Freitagnacht-Kryptos: „Seeschlange von Campern gesehen!“, 1901

La Crosse Daily Press

July 20, 1901

 

Seeschlange von Campern gesehen

 

Die gealterte Seeschlange, von der Geschichten von frühen Pionieren von La Crosse erzählt werden, ist erneut in der Nähe des Häuschens in Eagle Bluff und an anderen Orten entlang des Mississippi zwischen La Crosse und Dresbach, Minnesota, aufgetaucht.

 

 

Aufregende Geschichten werden von Campiergruppen erzählt, die dieser giftigen Kreatur in  haarsträubenden Fluchten entkommen konnten. Die Seeschlange wurde gestern in der Nähe von Dresbach von einer Gruppe von Campern gesehen, die auf dieser Seite des Flusses gelandet waren, um zu Mittag zu essen. Einer der Herren der Gruppe war an Land, als eine große schlangenähnliche Kreatur, die sich um einen riesigen Baumstamm gewickelt hatte, in den Fluss glitt und zischte wie entweichender Dampf. Die Schlange hatte eine grünlich schwarze Farbe mit ein paar weißen Flecken in der Nähe des Halses. Ihr Kopf war von zwei Hörnern geschützt, wie die eines Kalbes, und sein Schwanz peitschte das Wasser in Schaum, bevor das Reptil in den Tiefen des Mississippi verschwand.

 

 

Die Camper zögerten nicht lange, einen anderen Ort zum Mittagessen zu suchen.




Freitagnacht-Kryptos: Der Queensland-Tiger

Immer wieder kommt es zu Sichtungen von katzenartigen Raubbeutlern in Australien, insbesondere im Bundesstaat Queensland. Folgende kurze und daher wenig anschauliche Notiz in einem wissenschaftlichen Kompendium deutet auf eine Sichtung hin:

 

 

 

„Marsupialia.

Dasyurina. Scott hat den sogenannten Tiger von Queensland nicht gesehen, aber seine Spuren beobachtet und gezeichnet. Er vermuthet danach, dass es Thylacinus cynocephalus sei. Proc. zool. soc. p. 355. Vergl. auch ib. p. 796.“

Der Eintrag stammt aus Troschel: „Bericht über die Leistungen in der Naturgeschichte der Säugethiere während des Jahres 1872“, im Archiv für Naturgeschichte: Zeitschrift für systematische Zoologie, Band 39, Akademische Verlag-Gesellschaft, 1873, S. 81–114, dort S. 113.

 

Spotted Tail Quoll
Der Fleckschwanzbeutelmarder (Dasyurus maculatus) heißt in Australien Spotted Tail Quoll und wurde früher auch als tiger cat bezeichnet (Foto: Michael Fromholtz)

1892 erwähnt ihn Carl Lumholtz in dem anmutig betitelten „Unter Menschenfressern: Eine vierjährige Reise in Australien“ (Verlagsanstalt und Druckerei Actien-Gesellschaft (vormals J.F. Richter), 455 Seiten) auf S. 443:

 

 

„Der Kolonist benennt sie mit verschiedenen Namen nach den Thieren der alten Welt, wie z. B. ‚Beutelkatze‘, ‚Beuteltiger‘, ‚Beutelwolf‘ u. s. w. Alle diese Beutelraubthiere haben einen sehr raubgierigen Charakter. Der Beutelwolf (Thylacinus) und der Beutelteufel (Sarcophilus) in Tasmanien sind die wildesten und kräftigsten.“

 

 

Berichte über Großkatzen sind im Übrigen so alt wie die Erstbesiedlung Australiens durch Europäer: Der Reverend Richard Johnson schilderte um 1788/1789 die verzweifelte Lage in der Sträflingskolonie Botany Bay, heute im Stadtgebiet Sydneys, in einem Brief an Evan Neapan. Er klagte, es gebe in der Gegend viele seltsame Tiere, darunter eines mit geflecktem Fell, das einer Katze gleicht, aber viel größer ist. (Judith Cook: Das trotzige Leben der Mary Bryant. Reinbek: rororo 1993, S. 141; Original: To Brave Every Danger. London: Macmillan 1993)

 

Man muss allerdings beachten, dass der ganz und gar bekannte Riesenbeutelmarder (Dasyurus maculatus) in Australien auch tiger quoll oder tiger cat genannt wird. Nicht jede Beutelkatze ist demnach ein Kryptid.

 

 

Schon tigriger: eine Rekonstruktion des nie gefassten Queensland-Tigers Thylacoleo carnifex (Grafik: Nobu Tamura)

 


Quelle:

 

Troschel, Franz Herrmann: Archiv für Naturgeschichte: Zeitschrift für systematische Zoologie, Band 39

 

Lumholz, Carl: Unter Menschenfressern. Eine vierjährige Reise durch Australien. Verlagsanstalt und Druckerei Actien-Gesellschaft; Hamburg, 1892




Freitagnacht-Kryptos: Kreaturen der Holzfäller: Der Whirling Whimpus

Der Whirling Whimpus

Turbinoccissus nebuloides

Gelegentlich kommt es vor, dass unerfahrene Jäger und andere, die im Wald herumwandern, vollständig verschwinden. Guides können sie nicht finden, und es werden alle Arten von Theorien angeboten, um das Verschwinden zu erklären.

 

 

Aus den Hartholzwäldern der Cumberland Mountains in Tennessee geht das Gerücht eines Tieres namens Whirling Whimpus hervor, dessen Existenz das Schicksal derer beleuchten könnte, die nicht ins Lager zurückkehren. Laut Waldarbeitern, die in Ost-Tennessee Holz „gesucht“ haben, ist der Whimpus eine blutrünstige Kreatur ohne mittlere Ausmaße. Es hat einen gorillaförmigen Kopf und Körper und enorme Vorderfüße.

 

 

Seine einzigartige Methode, Nahrung zu erhalten, besteht darin, sich auf einem Pfad zu positionieren, im Allgemeinen an einer Kurve des Pfades, wo er seine winzigen Hinterbeine herumwirbeln lässt. So kann er unglaublich schnell laufen. Die Geschwindigkeit wird erhöht, bis das Tier unsichtbar ist. Seine Bewegung erzeugt ein seltsames Dröhnen, das von Bäumen über ihm zu kommen scheint. Jede Kreatur, die den Pfad entlang kommt und das Geräusch nicht kennt, betritt mit ziemlicher Sicherheit die Gefahrenzone und setzt sich sofort in Form von Sirup oder Sauce auf den riesigen Pfoten des Whimpus ab.

 


Die

„Kreaturen der Holzfäller“

Holzfäller
US-Holzfäller um 1900: Burschen wie sie haben William T. Cox ihre Geschichten erzählt

stammen aus einer Zeit, in der die Wildnis Nordamerikas weitgehend unbekannt war und nach den Waldläufern, Trappern und Goldsuchern die Holzfäller in die Wälder kamen. Es waren oft harte Kerle, die gerne auch ein gewisses Mythos um sich, ihre Arbeit und die gewaltigen Wälder des Kontinentes woben.

Die „Kreaturen der Holzfäller“ entstanden aus diesem selbst geschaffenen Mythos, einer gefährlichen Arbeit, Lagerfeuerromantik, Eintönigkeit einer harten Arbeit und zu viel Bier. Forstinspektor William T. Cox hat sie alle gesammelt und mit einem Augenzwinkern aufgezeichnet.

Wir bringen jeden ersten Freitag im Monat einer dieser Kreaturen kurzfristigen Internet-Ruhm.

 


Literatur:

Cox, William T.: Fearsome Creatures of the Lumberwoods; Press of Judd & Detweiler Inc.; Washington D.C.; 1910 mit Illustrationen von Coert Du Bois

 




Freitagnacht-Kryptos: Das Waitioreki

Julius von Haast
Johann Franz Julius von Haast in den 1860ern

In ganz Neuseeland gibt es außer den von den Maori aus Polynesien mitgebrachten Ratten und zwei Fledermausarten keine Landsäugetiere – dachte man, bis Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten Geschichten vom Waitoreki aufkamen. Das Waitoreki, eine Art Otter, ist die Nessie Neuseelands, auch wenn es sich um ein kleines Tier handelt. Oft wurde nach ihm gefahndet, kein Zoologe hat je ein Exemplar fangen können.

 

Einzig der studierte Bergbauingenieur und spätere Buchladenbesitzer in Frankfurt, Sir Johann Franz Julius von Haast, geb. 1822 in Bonn, berichtete von ihm. Haast wurde im Dezember 1858 in Auckland von dem viel prominenteren Kollegen, dem österreichischen Forscher Ferdinand Hochstetter angestellt, ihn auf einer Exkursion zur Erkundung von Bodenschätzen zu begleiten. Später schickt er ihn zur Südinsel, um dort Moaknochen auszugraben. Das begründet Haasts Ruhm. (Sudermann 2020)

 

Ferdinand von Hochstetter: schriebt 1863 in „Neu-Seeland“ (Cotta, Seite 427):

 

 

„Mein Freund Haast schreibt mir darüber unter dem 6. Juni 1861: ‚3500 Fuß über dem Meere habe ich am obern Ashburton-Fluß (Südinsel, Provinz Canterbury) in einer Gegend, wo nie zuvor ein menschlicher Fuß wandelte, häufig dessen Fährten gesehen. Dieselben sind denjenigen unserer europäischen Fischotter ähnlich, nur etwas kleiner. Jedoch auch das Thier selbst wurde von zwei Herren, welche am Lake Heron in der Nachbarschaft des Ashburton 2100 Fuß hoch eine Schafstation haben, gesehen. Sie beschreiben das Thier als dunkelbraun von der Größe eines starken Kaninchens. Es gab, als mit der Peitsche nach ihm geschlagen wurde, einen pfeifenden Laut von sich und war schnell im Wasser zwischen Schneegras verschwunden.“

 

 

Man wundert sich beim Lesen der Meldungen aus dem 19. Jahrhundert oft darüber, wie grob Menschen mit Tieren umgingen – hatten sie eins gesehen, schossen oder schlugen sie sofort los!

Lake Heron
Der Lake Heron liegt ziemlich zentral auf der Südinsel, in etwa 700 m Meereshöhe

Nicht nur Haast kennt das Waitoreki

Erst 1900 gab es weitere Nachrichten vom Waitoreki. Robert Lendenfeld erwähnt es in „Neuseeland“ (A. Schall, 1900, S. 58–59):

 

 

„Ausser diesen [Ratte und Hund] giebt es dort zwei Fledermausarten […]. Endlich soll noch ein braunes, otterähnliches Tier von Kaninchengrösse, das die Maori Waitoreki nannten, in den Gewässern der Südinsel vorkommen. Es ist aber bisher nicht gelungen, ein Exemplar dieses interessanten Tieres zu erbeuten. An den Küsten finden sich verschiedene Robben, Seelöwen und dergleichen marine Wassertiere, welche aber infolge der eifrigen Nachstellungen rasch an Zahl abnehmen. Die meisten von diesen werden in den neuseeländischen Küsten wohl bald ganz ausgerottet sein.

 

Besonders bemerkenswert ist es, dass die für Australien so charakteristischen Beuteltiere und Monotremen in Neuseeland vollkommen zu fehlen scheinen; ich sage ‚scheinen‘, weil ja vielleicht jenes Waitoreki ein solches Tier ist.“

 

 

1912 ergänzt „Brehms Tierleben“ im 13. Band „Säugetiere“ (Bibliographisches Institut, 1912, S. 86) Haasts Informationen um die eben gehörten:

 

 

„R. v. Lendenfeld sagt darüber in seinem Werke ‚Neuseeland‘: „Endlich soll noch ein braunes, otterähnliches Tier von Kaninchengröße, daß die Maoris Waitoreki nannten, in den Gewässern der Südinsel vorkommen.“

 

 

1914 wiederholt die „Allgemeine Länderkunde. Afrika. Asien. Australien und Ozeanien. Die Südpolarländer“ (Bibliographisches Institut 1914, S. 326) dieselbe Notiz. „Die Doppelinsel hat kein einziges der Säugetiere Australiens, sondern als ursprüngliche Tiere nur Fledermäuse, die Waldratte, den neuseeländischen Hund, den fischotterähnlichen Waitoreki.“

 

Fischotter
Fischotter sind schnelle, geschmeidige Jäger – aber was tun sie in Neuseeland?

 

1956 brachte auch die populärwissenschaftliche Zeitschrift „Kosmos“ einen Beitrag über das Tier (Band 52, 1956) und hat ebenfalls keine zusätzlichen Informationen.

Das Waitoreki klingt so, als könnte es einmal wirklich existiert haben, aber für seine Existenz sprechen im Grunde nur die Worte Haasts.


Literatur

Sudermann, Natalie: Der Selfmade-Forscher. Die Rheinpfalz, 19. Januar 2020

 

Ferdinand von Hochstetter: Neu-Seeland; Cotta, 1863

 

Robert Lendenfeld: Neuseeland – 9. Band der Bibliothek der Länderkunde; A. Schall, 1900




Freitagnacht-Kryptos: Monster mit vielen Hörnern. Große Geschichte aus Wisconsin

Eine kürzlich erschienene Ausgabe des „Timberman“ berichtet von der angeblichen Gefangennahme eines sogenannten schwarzen Hodags.

Fluss Wisconsin
Was macht so ein wilder Hodag in der ruhigen Landschaft von Wisconsin?

Die Erfassung soll von einem E.S. Shepard stammen, der als bekannter Stammholz- Fahrer und Zuglotse aus Rhinelander, Wisconsin, beschrieben wird. Mr. Shephard soll die seltsame Kreatur in der Nähe der Linie der Rhinelander- und St. Paul-Eisenbahn gesehen haben. Er war zu dieser Zeit auf der Jagd. Und wie es bei Jägern in der Wildnis von Nordwisconsin scheinbar üblich ist, hatte er seine Kamera dabei, wahrscheinlich in der Hoffnung, einen Schnappschuss von dem Monster zu bekommen.

Dieser Hodag ist gefürchtet

Dieser schwarze Hodag soll in der Vergangenheit viele Haustiere getötet haben. Es war während einem seiner halbwöchentlichen Besuche am Lake Goodyear, als Mr. Shephard es schließlich sah. Das Tier kam in regelmäßig an diesen Ort, um sich von Schlammschildkröten und Wasserschlangen zu ernähren.

 

Wald
„Da hinten ist er. Ich hab ihn gesehen! Hinter dem Baum da. Ganz sicher!“

Nachdem der Holzkreuzer ein Foto des Monsters bekommen hatte, rief er einige Holzfäller herbei, mit deren Hilfe er sich an die Verfolgung machte. Sie sollen es bis zu seinem Nest in einer alten verlassenen Eisenmine zurückverfolgt haben. Die Verfolger befestigten unter gebührender Berücksichtigung ihrer Sicherheit einen mit Chloroform gesättigten Schwamm an einer Stange und ließen ihn vor der Nase des Tieres fallen. Es scheint auch üblich zu sein, dass Wisconsin-Jäger Chloroform und Schwämme mit sich führen, wenn sie dem Wild auf der Fährte sind.

 

Offenbar ein sehr wildes Tier

Wie auch immer, der Hodag war betäubt und wurde in diesem Zustand nach Rhinelander gebracht, wo ein ähnliches Nest für ihn eingerichtet wurde. Laut dem aufrichtigen Chronisten ist die Kreatur jedoch so wild und unbändig, dass es für notwendig gehalten wird, sie ständig unter dem Einfluss von Drogen zu halten. Mehrere Hunde, die den Hodag angriffen, wurden sofort von ihm getötet, und es wird ernstlich hinzugefügt, dass er, nachdem er sie mit wütenden Schlägen getötet und das Leben mit seinen Krallen aus ihnen herausgedrückt hatte, sie in Stücke riss und sie, nachdem er sie in Schlamm getaucht hatte, mit großer Begeisterung verschlang. Während das Tier auf diese Weise gefüttert wurde, stieß es das unheimlichste Heulen aus, das man sich vorstellen konnte, welches halb dem Brüllen eines verrückten Stiers ähnelte, halb dem Brüllen eines Löwen, nur erheblich lauter.

Farm in Wisconsin
Hat man der Zeitung einen Bären bzw. einen Hodag aufgebunden?

 

Dieses Rind legt Eier!

Dies ist nicht alles, was an dem Hodag seltsam ist, dessen wissenschaftlicher Name nach unserer Information „Bovinus spiritualis“ lautet. Es scheint, dass diese rinderartige Kreatur auch Eier legt, von denen einige in ihrem Nest gefunden wurden. Leider sagt die Erzählung nicht, wie viele. „Es wird geschätzt“, sagt der begabte Arbeiter, „dass die Eier bald schlüpfen werden und seine Tierhalter werden große Sorgfalt darauf verwenden, die Gewohnheiten des Monsters zu beobachten. Und auch darauf, dass keines von ihnen entkommen wird, um die Haustiere in diesem Abschnitt zu jagen.“ Wie es das Alttier in der Vergangenheit bekanntlich getan haben soll.

 

Es ist zu hoffen, dass der gefürchtete Hodag endgültig ausgerottet werden kann, und da nur für diese eine Familie Beweise vorliegen, ist es wahrscheinlich, dass das humane Ziel bald erfolgreich erreicht werden kann.


Der HodagWilliam T. Cox berichtete in seinen „Kreaturen der Holzfäller“ ebenfalls von einem Hodag. Abgesehen von einigen eher generellen Attributen hat dieser jedoch kaum Ähnlichkeit mit dem schwarzen Hodag.

 

Link zum Artikel: „Der Hodag




Freitagnacht-Kryptos: Bären in Afrika?

Es gibt keine Bären in Afrika – außer nördlich der Sahara, wohin sie aus Europa eingewandert sind. Dennoch erwähnt Captain Mayne-Reid 1862 in seinem Roman: „Meister Braun, oder, Die grosse Bärenjagd“ (Band 1. Leipzig: Chr. E. Kollmann, 1862, S. 35–37) mehre Meldungen aus den Gebieten südlich der Sahara und fragt:

 

„Giebt es in Afrika keine Bären?“

„‚Dies ist unter den naturwissenschaftlichen Schriftstellern ein streitiger Punkt und seit den Tagen des Plinius ein solcher gewesen. Bären werden allerdings erwähnt, als seien sie unter dem Namen numidische Bären in dem römischen Circus mit vorgekommen, und Herodot, Virgil, Juvenal und Martial sprechen alle in ihren Schriften von lybischen Bären. Plinius aber leugnet hartnäckig, daß es jemals dergleichen Thiere in Afrika gegeben habe, freilich aber darf nicht unerwähnt bleiben, daß er in gleicher Weise behauptet, es habe auf dem afrikanischen Continent niemals Ziegen, Hirsche und Wildschweine gegeben, und deshalb ist seine Angabe wegen des Nichtvorhandenseins der numidischen Bären durchaus keine glaubwürdige.

Seltsamerweise ist dieser Punkt jetzt eben noch so streitig wie in den Tagen des Plinius. Der englische Reisende Bruce erklärt ganz bestimmt, daß es in Afrika keine Bären gebe. Ein anderer Engländer, Namens Salt, welcher Abyssinien bereist, erwähnt gar nichts davon, während der Deutsche Ehrenberg sagt, er habe deren in den Gebirgen Abysiniens gesehen und auch im glücklichen Arabien davon gehört. Verschiedene französische und englische Reisende – Dapper, Shaw, Poncet und Poiret – geben Zeugniß in Bezug auf die Existenz von Bären in verschiedenen Theilen Afrika’s – in Nubien, Babur und Congo.

 

Mosaik eines Atlasbärs
Römisches Mosaik eines Atlasbären

 

In den Atlasgebirgen zwischen Algier und Marokko sind die Bären, wie Poiret erzählt, ziemlich häufig, und dieser Schriftsteller führt sogar mehrere Einzelheiten in Bezug auf ihre Lebensweise an. Er sagt, sie seien außerordentlich wild und fleischfressend, und die Araber glauben, sie könnten in ihren Tatzen Steine aufheben und damit nach ihren Verfolgern werfen. Er erzählt, daß ein arabischer Jäger ihm die Haut eines dieser Bären brachte und ihm auch eine Wunde an einem Bein zeigte, die davon herrühren sollte, daß das Thier, während er es verfolgte, ihn mit einem Steine geworfen! Poiret bürgt jedoch natürlicherweise nicht für die Wahrheit dieses Steinwurfes, obschon er das Vorhandensein afrikanischer Bären zuversichtlich behauptet.‘

‚Was meint denn Papa dazu?‘ fragte Iwan.

‚Daß es Bären in Afrika giebt – vielleicht in allen gebirgigen Theilen Afrika’s – in den Gebirgen des Atlas und von Tetuan aber ganz bestimmt. In der That hat ein glaubwürdiger englischer Reisender die Frage außer Zweifel gesetzt, indem er eine nähere Beschreibung dieser afrikanischen Bären giebt.

 

Die Naturforscher glaubten, wenn es wirklich ein solches Thier in Afrika gäbe, so müsse es derselben Gattung angehören wie der syrische Bär, obschon aber die Bären, welche in den arabischen und abysinischen Gebirgen vorkommen, höchst wahrscheinlich dieser Gattung angehören, so unterscheiden sich doch die des Atlasgebirges augenscheinlich nicht blos von den syrischen Bären, sondern auch von allen andern bekannten Gattungen.

 

Einer, der bei Tetuan, ungefähr fünfundzwanzig englische Meilen von den Altlasgebirgen, erlegt ward, war ein Weibchen und von geringerer Größe als der amerikanische schwarze Bär. Er war ebenfalls schwarz, oder vielmehr schwarzbraun, und ohne eine weiße Zeichnung um die Schnauze herum; unter dem Bauche jedoch war der Pelz röhlichgelb. Das Haar war zottig und vier oder fünf Zoll lang, während Schnauze, Zehen und Klauen alle kürzer waren, als bei dem amerikanischen schwarzen Bären. Der Körper war ebenfalls kürzer und stärker. Der Engländer hatte auch etwas von der Lebensweise des Thieres gehört. Die Araber sagten, in der Nähe von Tetuan träfe man ihn selten; er nähre sich von Wurzeln, Eicheln und andern Früchten, sei aber ein schlechter Kletterer.

 

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Es wäre in der That sehr unwahrscheinlich‘ fuhr Alexis fort, ‚daß die großen Gebirgsketten des Atlas und Abysinien ohne diese Säugethiere sein sollten, während sie in beinahe allen andern Gebirgen der Erde anzutreffen find. Ueberdies darf man nicht vergessen, daß die Bären des Himalaya-Gebirges, der großen Anden von Amerika und die der ostindischen Inseln – ja sogar der Bär des Libanon-Gebirges – auch erst seit einigen Jahren der wissenschaftlichen Welt bekannt geworden sind.

… Unsere Instructionen beziehen sich blos auf jede den Naturkundigen bekannte Bärenart …

Warum sollte es daher in Afrika nicht eine, ja vielleicht mehr als eine Species geben, obschon civilisierte Völker noch unbekannt damit find?‘

 

‚Aber Du sagst ja, daß wir nicht nach Afrika gehen würden.‘

 

‚Nein, wir werden auch nicht hingehen. Unsere Instructionen beziehen sich blos auf jede den Naturkundigen bekannte Bärenart, und der afrikanische Bär gehört nicht unter diese Kategorie, da er bis jetzt noch von keinem Naturkundigen beschrieben worden ist. Aus diesem Grunde werden wir in Afrika nichts zu suchen haben.‘

 

‚Dann ist also doch wohl Nordamerika unsere nächste Station?‘

 

‚Nein, durchaus nicht. Du weißt doch, daß es auch einen südamerikanischen Bären giebt.‘

 

‚Ja, den Brillenbären, wie man ihn nennt.‘

 

‚Ganz richtig, den Ursus ornatus. Ich glaube, wir werden sogar zwei Gattungen in Südamerika finden, obschon auch dies ein streitiger Punkt ist.‘

 

‚Nun, Bruder, wenn dies nun der Fall wäre?‘

 

‚Nun, dann würden wir beide in den Anden von Chili und Peru finden. Aber nicht in den östlichen Theilen von Südamerika.‘“


Literatur:

Reid, Mayne: Meister Braun, oder, Die grosse Bärenjagd, Band 1; Kollmann, Chicago, 1862