Wenn der Sasquatch mal reinschaut – und was das mit George Lucas zu tun hat

Lesedauer: etwa 7 Minuten
image_pdfimage_print

 

In den letzten Tagen gingen „neue“ Bigfoot-Bilder durchs Netz. Scott Yeoman aus Bailey, Colorado in den USA will sie fotografiert haben. Er schreibt hierzu:

 

 

Im August 2017 beendeten wir den Innenausbau im hinteren Teil unseres Hauses. Ich ging ins Wohnzimmer und ein SEHR herber Geruch wehte in den Raum. Es roch wie vergammeltes Fleisch, Erbrochenes und nach Exkrementen. Etwas bewegte sich draußen vor dem Fenster. Wir hatten regelmäßig Besuche von Bären, aber sie versuchten immer, unter das Haus zu kommen und nicht hinein. Aber das, was ich draußen sah, wirkte wie ein Bär, der irgendwie versuchte, am Fenster hochzuklettern.

 

 

Diesen Bereich machte Scott auf seiner Facebook-Seite offen zugänglich. Doch damit nicht genug: er machte ein 10minütiges Video der Begegnung und schreibt dazu:

 

 

Ich verwende eine billige Kodak Sport Digitalkamera um Bilder zu machen und meist mache ich damit schnelle Actionvideos.

Nach etwa acht Minuten kam meine Frau ins Zimmer und fragte, was ich machte. Ich sagte ihr, dass da etwas draußen ist und dass das kein Bär ist. Sie blickte über meine Schulter und schrie „Was ist das für ein Ding?“ und rannte zurück ins Schlafzimmer.

 

Scott Yeomans Sasquatch
Der Sasquatch guckt ins Fenster

 

Scott Yeomans Sasquatch
Der Sasquarch mit geschlossenen Augen

 

 

Scott’s Frau rief den Sheriff, der schickte drei Deputies, die sein Grundstück untersuchten. Er zeigte ihnen auch das Video und beschrieb, dass zwei von ihnen sehr beeindruckt waren, einer aber bei der Bär-Lösung blieb.

Doch wo ist das Video und wieso zeigt Scott auf Facebook nur vom Bildschirm abfotografierte Bilder? Angeblich hat er das Video auf dem Computer seiner Mutter gespeichert und deren Haus sei abgebrannt.

 

Versuch einer Analyse

 

Die schlechte Bildqualität erschwert eine Analyse der Bilder sehr, deswegen stelle ich sie erst einmal hinten an.

Der Zeuge

Daher darf sich zuerst der Zeuge einer näheren Untersuchung unterziehen lassen. Gibt man seinen Namen und den Wohnort in eine Suchmaschine ein, erhält man neben einem President der First American State Bank namens Scott A. Yeoman nur einen weiteren Treffer:

Einen über 60jährigen Mann aus Colorado Springs. Das Alter könnte zu den Fotos von Facebook passen, aber Colorado Springs ist etwa 100 km von Bailey entfernt. Also Fehlanzeige, vielleicht hat er kein Telefon, wie aus der Beschreibung seines Hauses durchaus möglich erscheint.

Schaut man sich das Facebook-Profil von Scott Yeoman etwas genauer an, erhält man einen Eindruck von dem, was er darstellen möchte. Er ist Mitglied zahlreicher Bigfoot-Believer-Gruppen, hat einen recht derben Humor und wirkt auf einen Europäer wie ein typischer Hillbilly: gegen jede Reglementierung, sei es gesetzlicher oder moralischer Art und eher einfach gestrickt.

 

Der Ort

Yeoman beschreibt eine abgelegene Lage in Bailey, Colorado in 11.000 ft Höhe. Bailey liegt etwa 60 km südwestlich von Denver, jedoch deutlich außerhalb des Speck- bzw. Pendlergürtels der Stadt.

Die Gegend um Bailey ist sehr gebirgig, 3350 m Höhe, die etwa den 11.000 ft entsprechen, sind nicht unüblich dort. Man findet hier außerhalb der genutzten Landstriche vor allem einen relativ offenen Trockenwald aus Nadelgehölzen, der fast kein Unterholz bietet. Ist das Bigfoot-Land? Für Schwarzbären scheint es zu reichen, Yeoman hat schon öfter Kontakt mit ihnen gehabt, unter anderem wenn sie den Raum unter seinem Haus als Unterschlupf nutzen wollten.

 

Über die Größe seines Grundstückes ist sich Scott Yeoman nicht so ganz sicher: bei singilarfortean.com sind es 8 Acres, bei reddit sind es 11 Acres.

Sein Haus sei auf Formbetonsteinen 3 ft 6 Inch (ca. 107 cm) über dem Boden errichtet, schreibt er. Die Unterkante der Fenster liegt also etwa bei 180 cm über dem Boden. Da kann auch ein normalgroßer Mensch reingucken, wenn er will. Üblicherweise wählt man so eine Bauweise nur bei sehr hartem und unebenem Untergrund: einem Felsen. Vermutlich variiert die Höhe des Hauses über dem Boden beträchtlich.

Die Bilder

Wie oben bereits beschrieben, sind die gezeigten Bilder Sekundärbilder. Sie entstanden, als Scott Yeoman den Film seiner Action-Cam auf einem Monitor abspielte und dann mit einem anderen Gerät abfotografierte. Warum er diesen komplizierten und Qualität fressenden Weg wählte, ist unklar.

 

Die Bilder selber zeigen etwas, das wie der obere Teil eines Kopfes oder Gesichtes wirkt. Die Haut glänzt fettig blauschwarz. Augen sind erkennbar. Der Nasenrücken ist schmal, deutlich konkav aber hoch. Die Nase wirkt flach und breit, aber scheint auf einer vorspringenden Schnauze zu stehen. Die Augen sind dunkel, zeigen aber eine Reflektion, etwas Weißes ist nicht darin zu sehen. Unter den Augen verläuft entweder ein starkes Jochbein oder ein sehr weit oben kontrahierter Wangenmuskel. Die Haut im Gesicht reflektiert das Licht aus dem Zimmer blauschwarz, um die Augen gibt es Bereiche, die heller erscheinen.
Das Gesicht ist haarlos, soweit sichtbar. Die Stirn verliert sich im Dunkeln, abgesehen von einem häutig wirkenden Dreieck in der Mitte, das durch einen schwarzen, nichtreflektierenden Streifen durchbrochen wird – fast so, als habe die Kreatur eine schwarze Schirmmütze verkehrt herum auf dem Kopf.

Die Mimik des Wesens verändert sich praktisch nicht. Außer dem Öffnen und Schließen der Augen und unterschiedlicher Anstellung des Kopfes ist keine Änderung zu erkennen. Das spricht bereits deutlich für eine Maske.

 

… und weiter?

 

Eine vollständige Analyse kann man kaum liefern, dazu sind die Bilder zu schlecht. Komisch, dass ausgerechnet das beste Video seit Patterson/Gimlin, also seit 1967 bei einem Feuer vernichtet wird.

Das, was die Bilder zeigen, lässt hinsehen: eine riesige, vorstehende Nase mit nach vorne öffnenden Nasenlöchern, hohe Jochbeine und speckig blauschwarz reflektierende Haut, dazu offenbar „echte“ Augen. Ein fähiger Modellbauer wäre sicher in der Lage, dies mit viel Aufwand nachzubauen. Aber aufgrund des eher einfach gestrickten Zeugen scheint mir eine eher einfache Lösung realistischer: Hier hat sich jemand mit einer Maske und schwarzer Schuhcreme (daher der speckige Teint) als Bigfoot verkleidet – einschließlich größenverstellbarer Schirmmütze.

 

Szene aus Star Wars Episode 6
Was Llando und Leia damit zu tun haben? Man beachte den Wächter rechts im Bild

 

Woher die Maske kommt?

Als ich die Bilder gesehen hatte, fühlte ich mich – nicht das erste Mal bei einer angeblichen Sasquatch-Sichtung – an die Star Wars erinnert. Diesmal war es nicht Chewbacca, sondern eine Randfigur aus „Rückkehr der Yedi-Ritter“, also dem dritten Teil der klassischen Trilogie. Im Hofstaat von Jabba the Hudd gibt es einen gammorreanischen Wächter, der schweinsähnlich aussieht: Die Schnauzenpartie fand ich extrem ähnlich. Dazu kommt: Mehrere Modelle ähnlicher Masken sind online verfügbar. Mit einem Messer entfernt man den oberen Teil, färbt alles mit Schuhcreme ein und setzt eine schwarze Mütze auf -> fertig.

 

Aus Star Wars Episode 6
Die Nase des Wächters kam mir doch sehr bekannt vor…

 

Hier schließt sich dann der Kreis zum Haus: Sasquatchs werden üblicherweise als größer als ein Mensch beschrieben, eher 2,1 bis 2,4 m als 1,8 m. Er hätte sich also bücken müssen, um so ins Fenster zu schauen, oder sein ganzes Gesicht gezeigt. Für einen Menschen hätte es genau die richtige Größe, um die mit Hauern bewehrte Maulpartie der Maske zu verbergen.


Links

Facebook-Profil von Scott Yeoman

Scott Yeoman’s Story bei reddit

Scott Yeoman’s Story bei der Singular Fortean Society

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.