Mein Wort zum Sonntag – 24. Januar 2021

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Noch nicht einmal ein Monat ist rum, und es könnte mit dem Jahr eigentlich schon genug sein. Über die schreckliche Lage in Bezug auf Corona schweige ich mich heute mal aus, und auch über Unruhen und doch den seltsam ruhigen Abgang eines Unruhestifters möchte ich keine Worte mehr verlieren. In den letzten Wochen habe ich dazu schon genug gesagt. Außerdem: wenn ich meinen Lesern immer zu Anfang in der Kolumne einen Schlag in die Magengrube gebe, wer kann dann die Paläo-News noch genießen?


Und von denen gab es die letzten Wochen reichlich. Ich bin nicht einmal dazu gekommen, alle Nachrichten in Artikel zu verwandeln – die werden aber in den nächsten Tagen folgen. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht allzu stark in Rückstand gerate.


Ankündigungen

„Die weißen Steine“ bekommen in den nächsten Tagen eine eigene Website. Es sind inzwischen so viele Artikel zusammengekommen, dass das wirklich allerhöchste Zeit wird. Ich werde natürlich auch weiterhin auf Facebook alle Neuigkeiten posten, aber dann wohl hauptsächlich über eben diese Seite, wo dann auch das „Wort zum Sonntag“ und die Artikel der Woche erscheinen werden. Alle Neuigkeiten dazu erfährst du hier natürlich zuerst.


Schau dich doch außerdem bitte gern mal auf meiner Instagram-Seite um. Dort findest du zu allen möglichen Urzeit-Themen und Nachrichten Shortcuts zu den Artikeln in Form einer lustigen Story, auch mit musikalischer Untermalung. So werden die Paläo-News gleich viel lebendiger! Sie erscheinen dort immer kurz nach dem das „Wort zum Sonntag“ online ist und sind dann zwei Wochen lang sichtbar, wenn du auf das „Paläo-News“-Symbol klickst. Meinen Instagram Account erreichst du hier.


Bild der Woche

Alaska war während der späten Kreidezeit ein wahrer „Dinosaurier-Highway“. Dort entlang führte ein Wanderpfad, von welchem aus viele Dinosaurier im jährlichen Wechsel von Norden in den wärmeren Süden wanderten. An einigen Punkten in der Erdgeschichte wanderten Tiere hier sogar über die verlandete Beringstraße nach Asien, und auch aus Asien wieder in Nordamerika ein, weshalb sich die Tierwelt auf beiden Kontinenten auch stark ähnelt. Hier im Bild ist eine Edmontosaurus-Herde in einen Schneesturm geraten. Hoffen wir, dass sie sich nicht im Schneegestöber verirrt.

 

Das Bild habe ich auf der Seite Prehistoric Kingdom gefunden.


Paläo-News

Die letzten zwei Wochen scheinen den Trend zu bestärken, dass 2021 das Jahr der Superlative wird, auch in der Welt der Urzeitforschung: Die früheste bekannte Felsmalerei. Die ältesten je gefundenen Steinwerkzeuge. Der erste Seestern der Erdgeschichte. Und sogar der größte jemals gefundene Dinosaurier aller Zeiten – wenn man den Nachrichtenmeldungen glauben will. Und 2021 hat jetzt auch seinen ersten neu benannten Dinosaurier! Doch jetzt mal hübsch der Reihe nach… Haltet euch fest, hier kommen die brandheißen Paläo-News!


Gut erhaltener Megantereon-Schädel in Südchina entdeckt!

Die Säbelzahnkatzen gehören sicher zu den populärsten Urzeittieren. Jedem Eiszeit-Fan ist dabei vor allem der berühmte Smilodon ein Begriff, doch es gab im Laufe der Zeit viele weitere Arten. Säbelzahnkatzen waren deutlich Gattungs- und artenreicher als heutige Großkatzen, mit denen sie übrigens gar nicht so eng verwandt waren.

 

Megantereon nihowaensis, nach einer Rekonstruktion von Maurico Antón.

 

Eine der ursprünglicheren Säbelzahnkatzen war die Gattung Megantereon, die sich vermutlich schon vor ca. 7 Millionen Jahren in Afrika entwickelte und von dort aus einen Siegeszug antrat, der sie von dort aus nach Europa, Asien und sogar bin nach Nordamerika führte. Auch bei uns in Deutschland wurden ihre Fossilien gefunden, die Gattung hielt sich hier bis vor ca. 900.000 Jahren, während ihre letzten Vertreter in China bis vor ca. 500.000 Jahren noch lebten.

 

 

Besonders aus Nordchina sind zahlreiche ihrer Schädel benannt, die von den gleichen Fundstellen stammen wie viele Homo erectus-Fossilien. Die frühen Menschen sind diesem Raubtier also noch über den Weg gelaufen und mussten vor den Säbelzähnen arg auf der Hut sein.

 

 

Nun fanden Forscher aber auch in der Sabretooth Cave von Chongzuo einen gut erhaltenen Schädel der Art Megantereon nihowaensis, was das Verbreitungsgebiet der Säbelzahnkatze noch einmal deutlich ausweitet. Südchina war damals von dichten Wäldern bewachsen, weshalb aufgrund der Seltenheit ihrer Fossilien dort vermutet werden kann, dass sie eigentlich eher das offene Buschland als Lebensraum bevorzugte.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Smilodon fatalis: Fossilien enthüllen langes Zusammenleben von Müttern und ihrem Nachwuchs

Und noch einmal Säbelzahnkatzen, jetzt aber zu ihrem wohl berühmtesten Vertreter Smilodon: dieser war wohl ein ziemliches Muttersöhnchen. Dies bestätigen Fossilien aus Ecuador, wo vor allem die Art Smilodon fatalis verbreitet war (die anderen beiden Arten S. gracilis und der weit größere S. populator kamen in Nord- bzw. in Südamerika vor). Während aus anderen Fundstellen wie den berühmten Asphaltgruben von La Brea in Kalifornien kaum etwas aus dem Sozialleben dieser zieren hervorgeht, lassen die Fossilien aus Ecuador darauf schließen, dass hier eine Smilodon-Mutter mit zwei zweijährigen Sprösslingen gefunden wurde.

 

Zwei Smilodons, nach einer Lebendrekonstruktion von Velizar Sime.

 

Die Halbstarken waren offenbar Geschwister, denn beide besaßen aufgrund eines Erbfehlers einen zusätzlichen Backenzahn, was nur bei sehr wenigen Smilodons auftrat. Das spricht dafür, dass beide Katzen sehr eng verwandt waren.

 


Obwohl Smilodon sehr schnell wuchs und mit zwei Jahren schon beinahe ausgewachsen war, wurde er doch wesentlich später selbstständig als ein heutiger Tiger. Schon aufgrund anderer Fossilien haben Forscher vermutet, dass das Sozialverhalten von Smilodon eher dem von Löwen glich. Die lange Abhängigkeit von der Mutter scheint das weiter zu bestätigen.

 

Link zur Studie


Fossilien von brütendem Oviraptoriden in China entdeckt

In den kreidezeitlichen Ablagerungen von Ghanzou in der chinesischen Provinz Jiangxi stießen Paläontologen auf ein gut erhaltenes Dinosauriernest mit 24 Eiern einschließlich der brütenden Dino-Mutter. Die rund 70 Millionen Jahre alten Fossilien gehören zu einem bislang noch nicht genauer bestimmten Mitglied der Oviraptorosaurier, kleinen bis mittelgroßen Theropoden, die in Asien und Nordamerika verbreitet waren.

 


Waren Oviraptorosaurier früher dafür bekannt, als berüchtigte Eierdiebe die Nester anderer Dinosaurier zu plündern, so weiß man heute, dass diese Nester ihnen selbst gehörten und dass man ihnen meinst Unrecht tat: sie waren keine Eierdiebe, was auch die Übersetzung ihres Namens ist, sondern sie waren fürsorgliche Eltern! Wie heutige Vögel haben sie ihre Eier ausgebrütet, was auch durch den neuen Fund wieder gut illustriert wird. Natürlich lagen die Eltern aber nicht mit ihrem gesamten Körpergewicht (immerhin mehr als 40 kg) auf dem Nest, sondern in der Mitte, während die Eier kreisförmig um sie herum angeordnet lagen. Die Tiere schützten und wärmten ihren ungeschlüpften Nachwuchs mit den flügelähnlichen Armen, während ihre Beine genau wie bei brütenden Vögeln unter dem Körper zusammengefaltet lagen.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Direwölfe waren keine echten Wölfe!

Der Direwolf, auch bekannt als „Schreckenswolf“ und durch George R. R. Martins Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ (Game of Thrones) als „Schattenwolf“ berühmt geworden, war der größte bekannte Wolf der Erdgeschichte. Oder eben doch nicht, wie eine aktuelle genetische Studie enthüllt.

 

Ein Direwolf-Rudel verteidigt seinen Riss gegen ihre kleineren Vettern, ein sich näherndes Wolfsrudel (Canis lupus).

Canis dirus, so sein bisheriger wissenschaftlicher Name, erreichte mit einer Körperlänge von 1,5 m und einem Gewicht von durchschnittlich 60 kg in etwa die Größe der größten rezenten Wölfe aus Alaska. Er besaß aber einen größeren Schädel und eine kräftigere Statur, und die größten Exemplare konnten wahrscheinlich über 80 kg erreichen. Außerdem war sein Fell wahrscheinlich nicht grau, sondern rotbraun gefärbt.

 


Eine Forschergruppe um Angela R. Perri sequenzierte nun aber das genetische Material aus Fossilien mit einem Alter zwischen 50.000 und 13.000 Jahren. Dabei stellten sie fest, dass sich die Linie der Direwölfe und der heutigen Wölfe schon vor 5,7 Millionen Jahren trennte, und es zu keinerlei Genfluss mehr zwischen ihnen kam. Die Direwölfe stellen also einen eigenen, viel älteren Zweig dar, der gar nicht zur Kronengruppe der Gattung Canis gehört. Die große Ähnlichkeit im Körperbau ist wahrscheinlich nur auf konvergente Evolution zurückzuführen.

 

 

Der Direwolf gehörte zu einer Stammlinie von Hundeartigen, die sich in Nordamerika entwickelte. Während die Vorfahren der Wölfe, Kojoten und Schakale einst über die Beringstraße nach Eurasien zogen, verblieb der Direwolf in Nordamerika und entwickelte sich dort isoliert. Als die echten Wölfe dann später zurückkehrten, waren sie mit ihren „Vettern“ nicht mehr kreuzbar. Die Forscher schlagen deshalb einen neuen Gattungsnamen vor: Direwölfe werden künftig als „Aenocyon dirus“ bekannt sein, was „Furchtbarer Schreckenswolf“ bedeutet.

 

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Bereits als Baby schon über 2 m lang: Studie enthüllt Ontogenese von Urzeit-Hai Megalodon

Er ist eines der populärsten ausgestorbenen Meerestiere: Otodus megalodon, der größte Hai der Erdgeschichte. Noch bis zum Beginn der Quartären Eiszeit lebte dieser bis zu 16 m lange und 50 Tonnen schwere Raubfisch in unseren Ozeanen und jagte dort nach Walen, die kaum kleiner waren als er, bis ihm der Klimawandel, das Verschwinden seiner Wanderrouten und die Konkurrenz durch neue Beutegreifer wie Weiße Haie und Orcas den Garaus machten.

Ein Megalodon mit neugeborenem Nachwuchs. Lebendrekonstruktion von Herschel Hoffmeyer.

In den letzten Jahren fanden Wissenschaftler erstaunliche Details über „the Meg“ heraus, obwohl von ihm vor allem nur die gewaltigen, handtellergroßen Zähne bekannt sind. Wie bei allen Haien bestand sein Skelett nämlich nur aus Knorpeln, die verwesten, bevor sie versteinern konnten. Doch aus den wenigen überlieferten Wirbeln können Forscher trotzdem einige Informationen herauslesen.


Wie bei den Wachstumsringen in einem Baumstamm zeigen auch die Wirbel einen jährlichen Wachstumszyklus, der erkennen lässt, dass sie jedes Jahr um rund 16 cm dicker wurden. Der untersuchte Wirbel zeigt 46 solcher Ringe und dürfte mit einem Alter von ebenso vielen Jahren zu einem Tier gehört haben, das etwa 9,2 m lang war, als es starb. Ausgehend davon, dass noch deutlich größere Wirbel gefunden wurden, dürfte die Lebenserwartung eines Megalodon bei über 88 Jahren gelegen haben, und er wuchs sein ganzes Leben lang weiter!

 

Zurückgerechnet auf die Größe, die der Hai bereits im ersten Jahr gemessen haben muss, und abgeleitet aus Vergleichen mit heutigen Haien, kamen Megalodons bereits mit einer Länge von über 2 m zur Welt! Wie die meisten Makrelenhaie war auch Megalodon lebendgebärend. Die enorme Größe des Nachwuchses lässt darauf schließen, dass die jungen Haie in Mutterleib kannibalisch von den unbefruchteten Eiern lebten, wodurch sie so groß werden konnten. Bereits bei ihrer Geburt hatten Megalodons nur wenige natürliche Feinde und nahmen bereits eine hohe Position in der Nahrungskette ein.

 

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45.500 Jahre alt: Älteste Höhlenmalerei in Indonesien entdeckt!

Im tiefen dunkel einer bislang kaum erforschten Leang-Tedongnge-Höhle auf der indonesischen Insel Sulawesi haben Forscher von der Griffith University in Brisbane einen sensationellen Fund gemacht. Sie entdeckten dort Jahrzehntausende alte Felsmalereien, die nach aktuellem Forschungsstand die ältesten der Welt sind.  Dargestellt wurde von den prähistorischen Höhlenkünstlern eine Rotte der dort heimischen Warzenschweine, das größte abgebildete Exemplar rund 1,3 m lang und 54 cm hoch. Die Abbildungen zeigen daneben auch mehrere Handabdrücke und eine Jagdszene, was die wichtige Bedeutung der Schweine als Nahrungsquelle für die Menschen dort unterstreicht.

 

 

Kippt man das Schwein jedoch zur Seite, hat die Zeichnung aber auch starke Ähnlichkeit mit einem Vogel. Ob das beabsichtigt war, und ob der Künstler hier bewusst eine optische Täuschung erschaffen wollte, lässt sich leider nicht mit Gewissheit sagen.

 

 

Nach den altbekannten, aber etwas jüngeren Funden aus Spanien, Frankreich und Australien belegen nun auch die Zeichnungen aus Südostasien, dass Höhlenkunst eine lange Tradition hat und auf mehreren Erdteilen verbreitet war. Bereits zuvor haben Forscher nur unweit der Leang-Tedongnge-Höhle Felsmalereien entdeckt, die nur etwas jünger waren. Möglicherweise hat Homo sapiens schon in seiner Frühzeit in Afrika solche Tierzeichnungen angefertigt, bevor er sich aufmachte, die Welt zu besiedeln. Die Tradition der Felsmalerei brachte er bei seinen Wanderungen dann mit. Andere Erklärungen wären, dass sich die Höhlenkunst mehrfach unabhängig voneinander entwickelte, oder sie sich von einem Ort zum anderen durch Wanderer ausbreitete.

 

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Bislang älteste bekannte Steinwerkzeuge in der Olduvai-Schlucht (Tansania) entdeckt

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena förderte bei einer umfassenden Grabung in Ostafrika zahlreiche Artefakte aus der Frühzeit der menschlichen Entwicklungsgeschichte zutage, die das Leben und die Umwelt unserer Vorfahren näher beleuchten. Unter den mehr als 560 Fundstücken, vor allem Tier- aber auch Frühmenschenknochen, befanden sich auch zehn primitive Steinwerkzeuge, die mit einem Alter von 2,03 Millionen Jahren zu den ältesten der Welt gehören.

 

 

Wer diese Werkzeuge einst benutzte, ist unklar. Schließlich lebten auf diesem Gebiet damals gleich mehrere Arten von Frühmenschen, wie Australopithecus, Paranthropus und auch der Gattung Homo. Als sehr wahrscheinlicher Kandidat dürfte Homo habilis gelten, dessen Überreste aus ähnlich alten Ablagerungsschichten nur einen Steinwurf weit vom Ausgrabungsort entfernt gefunden wurden.

 

 

Da Steinwerkzeuge in mehreren unterschiedlich alten Schichten gefunden wurden, folgern die Wissenschaftler, dass diese Gegend viele Generationen lang durchgehend besiedelt war.

 

 

Sie fanden außerdem Hinweise auf ein sich stetig ändernde Klima, bei dem sich auch die Vegetation und damit die Umweltbedingungen mehrfach wandelten. Aus Wäldern wurde Buschland, aus Buschland Savannen und aus Savanne wieder Regenwald, im Laufe der Jahrtausende. Zur Zeit der ältesten Werkzeugmacher war die Gegend rings um das Ufer des Olduvai-Flusses, der diese Landschaft formte, von Farnen, Wiesen und Palmenhainen geprägt. Kohleablagerungen belegen zudem, dass die Landschaft häufig von Bränden umgestaltet wurde.

 

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Shri devi: Neuer Dromaeosaurier aus der späten Kreidezeit der Mongolei

2021 hat seinen ersten Dinosaurier! Ein Theropode aus der Mongolei hat in diesem Jahr einen neuen Namen erhalten. Es handelt sich aber nicht um eine Neuentdeckung: das Exemplar mit der Katalognummer IGM 100/980 wurde bereits vor fast 30 Jahren von Mark Norell bei einer Ausgrabung an den berühmten Flaming Cliffs der Djadochta Formation in der mongolischen Wüste Gobi entdeckt.

So könnte Shri devi ausgesehen haben. Rekonstruktion nach Nobu Tamura.

 

Norell nannte das Tier scherzhaft „Ichabodcraniosaurus„, in Anlehnung an die Romanfigur Ichabod Crane, der es in Washington Irvings Gruselroman „The Legend of Sleepy Hollow“ mit einem kopflosen Reiter zu tun bekommt. Dem ansonsten gut erhaltenen Fossil fehlte nämlich der Schädel.

 

 

Einige Jahre später wurde das Exemplar der Art Velociraptor mongoliensis zugeordnet. In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnten von Alan H. Turner und seinen Kollegen nun aber etliche Merkmale ausgemacht werden, die deutlich vom bekannten Material des Velociraptors abweichen. Demnach konnten sie dem Exemplar nun einen eigenen Gattungs- und Artnamen geben: sie nannten es Shri devi, nach einer Gottheit aus dem tantrischen Buddhismus.

 

 

Shri devi war ein kleiner Theropode von etwa 1,8 m Länge, der vor etwa 72 Millionen Jahren lebte. Als er noch ein Velociraptor war, wäre dieses Exemplar das jüngste dieser Spezies gewesen. Gut möglich, dass Shri devi also ein direkter Nachfahre, oder zumindest eine eng verwandte Schwestergattung des berühmten Dino-Stars war.

 

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Stegastochlidus saraemcheana: stacheliger Borkenkäfer in kreidezeitlichem Bernstein gefunden!

In einem burmesischen Bernstein haben Forscher einen 4,2 Millimeter langen, recht behaarten Borkenkäfer entdeckt, der vor 100 Millionen Jahren von einem Tropfen Harz eingeschlossen wurde. Sie gaben dem zu den Rindenkäfern zählenden Tier den Namen Stegastochlidus saraemcheana (übersetzt etwa: „Sarah Emches bedeckte Verzierung“ – Sarah Emche ist Wissenschaftlerin des US-Landwirtschaftsministeriums im Bereich Agrarforschungsdienst und Freundin des zweiten Autors).

 

 

Das Besondere an diesem kreidezeitlichen Borkenkäfer sind die reichlich vorhandenen Stacheln und Borsten, die seinen Panzer bedecken. Die Forscher vermuten, dass sie als Tarnvorrichtung dienten, damit er sich im Moos gut verstecken konnte, um auf Beute zu warten. So wurden zwischen den Borsten Sporenkapseln verschiedener Pilze entdeckt, was auf diesen eher fauligen Lebensraum verweist. Die Mundwerkzeuge haben sich bei dieser Art der Konservierung durch Baumharz ebenso gut erhalten und geben ihn als Raubtier zu erkennen, das vermutlich auf kleine Insekten und deren Larven Jagd machte. Möglichweise – so vermuten die Forscher – krabbelte Stegastochlidus auch in die Brutgänge, die andere Borkenkäfer geschaffen hatten, und verspeiste deren Eier. Außerdem fanden die Forscher zwischen den Borsten noch zwei parasitische Milben, die sich anscheinend an der Körperflüssigkeit des Stegastochlidus gütlich taten.

 

Danke an Hiltrud Cantauw (Dinosaurier-Interesse.de) für den Text!

 

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Interessantes Review-Paper über die triassischen Sauropodomorphen Südamerikas!

Die Sauropodomorpha ist eine Großgruppe der Dinosaurier, deren erste große Auffaltung (Radiation) während der Trias begann. Während dieser Zeit veränderten sie ihren Körperbauplan stark: von kleinen, flinken Fleischfressern, die auf zwei Beinen liefen, wurden sie zu großen, langhalsigen und vierbeinigen Pflanzenfressern. Am Ende der Trias hatten sie so schon die ökologischen Spitzennischen unter den großen Pflanzenfressern eingenommen, und das auf allen Erdteilen.

 

 

Die Bandbreite unter den triassischen Sauropoden Südamerikas, die an drei großen Ablagerungskomplexen (Ischigualasto- und Santa Maria Formation, 235 Ma; Caturitta Formation, 226 Ma und Los Colorados- und Quebrada del Barro Formation, 215 Ma) gefunden wurden, ist dementsprechend divers, das hier auch der Ursprung dieser Dinosaurier gelegen haben dürfte. Allein schon die Gewichtsspanne reichte von Zwergen von nur 10 kg Gewicht bis zu 5 Tonnen schweren Riesen.

 

 

Um den Entwicklungsprozess dieser Tiergruppe zu verstehen, hat eine argentinische Forschungsgruppe um Diego Pol viele in der Vergangenheit erschienene Studien einem umfassenden Review unterzogen, um die Diversität der südamerikanischen Sauropodomorphen und ihre Radiation sowie ihre Verbreitungsgeschichte besser zu beleuchten.

 

Bildquellen und Link zur Studie

 

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Ein Zwergsauropode und seine Welt – mitten in Europa

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese alte Weisheit ist der Grundtenor dieser Graphic Novel, einem Comic im Buchformat, welche ein Inselökosystem in Norddeutschland vor 154 Millionen Jahren wieder zum Leben erweckt. Der titelgebende Zwergsauropode Europasaurus, welcher im Steinbruch Langenberg in Niedersachsen 1998 gefunden wurde, steht im Zentrum und ist gleichzeitig narrativer Faden durch die Handlung. Aber er ist nur ein Teil eines viel größeren Ensembles. In mehreren Episoden wird das Leben der damaligen Tiere in ihrer Umwelt visuell erzählt. Die Geschichten sind stimmig miteinander verknüpft, sodass das jurazeitliche Ökosystem in all seinen bisher bekannten Facetten dargestellt werden kann. Damit werden die Forschungsergebnisse der langjährigen Arbeiten am Langenberg für ein breites Publikum erschlossen. (Aus einer Amazon-Rezension)

 

EUROPASAURUS: Urzeitinseln voller Leben – Life on Jurassic Islands ist am 3. November 2020 bei Dr. Friedrich Pfeil erschienen und hat 184 Seiten auf Deutsch und Englisch.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Überreste eines sehr großen Sauropoden in Südamerika entdeckt!

Langweilige Überschrift, oder? Dabei hat man doch letzte Woche in allen namhaften Zeitungen gelesen, dass Forscher in Argentinien das größte Landtier aller Zeiten entdeckt hätten! Warum ich das hier anders mache, hat einen Grund: Man ist es inzwischen schon gewohnt, dass bei einer Meldung von wirklich gewaltigen Dinosaurierfunden immer Superlative benutzt werden. Und sogar in der jüngst erschienenen Studie über eben diesen großen, vermutlich mit der kleineren Bonitasaura verwandten Sauropoden kam man ohne einen solchen Superlativ nicht aus: obwohl nur einige Wirbel und fragmentarische Knochen gefunden wurden, die so wenig aussagekräftig sind, dass man sie noch nicht einmal einer bekannten Art zuordnen bzw. keine neue Art beschreiben konnte, wurde der Vergleich mit Patagotitan, der als „größter“ Dinosaurier überhaupt gilt, nicht gescheut.

 

 

Doch solche reißerischen Vergleiche sind meiner Meinung nach Unsinn, genau wie die Deklarierung „Größter Dinosaurier“ für Patagotitan. Für ein kleines Kind mag es noch interessant und pädagogisch sogar wichtig und richtig sein, die vermeintlichen Superlative zu lernen, da es ja den Wunsch hat, genau zu wissen, wer der größte, stärkste oder gefährlichste Saurier war. Als Erwachsener Dino-Enthusiast und besonders als Paläontologe sollte man diese Sichtweise aber meiner Meinung nach besser ablegen. Der einfache Grund: für den Gigantismus eines Landtieres mit dem Körperbau eines Sauropoden gibt es physikalische Grenzen. Diese Grenzen haben manche Sauropoden tatsächlich voll ausgeschöpft, aber das haben mehrere Gattungen und Arten auf der ganzen Welt über viele Millionen Jahre hinweg getan, und eben nicht nur Patagotitan. Es lässt sich also überhaupt nicht sagen, welcher nun wirklich der größte war, denn die Natur hat ihnen allen ab einem gewissen Punkt Einhalt geboten.

 

 

Gleiches gilt für heutige Tiere. Es lässt sich z.B. auch darüber streiten, welcher Bär denn nun das größte Landraubtier unserer Zeit ist. So erreichen Eisbären im Durchschnitt höhere Gewichte als Braunbären, jedoch werden bestimmte Populationen der Braunbären (v.a. die von der Insel Kodiak) deutlich größer und schwerer als durchschnittliche Eisbären. Der größte je erlegte Bär aller Zeiten soll aber wiederum ein Eisbär gewesen sein.

 


Solche Streitereien bringen also nichts, weil sie sich an den Werten von Durchschnitts- und Ausnahme-Exemplaren aufhängen, und das ist bei Dinosauriern sogar noch ein deutlich breiteres Feld. Von vielen Sauropoden wurden inzwischen wahrhaft gigantische (Teil-)Fossilien entdeckt, und man könnte mehr als ein Dutzend verschiedene Sauropoden-Gattungen benennen, die um den Titel „größter Dinosaurier aller Zeiten“ konkurrieren.

 

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Psittacosaurus: Neue Studie über die Fortpflanzungsorgane von Dinosauriern

Das Frankfurter Exemplar des Psittacosaurus, das in der Jehol Formation der unteren Kreidezeit Chinas gefunden wurde und heute im Senckenberg Museum ausgestellt wird, gehört zu den am besten erhaltenen Dinosaurierfossilien der Welt. Nicht nur das Skelett, sogar Haut und Federn sind in so gutem Zustand, dass Forscher sogar die Farbe des Tieres bestimmen konnten. Und auch die Weichteile, sogar die Genitalien des Tieres sind überliefert.

 

Lebendrekonstruktion von Psittacosaurus nach Bob Nicholls.

 

Die Forschungen zu diesem Thema gehen nun unter der Leitung von Jakob Vinther von der University of Bristol in die nächste Runde. Vinther und seine Kollegen schauten dem Dinosaurier noch einmal unter den Rock und verglichen die überlieferten Geschlechtsteile mit denen anderer Wirbeltiere. Dabei setzten sie 3D-Computermodelle ein, um die Kloakenöffnung virtuell aufzufalten, die während der Versteinerung flachgedrückt wurde.

 

 

Sie fanden heraus, dass die Kloake des Tieres von zwei Hautlappen bedeckt war, also nicht der eines Vogels, sondern vielmehr der eines Krokodils ähnelte. Daraus kann man ableiten, dass zumindest bei Psittacosaurus die Befruchtung auch durch Penetration und nicht nur durch einen „Kloakenkuss“ erfolgte wie bei den meisten Vögeln. Ob Psittacosaurus-Männchen tatsächlich über einen Penis verfügten, lässt sich aber nicht mit Gewissheit sagen. Vinther vermutet außerdem, dass die vergrößerten Hautlappen auch eine Duftdrüse geschützt haben könnten, und dass Gerüche bei der Partnerwerbung eine wichtige Rolle gespielt haben könnten. Dies wird von anderen Wissenschaftlern aber bereits als ein zu weiter Ausflug in die Welt der Spekulationen kritisiert.

 

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Asteracanthus ornatissimus: ausgezeichnet erhaltenes Fossil von jurassischem Urzeit-Hai aus Deutschland gibt neue Einblicke in Phylogenie und Lebensweise

Die Gegend um den Bayrischen Ort Solnhofen sah vor 150 Millionen Jahren noch ganz anders aus als heute: statt einer kontinentalen Lage im Herzen Europas lag Bayern damals noch direkt am Meer, und größtenteils sogar darunter. Einige kleine und größere Inseln, geprägt durch Mangroven, Sümpfe, kilometerlange Sandstrände und azurblauer Lagunen boten ihren Bewohnern trockenes Land. Auch Dinosaurier wie Compsognathus und der Urvogel Archaeopteryx lebten dort, während die küstennahen Riffe von Pliosauriern, Meereskrokodilen und Haien beherrscht wurden.

 


Einen dieser Urzeithaie entdeckte man bereits vor rund 180 Jahren: Asteracanthus ornatissimus gehörte zur damals sehr erfolgreichen Gruppe der Hybodontiden. Ein besonders gut erhaltenes Exemplar von über 2 m Länge wurde nun von einem Team aus österreichischen und schweizer Forschern beschrieben. Dies ist insofern ein außergewöhnlicher Fund, da Haie wie alle Knorpelfische so gut wie nie im Ganzen versteinern, sondern sonst fast nur durch Zahn- und Wirbelfossilien überliefert sind. Der Rest ihres Skeletts besteht aus Knorpeln, die üblicherweise rasch verwesen.

 


Mit diesen Ausmaßen gehörte Asteracanthus zu den größten Haien seinerzeit und auch zu den größten Hybodontiden, die ihre erste Blütezeit schon lange vor den Dinosauriern, im Devon vor mehr als 360 Millionen Jahren. Da sie erst zusammen mit den letzten großen Dinosauriern am Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren aussterben, gehörten sie zu einer der langlebigsten Linie aller Wirbeltiere. Asteracanthus war, wie seine über 150, mit mehreren Spitzen versehenen Zähne nahelegen, wohl ein erfolgreicher Jäger, der in den Lagunen und Riffen bei der Auswahl seiner Beute nicht wählerisch war.

 

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Chinatichampsus wilsonorum: Früher Vertreter der Kaimane in Südtexas gefunden

Die Kaimane sind eine Gruppe von Krokodilen aus der Familie der Alligatoren, die heute mir sechs Arten nur noch in Süd- und Mittelamerika verbreitet sind. Dort waren sie Laufe des Känozoikums außerordentlich erfolgreich: auch Purussaurus, möglicherweise das größte Krokodil der Erdgeschichte, gehört zu ihrer Verwandtschaftslinie.

 

 

Auch wenn Krokodile schon als Tiergruppe so alt sind wie die ältesten Dinosaurier, die Entwicklungsgeschichte der Kaimane begann erst nach deren Verschwinden auf dem damals noch völlig isoliert liegenden Inselkontinent Südamerika. Lange Zeit ging man davon aus, dass die Kaimane auch mindestens bis zur Kollision mit Nordamerika auch auf diesen beschränkt blieben, doch ein Fossil aus den Eozänen Schichten der Dalquest Desert Resesarch Site am Lake Casa Blanca in Texas, das bereits 2010 bei einer Grabung entdeckt wurde, bestätigt, dass die Kaimane auch schon sehr früh ihr Verbreitungsgebiet nach Norden hin ausdehnten und sogar die Meerenge überquerten, die beide Kontinente einst trennte.

 

 

Der Grund für ihren Erfolg liegt wahrscheinlich im heißen Klima begründet, dass in dieser Zeit herrschte und den Kaimanen optimale Lebensbedingungen auch in Texas bot. Zu diesem Schluss kamen amerikanische Forscher um Michelle R. Stocker in ihrer Studie, in der sie das Kaiman-Fossil, bestehend aus einem fragmentarischen Schädel, nach Analyse des gut erhaltenen Hirnschädels von allen anderen ausgestorbenen Kaimanen abgrenzen konnten und es als neue Art Chinatichampsus wilsonorum beschrieben. Der Schädel ist etwa 30 cm lang und gehört damit zu einem mittelgroßen Kaiman, der vor etwa 42 Millionen Jahren lebte.

 

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Oberarmknochen eines Stegosauriers in Südamerika entdeckt!

Das Verbreitungsgebiet der berühmten Plattenechsen vergrößert sich weiter: nachdem ihre Fußabdrücke und auch einige Knochen im hohen Norden Schottlands gefunden wurden, konnte ein Forschungsteam um Oliver Rauhut nun einen Humerus (Oberarmknochen) eines solchen Tieres aus Südamerika identifizieren. Es ist der erste bekannte Nachweis eines Stegosauriers von diesem Kontinent. Da man aber ihre Überreste auch auf anderen Kontinenten der Südhalbkugel fand (wie z.B. Kentrosaurus in Tansania, Afrika), war es schon zu vermuten, dass die Stegosaurier auf allen Erdteilen vorkamen. Südamerika war im späten Jura vor 150 Millionen Jahren noch mit Südamerika, Afrika, Indien, Australien und der Antarktis zu einem großen Kontinent namens Gondwana verbunden. Auch nach Nordamerika und Europa gab es zeitweilig einige Landverbindungen.

 

Ein Humerus (Oberarmknochen) eines Stegosaurus (nicht das Fundmaterial; dazu liegen leider noch keine Bilder vor!)

 

Wie der südamerikanische Stegosaurier aussah, und wie er heißen soll, ist aufgrund der Spärlichkeit des Fundes aber noch nicht klar. Die Forscher konnten ihn noch nicht von anderen Arten abgrenzen, und so heißt er jetzt einfach erstmal „Stegosauria sp.„. Gefunden wurde das Fossil in der the Cañadón Calcáreo Formation von Argentinien.

 

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Cantabrigiaster fezouataensis: frühester bekannter Vertreter der Seesterne entdeckt!

Vor etwa 480 Millionen Jahren (was übrigens von uns aus gesehen fast doppelt so weit ist, wie eine Zeitreise zu den ersten Dinosauriern!) hatte das Leben die erste große Explosion seiner Entfaltung bereits hinter sich. Doch auch jetzt, in der Periode des Ordoviziums, machte die Evolution keine Pause. Aus dieser Zeit stammt u.a. das älteste Fossil einer frühen Seesterns, das von den Paläontologen Aaron Hunter und Javier Ortega-Hernández in der marokkanischen Fezouta Formation gefunden wurde.

 

 

Als Cantabrigiaster fezouataensis wurde das Tier nun neu beschrieben. Der exzellente Zustand., indem er erhalten blieb, bei dem sogar die Weichteile noch erkennbar waren, wirft neues Licht auf die Evolution der Stachelhäuter (Echinodermata). Zu denen gehören neben den Seesternen und Schlangensternen auch die Seeigel, Seewalzen und Seelilien.

 

 

Bereits Cantabrigiaster hatte bereits den für diese Tiere typischen fünfstrahligen Körperbau, allerdings noch keine durch Kalkblätter getrennten Armränder. Mit den federartigen Wedeln, in denen seine Arme auslaufen, ähnelt Cantabrigiaster auch eher noch den Seelilien, was auf eine enge Verwandtschaft beider Gruppen hindeutet. Cantabrigiaster ist also ein wichtiges „Missing Link“ zum Verständnis ihrer gemeinsamen Evolution.

 

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Ammonit mit Weichteilerhaltung gefunden!

Sie sind die wohl häufigsten Tiere des Erdmittelalters und wahrscheinlich jeder Fossiliensammler hat einen in seiner Vitrine: Ammoniten. Die Tintenfisch-Verwandten mit ihrem charakteristischen Spiralgehäuse sind typisch für alle Schichten des Mesozoikums, sodass man sie sogar für eine Erstdatierung als Leitfossil heranziehen kann.

 

 

Trotzdem bergen diese Tiere noch viele Geheimnisse. Über ihr genaues Aussehen und ihre Lebensweise ist tatsächlich kaum etwas bekannt, da zwar ihre Gehäuse milliardenfach überliefert sind, aber die weichen Körper längst verwest oder von Fleischfressern gefressen worden sind, bevor sie zum Fossil werden konnten. So ist z.B. bis heute nicht bekannt, wie viele Tentakel ein Ammonit besaß.

 

 

Eine spektakuläre Ausnahme haben Forscher nun im bayrischen Wintersdorf bei Eichstätt in Gesteinen aus dem Oberjura vor rund 155 Millionen Jahren entdeckt. Ein dort entdeckter Ammonit zeigt sowohl den Verdauungstrakt, die Kiemen und sogar die Geschlechtsorgane des Tieres, die unter UV-Licht sichtbar gemacht wurden. Die Forscher um Christian Klug beschrieben ihre Entdeckung in einer neuen Studie:

 

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Neue Studie zu Sexuadimorphismus bei Dinosauriern

Zwischen Männchen und Weibchen gibt es bei vielen Lebewesen deutlich mehr Unterschiede als nur das Geschlecht: bei vielen unterscheiden sich die Geschlechter vor alle in der Größe, in der Farbgebung und auch, was bestimmte Schmuckelemente wie Kämme, Hörner, Mähnen und Federn angeht. Dies ist besonders bei hoch entwickelten Wirbeltieren sehr praktisch, sodass die Tiere bei einem Artgenossen schon auf den ersten Blick sehen, hören oder riechen, ob sie einen möglichen Fortpflanzungspartner vor sich haben. Bei anderen Tieren unterscheiden sich die Geschlechter aber auch nur gering bis gar nicht.

 

 

Doch wie war das bei Dinosauriern? Da kann man nur anhand des Skeletts natürlich nicht erkennen, ob das Tier einmal männlich oder weiblich war. Doch könnte es Sexualdimorphismus auch bei Dinos gegeben haben? Dieser Frage ging der japanische Paläontologe Ryosuke Motani in einer neuen Studie auf den Grund. Motani analysierte die veröffentlichten Daten von 139 Arten lebender Tiere, die sexuell dimorph sind. Die bisherige Methode für Dinosaurier erkannte nur 5% der lebenden Arten korrekt als dimorph. Diese Rate konnte Motani durch Modifizieren der Methode auf 50% verbessern und auch die Fehlerquote auf unter 0,05% verringern. Eine Neubewertung der Daten von Dinosauriern legt nahe, dass zumindest bei einigen Arten wie Allosaurus fragilis wahrscheinlich ein sexueller Dimorphismus bestand. Wir werden in Zukunft durch voranschreitende Technik und neue Methoden also immer präziser sagen können, ob zwei sich sehr ähnliche Dinosaurier doch zu ein und derselben Art gehören und bloß Männchen und Weibchen einer Spezies sind.

 

Link zur Studie


Riesige Borstenwürmer lauerten schon im Miozän auf Beute

Polychaeten sind eine Gruppe von Meereswürmern, die heute in allen Weltmeeren verbreitet sind. Doch ihre Entwicklungsgeschichte steckt voller Rätsel. Da die Würmer hauptsächlich aus Weichgewebe bestehen, dass keine gute Aussichten hat, als Fossil überliefert zu werden, sind Forscher auf die Spurenfossilien angewiesen, die uns die Urzeitwürmer hinterlassen haben: ihre Bohrlöcher und Wohnhöhlen. Und nach denen suchten Forscher um Yu-Yen Pan von der National Taiwan University nun am Nordostrand der Insel Taiwan.

 

Pennichnus (so der Name des neuen Spurenfossils) gibt neue Einblicke in die Evolution der Borstenwürmer, die ihre Lebensweise also bereits im Miozän entwickelt hatten.

 

Taiwan ist eine geologisch noch recht junge Insel, die sich erst vor rund 5 Millionen Jahren durch tektonische Auffaltungsprozesse aus dem Meer erhob. Der Nordostrand der Insel war also zuvor Meeresgrund, wo Pan und ihre Kollegen nun einen ebenso interessanten wie gruseligen Fund machten: sie stießen auf über 2m lange, L-förmige Höhlen mit einem Durchmesser von etwa 3cm, die von riesigen Meereswürmern bewohnt wurden. Diese Spurenfossilien beschrieben die Forscher nun als „Pennichnus„.

 

 

Ganz ähnlich wie heutige Borstenwürmer (Eunice aphroditois) lauerte der Urheber von Pennichnus auf vorbeischwimmende Fische. Sobald sich einer näherte, stieß der Wurm blitzschnell hervor, packte sein Opfer und zerrte es in ihren Bau, wo er es tötete und verschlang. Die Ränder der Bohrhöhlen wiesen eine hohe Konzentration von Eisen auf, was darauf schließen lässt, dass die Würmer ihre Gänge mit Schleim ausstatteten, um die Schäden zu reparieren, die ihre sich noch wehrende Beute darin anrichteten.

 

Bildquelen und Link zur Studie


Das war es für heute mit den Paläo-News! Und ich kann versprechen: Es wird genauso interessant weitergehen!


Artikel der Woche

In den letzten zwei Artikeln ging es einerseits um die richtige Aussprache von Dinosaurier-Namen, letzte Woche habe ich eine neue Serie über die Erdgeschichte angefangen. Ich würde mich freuen, wenn du mal reinliest:

 

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/posts/1097266410716648

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/posts/1102570100186279


Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag! Wir lesen uns dann wieder in 14 Tagen! Bis dahin alles Gute, bleib gesund!

 

Markus Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 10. Januar 2021

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Rückblickend auf die letzten Wochen fällt mir nur ein Wort ein, um das Geschehen zu beschreiben: Wahnsinn. Damit meine ich nicht nur die auf deutlich über die 1.000er-Marke gestiegenen täglichen (!) Todeszahlen hier in Deutschland, nicht nur den grauenhaften Anschlag auf die Demokratie in den Vereinigten Staaten oder den plötzlichen Wintereinbruch, der für Chaos gesorgt hat. Und auch nicht die verschärften Lockdown-Regeln, die jetzt gelten und bei vielen für Unverständnis, große Sorge und sogar Wut sorgen. Es ist irgendwie alles zusammen. Dass wir alle deshalb in Aufruhr sind, ist natürlich verständlich. Aber was mich in diesen Tagen wirklich mehr als alle andere ankotzt, sind die ganzen Streitgespräche. Dieses nervige Gebocke derer, die den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben. Davon, dass es immer noch genug Gestörte gibt, welche die Pandemie leugnen und alles für inszeniert halten, einmal ganz abgesehen.


All der Streit, all das Gezeter über die Maßnahmen ist aber doch eigentlich völlig unnötig!  Die Behörden haben überhaupt nicht die Kapazitäten, die Einhaltung dieser neuen Regeln auch nur im Ansatz zu überwachen. Deshalb sind sie leider auch völlig überflüssig. Doch das soll jetzt beileibe kein Aufruf sein, auf sie zu pfeifen. Im Gegenteil! Viel wichtiger ist es, dass alle begreifen, dass wir jetzt mehr denn je jeden unserer Kontakte doppelt und dreifach hinterfragen und jeden Besuch, jedes Treffen, das nicht unbedingt nötig ist, unterlassen, ganz egal welche Regeln gerade gelten! Und das FREIWILLIG!


Unsere Trümpfe und die des Virus

Wer sich einbildet, wir würden diese Pandemie oder auch jede andere Krise nur mit Verboten und Gesetzen in den Griff kriegen, ist ein Narr. Das Virus interessiert sich nicht für Verordnungen und Regeln. Wir schaffen uns diese Pest nur mit drei Dingen vom Leib: Solidarität, Vorsicht und Rücksichtnahme. Das sind unsere einzigen drei Trümpfe.


Leider hat das Virus aber auch zwei ziemlich hässliche Asse im Ärmel. Und das ist zum einen das lächerlich bockige Verhalten derer, die meinen, über dem Gesetz zu stehen. Ja, ihr Idioten, das tut ihr leider wohl tatsächlich, weil der Staat euch wahrscheinlich eh nicht drankriegt, wenn ihr verbotenerweise mit Tante Tilly und Cousine Marta am Samstag Kaffee trinkt. Aber Grund, euch stark und unantastbar zu fühlen, habt ihr keinen, ihr kleinen Rebellen, denn der Staat ist es leider nicht, der hinter euch her ist. Sondern es ist dieses verdammte Virus! Dem gebt ihr mit dieser Haltung selber die besten Chancen, euch zu kriegen. Anders als der Staat nimmt euch dieses Virus wenn es euch erwischt aber keine Geldbuße ab, sondern vielmehr das Leben eurer lieben und nicht mehr so ganz rüstigen Mitmenschen, vielleicht sogar auch euer eigenes.


Das zweite Ass des Virus ist neben der dummen Überheblichkeit aber vor allem die beinahe noch dümmere Sorglosigkeit. „Ach, den Herrn Mayer kenne ich ja schon so lange, der wird es schon nicht haben.“ – „Ach, Oma hat euch Kinder ja jetzt schon seit Weihnachten nicht mehr gesehen, heute machen wir mal eine Ausnahme. Wird schon nichts passieren.“ – „Ach, im Harz liegt so schön Schnee, lasst uns doch mal am Wochenende wieder Rodeln oder Skilaufen. Ein bisschen rauszukommen, das kann bestimmt nicht schaden.“ Wer so denkt, der leistet dem Virus die ganze Vorarbeit.


Kennt also die Trümpfe eures Feindes, lasst sie nicht zum Zuge kommen, sondern spielt eure eigenen aus. Nehmt die Sache verdammt nochmal ernst! Nur so kriegen wir irgendwann unser altes Leben zurück. Bleibt stark und seid geduldig! Frühere Generationen haben Kriege, Tyrannei und Naturkatastrophen überlegt, wo noch viel strengere Regeln galten und deutlich mehr Entbehrungen sie plagten. Da schaffen wir es doch wohl, einfach mal mit dem Arsch in unseren beheizten Wohnzimmern zu bleiben.


Ankündigungen

Aber glücklicherweise gesellten sich zu all den schrecklichen Meldungen auch einige sehr positive. Zunächst für mich persönlich: Ich habe auf meiner Seite bei Facebook nun endlich die 2.000 geknackt! Wir sind jetzt also offiziell eine Seite von TAUSENDEN URZEIT-FANS! Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freue! Was als kleines Projekt begann, um meine Buchreihe zu begleiten, ist nun zu einem beachtlichen Netzwerk geworden. Darauf bin ich wirklich stolz! Ja, ich bin stolz auf euch alle! Und ich danke euch von Herzen! Vielen, vielen Dank, dass ihr mich immer unterstützt. Für all die vielen Kommentare und fruchtbaren Diskussionen über meinen Beiträgen! Für alle, die meine Artikel teilen und in die Welt hinaustragen! Ich lasse mir bei Gelegenheit bestimmt noch eine nette Dankeschön-Aktion dafür einfallen.


Und noch eine weitere gute Nachricht: Die Übergangsverhandlungen sind nun endlich angelaufen und ich bin guter Dinge, dass schon bald die Arbeiten bei meinem neuen Verlag an „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ beginnen können. Der zweite Teil meiner Romanreihe, auf den sich viel von euch schon so freuen, wird also bald realisiert und veröffentlicht werden. Bis zum Sommer müsst ihr euch da zwar wohl noch gedulden, aber nach den langen Monaten des Zitterns um die Zukunft meines „Babys“ ist nun endlich ein Silberstreif am Horizont zu sehen.


Bild der Woche

Hoch im Norden Laramidias, in der Gegend des heutigen Alaskas, herrschten am Ende des Maastrichtiums gemäßigte Verhältnisse. Die Dinosaurier der dortigen Prince Creek Formation erlebten oft bitterkalte Winter mit Frost und Schnee. Hier wandern ein paar Pachyrhinosaurier durch die gefrorene Winterlandschaft. Glücklicherweise schützt sie ihr dichter „Pelz“ aus Filamentfedern vor der bitteren Kälte und den eisigen Nordwinden.

Das Bild stammt von Mark Witton.


Paläo-News

Weitere gute Nachrichten erreichten mich in den letzten Wochen natürlich auch wieder aus der Welt der Paläontologie. Und da waren wieder einige richtige Kracher darunter!


Thecodontosaurus antiquus: CT-Scan und 3D-Modelle geben neue Einblicke in Lebensweise von frühem Sauropodomorphen

Und ein weiterer Dinosaurier gibt seine Fähigkeiten preis: nachdem bereits vor einigen Wochen eine Studie zu Buriolestes schultzi, einem der frühesten Dinosaurier aus der Trias, herauskam und dessen Lebensweise enthüllte, stellte es sich herausstellte, dass er doch ein Recht cleveres Kerlchen und ein geschickter Jäger war. Nun ist ähnliches auch beim Thecodontosaurus antiquus aus dem Unterjura gelungen.

 

 

Mit einer ähnlichen Technik wie bei Buriolestes ist es nun einem Team aus Bristol gelungen, tiefe Einblicke in den Schädel dieses kleinen Tieres zu bekommen, dass die Fachwelt lange Zeit für einen Pflanzenfresser hielt, so wie die meisten seiner wohl bekanntesten Verwandten: Thecodontosaurus ist (wie wohl auch Buriolestes!) eng mit den Tieren verwandt, die sich einige Millionen Jahre später zu den riesigen, langhalsigen Sauropoden entwickelten.

 

 

Sein Gehirnaufbau spricht aber für einen Nahrungsgeneralisten: Thecodontosaurus lief auf zwei Beinen, sie der Bau seines Innenohrs verrät, das Gehirn war für eine schnelle Reizverarbeitung ausgestattet und das Tier besaß ein räumliches Sehvermögen, einen guten Geruchssinn und ein feines Gehör. All das spricht dafür, dass Thecodontosaurus zumindest imstande war, kleine Beutetiere zu jagen.

 

 

Die Karriere der Langhälse begann also mit kleinen, doch recht intelligenten Beutegreifern, die sich erst zu Allesfressern, dann aber zu reinen Vegetariern entwickelten, die ihre Cleverness zugunsten eines effizienten Verdauungsapparates und einem Trend zum Gigantismus aufgaben, der sie zu den größten Landtieren aller Zeiten machen sollte.

 

Bildquellen und Link zur Studie:


Algen spielten Schlüsselrolle beim Entstehen der Eiszeiten

Bereits vor Jahren schon fanden Forscher heraus, dass der atmosphärische Anteil am Kohlenstoffdioxid (CO2) während der Glazialphasen (Kaltzeiten) deutlich geringer war als während der Warmzeiten. Dies ist auch soweit logisch, spielt doch CO2 eine wichtige Rolle beim Treibhauseffekt: es verhindert, dass die Sonnenwärme von der Erde wieder in den Weltraum abstrahlt.

 

 

Doch wo war all das CO2 während der Kaltzeiten eigentlich hin? Die Antwort liegt sehr wahrscheinlich hauptsächlich in der Meeren. Durch die Untersuchung von Mikrofossilien aus marinen Ablagerungen während des Pleistozäns haben Wissenschaftler der Princeton University in Zusammenarbeit mit dem Max Planck Institute for Chemistry nun durch die Untersuchung von Tiefseebohrkernen festgestellt, dass sich auf dem Meeresboden des antarktischen Meeres in den Kaltzeiten deutlich mehr Algen ablagerten, als es zu wärmeren Zeiten und auch heute der Fall ist.

 

Mehr Algen bedeuteten eine höhere Aufnahme von CO2, dass diese für die Fotosynthese benötigen. Außerdem stoßen Algen ihrerseits wieder Sauerstoff aus, was den CO2-Spiegel in der Atmosphäre zusätzlich herunterdrückt. Nach ihren Ableben sinken die Algen hinab und nehmen den Kohlenstoff mit bis in die Abgründe der Tiefsee, wo es sozusagen „gespeichert“ und aus dem natürlichen Kreislauf des Gasaustauschs herausgenommen wird. Dies geschah während der Kaltzeiten in deutlich höherem Maß als heute, wie die Bohrkernanalysen bestätigen.

 

 

Neben Erdachsenneigung, Vulkanismus, Ausrichtung der Meeresströmungen und anderer Faktoren ist also auch der Aufbau des marinen Phytoplanktons ein wesentlicher Schlüssel für unser Weltklima – umso wichtiger also, dass wir die Meere als größtes zusammenhängendes Ökosystem der Welt schützen!

 

Bildquellen und Link zur Studie


Eismumien: Wolfswelpe und Baby-Wollnashorn in Permafrost entdeckt!

Durch den Klimawandel gibt der schwindende Permafrost viele Eiszeitschätze wieder frei. Jetzt wurde ein weiterer davon wissenschaftlich untersucht und in einer Studie beschrieben: ein rund 57.000 Jahre alter Wolfswelpe!

 

 

Die Eismumie, die schon 2016 von einem kanadischen Bergarbeiter im kanadischen Dauerfrostboden entdeckt und geborgen wurde, ist noch so gut erhalten, dass auch Fell und Fleisch noch in gutem Zustand sind. Der exzellente Zustand der Überreste erlaube detaillierte Rückschlüsse auf Alter und Lebensstil der Tiere sowie die Verwandtschaft zu modernen Wolfsarten. Es ist überdies der bislang vollständigste mumifizierte Wolf, der je gefunden wurde.

 

Link zur Wolfswelpen-Studie


Generelles zu Permafrostmumien

Ihr Auftauchen ist eigentlich alarmierend: Eismumien geben Forschern zwar ungeahnte Einblicke in die Welt des Pleistozäns, sie gehören zu den aufschlussreichsten und wertvollsten Funden von prähistorischen Tieren überhaupt. Aber sie stehen auch wie nichts anderes für die drastischen Auswirkungen des Klimawandels, der dafür verantwortlich ist, dass die Tundra ihre Schätze nun freigibt.

 

 

Im Yakutien (Sibirien) ist vor einiger Zeit auch der Kadaver eines jungen Wollnashorns entdeckt worden. Der Kadaver ist zu mehr als 80% vollständig und zusammenhängend, lediglich ein noch recht kleines Horn fand man einzeln. Eine Studie zu diesem neuen Fund wird wohl bald folgen. Entdeckt wurde das junge Eiszeit-Tier unweit der Fundstelle, wo man 2014 schon einen anderen Kadaver eines Wollnashorn-Kalbs entdeckte, dass liebevoll „Sascha“ getauft wurde.

 

Rekonstruktion und Ausstellung der Nashorn-Mumie „Sasha“.

 

Während Sascha ein rotblondes Fell trug und vor etwa 34.000 Jahren starb, scheint das neue Nashornkalb eine etwas dunklere Fellfarbe zu haben. Eine genaue Analyse steht allerdings noch aus: das Alter muss im Labor noch radiometrisch bestimmt werden, und die Forscher werden dann auch die Lebens- und Todesumstände genauestens untersuchen. Derzeitiger Stand: das kleine Nashorn ist wahrscheinlich ertrunken.

 

Studie zu „Sasha“


Erstmals Fuß- und Handabdrücke eines aufstehenden Tyrannosauriers entdeckt!

Wie hat Tyrannosaurus rex eigentlich geschlafen? Und noch wichtiger: wie kam er nach dem Schlafen wieder auf die Beine? Ein neun Tonnen schweres Tier dürfte mit so kurzen Ärmchen jedenfalls einige Schwierigkeiten gehabt haben. Manche Wissenschaftler vermuteten sogar, T. rex hätte immer nur im Stehen geschlafen.

 


Gut erhaltene Ichnofossilien (versteinerte Fußabdrücke) aus dem Raton Basin im Süden der U.S.A., wo 1994 bereits die ersten Fußspuren gefunden wurden, die man Tyrannosaurus zuschrieb, geben nun eine Antwort auf die Schlafgewohnheiten des berühmten Dinosauriers. Gleich mehrere entdeckte Fährten, sowohl aus Colorado als auch aus New Mexico zeigen, dass Tyrannosaurus wohl in Bauchlage schlief.

 


Bei einer der Fossilien wurde neben den Abdrücken des Fleischfressers auch ein tiefer Abdruck eines anderen großen Körpers, vielleicht der Kadaver eines Beutetiers entdeckt. Offenbar hat sich ein T. rex, nachdem er sich ordentlich satt gefressen hatte, dort zu einem Nickerchen hingelegt. Nach dem Schläfchen stützte sich der T. rex zuerst auf alle Viere, was durch zwei tiefe parallele Eindrücke der Finger deutlich zu erkennen ist. Anschließend neigte er sich nach vorn und brachte sich dann mit einem Ruck auf die Beine, den er schließlich mit einem Ausfallschritt des linken Fußes abfing und sich so wieder ins Gleichgewicht brachte.

 

 

Die fossilen Spuren stützen vorherige Hypothesen zum Aufsteh-Verhalten des Tyrannosaurus, wie hier in der Rekonstruktion von Hiltrud Cantauw. Das Bild wurde genehmigt mit der freundlichen Unterstützung der Seite Dinosaurier-Interesse.

 

Link zur Studie


Tyrannosaurier waren Kannibalen

Ein Tyrannosaurus rex verschlingt die Überreste eines toten Artgenossen. Bildrekonstruktion von Tuomas Koivurinne.

Bissmarken auf Tyrannosaurier-Fossilien sind nichts Außergewöhnliches. Vor allem die Schädel der Tyrannenechsen sind häufig geradezu übersät mit Zahnfurchen anderer Tyrannosaurier, was belegt, dass diese Tiere häufig mit Artgenossen aneinander gerieten. Ein weiteres grausiges Detail über das Leben der Tyrannosaurier: sie haben sich auch gegenseitig aufgefressen.

 

 

 

An den fossilen Überresten gleich mehrerer Individuen verschiedener Tyrannosauriden konnten Forscher nun viele Bissmarken feststellen, sowohl bei ausgewachsenen als auch subadulten Tieren, die man im San Juan Basin der Ojo Alamo Formation und der älteren Fruitland Formation in New Mexico entdeckte.

 

Diese Bissmarken sind aber nach Ansicht der Forscher nicht nur bei Kämpfen entstanden, denn nur bei einigen gibt es Anzeichen für Heilung und damit den Nachweis, dass die Tiere nach dem Kampf wieder auseinander gingen und weiterlebten. Manche der besonders tiefen Furchen vor allem an Oberschenkelknochen und Wirbeln deuten aber vielmehr auf Fraßspuren hin, die erst post mortem entstanden. Die gleichen vier Muster – „beißen und reißen“, „reißen und kratzen“, „durchstechen“ sowie „durchstechen und brechen“ sind identisch mit denen, die man von Ceratopsiern und Hadrosauriern – ihrer Lieblingsbeute – kennt.

 

Nachdem auch für Allosaurier im letzten Jahr Kannibalismus nachgewiesen wurde, sind die Tyrannosauriden nun die nächste Familie, von denen nun klar auf der Hand liegt, dass sie keine Nahrungstabus kannten: sie waren ebenfalls Kannibalen.

 

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400 Millionen Jahre altes Fischfossil enthüllt die Herkunft unserer Zähne

Wie haben sich eigentlich unsere Zähne entwickelt? Bisher war man davon überzeugt, dass die Zähne, die wir in Mund tragen, auf sogenannte dermale Odonten, also gewissermaßen „Hautzähnchen“ zurückzuführen sind, die bei primitiven Fischen sowohl auf der schuppigen Haut als auch im Mund zu finden sind. Auch die Homologie zwischen Haizähnen und ihrer Sandpapierartigen Hautoberfläche gilt als schon lange bekannter Hinweis auf die Herkunft unserer Zähne.
Ein internationales Team unter der Leitung der Universität von Uppsala in Schweden betrachtete nun mithilfe hochauflösender Röntgenstrahlung die 400 Millionen Jahre alten Fossilien eines Lophosteus, einem frühen Vertreter der Knochenfische aus dem Silur, um die dreidimensionale Struktur der dermalen Odonten mit den primitiven Zähnen, die der Fisch bereits im Maul trug zu vergleichen.

 

 

Sie fanden dabei heraus, dass bei der Entstehung beide Strukturen noch sehr ähnlich waren, sie sich dann aber abhängig davon, ob sie im Maul oder auf der Haut wuchsen, doch unterschiedlich entwickelten. Dies legt nahe, dass sie auf verschiedene chemische Signale reagierten, und dass beide ursprünglich aus denselben Anlagen hervorgingen. Die „Hautzähnchen“ sind also tatsächlich der Vorläufer auch unseres eigenen Gebisses, doch bei den frühesten Knochenfischen bestimmte noch kein eigenes genetisches Programm über ihre Form und ihren Zweck, sondern die Chemie ihrer Umgebung entschied darüber, in welche Form sie sich in Phänotyp entwickelten. Getrennte genetische Systeme, wie bislang gedacht, gab es vor 400 Millionen Jahren wohl doch noch nicht.

 

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Paludirex vincenti: neues Krokodil aus dem Pleistozän Australiens beschrieben

Bereits in den 80er Jahren wurden die Fossilien eines bis zu fünf Meter langen Krokodils entdeckt, in nur wenige Millionen Jahre alten Ablagerungen im australischen Queensland, nahe der Stadt Chinchilla. Nachdem die Fossilien zunächst der Gattung Crocodylus zugeschrieben wurde. In einer kürzlich erschienenen Revision wurden jedoch genug Alleinstellungsmerkmale anhand des Materials präsentiert, um eine eigene Gattung aufzustellen.

 

 

Das Krokodil würde Paludirex vincenti getauft, was übersetzt so viel heißt wie „Vincents Sumpfkönig“ (zu Ehren von Geoff Vincent, der das Fossil einst entdeckte). Es erreichte in etwa die Ausmaße eines heutigen Leistenkrokodils, des größten heute in Australien vorkommenden Krokodils.

 

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Kreidezeitliche Blume in Bernstein entdeckt!

Auch wenn die Arbeit mit Bernsteinfossilien aus Myanmar bei Fachleuten verschrien ist, weil durch den Verkauf des „Burmits“ (so nennt man den Bernstein von dort) zahlreiche Menschenrechtsverletzungen gegen muslimische Minderheiten finanziert werden, so tauchen dort trotzdem wundervolle Zeugnisse aus der Urzeit auf. So wie diese Blume, die vor etwa 99 Millionen Jahren zu Beginn der Oberkreide blühte und in perfektem Zustand bis heute überliefert wurde.

 

 

Die Blume gehört zur Art Valviloculus pleristaminis und ist ein früher Vertreter der Lorbeergewächse, die nun von einem Team der Oregon State University neu beschrieben wurde. Obwohl sie winzig ist – kaum 2 mm im Durchmesser! – ist diese Blume mit ihren 50 spiralförmigen Staubblättern ein wundervolles Zeugnis der blühenden Pflanzenwelt aus der Zeit der Dinosaurier, und gibt neue Einblicke in die Evolution der Blütenpflanzen, die zu dieser Zeit gerade erst an Fahrt aufnahm.

 

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Israel: Forscher finden Hinweise auf möglicherweise schwersten Tsunami des östlichen Mittelmeers

Das Mittelmeer ist heute zwar vor allem für seine schönen Urlaubsziele bekannt, jedoch ist es eine tektonisch höchst aktive Region, wo es im Laufe der Erdgeschichte zu einigen massiven Erdbeben, Vulkanausbrüchen und such Tsunamis kam – riesigen Oberflächenwellen, die durch tektonische Prozesse und unterseeische Rutschungen und Verwerfungen entstehen.

 

 

Klimaforschern der University of California in San Diego fanden nun überraschenderweise einen Beleg für den möglicherweise schwersten bekannten Tsunami im Mittelmeerraum. Eigentlich wollten sie die klimatischen Veränderungen am Ende der letzten Kaltzeit untersuchen und nahmen dazu Bohrkernproben in der Nähe von Tel Dor in Israel. Dabei wurden die lehmig-brackigen Bohrkernschichten, die sich in der damaligen Marschlandschaft gebildet haben, abrupt von einer Schicht aus Meersand, Muscheln und anderen Überresten unterbrochen – in einer Gegend, die damals 1,5 bis 3km von der Küste entfernt lag!

 

 

Das Meer muss also für kurze Zeit sehr weit ins Landesinnere vorgestoßen sein. Aufgrund der Topographie und die Veränderungen der Küstenabschnitte einkalkuliert, kam das Forschungsteam zu dem Schluss, dass eine Tsunamiwelle von mindestens 16, aber vielleicht auch bis zu 40 m Höhe vor 9.350 bis 9.900 Jahren auf die Ostküste des Mittelmeers traf.

 

 

Die Entdeckung trägt möglicherweise auch zur Lösung eines archäologischen Rätsels bei: obwohl die Gegend damals schon lange von Menschen besiedelt war, klafft in der Überlieferungsgeschichte der Region eine fast 1.000 Jahre alte Lücke, aus der keinerlei Funde bekannt sind. Der Tsunami könnte sämtliche Zeugnisse menschlicher Kultur aus der Zeit vor dem Unglück einfach weggespült haben.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Banane, Curcuma und Soja: Handel mit exotischen Waren bereits in der mediterranen Bronzezeit nachgewiesen

Es wirkt wie ein krasser Anachronismus, doch scheint es wahr zu sein: die Menschen der bronzezeitlichen Kulturen in der Levante haben sich offenbar bereits Bananen, exotische Gewürze und Öle schmecken lassen, die sie aus fernen Gegenden Asiens importierten. Zu diesem Schluss kamen Forscher eines internationalen Forschungsteams, die die Zähne aus einem 3.700 Jahre alten Grab in Megiddo im nördlichen Israel mit paläoprotenomischen Methoden analysierten. Im Zahnstein der dort bestatteten Person fanden sie überraschende Spuren von Nahrungsresten.

 

Das abwechslungsreiche Treiben auf einem Markt in der Bronzezeit – könnte es so ausgesehen haben? Bildrekonstruktion nach Nikola Nevelov.

 

Die sogenannte Paläoproteomik ist ein relativ neues wissenschaftliches Feld, das sich aber bald als Standardprozedur in der Archäologie durchsetzen könnte. Dabei suchen Wissenschaftler nach verschiedenen Eiweißstrukturen im Zahnbelag, welche sich ganz bestimmten Nahrungsquellen zuordnen lassen. Die mangelhafte Zahnhygiene unserer Vorfahren ist für die Forscher ein Glücksfall, der ihnen neue Fenster in die Lebenswirklichkeit längst vergangener Zeiten ermöglicht.

 

Die Fundstätte bei Megiddo in Israel. Bildquelle: Philipp Stockhammer.

Und auch das Aufdecken von Fernhandelsbeziehungen, an die bislang überhaupt nicht zu denken war: die Studie legt nahe, dass manche Produkte bereits Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende früher das Mittelmeer erreichten als bislang vermutet.

 

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Dinosaurier als „Super-Spreader“: Pflanzenfresser verbreiteten Samen über weite Entfernungen

Mit Blick auf ihre Screentime in Hollywoodfilmen spielen sie meist nur eine Nebenrolle. Pflanzenfressende Dinosaurier besaßen aber einen enormen Einfluss auf ihre gesamte Umwelt. Und sie brachten sie überhaupt erst zum Funktionieren, wie eine neue Simulation nahelegt.

 


Während der Zeit des Covid-Lockdowns war der Botaniker und Waldökologe George Perry nicht faul und wertete die Daten mehrerer fossiler Mageninhalte von herbivoren Dinosauriern aus, die er anschließend mit der Bewegungsrate heutiger großer Pflanzenfresser verglich. Als prähistorische Probanden dienten ihm berühmte Dinosaurier wie Stegosaurus, Triceratops und Brachiosaurus, aber auch kleine und mittelgroße Theropoden wie Ornithomimus und Deinocheirus, die mit heutigen Elefanten, aber auch flugunfähigen Vögeln wie der Weka-Ralle verglichen wurden.

 

 

Ausgehend davon, dass in großen Tierkörpern die Nahrung in dem im Verhältnis dann deutlich längeren Verdauungstrakt auch wesentlich länger verbleibt, ist natürlich auch mit einer weit größeren Reichweite zu rechnen, die das Tier vom Ort der Nahrungsaufnahme bis dorthin zurücklegt, wo es sich wieder erleichtert. Auch die Körpermasse und Bewegungsgeschwindigkeit flossen in die Schätzung mit ein.

 

Horndinosaurier wie Triceratops haben nach der spekulativen Annahme von George Perry wesentlich zur Ausbreitung von Pflanzensamen beigetragen. Bildrekonstruktion nach Chris Masnaghetti.

 

Perry kam zu dem Ergebnis, dass die großen Sauropoden (langhalsige Pflanzenfresser) wegen ihrer nur sehr geringen Fortbewegungsrate für die Verbreitung von Pflanzensamen eine nicht so entscheidende Rolle spielten wie die großen Ceratopsier und Thyreophoren. Die Horn- und Panzerdinosaurier sieht Perry als die eigentlichen „Gärtner“ des Mesozoikums an.

 

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Keratansulfate – Neue Indikatoren bei der Geschlechtsbestimmung von Dinosauriern?

Da von Dinosauriern meist nur Knochen, aber kein Weichgewebe überliefert ist, und man natürlich auch keine Genmarker mehr findet, kann man leider unmöglich sagen, welches Geschlecht das Tier einst hatte. Doch was einst unmöglich war, muss ja nicht unmöglich bleiben: bereits 2005 hatte die Paläontologin Mary H. Schweitzer erstens durch den Nachweis von weichem, kaum mineralisiertem Gewebe, und zweitens durch den Beleg von Medullarstrukturen an dem Tyrannosaurus-Exemplar „B-Rex“ (MOR 1125) für Furore gesorgt.

Das von Mary H. Schweitzer an „B-Rex“ nachgewiesene Medullargewebe, sowie eine ihrer Lebendrekonstruktionen von Tyrannosaurus.

 

Medullargewebe ist eine Form der Calciumeinlagerung in den Knochen, die ausschließlich bei Tieren auffindbar ist, die kurz vor der Eiablage stehen. Somit muss B-Rex ein Weibchen gewesen sein. Seither arbeitete Schweitzer, zuletzt mit ihren Kolleginnen Aurore Canoville, Lindsay E. Anno und Wenxia Zheng daran, weitere Indikatoren zu finden, um das Geschlecht eines fossilen Dinosauriers zu bestimmen. Dazu untersuchten sie die Knochen von zwanzig verschiedenen rezenten Vogelarten auf ihre chemische Zusammensetzung und nach Markern, die für eines der beiden Geschlechter einzigartig ist.

 

 

Bei Vögeln scheinen Polysaccharide wie Keratansulfat ein deutlicher Indikator fürs weibliche Geschlecht zu sein, dass bei 18 weiblichen Vögeln, aber nicht bei ihren männlichen Konterparts zu finden war. Die Paläontologinnen untersuchten daraufhin auch das Gewebe von B-Rex auf Keratansulfat – und das Testergebnis war positiv!  Dieses Ergebnis bringt uns völlig neue Möglichkeiten für die Geschlechtsbestimmung von Dinosauriern und dürfe in der Zukunft für viele weitere Studien eine große Rolle spielen.

 

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Namacalathus hermanastes: War er der früheste Vorfahre der Muscheln und Tintenfische?

Als „Kambrische Explosion“ wird ein relativ kurzes Zeitfenster in der Erdgeschichte vor etwa 540 Millionen Jahren bezeichnet, in welchem sich die meisten der noch heute lebenden Tierstämme erstmals entwickelten. Nicht umsonst galt die Zeit vor dem Kambrium lange als „leblose“ Zeit, in der lediglich Mikroben auf der Erde lebten. Dass allerdings auch schon einige Zeit vor dem „Urknall“ des (höheren) Lebens eine doch recht beachtliche Artenvielfalt die Urmeere bevölkerte, kommt erst jetzt, in der jüngeren paläontologischen Forschung allmählich ans Licht.

 

Fossilien von Namacalathus hermanastes aus dem Ediacarium.

 

Das Ediacarium reicht als Periode fast 100 Millionen Jahre vor das Kambrium zurück und gilt nun als erster Sandkasten-Versuch des heutigen Lebens. Obwohl das Ediacarium noch viele Rätsel aufgibt, weil viele der damals existierenden Tiere heute ohne Nachfahren ausgestorben sind und unter Wissenschaftlern oft Uneinigkeit über ihre zoologische Zugehörigkeit herrscht, kommen die Forscher manchen Antworten inzwischen immer näher.

 

Das Schema zu Namacalathus passt zu einem primitiven Lophotrochozoon.

 

So könnten z.B. die Lophotrochozoen, eine umfangreiche Gruppe von Wirbellosen, die heute viele Würmer, aber auch die Weichtiere wie Muscheln, Schnecken und Tintenfische umfasst, schon Vorfahren im Ediacarium gehabt haben. Namacalathus hermanastes, ein sessiles Tier mit Fangarmen, das am Meeresboden vor 549 Millionen Jahren dichte Gemeinschaften bildete, könnte ihr frühester bekannter Vertreter oder zumindest Verwandter sein, wie eine neue gemeinsame Studie von Wissenschaftlern aus Edinburgh und Moskau vorschlägt. Mithilfe von CT-Technologie fertigten sie ein 3D-Modell dieses Lebewesens an und konnten dabei einige Merkmale ausmachen, die diese Vermutung stützen.

 

Link zur Studie


Erstaunlicher Fund aus der Jungsteinzeit in Spanien: Dolch aus Kristallgestein entdeckt!

In einem rund 5.000 Jahre alten Megalith-Grab bei Montelirio in Südwestspanien, dass schon 2007 entdeckt und in den folgenden drei Jahren freigelegt wurde, machten Archäologen einen bemerkenswerten Fund: einen perfekt gearbeiteten, transparenten Dolch. Er bestand aber nicht aus Flint, wie es in dieser Zeit noch üblich gewesen wäre, sondern aus Quarzkristall, der in der Fundgegend überhaupt nicht vorkommt. 2015 stellten die Forscher ihre Arbeit erstmals in einer Studie über die Kristallwerkzeuge vor. Doch immer noch geben der im Durchmesser rund 75 m messende Grabkomplex und die dort entdeckten Artefakte einige Rätsel auf.

 

 

Der Dolch jedenfalls könnte ein Hinweis für einen weitverzweigten Handel mit Gesteinen oder auch schon fertigen Waffen sein. Er ist mit außerordentlicher Kunstfertigkeit gearbeitet, die eine ungeheure Präzisionsarbeit am brüchigen Quarz voraussetzten, und steckte überdies in einem reich verzierten Griff aus Elfenbein. Eine kunstvolle Hülle wurde ebenfalls gefunden.

 

 

Die Waffe – offenbar ein zeremonieller Gegenstand oder auch ein wertvolles Statussymbol – wurde in einer eigenen Kammer des Gemeinschaftsgrabes aufgefunden, wo man neben mehreren anderen wertvollen Grabbeigaben und Tierknochen außerdem die Überreste von mehr als zwanzig Menschen freilegte, Männern und Frauen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren. Mehrere Leichen weisen Anzeichen dafür auf, dass sie an einer Vergiftung starben. Man kann spekulieren, dass hier eine sehr mächtige Person bestattet wurde, und dass einige der übrigen ihr vielleicht freiwillig in den Tod folgten.

 

 

Bildquellen und Link zur Studie (2015)


Das war es für heute mit den Paläo-News! Doch ich kann euch versprechen, dass es spannend bleibt. Mich erreichen gerade schon die nächsten tollen Berichte!


Ich wünsche euch allen jetzt noch einen schönen Sonntag, bleibt zu Hause und vor allem gesund! Gebt auf euch Acht!

Markus Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 20. Dezember 2020

Einen schönen Vierten Advent wünsche ich dir!

Weihnachten steht vor der Tür. Für viele von uns wird es wohl ein sehr einsames Weihnachten werden. Wer vernünftig ist, verzichtet es dieses Jahr, in großer Zahl zu feiern, und bleibt im kleinen Kreise zu Hause. Die schreckliche Pandemie ist noch längst nicht überwunden, ganz im Gegenteil: So schlimm wie jetzt war es noch nie. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es jetzt schon mehrere, die mit dem Virus zu kämpfen hatten. Bei den meisten gottseidank in Form eines milden Verlaufs, aber leider nicht bei allen.


Ich habe am Anfang meines Wortes zum Sonntag und auch in vielen Beiträgen sehr oft geklagt und geschimpft, über Leute, die die Sache nicht ernst nehmen, oder über die Regierung, die viele Entscheidungen zu spät oder in falschem Maße traf. Doch erscheint es mir jetzt kurz vor Weihnachten falsch, über den zweiten Lockdown zu poltern, oder meiner Wut über die Querdenker Luft zu machen. Meine Gedanken sind viel mehr bei denen, die gerade jetzt an Weihnachten mit Corona im Krankenhaus liegen. Ihnen gelten meine besten Wünsche und Hoffnungen.


Hoffnung – das ist gerade jetzt an Weihnachten das passendste Wort, um das alte Jahr zu verabschieden. Bald schon kann mit den Impfungen begonnen werden, was Hoffnung macht. Der Lockdown wird sicher so wie beim letzten Mal für sinkende Fallzahlen sorgen. Auch das macht Hoffnung. Zwar wird Corona uns auch 2021 noch lange Zeit begleiten, da dürfen wir uns noch nichts vormachen. Aber ich hoffe trotzdem darauf, dass wir die Lage bald schon so weit in den Griff bekommen werden, dass zumindest Lesungen, Dino-Treffen und andere Aktionen wieder möglich sein werden!


Gewinnspiel und Giveaway-Aktion

Das Advents-Gewinnspiel geht in die letzte Runde! Denn wie könnte man die kalte Jahreszeit besser bestreiten und sich die Einsamkeit erträglicher machen, als mit einem guten Buch? Aus diesem Grund habe ich mir für die Adventszeit eine ganz besondere Aktion überlegt:

 

Wer bis zum vierten Advent (20.12.2020) ein Exemplar meines Romans „Die weißen Steine – Neue Alte Welt“ bei mir bestellt, der bekommt von mir die Portokosten geschenkt (bei Bestellungen innerhalb Deutschlands). Ihr zahlt also nur den Ladenpreis des Buches (9,90 €).

 

Und für alle, der oder die gerne jemandem anders noch eine Freude unter dem Weihnachtsbaum bereiten möchte: Wenn du zwei Bücher bestellst, bekommst du ein drittes Exemplar gratis mit dazu!

 

Außerdem wird unter allen Bestellern jeden Sonntag ein Exemplar verlost und kommt dann vielleicht als Geschenk zu dir!

Auf Wunsch werden natürlich alle bestellten Exemplare von mir handsigniert und mit einer persönlichen Widmung versehen!

Worauf wartest du noch? Schreib mir einfach einen Kommentar und sag mir, welches dein Lieblings-Weihnachtsfilm ist, und schon bist du mit im Lostopf.

 

Diese Aktion läuft unabhängig von Facebook und Instagram bis zum 20.12.2020.

Worum es in dem Buch geht, erfährst du entweder beim Durchstöbern meiner Seite, oder auch im etwas ausführlicheren Text zum Gewinnspiel vom letzten Sonntag:

 

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/posts/1067030440406912

 

Anm. d. Redaktion: Wer nicht über Facebook etc. schreiben, aber dennoch teilnehmen möchte, kann uns einfach eine Mail mit der Adresse an Redaktion@Netzwerk-Kryptozoologie.de schicken. Wir leiten das dann weiter.
(Datenschutzhinweis: Wir empfangen die Mail über ein Mailprogramm, einer von uns liest sie, leitet sie an Markus weiter und das wars. Unser Mailer speichert die empfangene und weiter geleitete Mail, bis wir sie händisch löschen. Sie interessiert uns nach dem Weiterleiten aber nicht mehr.)


Bild der Woche

Weit im Westen von Hell Creek erheben sich die mächtigen Berge der laramidischen Gebirgskette. Im Winter, manchmal sogar noch bis in die Sommermonate hinein sind die höchsten dieser Gipfel von Eis und Schnee bedeckt. Kein angenehmer Ort für Dinosaurier, die ansonsten das subtropisch warme Wetter genießen, doch dieser Dakotaraptor hat einen Abstecher in die eisigen Höhen gemacht. Warum? Ist er auf der Suche nach einem neuen Revier? Wer traut sich, ihn zu fragen?

 

Das Bild stammt von Jonathan Kuo.

 

Wer glaubt, in der Adventszeit würde es ruhiger in der Welt der Urzeitforschung, der irrt. Und zwar gewaltig: Zum Jahresabschluss gab es noch einmal eine ganze Reihe von Meldungen, einige davon sogar sensationell!

Paläo-News


Indosinosuchus kalasinensis: neue Meereskrokodil-Art aus Thailand beschrieben

Als im Jura die tektonischen Prozesse den Superkontinent Pangaea auseinanderrissen, falteten Vulkane den Meeresboden auf. Dadurch stieg der Meeresspiegel massiv an und weite Teile der Welt, die in der Trias noch trockenlagen, lagen im Jura nun unter Wasser. Auch Deutschland entwickelte sich zu dieser Zeit zu einer Landschaft aus Inseln, Riffen und Lagunen, ganz wie auf den Bahamas. Den neuen Lebensbedingungen passten sich die dortigen Tiere perfekt an, allen voran die Krokodile, von denen sich einige nun auf eine Lebensweise komplett im Meer anpassten. Und sie besetzten dabei eine ganze Menge ökologischer Nischen: während die einen gefürchtete und zum Teil sogar recht große Jäger wurden, die im flachen Küstenbereich Meeresschildkröten und anderen Tieren auflauerten, entwickelten sich andere wiederum zu langschnäuzigen „Schnappern“, die in ihrer Nahrungsbeschaffung weniger wählerisch waren.

 

Lebendrekonstruktion eines Indosinosuchus von Nikolay Zverkov.

Auch in Thailand wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Überreste von Meereskrokodilen gefunden. Letztes Jahr stellten Wissenschaftler eine neue Gattung aus der Gruppe der bislang nur wenig erforschten Teleosaurier auf, die sie Indosinosuchus („Krokodil aus Indochina“) nannten und mit der Typusart I. potamosiamensis einführten.

 

 

Eine weitere Art wurde nun von Forschern der Universität von Edinburgh neu beschrieben: Indosinosuchus kalasinensis wirft neues Licht auf die Evolution und Anpassungsfähigkeit der Teleosaurier im Oberjura und der frühen Kreidezeit. Er ging wahrscheinlich nicht im Meer, sondern in den Flüssen und Süßwasserseen des prähistorischen Thailands auf die Jagd.

 

Link zur Studie


Große flugunfähige Vögel waren in der Eiszeit weiter verbreitet als bislang gedacht

Wer an große Eiszeittiere denkt, der denkt zuerst an Mammuts, Wollnashörner und Säbelzahnkatzen. Dass es in der sogenannten Mammutsteppe, einer riesigen Tundra-Graslandschaft, die sich von Spanien bis nach Alaska erstreckte, auch noch deutlich mehr Tiere gab, wird dabei oft vergessen, und ganz zuletzt denkt man wohl an große Laufvögel, wenn von der Eiszeit die Rede ist.

 

Laufvögel erreichten auch im eiszeitlichen Europa Riesengröße, wie dieser Pachystruthio dmanisensis (Bildrekonsruktion von Leo Delaunkey).

Tatsächlich waren Verwandte der heutigen Strauße aber im Pleistozän weit verbreitet, und manche von ihnen sogar deutlich größer als ihre heutigen Cousins. Heute kommen große flugunfähige Vögel nur noch in wenigen Gegenden auf dem Planeten vor, doch vor der Ausbreitung des Menschen gehörten sie zu den häufigsten und artenreichsten Bewohnern der Steppe. Eine Forschergruppe um Ferran Sayol von der Universität von Göteborg in Schweden verglichen nun die Daten über gefundene Vogelfossilien und stellten dabei fest, dass es flugunfähige Vertreter in nahezu der Hälfte aller bekannten Vogelordnungen gegeben hat und sich die Flugunfähigkeit etwa 150 Mal unabhängig voneinander entwickelte.

 


Dieser Trend wurde erst gestoppt, als der Mensch auf den Plan trat: vielerorts verschwanden die großen Vögel alsbald, wenn der Mensch in ihrem Lebensraum auftauchte. Wahrscheinlich haben unsere Vorfahren dem großen Geflügel nachgestellt, sie ihres Fleisches und ihrer Federn wegen gejagt und ihre Nester geplündert, die sie aufgrund der Flugunfähigkeit am Boden anlegen musste. Der Bestand der Vögel konnte sich als Resultat nicht mehr schnell genug erholen, Klimawandel und Umweltveränderungen taten ihr übrigens dazu.

 

Link zur Studie


Seroherpeton yangquanensis: Jüngster Vertreter der Embolomeri entdeckt!

Die Embolomeri waren halb ans Wasser gebundene Jäger, die ihre Blütezeit in den Kohlesümpfen des Karbons hatten. Während des Perms ging ihr Artenreichtum stark zurück, bislang waren nur zwei weitere Arten der aalartigen Kreaturen, deren systematische Position irgendwo zwischen den Amphibien und den ersten Reptilien liegt.

Bildrekonstruktion eines Embolomeri von Dimitry Bogdanov.

Forscher beschrieben aber nun eine dritte Art, Seroherpeton yangquanensis, von der Teile ihres Oberkiefers in der Sunjiagou Formation in China gefunden wurden. Sie ist mit einem Alter von etwa 255 Millionen Jahren der jüngste bekannte Embolomeri und ist damit ein Beleg, dass diese Tiergruppe wahrscheinlich doch noch bis zum Ende des Perms überdauerte. Ausgestorben sind diese bizarren Wesen also wahrscheinlich erst bei dem großen Massenaussterben zu Beginn der Trias, zusammen mit wahrscheinlich mehr als 80% aller anderen Tierarten, die die Evolution bis dahin hervorgebracht hatte.

 


Seroherpeton unterscheidet sich von anderen Angehörigen der Embolomeri durch spezielle Schädelmerkmale und insbesondere durch die Stoßzahnartigen Auswüchse des Oberkiefers, die ihn wahrscheinlich zu einem gefürchteten Räuber machten.

 

Link zur Studie


Trilobiten: Vielseitige Alleskönner des Kambriums

Als „Kambrische Explosion“ wird ein Zeitintervall bezeichnet, als sich in der Zeit vor etwa 540 Millionen Jahren in geologischen Maßstäben gesprochen blitzartig eine ganze Reihe neuer Lebewesen entwickelte. Alle heute bekannten Tierstämme fächerten sich damals zu einer enormen Bandbreite an neuen Spezies auf. Zu den vielseitigsten Geschöpfen dieser Zeit gehörten die heute ausgestorbenen Trilobiten.

 

Lebendrekonstruktion von Phantaspis auritus nach Huo Xiuquan.

Wie hoch ihr Artenreichtum, aber auch ihre Spezialisierung auf unterschiedliche Lebensweisen im Kambrium bereits war, enthüllt eine neue Studie unter der Leitung von Zhao Fangchen vom Institut für Geologie und Paläontologie an der chinesischen Wissenschaftsakademie in Nanjing.

 


Hochspezialisierte Trilobiten sind in kambrischen Gesteinsschichten verhältnismäßig selten. Doch einige besaßen auch damals schon charakteristische Kopfstacheln und Mandibeln. Fangchen und sein Team konnten sogar einige neue bislang unbekannte Gattungen und Arten beschreiben, die sie in der Mantou Formation in der Provinz Shandong gefunden hatten, wie zum Beispiel Phantaspis auritus (oben im Bild).

 


Die Trilobiten waren das gesamte Erdaltertums eine höchst erfolgreiche Tiergruppe, die auf dem ganzen Globus vorkam und vor allem Küstenregionen bewohnte. Sie überlebten mehrere große Massenaussterben-Ereignisse, von denen sie sich immer wieder erholen und neu ausbreiten konnten. Am Ende des Perms verschwanden sie jedoch endgültig, engere Verwandte im 21. Jahrhundert haben sie nicht mehr.

 

Bildquelle (oben): HUO Xiuquan

 

Link zur Studie


Neuer Beleg für Flugfähigkeit des Archaeopteryx: Federn zeigen Merkmale einer flugunterstützenden Mauser-Strategie

Das wichtigste Kriterium für einen Vogel, der fliegen möchte, ist die Funktionsfähigkeit seiner Flügel – besser gesagt, seiner Federn. Während andere Tiere mit einer permanenten Flugmembran fliegen, müssen die Federn eines Vogels regelmäßig ersetzt werden. Verliert ein Vogel eine seiner Federn, wächst gleich eine neue nach – man nennt dies „Mauser“.

Archaeopteryx im Flug. Bildrekonstruktion von Jana Růžičková.

Die Mauser muss bei flugfähigen Vögeln aber in einem asynchronen Zyklus geschehen, denn wenn sie alle Federn auf einmal oder kurz hintereinander wechseln würden, könnten ihre Flügel sie ja nicht mehr tragen. Offenbar könnte bereits der Urvogel Archaeopteryx mit so einer flugunterstützenden Mauser-Strategie aufwarten, wie Thomas G. Kaye, Michael Pittman und William R. Wahl in einer neuen Studie herausfanden.

 


Mithilfe von Laser-stimulierter Fluoreszenz-Technologie konnten sie auf den fossilen Federresten Schattierungen nachweisen, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Diese Schattierungen deuten klar auf einen asynchronen Federwechsel hin – ein Beleg, dass Archaeopteryx bereits an ein dauerhaft flugfähiges Leben angepasst war.

 

Link zur Studie


Lagerpetiden: waren sie die Vorfahren der Flugsaurier?

In der Erdgeschichte kam es an mehreren Punkten zu explosionsartiger Bildung von neuen Arten, meist als Resultat eines vorherigen großen Artensterbens: die Überlebenden passten sich der veränderten Umwelt an und besetzten ökologische Nischen neu, die zuvor von jetzt ausgestorbenen Tieren eingenommen wurden. So etwas nennt man in der Biologie „Radiation“. Eine besonders große „Artenexplosion“ gab es zu Beginn der Trias, nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Viele neue Tiergruppen entstanden und begannen, den leergefegten Planeten für sich zu erobern: die Dinosaurier taten das an Land, die Ichthyosaurier im Wasser, und die Flugsaurier (Pterosaurier) in der Luft.

 


Doch woher kamen die Pterosaurier? Sicher ist seit langem, dass sie die Schwestergruppe der Dinosaurier sind, aber wann sich ihre Wege trennten und wer ihre frühesten Vorfahren sind, darüber wird noch immer gestritten. Viele Forscher meinen, ihre Spur führt zurück zu den Lagerpetiden, einer Gruppe kleiner, baumbewohnender Archosaurier der frühen Trias.

Ein kleiner Lagerpeton klettert auf einen Baum in der unteren Trias, um Insekten zu jagen. Genau so könnte die Entwicklungsgeschichte der Flugsaurier begonnen haben.

Eine internationale Forschergruppe um Martín D. Ezcurra ist dieser Frage nun ebenfalls nachgegangen und gibt der Lagerpetiden-Theorie neues Futter: sie zeigten anhand der jüngsten Entdeckungen von Schädelüberresten und CT-Scans, die sie an dem bislang vorhandenen Material durchführten, dass die Lagerpetiden eine ganze Reihe gemeinsamer Merkmale mit den Flugsauriern hatten, was ausreicht, um sie zumindest als ihre nächsten Verwandten zu klassifizieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die ersten Flugsaurier auch direkt aus ihnen hervorgegangen sind.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Brukterodon und Cheruscodon: zwei neue Säugetiere aus dem Mesozoikum in Deutschland entdeckt!

Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) entdeckten bei Grabungen in den Jahren 2002 und 2019 in einem Steinbruch bei Balve im Hönnetal die winzig kleinen Fossilien prähistorischer Säugetiere. Die Fundstücke, einige Zähne von der Größe einer Kugelschreiber-Spitze und Kieferfragmente, kleiner als eine Cent-Münze, wurden nun genauer untersucht.

 


Eine internationale Forschergruppe aus Bonn, Münster und St. Petersburg studierte die Fossilien nun gründlich und konnte sie als die Überreste von bislang unbekannten Säugetieren aus der Gruppe der Multituberculata identifizieren, die während der frühen Kreidezeit bei uns in Deutschland lebten. Die Fossilien sind die ersten bekannten Multituberculata-Funde in Nordrhein-Westfalen überhaupt.

 


Die erfolgreichen Pflanzenfresser ähneln auf den ersten Blick den Nagetieren unserer Zeit, wie z.B. den Eichhörnchen, sie sind aber eine viel ältere Tiergruppe und nicht eng mit den heutigen Nagern verwandt. Ihre Erfolgsstory begann bereits zur Zeit der Dinosaurier und reichte bis ins späte Eozän fort – danach starben sie aus, erst lange Zeit nach den Dinos.

So könnte es in Deutschland vor 125 Millionen Jahren ausgesehen haben. Interpretation nach John Sibbick.

Die neuentdeckte Multituberkulaten wurden nach den germanischen Stämmen benannt, die 125 Millionen Jahre nach ihrem Tod nur unweit der Fundstelle in der berühmten Varusschlacht den römischen Legionen eine empfindliche Niederlage beibrachten. Sie tragen nun den Namen „Cheruscodon balvensis“ (nach den Cheruskern) und „Brukterodon alatus“ (nach den Brukterern).

 

Link zur Studie


Neue Hinweise bestätigen Begräbnispraxis der Neandertaler

Haben Neandertaler ihre Toten bestattet? Diese Frage wird schon seit Jahren in der Anthropologie diskutiert, denn ein „Ja“ wäre ein deutlicher Beleg für die kognitiven Fähigkeiten und das kulturelle Verhalten unserer Schwester-Spezies. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit haben Forscher nun neue Hinweise auf die mögliche Begräbnispraxis der Neandertaler zusammengetragen.

 


Sie untersuchten dabei einerseits Material, dass bereits in den Jahren 1968 bis 1973 an der berühmten Fundstelle La Ferrassie 8 in Frankreich zutage gefördert wurde, sowie bei neueren Feldforschungen im Jahr 2014 und führten eine umfassende taphonomische Studie durch. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Überreste eines etwa zweijährigen Kindes, die dort gefunden wurden, in einer sterilen Grablege lagen, nach Westen hin ausgerichtet begraben wurden.

 

 

Nach der Beschaffenheit der dortigen Topographie wäre diese Ausrichtung völlig untypisch, wäre der Leichnam einfach liegengelassen worden und der Natur überlassen geblieben. Alle Knochen befanden sich zudem in einem gleich guten Erhaltungszustand, was darauf schließen lässt, dass das Kind kurz nach seinem Tod vor etwa 41.000 Jahren begraben wurde. In der Nähe gefundene gleichalte Tierknochen weisen ein ganz anderes Profil auf. Außerdem sind die umgebenden Sedimente auch älter, wie C14-Messungen ergaben, was ebenfalls für den Aushub eines Grabes spricht.

 

So könnte die Bestattung bei den Neandertalern ausgesehen haben. Bildquelle: Ancient Origins.

In anderen Studien wurde bereits früher immer wieder auf Begräbnisrituale der Neandertaler eingegangen, oft auch auf eine mögliche Praxis mit Grabbeigaben. Diese konnten allerdings wissenschaftlich nie genau bestätigt werden, da z.B. die Anwesenheit von Blumenpollen auch durch natürliche Prozesse zu erklären wäre und nicht allein durch die Beigabe von Blumenkränzen. Hier haben wir nun jedoch einen stichhaltigen Beleg dafür, dass ein Kind nach seinem Tod beerdigt wurde, und möglicherweise mit einem zeremoniellen Hintergrund, worauf die Ausrichtung des Grabes nach Westen hinweist.

 

Link zur Studie


Ubirajara jubatus: Kleiner Theropode mit Weichteil-Erhaltung und Federn in Brasilien trug Feder-Mähne

Ein internationales Forscherteam, darunter auch der deutsche Paläontologe Eberhard „Dino“ Frey, beschreibt in seiner aktuellen Studie einen bemerkenswerten Fund aus der nordostbrasilianischen Crato Formation: Das Fossil eines kleinen Theropoden aus der unteren Kreidezeit zeigt deutliche Abdrücke von dünnen, einstrahligen Federfilamenten, die entlang von Hals, Rücken und Schwanz eine Mähne bildeten.

 

 

Außerdem besaß das Tier, das vor etwa 120 Millionen Jahren lebte, an den Schultern zwei paar langgezogene Schmuckfederbänder, ganz ähnlich wie sie heute der Bänderparadiesvogel (Semioptera wallacii) trägt. Wahrscheinlich dienten die Federn des Dinosauriers sogar einem ähnlichen Zweck wie bei seinen modernen Pendants: nämlich der Zurschaustellung bei der Balz und anderer Formen der innerartlichen Kommunikation.

 


Derartige Fossilstrukturen sind bislang vor allem aus China bekannt, auf der Südhalbkugel hat man bisher noch niemals so ein gut erhaltenes Fossil entdeckt. Ubirajara jubatus, wie die Forscher das Tier beschrieben, ist auch der erste bekannte Theropode außerhalb der Gruppe der Maniraptora mit ausgeprägten Schmuckfedern.

Lebendrekonstruktion von Ubirajara nach Bob Nicholls.

Allerdings stieß löste das Paper auch einen großen Sturm der Empörung aus: Die brasilianischen Fossilien, die sich nun in Deutschland befinden, sind offenbar nicht so ganz legal aus dem Land gebracht worden. Fossilienschmuggel ist zu einem weltweiten Problem geworden, und mit den gleichen Vorwürfen, die sich Wissenschaftler oft anhören müssen, die mit Bernstein aus Myanmar, Fossilien aus Nordafrika oder der Mongolei arbeiten, müssen sich nun auch die deutschen Forscher auseinandersetzen.

 

Link zur Studie


Thalassodraco etchesi: neuer Ichthyosaurier aus England beschrieben

Die wohl am besten an das Leben im Meer angepassten Reptilien aller Zeiten wären wohl die fischähnlichen Ichthyosaurier, die von der frühen Trias bis etwa zur Mitte der Kreidezeit in allen Weltmeeren des Mesozoikums anzutreffen waren. In dieser langen Zeit brachten sie eine ungeheure Fülle von Arten hervor, und obwohl sie zu den am besten erforschten prähistorischen Meerestieren überhaupt zahlen, werden immer noch neue Arten entdeckt.

 


So auch in der Sammlung des Fossilienjägers Steve Etches, der im Jahre 2009 das gut erhaltene Fossil eines eher kleinen Ichthyosauriers von etwa 1,8 m Länge in der Kimmeridge Clay Formation von Dorset gefunden hatte. Megan Jacobs und David M. Martill nahmen dieses Fossil nun genau unter die Lupe und stellten fest, dass es zu einer unbekannten Art gehörte, die sie als Thalassodraco etchesi („Etches‘ Seedrache“) neu beschrieben.

 


Thalassodraco, der am Ende des Jura vor etwa 149 Millionen Jahren lebte, war vermutlich ein Tiefseejäger. Dies legen seine übergroßen Augen und der breite Brustkorb nahe, die es dem Tier ermöglichten, seinen Atem sehr lange anzuhalten und auch in nahezu völliger Dunkelheit noch sehen zu können.

Lebendrekonstruktion von Thalassodraco, alle Bildquellen von der Paper-Autorin Megan Jacobs.

Link zur Studie


Waren Menschen schon vor mehr als 130.000 Jahren in Amerika?

Ein internationales Forschungsteam um Luc Bordes meint, neue Beweise dafür gefunden zu haben. Sie untersuchten Fossilien, die sie an der Cerutti Mastodon Site gefunden haben – Überreste von Elefantenverwandten, die – nach ihrer Interpretation – durch von Menschenhand gemachte Werkzeuge bearbeitet wurden. Ich bin da wie der Großteil der Wissenschaftler allerdings sehr skeptisch, denn alle bisherigen Erkenntnisse lassen nur den Schluss zu, dass Menschen erst frühestens vor etwa 20.000 Jahren Amerika erreichten. Die vermeintlichen Verarbeitungsspuren können genauso gut durch natürliche Einflüsse, oder auch durch die Bauarbeiter verursacht worden sein, die an der Fundstelle werkelten – wobei die Fossilien überhaupt erst ans Licht kamen.

 

Um euch aber ein eigenes Bild zu machen, lest am besten selbst nach. Hier der Link zur Studie.

 

Ob die in der „Cerutti Mastodon Site“ gefundenen Spuren tatsächlich von Menschen-Werkzeugen verursacht wurden, mag bezweifelt werden. Um euch aber ein eigenes Bild zu machen, lest am besten selbst nach: Hier der Link zur Studie.

Für die wahrscheinlichere Besiedlungsgeschichte gibt es nämlich tatsächlich neue Belege und keine bloß vagen Vermutungen:  Fossile Pollen und Insekten deuten darauf hin, dass in Alaska vor etwa 20.000 Jahren ein verhältnismäßig mildes Klima herrschte. Ein Team um James Rae von der University of St Andrews sammelte anhand von Sedimentproben aus der Tiefsee Daten über Salz- und Nährstoffgehalt sowie die Strömungen des Pazifiks am Ende des Pleistozäns. Dabei stellten sie fest, dass der Pazifik einst deutlich salziger und auch reicher an CO2 war als heute, und dass er wohl eine relativ warme Meeresströmung nach Norden führte, was ein angenehm mildes Klima zur Folge hatte.

 

 

Über die damals eisfreie Beringstraße, die wegen des niedrigen Meeresspiegels trockenes Land war, gelangten Menschen wohl über Kamtschatka nach Nordalaska, wo sie mehrere Jahrtausende siedelten.

 

 

Eine Gletscherwand versperrte ihnen allerdings den Weg, tiefer nach Nordamerika vorzudringen. Wie und wann genau die ersten Menschen dort ankamen, ist nach wie vor nicht genau beantwortet: entweder, dies gelang ihnen über den Landweg erst, als sich die Gletscher am Ende der Kaltzeit vor etwa 15.000 Jahren wieder zurückzogen, oder sie gelangten über den Seeweg vielleicht sogar schon früher an die Gestade der nordamerikanischen Westküste.

 

Link zur Studie


Messelopython freyi: Ältester bekannter Python kommt aus Deutschland!

Pythons gehören zu den größten Schlangen der Erde. Sie sind zwar nicht giftig, aber trotzdem hocheffiziente Killer, die ihre Beute mit einem festen Würgegriff töten. In einem blitzschnellen Angriff gepackt, hat kaum ein Beutetier eine Chance, ihnen wieder zu entkommen. Ein Python kann dank seiner aushakbaren Kiefer auch Beutetiere verschlingen, die weitaus größer ist als sein Kopf und fast an sein eigenes Gewicht herankommt. Nach dem Verschlingen seiner Beute kann er dann monatelang von dieser zehren und sich ausruhen – abgesehen von ihren gelegentlichen Jagdzügen führen Pythons also ein sehr entspanntes Leben.

 


Dieses Leben begann bereits im frühen Eozän, vor rund 47 Millionen Jahren. So alt ist der bislang älteste je gefundene Vertreter der Pythons, der nun als Messelopython freyi benannt wurde, nach dem Fundort in der Grube Messel bei Darmstadt und zu Ehren des Paläontologen Eberhard „Dino“ Frey. Der rund einen Meter lange Messelopython ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Ursprung der Pythons nicht etwa in Afrika oder Südostasien zu finden ist, wo heute das Hauptverbreitungsgebiet dieser Riesenschlangen ist. Überraschenderweise stammen sie offenbar aus Mitteleuropa und haben sich von dort aus in der Alten Welt ausgebreitet!

 


Während des Eozäns war es in Deutschland tropisch heiß und unsere Heimat von üppigen Regenwäldern bedeckt, ein idealer Lebensraum also für Schlangen. Auch Eoconstrictor fischeri, eine weitere frühe Riesenschlange, allerdings aus der Gruppe der Boas, ging dort auf die Jagd, was belegt, dass Pythons und Boas einst im gleichen Lebensraum vorkamen und sich nicht wie bislang gedacht in getrennten Biomen konvergent entwickelt haben.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Die „Superkräfte“ der Langschnäbel

Im verlängerten Schnäbeln von Kiwis, Ibissen, Brachvögeln, Schnepfen und viele anderen modernen Vögel steckt eine wahre Superkraft: durch sehr empfindliche Drucksensoren an der Schnabelspitze sind sie imstande, ihre Beute aufzuspüren – meist Insektenlarven, Würmer, kleine Krebse und andere Tiere, die verborgen im Boden leben. Manche Vögel können feinste Bewegungen ihrer Beute in Form von leichten Vibrationen direkt spüren, andere nutzen dagegen Töne im Ultraschallbereich, um ähnlich wie Fledermäuse oder Delfine mit einer Art Echo-Ortung Nahrung zu finden.

 


Erstaunlicherweise besitzen auch heutige große Laufvögel wie Emus oder Strauße ähnliche Sinnesgruben in ihren Schnäbeln. Zwar ernähren sich diese Vögel völlig anders, aber diese noch vorhandenen Rezeptoren weisen darauf hin, dass es Rudimente sind, und dass Vögel diese „Superschnäbel“ bereits vor langer Zeit entwickelten.

 

Die Wissenschaftler C. J. du Toit, A. Chinsamy und S. J. Cunningham kamen nun dem Geheimnis der Superschnäbel auf die Spur:

Offenbar besaßen bereits im Paläozän einige Vögel aus der Familie der Lithornithidae wie Lithornis promiscuus genauso empfindliche Schnäbel, mit denen sie auf exakt die gleiche Art und Weise Beute fanden, wie es die Langschnäbel unserer Zeit tun.

 

Es ist durchaus möglich, dass die Entwicklung von Druckrezeptoren noch zu Zeiten der Dinosaurier erfolgte, sogar vor der Trennung von Ur- und Neukiefervögeln. Damit besäßen alle heutigen Vögel die Anlagen für solche Superschnäbel. Dieses Rätsel zu lösen ist aber noch eine weitere Aufgabe für die Forscher, die sich nun erst einmal der Frage widmen, wie tief die heutigen Langschnäbel ihre Beute im Boden eigentlich aufspüren können.

 

Lebendrekonstruktion von Lithornis promiscuus nach Jack Wood.

 

 

Link zur Studie


Nach Untergang der Dinosaurier: Explosionsartige Ausbreitung von Wäldern nachgewiesen

Eines der größten und sicherlich berühmtesten Massenaussterben der Erdgeschichte ereignete sich am Ende der Kreidezeit. Als die Nahrungskette infolge eines gewaltigen Asteroideneinschlags zusammenbrach, gehörten vor allem Tiere mit einem hohen Energieverbrauch zu den großen Verlierern. Was sich aber für Dinosaurier, Pterosaurier und die großen Meeresreptilien als Apokalypse herausstellte, war für andere Lebewesen aber offenbar ein Segen.

 


Wo es Verlierer gibt, da gibt es immer auch Gewinner. Und zu Beginn des Paläozäns waren das die Wälder, wie Forscher der McGill University nun belegen konnten. In den fluvialen Ablagerungsschichten der KP-Grenze in Saskatchewan, Kanada, fanden sie viele Spuren, die auf einen drastischen ökologischen Wechsel hindeuten. Nadelwälder und Farnprärien, Zykadeenhaine und Mangroven verschwanden, während sich nun vor allem dichte Laubregenwälder ausbreiten – und das rasant, so verraten die Proben.

In Ablagerungen aus dem kanadischen Saskatchewan fanden Forscher Hinweise auf einen drastischen Wandel der Ökosysteme nach dem plötzlichen Ende der Kreidezeit.

Diese explosionsartige Verwaldung hat nach Ansicht der Forscher zwei entscheidende Gründe: einerseits stieg nach dem Einschlag der CO2-Gehalt in der Atmosphäre extrem an. Dies hatte einerseits starke Auswirkungen auf den Treibhauseffekt, sodass es deutlich wärmer würde, andererseits hatten die Pflanzen nun viel mehr Kohlenstoff zur Verfügung, um ihre Biomasse zu vergrößern. Der zweite Grund war natürlich auch das Verschwinden der Dinosaurier: ohne die großen Pflanzenfresser, die in den Baumwipfeln weiteren, konnten die Bäume nun ungehindert wachsen.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Kein prähistorisches Pompeii: Psittacosaurus starb durch Erdrutsch, nicht durch vulkanischen Aschestrom

In der chinesischen Yixian Formation haben Forscher viele exzellent erhaltene Dinosaurierfossilien gefunden. Oft sind sogar Haut und Federn konserviert – was bei der Fossilisation äußerst ungewöhnlich ist. Der Grund für diese tollen Erhaltungsbedingungen: in der Kreidezeit kam es in der Gegend immer wieder zu verheerenden Vulkanausbrüchen, und ganz wie in der römischen Stadt Pompeii, die 79 n. Chr. in der vulkanischen Asche versank, fanden auch viele Dinosaurier ihr Ende durch die Gewalt, die aus dem Inneren der Erde kam.

 

In Yixian fanden viele Dinosaurier ihr Ende durch pyroklastische Ströme und Lahare, die während verheerender Vulkanausbrüche entstanden. Hier eine Bildinterpretation von John Sibbick.

Doch die Entstehungsumstände eines Psittacosaurus-Fossils müssen nun in einem neuen Licht betrachtet werden: Forscher vermuteten bisher, dass Tier sei von einem pyroklastischen Strom erfasst worden – einer tödlichen, viele hundert Grad heißen Wolke aus Asche, Lava und sich schnell bewegenden Gasen; oder einem Lahar, einer vulkanischen Schlammlawine.

Radiometrische Untersuchungen haben nun ergeben, dass die umgebende Fossilmatrix deutlich ältere Gesteinskörnchen enthält, als die fossilierten Knochen alt sind. Während der Psittacosaurus vor 125 Millionen Jahren starb, sind manche der Körner gut zehnmal so alt. Sie sind also nicht während der Kreidezeit entstanden.

Die Matrix des fossilen Psittacosaurus enthält Granulate, die nicht zur selben Zeit wie das Fossil entstanden sein können. Ein deutliches Indiz, das gegen die Todesursache Vulkanausbruch spricht.

Wahrscheinlicher ist, dass der Psittacosaurus also nicht bei einem Vulkanausbruch starb, sondern von einem Erdrutsch oder einem Schlammstrom lebendig begraben wurde. Es ist gut möglich, dass sich der Dinosaurier zuvor in eine Höhle oder einen Erdbau zurückgezogen hatte, als ihn der Tod ereilte, ganz ähnlich wie der kleine Ornithopode Changmiania, der dieses Jahr neu beschrieben und in einer Schlafpose gefunden wurde.

 

Link zur Studie, Download als pdf


Das war es für dieses Jahr mit den Paläo-News im „Wort zum Sonntag“.  Doch nächstes Jahr geht es sofort weiter mit spannenden Neuigkeiten aus der Urzeit!


Artikel der Woche

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/posts/1073139099796046

 

In der letzten Folge meiner laufenden Serie „Film vs. Wissenschaft“ nahm ich mir die letzte Episode der Doku-Reihe „Die letzten Jahre der Dinosaurier“ unter die Lupe – eine meiner Lieblingsfolgen, in welcher ein Velociraptor-Weibchen namens White Tip um ihr Überleben kämpft. Doch wie akkurat ist diese Doku heute noch, 17 Jahre nach ihrer Erstausstrahulung?


Jetzt verabschiede ich mich erst einmal in den Weihnachtsurlaub. Auf meiner Facebook-Seite wird es aber trotzdem noch einige Beiträge geben. Wir lesen uns wieder am zweiten Januar des neuen und hoffentlich besseren Jahres 2021!


Ach ja, und bitte mach bei meiner Buch-Aktion und dem Gewinnspiel mit! Du kannst mich damit wirklich sehr unterstützen.

 

Viele liebe Grüße aus dem weihnachtlichen Kiel

 

Markus Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 6. Dezember 2020

Einen schönen Nikolaustag wünsche ich dir!

Die Weihnachtszeit hat begonnen. Doch statt froher Stimmung beim Schlendern über die Weihnachtsmärkte oder der Vorfreude auf ein fröhliches Familienfest wächst leider weiterhin die Sorge. Auch ich hadere mit dem Gedanken, meine Familie, die viele Kilometer entfernt wohnt, zu besuchen. Bereits aufs Osterfest mussten wir dieses Jahr verzichten, und Weihnachten könnte für mich und sicher auch für viele andere Menschen dieses Jahr ein sehr einsames Fest werden.


Doch wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren. Ein Impfstoff ist in Sicht, und damit vielleicht auch endlich ein Rückgang dieser furchtbaren Pandemie, an der in den letzten Wochen bei uns täglich so viele Menschen gestorben sind wie bei einem schweren Flugzeugunglück. Das opferreiche Jahr 2020 geht aber bald zu Ende, und wir müssen einfach, auch wenn wir vielleicht nicht alle gläubig sind und uns Weihnachten aus religiöser Sicht ziemlich egal sein mag, trotzdem alle dafür beten, dass wir diese schwere Krise im kommenden Jahr endlich meistern werden. Das geht aber nur zusammen. Wir müssen weiterhin vorsichtig und vernünftig sein. Unsere Mitmenschen, besonders unsere Lieben beschützen, indem wir uns an die Abstands- und Hygieneregeln halten. Und uns vielleicht in dieser kalten Jahreszeit etwas zurückziehen und den Kontakt zu anderen Menschen weitestgehend meiden.


Gewinnspiel und Giveaway-Aktion

Wie könnte man die kalte Jahreszeit besser bestreiten und sich die Einsamkeit erträglicher machen, als mit einem guten Buch? Aus diesem Grund habe ich mir für die Adventszeit eine ganz besondere Aktion überlegt:

 

 

Wer bis zum vierten Advent (20.12.2020) ein Exemplar meines Romans „Die weißen Steine – Neue Alte Welt“ bei mir bestellt, der bekommt von mir die Portokosten geschenkt (bei Bestellungen innerhalb Deutschlands).

 

Und für alle, die gerne jemandem anders noch eine Freude unter dem Weihnachtsbaum bereiten wollen: Wer zwei Bücher bestellt, bekommt ein drittes Exemplar gratis mit dazu!

Außerdem wird unter allen Bestellern jeden Sonntag ein Exemplar verlost und kommt als Geschenk zu euch!

Was müsst ihr dafür tun?

Ganz einfach: Folgt meiner Seite auf Facebook oder Instagram („Die weißen Steine“ und lasst unter dem Gewinnspiel-Post (ganz oben!) einen Kommentar mit eurem Lieblings-Weihnachtsfilm da, und schon seid ihr mit im Topf für die Verlosung.

 

Anm. d. Redaktion: Da nicht jeder Mitglied bei Facebook und Instagram ist, bietet die Redaktion dieser Seite auch die Möglichkeit. Einfach eine Nachricht an Redaktion@netzwerk-kryptozoologie.de schreiben, im Betreff „Gewinnspiel“ erwähnen. Wir leiden sie umgehend an Markus weiter.


Bild der Woche

Heute wandern wir mal nicht nach Hell Creek, sondern hoch in den Norden: Während Triceratops und Tyrannosaurus vor 68 Millionen Jahren den Mittleren Westen Nordamerikas unsicher machten, erlebten die Bewohner der Prince Creek Formation in Alaska jeden Winter monatelande Finsternis und bitterkalten Schnee. Da auch bei uns der Winter so langsam Einzug hält, gibt es heute mal ein Bild dazu:

 

Das Bild stammt von Julio Lacerda.

 

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Dinosaur Facts and Figures

Die Theropoden beherrschten den Planeten über Millionen von Jahren, mit Arten, die vom mächtigen Tyrannosaurus rex bis zu gefiederten Raptoren reichten, die nicht größer als Truthähne waren. Dinosaur Facts and Figures ist ein atemberaubend illustriertes Buch mit Aufzeichnungen für diese wunderbaren Kreaturen – wie die größten, die kleinsten und die schnellsten Theropoden sowie die mit dem stärksten Biss.

 

Dinosaur Facts and Figures: The Theropods and Other Dinosauriformes ist im Juni 2019 auf englischer Sprache erschienen und hat 288 gebundene Seiten voller Dinosaurier.

 

Mit dem Kauf über unserem Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website

Paläo-News

Die letzten zwei Wochen waren wieder voll mit interessanten Meldungen aus der Urzeit! Hier noch einmal die Zusammenfassung:


Älteste bekannte Blindschlange in Brasilien entdeckt: Boipeba tayasuensis

Schlangen haben in der heutigen Zeit eine immense Artenvielfalt entwickelt. Es gibt sie mit Ausnahme der Antarktis auf fast jedem Erdteil und in den unterschiedlichsten ökologischen Nischen. Die unbeugsamen Alleskönner kommen selbst in den kargsten Wüsten vor, manche Arten leben im Meer, und eine Gruppe winzig kleiner, geradezu wurmartiger Schlangen lebt sogar unter der Erde: die Blindschlangen.

Gemeine Blindschlange (rezent); Bildquelle: Wikipedia.

Die Entwicklung dieser interessanten Wesen begann offenbar bereits zur Zeit der Dinosaurier, soviel wusste man bereits durch molekulargenetische Untersuchungen.Denen zufolge haben sich die Blindschlangen in der Zeit von vor 160 bis 120 Jahren von allen anderen Schlangen abgespalten. Das Problem dabei: die bislang ältesten Blindschlangen-Fossilien stammen aus der Zeit des frühen Eozäns und sind nur rund 56 Millionen Jahre alt.

Größenvergleich von Boipeba tayasuensis zu rezenten Blindschlangen und die systematische Einordnung des Fundes aus Brasilien.

 

In Brasilien haben Paläontologen nun aber ein aufschlussreiches Fossil entdeckt. Boipeba tayasuensis, die in der späten Kreidezeit lebte, verkürzt die Lücke im Fossilbericht nun deutlich. Und sie zeigt auch den interessanten Entwicklungsweg dieser Tiere auf: Boipeba war nämlich mit fast einem Meter Länge noch deutlich größer als heutige Blindschlangen, die heute alle weniger als 30 Zentimeter Körperlänge erreichen. In der Kreidezeit waren diese Schlangen also wohl noch längst nicht so blind wie heute, und sie lebten zum Teil sogar noch oberirdisch. Dass sie zunehmend kleiner wurden, ist also erst eine relativ junge Form ihrer Anpassung an ein unterirdisches Leben, das vielleicht erst nach dem Aussterben der Dinosaurier für sie begann.

 

Link zur Studie


Leichenfund in Pompeii: starben hier Herr und Sklave gemeinsam?

Archäologen in Pompeji machten in der römischen Stadt Pompeii, die im Jahre 79 n.Chr. beim Ausbruch des Vesuv unter einem Ascheregen begraben wurde, einen beeindruckenden Fund: Die Forscher eindecken die Überreste zweier Männer, einer wohl zwischen 18 und 25 Jahren alt, der andere zwischen 30 und 40 Jahre alt. Während der ältere in prachtvolle Gewänder gehüllt war, trug der jüngere bloß eine einfache Tunika. Offenbar handelte es sich bei ihm um einen jungen Sklaven, denn auch seine zusammengedrückten Rückenwirbel zeigen die Läsionen harter körperlicher Arbeit.

 

 

Beide kamen wahrscheinlich um, als ein Strom aus heißer Asche und Schlamm in die Villa strömte. Sie versuchten noch durch den Cryptoporticus ins höhere Stockwerk zu fliehen und erreichten dort noch einen kleinen Seitenraum, wo sie jedoch keine Chance hatten. Der pyroklastischen Strom tötete beide im Bruchteil von Sekunden. Die Ausgrabungen an der Villa in Civita Giulina, wo die beiden Leichen entdeckt wurden, sind bereits längere Zeit im Gange. Die jetzt vorgestellten Ergebnisse über die Männer wurden mithilfe modernster Laser- und Computeranimationstechnik ermöglicht. Aus dem dadurch gewonnenen Bildmaterial fertigten sie Abgüsse der Körper an, die sie dann weiter untersuchen konnten.

 

Bildquelle und Link zum Bericht über die Ausgrabung in Pompeii


Neuer Theropode in Argentinien entdeckt: Niebla antiqua

In der späten Kreidezeit war Südamerika ein völlig isolierter Kontinent. Seit es sich von Afrika vor etwa 110 Millionen Jahren gelöst hatte, konnte sich dort eine völlig einzigartige Tierwelt entwickeln. Zu Zeit, als Tyrannosaurus rex in Nordamerika sein Unwesen trieb, gaben in Südamerika ganz andere Theropoden den Ton an.

 

 

Zu der vorherrschenden Familie der Raubsaurier zählten dort die Abelisauriden, die zu jener Zeit auch auf anderen südlichen Kontinenten sehr erfolgreich waren. Auf der Arrigada-Farm, Teil der Allen Formation in der argentinischen Provinz Rio Negro fanden Paläontologen nun die Überreste eines bislang unbekannten Abelisauriers, der kurz vorm Ende der Kreidezeit vor etwa 69 Millionen Jahren lebte.

 

Paläo-Art von Niebla antiqua. Bildquelle: TwistedTorvosaurus

Niebla antiqua, wie der Theropode nun beschrieben wurde, ist leider nur von einigen spärlichen Fossilien bekannt. Es handelt sich offenbar um die Überreste eines gerade erst ausgewachsenen Tieres, das die Forscher auf eine Länge von etwa 4,5 m und ein Alter von etwa 9 Jahren schätzten. Der für einen Abelisaurier also ziemlich kleine Dinosaurier besaß allerdings wohl einen hochentwickelten Hirnschädel und einen besonders geformten Schultergürtel, der zu keiner anderen Abelisaurier-Art passt. Niebla gehört damit auch zu den letzten bekannten und am stärksten abgeleiteten Vertretern seiner Familie.

 

Link zur Studie


Baby-Alligatoren können ihren Schwanz selbst „reparieren“

Selbstheilung gehört zu den starken Erfolgsrezepten der Wirbeltiere: werden sie verletzt, so können die meisten ihre Wunden schnell auskurieren. Einige Reptilien sind sogar imstande, ganze Gliedmaßen nachwachsen zu lassen, wenn sie im täglichen Überlebenskampf verloren gehen. Eidechsen zum Beispiel können bei der Flucht ihren Schwanz abwerfen und sich einfach einen neuen wachsen lassen.

 

Die unterschiedlichen Selbstheilungskräfte der Tiere. (Vergleichsbild aus der neuerschienenen Studie)

 

Krokodile und Alligatoren sind zwar robust gebaute Panzerechsen, aber sie können soweit wir bislang wussten keine verloren gegangenen Gliedmaßen ersetzen. Ein Forschungsteam der Arizona State University hat aber nun erstaunliches herausgefunden: Jungtiere des Mississippi-Alligators können das doch! Zumindest ein verlorener Schwanz ist für die kleinen Alligatoren kein ernsthafter Verlust. In ihrer Studie veröffentlichten die Wissenschaftler nun ihre interessanten Forschungen zu den Selbstheilungskräften verschiedener Wirbeltiere.

 

Ein rezenter Mississippi-Alligator (Bildquelle: Wikipedia).


Wachstumsschübe von Tyrannosauriern unterschieden sich deutlich von anderen Theropoden

Dass Tyrannosaurus als Teenager einen enormen Wachstumsschub machte, ist lange bekannt: die Jungtiere wuchsen in zwei Phasen ihres Lebens. Bis zu einem Alter von etwa 11 Jahren legten sie relativ gleichmäßig an Gewicht zu, bis sie zwischen 700 kg und einer Tonne wogen. Dann jedoch beschleunigte sich ihr Wachstum immens: innerhalb eines Jahres verdoppelten sie ihr Gewicht und wuchsen dann ähnlich rasant weiter, bis sie als ausgewachsene Tiere mit etwa 18 Jahren mehr als sieben Tonnen auf die Waage brachten.

Auch bei anderen Tyrannosauriden, wie Albertosaurus und Daspletosaurus, sah das Jugendwachstum ganz ähnlich aus.

 

Nur wie war es bei anderen Theropoden? Thomas M. Cullen vom Field Museum of Chicago untersuchte zusammen mit seinen Kollegen die Histologie (Knochenaufbau) verschiedener fleischfressender Dinosaurier.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass jurassische Carnosaurier wie Allosaurus eine andere Wachstums-Strategie an den Tag legten als ihre entfernten Verwandten aus der Kreidezeit: ihre Knochen zeigen im Querschnitt eine Struktur der sogenannten Hypermorphose, sie wuchsen also relativ gleichmäßig, ohne signifikante plötzliche Wachstumsschübe, wie die sogenannte Heterochronie bei den Tyrannosauriern zeigt.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Breitschnäbeliger „Urzeit-Tukan“ aus der Kreidezeit entdeckt: Falcarakely fosterae

Immer wieder stoßen Paläontologen bei ihren Grabungen auf wirklich außergewöhnliche Funde, selbst mehr als zwei Jahrhunderte nach dem Beginn der Urzeitforschung. Und manchmal stellt man erst nach vielen Jahren fest, wir außergewöhnlich ein einstmals gemachter Fund eigentlich war.

Das Fossilmaterial und die Rekonstruktionsskizze von Falcatakely fostarae aus der neuen Studie.

 

Bereits vor zehn Jahren legten Paläontologen bei einer Grabung auf Madagaskar die Fossilien eines etwa krähengroßen Vogels frei, die aber eine aufwändige Präparation beanspruchten, sodass man das Fossil zunächst einmal einlagerte. Erst 2017 nahm man sich den Fund noch einmal vor, und erst jetzt erkannte man, was man da eigentlich vor sich hatte.

 

Lebendrekonstruktion von Falcatakely fosterae von Joschua Knüppe.

 

Falcatakely forsterae, wie die Forscher den Vogel benannten, besaß einen für seine Zeit wirklich ungewöhnlich breiten Schnabel, ähnlich wie ein heutiger Tukan. Obwohl mit diesen Vögeln nur entfernt verwandt (Falcatakely gehörte zur Gruppe der heute ausgestorbenen Enantiornithes), zeigt dieser Fund deutlich, wie spezialisiert Vögel am Ende der Kreidezeit bereits waren.

 

Falcatakely in seiner natürlichen Umgebung des prähistorischen Madagaskars. Bildquelle: Mark Witton.

Madagaskar war vor ca. 67 Millionen Jahren bereits eine isolierte Insel, auf der die Natur offenbar schon damals eifrig herum experimentiere. Der übergroße Schnabel dürfte eine Anpassung an eine spezielle Ernährungsweise gewesen sein, so wie bei heutigen Vögeln auch. Doch wovon Falcatakely sich ernährte, ist noch immer ein Geheimnis.

 

Link zur Studie


Streit um Himmelsscheibe von Nebra geht weiter!

Zwei Archäologen heizen den Streit um die Datierung der Himmelsscheibe von Nebra erneut an. Rupert Gebhard (im Bild unten links) von der Uni München und sein Kollege Rüdiger Krause von der Uni in Frankfurt a.M. beharren auf ihrer These, dass die berühmte Himmelsscheibe aus der Eisenzeit stammt und damit deutlich jünger sei als bislang gedacht.

Rupert Gebhard.

 

Zwar hatte eine jüngst veröffentlichte Studie besagte These entkräftet und ihr Alter erneut auf die Bronzezeit datiert, doch Gebhard und Krause konnte das nicht überzeugen: die Studie sage überhaupt nichts aus, was nicht schon zuvor längst bekannt war, und gehe auf ihre Argumente überhaupt nicht ein, widersprachen die beiden.

 

Rüdiger Krause.

Da es bislang keine Methode gibt, Metalle eindeutig auf ihre Fertigungszeit zu datieren, stützte sich die Studie auf die gemachten Beifunde, u.a. Holzreste, die mit der Radiokarbonmethode datierbar sind. Doch Gebhard und Krause glauben gar nicht, dass die Holzstücke vom gleichen Fundort stammen: Da die Himmelsscheibe nicht von Archäologen, sondern von Raubgräbern gefunden wurde, sei der angegebene Fundort ohnehin zweifelhaft, so die beiden Professoren. Die bronzezeitlichen Beifunde, darunter auch einige Bronzeschwerter, stammen ihrer Meinung nach tatsächlich aus Nebra in Sachsen-Anhalt, die Himmelsscheibe jedoch nicht.

 

 

Trotziges Heischen nach medialer Aufmerksamkeit oder doch begründbare wissenschaftliche Kritik? Die Meinungen zu Gebhards und Krauses These gehen unter Fachleuten auseinander. Die meisten jedoch bezweifeln das Alter der Himmelsscheibe nicht und bleiben dabei, dass sie ein bedeutsamer Fund aus der Bronzezeit ist. (Bildquellen: Wikipedia.)


Handanatomie des Neandertalers: Kraftvoller Griff, trotzdem auch Fingerspitzengefühl

Waren die Neandertaler eher Grobmotoriker oder Präzisionskünstler? Mithilfe von 3D-Modellen untersuchten Amelie Bardo und ihre Kollegen das Handskelett und insbesondere den Bau der Fingergelenke unserer nächsten Verwandten. Dabei konnten sie bestätigen, was auch durch vorherige anatomische Studien bereits ermittelt worden war: Neandertaler waren besser an die Benutzung von Schaft-Werkzeugen angepasst als wir.

 

 

Das Gelenk an der Basis des Daumens war bei ihnen flacher, mit einer geringeren Kontaktfläche als bei uns. Dies führte zu einem kräftigen und ausdauernden Griff beim Halten von Werkzeuge in der Weise, wie wir z.B. einen Hammer halten.

 

„Power Grip“ und „Precision Grip“. Darstellung aus Enzyclopaedia Britannica.

 

Trotzdem waren, wie die Studie zeigt, die Neandertaler auch zu Präzisionsgriffen in der Lage, wie etwa den Pinzettengriff, bei dem wir einen Gegenstand zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen. Tätigkeiten wie z.B. beim Einfädeln einer Nadel waren für sie kein Problem, aber doch etwas schwieriger zu meistern als für die meisten von uns.

Neandertaler
Nicht nur das Steinmesser, auch ein Handy dürfte fast so selbstverständlich gehalten haben, wie wir. (Foto im Neanderthal-Museum, Mettmann)


Erythrovenator jacuiensis – der früheste bekannte Theropode?

In den Ablagerungen aus der frühen Obertrias der Brasilianischen Candelaria Formation machten Wissenschaftler einen bemerkenswerten Fund: ein winziges Knochenfragment, dass offensichtlich einst ein Teil des Oberschenkel-Gelenks eines frühen Dinosauriers war.

 

Position des gefundenen Fossils in der vermuteten Lebendrekonstruktion von Erythrovenator.

 

Der Fund zeigt nach Auffassung seines Entdeckers Rodrigo T. Müller  so eindeutige Merkmale, dass der Paläontologe ihn als Erythrovenator jacuiensis neu beschreiben und in phylogenetisch als den ersten bekannten Theropoden einstufen konnte. Das ca. 230 Millionen Jahre alte Fossil zeigt abgeleitetere Theropoden-Merkmale als alle anderen südamerikanische Dinosaurier jener Zeit, wie Herrerasaurus und Eoraptor, deren systematische Stellung nach wie vor umstritten ist. Es ist außerdem ein weiteres Mosaiksteinchen für die Theorie, dass sich die Theropoden in Südamerika entwickelt haben. Die Neubenennung von Erythrovenator stieß aber auch bereits auf einige Kritik: Manche Forscher sind der Ansicht, dass ein einzelnes Knochenfragment mit so wenig diagnostischem Material nicht ausreicht, um eine eigene Gattungsbenennung zu rechtfertigen. Ob Erythrovenator nämlich tatsächlich ein Dinosaurier war, müssen erst vollständigere Fossilien belegen.

 

Erythrovenator in seinem Lebensraum. Bildquelle: Marcio L. Castro.

Erythrovenator („roter Jäger“, benannt nach den roten Sandsteinablagerungen, in denen er gefunden wurde), lebte in einer Umgebung, aus der zuvor noch gar keine Dinosaurier bekannt waren. Dominiert wurde das Ökosystem der Candelaria Formation damals noch von großen Säugetier-Verwandten wie dem Therapsiden Siriusgnathus, vor dem sich Erythrovenator wahrscheinlich gut in Acht nehmen musste.

 

Link zur Studie


Eiswasser aus der Lava-Höhle: wie Pueblo-Indianer in der Trockenzeit an Trinkwasser kamen

Der Westen des US-Bundesstaats New Mexico gehört zu den niederschlagsärmsten Regionen der Erde. Geprägt durch kontinentales Wüstenklima ist es sehr schwer, dort Wasser zu gewinnen. Die Ureinwohner, die in dieser Region vor mehr als 1.100 Jahren lebten, kannten aber eine erfolgreiche Technik, wie sie in den Dürremonaten trotzdem an Trinkwasser gelangen konnten.

 

 

Sie stiegen dazu in Lavahöhlen hinab, in denen sich Eismassen gebildet hatten. Aufgrund der einzigartigen Form der Höhle liegen die Temperaturen im Innern das ganze Jahr unter dem Gefrierpunkt: im Winter dringt kalte Luft in die Höhle ein und sinkt dort in einen tiefergelegenen Saal hinab, wo sie sich geschützt durch massives Basaltgestein auch in den heißesten Sommern kaum aufwärmt. Feuchte Luft kondensiert an den kalten Höhlenwänden, und auch durch Sickerwasser bildet sich im Innern der Höhle eine dicke Eiswand.

 

 

Genau an diesen Eiswänden legten die Pueblo-Indianer nun Feuer und sammelten das Schmelzwasser in großen Krügen, wie Forscher von der University of South Florida nun bei den Untersuchungen von Eiskern-Proben aus mehreren Höhlen in der Gegend des El Malpais National Monument herausgefunden haben. Die Spuren von Feuern lassen sich genau auf Zeitpunkte datieren, als in der Region tatsächlich kaum Niederschläge fielen.

 

Bildqellen und Link zur Studie


Eomakhaira molossus: Neuer säbelzahntragender Sparassodont aus Südamerika entdeckt

Seit der Atlantische Ozean sich in der frühen Oberkreide zwischen Afrika und Südamerika öffnete, war Südamerika für rund 100 Millionen Jahre ein völlig isolierter Inselkontinent. Dort entwickelte sich eine einzigartige Tierwelt, die auch lange nach dem Aussterben noch einige exotische Wesen hervorbrachte, die es sonst nirgendwo auf der Welt gab.

 

 

Anders als auf den Kontinenten der Alten Welt blieben in Südamerika auch die Beuteltiere sehr erfolgreich, ganz ähnlich wie in Australien. Zu den mächtigsten Beutegreifern ihrer Zeit gehören die sogenannten Sparassodonten, die ihrerseits nur die noch berüchtigteren Terrorvögel zu fürchten hatten.

 

Lebendrekonstruktion von Eomakhaira molossus nach Jorge Aragon.

 

Forscher des American Museum of National History entdeckten nun eine neue, verhältnismäßig kleine Art dieser Raubbeuteltiere, die vor etwa 30 Millionen Jahren zur Zeit des Oligozäns auf dem Gebiet des heutigen Chile lebte. Eomakhaira molossus, wie die Forscher das Tier nannten, war zwar nur ungefähr so groß wie ein Dachs, aber er besaß zwei tückische Säbelzähne, mit denen er seine Beute zur Strecke brachte. Ähnlich wie der spätere Thylacosmilus war auch Eomakhaira schon ein mittelgroßes Raubtier, das wahrscheinlich durch die damaligen Gebirgswälder der noch jungen Anden streifte.

 

Link zur Studie

 

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gelebte Kryptozoologie – heißt aber anders

Als Europäer hat man einen völlig anderen Blick auf die Inseln des Südpazifiks – der sagen- und sehnsuchtsumwobenen Südsee. Für uns ist es das verlorene Paradies am anderen Ende der Welt. Doch Flannery ist Australier. Für Australier liegen Inselgruppen wie Fiji, Neuguinea, die Salomonen oder der Bismarck-Archipel (nicht ganz) im Hinterhof. Dem entsprechend „ehrfurchtsärmer“ geht Flannery an die Sache – und fängt an, wirklich zu forschen.

 

In jedem der sechs Kapitel besucht er eine andere Inselgruppe, besucht historische Stätten und erforscht die Natur in einem Gebiet, das noch größere zoologische Entdeckungen ermöglicht. Kryptozoologie so, wie sich viele Hobby-Kryptozoologen eine Einmal-Im-Leben-Expedition wünschten – und dann auch noch unglaublich mitreißend erzählt.

 

Kein Wunder, dass der Autor auch der „Indiana Jones der Biologie“ genannt wird.

 

Im Reich der Inseln: Meine Suche nach unentdeckten Arten und andere Abenteuer im Südpazifik ist 2013 bei S. Fischer erschienen und hat gebundene 272 Seiten.

 

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Kolumbien: Felswand mit eiszeitlichen Tierzeichnungen im Dschungel entdeckt

Mitten im entlegenen Urwald des nördlichen Amazonas-Beckens, einer gefährlichen Gegend, die von kolumbianischen Rebellen kontrolliert wird, machte ein Forschungsteam einen unglaublichen Fund: die Wissenschaftler stießen bereits vor mehr als einem Jahr auf eine Felswand, auf der über eine Strecke von sagenhaften 12 km tausende von Petroglyphen (Felszeichnungen) zu finden waren. Die Archäologen hielten ihren Fund bislang geheim, um ihre Forschungen zu schützen.

 

 

Die Felsbilder zeigen viele eiszeitlichen Großtiere, die heute längst ausgestorben sind und zu einer Zeit lebten, als der Regenwald noch eine trockene Savannenlandschaft war: Riesenfaultiere, Mastodons, Kamele, Pferde und viele andere Tiere ließen sich dort identifizieren. Die Forscher schätzen, dass die Felsbilder in der Zeit von vor 12.600 und 11.800 Jahren angefertigt wurden, also wahrscheinlich von den allerersten Menschen, die in diesem Gebiet siedelten.

 

Eine umfangreiche Film-Dokumentation soll den spektakulären Fund nun der Öffentlichkeit zugänglich machen. Und natürlich fassten die Forscher auch eine Studie ab, in der sie ihre Entdeckung wissenschaftlich bearbeiteten (daraus auch die Bildquelle dieses Artikels).


Erste Dinosaurier in Irland entdeckt!

Europa lag während des Mesozoikums zu großen Teilen unter dem Meer. Vor allem im Jura und der Kreidezeit waren alle Länder der EU Teil des großen Tethys-Meeres, nur einige Inseln, manche kleiner, andere größer, boten dort trockenes Land, auf dem auch Dinosaurier lebten. In manchen europäischen Ländern wurden jedoch bis heute noch niemals Dinosaurierfossilien gefunden.

 

Studienleiter Michael J. Simms mit den Fossilien der Dinosaurier.

 

Von dieser Landkarte der dinosaurierlosen Länder muss jetzt allerdings eine Insel neu eingefärbt werden, und zwar Irland. Bereits in den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts entdeckte der private Fossiliensammler Roger Byrne in der Grafschaft Antrim nordwestlich von Belfast fossile Knochen aus dem frühen Unterjura, die er nun dem Museum von Ulster spendete. Dort nahmen Experten sofort seine Funde in Augenschein, untersuchten sie mit mordernster 3D-Technologie und fanden so heraus, dass es sich um die Überreste eines Fleischfressers aus der Gruppe der Theropoden (eventuell einen Sarcosaurus) und einen pflanzenfressenden Panzersaurier aus der Gruppe der Thyreophoren (vermutlich Scelidosaurus) handelte.

 

Scelidosaurus und Sarcosaurus; Bildquelle: Jack Mayer Wood

 

Link zur Studie


Uralte Tiefsee-Karies: Bakterien in 138 Millionen Jahre alten Haizähnen entdeckt

Forscher der Geologisch-paläontologischen Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien staunten nicht schlecht, als sie die Zähne eines ausgestorbenen Hais (Cretacladoides noricum) betrachteten, der während der Unterkreide vor rund 138 Millionen Jahren lebte. Unter dem Elektronenmikroskop konnten sie gut erhaltene fossile Bakterien nachweisen, die sich tief in den Schmelz der Haizähne gefressen hatten.

 

 

Zahnschmelz gehört zu den härtesten organischen Stoffen überhaupt und ist wegen seines hohen Grades an Mineralisierung ein für Bakterien eher ungeeigneter Lebensraum und erst recht keine Nahrungsquelle. Auch unsere Zähne können nur von Bakterien zersetzt werden, wenn die Mundflora aus dem Gleichgewicht gerät – z.B. durch mangelnde Zahnpflege oder hohen Zuckerkonsum. So entsteht u.a. Karies.

 

 

Dass die Bakterien im Haizahn sich so gut vermehren konnten, lag aber nicht daran, dass der Hai eine Naschkatze war: die Bakterien haben sich an ihren Extremen Lebensraum in der Tiefsee angepasst und sich das einzige Nahrungsangebot erschlossen, dass sie dort vorfinden konnten: sie fraßen sich in den Zahnschmelz des Hais und ernährten sich davon, was sonst noch so zwischen den Zähnen des Raubfischs landete.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Kreidezeitlicher Unfall: Parasaurolophus schwer verletzt!

Parasaurolophus walkeri war ein großer pflanzenfressender Hadrosaurier mit einem röhrenförmigen Kopfkamm, der ihm wahrscheinlich zur Geräuscherzeugung diente. Das etwa 10m lange Tier lebte vor etwa 75 Millionen Jahren in Nordamerika. Vor ziemlich genau 100 Jahren wurde er entdeckt, und fast ebenso lange steht das erste je gefundene und gut erhaltene Exemplar schon im Royal Ontario Museum von Kanada.

 

 

Doch noch immer bergen die Überreste des Dinosauriers mit der Katalognummer ROM 768 etliche Geheimnisse. Eines davon gab das Fossil aber nun dem Paläontologen Filippo Bertozzo und seinen Kollegen preis, nämlich die Antwort auf die Frage, was wohl der schlimmste Tag seines Lebens gewesen ist.

 

 

Offenbar hatte der Dinosaurier nämlich einst einen sehr schlimmen Unfall. Wahrscheinlich während eines Sturms wurde er von einem massiven Objekt am Rücken getroffen, vermutlich einem schweren Baumstamm. Mit schwersten Verletzungen an der Rückenwirbelsäule und dem umgebenden Muskelgewebe überlebte das Tier dieses Trauma jedoch. Die Heilungsspuren an den Läsionen zeigen, dass es nach diesem Unfall noch Monate, wenn nicht sogar Jahre durch die kreidezeitlichen Wälder Kanadas streifte, bevor es schließlich verendete und zum Fossil wurde.

 

 

Bildquellen und Link zur Studie


Doggerland: kein Tsunami, sondern stetiger Klimawandel führte zu seinem Untergang

Vor 20.000 Jahren, auf dem letzten Höhepunkt der Weichsel-Würm-Kaltzeit, war in den Gletschermassiven so viel Wasser zu Eis erstarrt, dass der Meeresspiegel zeitweilig mehr als 100 Meter unter dem heutigen Niveau lag. Weite Teile der heutigen Nordsee waren damals trockenes Land: Doggerland.

 

Der Storegga-Tsunami traf die Bewohner Doggerlands völlig unvorbereitet. Fotomontage:T-Online

 

Als die Gletscher der Eiszeit schmolzen und der Meeresspiegel stieg, begann Doggerland zu einer Insel zu schrumpfen. Diese Insel, so hieß es bislang, sei um das Jahr 6.150 v. Chr. vernichtet worden, als ein unterseeischer Erdrutsch vor Norwegen den Storegga-Tsunami auslöste, der die letzten Reste Doggerlands mit sich riss und ins Meer spülte. Tausende Menschen, die damals dort siedelten, kamen dabei ums Leben. Wissenschaftler haben aber nun herausgefunden, dass der schreckliche Storegga-Tsunami doch noch nicht das Ende für Doggerland bedeutete. Eine Forschergruppe unter der Leitung der University of Cambridge fand heraus, dass Doggerland wohl noch einige Jahrhunderte nach der Katastrophe weiter existierte. Mithilfe von seismischen Karten, Computersimulationen und anderer Technik konnten sie die Topografie des heutigen Meeresbodens genau vermessen und die geographischen Eigenschaften Doggerlands mit all seinen Hügeln, Flüssen und Sümpfen nachbilden.

 

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Nun deutet alles darauf hin, dass die letzten Reste Doggerlands erst etwa 5.000 v. Chr. in den Wellen versanken. Kein Tsunami, sondern die voranschreitende Erderwärmung und der immer weiter steigende Meeresspiegel ließen die Insel immer kleiner werden und machten ihr allmählich den Garaus.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Mumifizierter Eiszeit-Vogel in Sibirien entdeckt!

Wir erleben gerade ein spannendes Zeitalter in der Urzeitforschung: die Zeit der Eismumien. Infolge des Klimawandels taut der Permafrost in Sibirien und Alaska auf. Auch wenn das aus Sicht von Klimaforschern natürlich alarmierend und eine Katastrophe ist, kamen in letzter Zeit dadurch einige interessante Funde ans Licht, wie etwa die Jungtiere von Höhlenlöwen oder ein mumifizierter Wolf (wir berichteten).

 

 

Bereits 2018 ist ein weiterer hochinteressanter Fund dazugekommen, der nun von Forschern der Universität Stockholm im Schweden untersucht wurde. Es handelt sich um die ersten erhaltenen vollständig mumifizierten Überreste eines Vogels aus der Eiszeit! Das Wort „Eisvogel“ könnte durch diesen Fund zwar eine völlig neue Bedeutung bekommen, aber die Forscher konnten das rund 46.000 Jahre alte Fossil als eine kleine weibliche Ohrenlerche identifizieren.

 

Eine heutige Ohrenlerche. Bildquelle: Wikipedia.

 

Ohrenlerchen sind in baumlosen Gegenden wie Grasprärien oder oberhalb der Baumgrenze verschiedener Höhenzüge auch heute noch häufige Singvögel. In der schier endlosen Graslandschaft der Mammutsteppe könnten sie während der letzten Kaltzeit zu den häufigsten Vögeln gehört haben. Interessant ist, dass der gefundene Vogel Merkmal mehrerer heute bekannter Unterarten in sich vereint. Damals könnte die Ohrenlerchenpopulation noch zusammenhängend gewesen sein, weshalb der Fund auch viel über die Evolution dieser Vögel verrät.

 

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Frank und der Vielfraß: Wer hat gesagt, dass das Universum nicht komisch sein kann?

Im Mittelpunkt dieser eigenwilligen Geschichte steht ein ebenso eigenwilliges Institut, das Holistic Explorer Institut. Dort tauchen unvermittelt Menschen auf. Wo diese Menschen herkommen und weshalb sie plötzlich da sind, ist völlig unklar. Völlig unklar ist auch, wie das Ganze funktioniert und was das Ganze soll. Doch dann kommt Frank ins Spiel, dessen Antriebslosigkeit seinesgleichen sucht.
Der Roman ist eine betörende Mischung aus Quantenphysik, Schamanismus, spannender Science Fiction und frischem wie verdrehtem Humor, gespickt mit wunderbar skurrilen Einfällen. Frank und der Vielfraß: Ein Roman mit dem Anspruch, seine Leser auf eine einzigartige Reise mitzunehmen – nicht mehr und nicht weniger.

 

Frank und der Vielfraßist nur für den Kindle erhältlich, hätte gedruckt 150 Seiten und verfügt über den Vorlese-Modus.

 

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Das war es für heute mit den Paläo-News! Wir lesen uns wieder am vierten Adventssonntag, und falls ihr mögt, nehmt bitte gern am Gewinnspiel teil!

 

Viele liebe Grüße aus dem winterkalten Kiel und einen schönen zweiten Advent!

 

Markus Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 22. November 2020

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Keine Ruhe in Sicht. In den U.S.A. weigert sich ein Narzisst, seine Niederlage anzuerkennen, im Bundestag pöbeln Rechtsradikale unsere gewählten Volksvertreter an, Pandemie-Leugner benutzen ihre Kinder als lebende Schutzschilde gegen die Wasserwerfer und die, die so wie ich auf sinkende Fallzahlen, eine Entspannung der Lage und vor allem wieder offene Museen und Gastronomie-Betriebe gehofft haben, wurden bitter enttäuscht. Beim letzten Wort zum Sonntag vor dem ersten Advent kommt zumindest bei mit noch überhaupt keine Weihnachtsfreude auf. Die Vorstellung, das Fest dieses Jahr allein ohne meine Familie zu verbringen, stimmt mich zutiefst traurig. „Die dunkelste Zeit des Jahres“ – diese Bezeichnung bekommt gerade jetzt eine ganz neue Bedeutung.


Doch es gibt auch Nachrichten, die Mut machen: Ein Impfstoff ist in Aussicht. Führende Experten zeigen sich optimistisch, dass wir den Virus im kommenden Jahr endlich besiegen werden. Zwar wird das sicher noch einige Zeit dauern, aber es zeigt sich doch endlich ein Silberstreif am ach so düsteren Horizont. Bald können wir 2020 ad acta legen. Und in ein vielversprechendes neues Jahr starten.


Um dies auch angemessen zu feiern und unsere Vorfreude zu steigern, habe ich mir schon etwas ganz besonderes für euch ausgedacht. Am kommenden Adventssonntag wird es für alle meine Leser eine kleine Weihnachtsüberraschung geben. Was das ist? Verrate ich noch nicht. Ihr dürft aber schon gespannt sein!


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Der Dino-Adventskalender

Wie wäre es mal mit einem Adventskalender mit dauerhaftem Spaßfaktor statt zuckersüßen Schoko-Stückchen? Der Dino-Adventskalender von Craze enthält sechs recht moderne Dino-Figuren, Aufkleber, Buttons, Schnürsenkel und viele andere tolle Accessoires für junge Saurier-Fans.

 

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Bild der Woche

Dieses Bild bestimmte die Paläo-Nachrichten der letzten Tage, und es ist ein Hell Creek-Bild, also wieso es nicht zum Bild der Woche küren? Die „Dueling Dinosaurs“ – eine neue Ausstellung im North Carolina Museum of Natural Sciences, zeigt das bislang vollständigste Skelett eines jungen Tyrannosaurus, der möglicherweise im Kampf mit einem Triceratops sein Leben ließ. Wie der Kampf damals ausgesehen heben könnte, zeigt uns Anthony Hutchings in seiner Bildinterpretation.

 

Paläo-News

Wieder liegen zwei Wochen mit reichlich tollen Neuigkeiten aus der Welt der Urzeit hinter uns! Manche verblüffend, andere traurig und wieder andere äußerst spannend – aber lest selbst!


Fossiler Echsenschädel aus dem Eozän wiederentdeckt

Im Jahre 2017 durchstöbere Simon Scarpetta im Rahmen seiner Abschlussarbeit die Sammlung des Peabody Museums der Universität Yale. Dabei stieß er auf den exzellent erhaltenen Schädel einer kleinen Echse, die sofort das Interesse des Studenten weckte. Wie er zu seiner Überraschung feststellte, hatte nie jemand über diesen eigentlich doch bemerkenswerten Fund geschrieben, der schon 1971 bei einer Grabung in Wyoming zutage gefördert worden war.

 

Das Fossilmaterial von Kopidosaurus perplexus.

 

Scarpetta erkannte das Fossil als frühen Vertreter der Basilisken, einer Gruppe von Echsen, die heute vor allem in den tropischen Regenwäldern Lateinamerikas beheimatet sind. Während des Eozäns, vor rund 52 Millionen Jahren, waren die auch als „Jesus-Christus-Echsen“ bezeichneten Leguane aber auch viel weiter nördlich verbreitet. Sie heißen so, weil sie kurzzeitig im schnellen Lauf über die Wasseroberfläche rennen können.

 

Ein rezenter Helm-Basilisk. Bildquelle: Wikipedia.

 

In einer neuen wissenschaftlichen Arbeit beschrieb Scarpetta seinen Fund und gab der kleinen Echse den Namen Kopidosaurus perplexus.

 

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Fünfäugige „Riesengarnelen“ entdeckt: Kylinxia zhangi

Die Gliederfüßer, auch Arthropoden genannt, zu denen z.B. die Spinnen, Insekten und Krebse gehören, stellen heute fast 80 Prozent aller Tierarten. Ihre Entwicklungsgeschichte begann schon in der Frühzeit des höheren Lebens, im Kambrium vor über 520 Millionen Jahren. Damals sahen die Arthropoden jedoch noch ganz anders aus, und sie gehörten zu den größten Lebewesen ihrer Zeit.

 

Lebensdrekonstruktion von Kylinxia zhangi nach D. Y. Huang und H. Zeng.

 

Die genaue Entwicklungsgeschichte der Gliederfüßer zu rekonstruieren ist für die Wissenschaftler nicht einfach, weil ihre Fossilüberlieferung aus dieser Zeit Recht lückenhaft ist. Eine neu entdeckte fossile Art könnte ein wichtiges Bindeglied zu den moderneren Gliederfüßern sein: in China fanden Forscher fünf gut erhaltene Fossilien eines Wesens, dass äußerlich einer riesigen Garnele gleicht und fünf Augen besaß.

 

 

Kylinxia zhangi, wie die Forscher ihren Fund benannten, weist sowohl Merkmale der frühen Vorformen der Gliederfüßer auf als auch Kennzeichen späterer Vertreter des Tierstammes und ist damit ein „Missing Link“, das viele offene Fragen beantworten kann.

 

Link zur Studie


In Bernstein eingeschlossene Amphibien besaßen chamäleonartige Zunge

Die heutigen Lurche kann man grob in drei Erscheinungsformen einteilen: die schwanzlosen „Hüpfer“ wie Frösche und Kröten, die kriechenden oder schwimmenden Salamander und die Blindwühlen, die überhaupt keine Gliedmaßen haben. Bis zum Beginn des Pleistozäns gab es jedoch noch eine vierte Gruppe: die Albanerpetoniden.

 

 

Über diese Amphibien ist kaum etwas bekannt, da diese Tiere nur selten Fossil überliefert werden. Nun sind aber sehr gut erhaltene Überreste eines solchen Lurchs in Burmit, also kreidezeitlichen Bernstein aus Myanmar aufgetaucht. Forscher um Juan D. Daza fanden bei seiner Untersuchung heraus, dass der eingeschlossene Albanerpetonide seine Zunge genau wie ein Chamäleon herausschießen konnte, um damit Insekten zu fangen.

 

Link zur Studie


Stratigrafische Neubetrachtung der Hell Creek Formation von Montana

Die Hell Creek Formation, die sich während des oberen Maastrichtiums im mittleren Westen der U.S.A., in den Bundesstaaten Montana, Wyoming sowie North und South Dakota ablagerte, gehört zu den bekanntesten Fossillagerstätten der oberen Kreidezeit. Sie war einst die Heimat berühmter Dinosaurier wie Tyrannosaurus, Triceratops und Ankylosaurus, und ist auch der Schauplatz meiner Romanreihe „Die weißen Steine“.

 

 

Besonders die Gegend um Fort Peck Lake in Montana ist für zahlreiche Dinosaurierfossilien bekannt. Dort sind Forscher nun einen alten Rätsel auf den Grund gegangen: denn trotz ihrer Bekanntheit und der intensiven Erforschung ist die innere Stratigrafie (Schichtenfolge) von Hell Creek noch immer weitestgehend unbekannt. In ihrer Arbeit ordneten die Forscher die Ablagerungsfolgen nun vier verschiedenen Stufen zu, zwischen denen jeweils drei Phasen lagen, in denen das Meer, der berühmte Western Interior Seaway, immer wieder vorstieß und sich anschließend wieder zurückzog.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Ungewöhnlich langlebig: „Büroklammer-Ammonit“ lebte über 200 Jahre!

Die Welt der Kreidezeit war voll mit den bizarrsten Kreaturen. Zu den aus heutiger Sicht sicher ungewöhnlichsten zählte Diplomoceras maximum, ein wirklich größer Ammonit, der vor etwa 68 Millionen Jahren (und damit zur Zeit des T. rex) lebte und ein Gehäuse von der Länge eines Menschen besaß. Dieses Gehäuse war aber gerade das Verrückte an dieser Kreatur: es war nicht wie das der meisten anderen Ammoniten spiralförmig aufgebaut, sondern geschwungen und gebogen wie eine Büroklammer!

 

Lebendrekonstruktion von Diplomoceras maximum nach James McKay

 

Forscher der Syracuse University of New York haben nun noch ein weiteres verrücktes Detail über dieses Wesen herausgefunden: es war offenbar außergewöhnlich langlebig. Während die meisten heute lebenden Cephalopoden nur eine Lebenserwartung von wenigen Jahren haben, konnte D. maximum über 200 Jahre alt werden!

 

 

Als die Forscher die Fossilien dieses Büroklammer-Ammoniten auf Sauerstoff- und Kohlenstoffisotope analysierten, stellten sie dabei ein regelmäßig wiederkehrendes Muster im Verhältnis dieser beiden Stoffe fest. Die wahrscheinlichste Erklärung dafür ist, dass es die Jahreszyklen und den regelmäßig stattfindenden Methanfluss vom Meeresboden repräsentiert. Die Anzahl dieser Musterwechsel ist außerdem immer identisch mit den Rippungen des Schalenbogens, die sich auch bei modernen Nautiloiden immer im Laufe eines Jahres bilden. Und da es bei D. maximum über 200 waren, haben diese Tiere offenbar ein biblisches Alter erreicht.

 

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Fossiler Urmenschenschädel untersucht!

Bereits 2018 haben Forscher der La Trobe University von Melbourne einen bemerkenswerten Fund gemacht: in der Nähe von Johannesburg entdeckten sie den exzellent erhaltenen Schädel eines Paranthropus robustus, einer Frühmenschenart, die vor rund zwei Millionen Jahren in Südafrika lebte. Paranthropus gehört zu einer entfernt verwandten Seitenlinie der Urmenschen, von denen es damals noch viele verschiedene Arten gab. Unweit der Fundstelle wurden auch die Überreste früher Vertreter des Homo erectus gefunden, was nahelegt, dass damals mehrere Urmenschen nebeneinander im gleichen Lebensraum lebten.

 

Der fossile Schädel des Paranthropus robustus in der La Trobe University.

 

Offenbar bevorzugte P. robustus mit seinem kräftigen Kiefer zähes Pflanzenmaterial wie Wurzeln und auch Baumrinde. H. erectus war zu dieser Zeit zwar gemäß seiner Fossilüberlieferung noch seltener, er hatte aber wohl einen abwechslungsreicheren Speiseplan aus stärkehaltigen Früchten und eiweißreicher Kost wie Insekten und Fleisch – wahrscheinlich zumeist Aas und eher selten selbsterlegte Beute. Die unterschiedliche Ernährungsweise ist ein Beispiel für unterschiedliche ökologische Einnischung und damit auch der Schlüssel für die lange Koexistenz der verschiedenen Urmenschenarten. Der neuentdeckte Schädel wird sicher noch einige neue Erkenntnisse liefern, um diese interessante Zeit zu beleuchten.

 

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Von wegen Hai: Student findet neuen Flugsaurier!

Aufgrund der Covid-19-Beschränkungen sind auch in England derzeit alle Museen geschlossen. Doch der 26-jährige Student Roy Smith nutzte die Gelegenheit, um abseits der Besucherströme die Sammlungen des Sedgwick Museums in Cambridge zu durchstöbern. Dort lagern zahlreiche bislang kaum beachtete Fossilien, die von Berg- und Steinbrucharbeitern schon vor über 150 Jahren dem Museum übergeben worden waren. Eine großartige Beachtung durch die Wissenschaft erfuhren die Fossilien bislang nie, hielt man sie doch für die Wirbel gewöhnlicher Haie.

 

Lebendrekonstruktion eines azhdarchiden Pterosauriers von Davide Bonadonna

 

Im Rahmen seiner eigenen Forschungen konnte Smith einige „Hai-Wirbel“ aber als die von Flugsauriern identifizieren und sie bekannten Spezies zuordnen. Auch viele andere Flugsaurier-Fossilien, wie der Schnabel auf dem Bild, erfuhren so eine neue wissenschaftliche Betrachtung. Ein Fund war allerdings so speziell, dass er zu keinem bislang bekannten Pterosaurier passte. Die fragmentarischen Überreste gehören demnach sehr wahrscheinlich sogar zu einer bislang noch nicht wissenschaftlich beschriebenen Gattung.

 

Roy Smith mit dem Schnabel eines Flugsauriers.

 

Leider ist das Fossilmaterials dieses Exemplars zu fragmentarisch, sodass Smith keine Alleinstellungsmerkmale festmachen konnte, um seiner Entdeckung einen eigenen Namen zu geben. Aber noch hat er die gesamte Sammlung in Cambridge auch noch nicht durch – drücken wir ihm die Daumen, dass er vielleicht noch mehr tolle Entdeckungen macht!

 

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Tierquälerei im Mittelalter – Archäologen finden Affenskelett in Baseler Latrine

 

Einen überraschenden Fund machten Archäologen, als sie in der mittelalterlichen Altstadt in Basel beim Bau eines Parkhauses Grabungen durchführten. Die stießen dort auf ein gut erhaltenes, etwa 570 Jahre altes Skelett, dass sie zuerst für das eines Kindes hielten. Genauere Untersuchungen ergaben jedoch, dass es sich dabei um einen männlichen Berberaffen (Macaca sylvanus) handelte.

Die in Basel entdeckten Affenknochen.

 

Was macht ein nordafrikanischer Affe aber in der Schweiz? Die Forscher sind sich sicher, dass es sich um ein exotisches Haustier handelte. Auf Wandteppichen und in Büchern des Hoch- und Spätmittelalters finden sich häufiger Abbildungen von solchen Äffchen, die als beliebte Haustiere bei der High Society jener Zeit sehr gefragt waren.

 

Ein mittelalterlicher Wandteppich belegt die grausamen Haltungsbedingungen für exotische Haustiere im 15. Jahrhundert.

 

Allerdings waren die Haltungsbedingungen für die Affen herzzerreißend miserabel. Der Affe wurde, wie die deformierten Wirbel zeigen, sein ganzes Leben lang an der Kette gehalten. Verletzungsspuren zeigen, dass das Tier häufig geschlagen wurde. Aus Verzweiflung könnte sich der Affe auch die ansonsten spitzen Zähne rund genagt haben, oder sie wurden ihm absichtlich abgeschliffen. Das Tier starb schließlich an einer Infektion am Ellenbogen, im Alter von nur acht Jahren und damit noch bevor es ganz ausgewachsen war. Nach seinem Tod hat man den Kadaver einfach in die Latrine geworfen.

 

 

Als möglicher Besitzer des Affen kommt der Gelehrte Heinrich von Beinheim infrage, der zu jener Zeit im Haus über dem Fundort lebte. Beinheim war ein Gelehrter und am Aufbau der Universität beteiligt, also verfügte er sowohl über die Verbindungen als auch die Mittel, sich so ein exotisches Haustier zuzulegen.

 

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Neues Robben-Fossil schreibt Evolutionsgeschichte um: Eomonachus belegaerensis 

Amateur-Fossiliensammler haben in Neuseeland eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht: am südlichen Strand von Taranaki fanden sie die fossilen Knochen einer prähistorischen Robbe, die bei der späteren Untersuchung durch Paläontologen der Monash University, denen die Sammler ihren Fund zeigten, als eine neue Spezies erkannt wurde. Und darüber hinaus noch als wichtiges Bindeglied in der Entwicklungsgeschichte der Meeressäugetiere!

 

Lebendrekonstruktion von Eomonachus belegaerensis nach Jaime Bran

 

Eomonachus belegaerensis, wie sie das Tier beschrieben, lebte schon vor rund 3 Millionen Jahren in Neuseeland. Damit widerlegt er die alte Annahme, die Robben hätten sich alle im Nordatlantik entwickelt und seien erst im Pleistozän auf die Südhalbkugel gelangt. Eomonachus belegt, dass er zusammen mit den Vorfahren von heutigen Mönchsrobben, Seeelefanten und den Robben der Antarktis schon lange vorher dort lebte, und dass sich diese Robben auch ursprünglich dort entwickelt haben.

 

Die entdeckten Fossilien in der Monash University.

 

Der Name bedeutet gemäß dieser Erkenntnis „Früher Mönch von Belegaer“, dem fiktiven Meer im Westen von J.R.R. Tolkiens Fantasiewelt Mittelerde aus „Der Herr der Ringe“.

 

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Im Kampf gestorben? Museum präsentiert Ausstellung des ersten vollständigen Tyrannosaurus rex

Bereits 2006 machte Hobby-Fossilienjäger Clayton Phipps nahe seiner Ranch in Montana den Fund seines Lebens. Schon häufiger war er auf Fossilien von Dinosauriern gestoßen, aber noch nie auf so etwas: die Paläontologen, die er verständigte, sprachen von einem einzigartigen Fund zweier „Kämpfender Dinosaurier“.

 

Das ausgestellte Skelett eines jungen Tyrannosaurus. Foto: Seth Wenig

 

Eingeschlossen in 67 Millionen Jahre altem Sandstein, präparierten die Forscher in jahrelanger Feinarbeit den Schädel eines Triceratops und das Skelett eines jungen Tyrannosaurus heraus. Der Schädel des Horndinosauriers war so gut erhalten, dass an seiner Oberfläche Hautstrukturen mit einem Schuppenmuster erkennbar waren – der bislang erste Fund dieser Art. Das Tyrannosaurus-Skelett ist sogar zu 100% erhalten, der bislang einzige derart vollständige Skelettfund. Die Fossilien sollen nun im North Carolina Museum of Natural Sciences ausgestellt werden.

 

 

Doch birgt der Fund noch immer Rätsel: hat der Triceratops den Angriff des nur rund 2,7 m langen Tyrannosaurus-Bubis abgewehrt und ihn mit einem Fußtritt getötet? Ein tiefer Riss im Schädel könnte darauf hindeuten, doch zieht sich dieser auch weiter fort ins Gestein und könnte daher auch natürlich entstanden sein. Da viele weitere Tyrannosaurus-Zähne gefunden wurden, könnte es sein, dass der Tyrannosaurus zusammen mit Artgenossen an einem Kadaver fraß und während eines Streits zu Tode kam. Oder beide Skelette haben gar nichts miteinander zu tun und sind bloß zufällig am gleichen Ort abgelagert worden.

 

Trotz allem präsentieren Museum und Medien die Ausstellung stolz als „Dueling Dinosaurs“ – sehenswert wird sie allemal sein!

 

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Paläontologen entdecken drei neue ausgestorbene Walrossarten in Kalifornien

Walrösser sind heute vor allem in den Treibeisgebieten der Arktis verbreitet und haben sich perfekt an ein Leben in der Kälte angepasst. Umso erstaunlicher ist es, dass der Ursprung dieser moppigen Kolosse im sonnigen Kalifornien liegt: im berühmten Orange County, unweit vom Disneyland in Anaheim, haben Paläontologen nun die fossilen Überreste gleich mehrerer Ur-Walrösser entdeckt, die dort während der Zeit des Miozäns die Sonne genossen.

 

 

Fünfzehn verschiedene Walross-Arten lebten in diesem prähistorischen Walross-Paradies in der Zeit von vor 10 bis 5 Millionen Jahren, die meisten allerdings hatten noch keine große Ähnlichkeit mit ihren heute lebenden Pendants. Zum Beispiel fehlten ihnen noch die gewaltigen Stoßzähne, und sie waren meist noch wendige Fischjäger, statt den Meeresgrund vor allem nach Schalentieren zu durchstöbern. Und einige der Ur-Walrösser wie Pontolis magnus wurden auch richtig groß: mit einem Gewicht von über drei Tonnen erreichten sie gar die Größe heutiger Seeelefanten.

 

Lebendrekonstruktion und Größenvergleich von Pontolis magnus nach Roman Uchytel.

 

Bei ihren Grabungen trafen die Forscher auch auf drei gut erhaltene Schädel, die aber zu keiner bereits bekannten Walrossart passten. In einer neuen Studie beschrieben sie diese nun als neue Spezies: Pontolis kohnoi, Pontolis barroni und Osodobenus eodon sind ihre neuen Namen. Diese drei waren aber wiederum deutlich kleiner als ihre heute lebenden Verwandten.

 

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Dinosaurier-Funde der triassischen Chinle-Formation neu betrachtet

Die Paläontologen Adam D. Marsh und William G. Parker haben ihrer neuesten Studie sämtliche gefundenen Dinosauromorphen der Chinle-Formation in Arizona untersucht. In einer umfassenden Neubetrachtung haben sie ihre Ergebnisse nun veröffentlicht.

 

Die Bewohner der Chinle Formation in Arizona. Dinosaurier waren damals noch eher klein! Bildquelle: Reddit;
Naturewasmetal

 

Die Chinle-Formation mit dem berühmten Petrified Forrest (Versteinerter Wald) gehört zu den aufschlussreichsten Gesteinsformationen der späten Trias, also einer Zeit, in welcher die Dinosaurier auf der Welt noch nicht allein den Ton angaben. Sie lebten damals noch mit einer ganzen Reihe anderer Reptilien zusammen, z.B. riesigen pflanzenfressenden Therapsiden wie Placerias oder gefährlichen Rauisuchiern wie Postosuchus, die die gefürchtetsten Beutegreifer ihrer Zeit waren.
Dass sich die Dinosaurier nun aber langsam auf ihre große Blütezeit vorbereiteten, scheint sich in der Studie bereits abzuzeichnen: ganze 32 gefundene Exemplare der Dinosauromorphen werden daran beschrieben.

 

Link zur Studie


Schädelfragment eines großen Horndinosauriers aus der unteren Hell Creek Formation beschrieben

Schon im Jahre 2000 legten Forscher bei den Ausgrabungsarbeiten eines Torosaurus in Montana weitere Fossilien eines anderen Ceratopsiers (Horndinosaurier) frei, dessen Überreste in einer etwas tieferen und damit älteren Gesteinsschicht gefunden wurden, allerdings nur schlecht erhalten waren. Diese Überreste wurden nun von dem Paläontologen John Scanella präpariert und in einer eigenen Forschungsarbeit beschrieben.

 

 

Die Ceratopsidae werden traditionell in zwei große Untergruppen unterteilt: die Centrosaurinen (mit verhältnismäßig kurzer Halskrause, keinen Stirnhörnern und langen Nasenhörnern) und die Chasmosaurinen (mit langen Halskrausen, mächtigen Stirnhörnern und kurzen Nasenhörnern). Der alte Horndinosaurier aus Hell Creek gehört offenbar zu den Chasmosaurinen zu gehören.

 

Eotriceratops und Triceratops im Größenvergleich. Bildquelle: Wikipedia.

 

Unklar ist aber, zu welcher Gattung das Oberkieferfragment gehört. Typisch für die Hell Creek Formation ist natürlich der berühmte Triceratops. Auch ein Torosaurus käme eventuell infrage, obwohl manche Paläontologen die Gültigkeit dieser Gattung anzweifeln und sie mit Triceratops synonym vermuten. Hinsichtlich der enormen Größe und des Alters dieses Fundes käme auch ein später Eotriceratops infrage: das Fragment ist mit einem Alter von rund 68,5 Millionen Jahren der bislang älteste Horndinosaurierfund aus Hell Creek. Der Fund ist für die Forscher vor allem deshalb interessant, weil er belegt, dass riesige chasmosaurine Horndinosaurier auch schon in den ältesten Schichten der Hell Creek Formation vorkommen.

 

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Klimawandel begünstigte Gigantismus der Sauropoden

Sie waren die größten Tiere, die jemals über unseren Planeten stapften: Von der Nasen- bis zur Schwanzspitze waren manche Sauropoden so lang wie ein Tennisplatz, ihr Kopf ragte bis auf die Höhe eines mehrstöckigen Hochhauses. Ihrem Gigantismus liegt eine ganze Kette von Faktoren zugrunde. Forschern ist es nun gelungen, diese Kette bis zu ihrem ersten möglichen Glied zurückzuverfolgen, und dieses ist ein alter Bekannter: der Klimawandel.

 

Vor

etwa 201 Millionen Jahren sorgte das Auseinanderbrechen des Superkontinents Pangaea für eine Serie von Vulkanausbrüchen. Die dabei freigesetzten Gase wirkten sich massiv auf das Klima aus, und da sich nun auch Meeresstraßen auftraten, wo es vorher keine gab, taten auch die Meeresströmungen ihr Möglichstes dazu, den Planeten in ein feuchtwarmes Tropenhaus zu verwandeln. Dies wiederum führte zu einem vollständigen Wandel der Vegetation: die Welt wurde immer grüner.

Die Sauropoden, die in der Trias selten länger als 10 m wurden, passten sich an diesen neuen Nahrungsreichtum an. Ein größerer Körper führte nicht nur zu einem besseren Schutz vor Feinden, er verbesserte auch die Effizienz der Energieverwertung. Je länger der Darm, umso mehr Nährstoffe bekam er aus den Pflanzen heraus, und je größer das Tier, umso länger der Darm.

 

Ein früher Sauropode wurde nun von einem internationalen Forschungsteam unter der Leitung von Diego Pol vorgestellt, der genau in diese Phase der Entwicklungsgeschichte passt. Mit einem Alter von rund 180 Millionen Jahren zeigt dieses Tier, dass unter dem Namen Bagualia alba neu beschrieben wurde, deutliche Merkmale, die den Werdegang vom Durchschnitt zum Superlativ beleuchten.

 

Lebendrekonstruktion von Bagualia alba nach Jorge Gonzalez.

 

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Studie zu Sahelanthropus tchadensis: doch nicht unser frühester zweibeiniger Vorfahre?

In den vergangenen Jahren brachte die intensive Zusammenarbeit von Archäologie, Paläontologie, Anthropologie und mehrerer anderer Disziplinen immer mehr Licht ins Dunkel zu der wohl wichtigsten Frage der Menschheit: wo kommen wir eigentlich her?

 

Lebendrekonstruktion von Sahelanthropus tchadensis von Roman Yevseyev.

 

Die Antwort darauf ist alles andere als einfach. Auch wenn sie heute schon eine Menge herausgefunden haben, müssen alte Erkenntnisse immer wieder hinterfragt werden, immer wieder tauchen neue Fossilien auf, die altes Wissen relativieren, und manchmal sind es auch die schon altbekannte Funde, die neue Einblicke geben. So wie nun in einer neuen Studie, in welcher sich Forscher den bereits 2001 gefundenen Oberschenkel eines Sahelanthropus tchadensis vornahmen, eines frühen Menschenaffen, der von vor 6 bis 7 Millionen Jahren lebte – einer Zeit, in welcher Genforscher den letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpanse vermuten.

 

Die Oberschenkelknochen von Sahelanthropus tchadensis.

 

Dabei kamen sie zu folgenden Einsichten: der Oberschenkel von Sahelanthropus ist ganz anders gebaut als der von Orrorin tugenensis, eines anderen Hominiden, der etwas später lebte und dessen Morphologie bereits etwas menschenähnlicher ist. Anders als Orrorin konnte Sahelanthropus wahrscheinlich noch nicht aufrecht auf zwei Beinen gehen. Der Bau der Gliedmaßen weißt eher auf eine schimpansenartige Fortbewegung hin.

 

Die Schädelfossilien von Sahelanthropus tchadensis.

 

Daraus ergeben sich neue Fragen: war Sahelanthropus überhaupt einer unserer Vorfahren? Steht er vielleicht doch den Schimpansen näher und ist ein Teil ihrer, nicht unserer Ahnenreihe? Oder repräsentiert das Fossil sogar eine dritte Stammform, abseits von Schimpanse und Mensch? Die Forschungen werden sicher noch weiter gehen, und einer Tages wird man die Fragen vielleicht beantworten können – bis zum nächsten Fossilfund.

 

Link zur Studie


Tödliche Kiefer: Frühe Haie des Erdaltertums konnten ihre Zähne kippen

Forschern der Universität Zürich haben in den devonischen Schichten in Marokko einen bemerkenswerten Fund gemacht: vor etwa 370 Millionen Jahren, also zu der Zeit, als gerade die allerersten Amphibien ihren Fuß aufs trockene Land setzten, gab es dort in den Meeren gefährliche Raubfische, darunter auch Haie mit einer perfiden Tötungsmethode.

 

Lebendrekonstruktion von Ferromirum oukherbouchi von Christian Klug.

 

Ferromirum oukherbouchi, wie einer von ihnen nun neu benannt wurde, war zwar nur etwa 30cm lang, er besaß aber schon genau wie heutige Haie ein sogenanntes Revolvergebiss aus ständig nachwachsenden Zähnen. Anders als seine heutigen Pendants konnte Ferromirum aber auch die weiter hinten liegenden Zähne schon voll zum Einsatz bringen: wenn er das Maul aufriss, konnte er seinen Kiefer nach außen drehen. Dabei klappten die vorderen Zähne um 20° aus dem Maul heraus. Beim Packen der Beute rissen sie das Opfer weiter in den Schlund, sodass ein Entkommen praktisch unmöglich war.

 

Computermodell der Fossilien nach dem 3D-Scan.

 

Haifossilien, insbesondere solche mit gut erhaltenem Kieferskelett sind extrem selten. Wie alle Haie war schließlich auch Ferromirum ein Knorpelfisch, dessen Skelett kaum bzw. gar nicht verknöchert war. Hier war aber der Erhaltungszustand so gut, dass die Forscher sogar einen aufschlussreichen 3D-Scan des Fossils machen konnten.

 

Die fossilen Überreste von Ferromirum oukherbouchi aus Marokko.

 

Sie vermuten, dass im Oberdevon noch viele Haie ihrer Kiefer so ausklappen konnten wir Ferromirum. Mit der Zeit ging diese Mechanik aber zugunsten eines schnelleren Zahnwechsels verloren. Heute haben alle Knorpelfische verwachsene und starre Kiefer.

 

Limk zur Studie


Das war es dann auch schon mit den Paläo-News!

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Ausstechformen für Dino-Plätzchen

Der Advent ist die Zeit zum Plätzchen backen. Warum nicht mal etwas anderes als Sterne und Engel? Weihnachtsplätzchen in Saurier-Form sind nicht nur der neueste Schrei, sondern auch der Knüller bei Kindern.

 

Das Plätzchen Ausstecher Dino-Set umfasst 11 unterschiedliche Ausstecher aus Edelstahl. Genug, um einen ganzen Jurassic-Park der eigenen Art zu backen – und zu verschlingen!

 

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Artikel der Woche

 

Auf meiner Seite „Die weißen Steine“ ging es wieder weiter mit meiner Serie „Film vs. Wissenschaft“. Dabei habe ich eine weitere Folge der beliebten Doku-Reihe „Die letzten Jahre der Dinosaurier“ auf Herz und Nieren geprüft. Welche Verbesserungen müsste man mit dem Wissen aus dem Jahr 2020 an der Folge „Der Vulkanausbruch“ vornehmen? Könnte das Abenteuer der Maiasaurier Buck und Blaze sowie ihres Widersachers Daz heute immer noch so abgedreht werden?

 

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/posts/1051480538628569


 

Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag, bleib gesund und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 8. November 2020

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Was waren das für zwei Wochen! Die Wahl in den U.S.A., grausame Terroranschläge, steigende Fallzahlen bei Covid-19 und auch die Tatsache, dass wir jetzt den nächsten Lockdown an der Backe haben, all das hat wohl jeden von uns schwer berührt. Man mag gar nicht daran denken, was dieses furchtbare Jahr 2020 noch für uns bereit hält, und ob es im kommenden Jahr endlich wieder besser wird, mag man zwar hoffen, kann man sich aber derzeit kaum vorstellen.


Für mich hatte der zweite Lockdown auch wieder drastische Folgen. Ein Projekt für Jugendliche im Museum „Tor zur Urzeit“, das ich gerade erst begonnen hatte, liegt jetzt zusammen mit vielen anderen Plänen wieder auf Eis. Ich kann es persönlich absolut nicht nachvollziehen, dass die Politik gerade die Einrichtungen dicht macht, die wohl am meisten gegen die Ausbreitung von Corona getan haben. Nicht nur die Museen, auch die gesamte Gastronomie- und Veranstaltungsbranche haben diese Entscheidungen schwer getroffen, die in meinen Augen schlecht durchdachte Kurzschlussreaktionen waren. Jetzt verlagert sich der gesamte Freizeitbereich wieder ins Private, was ein deutlich höheres Risiko birgt, und wo man die Einhaltung von AHA-Regeln nicht kontrollieren kann. Ich blicke den kommenden Entwicklungen deshalb mit großer Sorge entgegen.


Dennoch besteht heute Grund zur Freude: immer deutlicher wird die Gewissheit, dass die Herrschaft eines Despoten und Narzissten nun endlich nach vier langen Jahren endlich zu Ende geht. Einem Mann, dem es in seinem Amt nur um sich selbst ging, der die Auswirkungen einer Pandemie herunterspielte, der schwelende Konflikte zu rivalisierenden Staaten anfeuerte und insbesondere sein eigenes Land tief gespalten hat. Natürlich heißt Bidens Wahlsieg nicht, dass ab Januar alles besser wird, es heißt auch nicht, dass es in Amerika nicht noch richtig hässlich werden könnte, weil der Verlierer die Wahl nicht anerkennt. Biden wird wohl seine gesamte Amtszeit dafür hergeben müssen, die Scherben zusammenzukehren, die sein Vorgänger hinterlassen hat. Aber heute, an diesem schönen Sonntag, können wir diese Nachricht einfach mal genießen, wie ich finde. Genauso wie die spannenden Paläo-News!


Bild der Woche

Eine Gruppe Dakotaraptoren hat sich ausgerechnet auf dem Wanderpfad einer Alamosaurus-Herde zur Ruhe begeben. Diesen Giganten stellt sich nichts und niemand in den Weg…

Bildquelle: Damir G. Martin; Dinosaurs in the Wild

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Pterosaurs: Natural History, Evolution, Anatomy

150 Millionen Jahre lang gehörte der Himmel nicht den Vögeln, sondern den Flugsauriern. Diese fliegenden Reptilien, zu denen auch die Pterodaktylen gehören, teilten die Welt mit den Nichtvogel-Dinosauriern bis zu ihrem Aussterben vor 65 Millionen Jahren. Einige Flugsaurier, wie die riesigen Azhdarchiden, waren die größten fliegenden Tiere aller Zeiten mit Flügelspannweiten von mehr als zehn Metern und Stehhöhen, die mit modernen Giraffen vergleichbar waren. Dieses reich bebilderte Buch wirft einen beispiellosen Blick auf diese erstaunlichen Kreaturen und präsentiert die neuesten Erkenntnisse zu Anatomie, Ökologie und Aussterben.

 

Pterosaurs ist 2013 bei Princeton Univ. Press erschienen und hat 291 Seiten in englischer Sprache.

 

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Paläo-News

Das einzig erfreuliche in diesen zwei Wochen: die Nachrichten aus der Urzeit. Haltet euch fest, denn dieses „Wort zum Sonntag“ wird wohl das längste des gesamten Jahres! Und eine Sensation jagte die nächste, sodass ich mit dem Abfassen der einzelnen Meldungen gar nicht mehr hinterher gekommen bin.


Perm-Massenausterben: Neue Studie erkennt Muster einer kaskadenartigen Katastrophe

Forscher des GEOMAR in Kiel haben Proben aus den Schalen fossiler Brachiopoden (muschelähnliche Meeres-Organismen) auf Bor-Isotope untersucht, um dadurch herauszufinden, in wieweit eine Übersäuerung der Ozeane durch Methanwasserstoffe beim Perm-Massenausterben eine Rolle spielten. Dieses Massenaussterben in der Zeit vor 252 Millionen Jahren gilt als das verheerendste der gesamten Erdgeschichte. Etwa 70% aller Arten an Land und weit mehr noch in den Meeren starben damals aus.

 

Die kaskadenartige Apokalypse im Oberperm. Bildquelle: Dawid Adam Iurin.

 

Den Anfang dieser Katastrophe verursachten wahrscheinlich schwere Vulkanausbrüche, die den heutigen sibirischen Trapp gebildet haben. Über mehrere Jahrtausende hinweg setzten sie mehr als 105.600 Gigatonnen CO2 frei und sorgten so für einen verheerenden Treibhauseffekt. Die höheren Temperaturen förderten die Ausbreitung der Bakterien so stark, dass dir Meere übersauerten und das Phytoplankton großflächig abstarb.

 

Durch sauren Regen wurden auch an der Oberfläche giftige Chemikalien ausgewittert und gelangten über die Flüsse in die Meere, was den ökologischen Kollaps dort noch verstärkte. Große Teile der Ozeane waren nun komplett lebensfeindlich.

 

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Bronzezeitliche Viehhirten lebten im Kaukasus weniger nomadisch als bislang gedacht

Lange Zeit glaubten Forscher, dass in der Frühgeschichte der Nutzviehhaltung, besonders im Osten Europas das Nomadentum eine wichtige Rolle gespielt hat: Hirten zogen mit ihren Herden über große Strecken durch die Bergregionen, die sich an die vorderasiatischen Steppen anschlossen und durch die üppigen Graslandschaften wie geschaffen dafür zu sein scheinen. Doch dieses Bild ist offenbar falsch.

 

Archäologen von der Universität Basel fanden durch Stickstoff- und Kohlenstoff-Isotopenanalysen von Knochen, die in Grabhügeln aus dem 5. bis 1. Jahrtausend vor Christus stammen heraus, dass das Durchzugsgebiet der Hirten deutlich kleiner war als bislang gedacht. Die Nahrung der Menschen muss folglich aus der gleichen Region gestammt haben, in der sie auch begraben wurden. Offenbar waren die Hirten damals doch nicht so wanderfreudig.

 

Einer der Grabfunde im Kaukasus. Bildquelle: Anatoliy Kantarovitsch.

 

Dies wirft die Frage auf, wie sich neue Technologien, aber auch Sprachen und Brauchtum sowie Kunststile damals überhaupt verbreiten konnten. Die Forscher vermuten eine Art „Stille-Post“-Prinzip hinter diesem Austausch, der offenbar auch ohne großartige Migration stattgefunden hat.

 

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Ferganoceratodus: ein neuer Lungenfisch aus dem Jura

Forscher entdeckten in Thailand einen bislang unbekannten Vertreter der Lungenfisch-Gattung Ferganoceratodus, der dort am Übergang vom Jura zur Kreidezeit lebte. Lungenfische sind eine heute noch lebende Tiergruppe, die noch immer ans Wasser gebunden sind, aber den Landwirbeltieren am nächsten stehen. Während einige sich schon vor über 380 Millionen Jahren zu Landtieren entwickelten, blieben andere dem Wasser treu und haben diese Lebensweise bis heute beibehalten.

 

Der neuentdeckte Lungenfisch ist deshalb ein wichtiges Puzzleteil im Verständnis dieser interessanten Tiere, die von Oberdevon bis in unsere Zeit überdauert haben, und dabei vier große Massenaussterben nahezu unverändert überstanden.

Der neuentdeckte Lungenfisch.

 

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Furchteinflößender Ur-Delfin entdeckt: Ankylorhiza tiedemani

In der oligozänen Ashley-Formation in South Carolina, wo Forscher kürzlich erst die Kinderstube eines gewaltigen Urzeit-Hais ausmachen konnten, wurden nun die Überreste eines kaum minder gefährlichen Meeresbewohners entdeckt: ein früher Verwandter der heutigen Delfine trieb dort ebenfalls sein Unwesen, und vielleicht war er sogar gelegentlich hinter den jungen Haien her: Ankylorhiza tiedemani.

 

 

Der Monster-Delfin erreichte stattliche fünf Meter Länge und war damit der größte Zahnwal seiner Zeit. Es ist gut möglich, dass er im Oligozän die freigewordene Nische besetzte, die ihm die nun ausgestorbenen Basilosaurier (keine „Dinos“, sondern bis zu 18 m lange Urwale aus dem Eozän) hinterlassen hatten.

 

Ankylorhiza tiedemani wies bereits viele Merkmale auf, wie sie auch heutige Delfine noch teilen. Auch bei ihm kam der Antrieb aus einer verbreiterten Schwanzfluke, die von oben nach unten für Wasserverdrängung und damit für Tempo sorgte. Bis zu 50km/h sollen ihm möglich gewesen sein. Das Fossil wirft demnach neues Licht auf die komplexe Evolution der Delfine und ihre Fortbewegungsweise.

 

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Früher Elasmosauride entdeckt: Jucha squalea

Die meisten denken wohl zuerst an Nessie, wenn sie dieses Bild sehen, doch dieses Tier ist nicht nur ein Mythos: Plesiosaurier gehörten zu den erfolgreichsten Meeresreptilien des Erdmittelalters, und die wahrscheinlich bekanntesten sind die Elasmosaurier. Mit einem kurzen Körper, dafür aber mit einem sehr langen Hals ausgestattet, waren diese geschickten Schwimmer perfekt an die Jagd auf kleine Fische angepasst.

 

Lebendrekonstruktion von Jucha squalea. Bildquelle: Fischer et al.

 

Noch heute wirft die Entwicklungsgeschichte der Elasmosaurier viele Fragen auf. Neue Einblicke in ihre frühe Entwicklungsphase könnte nun das Fossil einer bislang unbekannten Gattung geben, das vor etwa 130 Millionen Jahren in den Flachmeeren zuhause war, die früher das heutige Russland bedeckten. Jucha squalea, wie das Tier genannt wurde, weißt noch viele sehr basale Merkmale auf, die späterer Elasmosaurier nicht mehr besaßen, und hatte auch noch nicht so enorm viele Halswirbel.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Gigantische Pesudozahnvögel über der Antarktis

Nach dem gewaltigen Massenaussterben am Ende der Kreidezeit wurden viele ökologische Nischen geradezu leergefegt. Doch es dauerte oft nicht lange, bis sie von anderen Tieren wieder neu besetzt wurden. So tauchten nur wenige Jahrmillionen nach dem Verschwinden der großen Flugsaurier neue Giganten am Himmel auf: die Pelagornithiden.

 

Ein riesiger Pelagornithide im Konkurrenzkampf mit prähistorischen Sturmvögeln. Bildquelle: Brian Choo.

 

Diese Vögel hatten sich bereits in der Kreidezeit entwickelt und spezialisierten sich nun auf ein küstennahes Leben. Zum Fangen von Fischen entwickelten sie einen gezackten Schnabel – ohne richtige Zähne zwar, aber ideal, um zappelnde Fische aus dem Wasser zu holen. Und einige dieser Vögel wurden so groß, dass sie sich kaum hinter den großen Flugsaurier verstecken konnten. Spannweiten von über sechs Metern waren möglich, also doppelt so groß wie der Wanderalbatros, der heute die größte Spannweite besitzt.

 

Überreste dieser großen Vögel wurden nun von einer Forschergruppe um Peter A. Kloess erforscht und beschrieben, nachdem sie schon in den 1980ern auf der entlegenen Seymour-Insel vor Antarktika geborgen wurden. Dort herrschte im Paläozän und Eozän noch ein relativ mildes Küstenklima vor, mit starken Aufwinden, die den Vögeln beim Segelflug entgegenkamen. Während der kleinere entdeckte Vogel schon vor ca. 63 Millionen Jahren und damit kurz nach dem Aussterben der Flugsaurier lebte, floh der größere, dessen Fossilien sich durchaus mit den größten jemals entdeckten Vogelfossilien vergleichen lassen, vor rund 40 Millionen Jahren durch die Lüfte.

 

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Neues triassisches Meeresreptil entdeckt: Brevicaudosaurus jiyangshanensis

In Fuyuan in Südwestchina entdeckten Paläontologen die ausgezeichnet erhaltenen Fossilien eines bislang unbekannten Vertreters aus der Gruppe der Nothosaurier, die zu den ersten marinen Reptilien der Trias zählten. Der neuentdeckte Nothosaurier wurde als Brevicaudosaurus jiyangshanensis beschrieben und lebte vor rund 240 Millionen Jahren.

 

 

Das interessante an dem Fund sind einige Merkmale, die eher untypisch für Nothosaurier sind. Zum Beispiel besaß Brevicaudosaurus einen recht kurzen Schwanz (daher auch der Name, der „Kurzschwanzechse“ bedeutet.) Auch die verbreiterten Flossen deuten darauf hin, dass er ein eher gemächlicher Lauerjäger war, der nicht auf lange Verfolgungsjagden im Wasser, sondern auf Überraschungsangriffe setzte.

 

Lebenrekonstruktion von Brevicaudosaurus von Tyler Stone.

 

Außerdem besaß das Tier offenbar ein gutes Gehör, was wahrscheinlich auch überlebensnotwendig war: Brevicaudosaurus war zwar ein Jäger, müsste aber selbst auch auf der Hut vor anderen großen marinen Beutegreifern sein, wie etwa den gewaltigen Ichthyosauriern, mit denen er sich diese Gewässer teilte.

 

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Opalisierte Dinosaurier-Zähne aus Australien belegen: Artenvielfalt der Sauropoden war dort höher als bislang gedacht!

In der Lightning Ridge, einer berühmten Fossillagerstätte in New South Wales in Australien, fanden Forscher schon häufiger die Fossilien von Dinosauriern aus der frühen Oberkreide, die infolge einzigartiger Fossilisationsbedingungen zu Opalen geworden sind. Die im Laufe der Jahrmillionen zu Edelsteinen gewordenen Dinosaurier-Knochen sind ein echter Blickfang in allen Museen, in denen man sie bewundern kann.

 

Die Sauropoden aus Lightning Ridge: Wunderschön funkelnde Halbedelsteine.

 

Insgesamt 25 besonders gut erhaltene opalisierte Zahnfossilien waren nun Gegenstand einer neuen Studie, bei der die Zähne mehreren Sauropoden-Typen zugeordnet werden konnten. Aus der frühen Oberkreide Australiens sind bislang vier verschiedene Sauropoden bekannt: Savannasaurus elliotorum, Diamantinasaurus matildae, Austrosaurus mckillopi und Wintonotitan wattsi.

 

Rekonstruktionen von Diamantinasaurus (oben) und Austrosaurus von Matt A. White.


Zwar kann man mangels Vergleichsmöglichkeiten die Zähne nicht einer dieser Arten zweifelsfrei zuweisen, die große Diversität der Zähen legt jedoch nahe, dass die Artenvielfalt der Sauropoden in der australischen Oberkreide sogar noch deutlich höher gewesen sein könnte. Australien gehörte also ebenfalls zu den größeren Refugien, in denen Sauropoden auch in der Kreidezeit noch sehr erfolgreich waren.

 

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Dinosaurier litten unter grausamen „Blutwürmern“!

Forscher der Federal University of Rio Grande do Norte haben eine beängstigende Entdeckung gemacht: in den fossilen Beinknochen eines Titanosauriers aus der 80 Millionen alten Adamantina Formation in Südbrasilien entdeckten sie Strukturen, die einst die Blutgefäße der gewaltigen Sauropoden gewesen wären. Doch diese Gefäße waren voller Löcher und Läsionen, wahrscheinlich verursacht durch gefährliche Endoparasiten, die sich vom Blut ihrer riesigen Wirte ernährten.

 

 

Diese Mikrofossilien sind die ersten entdeckten ihrer Art. In einer neuen Studie, bei der zum ersten Mal Forscher sowohl aus den Disziplinen der Paläontologie, Histologie, Pathologie und Parasitologie gemeinsam arbeiteten, konnten neue Aspekte aufgeführt werden, die uns verraten, wie große Dinosaurier einst lebten und unter welchen Gebrechen sie litten – und wahrscheinlich auch starben. Bei dem vorliegenden Fund hatte der parasitäre Befall offenbar zu einer Osteomyelitis geführt: eine schwere Entzündung des Knochenmarks, die das Tier schwächte und möglicherweise auch umbrachte.

 

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Zwei neue Sauropoden aus Südamerika entdeckt: Punatitan coughlini und Bravasaurus arrierosorum

In der Nähe von Quebrada de Santo Domingo in der argentinischen Provinz La Rioja stießen Paläontologen auf die Überreste von Sauropoden und ihrer Nistplätze. Bei der Ausgrabung wurden die fossilen Knochen zweier bislang unbekannter Rinconsaurier, eine Gruppe von mittelgroßen Titanosauriern gefunden. Wahrscheinlich dürften auch die dort gefundenen Eierfossilien – übrigens mehrere Dutzend! – ebenfalls zu einer der beiden neuen Spezies gehören, die als Punatitan coughlini und Bravasaurus arrierosorum beschrieben wurden. Der Fundort gehört damit zu den größten bekannten Dinosaurier-Nistplätzen überhaupt.

 

 

Bravasaurus war für seine Familie relativ klein, seine Fossilien lassen auf ein Tier von knapp 7m Länge schließen. Punatitan war mindestens doppelt so lang und damit ein mittelgroßer Sauropode. Beide lebten am Ende der Kreidezeit, am Übergang vom Campanium zum Maastrichtium vor etwa 72 Millionen Jahren. Der Fund zeigt ein weiteres Mal, wie artenreich die Sauropoden-Fauna auf der Südhalbkugel gewesen sein muss, und das noch bis zum Ende der Kreidezeit, als die riesigen Langhals-Dinosaurier für immer ausstarben.

 

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Neue Studien geben Einblick in die räumliche und zeitliche Verbreitung der geheimnisvollen Denisova-Menschen

Forschende des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der Mongolischen Akademie der Wissenschaften haben das Genom des ältesten menschlichen Fossils, das bis jetzt in der Mongolei gefunden wurde, analysiert. Sie konnten belegen, dass die 34.000 Jahre alte Frau rund 25 Prozent ihrer DNA von Westeurasiern geerbt hat.

 

 

Die Vorfahren heute lebender Menschen hatten den eurasischen Kontinent folglich schon kurz nach der ersten Besiedlung erneut durchquert. Die Studie zeigt auch, dass das Erbgut der Frau, sowie auch das eines 40.000 Jahre alten Individuums aus China, DNA-Segmente von Denisovanern enthielt, einer ausgestorbenen Homininenform, die vor der Ankunft des modernen Menschen in Asien lebte.

 

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Anhand von weiterem Material, das in der Baishiya Karsthöhle im Hochland von Tibet gefunden wurde, konnten chinesische Forscher außerdem mitochondriale DNS von Denisova-Menschen nachweisen, die dort zu verschiedenen Zeitpunkten – vor ca. 100.000, 60.000 und 45.000 Jahren anwesend waren. Auch diese Studie gibt neue Einblicke in die zeitliche und räumliche Verbreitung dieser mysteriösen Frühmenschen.

 

 

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Forscher lüften Geheimnisse um kristalline Kalkschalen von Dinosaurier-Eiern

In einer neuen Studie untersuchten mexikanische Wissenschaftler die Schalen von fünf fossiler Eier, die an der Westküste von Baja California gefunden wurden. Drei dieser Eier wurden beim Vergleich mit anderen Fossilien Hadrosauriern (Entenschnabelsaurier) zugeordnet, eines stammte offenbar von einem kleinen Theropoden aus der Gruppe der Troodontiden. Das fünfte Ei war zu beschädigt, um es zweifelsfrei zuzuordnen, aufgrund einiger Ähnlichkeiten in der Schalenstruktur dürfte es aber einem Ornithopoden gehören.

 

 

Die Forscher fanden mithilfe hochauflösender Elektronenmikroskope heraus, dass die kristalline Struktur der Ornithopoden-Eier sich deutlich von der des Theropoden-Eis unterschied. Die Studie könnte in Zukunft sehr hilfreich dabei sein, auch schlecht erhaltene Schalenfragmente auf Basis ihrer Mikrostruktur zu identifizieren, und um zu verstehen, wie der Fossilisationsprozess bei Eiern genau abläuft.

 

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Räuberische Algen überlebten Massenaussterben am Ende der Kreidezeit – Nachweis für lange Impaktnacht

Vor 66 Millionen Jahren traf ein Meteorit die Erde und löste eine zerstörerische Kettenreaktion aus, die das Leben auf unserer Welt auf den Prüfstand stellte. Die wohl verheerendste Folge der Katastrophe war der Impaktwinter – oder auch die lange Impaktnacht, bei der sich der Himmel für lange Zeit verdunkelte, kein Sonnenstrahl mehr den Erdboden erreichte und die Temperaturen überall auf dem Globus weit unter den Gefrierpunkt sanken. Dieses Ereignis konkret nachzuweisen ist schwierig, aber Forschern der University of Southampton haben nun ein wichtiges Indiz gefunden: sie untersuchten die „Skelette“ aus Calciumcarbonat einzelliger Algen aus den Ablagerungsschichten direkt um die Kreide-Paläogen-Grenze.

 

 

Dabei stellten die fest, dass die photoautotrophen Algen, die lediglich über die Fotosynthese Nährstoffe herstellen, zu dieser Zeit extrem stark abnahmen und nahezu völlig aus dem Fossilbericht verschwanden. An ihrer Stelle fanden die Forscher aber dafür eine außergewöhnliche Anzahl von mixotrophen Algen, die sich neben der Fotosynthese auch von anderen Mikroorganismen ernähren können. Sie zeichnen sich durch große Löcher in der Skelettstruktur aus: in diesen Löchern saßen sogenannte Flagellen, also Antriebsmechanismen, mit denen die Algen sich aktiv fortbewegen und Bakterien jagen und verschlingen konnten.

 

 

Dass die „Raubalgen“ in dieser Zeit so häufig sind, kurz danach aber wieder durch ihre „friedlicheren“ Artgenossen verdrängt wurden, werten die Forscher als ein ziemlich deutliches Anzeichen dafür, dass es zu der Zeit, als diese Ablagerungsschicht entstand, für einen längeren Zeitraum stockfinster war und die lichtabhängigen Algen damals abstarben. Sie erhielten sich erst wieder, als es wieder hell wurde.

 

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Hundezucht begann bereits in der Altsteinzeit

Hunde gelten als die „besten Freunde“ des Menschen. Wahrscheinlich wurden sie bereits vor 25.000 bis 40.000 Jahren domestiziert – als erste Tierart überhaupt. Anders als beispielsweise Schweine, die mehrfach unabhängig voneinander in verschiedenen Teilen der Welt domestiziert wurden, gehen dem heutigen Erkenntnisstand zufolge alle Hunde auf eine einzige, heute wahrscheinlich ausgestorbene Linie von Wölfen zurück. Dennoch gab es bereits vor 11.000 Jahren eine erhebliche genetische Vielfalt, wie ein internationales Team um Anders Bergström vom Francis Crick Institute in London nun gezeigt hat.

 

 

Die Forscher präsentieren neue Einblicke in die uralte gemeinsame Geschichte von Hund und Mensch: Sie haben das Erbgut aus 27 bis zu 11.000 Jahre alten Hundeskeletten untersucht. Dabei zeigte sich, dass es schon damals mindestens fünf verschiedene Abstammungslinien von Hunden gab, deren Erbe sich in späteren Rassen zu unterschiedlichen Anteilen mischte. Die Verbreitung der Hunde hängt dabei eng mit Wanderungsbewegungen der Menschen zusammen.

 

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Sauropode aus der Schweiz neu benannt: „Ornithopsis greppini“ heißt jetzt „Amanzia

Die bereits in den 1860ern gefundenen Fossilien eines Sauropoden aus dem Oberjura, die bei Moutier in der Schweiz entdeckt wurden, haben eine interessante Forschungsgeschichte. Da neben den versteinerten Knochen auch ein Theropoden-Zahn gefunden wurde, hielt man das Fossil zuerst für einen großen Raubsaurier und schrieb es dem Megalosaurus zu. Später wurde der Sauropode als solcher erkannt und zuerst der neuen Gattung „Ornithopsis„, danach auch dem Cetiosaurus zugeordnet.

 

 

In einer neuen Studie wurde das Material, dass sich heute im Naturkundemuseum von Basel befindet, noch einmal genau unter die Lupe genommen und mit den Fossilien der anderen beiden Arten verglichen. Die Forscher fanden dabei genug Unterschiede und Alleinstellungsmerkmale, um eine neue, eigene Dinosauriergattung aufzustellen. Der schweizer Sauropode heißt nun Amanzia greppini und lebte in der Zeit vor etwa 155 Millionen Jahren.

 

 


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Erster Entenschnabelsaurier in Nordafrika gefunden: Ajnabia odysseus!

Die Hadrosaurier gehören zu einer der erfolgreichsten Tiergruppe der Erdgeschichte. Die friedlichen Pflanzenfresser mit ihrem charakteristischen Entenschnabel entwickelten sich in der Kreidezeit und waren über die gesamte Nordhalbkugel verbreitet. Bis zum Aussterben der Dinosaurier verdrängten sie dort zunächst die mächtigen Sauropoden und dominierten die nördlichen Ökosysteme: sie gehörten dort zu den häufigsten, aber auch größten Dinosauriern ihrer Zeit.

 

Die Südkontinente waren damals noch durch das weltumspannende Tethys-Meer vom Norden getrennt, also gingen die Forscher bislang auch mangels fossiler Belege davon aus, dass die Entenschnabelsaurier in Afrika fehlen. Diese Annahme muss nun allerdings korrigiert werden: aus Ablagerungen der oberen Kreidezeit Marokkos tauchten Fossilien auf, die zu einem Hadrosaurier aus der Gruppe der Lambeosaurinen gehören.

 

 

 

Nach erster Beschreibung des Fossilmaterials war der afrikanische Entenschnabel wohl am engsten mit Arenysaurus (siehe Bild) aus Spanien verwandt, und tatsächlich könnte er einst über nur kurzzeitig vorhandene Landbrücken aus Spanien in Afrika eingewandert sein. Der neue Dinosaurier wurde als Ajnabia odysseus beschrieben – nach dem arabischen Wort für „Fremder“ und dem griechischen Sagenheld, den es im Rahmen seiner vielen Irrfahrten ebenfalls an viele ungewöhnliche Orte verschlug. Ajnabia lebte vor etwa 66 Millionen Jahren, also kurz vor Ende der Kreidezeit an der Seite des gefährlichen Abelisauriers Chenanisaurus und eines großen, aber bislang unbeschriebenen Titanosauriers.

 

Lebendrekonstruktion von Ajnabia odysseus von Raul Martín.

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Filikomys primaevus: Frühes Säugetier lebte sozial mit Artgenossen und in Erdbauten

Der Egg Mountain in Montana ist berühmt für seine hervorragend erhaltenen Eierfossilien, die aus der oberen Kreidezeit erhalten geblieben sind. Doch neben den Dinosauriern, die diese Eier einst gelegt hatten, gab es dort vor etwa 77 Millionen Jahren natürlich auch viele andere Tiere, die diese Gegend einst ihre Heimat nannten.

 

 

Darunter waren auch mehrere frühe Säugetiere. Ein neuer Vertreter aus einer heute ausgestorbenen Linie, der Multituberkulaten, wurde jüngst an der Fundstelle entdeckt – zusammen mit mehreren Artgenossen. Wahrscheinlich kamen die Tiere gemeinsam in ihrem selbst gegrabenen Unterschlupf ums Leben. Dies ist der bislang älteste Beleg für soziales Zusammenleben unter Säugetieren. Das neuentdeckte mausähnliche Säugetier (obwohl nicht mit den Mäusen verwandt!) trägt nun den Namen Filikomys primaevus.

 

Lebendrekonstruktion von Filikomys primaevus von Misaki Ouchida.

 

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Die verwirrende Phylogenie der Meereskrokodile: Metriorhynchus neu beschrieben

Die Familie der Metriorhynchidae war eine Gruppe ausgestorbener Krokodile, die sich perfekt an ein Leben in den Flachmeeren und Lagunen angepasst hatten, die ihrer Zeit das mesozoische Europa bedeckten. Die Typusgattung „Metriorhynchus“ ist eine der am besten bekannten Krokodil-Gattungen des Erdmittelalters.

 

Skelettrekonstruktion eines Metriorhynchus.

 

Tatsächlich wurden zu irgendeinem Zeitpunkt der Forschungsgeschichte beinahe alle Meereskrokodile des Oberjuras einmal der Gattung Metriorhynchus zugeschrieben, meist in Bezugnahme auf die Art M. superciliosus. Es liegt auf der Hand, dass diese Gattung definitiv nicht monophyletisch ist (also nicht nur alle Arten umfasst, die tatsächlich von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen). Die Typusart M. geoffroyii ist sogar nur eine Chimäre, zusammengesetzt aus den Fossilien mehrerer verschiedener Meereskrokodile!

 

Der neubenannte Thalattosuchus. Lebendrekonstruktion von Dimitry Bogdanov.

 

Grund genug für eine Gruppe Forscher um Mark T. Young von der Universität von Edinburgh, sich der verwirrenden Phylogenie der Meereskrokodile anzunehmen. Die Forscher Sprachen sogar von einem „gordischen Knoten“, den sie nur durch einen „Schwerthieb“ zu lösen imstande sahen: die Gattung Metriorhynchus neu zu beschreiben, ihre diagnostischen Charakteristika neu zu definieren und die aus diesem Raster fallenden Exemplare neu zu benennen. M. superciliosus wurde somit in die neue Gattung „Thalattosuchus“ gestellt.

 

Link zum Gordischen Knoten


Buriolestes schultzi: ziemlich clever für einen Sauropodomorphen!

Wer an Dinosaurier denkt, dem fallen schnell die Namen schier gewaltiger Riesen ein, unter deren Füße die Erde erzitterte: Brachiosaurus und Diplodocus, Apatosaurus und Brontosaurus gehören wohl zu den bekanntesten Dinosauriern überhaupt. Bekannt sind sie aber nicht nur für ihre ungeheure Körpermasse, sondern auch für ihren nur geringen Hirnschmalz: Tiere von der Höhe eines Mehrstöckigen Hauses und der Länge eines Tennisplatzes besaßen Gehirne, die kaum größer waren als eine Mandarine.

 

Fundort und Fossilbeschreibungvon Buriolestes, Bildquelle: Rodrigo Temp Müller.

 

Dass dies einmal ganz anders war, und dass die Vorfahren dieser gewaltigen Tiere sogar einmal zu den cleversten ihrer Zeit gehört haben könnten, legt eine neue Studie nahe, die Forscher der Universidade Federal de Santa Maria in Brasilien unlängst veröffentlicht haben. Mit ihrer Analyse des gut erhaltenen Schädels eines Buriolestes schultzi, der 2015 entdeckt wurde, konnten sie belegen, dass frühe Sauropodomorphen einst kleine, agile Allesfresser waren, die außerdem mit einem erstaunlich großen Gehirn ausgestattet waren.

 

Das Gehirn und die mögliche Lebendrekonstruktion des Buriolestes von Márcio L. Castro.

 

Mit so viel Grips ausgestattet, war Buriolestes ein flinker Jäger, dessen scharfen Augen nicht viel entging. Sein Geruchssinn war dagegen weniger gut ausgestattet, stattdessen deuten bestimmte Hirnareale aber auf eine schnelle Reizverarbeitung und gute Reflexe hin.

 

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Schwere Form von Knochenmarkentzündung bei Tyrannosaurus rex nachgewiesen!

Um zu erforschen, an welchen Krankheiten Dinosauriern ihrer Zeit litten, sind Paläontologen allein auf die akribische Untersuchung der fossilen Knochen angewiesen. Mit Voranschreiten der Technik gewinnen sie dabei immer neue Einblicke in die Pathologie der Urzeitriesen.

Skelettrekonstruktion von „Sue“ nach Scott Hartmann.

 

Besonders das hervorragend erhaltenen Skelett eines Tyrannosaurus rex mit der Katalognummer FMNH PR208, oder auch liebevoll „Sue“ genannt, ist schon seit Jahrzehnten ein wahres Füllhorn für die Paläo-Pathologie. Forscher konnten an diesem Exemplar bereits zahlreiche Rückschlüsse über das Leben dieses großen Beutegreifers gewinnen. Zum Beispiel, dass er immer wieder in Kämpfe mit Artgenossen verwickelt war, sich im Laufe seines Lebens mehrfach Knochen gebrochen hatte und im (für einen Tyrannosaurus!) hohen Alter von 28 Jahren wahrscheinlich verhungern musste, weil Sue aufgrund einer schweren bakteriellen Infektion des Kiefers nicht mehr imstande war, zu fressen und zu schlucken.

 

„Sue“ im Field Museum von Chicago.

 

Doch Sue litt vor ihrem Tod auch unter einer schweren Knochenmarksentzündung, wie Forscher der Humboldt-Universität Berlin nun durch CT-Untersuchungen herausfanden. Wirbelknochen und Wadenbein waren durch eine Infektion, auch als Osteomyelitis bezeichnet, stark angegriffen. Die pathologischen Muster ähneln denen, die bei einem Fossil des Labidosaurus, eines frühen Reptils aus dem Perm entdeckt wurden. Diese gelten als ältester Nachweis für so eine Infektion.

 

Schwere Knochenläsionen an den Schwanzwirbelknochen und am Wadenbein des erkrankten Tyrannosaurus deuten auf eine Infektion und Knochenmarksentzündung in.

 

Sue muss am Ende ihres Lebens also wohl erhebliche Schmerzen gehabt haben. Der Tod kam für einen Tyrannosaurus wohl erst nach einem langen und bitteren Leidensweg.

 

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Neandertaler-Mütter stillten ihre Kinder nicht länger als heutige Frauen

Modell einer Neandertaler-Mutter im Krapina Neandertal Museum, Kroatien.

In der Vergangenheit wurde als einer der wesentlichen Nachteile des Neandertalers, der letztlich mit zu seinem Aussterben beitrug, eine deutlich längere Stillzeit der Kleinkinder hypothetisiert. Doch diese Annahme ist nun nicht länger zu halten. Forscher der Universität Frankfurt haben zusammen mit Kollegen aus Italien die Milchzähne von vier Neandertaler-Kindern untersucht, die vor 40.000 bis 70.000 Jahren in norditalienischen Höhlen gelebt hatten. Die Zähne wurden in Harz eingebettet, in Hauchdünne Schichten zerteilt und dann mit einem Laser die Zahnsubstanz abgetragen. Anschließend bestimmten die Wissenschaftler mithilfe eines Massenspektrometers den Gehalt von Strontium und Calcium.

 

Aus dem Mengenverhältnis beider Elemente ließen sich Rückschlüsse auf die Ernährung der Kinder ziehen: Ein niedriger Strontium-Gehalt deutet auf Muttermilch hin, denn mit dem Wechsel zu pflanzlicher und tierischer Nahrung nimmt der Anteil dieses Elements im Zahnschmelz zu. Auf diese Weise konnten die Forscher ermitteln, dass die Mütter ihre Kinder vier bis sechs Monate nach der Geburt abgestillt hatten. Das ist nicht später, als es heute bei Babys üblich ist.

 

 

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Plateosaurus-Kinder sahen ihren Eltern sehr ähnlich

Das Museum nahe der Fossilfundstelle Frick in der Schweiz ist um eine hübsche Attraktion reicher: ausgestellt wird nun das 2015 entdeckte Skelett eines jungen Plateosaurus, den die Forscher liebevoll „Fabian“ tauften. Fabian war zum Zeitpunkt seines frühen Todes erst etwas länger als 2m und dürfte ein Gewicht von 40 bis 60 kg erreicht haben. Seine Eltern erreichten allerdings Körperlängen von bis zu 10 m und brachten mehrere Tonnen auf die Waage.

Der neuausgestellte Plateosaurus „Fabian“ im Sauriermuseum Frick.

Über den kleinen Fabian ist nun von Forschern der Uni Bonn auch eine wissenschaftliche Studie erschienen, die herausstellte, dass der kleine Sauropodomorph seinen Eltern schon sehr ähnlich war. Dies deutet darauf hin, dass Plateosaurier bereits relativ früh eine weitgehend voll entwickelte Morphologie ausbildeten, was auch wichtige Erkenntnisse für Fortbewegung und Lebensweise dieser Tiere bedeutet.

Rekonstruktionen eines Mussaurus, eines anderen frühen Sauropodomorphen aus Südamerika zeigen, dass diese Tiere zu Beginn ihres Lebens noch Vierbeiner waren, bevor sie sich ihren Elterntieren beim Heranwachsen morphologisch anglichen. Bildquelle: Alejandro Otero et al.

 

Zu Beginn ihres Lebens waren Plateosaurier ausgehend von früheren Forschungen noch Vierbeiner, die sich wahrscheinlich auch noch ganz anders verhielten als ihre erwachsenen Pendants. Binnen weniger Monate legten die Tiere aber einige Kilos an Gewicht zu und richteten sich dann auf ihre Hinterbeine auf. Auch der zunächst kurze Hals wurde immer länger.

 

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Kataigidodon venetus: neuer Cynodontier in Arizona entdeckt!

Die Cynodontier waren eine höchst erfolgreiche Tiergruppe des frühen Mesozoikums. Nachdem sie schon im späten Perm erstmalig auftraten, überlebten sie nicht nur das größte Massenaussterben aller Zeiten, sondern gelangten danach sogar zu neuer Blüte. Sie gelten außerdem als wichtiges Bindeglied zwischen Reptilien und Säugern.

 

 

In der triassischen Chinle-Formation in Arizona wurden nun die Überreste eines weiteren Cynodontiers gefunden: Kataigidodon venetus hinterließ den Forschern allerdings nur die winzigen Kieferknochen und einige Zähne. Das Tier kann dadurch allerdings auf eine Länge von 9 cm und ein Gewicht von weniger als 100 g geschätzt werden. Es lebte wahrscheinlich als kleiner Waldbewohner und Insektenfresser, der immer auf der Hut vor frühen Dinosauriern und anderen Archosauriern sein musste, die seinen Lebensraum vor rund 220 Millionen Jahren beherrschten.

 

Lebendrekonstruktion von Kataigidodon venetus von Ben & Hannah Kligman.

 

Der Fund gibt neue Einblicke in die frühe Evolution der Säugetier-Verwandten, ihre Diversität und Lebensweise.

 

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Frauenrolle in der Altsteinzeit: Gab es auch Jägerinnen?

Die Jäger- und Sammlergesellschaft: schon in der Grundschule lernen wir, dass die Kulturen eine strikte Geschlechtertrennung bei der Bewältigung ihrer täglichen Aufgaben kannten: während sich die Frauen um die Kinder kümmerten und im Wald auf die Suche nach Beeren, Nüssen und Pilzen gingen, gingen die Männer auf die Jagd. Doch ein neuer Fund aus den peruanischen Anden straft dieses althergebrachte Bild lügen: zumindest dort scheinen auch die Frauen hoch angesehene Jägerinnen gewesen zu sein. In einem Grab aus der Altsteinzeit, rund 9.000 Jahre alt, fanden Forscher das Skelett einer jungen Frau, zusammen mit mehreren Grabbeigaben wie Speerspitzen, Messer und Schaber zum Abziehen von Tierfellen.

 

Die Beigaben aus dem Jägerinnen-Grab.

 

Es ist also ab der Zeit für ein drastischer Umdenken: in der Altsteinzeit wurde man Jäger, wenn man jagen konnte – und das unabhängig vom Geschlecht, sondern allein von den individuellen Fertigkeiten.

 

Eine peruanische Jägerin nach der Vorstellung von Matthew Verdolivo.

 

Andere Knochenfunde von Frühmenschenfrauen auf der ganzen Welt legen nahe, dass diese ähnlich gut trainiert waren wie heutige Olympia-Ruderinnen. Und das diese Frauen nicht die Kraft oder Ausdauer besaßen, um mit ihren männlichen Zeitgenossen mitzuhalten, ist doch eine höchst gewagte Annahme. Wenigstens die Hälfte der prähistorischen Frauen waren Jägerinnen, vermuten die Forscher, die den aufsehenerregenden Fund nun beschrieben haben.

 

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Artikel der Woche

Im Artikel der Woche habe ich wieder eine Filmdoku auseinandergenommen. Diesmal hat es die Episode „Alphas Ei“ aus der Reihe „Die letzten Jahre der Dinosaurier“ (2003) erwischt. Wer wissen möchte, was aus heutiger Sicht an dieser Doku alles korrigiert werden müsste, darf gerne meinen Artikel lesen:

 

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/posts/1039464343163522


Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag, bleib gesund und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer