialen Medien reichen von Schnabelwal über Delfin-Aal-Mischling bis hin zu unbekannten Tiefseefischen. Offenbar melden sich mal wieder die falschen Leute zu Wort, denn die Identifikation ist sehr einfach:

Die Identifikation des Puerto Vallarta-Fundes

Bei der Identifikation sollte man sich nicht von äußeren Merkmalen wie „es hat eine Schnauze wie ein Delfin und ist auch so gefärbt, also ist es einer“ leiten lassen. Hier ist systematisches Vorgehen erforderlich:

Körpermerkmale
Körpermerkmale des Puerto-Vallarde-Kadavers

Kopf des Puerto Vallerte-Fundes
Details des Kopfes
  1. Wenn man davon ausgeht, dass der Kadaver äußerlich weitgehend unzerstört ist, fällt als erstes die seltsame Beflossung auf. Paarige Flossen wie Brust- und Bauchflossen fehlen. Die Afterflosse reicht bis an die Schwanzspitze, vermutlich der Rückenflosse ebenso. Die Schwanzflosse scheint zu fehlen. Diese beiden Merkmale findet man in der Ordnung der Aale. Hinzu kommt, dass alle Vertreter der Aal-Ordnung, genau wie der Puerto Vallarta-Fund schuppenlos sind.
  2. Knöcherne Kiemendeckel fehlen, stattdessen atmet das Tier durch ein häutiges Loch aus. Dies reduziert die Möglichkeiten auf die Familien der Schlangenaale Ophichthidae und der Muränen Muraenidae.
  3. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal zwischen Muränen und Schlangenaalen sind die Nasenlöcher. Beide Familien haben an beiden Nasenseiten je zwei Öffnungen, die Tiere haben also vier Nasenlöcher. Bei den Schlangenaalen sitzen alle vier Nasenlöcher vorne in der Spitze der Schnauze, zwei davon in einer kurzen, nach unten weisenden Röhre. Bei den Muränen sitzt je ein Nasenloch vorne an der Schnauze, jedoch relativ weit oben. Auch dieses kann durch eine kurze Röhre verlängert sein. Das andere Nasenloch liegt nahe dem Auge auf einem kleinen Hügel.
    Beim Puerto Vallarta-Fund ist die linke Nasenseite erkennbar. Die vordere Nasenöffnung ist oberhalb des Kieferknochens deutlich zu sehen. Etwas schlechter kann man den Buckel vor dem (fehlenden) Auge erahnen.
  4. Die Zähne liefern die Bestätigung. Die meisten Muränen fressen Fische und Cephalopoden, und haben ein entsprechend angepasstes Gebiss: Neben den normalen Zähnen auf dem Kieferrand besitzen viele Arten noch spitze Knochenfortsätze in der Mitte des Oberkiefers. Ob es anhand des Fotos der Zähne die Muräne bis zur Art zu bestimmen, ist unklar.
    Insbesondere die Zähne sind immer wieder wichtig für die Bestimmung eines Kadavers. Sie sind charakteristisch, oft artspezifisch geformt und aus hartem Material. Sie verlieren ihre Form weder durch Vertrocknen noch durch Verwesung. Hinzu kommt, dass für die meisten Tiere Zahnschemata oder Fotos der Gebisse hinterlegt sind und man relativ einfach an Bilder von Vergleichsmaterial kommt.

Der fehlende Größenvergleich

Offen bleibt die Frage nach dem Auge. Fischaugen sind herausstehende, wenig geschützte Blasen, die sehr schnell durch mechanische Einflüsse wie Reibung, aber auch Schärkräfte in der Brandung abgelöst werden können. Außerdem sind sie für Aasfresser wie Möwen und Krabben schnell und einfach erreichbar.

Portrait einer Muräne
Portrait einer Muräne, gut sichtbar ist die komplizierte Nase

Eine Muräne zeigt ihre Zähne an der Putzerstation

Vermutlich war es Absicht, durch jeglichen fehlenden Größenvergleich das Tier „ungeheuerlicher“ erscheinen zu lassen, als es eigentlich ist. Eine 70 bis 200 cm lange Muräne am Strand ist schon etwas Ungewöhnliches. Die Zähne sind -insbesondere durch die dritte Reihe Pseudozähne- sehr spektakulär. Natürlich ist es cooler, einen Schnabelwal zu finden, aber mal ehrlich: Die haben deutlich sichtbare Flipper, eine Fluke, ein Blasloch am Kopf – und nur bis zu zwei Zähnen. Kein Wal oder ein anderes Säugetier hat eine dritte Zahnreihe im Oberkiefer. Der Puerto-Vallarta-Kadaver hat mehr als 20 schon im Oberkiefer sichtbare Zähne. Fällt sowas nicht auf?

Daher die allgemeine Bitte: erst nachdenken, dann posten. Und beim Fotografieren sollte irgend ein Größenmaßstab im Bild sein.


Links:

Binnall, Tim: Strange Eye-Less Creature Remains Discovered on Beach in Mexico, Coast-to-Coast AM vom 14.02.2020




Presseschau Kalenderwoche 07/2020

Wie immer montags gibt es auch heute die Presseschau mit Pressemitteilungen aus Zoologie, Kryptozoologie und Tierischem zum Schmunzeln aus der vergangenen Woche. Viel Spaß beim Lesen.

 

Letzte Mammuts waren krank

Mammut-Nachbildung mit Neanderthaler im LVL-Museum für Naturkunde Münster
Mammut im Naturkundemuseum Münster

Die letzten Mammuts lebten auf der Wrangel-Insel im Norden Sibiriens. Dort starben sie irgendwann zwischen 5600 und 4000 Jahren vor heute aus. Der genaue Grund war bisher nicht bekannt, aber es ging offenbar am Ende sehr schnell. Bisher wurden Probleme mit der Ernährung, dem Trinkwasser oder Bejagung durch den Menschen diskutiert.

Erin Fry von der University of Chicago ist anderer Meinung: „Die isolierten Wrangelinsel-Mammuts erlebten einen rapiden Populationsrückgang, was zu Inzucht, dem Verlust genetischer Vielfalt und als Folge zur Festsetzung potenziell schädlicher Allele führte“, erklärt sie.

Um dies zu belegen, untersuchten sie erhaltene Sequenzen von einem Wrangelinsel-Mammut, zwei älteren Mammuts und drei asiatischen Elefanten, den nächsten lebenden Verwandten der Mammuts. Dabei fanden sie eine Reihe von Mutationen, die wichtige Zell- oder Organfuktionen betroffen haben könnten: In der neurologischen Entwicklung, bei Insulin-Signalwegen, der Fruchtbarkeit und für den Geruchssinn wichtigen Genen.

Das Besondere an dieser Arbeit: Die Wissenschaftler haben nicht nur Mutationen ermittelt, sondern auch überprüft, ob sie schädlich waren: Zumindest manche Mutationen führten in den Zellen zur Produktion von Proteinen, die nicht normal funktionierten. „Unsere Ergebnisse bestätigen, dass manche Mutationen tatsächlich funktionsverändernd waren“, konstatieren Fry und ihre Kollegen. In gesunden, großen Populationen treten diese Defekte kaum zu Tage, da sie in der Regel rezessiv sind, bei mischerbigen Tieren also nicht auffallen. Durch die geringe Populationsgröße auf der Wrangelinsel kam es jedoch häufiger zur Verpaarung verwandter Tiere, so dass die mutierten Gene homozygot auftraten.

Wer mehr wissen möchte, insbesondere welche Gene wie betroffen sind, kann bei Daniela Albat nachlesen oder in Genome Biology and Evolution, 2020; doi: 10.1093/gbe/evz279


Robbe im Rhein gesichtet

Seehund im Wasser, Tierpark Bochum
Seehund

t-online war einer der ersten, später kamen weitere Nachrichtenlieferanten dazu und meldeten: Am 10.02.2020 wurde eine Robbe im Rhein bei Krefeld gesichtet. Fotos zeigen den Kopf eines Seehundees, was auch Jochen Reiter, Direktor des Aquazoos Düsseldorf bestätigte. Später wurde das Tier auch bei Mündelheim bei Duisburg fotografiert.

Seehunde im Rhein sind zwar selten, aber keine Sensation. 2014 tauchte ein Seehund mitten im Medienhafen Düsseldorf auf. Unser Autor Ulrich Magin wies darauf hin, dass Ende der 1980er ein Seehund bei Karlsruhe und Ludwigshafen beobachtet wurde und sogar die Freibäder im Altrhein besuchte. Er berichtet auch, dass Seehunde schon im Rheinknie bei Basel aufgetaucht sind.


Räuberischer Plattwurm aus Argentinien taucht immer öfter in Europa auf

Obama nungara
Obama nungara auf Erde. Foto by Piter Keo, CC 4.0

Der Wurm Obama nungara gehört zu den wenigen Plattwürmern, die an Land leben. Die Tiere werden etwa 5 bis 8 cm lang und stammt ursprünglich aus Argentinien. Sie ernährt sich hauptsächlich von Schnecken und Regenwürmern. Für eine Studie legten Forscher um Jean-Lou Justine vom Museum National d’Histoire Naturelle (MNHN) auf die Regionen Frankreichs. Dabei gab es zwischen 2013 und 2018 530 Sichtungen, in Einzelfällen seien Hunderte Tiere in einem Garten aufgetreten. Bemerkenswert dabei: Bisher fanden fast 50% der Sichtungen in einer Höhe von weniger als 50 m statt, oberhalb von 500 m konnte sich der Wurm vermutlich nicht etablieren.

Die Auswirkungen der Invasion des Wurmes sind noch nicht geklärt. O. nungara frisst vor allem Schnecken und Regenwürmer. Negative Folgen sind wahrscheinlich, denn Obama nungara gilt als der bedrohlichste unter den invasiven Land-Strudelwürmern. In Deutschland wurde er bisher noch nicht festgestellt, wohl aber an der deutsch-französischen Grenze. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit.

Der Gattungsname „Obama“ stammt aus der Sprache der Tupi, einem indigenen Volk aus Brasilien und setzt sich zusammen aus „oba“ für Blatt und „ma“ für Tier. In Frankreich sagt man zu dem Tier „marron plate“.

Literatur: Originalarbeit im PeerJ


Der rosa Manta

Der rosa Manta „Inspector Clouseau“ – Foto by Kristian Laine Photography

Als Unterwasserfotograf Krisian Laine bei Lady Elliot-Island, einer der südlichsten Inseln des Great Barriere Reefes tauchte, glaubte er zunächst an eine Fehlfunktion seiner Kamera. Der Bauch eines Manta-Rochens, der sonst hellgrau erscheint, war rosafarben. Doch die Kamera funktionierte richtig, bei allen Einstellungen blieb der Bau des Rochens rosa.

2015 konnte er den „Inspector Clouseau“, nach den Pink-Panther-Filmen, genannten Manta das erste Mal auf den Chip bannen, seit dem hat er ihn weniger als zehn Mal gesehen. Bereits 2016 konnte Amelia Armstrong vom Project Manta eine Biopsie des Tieres gewinnen. Die Forschungsgruppe veröffentlichte nun, dass der Manta eine Mutation in einem Gen habe, das die Ausbildung von Pigmenten steuert.


Kölner Zoo: Seltener Madagaskar-Buntbarsch nachgezüchtet

Ptychochromis insolitus
Ptychochromis insolitus, der Mangararhara-Buntbarsch, Männchen aus dem Zoo London. Foto by Bjoert Vedt, CC 3.0

Das Aquarium am Kölner Zoo hat den seltenen Madagaskar-Buntbarsch Ptychochromis insolitus nachziehen können. Etwa 200 Jungfische sind geschlüpft, meldete der Zoo dem WDR.

Die Art galt in der Natur als ausgestorben, in Aquarien waren nur zwei Exemplare in London und eines in Berlin bekannt. Alle drei Tiere waren Männchen. Das Londoner Aquarium ging 2013 auf die Suche nach Tieren in Privathand. Der Tilapia-Züchter und „Fisch-Flüsterer“ Guy Tam Hyock aus Madagaskar meldete sich daraufhin. Er habe die Fische in einem Teich gesichtet. Experten aus Toronto und London konnten daraufhin 18 Tiere fangen und ein Nachzuchtprogramm starten.

Seit Oktober 2019 ist auch der Kölner Zoo an diesem Programm beteilgt, jetzt ist die erste Nachzucht gelungen. Etwa 50 Jungtiere sind bereits in andere Zoos in Europa umgezogen, in der Ausstellung wird der auch als Mangarahara-Buntbarsch erst Mitte dieses Jahres zu sehen sein.

Ptychochromis insolitus ist in einem Flusssystem im Norden Madagaskars endemisch (gewesen). Durch Habitatverlust ist er in der Natur vermutlich ausgestorben. Bei den Zootieren handelt es sich also um „fancy animals“. Die Tiere erreichen eine Standardlänge von etwa 5,5 cm (Gesamtlänge 7 bis 8 cm) und sind metallisch blau gefärbt und haben rote Flossenspitzen.


„Neuer“ Raubsaurier in Kanada entdeckt

Passend ist der Gattungsname als „Sensenmann des Todes“ übersetzt. Thanatotheristes degrootorum war ein 79 Millionen Jahre alter Tyrannosaurier, also ein entfernter Verwandter von Tyrannosaurus rex. Anders als sein berühmter Verwandter war er mit einer langen, eher schmalen Schnauze ausgestattet, die charakteristische Rillen am Oberkiefer trug. Diese Rillen waren im Leben vermutlich mit Gewebe und Schuppen verdeckt und nicht sichtbar.

Thanatotheristes ist der älteste aus Kanada bekannte Tyrannosaurier. Seine nur fragmentarisch erhaltenen Fossilien fanden Forscher am Bow River in Alberta, Kanada. Das nicht ausgewachsene Tier wird auf etwa 8 m Länge geschätzt, hatte eine Standhöhe von etwa 2,4 m und 70 mm lange Zähne. Thanatotheristes degrootorum ist damit etwas kleiner als die im Schwestergruppenverhältnis stehende Gattung Daspletosaurus (mit bisher drei bekannten Arten). Der Fund dieses geologisch ältesten Tyrannosauriden in Kanada ermöglicht neue Einblicke in die Evolution dieser Gruppe.

Der Artname degrootorum ehrt die Finder, das Ehepaar Sandra und John De Groot, die den bisher unbekannten Dinosaurier auf ihrem Land fanden.

Die Originalarbeit ist in Cretaceous Research erschienen.


Wölfin läuft 14.000 km – und stirbt

Wolf auf einem bemoosten FelsenOR-54 war eine einsame Wölfin. Sie lebte in Nordkalifornien und Oregon und trug ein Sendehalsband. Damit konnten Wissenschaftler belegen, dass sie in ihrem Lebensraum täglich im Durchschnitt etwa 21 km zurücklegte, in den letzten zwei Jahren 14.000 km – auf der Suche nach einem Partner oder einem anderen Rudel. Am 5. Februar wurde sie tot im Nordosten Kaliforniens gefunden, ihr Halsband hatte bereits im Dezember aufgehört zu senden.

Woran das vier Jahre alte Weibchen gestorben ist, ist noch unklar. Das California Department of Fish and Wildlife stellte klar, dass das Töten von Wölfen ein Verbrechen darstellen und schwer bestraft werden kann. OR-54 war Tochter von OR-7, der in seinen frühen Jahren auch aus Oregon weit umherstreifte, jedoch nach Gründung eines Rudels sesshaft wurde. OR-54 bekam 2017 ein Sendehalsband, als sie nach Kalifornien wechselte. Während ihrer Suche hat sie die Counties Butte, Lassen, Modoc, Nevada, Plumas, Shasta, Sierra, Siskiyou und Tehama besucht. Dies sind die südlichsten Wolf-Nachweise, seit 2011 in Kalifornien wieder Wölfe vorkommen.

Der Tod von OR-54 ist ein schwerer Rückschlag für die fortgesetzte Wiederansiedlung von Wölfen in Kalifornien, egal durch was er verursacht wurde, sagt Amaroq Weiss, ein Wolf-Anwalt des Center for Biological Diversity.

Heute vermutet das California Department of Fish and Wildlife weniger als ein Dutzend Wölfe im Sunshine State. Der bekannte „Shasta-Pack“ aus schwarzen Wölfen verschwand 2015 nach nur drei Jahren, ein einziges Jungtier hat überlebt und ebenfalls den Staat verlassen.


Neues vom Krokodil im Reifen

Krokodil im Reifen
Das Krokodil im Reifen ist zu einer tragischen Berühmtheit geworden. Foto: phys.org

Nachdem zahlreiche Versuche fehlgeschlagen sind, ein indonesisches Salzwasserkrokodil aus einem Mofareifen zu befreien, hat sich ein australischer Fernsehstar zu Wort gemeldet. Der Wildtierexperte und Moderator der Sendung „Outback Wrangler“ Matt Wright hat einen Plan: Er will das Krokodil ködern und mit einer Harpune fixieren. Dann will er den Mofareifen vom Hals des Krokodils entfernen.

Die Harpune soll nur flach in die Haut eindringen. Der dadurch entstehende Schmerz gleiche lediglich dem eines Ohrlochstechens*, versicherte Wright in Palu. Sein Team habe das „Hauptereignis“ bereits erfolgreich an einem kleineren Krokodil geübt.

Wir berichteten bereits am 3. Februar über das Krokodil, das mit seinem Hals in einem Mofareifen steckt.

* Matt Wright trägt keine Ohrlöcher, soweit die Redaktion das anhand der im Web befindlichen Bilder erkennen kann. Wie will er das einschätzen?


Süd-Ontario: Angriff der schwarzen Höllenhunde?

Der Vorfall ereignete sich angeblich bereits im Oktober 2017, wurde aber jetzt erst bekannt: Ein Zeuge namens „RM“ und drei andere Männer waren nachts auf einem Maisfeld, um zu ernten. Das Feld lag südlich des alten Bethel Union Pioneer Friedhofes, an der Creemore Ave in Clearview, Ontario, Kanada (auf der Landenge zwischen dem Oberen See und dem Ontariosee, auf Internetkarten leicht zu finden). Der Mais war über 8 bis 10 ft. hoch gewachsen, so dass es Erntezeit wurde.
„RM“ berichtet (auszugsweise):

Wir gingen durch das Feld und teilten uns auf. Ich war ganz rechts. Vor mir sah ich einen blauen Blitz auf dem Friedhof, etwa 10 bis 15 ft. über dem Boden. Dann gab es ein Geräusch, als ob etwas schweres zu Boden gefallen wäre. Dann passierte ein paar Hundert ft. entfernt genau das selbe.

Diese ‚Dinge‘ kamen aus den Bäumen ins Maisfeld mit einer unglaublichen Geschwindigkeit, schneller als alle lebenden Kreaturen, die ich je gesehen habe. Sie begannen mit Scheinangriffen auf mich und meine Freunde. Drei bis viermal kamen sie an den Rand des Sichtfeldes. Sie waren groß wie Grizzly-Bären und schnell wie Rennwagen. Sie hatten große, wolfsähnliche Köpfe mit spitzen Ohren und breiten Schultern, auf denen der Kopf ohne Hals saß.

(Der Bericht geht noch weiter, bis RM anfängt zu Jesus Christus zu beten und die Kreaturen verschwinden)

Wenn man sich überlegt, dass auch in Kanada Silagemais mit Vollerntern abgebaut, stellt sich die Frage, was RM und seine Freunde nachts in einem Maisfeld wollten. RM sagt dies auch frank und frei: sie hatten zwischen den Maispflanzen Marihuana angebaut. Ob sich das irgendwie auf die Beobachtung ausgewirkt hat?

Quelle: phantomsandmonsters


Paul LeBlond verstorben

Paul Henry LeBlond (Foto: L. Coleman)

Der kanadische Ozeanologe und Kryptozoologe Dr. Paul Henri LeBlond ist am 8. Februar 2020 im Alter von 81 Jahren verstorben. Er litt unter einer unheilbaren Leukämie, deren Behandlung er willentlich einen Tag vor seinem Tod abbrach.

LeBlond war unter anderem Professor an der University of British Columbia und arbeitete mit Heuvelmans zusammen, unter anderem am Lake Champlain Monster und dem Cadborosaurus. Er forschte auch an Ogopogos, Nessie, Champs und Caddys, lehrte Kryptozoologie und trat in Dokumentationen auf.

Paul LeBlond hinterlässt eine Ehefrau und drei erwachsene Kinder.


TV-Vorschau

Auch für diese Woche hat Ulrich Magin wieder eine TV-Vorschau erstellt. Wir bieten sie diese Woche wieder zum Download und Ausdrucken an. So kann man sie direkt am Fernsehsessel unterbringen.

TV-Tipps für die aktuelle Woche.


Kurz gemeldet:

 

POK Löffler beim Befreien des Vogels mit fachmännischem Geschick.
Hat das Tier bei seinen Personalien gelogen? (Foto: Polizei Eschwege)

  • In der Nähe von Lough Neagh in Nordirland haben Berufsfischer Raymond McElroy und Charlie Coyle einen Schädel eines Riesenhirsches Megaloceros giganteus aus nur 20 Fuß tiefem Wasser gezogen. Der Schädel ist nahezu komplett erhalten mit zwei riesigen Geweihschaufeln.
  • In Uganda tötete am 3. Februar ein Blitzeinschlag vier Berggorillas. Sie stammten aus der ehemals 17 Mitglieder starken Hirwa-Familie, die im letzten Jahr aus dem Volcanoes National Park in Ruanda eingewandert war.
  • Ebenfalls aus dem Volcanoes National Park stammt diese Meldung: Zwei Berggorillas wurden hier dabei gefilmt, wie sie Wildererfallen demontierten. Ein Gorilla-Tracker wollte in Sichtweite des Kuryama-Clans eine Falle entschärfen, aber der Silberrücken hielt ihn mit Grunzlauten zurück, bis zwei vierjährige Gorillas kamen und die Falle demontierten. Offenbar erkannte der Silberrücken die Gefahr der Falle, schützte auch den Wildhüter und ließ zwei geübte Entschärfer ihren Job erledigen.
  • Aufnahmen aus Juli 2019 zeigen, wie ein bisher unbekannter Wolf eine Grünbrücke über die A3 überquert hat. Laut Landesumweltamt NRW lief der Wolf in hohem Tempo in Richtung Wahner Heide in der Nähe des Köln/Bonner Flughafens. Wo der Wolf geblieben ist, ist unklar.
  • Ebenfalls Wildkamerabilder belegen die Anwesenheit von Wolffamilien im nahe gelegenen Westerwald. Bei Bad Hönningen spielte eine Wölfin mit fünf Welpen vor einer Fotofalle, im Landkreis Altenkirchen sind im letzten Jahr zwei Schnappschüsse von einem Einzelwolf entstanden.
  • Die Polizei in Eschwege rückte aus, um einen angeblichen Falken zu befreien. Das Tier, zweifellos ein Greifvogel, war gegen eine Glasscheibe der Rückwand einer Bushaltestelle geflogen und zwischen dem Haltestellenhäuschen und einem Maschendrahtzaun gefangen. Die beherzten Beamten befreiten den Vogel aus seiner misslichen Lage und ließen ihn ohne Kontrolle der Personalien fliegen.
    Der Vogel auf dem Foto in der Pressemeldung sieht einem Sperber oder Habicht erstaunlich ähnlich.

Strandungen

  • Groß durch die Medien ging ein angeblich augenloses, delfinartiges Tier, das in Playa Los Destiladeras an der Pazifikküste Mexikos angeschwemmt wurde. Der Mirror berichtete. Wir nehmen morgen ausgiebig Stellung zu dem Fund.
  • Bei Nare Point an der Kanalküste von Cornwall ist am Freitag, 14.02. ein Finnwal lebend gestrandet. Die folgende Ebbe hat er trotz eifriger Bemühungen von Helfern nicht überlebt. Sein Körper zeigt Seil-Abdrücke, bei youtube gibt es ein kurzes Video des Tieres.
  • Auf der dänischen Insel Rømø (deutsch Röm) ist ebenfalls am Freitag, 14.02. ein Cuvier-Schnabelwal (Ziphius cavirostris)gestrandet. Für diese Tiefwasserbewohner ist die Nordsee ein untypischer Lebensraum. Hat das Auftauchen dieses Wales mit der Strandung von Pottwalen an der Küste Großbritanniens zu tun? Pottwale und Cuvier-Schnabelwale sind beides Tieftaucher, die sich hauptsächlich von Kalmaren ernähren.
  • Bereits am 13.02. ist ebenfalls ein Cuvier-Schnabelwal im Süden Brasiliens gestrandet. Obwohl er lebend strandete, konnte er nicht gerettet werden.
  • An der schottischen Nordseeküste bei Aberdeen ist ein größtenteils skelettierter Wal angespült worden. In den sozialen Medien hat dies für Wirbel und die üblichen Spekulationen geführt, vor allem, weil schlechte Fotos keine eindeutige Identifikation erlauben. Nick Davidson vom Scottish Marine Animal Stranding Scheme bestätigte, dass es sich um die Überreste eines Nordatlantischen Zwergwales handele, die im Oktober angespült worden sind und jetzt durch das schwere Wetter wieder freigelegt wurden.
  • Ein weiterer Strandfund gelang Erika Constantine in der Nähe von Charleston, South Carolina. Das halb verweste Tier, dessen Fotos auch für Wirbel sorgten, konnte aber schnell als Waschbärkadaver identifiziert werden.

Der Aberdeen-Fund mit Kind als Größenmaßstab, Reste eines Zwergwals

South Carolina Monster
Das South Carolina-Monster, ohne Größenvergleich, Reste eines Waschbären

Größere Arbeiten auf dem Server: Website ist am Wochenende kurzzeitig „down“

Ob die Nachtarbeit bei uns so aussehen wird?

In der Nacht von Samstag, 22.2. auf Sonntag, 23.2.2020 führen wir größere Wartungsarbeiten auf dem Server durch. Wir werden damit einige technische Probleme behandeln, zudem wird die Website ein neues Aussehen und einige Zusatzfeatures erhalten.

Wir bemühen uns, die „Downtime“ so kurz wie möglich zu halten. Samstag um 18 Uhr beginnen wir mit der Arbeit und sind hoffentlich bis Sonntagfrüh, 8:00 Uhr fertig.

Die Presseschau wird am nächsten Montag, den 24.2. wie üblich erscheinen, allerdings wird der Redaktionsschluss auf Samstag, 15 Uhr vorverlegt.


Feld-Ornithologisches

Allgemeines:

Unbekannte haben in der Nähe von Wesel die Bäume einer Kormoran-Kolonie abgesägt. Die Kolonie lag auf einer Insel in einem See, hier liegen nur noch Haufen von Ästen. Nach Aussage des NABU Wesel nutzen bis zu 100 Kormorane die kleine Insel im Bergen-See als sicheren Schlafplatz.

Peter Malzbender, Vorsitzender des NABU-Kreisverbands Wesel ist sich sicher, wer die Insel so zerstört hat, muss mit einem Boor und einer Motorsäge auf die Insel gefahren sein. Bereits im Januar hatte ein Vogelkundler den Schaden bemerkt und die Straftat angezeigt. „Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist die Beseitigung von Fortpflanzungs- und Ruhestätten verboten“, sagt Klaus Horstmann, Vorsitzender der Untern Naturschutzbehörde des Kreises Wesel. „Eine solche Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.“ Die Behörde hofft auf Zeugenaussagen von Wanderern und Anwohnern.

Vor rund 30 Jahren war der Kormoran in mitteleuropäischen Binnenland beinahe ausgerottet, mittlerweile erobert er seine alten Lebensräume zurück. Die Bestände bei Bislich sind in den vergangenen Jahren nicht weiter gestiegen, der Vandalismus könnte diese Bestände bedrohen.

Tipp der Redaktion an die Ermittlungsbehörden: Geht undercover in die Vereinslokale der Angelvereine.

 

Neu in der vergangenen Woche

  • Der WDR-Rundfunk meldete am Freitag (14.02.), dass die ersten Störche im Naturschutzgebiet „Bislicher Insel“ bei Wesel am Niederrhein eingetroffen sind.
  • Der NABU meldet, dass der Kranichzug bereits im vollen Gange ist. Auf beiden Hauptrouten sind die großen grauen Vögel unterwegs, wobei die Südroute über Hessen den größeren Verkehr hat. Am 10.2. wurden im Lahntal bei Marburg 8400 Kraniche, am 13.2. an der selben Stelle zahlreiche kleinere Fluggemeinschaften mit noch einmal 6800 Tieren gezählt.
  • In den Niederlanden sind vier Baikal- oder Gluckenten (Anas formosa) aufgetaucht.
  • Auf dem Wylerberg bei Kranenburg (bei Kleve am Niederrhein) wurde ein Seidensänger Cettia cetti beobachtet.

Die „immer noch da“-Meldungen:

  • Die Polarmöwe in der Nordsee wird jetzt von Helgoland gemeldet.
  • Der Freiburger Schildrabe bleibt vor allem in Bahnhofsnähe. Ist es vielleicht ein Zugvogel?
  • Die neulich beobachtete Zwergammer am Drachenfels ist wieder da
  • Die Ringschnabelenten der Abgrabung Bärensee in Rastatt und im Neustädter (Rübenberge) Krankenhaus-Teich sind noch vor Ort. Die anderen beiden scheinen abgewandert zu sein.
  • Die Kanadapfeifente hält auf der Luppe in Leipzig die Stellung.
  • Auf dem Ismaninger Speichersee hat sich die Zwergscharbe wohl eingerichtet.
  • Eismöwen werden vom Meldorfer Speicherkoog, Helgoland und Lingen (Ems) gemeldet.

Nicht mehr gemeldet:

  • Nicht verwunderlich, dass die Großgreifvögel nur eine Stippvisite hatten.
  • Der Gelbschnabeltaucher vom Müggelsee wurde nicht mehr beobachtet.
  • Die Ringschnabelmöwe vom Hitdorfer Hafen ist wohl auch abgewandert. Die Fotoaktion letzte Woche war wohl gerade noch rechtzeitig.

In diesem Zusammenhang möchte die Redaktion auf den Atlas Deutscher Brutvogelarten hinweisen. Das umfassende Werk von über 300 Arten gibt es für nur € 29,95 beim Humanitas-Versand zum Download.


Zu guter Letzt: Weltgrößter Höhlenfisch entdeckt

In der Um Ladaw Höhle, im Bundesstaat Meghalayain Nordostindien hat der Biologe Daniel Harries den bisher größten, bekannten Höhlenfisch entdeckt. Dieser Fisch wiegt etwa zehnmal soviel, wie die bekannten Höhlenfische. „Meine erste Reaktion, als ich den Fisch sah war: ‚Wir brauchen ein größeres Netz!'“, sagte Harries der National Geographic. Die Tiere scheinen mindestens 40 cm Länge zu erreichen. Wie alle Höhlenfische hat die neu entdeckte Art zurückgebildete Augen und ist weiß gefärbt.

Bei den Tieren handelt es sich um Karpfenfische, die eng mit dem „Golden Mansheer“ Tor putitora verwandt sind. Möglicherweise ist der Prozess der Artbildung noch im Gange. Tor putitora ist einer der größten Karpfenfische und kann über 1,5 m Länge und mehr als 50 kg Gewicht erreichen.


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.




Freitagnacht-Kryptos: Frühe Alien Big Cats

 

 

„Alien Big Cats“ oder ABCs, auf Deutsch etwa „Katzen fremder Zonen“ (KFZ) sind ein Phänomen, das hauptsächlich in den 1960er Jahren beginnt. Wie bei vielen anderen „mysteriösen Erscheinungen“ gibt es natürlich frühere Vorläufer, die jedoch isoliert auftraten und bei denen oft genug eine ausgebrochene exotische Raubkatze als Auslöser dingfest gemacht werden konnte.

Tiger im Zoo Nürnberg
Sibirische Tiger leben unter härteren Klimabedingungen, als Mitteleuropa bietet

Leopard
Leoparden sind so anpassungsfähig, in Mitteleuropa könnten sie vermutlich überleben

So wie hier in Nürnberg im Jahre 1929. Der Bericht stammt aus dem „Auckland Star“, Neuseeland, vom 7. Dezember 1929 (und ist aus dem Englischen übersetzt):

Tiger von Glas getötet

Zerbrochene Flaschen auf einer Gartenmauer brachten einem bengalischen Königstiger, der aus einem Zirkus in Nürnberg geflohen war, den Tod. Die große Katze war in den Schankraum eines Gasthauses eingedrungen und versuchte, über die Mauer zu springen, als sie von Zirkusmitarbeitern gejagt wurde.

 

Eine irische Zeitung, der „Irish Daily Telegraph“ meldete am 6. Februar 1934: „Ein bisher unidentifiziertes Raubtier wildert unter den Hirschen und Rehen in den Wäldern entlang der Lahn“ und berichtet von einer Raubkatze, die bei Ober-Mörlen und Driedorf den Forst unsicher machte. In der gleichen Zeit, am 29. Januar 1934, berichtete das Badische Tageblatt von einen Panther, der bei Zürich einem Zirkus entsprungen war.


Literatur:

Auckland Star, Volume LX, Issue 290, 7 December 1929


Ulrich Magin (geb. 1962) beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Kryptozoologie, insbesondere mit Ungeheuern in Seen und im Meer. Er ist Mitarbeiter mehrerer fortianischer Magazine, darunter der „Fortean Times“ und Autor verschiedener Bücher, die sich u.a. mit Kryptozoologie befassen: Magischer Mittelrhein, Geheimnisse des Saarlandes, Pfälzer Mysterien und jüngst Magische Mosel.

Kontaktanfragen an den Autor bitte durch die Redaktion.

 




Satyrn in Neu England – Vier Begegnungen und kein Todesfall

 

 

Die Neuenglandstaaten gelten als die „europäischsten Staaten“ der USA. Sie wurden mit als erste von britischen Einwanderern besiedelt, deren stolze Traditionen sich bis heute erhalten haben. Heute bringt man sie eher mit den traditionsreichen „Ivy-League“-Universitäten, „altem Geld“, aber auch dem Indian Summer zusammen – und zahlreichen grenzwissenschaftlich bekannten Ereignissen.

Im Gegensatz zu anderen Teilen der USA sind diese Ereignisse in ihrer Substanz europäisch. Sie gehen nicht auf indigene Mythen und Erzählungen zurück oder basieren auf Ideen, die in der neuen Welt entstanden. Ihre Substanz haben die Siedler aus ihren Herkunftsländern mitgebracht.

Als einer der ersten „Vorfälle“ dieser Art gelten die Hexenprozesse von Salem. Ausgehend vom Örtchen Salem in Massachusetts wurden 1692 in vielen Orten Neuenglands innerhalb weniger Monate über 400 Menschen der Hexerei bezichtigt. 20 Beschuldigte wurden hingerichtet, 55 haben unter der Folter Falschaussagen gemacht, weitere 150 wurden inhaftiert. Sie basieren auf den schwedischen Hexenprozessen der 1660er und 1670er Jahre.

 

 

Farm in Massachusetts
Liebliche, aufgeräumte Landschaften und hübsche Gebäude…

Massachusetts im Herbst
und der Indian Summer, dafür ist Neu England bekannt.

Weiter in diese Gruppe gehören auch die Kontakte mit dem Dover Demon, die 1977 in Dover, Massachusetts stattfanden, ebenso wie der Jersey Devil, die beide unverständlicherweise immer noch als Kryptide geführt werden. Näher an den Beobachtungen ist der Goatman of Maryland, eine Legende, die mindestens in die 1950er Jahre zurückgeht. Im Beltsville Agricultural Research Center (BARC), dem wichtigsten Landwirtschafts-Forschungszentrum der US-Regierung ging ein Versuch schief. Ein Wissenschaftler wurde dabei mit Ziegen „vermischt“ (durch was auch immer), so dass eine Mischkreatur aus Mensch und Ziege geschaffen wurde. Diese Kreatur, die einem Satyr ähnelt, zieht durch die Wälder und greift Autos an, insbesondere solche mit Teenager-Pärchen, die gerne ein wenig alleine sein möchten.

Faun
Ein Faun

Dürers Satyr-Familie
So stellte Dürer 1505 eine Satyr-Familie dar

Jersey Devil
Der Jersey-Devil nach einer Zeichnung der Philadelphia Post von 1909

 

Die erste Faun-Beobachtung und ein Zitat

Dieser Bericht stammt aus Joseph Citros „Vermont Monster Guide“ von 2009. Das Buch ist in Deutschland leider nur zu horrenden Preisen zu haben. Wer zufällig in den USA oder Großbritannien ist, sollte in einem Antiquariat oder einer Buchhandlung danach suchen. Übersetzt schreibt Citro folgendes:

In den frühen 1960ern berichteten die Bewohner von „Mt. View development“ in Jericho ein halb menschliches, halb Ziege-Monster. (…) Es spähte in Fenster, lauerte in Themes herum, verängstigte jeden – und verschwand. Einige Leute sagen, es sei zum nahen Mt. Mansfield geflohen, wo es immer noch zwischen Felsen und Bäumen lebt.

Citro führt das Ganze nicht näher aus. Peter Muise vom Blog  „New England Folklore“ nennt diesen Vorfall ebenso und führt einen Bericht bei der bfro, der Bigfoot Research Organisation auf, dessen Daten er nicht kennt. Nach kurzer Suche kam der Autor auf bfro Media Article # 398. Hier bezieht sich der Autor auf den Liberty County, Texas. In diesem Media Article zitiert die bfro auf eine nicht mehr im Netz befindliche Seite von i-dineout.com:

Wieso Texas?

Nach dieser Seite sollen Leute aus der Gegend um Dayton, Texas, genauer der Landstraße 1409. Hier haben Anwohner die Polizei gerufen, weil sie eine kleine Kreatur in der Nachbarschaft sahen, die sie als Monkey Man bezeichneten. Der Webmaster war skeptisch, hat den örtlichen Sheriff kontaktiert, der Berichte des „Monkey Man of 1409“ bestätigte. Die Straße, in dessen Nähe er auftrat war die Kreuzung mit der County Road CR 450 und die Straße selbst. Auf Patrollen konnte das Wesen aber nicht gesichtet werden.

Ziege
Portrait einer Ziege, unsicher ist, wie sie sich mit Menschen zum Goatman vermischt haben soll.

Liberty County
Pfad durch die dicht bewachsene Sumpfregion beim Day Lake (Foto: Carol Highsmith)

Statt dessen hatte der Zeuge einen Kontakt mit dem Wesen. Er war Bogenfischen (Fischjagd mit Pfeil und Bogen) von einer Brücke am Day Lake. Dies will der Zeuge nicht wiederholen. Er schreibt:

„Da ist etwas in der Gegend um den See. Ich weiß nicht was, aber es ist weder menschlich noch tierisch. Etwas wie ein Wildschwein, das auf seinen Hinterbeinen läuft. Glaubt mir, ich bin Jäger und ich habe noch nie ein Wildschwein auf den Hinterbeinen laufen sehen.“

Derselbe Zeuge bezieht sich noch auf die 1960er und 1970er Jahre, als es Gerüchte eines Wesens, halb Mensch, halb Ziege aus der Gegend um den Day Lake und die Straße 1409 gegeben hat. Jeder in der Schule gab an, das Wesen gesehen zu haben. Der Zeuge erzählt, dass er viele schöne Stunden in der Gegend verbracht hat, aber ohne das Wesen selbst zu Gesicht bekommen zu haben.

Anmerkung:

Bemerkenswert ist hier erneut die Ähnlichkeit zu einer Legende. Die Old Alton Bridge liegt etwa 400 km nördlich bei Dallas, Texas. Laut der Legende zog ein afro-amerikanischer Ziegenzüchter in die Umgebung, war dort mit seinem Unternehmen sehr erfolgreich und wurde allgemein geachtet. 1938 war dies den Männern vom lokalen Ku-Klux-Klan zuviel, einen wohlhabenden Schwarzen wollte man nicht dulden. Also schleppte man ihn zur Brücke, wo man ihm ein Seil um den Hals legte und ihn herunter stieß. Als die Klansmen das Seil wieder erblickten, war die Schlaufe leer. In Panik fuhren sie zu seiner Familie und ermordeten Frau und Kinder.
Seit dem erscheinen, so die Legende, seltsame Lichter und geisterhafte Figuren in den Wäldern in der Umgebung der Brücke. Zeugen berichten von unklaren Berührungen, tastenden Händen und dass sie mit Steinen beworfen wurden. Wer nachts mit ausgeschalteten Scheinwerfern über die Brücke fährt, soll einen Kontakt mit dem „Goatman“ bekommen.

Das Motiv der Beobachtung ist sehr ähnlich. Eine Brücke, der Ziegenmensch, umgebende Wälder, in denen irgend etwas ist. Der Zeuge von i-dineout schreibt von sich, dass er erst vor kurzem in diese Gegend gezogen sei. Woher? Zufällig aus der Gegend von Dallas?

Eine ähnliche Legende, wenn auch mit anderem Entstehungsmythos stammt aus Kentucky, wo das Pope-Lick-Monster, ebenfalls ein Ziegenmensch sein Unwesen treiben soll.

Die zweite Beobachtung

Die zweite Beobachtung ist etwa 15 bis 20 Jahre jünger und stammt aus den späten 1970ern. Zeuge war hier ein elfjähriger Junge aus Sandwich, Massachusetts. Er sah an einem grauen Dezembertag fern. Der Fernseher stand an einer Wand zwischen zwei Fenstern zum Garten und dem dahinter liegenden Wald. Irgendwann sah er eine humanoide Kreatur mit sehr haarigem Gesicht, die ihn durch das Fenster ansah. Der Junge schätzte sie auf 5 Fuß (1,52 m). Als er anfing zu schreien, grunzte das Wesen und verschwand im Wald. Als sich der Junge beruhigt hatte, rief er seine Freunde an.

Zunächst glaubte er, einer seiner Freunde hätte ihm einen Streich gespielt, aber sie verneinten alle. Zwei Freunde kamen rüber und gemeinsam untersuchten sie den Garten. Das Wesen war längst im Wald verschwunden, aber sie fanden die Fußabdrücke im Schnee. Sie zeigten eindeutig gespaltene Hufe.

Bewertung:

Auch diese Beobachtung wurde von Peter Muise gesammelt, ohne jede Quellenangabe. Bei der Beurteilung ist also ein wenig Vorsicht geboten. Wie Muise hätte auch ich am Ende die typischen Bigfoot-Fußabdrücke erwartet. Die gespaltenen Hufe sind ungewöhnlich, zumal sonst von dem Wesen nichts Huftierartiges aufgefallen ist. Man hätte auch hier eine Parallele zum Dover Deamon erwartet, aber auch diese gab es nicht: weder ein pferdeartiges Gesicht noch Lederflügel. Statt dessen wieder die Neugierde, die von den beiden Wesen aus Jericho und vom Day Lake bekannt sind. Mögen es Satyre, anderen Leuten ins Fenster zu gucken?

Die dritte Beobachtung

Hierzu bezieht sich Muise wieder auf eine Quelle. Die „New England Graveside Tales” von T.M. Gray berichten aus den 1950ern, als ein Einheimischer seinen Pickup durch die Wälder vor Cherryfield, Maine fuhr. Da er am Morgen getankt hatte, wunderte er sich, dass sein Auto auf einer einsamen Straße ausfiel. Als er den Benzintank nachprüfte, war dieser leer, aber ohne Anzeichen eines Lecks. Noch als er darüber rätselte, sah er etwas, das sich aus dem Wald näherte. Zuerst wollte er um Hilfe bitten, aber dann sah er, dass sich kein normaler Bürger von Maine näherte:

Die Person war männlich und trug, wie damals üblich, ein rotes Flanellhemd. Seine Beine waren nackt, dicht behaart und waren wie Ziegenbeine geformt. Zwei Hörner wuchsen aus seiner Stirn. Er hatte spitze Ohren eines Tieres.

50er Jahre Pickup
Typischer Pickup der damaligen Zeit, aber als gut gepflegter Oldtimer

Massachusetts
Wald und See im Indian Summer

Der Ziegenmann ging auf die Straßenmitte, lächelte den Zeugen an, dann überquerte er die Straße und verschwand im Wald auf der anderen Seite. In seiner Panik sprang der Zeuge ins Auto, verschloss die Tür und versuchte zu starten. Der Motor sprang an und er konnte nach Hause fahren. Als er seinen Benzintank erneut überprüfte, war der voll.

Bewertung:

Muise bewertet diese Geschichte anders. Hier offenbart der Ziegenmann magische Fähigkeiten, indem er das Auto ausfallen lässt. Damit ist der Ziegenmann kein genetischer Mutant oder ein Wesen innerhalb der Naturwissenschaften, sondern etwas Paranormales oder Spirituelles. Insbesondere das Flanellhemd hält Muise für etwas Spezielles. Es charakterisiert den Satyr als Mainer, zieht aber auch einen Bogen zu anderen flanelltragenden Entitäten, so Muise. Er nennt hier eine Spukerscheinung namens „The Flannel Man“ und einen geisterhaften, rothaarigen Anhalter auf der Route 44 in Massachusetts. Angeblich soll sogar der Bigfoot in Maine Flanellhemden tragen.

Gesamtfazit

Wenn ich mir die drei bzw. vier Beobachtungen ansehe, haben sie kaum etwas gemeinsam, außer dass von einem eher kleinen, 4 bis 5 Fuß großen, behaarten Wesen gesprochen wird. In der ersten Beobachtung wird das Wesen als halb Ziege, halb Mensch beschrieben, ohne dass irgendjemand genauer darauf eingeht, welche Hälfte von welchem Lebewesen stammt. Die Wesen aus Texas haben Schweinebeine, scheinen aber sonst menschlich zu wirken. Der von dem Elfjährigen aus Sandwich beobachtete Satyr hatte ebenfalls keine Hörner, sondern wirkte in der Beschreibung wie ein junger Bigfoot – lediglich hinterließ er „unpassende“ Fußspuren.

Nur der Satyr aus Maine zeigte sich als „vollständiger“ Satyr, mit lokalem Touch und übernatürlichen Elementen. Keine der Begegnungen, egal ob in Neuengland oder in Texas führt zu echten Konsequenzen, immer sind es nur – offenbar gewollte – Begegnungen, die ohne dauerhafte physische Beweise ablaufen. Und selbst wenn es Spuren gäbe: Was sollen schon Abdrücke von gespaltenen Hufen beweisen, wenn sie in einem Gebiet vorkommen, das vor Hirschen (bzw. Wildschweine in Texas) nur so wimmelt?

Muise führt an, dass eine Intention der Satyre darin bestehen könnte, die Menschen daran zu erinnern, dass ihnen die Welt nicht alleine gehört. Doch dann stellt sich die Frage, wieso sie in drei von vier Fällen nur unvollständige Charakteristika zeigen? Doch nicht nur die physischen Eigenschaften fehlen, auch die Pan und seinen Satyrn eigene Verhaltensweisen zeigt nur der Satyr von Maine im Ansatz: Sie sind Götter bzw. Geister der Freude, des Tanzes, Gesang und Musik – und der Trunkenheit. Sie sind laut, fröhlich und spielen Menschen gerne Streiche.

Satyr-Maske
Satyr-Maske aus der alemannischen Fastnacht

Satyr aus Carnival Row
So stellen sich die Macher von Carnival Row einen Sartyr vor (Bild: imdb)

Der Streich mit dem leeren Tank fällt im Vergleich zu anderen Erzählungen eher halbgar aus. Weniger halbgar erscheint seine „Markierung“ als Einheimischer. Das Flanellhemd bei der Begegnung in Maine war mit Sicherheit kein Zufall. (Gedankennotiz an mich: Wenn ich nach Maine fahre, Flanellhemden einpacken).

Der Zeitpunkt

Wieso kommen diese Beobachtungen jetzt an die Öffentlichkeit? Zugegeben, zwei von ihnen sind in nicht zu alten Büchern erschienen, eine ist in einem Polizeibericht festgehalten – stammt aber aus einer Gegend 2500 km südwestlich. Die dritte Begegnung ist nicht zitierbar. Mir erscheint nach dieser Zusammenfassung willkürlich, wieso sich Peter Muise die ersten zwei bzw. drei Beobachtungen zur Unterstützung des letzten Vorfalls herausgreift. Bei den ersten dreien ist außer durch die Tierbeine bzw. die Bezeichnung Goatman kein Zusammenhang mit dem Satyr der letzten zu finden. Sie unterscheiden sich fundamental im Verhalten, Aussehen und Auftreten.

Durch Carnival Row kamen die Sartyre, Elfen und viele andere Fabelwesen wieder ins Bewusstsein der Öffentlichkeit

Ein Handlungsstrang: der Sartyr Mr. Agreus kämpft um gesellschaftliche Anerkennung. (Bild: imdb)

Könnte es sein, dass die Ausstrahlung der Amazone-Prime-Serie „Carnival Row“ mit der Meldung auf der Seite der „New England Folklore“ nicht nur zufällig zeitlich zusammenhängt? „Carnival Row“ ist eine sehr düster gezeichnete Steam-Punk-Fantasy: Elfen, Satyrn und andere Fabelwesen sind real und leben als Kriegsflüchtlinge in einem inselartigen Stadtstaat mit Menschen zusammen. Eine der wichtigsten Nebenrollen ist der Satyr (Mr.) Agreus, meisterhaft gespielt von David Gyasi. Er ist zu Geld gekommen und muss nicht, wie die meisten Satyrn und Elfen ums Überleben kämpfen, sondern kämpft um gesellschaftliche Anerkennung. Er stellt die den Satyrn nachgesagte, unbändige „Männlichkeit“, unter einer dünnen Decke der Zivilisiertheit gebändigt, hervorragend dar.


Literatur:

Bigfoot Research Organisation: Artikel 398

Citro, Joseph A.: The Vermont Monster Guide; University Press of New England, 2009

Gray, T.M.: New England Graveside Tales; Schiffer Publishing, Ltd. 1. Aufl. 2010

i-dineout.com, die aktuelle Seite geht nur wenige Jahre zurück

i-dineout zum Monkey Man vom 14.07.2003 als Kopie im Webarchive.

New England Folklore zum Thema Satyre in Neu England

Wikipedia zur „Old Alton Bridge





Bizarre Haie: Kragenhaie

 

 

Die Kragenhaie der Familie Chlamydoselachidae sind in vieler Hinsicht bemerkenswert. Sie zeigen eine ganze Reihe ungewöhnlicher anatomischer Merkmale und gehören zu einer isolierten und schon sehr langen eigenständigen Linie innerhalb der Haie. So urtümlich, wie man das teilweise immer noch oftmals lesen kann, ist sie aber nicht. Wie alle anderen lebenden Haie und Rochen gehören sie zu den Neoselachiern. Ihre evolutionäre Linie lässt sich bis mindestens in die Kreidezeit zurück verfolgen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die modernen Arten die selben wie vor 70 Millionen Jahren sind. Auch Kragenhaie haben sich im Verlauf ihrer Evolution immer weiter entwickelt. Sie zeigten in der Vergangenheit einen deutlich größeren Formenreichtum, wie etwa dem riesigen kreidezeitlichen Chlamydoselachus goliath.

In den letzten Tagen war der Kragenhai erneut verstärkt in den Medien, weil ein Fischereiprojekt in Portugal in 700 m Tiefe ins Netz geraten war. Durch das spektakuläre Aussehen des Tieres und seinem Ruf als (vermeintliches) lebendes Fossil hat er sehr viel Aufmerksamkeit bekommen, unter anderem bei Spiegel-Online Wissenschaft.

Schlanke Körperform, merkwürdiger Körperbau

Was wohl zuerst auffällt, ist der sehr lange und schlanke Körperbau mit den eng anliegenden Flossen. Auch die für Haie sehr ungewöhnliche Kopfform ohne ausgezogene „Nase“ ist ungewöhnlich.

 

Chlamydoselachus anguineus
Chlamydoselachus anguineus (Foto: Citron, CC 3.0)

Chlamydoselachus anguineus
Chlamydoselachus anguineus aus den Aufzeichnungen der Challenger-Expedition

Präparat eines Kragenhais in der Sonderausstellung des dt. Jagdmuseums

Betrachtet man die Kragenhaie noch etwas mehr im Detail, fallen noch viele weitere Merkwürdigkeiten auf. Glücklicherweise hatte ich Ende 2012 die Gelegenheit ein Exemplar der Spezies Chlamydoselachus anguineus im Deutschen Jagd- und Fischereimuseum in München in einer Sonderausstellung über Knorpelfische zu sehen und zu fotografieren.

Auf diesen Bildern sieht man einige ihrer ungewöhnlichen Merkmale etwas besser, besonders die Kiemenschlitze. Die meisten Haie haben nur fünf Kiemenschlitze. Bei den Hexanchiformes, zu denen neben den Kragenhaien auch die Kammzähnerhaie der Gattungen Hexanchus, Notorynchus und Heptranchias zählen, findet man bei der ersten Gattung auch sechs, und bei den beiden letzteren sogar sieben Kiemenschlitze. Bei den Kragenhaien sind die ersten Kiemenschlitze auf der Bauchseite sogar miteinander verbunden. Die übrigen Kiemenschlitze reichen teilweise immer noch ungewöhnlich weit nach oben und unten, sind aber nicht mehr miteinander verschmolzen.

 

An den Zähnen sollst du sie erkennen

Besonders interessant sind auch die Zähne der Kragenhaie. Sie sind wie ein Dreizack in jeweils drei lange Spitzen aufgeteilt, und sitzen deutlich voneinander abgesetzt in Reihen hintereinander.

Die Gabelform ist wahrscheinlich eine Anpassung an ihre Beute, vor allem Kopffüßer, aber auch unterschiedliche Tiefseefische. Was mir bei dem Exemplar in München besonders auffiel, war die Anordnung der Hautzähne im Bereich des Mundwinkels. Während sie auf dem restlichen Körper relativ klein sind, finden sich um den hinteren Bereich des Maules deutlich verlängerte und stark vergrößerte Dentikel (Hautzähne):

Chlamydoselachus-anguineus-Jagdmuseum-München
Portrait von Chlamydoselachus anguineus aus dem Jagdmuseum in München

Offenes Maul eines Clamydoselachus
Offenes Maul eines Clamydoselachus anguineus. (Bild: Sansame777 CC 2.0)

Dentikel am Maulrand
deutlich vergrößerte Dentikel am Rand des Mauls

Fossile Einzelzähne
Fossile Einzelzähne von Chlamydoselachus lawleyi (Foto: Luca Oddone CC 3.0)

Tatsächlich sind sie sogar von ähnlicher Größe wie die Spitzen der eigentlichen Zähne im Maul. Zwischen ihnen scheint beinahe ein fließender Übergang zu bestehen. Möglicherweise sind sie beim Festhalten der Beute beteiligt. Dies wäre ein äußerst bemerkenswertes Phänomen.

 

Fossile Kragenhaie

Kragenhaie sind auch in fossiler Form bekannt. Die ältesten stammen aus dem Eozän Österreichs. Weitere Funde kennt man aus dem Miozän Trinidads und dem Pliozän Italiens. Dort kam die Art Chlamydoselachus lawleyi vor. Die für Kragenhaie typische Dreizackform der Zähne sieht man besonders gut an diesem fossilen Zahn von Chlamydoselachus lawleyi.

 

Verborgen in der Tiefsee

Da Kragenhaien normalerweise in Tiefen von etwa 120-1280 m Tiefe leben, gibt es leider nur recht wenige Aufnahmen lebendender Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum. Gelegentlich gelangen einzelne Exemplare auch in deutlich flacheres Wasser oder werden teilweise an Tiefsee-Langleinen gefangen. Ein Kragenhai konnte 2007 sogar, wenngleich auch nur für wenige Stunden, in einem Aquarium auf Honshu beobachtet werden.

Ich habe bisher immer bewusst von „Kragenhaien“ im Plural geschrieben, denn tatsächlich gibt es nicht nur eine einzige Art, sondern zwei. Die bekanntere Art Chlamydoselachus anguineus hat dabei ein äußert großes Verbreitungsgebiet:

Verbreitung von Chlamydoselachus anguineus

Verbreitung von C. africana

Dagegen hat der Südafrikanische Kragenhai (Chlamydoselachus africana) ein weitaus kleineres Verbreitungsgebiet, welches sich vor allem um die westliche Südspitze Afrikas beschränkt. Diese Art wurde erst 2009 beschrieben, entsprechend findet man sie auch kaum in der Literatur. Mit einer Länge von nur wenig über einem Meter sind sie auch kleiner als ihre Verwandten. Bei C. anguineus werden zumindest die Weibchen bis 2 m lang, die Männchen immerhin noch bis etwa 1,5 m. Neben der geringeren Größe unterscheidet sich der Südafrikanische Kragenhai auch in anderen Merkmalen von seiner Schwesterart, etwa durch eine geringere Wirbelzahl oder eine geringere Anzahl der Spiralwindungen des Darmes.

Sie haben Eier und gebären doch lebende Junge

Eine weitere Besonderheit der Kragenhaie ist ihre Vermehrung. Wie viele andere Haie auch, bekommen die Weibchen lebende Junge. Sie schlüpfen bereits im Körper der Weibchen aus den Eiern und verweilen dann in der Gebärmutter, bis sie weit genug entwickelt sind. Dies dauert ungewöhnlich lange, vermutlich zwei Jahre, möglicherweise sogar bis zu dreieinhalb Jahren. Ähnlich lange Entwicklungszeiten findet man allerdings auch bei Alpensalamandern (Salamandra atra), womit die Kragenhaie in dieser Eigenschaft nicht ganz so isoliert stehen.

Selbst so bizarre und scheinbar besonders urtümliche Wesen wie die Kragenhaie entziehen sich keineswegs jedweder Entdeckung und Erforschung. Obwohl sie größtenteils extreme und schwer erreichbare Tiefen bewohnen, wurde Chlamydoselachus anguineus bereits 1884 wissenschaftlich beschrieben. Wenngleich auch noch sehr viel in den Ozeanen zu entdecken sei dürfte, sind sie dennoch bereits weitaus besser erforscht als manch einer annimmt. Auch der Umstand, dass selbst von den Kragenhaien zumindest einige Fossilien aus verschiedenen Gegenden der Welt bekannt sind, ist an dieser Stelle bemerkenswert.


Literatur:

Dieser Beitrag ist am 1. Februar 2014 in sehr ähnlicher Form in Markus Bühlers Blog „Bestiarium“ erschienen