Ein seltsames Affenfell

von: Redaktion

 

Alle Affen sind geschützte Tiere. Der Handel mit ihren Fellen ist seit vielen Jahren durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geregelt und teilweise verboten. EU- und nationale Gesetze regeln den Rest.

Dabei waren Affenfelle über viele Jahrhunderte Teil der lokalen Kleidung. Insbesondere lokale Kasten wie Krieger, Medizinmänner, Schamanen und Häuptlinge schmückten (und wärmten) sich mit den Fellen. Im internationalen Pelzhandel hatten Affen zum Glück eher geringe Bedeutung. Ihre Felle galten generell nicht als fein und haltbar genug, bis auf wenige Ausnahmen.

„Insgesamt sind die Felle aller Affen (…) von der Mode wenig begünstigt. Soweit entsprechende Mengen irgendeiner Art – jetzt nur noch legal erbeuteter Tiere – an die Märkte kommen, werden sie kaum unter ihrem zoologischen Namen angeboten.“ schreiben Christian Franke und Johanna Kroll in einem Rauchwarenhandbuch von 1988

Das Fundstück

Unser Leser Dominik S. hatte vor einigen Wochen ein Affenfell auf einer der Redaktion bekannten Internet-Plattform gefunden. Das Fell wurde auf der Seite als Cebus apalla*, „gehaubter Kapuziner“ bezeichnet und als Dachbodenfund von vor 1980 beschrieben.

Screenshot des Web-Marktplatzes

Hinterteil des Affenfells

Auch wenn – wie oben geschrieben – nicht unbedingt davon auszugehen ist, dass Affenfelle zoologisch korrekt bezeichnet wurden, so erscheint „Cebus apalla“ seltsam. Diese Kapuzineraffen haben kein so auffällig schwarz-weiß gemustertes Fell. Sie tragen, wie die namensgebende Ordensgemeinschaft ein braunes Gewand.

Stummelaffen

Die einzigen Affenfelle, die in westlichen Ländern in größerem Stil und längere Zeit gehandelt wurden, sind die der Colobus- oder schwarz-weißen Stummelaffen.

Colobusaffen sind generell schwarz behaart, tragen aber an den Körperseiten einen langen „Mantel“ aus weißen Haaren. Auch das Gesicht ist weiß behaart. Anhand dieser Merkmale kann man das Fell recht schnell als Colobusaffenfell identifizieren.

Bei den Fellen von Colobusaffen dienen vor allem die Größe und die Behaarung des Schwanzes und des Mantels als Möglichkeit, die Art zu bestimmen. Leider fehlt vor allem die Behaarung des Schwanzes, aber auch Teile des Mantels. Aufgrund des Alters ist davon auszugehen, dass die Haare des Schwanzes abgebrochen oder ausgefallen sind. Ein Teil des Mantels scheint einem Beschnitt des Felles zum Opfer gefallen zu sein. Daher ist es leider nicht möglich, das Fell bis zur Art-Ebene sicher zu bestimmen.

Cebus apalla, der gehaubte Kapuziner ist eher braun als schwarz-weiß

Zwei Guereza-Affen, sie sind schwarz-weiß gefärbt.

Die ersten Felle kamen bereits in der Antike nach Europa, auch im Mittelalter gab es einen kleinen Handel. Mit Aufkommen der Pelzmode in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stiegen die Zahlen rapide an. Bis 1900 sollen 2 Millionen Colobus-Felle nach Europa importiert worden sein, 1901 gab es erste Schutzmaßnahmen, die letzten Fellimporte erfolgten in den 1990ern.
Betrachtet man die Bilder auf den Screenshots genauer, könnte das angebotene Fell aus dieser Zeit stammen.

 


Literatur:

Christian Franke / Johanna Kroll: Jury Fränkel´s Rauchwaren-Handbuch 1988/89. 10. überarbeitete und ergänzte Neuauflage Auflage. Rifra-Verlag, Murrhardt 1988, S. 333–334.


* Warum wir wissenschaftliche Namen nicht kursiv schreiben:

Wir wissen natürlich, dass man wissenschaftliche Namen in Texten kursiv schreibt. Wir würden das auch hier gerne machen, leider hat unser Template genau in dieser Funktion einen Bug (technischen Fehler). Dieser Fehler sorgt dafür, dass eine kursive Formatierung immer gleichzeitig fett hervorgehoben wird. Außerdem wird im Fließtext, jedoch nicht in Kurzzusammenfassungen und Suchmaschinentexten ein weiteres Leerzeichen vor und hinter dem Text angezeigt.
Daher haben wir uns entschieden, wissenschaftliche Namen nicht kursiv zu schreiben, bis wir eine Lösung für das Problem gefunden haben.

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