Mein Wort zum Sonntag – 9. Mai 2021

Hallo und einen schönen Sonntag wünsche ich euch!

 

Vor zwei Wochen habe ich noch über Kälte geschrieben. Mich über so viele Dinge geärgert, die derzeit in unserem Land, aber auch in der ganzen Welt schief liefen. Die letzten zwei Wochen haben mich jedoch etwas optimistischer werden lassen. Gestern hieß es sogar, Deutschland habe es geschafft, die dritte Welle zu brechen. Ob das nun an den getroffenen Maßnahmen der Corona-Notbremse lag, darf natürlich bezweifelt werden. Ich tippe da eher auf die eisenharte Disziplin und den Durchhaltewillen der Mehrheit unserer Bürger. Aber wie dem auch sei: es ist natürlich eine gute Nachricht, dass die Zahlen wieder sinken!

 

Genauso gut ging es mit den Nachrichten weiter: jeden Tag schaffen wir es nun, mehr als 1.000.000 Menschen bei uns zu impfen! Einer der Impfstoffe ist nun sogar allgemein frei gemacht worden, jeder, der will, darf sich damit impfen lassen. Zwar handelt es sich um den allseits unbeliebten AstraZeneca-Impfstoff, zwar kommt dieser „Vorstoß“ meiner Ansicht nach viel zu spät, aber meine Güte, lassen wir das Gemecker und Gejammer und hoffen, dass es nun endlich wieder aufwärts… nee, Moment, falsche Wortwahl: dass es nun endlich wieder besser wird!


Tolle Neuigkeiten für die Leser von „Die weißen Steine“!

Und mit den tollen Nachrichten möchte ich gar nicht mehr aufhören: auch für meine Buchserie waren das zwei sehr erfolgreiche Wochen! Die Neuauflage von Band I „Neue Alte Welt“ ist beinahe fertig. Sogar der erste Coverentwurf ist schon da, den ich heute aber noch geheim halten werde. Wir warten nämlich noch auf einen zweiten. In den kommenden Tagen dürft ihr als Leser dann entscheiden, welches Cover wir nehmen. Ich verrate euch jetzt schon: die werden großartig! Natürlich wird es im Rahmen dieser Abstimmung auch wieder eine kleine Giveaway-Aktion geben.

Sobald der erste Band draußen ist, geht es nahtlos weiter mit Band II „Blut der Sonne“, auf den einige von euch ja nun schon seit über einem Jahr warten. Doch jetzt brauche ich euch nicht mehr zu vertrösten: bald ist er da! Voraussichtlich im Juli wird er wie auch Band I bei Amazon erhältlich sein.

Falls es unter euch noch Leser gibt, die beim Ehrlich Verlag, der mein Buch ja nun nicht mehr verlegt, eine Vorbestellung gemacht haben, und die bereits das erste Buch bezahlt haben, möchte ich darum bitten, sich direkt an den Verlag zu wenden und eine Rückerstattung der getätigten Ausgaben zu fordern. Bitte nutzt dafür den Weg über Email:

kontakt@ehrlich-verlag.de


Bild der Woche

Ein Triceratops tötet und frisst einen Quetzalcoatlus. „Was? Das ist doch ein friedlicher Pflanzenfresser!“, höre ich einige von euch schon rufen. Doch weit gefehlt: reine Pflanzenfresser gibt es im Tierreich kaum. Und auch ein Triceratops lässt eine lohnenswerte Eiweißration nicht unbeachtet liegen, wenn sie sich ihm bietet. Zwar greifen Horndinosaurier nur in den seltensten Fällen auf tierische Kost zurück, und sie töten auch längst nicht so professionell wie ein Theropode, doch trotzdem kommt dieses Verhalten hin und wieder vor.

Wort zum Sonntag Triceratops vs. Quetzalcoatlus#Das erschütternde Bild stammt von Tuomas Koivurinne.


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Der Magische Wald

Naturfilmer Bryan Maltais erkundete volle drei Monate einen geheimnisvollen Wald im Herzen Europas. Dabei beobachtete er den Wechsel der Jahreszeiten vom Ende des Winters bis zum Anbruch des Sommers. Er filmte das Leben faszinierender Wildtiere, insbesondere der heimischen Reptilien und Amphibien.
Unser Autor Markus Bühler hat ihn auf einem Teil seiner Expeditionen begleitet.

 

Der Magische Wald: Reptilien und Amphibien ist 2019 erschienen und im Amazon-Prime-Paket, zum Download oder auf Datenträger erhältlich.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

Paläo-News

Wegen der vielen Arbeit an „Die weißen Steine“ bin ich in den letzten Wochen nicht dazu gekommen, besonders viele Nachrichten abzufassen. Trotzdem sind einige interessante Artikel zustande gekommen, die ich nun noch einmal für euch zusammenfassen möchte! Viel Spaß!


Superhirn Eichhörnchen: wie die baumbewohnende Lebensweise die Gehirnentwicklung beeinflusste

Wie hängen Größe und Proportionen des Gehirns mit Ökologie und Evolutionsgeschichte zusammen? Dieser Frage widmeten sich Ornella C. Bertrand von der University of Edinburgh (Schottland) und ihr Forschungsteam in einer neuen Studie. Darin verwendeten sie virtuelle Endokasten von 38 ausgestorbenen und noch lebenden Nagetierarten aus mehr als 50 Millionen Jahren der Evolution, um den Einfluss von Fortbewegung, Körpermasse und Phylogenie auf die Größe des Gehirns, der Riechkolben, der Petrosalläppchen und des Neokortex zu messen.

 

 

Dabei kam heraus, dass Körpermasse und Phylogenie in hohem Maße mit der relativen Größe des Gehirns und der Gehirnkomponenten zusammenhängen und dass die Fortbewegung das Gehirn, den Petrosallobulus und die neokortikalen Größen stark beeinflusst. Insbesondere haben Arten, die in Bäumen leben, im Vergleich zu anderen bodenbewohnenden und grabenden Taxa, eine größere relative Gesamtgröße des Gehirns, des Petrosallappens und der neokortikalen Größe. Das brauchen sie aber auch: das Klettern und springen im Geäst erfordert ein hohes Maß an koordinierten Bewegungen, eine schnelle Reizverarbeitung und blitzartige Reaktionen.

 

Trotz ihrer relativ engen Verwandtschaft sind die Gehirne von Eichhörnchen (links) viel komplexer als die der Stummelschwanzhörnchen.

Vom Eozän bis noch in jüngster Zeit spielte die arboreale (baumbewohnende) Lebensweise eine wichtige Rolle bei der frühen Entwicklung von Eichhörnchen und eng verwandten Arten. Sie förderte die Expansion des Neokortex und der Petrosalläppchen. Die Fossorialität (grabende Lebensweise) bei Stummelschwanzhörnchen wirkte sich allerdings entgegengesetzt aus, bei ihnen verringerte sich die Größe ihrer Gehirne.


Yamatosaurus izanagii: urtümlicher Hadrosaurier aus Japan beschrieben

Bereits im Jahr 2004 entdeckte der japanische Knochenjäger Shingo Kishimoto auf der japanischen Insel Awaji die Überreste eines Dinosauriers. Die Fossilien, die aus einigen Rippen, Wirbeln, Zähnen und Teilen des Unterkiefers bestehen, übergab Shingo 2014 dem Museum der Präfektur Hyogo. Dort wurde das Skelett von Kazumi Wada, Tomomi Ikeda und Chisato Ota präpariert und beschrieben. Die Ergebnisse haben sie nun in einer neuen Studie veröffentlicht.

 

Der Fund stammt aus der marinen Kiti-Ama Formation und gehört zu einem Hadrosaurier. Dass diese Entenschnabelsaurier in Meeresablagerungen erhalten bleiben, ist nichts Ungewöhnliches: da die Tiere vermutlich in Feuchtgebieten und Flussdeltas lebten, wurden ihre Kadaver vom Wasser häufig mitgetragen und in Küstennähe sedimentiert. Die phylogenetische Analyse zeigt, dass Yamatosaurus izanagii, wie die Forscher den Dinosaurier tauften, zu einer recht ursprünglichen Klade der Hadrosaurier gehört, denn er weist sowohl Merkmale der Saurolophinen als auch der Lambeosaurinen auf – der zwei Gruppen der Entenschnabeldinosaurier. Der Fund untermauert also die These, dass beide Gruppen, die sowohl in weiten Teilen Asiens als auch Nordamerikas lebten, ursprünglich wohl aus Ostasien stammten. Auch die deutlich älteren basalen Taxa Plesiohadros djadokhtaensis und Tanius sinensis stammen von dort.

 

Lebendrekonstruktion von Yamatosaurus izanagii nach Masato Hattori.

 

Die japanischen Inseln waren vielleicht ein Refugium, in denen sich die ursprünglichsten Linien noch bis zum Ende der Kreidezeit halten konnten. Dort lebten sie dann bis zum Schluss zeitgleich auch mit „fortschrittlichen“ Hadrosauriern, wie z.B. Kamuysaurus japonicus. Die Fundorte der beiden lagen in der Kreidezeit jedoch noch ziemlich weit voneinander entfernt. Deshalb existierten sie wahrscheinlich nicht nebeneinander, sondern besiedelten jeweils eigene Reviere.


Bernstein aus einem Tyrannosaurus-Bonebed gibt Aufschluss auf Paläo-Klima am Ende der Kreidezeit

Die in Chambery Coulee im Südwesten von Saskatchewan (Kanada) aufgeschlossene Frenchman-Formation ist eine berühmte Fossillagerstätte aus der späten Kreidezeit, die sich vor 68 bis 66 Millionen Jahren bildete. Dort wurden u.a. das größten bekannte Tyrannosaurus-Exemplar „Scotty“ entdeckt. Die Formation weist allerdings auch ein reiches Bernstein-Vorkommen auf.

 

 

Pierre Cockx vom Royal Saskatchewan Museum und seine Forschungskollegen haben einige dieser Bernsteine nun im Rahmen ihrer jüngsten Studie analysiert und die Ergebnisse mit anderen paläoökologischen Daten verglichen. Mithilfe der Fourier-Transform-Infrarot-Spektroskopie (FTIR) konnten sie feststellen, dass der Bernstein aus dem Harz einer Zypresse gebildet wurde. Isotopenanalysen zeigten außerdem, dass der Baum wohl in Küstennähe gestanden haben muss. Kohlenstoffisotope verrieten außerdem, dass der Baum zeitweise unter einer wasserarmen Dürre gelitten haben muss.

 

Die heutigen Badlands der Frenchman Formation waren einst ein subtropisches Paradies aus sumpfigen Zypressenwäldern.

Sogar auf die damaligen Temperaturen konnten Rückschlüsse gezogen werden: im Jahresdurchschnitt lagen sie bei etwa 16°C, was geringfügig höher ist als frühere Schätzungen. Dieser Wert deckt sich jedoch besser mit dem Vorhandensein der Krokodile und einiger Pflanzen, die ein kühleres Klima vor allem mit winterlichem Frost nicht gut vertragen hätten. In der Frenchman Formation war es zu Zeiten des T. rex also meistens subtropisch warm.

 

 

Diese Ergebnisse unterstreichen das enorme Potenzial, Bernsteinfunde in Bonebed-Studien und zur Bestimmung des Paläo-Klimas mit einzubeziehen: Selbst wenn keine identifizierbaren Einschlüsse vorliegen, können aus chemischen Analysen fossiler Harze wertvolle paläoökologische und sogar paläogeografische Hinweise gewonnen werden.


Die Zähne der Giganten: neue Studie findet keine Hinweise fürs Fortbestehen der Carcharodontosauriden in der späten Oberkreide

Sie gehörten zu den größten landlebenden Fleischfressern, die die Erde je gesehen hatten. Manche Gattungen erreichten sogar Körperlängen von mehr als 13m, was sogar größer ist als die des Tyrannosaurus rex. Zwar übertraf dieser sie noch, was das Gewicht anging, doch waren sie für einen viel längeren Zeitraum, von der Unterkreide bis zur frühen Oberkreide, die unangefochtenen Spitzenprädatoren auf fast allen Kontinenten: die Familie der Carcharodontosauridae, zu der so berühmte Dinosaurier wie der namensgebende Carcharodontosaurus, aber auch Giganotosaurus, Mapusaurus, Tyrannotitan und Acrocanthosaurus gehören.

 

Die Carcharodontosauriden gehörten zu den größten landlebenden Fleischfressern aller Zeiten. Bildquelle links: PaleoGuy.

 

In der späten Oberkreide verschwanden die Carcharodontosaurier jedoch und wurden auf der Nordhalbkugel von den Tyrannosauriden, auf der Südhalbkugel von den Abelisauriden ersetzt. Doch immer wieder werden Fossilien aus Südamerika gemeldet, die ihr Überleben bis zum Ende der Kreidezeit andeuten – zumeist sind dies isolierte Zahnfunde.

 

 

J. G. Meso von der Universidad Nacional de Río Negro in Argentinien und sein Forschungsteam nahmen für ihre jüngste Arbeit eine große Auswahl dieser Zähne von verschiedenen südamerikanischen Fundstellen aus der Oberkreide genauestens unter die Lupe. Dabei wurden einige Zähne als Abelisauriden-Zähne entlarvt, andere konnten sie aber tatsächlich kladistisch als Carcharodontosauriden-Zähne identifizieren. Jedoch stammen die jüngsten aus Fossillagerstätten aus dem Turonium – also der geologischen Stufe von 93,9 bis vor 89,7 Millionen Jahren. Dass die Carcharodontosauriden in Südamerika bis zum Ende der Kreidezeit (vor 66 Millionen Jahren überlebten, konnte also nicht bestätigt werden.

 


Demographische Überraschung: war Australien während der Eiszeit von mehreren Millionen Menschen besiedelt?

Zu diesem Ergebnis kam jedenfalls eine stochastische Studie unter der Leitung von Corey J. A. Bradshaw von der Flinders University in Adelaide (Australien). Nach ihrem Modell fand die erstmalige Besiedlung Australiens in der Zeit zwischen 75.000 und 60.000 Jahren statt. Präziser ausgedrückt spricht man hier allerdings besser nicht von Australien, sondern sollte besser von Sahul oder Meganesien sprechen: das Australische Festland war damals wegen des niedrigen Seewasserspiegels mit den Inseln Neuguineas im Norden und Tasmanien im Süden noch zu einer deutlich größeren Landmasse verbunden.

 

 

Archäologische Funde zeigen, dass in Sahul für die ersten Menschen sehr gute Siedlungsbedingungen herrschten. Der Kontinent wurde dem Studienmodell nach innerhalb von 156–208 menschlichen Generationen (also in 4368–5599 Jahren) und mit einer plausiblen Rate von 0,71–0,92 km pro Jahr komplett besiedelt – was sehr rasch ist.

 

 

Als die ersten europäischen Siedler der Neuzeit nach Australien kamen, lebten dort schätzungsweise zwischen 200.000 und 300.000 Ureinwohner (Aborigines). Heute sind weite Teile des zentralen Australiens allerdings auch lebensfeindliche Wüsten. Während des späten Pleistozäns sah das jedoch anders aus: im günstigsten Modell der demographischen Schätzung könnten in Sahul einst mehr als 6 Millionen Menschen gelebt haben! Diese hohen Zahlen ergeben sich einerseits aus der deutlich vergrößerten Siedlungsfläche von Sahul, dessen Gebiet ja um ca. Ein Drittel größer war als das heutige Australien. Aus dem auch ziemlich realistischen Maßstab von etwa 55 Menschen pro 100 Quadratkilometer ergibt sich dann tatsächlich eine prähistorische Millionenbevölkerung.

 

Als die ersten Menschen nach Australien kamen, war der Kontinent von einer Vielfalt riesiger Urzeittiere bewohnt.


Machairodus lahayishupup: neu beschriebene Säbelzahnkatze aus Oregon gehört zu den größten ihrer Familie!

Auf dem traditionellen Land des Cayuse-Stammes in Oregon machten Forscher eine erstaunliche Entdeckung: in den dortigen Ablagerungsschichten aus dem Miozän, die dort zwischen 9 und 6 Millionen Jahre alt sind, legten sie die Knochen einer riesigen Katze frei. Nach ersten kladistischen Analysen dürfte es sich um einen Angehörigen der Gattung Machairodus handeln, die vom Mittelmeerraum Europas über weite Teile Asiens bis nach Nordamerika verbreitet war.

 

 

John D. Orcutt und Jonathan J.M. Calede schrieben die neuentdeckten Fossilien in ihrer Studie über die Fossilien einer neuen Art dieser Gattung zu, die sie M. lahayishupup nannten. Der Artname bedeutet auf der Sprache der Cayuse so viel wie „alte wilde Katze“.

 

Lebendrekonstruktion von Machairodus lahayishupup mit seiner Beute von Roger Witter.

 

Abgesehen von einigen Unterschieden im Knochenbau fällt vor allem die enorme Größe der Oberschenkelknochen auf: mit ganzen 46cm sind sie etwa um ein Drittel länger als die der größten Löwen unserer Tage. M. lahayishupup dürfte ersten Schätzungen nach also deutlich größer gewesen sein als jede heutige Großkatze und über 350kg gewogen haben. Damit spielte der Säbelzahn schon in etwa der gleichen Liga wie der viel später lebende Smilodon populator, die wohl berühmteste und größte bekannte Säbelzahnkatze. Zur Beute von M. lahayishupup gehörten wahrscheinlich große Huftiere wie Pferde, Bisons und Kamele (im Bild ein Hemiauchenia).


Sphenofontis velserae: neue Art der Brückenechsen aus dem Jura Süddeutschlands beschrieben

Der Solnhofen-Archipel – benannt nach einem Steinbruch in Bayern – war die Heimat einiger berühmter jurassischer Dinosaurier aus dem heutigen Deutschland. U.a. der „Urvogel“ Archaeopteryx und auch der kleine Theropode Compsognathus wurden dort gefunden. Die tropische Inselwelt mit ihren lichtdurchfluteten Flachmeeren, Lagunen und ausgedehnten Mangrovensümpfen war aber auch von vielen anderen Tieren bewohnt: Flugsaurier, Plesiosaurier und Meereskrokodile sowie zahlreiche Fische gehören ebenfalls zu ihrem Fossilreichtum, und auch viele kleinere Echsen. Unter den heutigen Reptilien gehören die Brückenechsen von Neuseeland (Rhynchocephalia) zu den letzten Überlebenden einer sehr alten Linie von Echsen, die einst auf der ganzen Welt zu finden war. Und Brückenechsen lebten auch bei uns in Deutschland, zwischen sechs und neun Gattungen (einige sind umstritten!) bevölkerten die prähistorische Inselwelt.

 

 

Andrea Villa von der Bayrischen Staatssammlung für Paläontologie beschrieb nun zusammen mit seinen Kollegen anhand eines wundervoll erhaltener Fossils aus dem Plattenkalk des Brunn-Steinbruchs bei Regensburg eine neue Art: Sphenofontis velserae. Dieses Fossil zeigt der Studie zufolge eine große Ähnlichkeit zu den aus Nordamerika bekannten Gattungen Cynosphenodon und Sphenodon, wahrscheinlich waren die drei eng miteinander verwandt. Während des Jura lagen Nordamerika und Europa enger zusammen als heute, zeitweilig gab es sogar Landbrücken zwischen den Kontinenten. Sphenofontis hilft also dabei zu verstehen, wie die Ökosysteme des Jura einst verbunden waren, und wirft auch neues Licht auf die Entwicklungsgeschichte der Brückenechsen.


Fußspur eines Raptoren aus der frühen Oberkreide Chinas entdeckt!

In der unteren Jinhua-Formation, einer Fossillagerstätte in der südostchinesischen Provinz Zhejiang fanden Forscher die Trittsiegel eines Theropoden. Die Abdrücke zeigen, dass das Tier auf nur zwei Zehen lief, während von der innersten großen Zehe nur der Zehballen den Boden berührte. Die Zehenspitze mit dem bekrallten Ende wurde dagegen nach oben gehalten – die typische Laufpose eines Deinonychosauriers, bzw. eines „Raptoren“, worunter diese Tiere auch bekannt sind.

 

 

Die neuentdeckte Spur umfasst neun gut erhaltene Abdrücke, die von dem japanischen Paläontologen Yuta Tsukiji vom Fukui Prefectural Dinosaur Museum und seinen Kollegen in einer Studie beschrieben wurden. Die Forscher ordneten ihren Fund dem Ichnotaxon Velociraptorichnus sichuanensis zu. Da man nie wissen kann, welcher Dino nun genau eine Fährte hinterließ, werden Fußabdrücke immer in einem eigenen System kategorisiert und benannt. Ob die Fährte von einem Dromaeosaurier (den „klassischen“ Raptoren oder einem nahe verwandten Troodontiden hinterlassen wurde, ist also unklar- beide liefen auf zwei Zehen. Die Spuren ermöglichen genauere Schätzungen der Geschwindigkeit und des Gangs des Urhebers der Fährte. Sie lag der Studie zufolge bei 6,1 km/h für einen Dromaeosauriden und bei 4,6 km/h für einen Troodontiden. Das Tier ist also nur ganz gemächlich über den feuchten Untergrund gewandert. Der Fund ist übrigens der erste seiner Art aus der frühen Oberkreide Südostchinas.


Arrudatitan maximus: kleiner Titanosaurier aus Brasilien neu beschrieben!

Bereits vor 24 Jahren legten Forscher unter der Leitung von Antônio Celso de Arruda Campos im brasilianischen Cândido Rodrigues, unweit der Großstadt São Paulo die Überreste eines Langhalssauriers aus der Gruppe der Titanosaurier frei. Zu diesen Sauropoden gehörten einige der größten Landtiere aller Zeiten, doch das dort gefundene Skelett war für einen Titanosaurier relativ klein und grazil, vermutlich handelte es sich um ein subadultes Jungtier. Ausgewachsene Exemplare maßen saßen allerdings wohl auch noch weniger als 20m. Der Sauropode lebte in der oberen Kreidezeit vor etwa 70 Millionen Jahren.

 

 

2011 wurde das Fossil der Gattung Aeolosaurus zugeschrieben und mit einem eigenen Artnamen „maximus“ (der größte) versehen – ziemlich ironisch, wenn man bedenkt, dass manche seiner nahe verwandten Zeitgenossen fast doppelt so lang und fünfmal so schwer wurden. In einer aktuellen Studie erkannten aber Rodrigo M. Santucci bei der erneuten Sichtung des Materials einige Unterschiede zu anderen Aeolosauriern, die nicht zum Holotypus passten und somit das Aufstellen einer eigenen Gattung erforderten. Der Sauropode heißt nun zu Ehren seines Erstentdeckers Arrudatitan maximus.

 

Lebendrekonstruktion von Arrudatitan maximus von CisioPurple.


„Godzilla-Hai“ bekommt wissenschaftlichen Namen: Dracopristis hoffmannorum

Mit Unterstützung des New Mexico Museum für Naturgeschichte und Wissenschaft (NMMNHS) hat ein Forscherteam mehrerer Institutionen unter der Leitung von John-Paul Hodnett einen neuen Urzeithai aus dem späten Karbon benannt: Dracopristis hoffmanorum war etwa 2m lang und lebte vor rund 300 Millionen Jahren dort, wo sich heute die Manzano Mountains bei Albuquerque in New Mexico erheben, was im Perm noch der Grund eines Flachmeeres war. Grundlage der Beschreibung ist ein exzellent erhaltenes Skelett, was für Haie recht ungewöhnlich ist: dass ihr Knorpelskelett mineralisiert und erhalten bleibt, erfordert ganz besondere Fossilisationsbedingungen.

 

 

Dracopristis hatte 12 Reihen spitzer Zähne in robusten, kräftigen Kiefern und trug außerdem mehrere 70cm lange Flossenstacheln auf dem Rücken. Diese Kombination von Merkmalen brachte diesem Hai den beliebten Spitznamen „Godzilla Shark“ ein, als er 2013 zufällig von Hodnett, der damals gerade noch als Student seinen Abschluss machte, entdeckt wurde. Nach sieben Jahren Arbeit wurde das Fossil im Labor des Museums präpariert und genau erforscht. Mittels eines CT-Scans stellte Hodnetts Team fest, dass es sich um eine neue Spezies handelt. Dracopristis bedeutet „Drachenhai“ und ist eine Referenz an das Fantasy-Ungeheuer Godzilla. Der Artname hoffmanorum ehrt die Familie Hoffman, der das Land gehört, wo das Haifossil gefunden wurde.

 

 

Dracopristis gehörte zur Gruppe der Ctenacanthiformes, einer Seitenlinie der Haie, die sich schon im Devon von ihren Verwandten abspaltete. Er lebte wahrscheinlich in flachen Lagunen und Flussmündungen, wo er sich von Krebsen und Fischen ernährte. Seine Stacheln dienten wohl der Abschreckung größerer Haie, die in den gleichen Gewässern ihr Unwesen trieben.


Strahlenflosser aus dem Unterkarbon: Platysomidae erreichten hohen Grad der Spezialisierung deutlich früher als bislang gedacht!

Das Hangenberg-Ereignis im oberen Devon war Teil einer mehrgliedrigen Kette von verheerenden Ereignissen, die zu einen der größten Massenaussterben der Erdgeschichte führten. Es hatte massive Auswirkungen auf die weitere Evolution der Wirbeltiere, vor allem auf die, die im Meer lebten. Als sich die Welt im Karbon langsam von den Katastrophen erholte, kam es bei vielen Tiergruppen zu einer schnellen Radiation, also zu einer Aufspaltung in viele neue Arten, vor allem unter den Strahlenflossern (Actinopterygia).

 

 

In einer neuen Studie berichten Conrad D. Wilson von der University of Calgary (Kanada) und seine Kollegen über die Fossilien von Strahlenflossern aus der Familie der Platysomidae, ausgestorbene Strahlenflosser mit einem rautenförmigen Körper, die in Ablagerungsschichten aus dem Tournaisium in Nova Scotia entdeckt wurden. Die Fische lebten dort vor etwa 350 Millionen Jahren und sind damit die frühesten bekannten Exemplare ihrer Familie.

 

 

Das Vorkommen dieser Fische weist darauf hin, dass Strahlenflosser bereits kurz nach dem Hangenberg ihre typische Erscheinungsform ausgeprägt hatten. Darüber hinaus legen die Fossilien nahe, dass die frühesten Strahlenflosser aus dem Karbon mehrere verschiedene Fortbewegungsarten verwendeten, und dass sie schon damals mehrere ökologische Nischen besetzten.

 


80.000 Jahre altes Kindergrab aus Kenia: ältester Beleg für Begräbniskultur bei Homo sapiens

Wann, warum und auf welche Weise fing es eigentlich an, dass wir Menschen unsere Toten beerdigen? Diese Frage beschäftigt Anthropologen, aber auch viele andere Forschungsfelder schon seit langem. Belege für die Ursprünge von der Begräbniskultur sind jedoch selten. Der Fund eines Grabes aus den Schichten von Panga ya Saidi, einer Höhle in Kenia, sorgte entsprechend für großes Aufsehen: dort fanden María Martínon-Torres und ihr Forschungsteam die sterblichen Überreste eines etwa dreijährigen Kindes, das vor etwa 80.000 Jahren dort beerdigt wurde. Der Fund wurde nun in einer neuen Arbeit beschrieben.

 

 

Das Skelett befand sich in gebeugter Haltung und war wohl mit irgendeiner Art Stoff eingehüllt. Geochemische, granulometrische und mikromorphologische Analysen des Grabes weisen darauf hin, dass die Grube absichtlich ausgegraben wurde. Taphonomische Belege wie die strikte Artikulation und histologische Beweise für Fäulnis unterstützen, sowie der Umstand, dass auch die Gelenke des Kindes während der Zersetzung sich kaum verschoben, stützen die Vermutung, dass die Leiche an Ort und Stelle verweste, und zwar unter der Erde.

 

 

Das Kind gehört morphologischen Untersuchungen zufolge zu einer frühen Linie des Homo sapiens. Es trägt noch einige sehr primitive Gebissmerkmale, weshalb der Fund auch neue Anhaltspunkte für die Entwicklung unserer Spezies liefert. Viele unserer modernen Merkmale haben sich erst über die Zeit entwickelt, während primitivere nach und nach verloren gingen. Das Grab öffnet auch neue soziologische Horizonte und gibt Aufschluss darüber, wie die Menschen damals mit ihren Toten interagierten.


Sahonachelys mailakavava: neubeschriebene Schildkröte aus der Oberkreide Madagaskars war ein „Suction Feeder“!

In der Maevarano Formation im Nordwesten Madagaskars wurden in den letzten drei Jahrzehnten eine Reihe außergewöhnliche Fossilien gefunden, die wichtige Einblicke in die Entwicklung der Inselökosysteme während der späten Oberkreide ermöglichen.

 

 

Walter G. Joyce vom Departement für Geowissenschaften an der Universität Freiburg (Schweiz) und sein Forschungsteam beschrieben in ihrer neuesten Arbeit eine neue Art aus der Familie der Pelomedusenschildkröten. Diese heute noch in Ost- und Südostafrika beheimateten Schildkröten sind nicht imstande, ihren Kopf senkrecht zur Panzeröffnung in einem S-förmigen Bogen einzuziehen. Stattdessen legen sie den Kopf beim Einziehen mittels einer horizontalen S-förmigen Bewegung seitlich unter den Panzer. Sahonachelys mailakavava, die vor etwa 69 Millionen Jahren lebte, und deren Fossil bereits 2015 gefunden wurde, war da keine Ausnahme.

 

Lebendrekonstruktion von Sahonachelys mailakavava nach Andrey Atuchin.

Bislang einzigartig an Sahonachelys war jedoch ihre Ernährungsweise: eine funktionelle Analyse ihres Schädels legt nahe, dass sie im Wasser nach kleinen Beutetieren jagte und diese vor dem Verschlingen ansaugen konnte, ganz ähnlich wie es viele Raubfische auch tun. Diese auf Englisch „suction feeding“ genannte Strategie ist für Schildkröten sonst nur bei den heute lebenden Schlangenhalsschildkröten Australiens benannt, mit denen Sahonachelys aber nur entfernt verwandt war. Es scheint sich um einen besonderen Fall von konvergenter Evolution zu handeln.


Frühmenschen brachten als Neuankömmlinge nicht überall nur Tod und Zerstörung!

Die Ankunft moderner Menschen in zuvor unbewohnten Inselökosystemen ist eng mit einem drastischen Einbruch in der Artenvielfalt verbunden: wo immer Menschen neues Land erreichten, besonders während des Kolonialzeitalters, aber offenbar auch schon lange vorher, haben sie durch exzessive Bejagung, aber auch durch ihre mitgebrachten Haustiere ökologische Katastrophen herbeigeführt, die das Aussterben vieler Inseltiere zur Folge hatten. Dieses Narrativ bezeichnet man auch als die „Overkill Hypothese“.

 

 

Doch trotz ihrer Bekanntheit ist diese These bislang tatsächlich nur wenig erforscht worden und deshalb mehr ein Dogma als wissenschaftlicher Konsens. Julien Louyis von der Griffith University in Brisbane (Australien) und sein Forschungsteam haben sich aus diesem Grund die archäologischen und paläontologischen Datensätze von allen Inselökosystemen auf der ganzen Welt genau angeschaut, um festzustellen, ob es tatsächlich immer eine Korrelation zwischen der Ankunft von (Früh-)Menschen und dem Aussterben der dort heimischen Inselfauna gab.

 

Das überraschende Ergebnis der Studie: ein direkter Zusammenhang zwischen dem Auftreten des Menschen und dem Aussterben von Tieren ist tatsächlich nur ein Phänomen der Neuzeit und des Seefahrerzeitalters. Im Pleistozän gab es so einen Zusammenhang aber nicht: damals lebten Menschen als Neuankömmlinge lange Zeit mit der dortigen Tierwelt zusammen, ohne dass es zu signifikantem Artenschwund gekommen wäre. Auf manchen Inselwelten der Philippinen und Indonesiens, z.B. auf Java, Flores und Luzon, haben verschiedene Menschenarten sogar Jahrzehntausende (mehr als 50.000 Jahre lang!) gelebt, ohne das ökologische Gleichgewicht zu stören. Dass die dortige Tierwelt in Bedrängnis geriet und vor allem viele Großtiere ausstarben, korreliert zeitlich vielmehr mit großen Umwälzungen von Klima und Umwelt.

 

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Aufstieg und Fall der Dinosaurier: Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten

Noch immer haftet den Dinosauriern das Image der schwerfälligen, primitiven Monster an, die zu groß waren, um zu überleben. Doch bevor sie von der Erdoberfläche verschwanden, beherrschten die faszinierenden Giganten über 150 Millionen Jahre lang unseren Planeten. Modernste Technologien und spektakuläre Funde erlauben nun neue Einblicke in ihre Erfolgsgeschichte. Steve Brusatte, einer der führenden Paläontologen der Welt, führt uns anschaulich durch das untergegangene Reich der Dinosaurier. Lebendig erzählt er ihre Geschichte von den ersten Rieseneidechsen bis zum Aussterben. Dabei gibt er spannende Einblicke in seine Forschung und berichtet von spektakulären Ausgrabungen, etwa von Fleischfressern, die sogar größer waren als der Tyrannosaurus rex.

 

Aufstieg und Fall der Dinosaurier: Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten ist 2018 erschienen und hat sich sofort zum Bestseller entwickelt. Es hat 416 gebundene Seiten und kostet € 25,90


Weitere Kurzmeldungen:

Mars-Untergrund ist heute noch lebensfreundlich!

Überraschen alte Erdkruste: gab es erstes Festland schon vor 3,7 Milliarden Jahren?

Danionella dracula: winzigem Fisch fehlen Schädelknochen

5.000 Jahre alter Fingerabdruck auf den Orkney-Inseln entdeckt

Klimafreundlicher Archaeen-Stamm: neuentdeckte Mikroben bauen organisches Material ohne Methanfreisetzung ab!

Fötus in 2.000 Jahre alter Mumie aus Ägypten entdeckt!

Jahrtausendealter Grabhügel auf Amrum gefunden!


Eigene Artikel:

Tierprofil: Edmontosaurus annectens

Tierprofil: Purgatorius ceratops

Die Geschichte unserer Erde – Episode VII: Das Silur

Tierprofil: Thoracosaurus neocesariensis

Tierprofil: Thescelosaurus neglectus


Das war es für heute mit den Paläo-News! Ich wünsche euch allen jetzt noch einen schönen Sonntag, genießt das herrliche Wetter (falls es bei euch heute auch so schön ist) und vor allem: bleibt gesund!

Euer Markus Peter Kretschmer

 

 

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Der Dino-Planet

Die dreiteilige Dokumentation Der Dino-Planet versetzt den Zuschauer Millionen von Jahre zurück. Mit Hilfe von beeindruckenden Hightech-Bildern werden die vermutlich eindrucksvollsten und faszinierendsten Kreaturen zum Leben erweckt, die je unseren Planeten bewohnt haben. Nahezu alle dargestellten Dinosaurier wurden erst in den letzten zehn Jahren entdeckt – die prähistorische Geschichte musste neu geschrieben werden. Paläontologen wissen heute, dass Dinosaurier in allen Teilen der Welt vorkamen und sich zu monströsen, schrecklichen und bizarren Kreaturen entwickelt haben, die einen T-Rex ganz zahm aussehen lassen.

 

Dino-Planet ist ein tolles visuelles Erlebnis, gespickt mit interessanten Fakten, atemberaubender Action und charismatischen Monstern. Die Filmreihe wirft ein völlig neues Licht auf diese prähistorische Zeit: Sie haucht den Kreaturen neues Leben ein, zeigt ihre Habitate und Gewohnheiten, analysiert ihre Knochen und beobachtet sie im Todeskampf.

 

Der Dino-Planet [2 DVDs] läuft 2 h und 15 Minuten. Die Doku ist 2012 erschienen und wird ab 12 Jahre empfohlen.

 

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Mein Wort zum Sonntag – 25. April 2021

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

 

Ein ungewöhnlich kalter April geht zu Ende. Damit meine ich nicht nur die Temperaturen, die so niedrig sind, wie lange nicht mehr in Zeiten des Klimawandels. Ich finde es auch ausgesprochen kalt, was das gesellschaftliche Klima angeht. Ich fühle mich selbst auch etwas kalt, denn ich wollte letzten Sonntag keine Kerze anzünden, worum uns Volker Bouffier (Ministerpräsident von Hessen) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gebeten haben. In Gedenken an die Corona-Toten. Was als andachtsvolle Geste gemeint war, ist voll nach hinten losgegangen. Mich hat dieser Aufruf wie so viele andere wirklich erzürnt. Zorneskälte empfinde ich schon lange, wenn ich an das kollektive Versagen der Politiker denke. Und jetzt das.

Ärger über Herzens- bzw. Kerzenskälte der Politiker

Wieso bringt mich dieser Apell so auf? Weil es noch viel zu früh ist. Weil die Pandemie täglich immer noch 200 bis 300 Menschenleben fordert. Weil wir wegen des schleppenden Impfgeschehens inzwischen europaweit zu den Letzten gehören, die das Ende der Pandemie sehen werden. Und am Ende einer solchen Krise ist es Zeit, an die Toten zu gedenken, und nicht, wenn noch bis zum Hals mitten drin stecken.

 

Mit Blick auf die vielen Skandale der letzten Zeit, die Korruptionsaffären, die Verzögerungen, die kläglichen Eindämmungsversuche, die uns mit nunmehr sieben langen Monaten des Lockdowns zermürbt haben, erscheint es wie ein billiges Ablenkungsmanöver, das diese Herren nur in Voraussicht der kommenden Bundestagswahl gestartet haben. Bis dahin kriegen sie die Lage nicht in den Griff, das haben sie mit der Kerzenaktion bereits eingestanden. Und um doch noch ein paar Stimmen zu retten, um enttäuschte Wähler zurückzugewinnen, und eben nicht, weil sie sich bitter für jedes verlorene Menschenleben schämen sollten, das in ihrer Verantwortung lag, deshalb sollten am Sonntag die Kerzen brennen. Eiskaltes Kalkül statt echter Verantwortung und Anteilnahme. Dazu sage ich Pfui.

 

 

Meine Kerze zünde ich dann an, wenn diese Krise tatsächlich vorbei ist. An die Menschen, die ich selbst bereits an Corona verloren habe, denke ich ohnehin fast jeden Tag. Und allen anderen gedenkt man aus Anstand eben erst, wenn man eigentlich Grund zur Freude haben kann, aus dem schlimmsten raus zu sein.


Das hässlichste Video des Jahres

Genauso kalt erschienen mir die über 50 Prominenten, die mit dem Hashtag #allesdichtmachen gegen die Corona-Maßnahmen protestierten. Von so einem hohen Ross getragen, getrieben von Selbstmitleid und Darstellungssucht, befinden sich diese Menschen in Sachen Empathie schon mitten in der nächsten Eiszeit. Was könnten sie besser machen? Ganz einfach: mal mithelfen, statt zu jammern. Die große Reichweite mal für sinnvolle Aufklärung nutzen, statt sie zur Selbstdarstellung und Gejammer zu missbrauchen. Stattdessen sehe ich hier einen neuen gesellschaftlichen Tiefpunkt in der Pandemie. Von oben herab, ironisch und sarkastisch auf die politischen Maßnahmen losgehen, ohne eigene Lösungen zu präsentieren, und das aus einer privilegierten Stellung eines Hochverdieners, das ist keine Satire mehr, das ist nur noch widerlicher Zynismus und kleingeistige Bockigkeit.

 

Wer möchte, kann sich das Video hier einmal ansehen, um zu verstehen, wovon ich da rede. Aber eigentlich… Tut es lieber nicht. Mir hat es beim Zusehen sehr wehgetan.

 


Ankündigungen

Aber trotz all der Kälte konnte ich mich doch an einigen schönen Ereignissen aus der letzten Woche erwärmen. Dazu gehörte vor allem ein lange überfälliger Besuch bei meinen Eltern, die ich viele Monate nicht mehr gesehen habe. Und auch für die Leser von „Die weißen Steine“ gibt es gute Nachrichten: Der Vertrag beim neuen Verlag ist unterschrieben! Der erste Band „Neue Alte Welt“ wird dort schon in wenigen Wochen in einer Neuauflage erscheinen, Band II „Blut der Sonne“ dann ebenfalls noch diesen Sommer. Ein großer Lichtblick, nach all diesen langen, kalten und traurigen Monaten. Und er stimmt mich optimistisch, dass die kommenden Wochen wieder etwas wärmer werden könnten.


Bild der Woche

Ein Triceratops prorsus muss einen sumpfigen Flusslauf überwinden, um zu seinen Weidegründen zu gelangen. Den schwimmenden Horndinosaurier benutzen dabei einige Avisaurus archibaldi als Wassertaxi.

 

Das Bild stammt von Damir G. Martin aus seiner Arbeit zu Dinosaurs in the Wild.


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Der Magische Wald

Naturfilmer Bryan Maltais erkundete volle drei Monate einen geheimnisvollen Wald im Herzen Europas. Dabei beobachtete er den Wechsel der Jahreszeiten vom Ende des Winters bis zum Anbruch des Sommers. Er filmte das Leben faszinierender Wildtiere, insbesondere der heimischen Reptilien und Amphibien.
Unser Autor Markus Bühler hat ihn auf einem Teil seiner Expeditionen begleitet.

 

Der Magische Wald: Reptilien und Amphibien ist 2019 erschienen und im Amazon-Prime-Paket, zum Download oder auf Datenträger erhältlich.

 

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Paläo-News

Wirklich heiß her ging es dafür in der Welt der Urzeitforschung. Das alles dominierende Thema war dort natürlich T. rex! Aber auch viele andere interessante Nachrichten haben es diesmal in meine Paläo-News geschafft.


Die Tyrannosaurier-Studien – große Missverständnisse!

Zuvor jedoch ein paar Worte zu den drei Tyrannosaurier-Papern, die natürlich auch mit einigem Aufsehen durch die Presse gingen. Die Presse… Und da hörst du mich jetzt kräftig seufzen, die Presse hat der Forschung in den letzten Wochen keinen großen Gefallen getan. In vielen, auch einigen großen, namhaften Zeitungen wurden die Ergebnisse aller drei Studien stark verzerrt und massentauglich zu großen Schlagzeilen aufgebauscht.

 

Deshalb meine Bitte: Lasst euch von reißerischen Schlagzeilen wie „T. rex war eine lahme Ente“ (Süddeutsche Zeitung) oder „Ein Mensch hätte einen T. rex abhängen können“ (TAG24) nicht täuschen. Da haben die Redakteure sich blenden lassen, das Paper gar nicht selbst gelesen oder wollen einfach nur für dicke Auflage sorgen. Genauso falsch waren die vielen Schlagzeilen, die Tyrannosaurus rex zu einem Rudeltier machen wollten, obwohl es in dem anderen Paper gar nicht um ihn ging, sondern um einen viel früheren Tyrannosauriden (vermutlich Teratophoneus curriei). Und in anderen Schlagzeilen las man natürlich von über 2 Milliarden Tyrannosauriern, die in Nordamerika lebten – dass sie das natürlich nicht alle gleichzeitig taten, und dass auch das nur eine vage Schätzung war, wird natürlich wieder verschwiegen und wenn überhaupt nur hinter der Paywall aufgeklärt.

 

Das kann man wirklich nicht mehr als guten Journalismus bezeichnen. Und deshalb kann ich nur an jeden meiner Leser appellieren, sich nicht auf Mainstream-Medien zu informieren, wenn es um Dinosaurier geht. Das ist jetzt kein Verschwörungs-Geschwurbel, sondern einfach nur meine eigene ernüchternde Erkenntnis, dass viele, auch renommierte Zeitungen extrem schlecht recherchieren, wenn es um Urzeitthemen geht. Und ist ein Dino-Promi wie der Tyrannosaurus in der Schlagzeile, werden sie fast alle zu Klatsch- und Käseblättern.


Ein gemächlicher Spaziergänger: Studie ermittelt Geh-Geschwindigkeit von Tyrannosaurus rex

Energie sparen – das ist die eine der obersten Devisen der Evolution, besonders wichtig bei sehr großen Tieren wie Tyrannosaurus rex. Ein 9 Tonnen schweres und 13m langes Tier hat deshalb im Laufe seiner Entwicklungsgeschichte seine Gang entsprechend angepasst, sodass er bei der alltäglichen Fortbewegung möglichst sparsam lief. Pasha A. van Bijlert, A. J. van Soest und Anne S. Schulp von der Vrije Universiteit in Amsterdam haben die Anatomie des T. rex im Rahmen ihrer Studie genauer unter die Lupe genommen und berechnet, wie sich das Tier im Normalfall fortbewegte. Damit ist ausdrücklich nicht die Höchstgeschwindigkeit gemeint, mit der das Tier jagte oder sich vor Gefahren in Sicherheit brachte, sondern einfach nur sein gemütlicher Gang, wenn er von A nach B wollte.

 

 

Ihre Schätzung der bevorzugten Schrittfrequenz und Gehgeschwindigkeit von T. rex nahmen die Forscher mithilfe einer neuen, als Eigenfrequenzmethode bezeichneten Simulation vor. Dabei wurde neben den Beinmuskeln auch der Schwanz miteinbezogen, der aktiv am Gehen beteiligt war. Heraus kam dabei eine morphologische 3D-Rekonstruktion, mit der die Frequenz, mit der der Schwanz hin und her schwang, sowie daraus die entsprechende Gehgeschwindigkeit werden konnte.

 

 

T. rex bewegte sich folglich mit etwa 0,8 bis 1,64m in der Sekunde, wenn er gemütlich ging, was etwas niedriger ist als frühere Schätzungen. In den Medien kursieren derzeit viele Artikel, in denen T. rex schon als „lahme Ente“ verunglimpft wird. Doch sagt das die Studie gar nicht aus: denn diese Schrittgeschwindigkeit liegt durchaus noch im gleichen Bereich wie bei den meisten anderen Großtieren. Im schnellen Lauf erreichte ein (ausgewachsener!) T. rex immerhin zwischen 20 und 30 Stundenkilometern, wie in anderen Studien ermittelt wurde. Das ist immerhin so schnell wie ein flotter Fahrradfahrer und schneller, als die meisten Menschen überhaupt laufen können. Selbst trainierte Sprintathleten hätten aber mit einem T. rex auf Dauer nicht mithalten können: Dank seiner vogelähnlichen Lungen hatte der nämlich eine enorme Ausdauer und würde über kurz oder lang selbst einen Usain Bolt in Bestform noch erwischen. Als Teenager war ein T. rex sogar noch deutlich schneller. Außerdem geben diese Studien, wie im Paper auch ausdrücklich betont, lediglich einen Näherungswert wieder.

 


Tyrannosaurier-Bonebed in Utah: neue Belege für Rudelverhalten der „Tyrannenechsen“ entdeckt!

Schon seit längerer Zeit wird angenommen, dass Tyrannosauriden gesellige, möglicherweise parasoziale Fleischfresser waren, die gemeinsam jagten und elterliche Fürsorge betrieben. Ein Forschungsteam unter der Leitung von Alan L. Titus fand nun in der Kaiparowits Formation im Süden Utahs neue Belege für eine Geselligkeit von Tyrannosauriern: ein großflächiges „Bonebed“, eine Fossillagerstätte mit den Überresten mehrerer Individuen, die dort in der Zeit vor etwa 75 Millionen Jahren in der späten Kreidezeit lebten.

 

 

Analysen der Sedimentologie und der Taphonomie des Standorts legen eine komplexe Geschichte nahe, die mit dem Tod und dem anschließenden Transport der Tyrannosauriern in einem küstennahen, von Flüssen und Sümpfen durchzogenem Lebensraum beginnt. Ein schwankender Grundwasserspiegel führte dazu, dass die Gegend um den Fundort schließlich verlandete und immer trockener wurde. Die Fossilien wurden durch diese Nass-Trocken-Zyklen und den damit einhergehenden Druckschwankungen stark beeinträchtigt. Kohlerückstände weisen zudem auf einen Brand hin. Die Todesursache der Tiere könnte also eine Flut, oder aber auch ein Feuer gewesen sein, so die Autoren in ihrer Studie.

 

 

Ähnliche Bonebeds wie das in Utah sind auch aus Alberta (Kanada) und Montana (U.S.A.) bekannt, mit denen sich der Fund gut vergleichen lässt. Die dortigen Fossilien gehörten zu Albertosaurus und Daspletosaurus. Das neue Bonebed ist das bislang südlichste und könnte zu Teratophoneus oder einer ähnlichen Gattung gehören. Dass nun von mehreren Tyrannosauriden solche Massengräber bekannt sind, könnte ein Muster und ein Hinweis für ein komplexes Sozialverhalten sein. Auch fossile Fußabdrücke unterstützen die These, dass Tyrannosaurier Familiensinn hatten. Ob sie aber tatsächlich in Rudeln lebten, oder bloß einander in lockeren Verbänden toleriert haben, ist natürlich weiterhin unklar.

 

Teratophoneus Parasaurolophus
Ein Teratophoneus curriei jagt einen Parasaurolophus cyrtocristatus. Lebendrekonstruktion von ДиБгд (Wikipedia).


Wie viele T. rex-Exemplare gab es überhaupt?

Eine spannende Frage in der Paläo-Ökologie ist natürlich, wie groß die Bestände der ausgestorbenen Arten gewesen sein könnten. Die Schätzung der Populationsgröße für heute noch lebende Arten ist ja auch eine gängige Praxis in der modernen Zoologie. Sie dient dazu, viele Aspekte ihrer Ökologie, Evolution und Bedrohungsstufe zu analysieren. Die Schätzung der Häufigkeit für ausgestorbene Arten, insbesondere für lange ausgestorbene Arten, ist aber ein viel schwierigeres Unterfangen. Ein Forschungsteam um Charles R. Marshall von der University of California in Berkeley hat sich dennoch an diese Aufgabe gemacht, indem sie Körpergröße und Populationsdichte bei rezenten Arten verglich, und die Daten um weitere Parameter wie Besiedlungsdichte, Verteilung, Gesamtbiomasse und Artenpersistenz für einen der bekanntesten Dinosaurier, Tyrannosaurus rex, abzuschätzen.

 

Tyrannosaurus Skelett

 

Obwohl allein aus Fossilien vieles abgeleitet werden kann, erfordert die Schätzung der Häufigkeit und der Erhaltungsraten ausgestorbener Arten Daten von lebenden Arten. Da Tyrannosaurus einer der am besten erforschten Dinosaurier ist, konnten hier viele Daten ergänzt und in eine Rechnung eingefügt werden, um Populationsvariablen und Erhaltungsraten für erwachsene T. rex zu berechnen.

 

 

Das Ergebnis: Marshall und sein Team schätzen in ihrer Studie, dass seine Häufigkeit zu jeder Zeit etwa 20.000 Individuen betrug. Insgesamt bestand die Art T. rex für 127.000 Generationen, also hat es in der ganzen Zeit vor 68 bis 66 Millionen Jahren insgesamt wahrscheinlich rund 2,5 Milliarden Individuen gegeben. Fossil erhalten blieben davon natürlich nur sehr wenige Exemplare: die Forscher schätzen auf eine fossile Wiederfindungsrate von 1 pro 80 Millionen Individuen, oder auch 1 pro 16.000 Individuen, wo seine Fossilien am häufigsten vorkommen und die Fossilisationsbedingungen sehr gut waren. Natürlich muss man alle diese Daten mit Vorsicht genießen, und es ist auch mit erheblichen Abweichungen zu rechnen.


Kunpengopterus antipollicatus: Flugsaurier mit opponierbaren Daumen beschrieben!

Die Pterosaurier des Mesozoikums waren die ersten bekannten Wirbeltiere, die einen aktiven Flug entwickelten. Im Laufe der Jahrmillionen entwickelten sie eine beträchtliche Artenvielfalt und erschlossen eine Menge ökologischer Nischen, von geschickten Fischjägern über majestätische Gleitflieger bis hin zu winzigen Insektenfressern. Einige Flugsaurier lebten auch im Dickicht von Wäldern und waren geschickte Kletterer. Manche Forscher nehmen an, dass dort auch ihre Entwicklungsgeschichte begann, und dass sie aus baumbewohnenden Archosauriern hervorgingen.

 

 

Nach wie vor besteht ist die Ökomorphologie dieser Tiergruppe Gegenstand intensiver Forschungen. Und dabei tauchen auch gelegentlich Überraschungen auf: an einem Fossil aus der bereits 2010 beschriebenen Gattung Kunpengopterus aus der Tiaojishan Formation im Oberjura Chinas entdeckten Xuanyu Zhou und sein internationales Forschungsteam ein bemerkenswertes anatomisches Merkmal: opponierbare Daumen! Zwar war der Daumen nicht so beweglich und geschickt wie bei Primaten wie uns Menschen, doch trotzdem war Kunpengopterus imstande, damit präzise Greifbewegungen auszuführen – ideal, um damit im Geäst von Bäumen herumzuklettern. Dieses Merkmal ist einzigartig unter allen Flugsauriern, weshalb die Forscher das Exemplar in ihrer Studie auch in eine neue Art stellten: Kunpengopterus antipollicatus.

 

Kunpengopterus antipollicatus
Lebendrekonstruktion von Kunpengopterus antipollicatus nach Chuang Zhao.

 

Die Entdeckung ergänzt die bekannte Reihe von Pterosaurier-Anpassungen und die Geschichte des Arborealismus bei Wirbeltieren. Es trägt auch zur beeindruckenden frühen Blüte der Baumgemeinschaften im chinesischen Jura vor 154 Millionen Jahren bei und beleuchtet die Geschichte der Waldumwelt.

 

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Der Dino-Planet

Die dreiteilige Dokumentation Der Dino-Planet versetzt den Zuschauer Millionen von Jahre zurück. Mit Hilfe von beeindruckenden Hightech-Bildern werden die vermutlich eindrucksvollsten und faszinierendsten Kreaturen zum Leben erweckt, die je unseren Planeten bewohnt haben. Nahezu alle dargestellten Dinosaurier wurden erst in den letzten zehn Jahren entdeckt – die prähistorische Geschichte musste neu geschrieben werden. Paläontologen wissen heute, dass Dinosaurier in allen Teilen der Welt vorkamen und sich zu monströsen, schrecklichen und bizarren Kreaturen entwickelt haben, die einen T-Rex ganz zahm aussehen lassen.

 

Dino-Planet ist ein tolles visuelles Erlebnis, gespickt mit interessanten Fakten, atemberaubender Action und charismatischen Monstern. Die Filmreihe wirft ein völlig neues Licht auf diese prähistorische Zeit: Sie haucht den Kreaturen neues Leben ein, zeigt ihre Habitate und Gewohnheiten, analysiert ihre Knochen und beobachtet sie im Todeskampf.

 

Der Dino-Planet [2 DVDs] läuft 2 h und 15 Minuten. Die Doku ist 2012 erschienen und wird ab 12 Jahre empfohlen.

 

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Klimaforschung: Rückgang des arktischen Eises könnte zu mehr Schnee in Europa führen

Klimaentwicklungen bieten viele Phänomene, die auf den ersten Blick paradox und geradezu unlogisch erscheinen. So könnte die Erderwärmung bereits kurzfristig für härtere Winter mit kräftigen Schneefällen in Europa sorgen, wie ein Forschungsteam um Hannah Bailey von der Universität von Oulou, Finnland in einer neuen Studie herausfand.

 

 

Der Verlust des arktischen Meereises wurde schon früher mit strengen kalten und schneereichen Wintern mittlerer Breite in Verbindung gebracht. Die genauen Mechanismen und eine direkte Verbindung bleiben jedoch aufgrund begrenzter Beobachtungsergebnisse schwer fassbar. Bailey und ihr Team nahmen deshalb atmosphärische Wasserdampfisotopenmessungen aus dem arktischen Finnland vor, während der „Bestie aus dem Osten“ – einem schweren antizyklonischen Polarstrom, der im Februar 2018 in ganz Europa starken Schneefall und eisigen Temperaturen verursachte.

 

 

Sie stellten fest, dass die ungewöhnlich warme Barentssee mit nur 60% Eis eine freie Oberfläche schuf, die diesem kalten nordöstlichen Luftstrom einen Feuchtigkeitsfluss von bis zu 9,3 mm d – 1 zuführte. Außerdem verdampften dort zu dieser Zeit ungefähr 140 Gigatonnen Wasser, was wohl etwa 88% des entsprechenden Neuschnees über Nordeuropa lieferte.

 

Wintereinbruch Deutschland
Aufgrund kalter arktischer Luftmassen ereignete sich dieses Jahr auch in Deutschland vielerorts ein ungewöhnlich später Wintereinbruch.

Reanalysedaten zeigen, dass von 1979 bis 2020 die Nettoverdunstung im März über die Barentssee um ungefähr 70 kg pro Quadratmeter verlorenem Meereis zunahm (r2 = 0,73, P <0,01), gleichzeitig nahm auch mit 1,6 mm (Wasseräquivalent) pro Jahr der maximale Schneefall in Europa zu. Zunehmende Verdunstung und extremer Schneefall stehen also in direkter Korrelation. Je mehr das Eis in der Barentsee also abnimmt, umso mehr müssen wir in Europa also frieren.


Modernes Menschengehirn ist jünger als bislang gedacht

Das Gehirn moderner Menschen unterscheidet sich von dem von Menschenaffen in Größe, Form und kortikaler Organisation, insbesondere in Frontallappenbereichen, die an komplexen kognitiven Aufgaben wie sozialer Kognition, Werkzeuggebrauch und Sprache beteiligt sind. Wann diese Unterschiede während der menschlichen Evolution auftraten, ist eine Frage in vielen laufenden Debatten.

 

 

In ihrer Aktuellen Studie fanden Marie S. Ponce de Léon und ihr Forschungsteam heraus, dass die Gehirne des frühen Homo erectus aus Afrika und Westasien (Dmanisi) eine primitive, menschenaffenähnliche Organisation des Frontallappens beibehalten haben. Im Gegensatz dazu zeigten Fossilien aus der Population des afrikanische Homo erectus, der vor weniger als 1,5 Millionen Jahren lebte, sowie solche aus der gesamten südostasiatischen Homo erectus-Population eine eher abgeleitete, menschenähnliche Gehirnorganisation.

 

 

Die Reorganisation des Frontallappens, die einst als Kennzeichen des frühesten Homo in Afrika galt, entwickelte sich daher vergleichsweise spät und auch sehr lange nachdem sich die Gattung Homo zum ersten Mal den afrikanischen Kontinent verlassen hatte.


Forscher finden Fußabdruck von winzig kleinem Dino – vielleicht einem Baby-Stegosaurier?

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Anthony Romilio von der University of Queensland, Australien stieß in Xinjiang, China auf eine nur 5,7cm große Fährte aus der unteren Kreidezeit, die sie anhand typischer Abdruckmerkmale einem Mitglied des Ichnogenus „Deltapus“ zuordnen konnten. Dieses Ichnogenus wird hauptsächlich als Fußspur von Stegosauriern interpretiert. In einer neuen Studie beschrieben die Forscher ihren Fund.

 

 

Das Problem dabei: der Abdruck ist winzig. Andere bekannte Stegosaurier-Abdrücke sind mit 30 bis sogar 80cm deutlich größer. Möglich ist also, dass hier vor etwa 115 Millionen Jahren ein noch sehr junges Stegosaurier-Baby auf Wanderschaft war, oder dass es sich um ein bereits ausgewachsenes, aber aufgrund sogenannter Inselverzwergung nur sehr kleines Exemplar handelte. Auf Inseln werden manche Tiere infolge der Anpassung an einen kleineren Lebensraum im Laufe der Evolution immer kleiner.

 

Baby Stegosaurus
Der Baby-Stegosaurier von Xinjiang – zusammen mit seiner Familie. Lebendrekonstruktion von Kaitoge.


Perm-Massenaussterben vollzog sich an Land deutlich langsamer als in den Meeren

Fünfmal kam es in der Erdgeschichte zu gewaltigen Massenaussterben, bei denen sich die Entwicklungsbahn des Lebens grundlegend und dauerhaft veränderte. Das Massenaussterben am Ende des Perms war dabei die bei weitem schwerste dieser biotischen Krisen. Besonders die Fossilien Südafrikas bieten einen Einblick in die Dynamik des Massensterbens, bzw. wie es sich an Land vollzog.

 

 

Pia Viglietti vom Field Museum of Natural History in Chicago analysierte für ihre neueste Studie zusammen mit ihrem Forschungsteam die Datensätze von 588 permischen Tetrapoden aus 13 stratigraphischen Schichten mit einem Alter von in Durchschnitt jeweils 300.000 Jahren. Dabei konnten sie nachweisen, dass die Anzahl der Arten in den höheren Schichten nur langsam abnahm, und dass sich die Aussterbewelle dort über mindestens eine Million Jahre lang hinweg zog. Dies steht im starken Gegensatz zum Aussterben in den Meeren, wo viele Arten deutlich plötzlicher verschwinden. Zu jener Zeit, vor etwa 252 Millionen Jahren, verloren die säugetierähnlichen Synapsiden ihre dominante Stellung an die Archosaurier – die Vorfahren der Krokodile, Flug- und Dinosaurier.

 

Lystrosaurus Herde Massenaussterben
Eine Gruppe Lystrosaurus erlebt einen schrecklichen Tag am Ende des Perm. Lebendrekonstruktion von Gina Viglietti.

 

Eine Ausnahme stellt hier der erfolgreiche Lystrosaurus dar, der als einziger Synapsid wohl zu den Gewinnern der Krise gehörte: schon zu Beginn der Krise war die Art ausgesprochen häufig; die Proben machen ca. 54% aller Fossilien aus. Zu Beginn der Trias erreichte Lystrosaurus gar eine Häufigkeit von mehr als 70%, was ihm zu einem der erfolgreichsten Landtiere aller Zeiten machte. Die Daten deuten allerdings darauf hin, dass die großen Veränderungen der Umwelt dieses Tier begünstigten, und nicht so sehr die ökologischen – vom Verlust anderer Tiere hat Lystrosaurus offenbar nur wenig profitiert.


Flugsaurier besaßen hohle, aber extrem stabile Wirbelknochen

Sie waren die ersten aktiv fliegenden Wirbeltiere und bis heute auch die bei weitem größten: die Pterosaurier, enge Verwandte der an Land lebenden Dinosaurier. Einige Arten, dabei besonders hervorstechend die Familie der Azhdarchidae, brachten wahre Giganten hervor, die am Boden so groß waren wie Giraffen und Flügelspannweiten von über 10m besaßen.

 

Das Geheimnis ihres Gigantismus lag unter anderem in ihrer Knochenanatomie begründet. Cariad J. Williams und seine Kollegen untersuchten für ihre neue Studie die fossilen Überreste eines Azhdarchiden aus Marokko, Alanqa sp. mithilfe von Röntgen-Computertomographie. Dabei zeigte sich eine komplexe innere Struktur in den eigentlich hohlen Wirbeln: eine Art Rohr-in-Rohr-System, sogenannte Trabekel, die rings um den Nervenkanal verlaufen, stützt die Knochen, ganz ähnlich wie die Speichen in einem Fahrradreifen. Belastungssimulationen zeugten, dass schon 50 dieser Trabekel die maximale Knicklast um bis zu 90% erhöhen.

 

Alanqa saharica
Lebendrekonstruktion des Pterosauriers Alanqa saharica von Davide Bonadonna.

 

Der Hals des Flugsauriers, der in der späten Unterkreide vor etwa 100 Millionen Jahren lebte, war dadurch so stabil, dass ein Alanqa mühelos auch schwere Beutetiere mit seinem Schnabel packen und ohne Halsschmerzen heben konnte. Die Simulationen ergaben Belastungsgrenzen von über 12kg, was schwerer ist, als es Alanqa höchstwahrscheinlich selbst war.


Erste klare Belege für die Auswirkungen des menschengemachten Klimawandels

Änderungen der atmosphärischen Zusammensetzung, wie z. B. zunehmende Treibhausgase, verursachen ein anfängliches Ungleichgewicht im Klimasystem der Erde, das als augenblicklicher Strahlungsantrieb bezeichnet werden kann. Dieses grundlegende Prinzip konnte weltweit bislang aber noch nicht direkt beobachtet werden, und frühere Schätzungen stammen bloß aus Modellrechnungen. Aus diesem Grund fanden sich auch immer wieder Kritiker, die den Einfluss des Menschen auf das Klima infrage stellten und sogar leugneten – die direkte Nachweisbarkeit war in der Tat ein Problem und Basis vieler populistischer Gegenrhetorik zu den Forderungen nach mehr Klimaschutz.

 

 

Ein wesentlicher Grund der Problematik bei der Nachweisbarkeit besteht darin, dass derzeitige weltraumgestützte Instrumente den momentanen Strahlungsantrieb nicht von der Strahlungsantwort des Klimas unterscheiden können. In einem ganz neuen Ansatz wendeten Ryan Kramer und seine Kollegen von der NASA nun Strahlungskerne auf Satellitenbeobachtungen an, um diese Komponenten zu entwirren. Sie stellten in ihrer Studie fest, dass der augenblickliche Strahlungsantrieb des gesamten Himmels von 2003 bis 2018 um 0,53 bis 0,11 Watt pro Quadratmeter gestiegen ist, was steigende Temperatur-Trends im gesamten planetaren Strahlungsungleichgewicht erklärt.

 

 

Dieser Anstieg ist ganz direkt auf eine Kombination aus steigenden Konzentrationen gut gemischter Treibhausgase und jüngsten Reduzierungen der Aerosolemissionen zurückzuführen. Diese Ergebnisse sind ein kennzeichnender Fingerabdruck anthropogener Aktivität. Im sich ändernden Energiebudget der Erde ist also der Mensch ein entscheidender Faktor, wie nach Beobachtungen aus den letzten vier Jahren festgestellt werden konnte.


Orretherium tzen: Neues kreidezeitliches Beuteltier aus Südchile entdeckt!

Lange Zeit galten Säugetiere während des Erdmittelalters als kleine, unscheinbare Randfiguren, die unter der Herrschaft der Dinosaurier ein Schattendasein führten. Dieses Bild musste aber in den letzten Jahrzehnten revidiert werden: Säugetiere waren während des Mesozoikums schon sehr vielfältig und besetzten viele unterschiedliche ökologische Nischen.

 

Augustín G. Martinelli vom Museo Argentino de Ciencias Naturales und sein Forschungsteam beschrieben in ihrer jüngsten Arbeit ein neues Säugetier aus der Gruppe der ausgestorbenen Beuteltier-Gruppe der Mediolestida, von dem im der Dorotea Formation im Süden Chiles ein Teilkiefer mit fünf Backenzähnen und ein einzelner Prämolar gefunden wurde. Nach ihrer phylogenetischen Analyse könnte Orretherium tzen, wie sie das Tier nannten, an der Basis dieser Tiergruppe stehen, die bis zum Miozän auf mehreren Kontinenten vorkam. Der Gattungsname des Tieres bedeutet „Fünfzähniges Biest“.

 

Orretherium
Orretherium tzen zusammen mit einem gewaltigen Titanosaurier. Lebendrekonstruktion von Mauricio Alvarez.

 

Orrotherium lebte vor etwa 74 Millionen Jahren während des Campaniums (Oberkreide) an der Seite mehrerer anderer Säugetiere, aber auch großer Dinosaurier wie z.B. der gewaltigen Titanosaurier. Es wird angenommen, dass das Tier ein Pflanzenfresser war und etwa die Größe eines Kaninchens erreichte.


Überleben durch Ernährungsumstellung: wie die Wölfe dem Klimawandel trotzten

Beim sogenannten Quartären Massenaussterben am Ende des Pleistozäns verschwanden auf fast allen Kontinenten die Großtiere. In Europa, Nord- und Südamerika, Nordasien und Australien starb beinahe jedes Tier aus, das über 1.000kg wog, und auch ein Großteil aller mittelgroßen Tiere. Als Gründe werden der rapide Lebensraumwechsel aufgrund des Klimawandels genannt, aber auch die Bejagung durch den Menschen könnte eine Rolle gespielt haben.

 

Wolf Eiszeit
Ein Rudel alaskischer Wölfe auf der Jagd während der letzten Eiszeit. Lebendrekonstruktion von Julius Csotonyi.

 

Manche Tiere überlebten jedoch diese Aussterbewelle, wie z.B. der Wolf (Canis lupus). Wie er das im Gegensatz zu vielen anderen Arten schaffte, war Gegenstand einer neuen Studie eines Kanadisch-U.S.-amerikanischen Forschungsteams unter der Leitung von Zoe Landry von der Carleton University in Ottawa (Kanada). Die Forscher untersuchten, ob und wie sich die Ernährung grauer Wölfe aus dem Yukon-Territorium vom Pleistozän (vor rund 50.000 Jahren) zum jüngsten Holozän (1960er Jahre) geändert hat, indem sie die Isotope aus dem Zahnschmelz fossiler und rezenter Wölfe analysierten. So konnten sie herausfinden, woraus die Nahrung der Wölfe im Detail bestand, was ihre Beutetiere waren und welche Teile des gerissenen Körpers sie verwerteten.

 

 

Die Forscher stellten fest, dass die Yukon-Grauwölfe über Jahrtausende ihr Fressverhalten nicht geändert haben und generalistische Raubtiere geblieben sind, die sich vor allem von großen Huftierarten ernähren. Zunächst war ihre Hauptbeute das Pferd, als die Pferde in Nordamerika aber ausstarben, wichen die Wölfe auf Hirsche aus, am Yukon vor allem auf den Elch und das Karibu. Obwohl die Wölfe das Aussterben der Megafauna im Pleistozän überlebten und ein gewisses Maß an ökologischer Flexibilität zeigten, mahnen die Forscher an, dass die Nichterhaltung wichtiger Elemente ihrer gegenwärtigen Nische (z. B. Karibu) zu einem Rückgang in der Wolfspopulation führen kann. Durch den starken Einfluss des Menschen auf die Ökosysteme des borealen Waldes könnte auch ein Überlebenskünstler wie der Wolf eines Tages bedroht sein.


Frühmenschen waren alle Fleischfresser!

Wie hat sich die Ernährungsweise des Homo sapiens und die seiner Vorfahren auf die menschliche Evolution ausgewirkt? Miki Ben-Dor und Ran Barkai von der Universität Tel Aviv (Israel) und Raphael Sirtoli von der Universität Minho (Portugal) sind dieser Frage in einer neuen Arbeit auf den Grund gegangen. Sie rekonstruierten die Ernährung unserer Vorfahren während des Pleistozäns, indem sie Ergebnisse verschiedener Studien miteinander abglichen: Daten aus der Physiologie und Genetik, Archäologie, Paläontologie und Zoologie wurden dabei bemüht.

 

Die Daten zeigen, dass sich der Mensch schon recht früh in seiner Entwicklungsgeschichte von einem zumeist pflanzlich essenden Omnivore zu einem Opportunisten mit der Präferenz auf tierische Nahrungsquellen entwickelte. Einen ersten Höhepunkt erlebte die jagende Lebensweise mit Homo erectus, bei dem manche Populationen fast ausschließlich von Fleisch lebten. Um ihren Nährstoffbedarf zu decken, verzehrten sie aber natürlich nicht nur das Muskelfleisch ihrer Beute, sondern auch das Knochenmark und ihre Innereien. Die bislang immer angenommene „Jäger- und Sammler-Gesellschaft“ hat es also zunächst gar nicht gegeben: auch bis lange nach dem ersten Auftreten des Homo sapiens waren alle (Früh-)Menschen vor allem bloß Jäger.

 

Homo hablilis
Eine Gruppe Frühmenschen (Homo habilis) beim verzehren eines frischen Kadavers. Lebendrekonstruktion von Mauricio Antón.

Eine starke Umkehrung dieses Trends zeigt sich erstmals im Oberen Paläolithikum (späte Altsteinzeit), die sich im Neolithikum verstärkte und mit dem Aufkommen der Landwirtschaft gipfelt. Erst dann nahmen wieder Pflanzen, vor allem Feldfrüchte einen größeren Anteil an der Ernährungszusammensetzung des Menschen ein als Fleisch. Ein wichtiger Grund für die „Erfindung“ von Sesshaftwerdung und Landwirtschaft war wahrscheinlich das Verschwinden der pleistozänen Großtiere.


Sauropoden hatten einen ausgezeichneten Riecher!

Die Untersuchung der Sinnesleistungen ausgestorbener Tiere liefert Hinweise auf ihre Biologie und ihr Verhalten. Besonders der Geruchssinn ist dabei von Bedeutung, da er für eine ganze Reihe von Aufgaben wie Nahrungssuche, Fortpflanzung, frühzeitigem Wahrnehmen von Raubtieren und auch zur sozialen Interaktion eingesetzt wird. In einer neuen Studie beschäftigte sich Rodrigo Temp Müller von der Universidade Federale de Santa Maria (Brasilien) zum ersten Mal ausführlich mit der Geruchsschärfe der Sauropoden, also der großen langhalsigen Pflanzenfresser. Da gut erhaltene Sauropodenschädel rar sind, ist eine genauere Untersuchung ihrer Sinnesleistung schwierig.

 

Sauropoden Nase

 

Temp Müller berechnete das Riechverhältnis (Verhältnis zwischen der Größe der Riechkolben und der Gehirnhälften) einiger Sauropodomorphen und fand dabei heraus, dass dieses Verhältnis mit zunehmender Körpermasse interessanterweise zunimmt. Darüber hinaus ist das Geruchsverhältnis der frühen Sauropodomorphen unabhängig von der Ernährung signifikant hoch und deutlich besser als das anderer Dinosaurier mit ähnlicher Körpermasse. Sauropodomorphen hatten demnach wohl alle einen ausgezeichneten Geruchssinn. Nach den vorliegenden Ergebnissen spielte das Geruchssystem eine wichtige Rolle in der gesamten Evolutionsgeschichte der Sauropodomorphen.


Treibhausgase an der Perm-Trias-Grenze versechsfachten sich: ein gewaltiges Massenaussterben war die Folge

Das Massenaussterben an der Perm-Trias-Grenze vor etwa 252 Millionen Jahren war das mit Abstand schwerste in der ganzen Erdgeschichte. Zwischen 80 und 90% aller Arten starben damals aus, über mehrere Jahrtausende hinweg An Land vollzog sich das große Sterben deutlich langsamer als in den Ozeanen. Kennzeichnend für diese schreckliche Zeit ist eine massive Freisetzung von Kohlenstoff in das Ozean-Atmosphäre-System der Erde. Hohe CO2-Emissionen haben einen massiven Treibhauseffekt verursacht und damit zu einem plötzlichen und langanhaltenden Klimawandel geführt. Das Ausmaß dieser CO2-Emissionen konnte bislang aber noch nicht wissenschaftlich bestimmt werden. Grund genug für Yuyang Wu von der University of Geosciences in Wuhan (China) und sein Forschungsteam, sich näher mit diesem Thema zu befassen.

 

 

Anhand von Proben, die aus Pflanzenfossilien aus jener Zeit gewonnen wurden, nahmen sie für ihre Studie eine hochauflösende Isotopenanalyse vor, um den atmosphärischen CO2-Gehalt am Ende des Perms zu erfassen. Dabei kam heraus, dass sich das Treibhausgas in der Atmosphäre in nur etwa 75.000 Jahren versechsfachte: von einem Wert, der zu Beginn mit etwa 426 ppm (Parts per Million, also 0,0426%) nur knapp über dem heutigen Niveau lag, stieg er binnen weniger Jahrzehntausende auf ca. 2507ppm. Da auch die Meeresoberflächentemperaturen in diesem Zeitraum signifikant anstiegen, wird hier ein Zusammenhang vermutet.

 

Massenaussterben Perm Trias
Künstlerische Darstellung des Massenaussterbens an der Perm-Trias-Grenze von Julio Lacerda.

Die Modellierung der Massenbilanz legt nahe, dass vulkanisches CO2 wahrscheinlich nicht allein der Auslöser für die Störung des Kohlenstoffkreislaufs war. Bei komplexen Wechselwirkungen mit dem Vulkanismus des Sibirischen Trapps traten wahrscheinlich auch große Mengen an 13C-abgereicherter Kohlenstoffemission aus organischer Substanz (z.B. bei schweren Wald- und Kohlebränden) und Methan hinzu.


Auf den Spuren der Neandertaler von Iberia

Die iberische Halbinsel gehört zu den bedeutendsten Fundorten für Neandertaler-Fossilien Europas. In Spanien und Portugal wurden nicht nur Knochenfossilien unserer Schwesterspezies gefunden, sondern auch viele Werkzeugfunde. Zu den jüngsten Funden zählt eine Fährte, bestehend aus 87 Fußabdrücken, die im Coto de Doñana in Südwestspanien, unweit von Sevilla entdeckt wurden.

 

 

Wie eine Forschergruppe um Eduardo Mayoral von der Universidad de Huelva herausfand, entstand die Fährte vor etwa 100.000 Jahren. Morphometrische Vergleiche, hochauflösende digitale photogrammetrische 3D-Modelle und detaillierte Sedimentanalysen führten in einer neuen Studie zu dem Ergebnis, dass die Fußabdrücke an der Küste eines hypersalinen Sumpfgebiets hinterlassen wurden. Die Spuren zeigen eine abgerundete Ferse, einen Längsbogen, relativ kurze Zehen und einen adduzierten Hallux und repräsentieren die älteste Aufzeichnung der Neandertal-Fußabdrücke im oberen Pleistozän der ganzen Welt. Von diesen 87 Fußabdrücken sind 31 in Längsrichtung vollständig und messen 14 bis 29 cm. Die Urheber dürften demnach eine Statur von etwa 104 bis 188cm Körpergröße gehabt haben. Die Hälfte der Spuren stammt von Personen, die zwischen 130 und 150cm groß gewesen sein dürften.

 

 

Diese große Bandbreite der Fußabdrücke lässt auf die Existenz einer sozialen Gruppe schließen, mit Personen verschiedener Altersklassen, wobei hier vor allem Jugendliche unterwegs gewesen sind. Da manche Spuren einen großen Abstand aufweisen, sind einige der Verursacher offenbar gerannt, während andere langsam gegangen sind. Vielleicht haben die Kids Schabernack getrieben und sich gegenseitig gejagt? Das weiß man natürlich nicht. Trotzdem offenbart die Fährte einen interessanten Einblick in ein ökologisches Szenario der in Küstengebieten etablierten Neandertaler-Familien.


Neue Studie zum „Dead Clade Walking“ (DCW)

„Dead Clade Walking“ (DCW) ist ein von David Jablonski geprägter Begriff, der fossile Gruppen bezeichnet, die bei einem Massensterben einen starken Rückgang ihrer biologischen Vielfalt erleiden, aber zunächst noch nicht vollständig aussterben. Obwohl sie teils sogar noch lange Zeit nach so einer Katastrophe noch überleben, bringen sie aber keine größere Artenvielfalt mehr hervor und sterben letzten Endes dann doch irgendwann aus – ein interessanter Aspekt über die langen Nachwirkungen großer Aussterbeereignisse.

 

 

Es ist jedoch unklar, wie lange DCWs nach dem Aussterben voraussichtlich bestehen bleiben und inwieweit sie sich auf breitere Trends in der Biodiversität des Phanerozoikums auswirken können. Die amerikanischen Wissenschaftler B. Davis Barnes, Judith A. Sclafani und Andrew Zaffos analysierten für ihre jüngste Arbeit das fossile Vorkommen von 134 wirbellosen Meerestieren in Paläobiologie-Datenbanken. Dabei kam heraus, dass gut die Hälfte aller untersuchten Kladen deutlich länger überlebten, als das man sie als „knapp davongekommen“ bezeichnen könnte: im Mittel bestanden diese DCW-Tiergruppen ganze 30 Millionen Jahr fort, bevor sie verschwanden. Die langfristigen Folgen von Massenaussterben könnten also bislang grob unterschätzt worden sein. Die Studie ermöglicht uns einige neue Einblicke in die Dynamik katastrophaler Massenaussterben.


Sie fraßen auch Baby-Mammuts: Forscher analysieren Fressverhalten von Säbelzahnkatze Homotherium serum

Die Säbelzahnkatze Homotherium, die „Scimitar-Katze“, war eine der am weitesten verbreiteten Katzengattungen des Pleistozäns, die bis vor mindestens 28.000 Jahren in ganz Eurasien, Afrika und Amerika vorkam. In der Friesenhahn-Höhle in Bexar County (Texas) wurden einige besonders gut erhaltene Fossilien der Art H. serum gefunden, in direkter Nähe zu den Überresten juveniler Mammuts. Es liegt also nahe, dass junge Mammutkälber zum Beutespektrum von H. serum gehörten.

 

Homotherium
Eine Gruppe Homotherium serus reißt ein junges Prärie-Mammut (Mammuthus columbi). Lebendrekonstruktion nach Mauricio Antón.

Um diese These zu überprüfen, analysierten Larisa R. G. DeSantis und ihr Forschungsteam den Zahnschmelz der Homotherium-Fossilien, um festzustellen, was das Tier zu Lebzeiten gefressen hatte. Dabei stellte sich heraus, dass H. serum sowohl weiche und zähe Nahrung konsumierte, ähnlich wie ein Gepard, er aber die Knochen seiner Beute nicht anrührte, wie es etwa Löwen und Hyänen tun. Stabile Kohlenstoffisotopenwerte weisen außerdem auf eine klare Präferenz für große Grasfresser hin, einschließlich juveniler Mammuts. Offenbar jagte H. serum bevorzugt im offenen Gelände, wogegen sein Verwandter Smilodon fatalis, die wohl berühmteste Säbelzahnkatze, eher im Wald seiner Beute auflauerte.


Demografische Anfälligkeit war wohl kein Faktor beim pleistozänen Massenaussterben in Australien

Wieso starben so viele Großtiere am Ende des Pleistozäns aus? Dieser Frage widmeten sich Corey Bradshaw und sein Forschungsteam in einem neuen Paper, in dem sie speziell den großen Artenschwund der Sahul-Megafauna (Australien) untersuchten. Dabei betrachteten sie 13 ausgestorbene Spezies und verglichen dazu verschiedene Datensätze, um das ihr Aussterben chronologisch richtig einzuordnen und herauszufinden, welche Arten schnell, welche Tiergruppen besonders oft und welche eher langsam und selten vom Aussterben betroffen waren. Dabei wurde vor allem die demografische Anfälligkeit betrachtet: trugen Tiere, die vorher schon selten waren, ein höheres Aussterberisiko? Und hatten eher häufige Tiere eine bessere Chance, weiterzuleben?

 

 

Die ermittelten Modelle zeigen, dass die Makropodiformes (Großgruppe der Beuteltiere) am wenigsten vom Aussterben bedroht waren, gefolgt von Raubtieren, Monotremata (Kloakentiere), Wombats, Pflanzenfressern und großen Vögeln. Es gab außerdem keine eindeutige Beziehung zwischen der demografischen Anfälligkeit für Aussterben und der Chronologie des Aussterbens, allerdings zwischen Körpermasse und Generationslänge: besonders massige Tiere, die lange bis zur Geschlechtsreife brauchten, trugen ein höheres Risiko, auszusterben.

 

Australische Megafauna

 

Die Daten zeigen außerdem, dass die tatsächlichen Mechanismen, die zur beobachteten Chronologie des Aussterbens führten, wahrscheinlich aber eher nicht mit diesen Risiko der demografischen Anfälligkeit allein zusammenhängen, sondern möglicherweise stattdessen durch weitere Faktoren wie den Klimawandel und / oder die Bejagung durch den Menschen begünstigt wurden.


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Theropoden-Fährte an der Küste von Yorkshire entdeckt

 

 

Und zu guter Letzt ein Artikel, der wieder einmal beweist, dass „Die weißen Steine“ doch gar nicht so sehr ein Science-Fiction-Roman ist, sondern ziemlich viel Wahres beinhaltet: Forschungslabore unter der Erde bzw. dem Eis gab es nämlich wirklich!

 

Camp Century – Stadt unter dem Eis


Eigene Artikel:

Die Geschichte unserer Erde – Episode VI: Das Ordovizium

Tierprofil: Cimolopteryx rara

Tierprofil: Ankylosaurus magniventris

Tierprofil: Hadrurus sylvestris


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Aufstieg und Fall der Dinosaurier: Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten

Noch immer haftet den Dinosauriern das Image der schwerfälligen, primitiven Monster an, die zu groß waren, um zu überleben. Doch bevor sie von der Erdoberfläche verschwanden, beherrschten die faszinierenden Giganten über 150 Millionen Jahre lang unseren Planeten. Modernste Technologien und spektakuläre Funde erlauben nun neue Einblicke in ihre Erfolgsgeschichte. Steve Brusatte, einer der führenden Paläontologen der Welt, führt uns anschaulich durch das untergegangene Reich der Dinosaurier. Lebendig erzählt er ihre Geschichte von den ersten Rieseneidechsen bis zum Aussterben. Dabei gibt er spannende Einblicke in seine Forschung und berichtet von spektakulären Ausgrabungen, etwa von Fleischfressern, die sogar größer waren als der Tyrannosaurus rex.

 

Aufstieg und Fall der Dinosaurier: Eine neue Geschichte der Urzeitgiganten ist 2018 erschienen und hat sich sofort zum Bestseller entwickelt. Es hat 416 gebundene Seiten und kostet € 25,90


Das war es für heute mit dem Wort zum Sonntag. Ich hoffe, das Lesen hat dir Spaß gemacht. In letzter Zeit ist wirklich ungeheuer viel los in der Welt der Urzeitforschung, sodass ich mit dem Abfassen der Nachrichten kaum noch hinterher komme. Das liegt z.T. auch an der Corona-Krise, denn deshalb finden jetzt schon zum zweiten Mal kaum noch größere Grabungen statt, was den Forschern eine Menge Zeit verschafft, über liegengebliebenes Material zu schreiben. Ich rechne also auch dieses Jahr nicht mit einem „Sommerloch“, also darfst du gerne gespannt sein, was sich in den nächsten Wochen noch so tut. Hier erfährst du alles natürlich ganz frisch, versprochen!

 

Alles Gute für dich, bleib gesund und hab noch einen schönen Sonntag!

 

Dein Markus Peter Kretschmer

 




Mein Wort zum Sonntag – 11. April 2021

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Ostern ist gekommen und gegangen, und wieder war es für die meisten ein einsames Osterfest. Ein halbes Jahr stecken wir nun im Lockdown. Viele Menschen haben ihre Existenzen verloren, viele weitere sogar ihr Leben an eine schreckliche Krankheit, der wir auch nach mehr als einem Jahr immer noch nicht Herr geworden sind. Während wir letztes Jahr noch als Musterbeispiel für Krisenmanagement und Seuchenbekämpfung gefeiert wurden, sind die Deutschen nun weltweit zu einer Lachnummer geworden. Positive Nachrichten gibt es fast ausschließlich aus anderen Staaten. Sogar aus denen, die anfangs alles falsch zu machen schienen, von Pandemieleugnern und inkompetenten Clowns regiert wurden, kommen derzeit Meldungen, dass bereits große Teile der Bevölkerung geimpft sind, dass die schreckliche Todeskurve sich abflacht und dass man in wenigen Wochen das Thema „Corona“ als schlimmen Auftakt der 20er Jahre endlich abhaken und wieder positiv in die Zukunft schauen kann.

 

Nur nicht bei uns. In Deutschland löst sich eine Panne nach der anderen ab, ein Skandal jagt den nächsten. Totò, ein bekannter italienischer Schauspieler, sagte einst: „In einer Krise suchen die Intelligenten nach Lösungen. Schwachköpfe suchen nach Schuldigen.“ Deshalb möchte ich mich hier jetzt nicht wieder in Rage schreiben, denn erstens hat Totò natürlich recht, und zweitens wissen wir alle ohnehin, wer die Schuldigen sind. Damit auch wir den Mut wiedergewinnen, lasst uns an das denken, was in den letzten Tagen positiv gemeldet wurde: erstens sind die Fallzahlen derzeit gottseidank doch (noch) nicht so hoch, wie viele befürchtet hatten. Zweitens geht das Impfen jetzt endlich etwas schneller voran, weil nun endlich auch die Hausärzte impfen dürfen. Hoffen wir darauf, dass unsere Regierung endlich zur Einsicht kommt und auch andere bürokratische Hürden endlich aus dem Weg schafft, damit auch wir uns endlich auf ein Licht am Ende des Tunnels freuen können.


Ostergewinnspiel

Freuen kann sich auch die leider einzige Teilnehmerin meines Ostergewinnspiels. Schade, dass meine Ostereiersuche mit so wenig Enthusiasmus angenommen wurde, aber Glück für Sanna Bonnec, zu der sich nun ein handsigniertes Exemplar von „Die weißen Steine – Neue Alte Welt“ auf den Weg macht. Herzlichen Glückwunsch!

 

Ostern Stego


Ankündigungen

Pssst… Es gibt Neuigkeiten zur Fortsetzung! Ich stehe gerade in Verhandlungen mit einem neuen Verlag über die Fortführung meiner Buchreihe. Am kommenden Dienstag werde ich voraussichtlich dort meinen Vertrag unterschreiben. Zuerst wird Band I „Neue Alte Welt“ dort noch einmal neu aufgelegt. Band II „Blut der Sonne“ wird dann aber ebenfalls noch diesen Sommer erscheinen! Ich bin endlich sehr optimistisch, dass es nun wirklich weitergeht!


Bild der Woche

Wort zum SonntagDrei Thescelosaurus-Jungtiere spielen im Unterholz und jagen eine Palaeolibuella. Zwar ernährt sich ein Thescelosaurus fast ausschließlich vegetarisch, einem proteinreichen Leckerbissen wie der geschickten Libelle können sie aber nicht widerstehen. Das Artikelbild stammt von Damir G. Martin (Dinosaurs in the Wild).


Paläo-News

Da wir am Osterwochenende einmal ausgesetzt haben, kommen die Paläo-News diesmal aus drei dann doch ziemlich ereignisreichen Wochen. Obwohl vor Ostern kaum Meldungen bei mir reinkamen, überschlugen sich die Nachrichten in der letzten Woche geradezu, sodass ich mit dem Abfassen gar nicht mehr hinterherkam. Freut euch nun also auf spannende Neuigkeiten aus der Welt der Urzeitforschung!


Schwämme sind unsere „Geschwister“, Quallen nicht.

Auch nach langen Jahren der phylogenetischen Forschung, also an der Abstammungsgeschichte der Lebewesen, herrscht noch in vielen Bereichen Unsicherheit, sogar über die Position ganzer Tierstämme. Die Schwämme beispielsweise, die durch ihren einfachen Körperplan gekennzeichnet waren, wurden traditionell als Schwestergruppe aller anderen Tierlinien angesehen. Die Tiere seien von einfachen Einzellern zu komplexeren Quallen- oder Schwämmen-Kolonien und schließlich zu höheren Mehrzellern geworden.

 

 

Neue genetische Studien haben diese Annahme aber auf den Prüfstand gestellt. Anthony K. Redmond und Aoife McLysagcht konnten durch neuartige Analysemethoden die systematischen Fehler verringern, die häufig angewandte phylogenetische Modelle behindern. Sie analysieren wichtige Datensätze erneut und zeigten, dass die partitionierte Phylogenomik die Rippenquallen als Schwester anderer Tiere weder auf der Supermatrix- noch auf der partitionierungsspezifischen Ebene unterstützt. Stattdessen stehen nun die Schwämme als Schwesterlinie neben allen andern höheren Tieren, die sich schon im Ediacarium oder sogar im Cryogenium von unseren eigenen Vorfahren (Eumetazoa) trennten.

 


Congruus kitcheneri: ein baumbewohnendes Känguru aus dem Pleistozän

Bereits 1989 wurden in der Mammoth Cave in Südwestaustralien, wo man außerdem mehrere Fossilien des Beutellöwen (Thylacoleo carnifex) fand, Zähne und Kieferknochen eines prähistorischen Kängurus gefunden, dass die Entdecker zunächst den Wallabys, genauer der Gattung Wallabia zuordneten. Eine neue Studie von Natalie M. Wartbutton und ihrem Kollegen Gavin J. Prideaux konnte jedoch auch weiteres Fossilmaterial den etwa 40.000 Jahre alten Erstfunden beistellen. Das Material weist genug Alleinstellungsmerkmale auf, um es in einer eigenen, neuen Gattung zu führen. So heißt das „neue“ Känguru nun Congruus kitcheneri.

 

 

Das zierliche Kleinkänguru unterscheidet sich von allen anderen Wallabys durch eine höchst ungewöhnliche Tasche in der Wand der Nasenhöhle. Durch mehrere andere Körpermerkmale, wie die hohe Beweglichkeit seiner Hand- und Ellenbogengelenke und die stark zurückgebogenen Zehenknochen ähnelte Congruus kitcheneri wohl am ehesten den Baumkängurus. Wahrscheinlich war es ein semiarboreales Tier: das bedeutet, dass es teils am Boden lebte, aber auch dazu neigte, langsam durch Bäume zu klettern. Dies ist der wäre der erste Nachweis für die sekundäre Übernahme einer Klettergewohnheit bei dieser Kronengruppe der Wallabys.


Amerikanische Ureinwohner gehörten zu den frühesten Kupferschmieden

Vor etwa 8500 Jahren stellten Jäger und Sammler, die am Eagle Lake in Wisconsin lebten, bereits eine konische, 10 Zentimeter lange Projektilspitze aus reinem Kupfer aus. Der fein gearbeitete Punkt, mit dem unwahrscheinlich Großwild gejagt wurde, zeigt, wie fortschrittlich die frühen Kulturen Nordamerikas bereits waren – Jahrtausende vor denen Europas!

 

 

Eine neue Untersuchung dieses Artefakts und anderer Spuren des prähistorischen Bergbaus durch David Pompeani, Geologe an der Kansas State University und sein Forschungsteam ließ darauf schließen, dass die sogenannte alte Kupferkultur dort viel früher als gedacht entstand und dann auf mysteriöse Weise wieder verloren ging. Daten zeigen, dass die frühen amerikanischen Ureinwohner zu den ersten Menschen auf der Welt gehörten, die Metall abgebaut und zu Werkzeugen verarbeitet haben. Die Forscher vermuten, dass ein regionaler Klimawandel für den Niedergang der Metallurgie verantwortlich war und die Menschen dann wieder zu Stein- und Knochenwerkzeugen zurückkehrten. Heute findet man nur noch die Relikte dieser einstigen Vorreiter: Sie hinterließen Tausende von Minen und unzählige Kupferartefakte, darunter tödliche Projektilspitzen, schwere Messer und Äxte sowie zierliche Angelhaken, die oft auch schon von privaten Sammlern gefunden wurden.


Neufundland: stießen Forscher hier auf die ältesten bekannten Überreste der Vorfahren der Kraken und Tintenfische?

Cephalopoden, zu Deutsch „Kopffüßer“ gehören zu den Vielseitigsten Meeresbewohnern und haben eine ebenso lange Erfolgsstory wie die Wirbeltiere. In manchen Zeitaltern gehörten sie sogar zu den häufigsten als Makrofossil überlieferten Lebewesen überhaupt, und wahrscheinlich hat jeder Fossilienfreund so einige von ihnen in seiner Sammlung. Ammoniten und Belemniten (Donnerkeile) dienen Forschern auch als Leitfossilien, um das Alter von Gesteinen zu bestimmen. Heute sind Kraken, Kalmare, Tintenfische, Nautili und viele andere Kopffüßer ebenfalls noch sehr erfolgreich, und einige sind außerdem mit einer beachtlichen Intelligenz ausgestattet, die sich durchaus mit der von Delfinen, Papageien und sogar Primaten messen kann.

 

 

Der Ursprung der Cephalopoden liegt aber immer noch im Dunkeln der Erdgeschichte. Das Problem: ihre weichen Körper erhalten sich sehr schlecht als Fossil, und die harten Teile ihres Körpers sind sehr formenreich, sodass eine Zuordnung ziemlich knifflig werden kann. Anne Hildebrand von der Universität Heidelberg und ihr Forschungsteam beschreiben in ihrer aktuellen Studie einen möglichen Cephalopoden aus den Ablagerungen des Kambriums in Neufundland. Mit einem Alter von rund 522 Millionen Jahren ist dieser Fund gut 30 Millionen Jahre älter als die bislang ältesten Kopffüßer-Überreste (Plectronoceras cambria). Die Forscher fanden bei ihrer Grabung außerdem die bislang ältesten Trilobiten aus Neufundland.

 


Llukalkan aliocranianus: neuer Abelisaurier in Patagonien entdeckt

Abelisauriden gehören zu den am häufigsten vorkommenden und vielfältigsten Theropoden Südamerikas der späten Kreidezeit. Federico A. Gianechini und seine Kollegen entdeckten in der rund 80 Millionen Jahre alten Bajo de la Carpa Formation im Norden Argentiniens einen gut erhaltenen Schädel, der zu einem Vertreter aus der Untergruppe der Furileusaurier gehört. Aufgrund einiger einzigartiger Merkmale, u.a. dem besonderen Aufbau seines Gehörs, das wahrscheinlich deutlich feiner war als das anderer Abelisaurier, konnten sie das Fossil von anderen Theropoden abgrenzen und in einer neuen Studie als Llukalkan aliocranianus neu beschreiben.

 

Lebendrekonstruktion von Llukalkan aliocranianus nach Jorge Blanco.

 

Sein engster Verwandter scheint Viavenator exxoni zu sein, der zur gleichen Zeit in derselben Gegend lebte. In Südamerika haben also gleich zwei etwa gleich große, 5 bis 6m lange Abelisaurier im gleichen Ökosystem gelebt. Wahrscheinlich waren sie auf unterschiedliche Beutetiere spezialisiert und konnten deshalb ohne große Konkurrenz füreinander koexistieren.

 

 

Der Gattungsname „Llukalkan“ ist aus der Mapuche-Sprache der Ureinwohner Patagoniens entlehnt und bedeutet so viel wie „der, der Schrecken verbreitet“. Der Artname ist eine lateinische Anspielung auf den leicht anders gebauten Schädel.


Neue Studie zur Entstehung unseres Mondes

Isotopenmessungen von Mond- und Erdgesteinen haben gezeigt, dass der Mond im Gegensatz zu jedem anderen Himmelskörper im Sonnensystem für nahezu jedes Isotopensystem nicht von der Erde zu unterscheiden ist. Diese Beobachtung widerspricht jedoch den Vorhersagen des Standardmodells für den Ursprung des Mondes, der Einschlagshypothese: Sie besagt, dass die Erde kurz nach ihrer eigenen Entstehung mit einem Zwergplaneten (Theia) kollidierte. Während Theia zum größten Teil mit der Erde verschmolz, bildete sich aus den Trümmern der Kollision zuerst ein Ring (wie z.B. beim Saturn), aus dem sich dann im Laufe vieler Millionen Jahre schließlich der Mond verdichtete.

 

 

Sune G. Nielsen, David V. Bekaert und Maureen Auro vom Department of Geology and Geophysics in Woods Hole, U.S.A. fanden in ihrer neuesten Studie heraus, dass die Zusammensetzung der Vanadium-Isotope des Mondes gegenüber der des Bulk-Silikats der Erde um 0,18 ± 0,04 Promille gegenüber dem chondritischen Wert versetzt ist. Dieser Versatz resultiert höchstwahrscheinlich aus der Isotopenfraktionierung auf der Proto-Erde während des Hauptstadiums der terrestrischen Kernbildung (also noch vor dem Riesenaufprall). Rund 80% des Mondes stammen dagegen wohl vom Impaktor (Theia), die eine chondritische Zusammensetzung haben.

 

 

Die Daten aus der Studie sprechen gegen die Möglichkeit eines Gleichgewichts nach der Theia-Kollision zwischen Erde und Mond und implizieren, dass Theia und die Proto-Erde hauptsächlich aus einem gemeinsamen Isotopenreservoir im inneren Sonnensystem stammen.


Dromornis stirtoni: Hirnschädel von australischem Riesenvogel analysiert

Die Dromornithiden gehören zu den gigantischsten Vögeln aller Zeiten. Noch zu der Zeit, als die Vorfahren der Aborigines das australische Festland erstmalig besiedelten, waren die flugunfähigen Riesenvögel noch verhältnismäßig häufig. Archäologische Funde belegen, dass diese Tiere sogar vom Menschen bejagt wurden. Die größten Arten lebten jedoch schon lange vor den ersten Menschen. Dromornis stirtoni, der größte Dromornithide, war mit einem Gewicht von mehr als einer halben Tonne der wahrscheinlich schwerste Vogel aller Zeiten, massiger sogar noch als die Riesenmoas von Neuseeland oder die Elefantenvögel von Madagaskar. Dromornithiden galten einst ebenfalls als Laufvögel, aber später wurden sie durch phylogenetische Analysen in die Nähe der Enten und Gänse gestellt.

 

Lebendrekonstruktion von Dromornis stirtoni nach Nobu Tamura.

 

In dieser einer neuen Studie beschrieben Warren D. Handley und Trevor H. Worthy zum ersten Mal den Innenaufbau der Schädel von drei Dromornithiden-Arten und verglichen ihre Daten mit denen basaler Hühner- und Gänsevögel. Dabei machten sie u.a. fünf Hauptunterschiede zwischen der Gehirnmorphologie von Ilbandornis und Dromornis fest. Außerdem weisen die Schädelmerkmale darauf hin, dass Dromornithiden enger mit Hühnervögeln als mit Gänsen verwandt waren.

 

 

Der Aufbau des im Verhältnis ausgesprochen kleinen Gehirns weist die Dromornithiden als spezialisierte Pflanzenfresser aus, die wahrscheinlich eine gut entwickelte stereoskopische Tiefenwahrnehmung besaßen, tagaktiv waren und wahrscheinlich vor allem am Boden nach Fressbarem suchten.


Devonische Neunaugen-Fossilien geben neue Einblicke in die Evolution der Wirbeltiere

Neunaugen gehören zu den frühesten bekannten Wirbeltieren. Sie kommen noch heute in allen warmen Gewässern (mit Ausnahme von Afrika) vor. Viele Arten leben parasitär, indem sie sich an größeren Wirtstieren festsaugen und mit ihrer mit feinen Zähnchen besetzten Zunge Löcher in ihre Haut bohren, um dann vom Blut des Wirts zu leben. In ihrer „Jugend“ leben Neunaugen-Larven allerdings noch in Schlick und Schlamm, wo sie Plankton filtrieren.

Die verschiedenen Stadien der kambrischen Neunaugen. Rekonstruktion von Kristen Tietjen.

Lange dachte man, dass der Lebenszyklus der modernen Neunaugen quasi als „lebende Zeitkapsel“ den Werdegang der Wirbeltiere illustrieren: von winzigen planktonfressenden Larven zum räuberischen Parasiten – so stellte man sich die Entwicklung der frühen Fische vor. Doch diese Annahme steht nach neuentdeckten Fossilien in Südafrika nun Kopf: ein internationales Forschungsteam legte dort die 360 Millionen Jahre alten Fossilien von insgesamt vier Neunaugen-Gattungen (Hardistiella, Mayomyzon, Pipiscius und Priscomyzon) aus dem Oberdevon frei.

Bei allen Arten liegen verschiedene Entwicklungsstadien fossil überliefert vor, von Larve bis zum „fertigen“ kieferlosen Fisch. Den devonischen Larven fehlen jedoch der Studie zufolge die charakteristischen Merkmale der modernen Neunaugenlarven. Sie weisen stattdessen Merkmale auf, die ansonsten nur für erwachsene moderne Neunaugen gelten. Auch sie besaßen z.B. schon den Blutsaugeapparat. Mithilfe phylogenetischer Analysen stellte das Team fest, dass die untypischen Larven in mindestens drei unabhängigen Neunaugen-Linien vorkamen. Dies impliziert, dass Neunaugen sich erst in späterer Zeit auf eine Plankton-Ernährung im Larvenstadium spezialisiert haben. Diese Lebensweise ist also keineswegs ein „primitives Relikt“, sondern hat sich erst deutlich später entwickelt. Der letzte gemeinsame Vorfahr von Neunaugen und Schleimaalen (ihren engsten Verwandten) war also wohl sein ganzes Leben lang ein Beutejäger oder Parasit.

 


Ornatops incantatus: neuer Entenschnabel-Dinosaurier aus New Mexico beschrieben

Aus dem Allison Member der Menefee Formation in New Mexico des neuesten beschriebenen Dinosauriers: in ihrer neuesten Arbeit beschrieben Andrew T. McDonald und seine Kollegen einen neuen Hadrosaurier (Entenschnabeldinosaurier) aus der Gruppe der Brachylophosaurini: Ornatops incantatus!

 

Lebendrekonstruktion von Ornatops incantatus nach Brian Engh.

 

Die Fundstelle schließt einen Abschnitt aus der späten Kreidezeit vor etwa 78 Millionen Jahren auf und eröffnet den Blick auf ein prähistorisches Ökosystem, aus dem erst seit einigen Jahren Dinosaurier bekannt sind. 2018 wurden dort bereits der Ankylosaurier Invictarx zephyri und der Tyrannosaurier Dynamoterror dynastes entdeckt. Die Dinosaurier teilten sich ihren Lebensraum auch mit einigen Krokodilen, wie z.B. Brachychampsa sealeyi sowie dem gigantischen „Monster-Croc“ Deinosuchus. Die Menefee Formation war ein tropischer Küstenstreifen am Western Interior Seaway, eines großen Binnenmeeres, das Nordamerika damals in eine Ost- und Westhälfte und viele voneinander isoliert liegende Dinosaurier-Ökosysteme teilte.

 

 

Ornatops ist dabei ein wichtiges Kettenglied zum Verständnis, wie diese Ökosysteme aufgebaut waren, und wie sich die Evolution verschiedener Dinosaurierfamilien dort vollzogen haben könnte. Er ist der südlichste bislang bekannte Brachylophosaurine und belegt, dass die Hadrosaurier ohne Kopfkamm auch noch tief im Süden Laramidias vorkamen. Sein Gattungsname bedeutet „Geschmücktes Gesicht“, der Artname „incantatus“ ist eine Anspielung an den Trivialnamen New Mexicos (State of Enchantment; „Staat der Verzauberung“).


Sinomacrops bondei: neuer winziger Flugsaurier in China entdeckt

Die Pterosaurier waren die ersten aktiv fliegenden Wirbeltiere. Als enge Verwandte der Dinosaurier war ihr Formenreichtum fast genauso vielseitig wie das ihrer an Land lebenden Vettern. Manche waren enorm groß, am Boden so hoch wie Giraffen und in der Luft so groß wie ein Sportflugzeug. Andere waren jedoch auch winzig klein, wie die Mitglieder der Anurognathidae.

 

 

Xuefang Wei und seine Kollegen beschreiben in ihrem neuesten Paper einen weiteren kleinen Flugsaurier, der in den Daohugou Beds der Tiaojishan Formation in der Provinz Hebei in China entdeckt wurde. Sinomacrops bondei, wie er getauft wurde, war kaum 15cm lang und lebte vor etwa 160 Millionen Jahren im Oberjura. Wie alle Anurognathiden besaß er einen rundlichen Kopf mit übergroßen Augen, woher sich auch sein Name ableitet: der bedeutet übersetzt so viel wie „Chinesisches Riesenauge“. Der Artname ehrt den Paläontologen Niels Bonde.

 

Lebendrekonstuction von Sinomacrops bondei nach Zhao Chuan.

 

Es wird vermutet, dass die großen Augen eine gute Nachtsicht ermöglichten und dass Anurognathiden nachts auf die Jagd nach Insekten und anderen Kleintieren gingen. Von anderen Flugsauriern seiner Familie hebt sich Sinomacrops vor allem durch seinen verhältnismäßig langen Schwanz ab.

 

Bildquelle (links): Zhao Chuang


Forscher rekonstruieren LBCA – den Urahn aller Lebewesen

Bakterien sind die am häufigsten vorkommenden Zellen auf der Erde – und auch mit Abstand die ältesten. Aufgrund der bemerkenswerten Vielfalt ihrer Stoffwechselkapazitäten und des weit verbreiteten lateralen Gentransfers ist der genaue Aufbau der allerersten Bakterien allerdings unbekannt.

 

 

Aus 1089 Referenzgenomen anaerober Bakterien konnten Joana C. Xavier von der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf und ihr Forschungsteam insgesamt 146 Proteinfamilien identifizieren, die bis zum letzten gemeinsamen Vorfahren (LBCA) aller Bakterien zurückreichen. Außerdem fanden sie heraus, dass für den Aufbau seines Stoffwechsels nur neun Basis-Gene erforderlich waren.

 

So wie diese Clostridia-Stäbchenbakterien hat LBCA wahrscheinlich zu Lebzeiten ausgesehen.

 

Die Ergebnisse der Studie zeigen weiterhin, dass LBCA eine Glukoneogenese in Richtung Zellwandsynthese durchführte und zahlreiche RNA-Modifikationen und multifunktionelle Enzyme aufwies, die ein Leben mit geringem Gengehalt ermöglichten. Wahrscheinlich war er daher stäbchenförmig aufgebaut und lebte anaerob in der Nähe unterseeischer vulkanischer Schlote, sogenannter Schwarzer Raucher. Demnach war er den modernen Clostridia-Bakterien wohl am ähnlichsten, die noch heute auf die gleiche Weise leben.


Spuren eines prähistorischen Haiangriffs: Steirische Seekuh wurde Opfer eines frühen Tigerhais

Iris Feichtinger vom Naturhistorischen Museum Wien und ihre Kollegen beschreiben in ihrer neuesten Studie die Spuren einen 15 Millionen Jahre alten Massakers: zu dieser Zeit, während des mittleren Miozäns, war das Steirische Becken noch teil eines gemäßigten Flachmeeres am Randgebiet der großen Tethys, deren Kelpwälder und Seegraswiesen von Seekühen abgeweidet wurden. Dabei mussten die friedlichen Pflanzenfresser aber immer auf der Hut sein.

 

 

Wie das fossile Teilskelett eines Jungtiers der prähistorischen Dugong-Art Metaxytherium medium zeigt, wurde es offenbar Opfer einer Haiattacke. Rippen und Wirbel der Seekuh sind von zahlreichen Bissmarken geradezu übersät, zwischen den Knochen waren sogar noch etliche Zähne zu finden, die dem ausgestorbenen Tigerhai Galeocerdo aduncus zuzuschreiben sind. Derartige Zähne sind im steirischen Becken eigentlich eher selten. Um ein zufälliges Einschwemmen auszuschließen, verwendeten die Forscher Ton und ritzen mit den Zähnen genau die gleichen Muster ein, die in Form und Struktur genau mit den Bissmarken auf dem Rippenfragment übereinstimmten.

 

Lebendrekonstruktion des prähistorischen Haiangriffs. Bildquelle: Joanneum Graz.

 

Das Fossil wurde zusammen mit den Überresten eines Engelhais (Gattung Squatina) schon 2012 von dem Hobbyfossiliensammler Gerhard Wanzenböck in einem Steinbruch in Retznei entdeckt. Der Engelhai ist zudem der erste nachgewiesene aus Österreich. In einer Sonderausstellung werden alle Fossilien nächstes Jahr im Joanneum Graz zu besichtigen sein.


Federn als Statussymbole: Archäologen erforschen kulturelle Bedeutung von Papageien bei amerikanischen Ureinwohner-Völkern

Die Federn tropischer Vögel waren eines der bedeutendsten Symbole für wirtschaftlichen, sozialen und heiligen Status unter den Ureinwohnern im präkolumbianischen Amerika. In den Anden waren fein produzierte Kleidung und Textilien mit bunten Federn tropischer Papageien ein Statussymbol für Macht, Prestige und Auszeichnung und wurden von politischen und religiösen Eliten besonders geschätzt. In einer neuen Studie berichten Forscher eines internationalen und interdisziplinären Teams um José M. Capriles über 27 Überreste von Aras und Papageien aus fünf archäologischen Stätten in der Atacama-Wüste im Norden Chiles. Die Vögel sind z.T. hervorragend erhalten und mumifiziert.

 

 

Die Forscher untersuchten mithilfe einer archäometrischen Proxy-Studie einerseits, zu welcher genauen Art sie gehörten, ermittelten ihr genaues Alter und welchem kulturellen Kontext die Vögel gedient haben könnten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Oasen-Kulturen in der Atacama während der späten Zwischenzeit (1100 bis 1450 n. Chr.) Scharlachrote Aras (Ara macao) und mindestens fünf weitere buntgefärbte Papageienarten über ausgedehnte Austauschnetzwerke erwarben, die sich über mehr als 500 km in Richtung der Tropen des östlichen Amazonas erstreckten. Die Papageien wurden vor allem mit Mais gefüttert.

 

Ara macao. Bildquelle: Wikipedia.


Bernstein als Wunderwaffe gegen multiresitente Keime?

Bernstein galt schon vor Jahrtausenden als wundersames Heilmittel – jetzt könnte sich des bestätigen. Das zermahlene Baumharz einer 44 Millionen Jahre alten Schirmtanne hat sich nun als wirksam gegen antibiotika-resistente Bakterien erwiesen. Auch den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA tötet der noch unbekannte Inhaltsstoff ab, wie Elizabeth Ambrose und Connor McDermott von der University of Minnesota bei ihrer Präsentation auf dem ACS Spring Meeting 2021 berichteten.

 


45.000 Jahre alter Menschenschädel in Tschechien birgt ältesten genetischen Nachweis von Homo sapiens in Europa

Homo sapiens – die Spezies der Vorfahren des modernen Menschen – erreichte aus Afrika kommend vor mehr als 40.000 Jahren Eurasien. Noch heute haben ihre Nachfahren 2–3% Neandertaler-Gene in ihrem Erbgut, was auf die Vermischung mit Neandertalern zurückzuführen ist, die irgendwann vor 50.000 bis 60.000 Jahren stattfand, wahrscheinlich zuerst im Nahen Osten, später auch in Europa. Dort ging die Expansion des Homo sapiens dem Verschwinden der Neandertaler um 3.000 bis 5.000 Jahre voraus, wie neue Studien belegen konnten. Das Erbgut der ersten Sapiens-Europäer, die vor mehr als 40.000 Jahren den Kontinent kolonisierten, ist nach wie vor wenig bekannt, da nur wenige Exemplare untersucht wurden.

 

 

Kay Prüfer vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena analysierte zusammen mit seinen internationalen Forschungskollegen das Genom, das aus dem Schädel eines weiblichen Individuums aus Zlatý kůň, Tschechien, gewonnen wurde, der dort bereits in den 1950gern gefunden wurde. Ihr Genom trägt etwa 3% Neandertaler-Gene, ähnlich wie bei anderen Jägern und Sammlern aus der Altsteinzeit. Die Länge der Neandertaler-Segmente ist jedoch länger als die, die im derzeit ältesten modernen menschlichen Genom des ca. 45.000 Jahre alten Ust‘-Ishim-Individuums aus Sibirien nachgewiesen wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Frau aus Zlatý kůň eine der frühesten eurasischen Einwohnerinnen ist nach der Expansion des Homo sapiens aus Afrika.

 

 

Eine Urahnin der heutigen Europäer scheint die Frau jedoch nicht zu sein: die Forscher fanden in ihrer Arbeit heraus, dass die Frau zu einer Bevölkerung gehörte, die genetisch weder zu späteren Europäern noch zu Asiaten beigetragen zu haben scheint. Offenbar ist ihre Nachfahrenreihe zu einem späteren Zeitpunkt wieder erloschen, der Homo sapiens im prähistorischen Tschechien vielleicht sogar ganz ausgestorben. Die heutigen Europäer stammen also wohl von einer anderen, weiteren ethnischen Linie ab. Doch wann diese aus Afrika nach Europa fand, ist derzeit noch nicht zu klären.


Fossiomanus sinensis & Jueconodon cheni: Zwei unterirdisch lebende neue Ur-Säuger aus der Jehol-Gruppe (China) beschrieben!

Die Großgruppe der Mammalia umfasst alle heute lebenden Synapsiden. Zu ihnen gehören alle Säugetiere, vom Schnabeltier über Kängurus, Löwen, Wale bis zu uns Menschen. Im Mesozoikum, also der Zeit der Dinosaurier, gab es allerdings noch mehrere andere „Ursäugerfamilien“, die von älteren Therapsiden-Vorfahren abstammen und die mit keinem heutigen Säugetier verwandt sind. Zwei Vertreter dieser längst ausgestorbenen Seitenzweige wurden nun von Fangyuan Mao, Chi Zhang, Cunyu Liu und Jin Meng anhand von gut erhaltenen Fossilien aus der chinesischen Jehol Gruppe in einer neuen Studie beschrieben.

 

 

Fossiomanus sinensis gehörte zur Klade der Tritylodontiden, Jueconodon cheni war ein Eutriconodont. Die beiden entfernt verwandten Arten weisen konvergente Merkmale auf, die eine unterirdische Lebensweise vermuten lassen, und sind die ersten aus Jehol bekannten „Buddeltiere“. Beide hatten noch eine erhöhte Anzahl von präsakraler Wirbeln. Jueconodon besaß insgesamt 28, Fossiomanus sogar 38 Körper-Wirbelknochen, was sie als Angehörige einer primitiveren Synapsiden-Linie auszeichnet. Heutige Säuger haben (zumeist!) 26 Wirbel (ohne Schwanz). Die nur wenigen Zentimeter kleinen Tunnelbauer lebten vor etwa 120 Millionen Jahren in der unteren Kreidezeit.

 

Rekonstruktion der Jehol Formation nach Zhao Chuang. In der Mitte (unterirsisch): Fossiomamus sinensis (grau) und Jueconodon cheni (braun).

Bildquellen: Zhao Chang


Das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit und seine Folgen für die Regenwälder

Eine der größten Katastrophen aller Zeiten war wohl das große Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, das sehr wahrscheinlich durch den Einschlag eines großen Meteoriten im Golf von Mexiko verursacht wurde. Dieses Ereignis brachte für alle terrestrischen Ökosysteme weltweit katastrophale Folgen und ließ die Nahrungsketten auf dem ganzen Planeten, an Land wie in den Meeren zusammenbrechen. Doch welche Folgen der Einschlag für die Wälder hatte, ist bis heute noch weitgehend unbekannt.

 

 

Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Mònica R. Cavallo vom Smithsonian Tropical Research Institute in Panama nahm in einer neuen Studie das Aussterben von Pflanzen und den ökologischen Wandel in tropischen Wäldern infolge des Ereignisses in der Kreidezeit genauer unter die Lupe. Mithilfe von fossilen Pollen (> 50.000 Proben) und Blättern (> 6000 Exemplare) aus Kolumbien quantifizierten sie den Aufbau der Wälder vor und nach dem Chicxulub-Einschlag.

 

 

Die Regenwälder der späten Kreidezeit (Maastricht) waren durch ein offenes Kronendach der Bäume und verschiedene Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Insekten gekennzeichnet. Die Pflanzenvielfalt nahm an der Grenze zwischen Kreide und Paläogen um fast die Hälfte (45%) ab und erholte sich etwa 6 Millionen Jahre lang so gut wie überhaupt nicht.

 

 

Während in der Oberkreide noch ein Mix aus Nadelbäumen, Farnen und Laubbäumen den Aufbau des Waldes bestimmte, finden sich in den Schichten des frühen Paläozäns vor allem Farnsporen. Spätere paläozäne Wälder ähnelten dann bereits modernen neotropischen Regenwäldern mit einem geschlossenen Kronendach und einer von Blütenpflanzen, vor allem Laubbäumen dominierten Struktur.


Paranthropus boisei: wurde unser Cousin ein Opfer des Klimawandels?

Paranthropus boisei.

Das Aussterben des Paranthropus boisei, eines erfolgreichen Vertreters einer Nebenlinie der Gattung Homo, ereignete sich vor etwa einer Million Jahren und damit zu einer Zeit, als trockenes Grasland (C4) die Landschaft des ostafrikanischen Grabenbruchs dominierte. P. boisei galt allerdings als ein Vormensch, der sich auf genau dieses Landschaftsbild spezialisiert hatte, und paradoxerweise starb er aus, als die Bedingungen für ihn doch eigentlich besonders günstig gewesen sein mussten.

Rhonda L. Quinn und Christopher J. Lepre untersuchten in ihrer neuen Studie nun den Grund für sein Verschwinden und untersuchten dazu Bodenproben aus dem Turkana-Becken in Kenia, wo P. boisei häufig gefunden wurde. Sie testeten dabei stichprobenartig auf bodenchemische Charakteristika, wie pedogenen karbonatstabilen Kohlenstoff (δ13CPC) und Sauerstoff-Isotope (δ18OPC), die eine ziemlich genaue Rekonstruktion des prähistorischen Landschaftsbildes und die Verteilung von Gras- und Waldland ermöglichen. Anschließend verglichen sie die Werte mit denen früherer und späterer Erdschichten aus einem Zeitfenster von vor drei Millionen Jahren bis heute.

 

 

Die Ergebnisse zeigen, dass der langfristige Anstieg von C4-Grasland durch einen vorübergehenden, aber signifikanten Anstieg der C3-Vegetation (Waldland) und wärmeren Temperaturen unterbrochen wurde. Dieser fiel mit dem Übergang im mittleren Pleistozän vor 1,3–0,7 Millionen Jahren zusammen, und damit zeitlich auch mit dem Aussterben von P. boisei. Ein kurzfristiger, aber dennoch starker Grasland-Schwund könnte zu einer prekären Nahrungskonkurrenz zwischen P. boisei und anderen Vor- und Frühmenschen geführt haben, die ihn dann nach und nach verdrängten.

 


Kurzmeldungen

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Die schönsten Mollusken der Welt: Schmuggel und Souvenirjäger gefährden Polymitia-Schnecken

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Keltischer Rundtempel bei Herrnbechtheim entdeckt


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Tierprofil: Tyrannosaurus rex

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Die Welt der weißen Steine – Kapitel IV: Von Flüssen und Bergen

Der verantwortungsvolle Fossiliensammler

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APRILSCHERZ: 50.000 Jahre alte Eismumie von Neandertaler-Frau entdeckt!

Geschichte der Urzeitforschung – Episode IV: Dinosauriereier

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Die Welt der weißen Steine – Kapitel V: Klima und Wetter am Ende der Kreidezeit


Das war es für heute mit den Paläo-News! Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag, bleib gesund, dein

Markus Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag, 21. März 2021

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Die ersten zwei Wochen nach den umstrittenen Lockerungen liegen nun hinter uns. Für viele Kinder, aber auch ihre Eltern mag es erleichternd gewesen sein, dass die Schulen wieder öffneten. Für viele Existenzen kamen die Öffnungen gerade noch rechtzeitig um die drohende Insolvenz abzuwehren. Und auch ich war froh, endlich meine Corona-Mähne loszuwerden. Doch leider entwickelt sich die Lage wie von den Experten vorausgesagt nicht zum Positiven. Wieder steigen die Zahlen, in manchen Regionen liegen die Inzidenzwerte bereits fast schon wieder auf dem Niveau wie im Dezember. Und trotzdem klammert sich die Politik an ihren Fahrplan, der, wenn es so weiter geht, wahrscheinlich wieder viele tausend Todesopfer fordern wird. Auch wenn bald Ostern und dementsprechend das Fest der Wiederauferstehung ist, wird das den Toten nichts nützen. Und wenn doch… Das wäre dann noch viel grusliger.

 

Fast genauso gruslig, aber auch zunehmend peinlich wird die Situation inzwischen für die Politiker, die das ganze Chaos zu verantworten haben. Die nicht zu verantwortende bürokratische Herumtrödelei bei den Impfungen, und nicht zuletzt das für Unsicherheit und weiteres Misstrauen in den Impfstoff sorgende Geplänkel um Astra Zeneca und vieles weitere kann nur noch als lebendige Realsatire verstanden werden, aber nicht als Politik. Die goldverzierte Narrenkappe dürfen sich alle europäischen Politiker seit dieser Woche aufsetzen, als ausgerechnet der Präsident der U.S.A. sein angekündigtes Ziel, 100 Millionen Amerikaner in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit zu impfen, dieses Ziel schon nach 58 Tagen erreichte. Und Joe Biden nahm auch kein Blatt vor den Mund, als er Europa, insbesondere Deutschland, als schlechtes Beispiel für ein Versagen bei der Krisenbewältigung anführte. Vor einem Jahr wurden sie in der ganzen Welt noch als Vorreiter und umsichtige Schildträger in der ersten Welle gefeiert, doch jetzt müssen sich unsere Politiker mit den Spott und das Kopfschütteln gerade der Nationen herumschlagen, die selbst einen saumäßigen Start hinlegten, aber jetzt trotzdem noch lange vor uns das ersehnte Ziel erreichen werden: Das Ende der Pandemie.

 

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Die Geschichte des Lebens

Über Milliarden Jahre entwickelten sich Fische zu Landbewohnern, Reptilien zu Vögeln, Primaten zu Menschen. Dies ist die größte Geschichte der Welt und sie ist oft erzählt worden. Angefangen von den Mythen der Ägypter über die Schriften der Erlöserreligionen bis zu den modernen Geo- und Biowissenschaften, alle versuchen sie, die Welt und ihre Geschichte zu erfassen und zu erklären. Paläontologie und Geologie haben im 19. und 20. Jahrhundert neue Instrumente ins Orchester gebracht, so dass sich die Erzählung stark wandelte.

Doch die moderne Paläontologie steht derzeit an einem entscheidenden Wendepunkt: Die Entdeckung von DNA und die fortschreitende Technisierung eröffnen dem Wissenschaftszweig neue Möglichkeiten. Die Untersuchung von Fossilien mithilfe von DNA hilft der Forschung dabei, die zentralen Fragen unserer Existenz zu beantworten: Wie kommt es zu den großen evolutionären Veränderungen? Ist unser Dasein auf der Erde das Produkt reinen Zufalls? Oder hätte es gar nicht anders kommen können?

 

»[Shubins] vier Milliarden Jahre umspannende Geschichte – von alten Fossilien bis hin zur DNA – zeigt einer breiten Leserschaft das wahre Bild der Wissenschaft, mit einnehmenden Porträts großer Forscher aus der Vergangenheit und Gegenwart.« Nature

 

Die Geschichte des Lebens: Vier Milliarden Jahre Evolution entschlüsselt ist am 21. Februar 2021 erscheinen und war sofort Bestseller in Sachen Naturgeschichte. Es hat 352 Seiten auf deutscher Sprache.

 

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Paläo-News

Die Nachrichten möchte man schon gar nicht mehr anschalten. Nicht nur Corona, Corona, Corona, sondern viele andere beunruhigenden Meldungen konnten einen in den letzten Wochen sehr verstören, erschüttern oder auch richtig wütend machen. Gewalttätigkeiten bei Demonstrationen, Korruptionsvorwürfe gegen viele Politiker und allen voran der Vertuschungs- und Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, alles nicht so erfreuliche Nachrichten. Gut, dass es „Die weißen Steine“ gibt: hier gibt es (fast) immer nur gute und vor allem spannende Nachrichten aus der Welt der Paläontologie, denen wir uns jetzt auch ohne Umschweife widmen wollen!


Evolution des Haushunds: wichtige Erkenntnisse zur Domestikation nach Funden aus Süddeutschland

Hunde gehören zu den ältesten vom Menschen domestizierten Tieren. Obwohl viele Studien die Domestizierung von Wölfen untersucht haben, wird der geografische und zeitliche Ursprung dieses Prozesses immer noch diskutiert. Einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der Hunde-Evolution lieferte nun eine Forschungsgruppe der Universität Tübingen, die Fossilien aus der Magdalenenzeit (16.000 bis 14.000 Jahre vor heute) in der Region Hegau Jura (Südwestdeutschland und Schweiz) untersuchten. Die wichtigsten Funde stammen aus der Gnirshöhle.

 

 

Ein multidisziplinärer Ansatz aus Untersuchungen der Morphologie, der Genetik und von Isotopen lieferte neue Daten, welche Rolle der „beste Freund des Menschen“ in der ausgehenden Eiszeit in seinem Ökosystem, und auch für das Leben unserer Vorfahren gespielt hat. Interessant ist: manche Proben sind nicht eindeutig der Haushund- oder einer Wolfslinie zuzuordnen. Allerdings konnten insgesamt mehrere verschiedene Morphotypen aus jener Zeit identifizieren: manche ernährten sich überwiegend von Kleinwild, andere bevorzugten größere Beute, sogar Mammuts.

 

 

Die Forscher stellten angesichts der Ergebnisse ihrer Studie drei mögliche Szenarien auf: a) Die Wölfe/Hunde spezialisierten sich auf einzelner Refugien, wo sie unterschiedliche Beutetiere antrafen. b) Die Wölfe/Hunde lebten zwar im gleichen Lebensraum, besetzten aber unterschiedliche ökologische Nischen, wodurch sich das unterschiedliche Verhalten und die Nahrungswahl ebenfalls erklären ließen. c) Als wahrscheinlichstes Szenario erscheint den Forschern die Domestikation, wonach sowohl eine Wolfslinie als auch eine gezähmte Hundelinie ganz eigene ökologische Nischen einnahmen.

 


Evolution: Menschen entwickelten effizienten „Wassersparmodus“

Alle Landtiere müsse jeden Tag ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wassergewinn und Wasserverlust aufrechterhalten. Die Entwicklung der Physiologie des menschlichen Wasserhaushalts ist jedoch aufgrund des Fehlens vergleichender Maßnahmen anderer Hominoide bislang kaum erforscht. Während Menschen täglich trinken, um den Wasserhaushalt aufrechtzuerhalten, erhalten Menschenaffen, die im Regenwald leben, in der Regel ausreichend Wasser aus ihrer Nahrung und können Tage oder Wochen ohne Wasser auskommen.

 

 

Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern hat für ihre neuste Studie nun den Wasserumsatz bei Primaten anhand von Isotopenverarmungsmaßen untersucht. Getestet wurden sowohl Zoo- als auch Wildtiere (Schimpansen, Bonobos, Gorillas und Orang-Utans) und diese mit 5 verschiedenen menschlichen Populationen, einschließlich einer Jäger-Sammler-Gemeinschaft aus der Trockensavanne verglichen.

 

 

Bei allen war der Wasserumsatz stark vom Gesamtenergieverbrauch aufgrund der körperlichen Aktivität, dem Klima und dem Körperfettanteil abhängig. Beim Menschen war trotz der höheren Schwitzkapazität der Gesamtwasserumsatz um 30% bis 50% niedriger als bei anderen Affen, der sowohl bei Zoo- als auch Wildtieren relativ ähnlich war. „Wasserstress“ aufgrund von Änderungen in Klima, Ernährung und Verhalten führte offenbar zu bisher unbekannten „Wassersparmaßnahmen“ in der Evolution des menschlichen Körpers.

 


Erforschung des Handskeletts von Ardipithecus ramidus: neue Belege für Abstammungsgeschichte des Menschen

Die Morphologie und die Beweglichkeit der Hände sind für Forscher mitentscheidend für das Verständnis der Entwicklung des Ganges auf zwei Beinen: wenn die Hände nicht mehr primär der Fortbewegung dienen, sind sie frei für anderes – so dachte bereits Charles Darwin: der Mensch sei vom Baum herabgestiegen und habe vom Boden aus den aufrechten Gang entwickelt, und so wurden auch seine Hände immer geschickter.

 

 

Die Hand des 4,4 Millionen Jahre alten Ardipithecus ramidus liefert Hinweise darauf, dass diese Reihenfolge so aber nicht stimmen kann. Auch bei noch sehr ursprünglichen, doch trotzdem bereits aufrecht laufenden Vormenschen waren eher affentypische Handformen vorhanden, die noch gut zum Klettern geeignet waren. Eine Forschergruppe um Thomas C. Prang ermittelte in ihrer neuen Studie durch morphometrische und phylogenetische Vergleichsmethoden, dass Ardipithecus eine Handmorphologie beibehielt, wie sie für baumbewohnende Schimpansen und Bonobos typisch ist.

 

 

Obwohl Ardipithecus bereits auf zwei Beinen laufen konnte und das auch häufiger tat als heutige Menschenaffen, so weisen erst spätere Frühmenschen wie Australopithecus Adaptionen am Handskelett auf, die auf eine überwiegend bodenbewohnende Lebensweise hindeuten. Das von Darwin vorgeschlagene Szenario trat also so eher nicht ein: Insgesamt deuten die Forschungsergebnisse darauf hin, dass sich frühe Hominine aus einem Vorfahren mit einem vielfältigen Bewegungsrepertoire entwickelt haben, und dass unsere Vorfahren lange Zeit nach der Entwicklung des aufrechten Ganges noch gute Kletterer und in den Bäumen zu Hause waren.

 

Ardipithecus ramidus
Lebendrekonstruktion von Ardipithecus ramidus nach Artoro Asensio.


Ökomorphologische Diversifizierung von Squamaten in der Kreidezeit

Die Squamates (Eidechsen und Schlangen) sind heute eine mit über 10.000 Arten sehr erfolgreiche Wirbeltier-Gruppe. Sie haben eine lange Geschichte, die mindestens 240 Millionen Jahre zurückreicht, und einen zunehmenden Artenreichtum in der späten Kreidezeit und im frühen Paläogen hervorgebracht.

 

 

Jorge A. Herrera-Flores, Thomas L. Stubbs und Michael J. Benton beschäftigten sich im Rahmen ihrer neusten Studie mit dem Artenreichtum der Squamaten im späten Mesozoikum und fanden dabei neue Belege, dass die Radiation der Echsen und Schlangen vor allem aufgrund einer breiten Ernährungsspezialisierung in der Zeit vor 110 bis 90 Millionen Jahren erfolgt sein dürfte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Squamaten noch relativ einheitliche Zahntypen, die sich dann aber erheblich diversifizierten und den „Ökomorphospace“ auf ihr modernes Niveau ausweiteten.

 

 

Dies fällt zeitlich genau mit der kreidezeitlichen terrestrischen Revolution zusammen und könnte direkt mit ihr zusammenhängen: als die Bedecktsamer (Blütenpflanzen) begannen, terrestrische Ökosysteme zu übernehmen und neue Rollen für pflanzenfressende und bestäubende Insekten zu übernehmen, schuf dies wiederum neue Nahrungsquellen für die pflanzenfressenden und insektenfressenden Squamaten. Besonders zu erwähnen ist natürlich auch der starke Anstieg der Kiefergrößenunterschiede in der späten Kreidezeit (95–90 Ma), der durch die Diversifizierung von Meerestieren, insbesondere den frühen Mosasauriern, bedingt war.


Studie liefert neue beeindruckende Gesichts- und Körperrekonstruktionen verschiedener Vor- und Frühmenschen

Die Anthropologen Ryan M. Campbell, Gabriel Vinas, Maciej Henneberg und Rui Diogo lassen unsre Vorfahren wieder auferstehen: die interdisziplinär arbeitenden Forscher und Künstler präsentieren in ihrer neuen Studie verschiedene Rekonstruktionen von berühmten Fossilien, wie etwa dem Kind von Taung, Lucy oder dem Neandertaler Amud. Mithilfe von anthropologisch-morphologischen Messungen und fortschrittlicher Computer-3D-Technik waren sie imstande, den Fossilien neues Leben einzuhauchen.

Einige der Rekonstruktionen aus der Studie: Die Australopithecus-Dame Lucy, mal mit dunkler Haut, die an einen Bonobo erinnert, und mit etwas hellerer Haut mit weicheren, menschlicheren Gesichtszügen.

Dabei lieferten sie allerdings stets mehrere Optionen ab, wenn doch noch gewisse Unklarheiten bestanden. Besonders die Fell- und Hautfärbung, sowie die genaue Morphologie der Gesichtsmuskulatur sind weiterhin sehr spekulativ, weshalb sie dem Kind von Taung beispielsweise einen eher menschlichen, mit zarteren Gesichtszügen ausgestatteten Look verpassten, ihm aber im nächsten Bild auch einen eher menschenaffenähnlichen Touch verliehen, mit einer ausgeprägten Nasen- und Lippenpartie.

 

Kind von Taung
Lebendrekonstruktion des Kindes von Taung; Rohschablonen.


Neue Studie bestätigt: Neandertaler starben bereits vor ca. 40.000 Jahren aus

Wann verschwand der Neandertaler? Bis vor einigen Jahren datierte man das phänotypische Aussterben unserer Schwesterspezies in Eurasien auf etwa 24.000 Jahre vor unserer Zeit, ermittelt durch Radiokarbonmethodik (C14) an den jüngsten Fossilfunden. Bodenverunreinigungen und kohlenstoffbasierte Konservierungsprodukte verursachen jedoch Probleme bei der Radiokarbondatierung von Kollagen, sodass die alten Ergebnisse in der modernen Forschung immer wieder angezweifelt wurden.

 

 

Unter Verwendung eines verbindungsspezifischen Ansatzes, der heute am effizientesten bei der Entfernung von Kontaminationen und der alten Genomanalyse ist, haben Thibault Devièse und sein internationales Forschungsteam in einer neuen Studie die Datierung präzisiert. Nach ihrer bereinigten Messung an Fossilien aus den Belgischen Fundorten von Spy, von Engis und Fonds-de-Forêt ergab sich, dass sie die Neandertaler vor 44.200 bis 40.600 cal B.P. aus Nordwesteuropa verschwunden sind (mit einer Wahrscheinlichkeit von 95,4%).

 

 

Diese Ergebnisse decken sich außerdem mit denen einer Studie von Edouard Bard et al., die bereits im September letzten Jahres die C14-Methode mit dendrochronologischen Zahlen (ermittelt an neuseeländischen Kauri-Bäumen) abglichen. Auch sie kamen bei der so präzisierten C14-Datierung auf ähnliche Werte für die jüngsten zweifelsfreien Neandertaler-Fossilien. Die Neandertaler sind somit wohl mehr als 10.000 Jahre früher verschwunden als bislang gedacht.


Dinosaurier-Gelege mit Embryonalerhaltung und brütendem Elterntier entdeckt!

Shundong Bi von der Yunnan University und seine Forschungskollegen machten in der Nanxiong Formation, nahe des Hauptbahnhofs der chinesischen Metropole Ganzhou, eine spektakuläre Entdeckung: in den 70 Millionen Jahre alten Ablagerungen aus der späten Kreidezeit legten sie ein Dinosaurier-Nest bestehend aus 24 Eiern frei. Einige der Eier waren nahezu unversehrt und beinhalteten noch gut erhaltene Embryonen. Und als wäre das noch nicht spektakulär genug, gab es noch das Fossil eines ausgewachsenen Theropoden aus der Gruppe der Oviraptorosaurier obendrauf!

 

 

Fossile Nester mit einem Oviraptorosaurier sind bereits häufiger gefunden wurden. Zuerst hielt man die Tiere für Eierdiebe, die sich am Gelege von anderen Dinosauriern gütlich taten. Da aber immer mehr solcher Dino-im-Nest-Konstellationen entdeckt wurden, machte das die Forscher bereits stutzig. Als man später einzelne der typisch länglich-konkaven Eier fand, in denen sich noch Embryonen befanden, herrschte Gewissheit: man hatte den „Eierdieben“ (was „Oviraptor“ übrigens wortwörtlich bedeutet) unrecht getan. Die Gelege stammten von ihnen selber, und die Theropoden im Nest waren die brütenden Elterntiere!

 

Brütende Oviraptorosaurier
Lebendrekonstruktion eines brütenden Oviraptorosaurier-Paares nach Zhao Chuang.

Der neue Fund ist aber der erste, bei dem sowohl ein brütender Theropode als auch Eier mit Embryonen entdeckt wurden. Die Embryonen waren unterschiedlich weit entwickelt, was auf eine asynchrone Brutstrategie schließen lässt, bei der die Jungen nicht gleichzeitig, sondern im Anstand mehrerer Tage schlüpften. Außerdem fanden die Paläontologen im Magen des Elterntieres Gastrolithen (Magensteine), die dem Tier bei der Verdauung halfen.


Hämatopoese im Knochenmark war kein Anpassungskriterium vom Übergang von Wasser- zu Landtieren

Die Produktion von Blutzellen (Hämatopoese) findet in den Extremitätenknochen der meisten Tetrapoden statt. Die Flossenknochen von Strahlenflosser-Fischen können das jedoch nicht. Wann begannen die Knochen also damit, Blutzellen zu produzieren? Jüngste Forschungen deuten darauf hin, dass die Hämatopoese vor dem Übergang von Wasser zu Land in lange Knochen wanderte und neu produzierte Blutzellen vor härteren Umweltbedingungen schützte. Bisher wurden jedoch nur wenige fossile Belege für diese Hypothese vorgelegt.

 

 

Jordi Estefan von der Universität Uppsala in Schweden stellte zusammen mit einem internationalen Forschungsteam Beobachtungen des Oberarm-Aufbaus von Stammtetrapoden an. Bei fossilen Lurchen aus dem Paläozoikum wurde unter Verwendung modernster 3D-Scans ein virtuelles Abbild der Knochenhistologie angefertigt. Die Bilder zeigen, dass erst die Tetrapoden des oberen Perms die frühesten waren, die eine zentralisierte Markorganisation aufweisen. Erst sie waren dazu imstande, wie heutige Amnioten in ihren langen Oberarm- und Oberschenkelknochen Blutzellen zu bilden. Die Studie zeigt nicht nur, dass die Hämatopoese in den großen Knochen wahrscheinlich keine Anpassung an den Übergang von Wasser zu Land war, sondern erst deutlich später auftrat. Sie wirft auch ein Licht auf die frühe Entwicklung der Entwicklung von Gliedmaßenknochen und die Abfolge von Knochenmark-Funktionsakquisitionen.

 

 

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Der Ediacara-Garten

Während einer Expedition in die Sonorawüste, Mexiko, entdeckte der Paläontologe Mark McMenamin Fossilien von Kreaturen, die etwa 600 Millionen Jahre alt waren. Diese kreisförmigen Fossilien, die als Vendobionten bekannt sind, schienen sich jeder Erklärung zu entziehen.
Dieses Buch dokumentiert ihre Entdeckung. Die Vendobionten waren Meereslebewesen die in präkambrischen Zeiten existierte, bis zu 50 Millionen Jahre bevor sich das Leben auf der Erde schnell zu diversifizieren begann. Die Vendobionten hatten eine vielleicht oberflächliche Ähnlichkeit mit den Quallen und einen gesteppten Körper mit drei geschwungenen Armen in der Mitte und einem Rand feiner radialer Linien. McMenamins Neugier wurde durch die Frage beflügelt, ob es sich um Tiere oder eine völlig andere Art von Organismus handelte…

 

The Garden Of Ediacara ist als Taschenbuch mit 324 Seiten erschienen. Derzeit kostet es € 21,99, der Preis kann aber wie bei allen Buchimporten variieren.

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Die Rolle vulkanischer Tongesteine bei der Erhaltung von Ediacaria-Fossilien aus Brasilien

Die frühe Entwicklung der Metazoen wurde durch Studien an außergewöhnlich gut erhaltenen Schimmelpilzen in silikiklastischen Gesteinen aus dem Ediacarium rekonstruiert. Es bestehen jedoch nach wie vor erhebliche Kontroversen hinsichtlich der Bildungsmechanismen dieser ungewöhnlichen Erhaltungszustände von Fossilien aus dem Ediacarium (vor 563 Millionen Jahren).

 

 

In einer kürzlich entdeckten Lagerstätte aus dem Ediacarium im Itajaí-Becken in Brasilien fand ein internationales Forschungsteam um Bruno Becker-Kerber von der Universidade Federal de São Carlos Hinweise darauf, dass die klassische Schimmelpilzkonservierung mit der Ablagerung von vulkanischen Tonmineralien zusammenhängt. Diese aus der Umwandlung der ursprünglichen pyroklastischen Sedimente, die wahrscheinlich durch Aktivität von Mikroorganismen verstärkt wurden, wie sie in ihrer neuen Studie beschrieben.

 

So könnte ein Vulkanausbruch im Ediacarium ausgesehen haben. Bildrekonstruktion nach Pedro J. S. Vieira de Oliveira.

 

Eine solche „High-Fidelity-Konservierung“ wurde durch schnelles Begraben während vulkanischer Ereignisse und das In-situ-Templatieren von Gewebe durch Tone durch mikrobiell vermittelte Mineralisierung ermöglicht. Diese neu beschriebene Lagerstätte zeigt, dass eine Reihe von Mineralien die Konservierung erleichtern kann und dass die Konservierung nach Ediacaria-Art möglicherweise auf unterschiedlichen Prozessen beruht, die zu demselben breiten Konservierungsstil führen.


Gastrolithen bestätigen Wanderverhalten von jurassischen Dinosauriern

Joshua R. Malone vom Augustana College in Illinois und sein Forschungsteam untersuchten in ihrer neuesten Studie Magensteine, sogenannte Gastrolithen, die vor etwa 155 Millionen Jahren von großen Tieren aufgelesen, verschluckt und im Magen dazu verwendet wurden, zähes Pflanzenmaterial zu zerkleinern. Dabei wurden die Kiesel rundgeschliffen und sind von Fossiliensammlern leicht als Gastrolithen auszumachen.

 

 

Gefunden wurden die Steine im Bighorn Basin der nördlichen Morrison Formation im U.S.-Bundesstaat Wyoming. Die chemische Zusammensetzung der Steine lässt aber darauf schließen, dass sie ursprünglich aus einer ganz anderen Gegend, nämlich dem damaligen Mittelkontinent Laurentia stammten – zwischen 600 und 1.000 Kilometer östlich von Morrison!

 

 

Dies bedeutet, dass die Tiere, die die Steine nach Wyoming brachten, hunderte von Kilometern in relativ kurzer Zeit gewandert sein mussten. Gastrolithen verbleiben nicht sehr lange, oft nur einige Wochen lang im Magen, bevor sie rundgeschliffen sind und wieder ausgeschieden werden. Als „Transportdienst“ vermuten die Forscher deshalb einen großen Sauropoden. Wahrscheinlich waren Sauropoden somit Zugtiere, die mit den Jahreszeiten viele hundert Kilometer weit durchs Land zogen, immer auf der Suche nach neuem Grünfutter.

 

Sauropoden
Eine wanderndeSauropoden-Herde brachte die Seine aus vielen hundert Kilometern Entfernung nach Wyoming. Rekonstruktion nach Jan Sovak.


Mesophthirus: Bernstein-Insekten auf Dino-Feder waren keine Blutsauger

In einer 2019 erschienenem Studie an einem rund 100 Millionen Jahre alten burmesischen Bernstein wurde vermutet, dass die Insekten, die seit der Kreidezeit auf einer Flaumfeder eingeschlossen waren, vielleicht Ektoparasiten waren, die sich vom Blut, der Haut oder den Federn der eines kleinen Dinosauriers oder frühen Vogels ernährten. (Also „früh“ nicht im Sinne von „früh wach, sondern… ach ihr wisst schon.)

 

 

David A. Grimaldi vom Natural Museum of National History in New York und Isabelle M. Vea von der University of Chicago stellen in einer kürzlich erschienen Revision den Fund noch einmal auf den Prüfstand. Ihren Ergebnissen zufolge handelt es sich bei dem als Mesophthirus identifizierten Insekt um noch keine fertig entwickelte Imago, sondern um die Nymphe einer kreidezeitlichen Schildlaus (Coccoidea). Schildläuse sind aber allesamt Pflanzenfresser. Die Nymphe könnte somit bloß zufällig mit der Feder im Bernstein eingeschlossen worden sein.


Diictodon: zog kleiner permischer Therapside seine Jungen in Erdbauten groß?

Viele Urzeit-Fans kennen das Diictodon aus der preisgekrönten Doku „Die Ahnen der Saurier“, wo es als unterirdisch lebender Überlebenskünstler dargestellt wird. Tatsächlich wurden seine Überreste häufig in fossilen Erdbauten gefunden. Roger M. H. Smith von der University of Wirwatersrand in Johannesburg und sein Team konnten die Theorie einer unterirdischen Lebensweise, die schon seit den 80ger Jahren diskutiert wird, um neue Argumente bereichern und stellen außerdem Indizien vor, dass einige der gegrabenen Kammern speziell als Bruthöhlen dienten. Der Hauptgrund für das Anlegen der Erdbauten könnte einerseits der Schutz vor Fressfeinden, aber auch die Thermoregulation sein: unter der Erde konnten die Tiere den Wetterextremen des späten Perms aus dem Weg gehen.

 

Lebendrekonstruktion eines Diictodon-Paares von Sean Closson.

 

Bei einer erneuten Untersuchung der ursprünglichen Fundstellen machten die Forscher durch Abgüsse mehrere weitere Baubereiche sichtbar, die verstreute, aber immer noch assoziierte Skelette von Diictodon enthielten. Darunter war ein winziger, nur 5mm langer Oberarmknochen eines Diictodon-Babys. In einer weiteren Kammer fanden die Forscher neben dem Schädel eines Erwachsenen Exemplars von 93mm auch einen vollständigen Baby-Schädel von nur 19mm, sowie die Kieferknochen weiterer Babys.

 

Interessant außerdem: mitten im Diictodon-Bau lag ein Skelett eines Ictidosuchoides longiceps, eines etwa fuchsgroßen Fleischfressers aus der Gruppe der Therocephalier. Möglicherweise hatte sich der Beutegreifer in den Bau geschlichen und war hinter den Diictodons und ihrem Nachwuchs her.

 

 


Wie ein Adler unter Wasser: Manta-artiger Hai Aquilolamna milarcae aus der Oberkreide Mexikos beschrieben

Eine internationale Forschergruppe, darunter Tomain Vullo von der Universität Rennes in Frankreich als Lead-Autor, sowie auch der deutsche Paläontologe Eberhard „Dino“ Frey, beschreibt in ihrer jüngsten Studie das Fossil eines bizarren Hais, das 2021 im mexikanischen Vallecillo von einem unbekannten Steinbrucharbeiter entdeckt wurde. Nun benannten die Forscher das Fossil als Aquilolamna milarcae und ordneten es vorläufig den Makrelenhaien zu.

 

Zu den Makrelenhaien zählen heute u.a. die Makos und auch der Weiße Hai. Mit fiesen gefährlichen Jägern hatte Aquilolamna aber nicht viel gemein. Er ähnelte eher einem anderen Meeresbewohner: dem Mantarochen! Aquilolamnas hervorstechendstes Merkmal sind seine hypertrophierten, schlanken Brustflossen, die wie die Flügel eines Adlers abstanden (daher auch sein Name, der „Adler-Makrelenhai“ bedeutet). Er lebte vor etwa 90 Millionen Jahren im Western Interior Seaway, dem Binnenmeer, das Nordamerika damals teilte.

 

 

Aquilolamna und seine Verwandten könnten in der Oberkreide die gleiche ökologische Nische besetzt haben wie Manta- und Teufelsrochen. Auch sie waren friedliebende Planktonfresser. Als sie am Ende der Kreide zusammen mit den Nichtvogel-Dinosauriern und großen Meeresreptilien ausstarben, traten die Rochen, die das Massenaussterben überlebt hatten, ihr Erbe an.


Neue Theorie zum Abwehrverhalten von Ankylosauriern nach Fund aus der Mongolei: gruben sie Erdmulden, um ihren Bauch zu schützen?

Bei Hermiin Tsav, im Süden der Wüste Gobi in der Mongolei, entdeckten Yin-Young Park von der National University Seoul in Südkorea und sein Forschungsteam entdeckten die bemerkenswert gut erhaltenen und artikulierten (zusammenhängenden) Fossilien eines bislang unbestimmten gepanzerten Ankylosauriers. Das neue Exemplar zeigt, dass asiatische Ankylosauriden starre Körper mit einer verringerten Anzahl von Zehenknochen entwickelten, und auch, dass es innerhalb von Ankylosauridae mindestens zwei Formen von Flankenpanzerungen gab, eine mit wirbelsäulenartigen Osteodermen und die andere mit kielförmigen rhomboiden Osteodermen.

 

 

Das aber eigentlich bemerkenswerte an dem Fossil: es lag in einer flachen Mulde. Zustand und Position des Kadavers legen nahe, dass der Dinosaurier diese Mulde selbst gegraben hatte. Ankylosaurier verfügten über viele das Graben unterstützende Körpermerkmale. Obwohl sie gewiss nicht in Erdbauten oder gar Tunneln lebten, waren Ankylosauriden wahrscheinlich gut in der Lage, sich bei Gefahr schnell eine Mulde zu graben, in die sie sich niederkauerten, um den verwundbaren Bauch zu schützen. In so einer Position, wenn sie wie ein Hase in seiner Sasse verharrten, wären sie für Angreifer nahezu unangreifbar gewesen, so vermuten die Forscher in ihrer Studie.

 

Ein grabender Ankylosaurier. Rekonstruktion von Yusik Choi.

Es gibt natürlich auch andere Hypothesen, die das Grabverhalten des Ankylosauriers erklären. Er könnte dort auch bloß ein kühlendes Sandbad genommen haben, oder im Untergrund nach nahrhaften Wurzeln, Insekten oder auch nach Wasser gegraben haben.


Zittern in der Kaltzeit: wie hielten die Frühmenschen es in Europa überhaupt aus?

Während des mittleren Pleistozäns breiteten sich die Menschen in Westeuropa von den Mittelmeerhalbinseln bis in die subarktische Region aus, und dies nicht nur während der warmen Perioden, sondern auch während der Gletscherstadien. Dabei waren sie rauen Umgebungsbedingungen ausgesetzt, einschließlich extrem niedriger Temperaturen. Jesús Rodríguez vom Centro Nacional de Investigación sobre la Evolución Humana in Burgos (Spanien) und seine Kollegen stellten in ihrer neuesten Studie Schätzungen der klimatischen Bedingungen an, die an den bedeutendsten archäologischen Fundstätten des mittelpleistozänen Europas einst herrschten. Das Team ermittelte dort die mittlere Jahrestemperatur, die mittleren Winter- und Sommertemperaturen und die niedrigste Temperatur des kältesten Monats für jeden Ort mithilfe der Oscillayers-Datenbank.

 

 

Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen nicht nur während der Glaziale, sondern auch während der Interglaziale Kälte ausgesetzt waren, wobei die Wintertemperaturen an vielen Orten unter 0°C lagen. Anhand eines einfachen Wärmeverlustmodells bewerteten die Forscher die notwendigen körperlichen Anpassungen der Menschen, um mit der Kälte zurechtkommen. Dabei zeigte sich, dass physiologische und anatomische Anpassungen allein, wie die Erhöhung des Grundumsatzes und des subkutanen Fettgewebes, nicht ausreichten, um den niedrigen Wintertemperaturen Westeuropas zu trotzen. Im Gegensatz dazu scheint die Verwendung einer einfachen Pelzbettdecke eine äußerst effektive Reaktion auf niedrige Temperaturen gewesen zu sein. Nach der Theorie des Teams haben fortschrittliche Feuerproduktions- und sowohl anatomische und physiologische Anpassungen eine Rolle bei der Besiedlung Europas gespielt, wie auch des Verhaltens, z.B. die Verwendung von Obdach und einfacher Pelzkleidung.


Grönland: Millionen Jahre alte Pflanzenreste unter dem Eispanzer entdeckt!

Das Verständnis der Geschichte der grönländischen Eisdecke (GrIS) ist entscheidend für die Bestimmung ihrer Empfindlichkeit gegenüber Erwärmung und ihres Beitrags zum Meeresspiegel, was insbesondere für heutige Klimavoraussagen große Bedeutung hat. Diese Geschichte ist jedoch vor dem letzten Interglazial kaum bekannt. Das meiste Wissen stammt aus der Interpretation von marinen Sedimenten, die aber nur ein indirektes Zeugnis der Ausdehnung und des Verhaltens der Eisdecke in der Vergangenheit liefert.

 

 

Subglaziale Sedimente und Gesteine, die an der Basis von Eisbohrkernen schon im Jahre 1966 gewonnen wurden, liefern jedoch terrestrische und damit direkte Belege für das GrIS-Verhalten während des Pleistozäns, die Andrew J. Christ von der University of Vermont und sein Team nun im Rahmen ihrer neuesten Studie weiter erforschten. Dieses Material enthält eine stratigraphische Aufzeichnung der Vereisung und Vegetation im Nordwesten Grönlands über das Pleistozän. Angereicherte stabile Isotope von Poreneis deuten auf eine Ausfällung in tieferen Lagen hin, was auf das Fehlen einer Eisdecke hindeutet. Pflanzenmakrofossilien und Biomarker im Sediment zeigen, dass Grönland damals fruchtbar und bewaldet war, und dass diese Paläoökosysteme aus früheren interglazialen Perioden unter dem GrIS erhalten bleiben.

 

 

Die einzigartige subglaziale Sedimentaufzeichnung aus Camp Century dokumentiert mindestens zwei Episoden eisfreier, vegetierter Bedingungen, denen jeweils eine Vereisung folgte. Das Team schließt daraus, dass das GrIS während eines Großteils des Pleistozäns bestand, aber seit 1.1 Ma mindestens einmal komplett geschmolzen ist und sich dann wieder neu gebildet hat. Die einzigartige subglaziale Sedimentaufzeichnung aus Camp Century dokumentiert mindestens zwei Episoden eisfreier, vegetierter Bedingungen, denen jeweils eine Vereisung folgte. Das Team schließt daraus, dass das GrIS während eines Großteils des Pleistozäns bestand, aber seit 1.1 Ma mindestens einmal komplett geschmolzen ist und sich dann wieder neu gebildet hat.

 

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Rätsel & Mysterien der Eifel, das neue Buch von Ulrich Magin

Die Eifel steckt voller Geheimnisse: Da erzählt man sich von brüllenden Maaren, versunkenen Städten und geheimen Regierungsbunkern, wundert sich über ungewöhnliche Gesteinsformationen oder nächtliche Leuchterscheinungen. Manch einer will gar UFOs, Kugelblitze oder Phantomkatzen gesehen haben! Ulrich Magin hat recherchiert und geht anhand von Augenzeugenberichten und rätselhaften Funden den Bruchstellen auf den Grund, an denen unsere gewohnte Alltagswelt jäh ins Unheimliche abgleiten kann. Aber während einige der Eifel-Rätsel sich zumindest theoretisch erklären lassen, bleiben andere wohl für immer ein Mysterium…

 

Rätsel und Mysterien der Eifel, das neuste Werk unseres Autors Ulrich Magin ist im März 2021 im Eifelbildverlag erschienen und hat als Taschenbuch 308 Seiten. Es kostet € 19,90

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Links zu weiteren Urzeit-Nachrichten:

Asteroiden-Staub in Chicxulub-Bohrkernen

 

Meerwasser sickert tiefer in die Erdkruste ein als bislang angenommen

 

Höhlenlöwe lebte auch in Oberitalien

 

„Little Foot“ – Ein Australopithecus-Kind aus Südafrika

 

Fossiler Fressrausch: 47 Millionen Jahre alte Fliege mit vollem Bauch gefunden

 

3.330 Jahre altes Bronzeschwert bei Kosel (Schleswig-Holstein) entdeckt!

 

Kosmos des mysteriösen Antikythera-Mechanismus enträtselt

 

Höhle des Schreckens: Massengrab und 2.000 Jahre alte Texte des Alten Testaments entdeckt

 

Ursuppe: Blitze als Phosphor- und damit Lebensbringer?

 

Spurenfossilien aus der Untertrias zeigen rasche Erholung der Ökosysteme nach Massenaussterben

im Perm

 

Geschichte der Schokolade muss umgeschrieben werden

 

Die Artenvielfalt der Säugetiere im mesozoischen Japan

Eigene Beiträge

Charakterprofile meiner weiblichen Hauptfiguren aus „Die weißen Steine“

 

Tierprofil: Basilemys sinuosa

 

Tierprofil: Dakotaraptor steini

 

Die Welt der weißen Steine – Kapitel II: Die Geographie am Ende der Kreidezeit

 

Die Geschichte unserer Erde – Episode V: Das Kambrium

 

Tierprofil: Didelphodon vorax

 

Tierprofil: Triceratops prorsus

 

Die Welt der weißen Steine – Kapitel III: Dinge zwischen Himmel und Erde…

 

Das war es heute von mir. Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag. Falls möglich, genieß das schöne Wetter. Gestern war übrigens auch schon Frühlingsanfang! Hoffen wir, dass es ein schöner Frühling wird. Und dass wir trotz aller Widrigkeiten ein schönes Ostern erleben.

Bis zum nächsten Mal,

Dein

Markus Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag -07. März 2021

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Ich bin so dermaßen enttäuscht, dass mir dafür langsam die Worte ausgehen. Jeden Tag ca. 10.000 Neuinfektionen und 300 Tote. Denen gegenüber stehen aber bloß 7.500 glückliche Seelen, die diese furchtbare Infektion seit gestern überstanden haben und genesen sind. Allein in Deutschland hat Corona nun schon fast 72.000 Tote, weltweit sogar weit über 2,5 Millionen Menschenleben gefordert. So viel zu den Zahlen. Sogar mit schlechteren Grundvoraussetzungen als im Oktober, als man uns den zweiten leichten, aber immer härter, nur nie ganz richtig hart werdenden Lockdown auferlegte. Und was entscheiden unserer Regulatoren in Berlin? Lockerungen.

 

Etwas plastischer ausgedrückt bedeutet das: Jeden Tag stürzt weiterhin in Deutschland ein vollbesetzter Ferienflieger ab. Und statt die Flugzeugflotte erst einmal ordentlich instand zu setzen und den Grund für diese Flugkatastrophen zu beheben, lässt man in Zukunft sogar noch weitere Maschinen starten. Wir stehen schon mitten im Bugwasser einer dritten Welle. Und unsere Staatslenker scheinen es nicht zu sehen, was da jetzt bald über uns hereinbrechen wird.

 

Große Sorge über die zukünftige Entwicklung der Krise

So sehr es mich für die Betriebe freut, die diese Entscheidung vielleicht vor dem Bankrott rettet und ihnen die dringend benötigten Einnahmen beschert, so gern ich letzte Woche selber meinen ersten Frisörtermin wahrgenommen habe, um den Chewbacca-Look endlich loszuwerden, ich blicke mit großer Sorge in die nähere Zukunft. Diese Entscheidung, aber vor allem der so geringe Fortschritt beim Impfen, die bürokratischen Hürden, bei denen Impfdosen verkommen, nur weil sie einen nicht ganz so guten, aber immer noch hervorragenden Wirkungsgrad haben, all das lässt mich mit einem Gefühl des Erschauderns zurück.

 

Die letzten zwei Wochen waren wirklich nicht schön. Die nächsten sechs Wochen werden wahrscheinlich eine Katastrophe. Und spätestens danach wird wahrscheinlich alles wieder schließen müssen, vielleicht den ganzen Sommer lang, und Deutschland, das einst eine Vorreiterrolle in der Pandemie gespielt hat, wird wahrscheinlich als eines der letzten seinen Bürgern ihre weggenommenen Grundrechte wieder zugestehen können. Grundrechte, die man in den Medien nun schon „Privilegien“ nennt. Und ernsthaft darüber diskutiert, ob es nicht vielleicht unfair wäre, nur den Geimpften diese „Privilegien“ zurückzugeben. Was schon wieder echte Realsatire ist: was nützt es der Oma, wieder ins Theater zu gehen, wenn dort kein einziger Schauspieler geimpft ist und auftreten darf?

 

Impfungen auch für Lehrer, Erzieher und Schulbetreuer!

Ich darf, ich muss, ich soll und ich werde nächste Woche wieder meine AGs an der Schule anbieten. Wie ich das finde? Einerseits toll, ich hab meine Kids wirklich vermisst. Aber noch kein einziger Lehrer an unserer Schule, natürlich auch ich selber nicht, wurde bislang geimpft. Wenn wir Betreuer, Erzieher und Lehrer schon dafür Sorge tragen, dass der Rest der Bevölkerung wieder arbeiten gehen kann und ihre Kinder betreut werden, wenn wir schon die Kohlen für dieses marode Bildungssystem aus dem Feuer holen sollen, dann gebt uns doch bitte wenigstens ein paar Handschuhe dafür! Wir verbrennen uns sonst nämlich alle die Finger.


Ankündigungen

Kommen wir endlich zu den guten Nachrichten: Die Website zu „Die weißen Steine“ ist endlich online! Schau gerne mal bei mit vorbei, ich würde mich wirklich sehr freuen. Ich bin wirklich sehr stolz und froh, dass es doch so schnell ging, und möchte mich hier noch einmal ganz herzlich bei Tobias Möser bedanken, der mir beim Erstellen der Seite so hilfreich zur Seite stand. Danke Tobias, für deine Mühe, Geduld und Hingabe!

 

Mein neuer Verlag wird außerdem bald mit der Arbeit an „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ beginnen. Das Buch wird dieses Jahr noch erscheinen, voraussichtlich im Frühsommer.

 

Auf das „Bild der Woche“ werde ich in Zukunft im „Wort zum Sonntag“ verzichten.


Paläo-News

Die letzten zwei Wochen waren wieder so voll mit tollen Urzeitnachrichten, dass ich einige Beiträge noch gar nicht abfassen konnte. Das Erstellen der Website, meine ehrenamtliche Arbeit am Museum, das Vorbereiten meines Unterrichts und natürlich die Arbeit an meinen Büchern haben sehr viel Zeit in Anspruch genommen, dass nun zwei sieben-Tages-Wochen mit 16 Arbeitsstunden hinter mir liegen. Aber trotzdem habe ich keine Mühen gescheut und kann euch voller Stolz wieder 20 spektakuläre Beiträge präsentieren!

 

Fünf davon tauchen hier allerdings nicht direkt mit auf: in den letzten Wochen wurden gleich 5 neue Dinosaurier beschrieben. Zu ihnen hab ich deshalb einen Extra-Artikel verfasst, den du dir auf meiner Website ansehen kannst!


Neue Studie über Schwanzentwicklung der Dinosaurier

Die Schwänze von Nichtvogel-Dinosauriern variierten erheblich in Bezug auf die Gesamtlänge, die Gesamtzahl der Wirbel sowie ihre Form und -funktion. In einer neuen Studie von David W. E. Hone, W. Scott Persons und Steven C. Le Comber wurde nun bestätigt, dass zwischen Schwanzlänge und Schnauzen-Kreuzbein-Länge nur eine geringe oder keine konsistente Beziehung besteht. Folglich sind Versuche, bei der Rekonstruktion unvollständiger Dinosaurierskelette von dem einen aufs andere zu schätzen, wahrscheinlich sehr fehleranfällig.

 

Dinosaurier Schwänze

 

Es treten jedoch einige übergreifende Muster auf. Einige Dinosaurier zeigen (von vorne nach hinten) eine Reihe von kurzen Zentra, gefolgt von einer Reihe von längeren Zentra, wobei der Rest des Schwanzes aus einer langen Reihe von Zentra besteht, die sich in der Länge verjüngen. Dieses Muster steht im Einklang mit funktionellen Einschränkungen, und die vordere Reihe längerer Zentra fällt mit den Hauptansätzen der Oberschenkelmuskulatur zusammen.

 

Dinosaurier Schwänze

 

Dieses Muster ist aber bei vielen frühen Dinosauriern (Basaltaxa) noch nicht vorhanden und hat sich möglicherweise in verschiedenen Dinosauriergruppen unabhängig voneinander entwickelt, was auf eine funktionelle Bedeutung hinweist.

 

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Die Geschichte des Lebens

Über Milliarden Jahre entwickelten sich Fische zu Landbewohnern, Reptilien zu Vögeln, Primaten zu Menschen. Dies ist die größte Geschichte der Welt und sie ist oft erzählt worden. Angefangen von den Mythen der Ägypter über die Schriften der Erlöserreligionen bis zu den modernen Geo- und Biowissenschaften, alle versuchen sie, die Welt und ihre Geschichte zu erfassen und zu erklären. Paläontologie und Geologie haben im 19. und 20. Jahrhundert neue Instrumente ins Orchester gebracht, so dass sich die Erzählung stark wandelte.

Doch die moderne Paläontologie steht derzeit an einem entscheidenden Wendepunkt: Die Entdeckung von DNA und die fortschreitende Technisierung eröffnen dem Wissenschaftszweig neue Möglichkeiten. Die Untersuchung von Fossilien mithilfe von DNA hilft der Forschung dabei, die zentralen Fragen unserer Existenz zu beantworten: Wie kommt es zu den großen evolutionären Veränderungen? Ist unser Dasein auf der Erde das Produkt reinen Zufalls? Oder hätte es gar nicht anders kommen können?

 

»[Shubins] vier Milliarden Jahre umspannende Geschichte – von alten Fossilien bis hin zur DNA – zeigt einer breiten Leserschaft das wahre Bild der Wissenschaft, mit einnehmenden Porträts großer Forscher aus der Vergangenheit und Gegenwart.« Nature

 

Die Geschichte des Lebens: Vier Milliarden Jahre Evolution entschlüsselt ist am 21. Februar 2021 erscheinen und war sofort Bestseller in Sachen Naturgeschichte. Es hat 352 Seiten auf deutscher Sprache.

 

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Leptodontichthys ziregensis: großer zahntragender Unterkieferknochen von devonischem „Panzerfisch“ entdeckt!

Für das Verständnis der Entwicklung von Wirbeltieren mit Kiefern und Zähnen sind die Placodermi von entscheidender Bedeutung: Die Panzerfische weisen eine beeindruckende Formenvielfalt auf, aus der man die Entwicklungsgeschichte der Kieferträger herauslesen kann. Besonders in den devonischen Schichten von Marokko findet man häufig Fossilen der Arthrodire-Placodermi.

 

Leptodontichthys

 

In einer neuen Studie beschreiben Melina Robbins, Marti Rücklin, Theodoris Argyriou und Christian Klug ein großes zahntragendes Kieferelement eines Fisches aus dem Mitteldevon, den sie als Leptodontichthys ziregensis neu beschrieben. Das Tier lebte vor etwa 385 Millionen Jahren und gehörte wohl zu den größten seiner Familie. Die Größe des Kiefers lässt auf mehrere Meter Körperlänge schließen.

 

Leptodontichthys

 

Die Ausrichtung der Zähne und die Spuren eines mutmaßlichen okklusalen Kontakts auf der lingualen Seite des Knochens deuten darauf hin, dass der Fisch seine Zähne aber wohl kaum zur Nahrungsbeschaffung verwendete. Ähnlich wie bei den eng verwandten Gattungen Compagopiscis und Plourdosteus waren funktionelle Zähne möglicherweise in einem früheren Entwicklungsstadium noch vorhanden und wurden vollständig getragen, verloren dann aber ihre Funktion und bildeten sich zurück.

 


Alarmierende Studie zu dem historischen und aktuellen Verbreitungsgebiet der südasiatischen Großsäugetiere

Das quartäre Artensterben ist als solches einzigartig in der Geschichte der Massenaussterben: es betrifft vor allem Großtiere: Abgesehen von den Tieren, die der Mensch domestiziert hat, sind auf allen Kontinenten außer Afrika und Südasien bereits heute alle Großsäugetiere mit einem Gewicht von über 1.000kg ausgestorben. Sogar weitaus kleinere Säugetiere, Pflanzenfresser wie auch Raubtiere, sind derzeit stark vom Aussterben bedroht.

 

Wie prekär die Lage für die noch verbleibenden Wildtiere ist, illustriert eine aktuelle Studie internationaler Wissenschaftler, die das historische Verbreitungsgebiet von zehn Tieren rekonstruierten, die beispielhaft für den rezenten Lebensraumverlust stehen – das wohl größte Problem und die Hauptursache fürs Artensterben. Der asiatische Elefant, der Gaur, der Schabrackentapir, die drei asiatischen Nashornarten, aber auch Großkatzen wie der Tiger, der asiatische Löwe, der Leopard und der Nebelparder standen Modell für eine Skizzierung des alarmierenden Verlustes an Lebensraum.

 

Asiatische Tiere
Viele Asiatische Großtiere stehen wegen des immer kleiner werdenden Lebensraums kurz vor dem Aussterben. Bildquellen: Wikipedia.

Alle genannten Tiere hatten noch bis vor etwa 10.000 Jahren ein Verbreitungsgebiet mit einer Größe von mindestens 2,5 Millionen Quadratkilometern. Zum Vergleich: das ist die siebenfache Fläche von ganz Deutschland! Manche Tiere wie der Leopard waren sogar über ein Gebiet von 32 Millionen Quadratkilometern anzutreffen und kamen nach Ende der letzten Kaltzeit noch in vielen Populationen auf mehreren Kontinenten vor.

 

 

Heute hat sich das jedoch stark zum Nachteil der Tiere verändert. Einige Arten wurden bereits derart eingeschränkt, dass sie in freier Wildbahn beinahe ausgestorben sind. Der asiatische Löwe kommt z.B. nur noch auf einer Fläche von 1.412 Quadratkilometern vor – obwohl sein Jagdrevier einst 8.000 Mal so groß war. Sogar für die Tiere, die heute nicht in ihrem Bestand bedroht sind (wie Nebelparder, Gaur oder Leopard) hat sich ihr Verbreitungsgebiet im Vergleich zu vergangenen Zeiten um mindestens zwei Drittel bis drei Viertel verringert.


Proegernia mikebulli: Ältestes bekanntes Skink-Fossil wirft neues Licht auf die Evolution des Schuppenechsen (Lepidosauria)

Heute verfügt Australien über eine der reichhaltigsten Echsenvorkommen der Erde. Besonders die Skinke, auch Glattechsen genannt, sind dort mit vielen Arten vertreten. Das war aber vor 23 Millionen Jahren noch anders. Aus der Zeigt des Übergangs vom Oligozän zum Miozän sind nur wenige Echsenfossilien bekannt, und Skinke so gut wie keine. Die wenigen bekannten stammen überwiegend aus der Namba-Formation in Südaustralien, wo bei Grabungen von 2007 bis 2018 einige interessante Funde geborgen werden konnten, neben Überresten von prähistorischen Schnabeltieren, Beuteltieren und Wasservögeln.

 

 

Die australischen Paläontologen, die an der Fundstelle arbeiten, beschrieben in ihrer neuesten Studie nun anhand eines gut erhaltenen Unter- und Oberkiefers einen neuen ausgestorbenen Skink aus der Unterfamilie der Egerniinae: Proegernia mikebulli war vermutlich ein enger Verwandter von P. palankarinnensis, der etwa zur gleichen Zeit lebte. Der letzte gemeinsame Vorfahre beider Arten – und damit wahrscheinlich aller heutiger Egerniinae von Australien – kam im Oligozän vermutlich über Südostasien auf den damals schon isolierten Inselkontinent. Die anderen Skinke dürften dagegen erst in späteren Wellen nach Australien gekommen sein.

 

Skink
Ein heutiger Skink. Bildquelle: Wikipedia.


1,2 Millionen Jahre alt: Nachweis von urzeitlicher Mammut-DNS in Bohrkernen aus dem Permafrost

Es ist eine wahre Sensation in der Genforschung: eine schwedische Forschergruppe um Tom van der Valk stieß bei der Untersuchung von alten Bohrkernproben, die 2013 aus dem Permafrost von Sibirien und Alaska gewonnen wurden, auf DNS-Sequenzen verschiedener Urzeitbewohner. Nicht Knochen oder andere Überreste, sondern wahrscheinlich der Kot und Urin lebender Tiere hat sich in diesen Proben viele Jahrtausende erhalten, genauso wie die darin enthaltenen Erbinformationen.

 

Mammutstoßzahn
Mammutstoßzahn aus dem Permafrost.

Durch Sequenzvergleiche konnten die Forscher im Rahmen ihrer Studie darin DNS von Pferden, Mammuts und vielen anderen Tieren bestimmen, und auch von frühen Menschen, die damals dort lebten. Die Sensation: einige Proben stammen aus so lang zurückliegenden Zeiten, in denen derart gut erhaltene DNS-Sequenzen nicht zu erwarten gewesen wären: die entschlüsselte DNS eines Vorfahren des Wollhaarmammuts hat ein Alter von ca. 1,2 Millionen Jahren – ein neuer Rekord.

 

Die Forscher konnten aus den Proben herauslesen, dass damals die Aufspaltung der Mammuts bereits stattgefunden hatte. Während die eine Probe wohl zu einer Linie der späteren Wollhaarmammuts (Mammuthus primigenius) führt, scheinen andere zu einer Linie der amerikanischen Mammuts (Mammuthus columbi) zu gehören.

 

Mammut DNS

 

Wer nun allerdings denkt, dass wir einem „Jurassic Park“ mit geklonten Mammuts wieder ein Stück näher sind, der unterliegt einem Irrtum: bei der DNS handelt es sich natürlich nur um einzelne Gensequenzen und nicht um ein vollständiges Genom. Dennoch ist die Studie von großer Bedeutung, um die Entwicklungsgeschichte der Eiszeitriesen nachzuvollziehen, und auch die ökologischen Lebensumstände, die in ihrer Zeit herrschten.


Alarmierende Nachrichten zum Klimawandel: Immer schwächerer Golfstrom, Schmezwasserströme in Rekordhöhe und gigantischer Eisabbruch in der Aktarktis bereiten Klimaforschern Sorge

Eine internationale Forschergruppe um Levke Caesar von der Maynooth University in Irland kommt in einer neuen Studie zur Untersuchung der Umwälzströmung des nordatlantischen Stroms (AMOC) zu einem beunruhigenden Ergebnis: Bei der Auswertung von Proxydaten aus neun verschiedenen Quellen, wie z.B. die Jahresringe von Bäumen, Eisbohrkerne, Ozeansedimente und Isotopenstudien, sowie verschiedene fossile Meeresorganismen fanden die Forscher heraus, dass der Golfstrom heute so schwach ist wie seit mindestens 1.000 Jahren nicht mehr.

 

 

Der Grund ist die immer stärker werdende Aussüßung des Nordpolarmeeres durch abschmelzende Gletschermassen infolge der Erderwärmung: das weniger salzreiche Wasser sinkt beim Abkühlen deutlich langsamer herab, wodurch sich die Unterströmung immer mehr abschwächt. Dadurch kommt der „Motor“ des Golfstroms ins Stocken- die Strömung wird langsamer.

 

Diese Abschwächung wird wahrscheinlich immer großer Auswirkungen auf unser Klima haben, die wir bereits jetzt zu spüren bekommen: durch die Verlangsamung des AMOC verschieben sich auch die Zugrichtungen der Luftströme. In Europa erreichen uns deshalb häufiger Stürme, aber auch sommerliche Hochdruckgebiete halten sich länger und beständiger über dem Festland, was Hitzewellen und Dürren zur Folge hat. Auch ausufernde Polarwirbel können so sehr viel weiter nach Süden vordringen und für z.T. heftige Wintereinbrüche mit extrem niedrigen Temperaturen und massiven Schneefällen sorgen, wie wir sie erst vor kurzem erlebten. Andernorts können auch Hochwasserereignisse wie Starkregen und Sturmfluten zu einem Problem werden.

 

 

Eine weitere alarmierende Nachricht: In der Antarktis ist vorige Woche ein Eisberg von ungeheuren Ausmaßen abgebrochen: er hat in etwa die doppelte Größe der Insel Rügen, bzw. ist etwas größer als das Saarland. Und auch die Nachricht, dass das duch den Labrador-Strom kommende Schmelzwasser bereits Anfang März neue Rekordwerte aufstellt, macht deutlich: Die Klimaveränderung steht uns nicht nur bevor. Wir stecken mittendrin. Durch all diese Entwicklungen könnte es dazu kommen, dass schon in den nächsten Jahren ein drastischer Kipppunkt erreicht wird, bei dem AMOC vollständig zum Erliegen kommt. Eine neue Kaltzeit könnte dann die Folge sein. Die Erderwärmung kann so paradoxerweise zu einer neuen Eiszeit führen.


Löste die Umkehrung des Erdmagnetfeldes vor 41.000 Jahren eine Umweltkatastrophe aus?

Klimaforscher um Alan Cooper stellten im Rahmen ihrer Studie bei der C14- Untersuchung von Kauri-Bäumen in Neuseeland fest, dass vor etwa 41.000 Jahren der Anteil des Radiokohlenstoffs in der Atmosphäre rasant anstieg. Dies führen sie auf eine Abschwächung des Erdmagnetfeldes zurück, die immer vor einer Umpolung auftritt: durch die dann höher auftretende kosmische Strahlung werden mehr C14-Isotope gebildet.

 

 

Doch hat dies auch Auswirkungen aufs Weltklima? Bislang galten Polumkehrungen in der Erdgeschichte als eher unproblematisch, da sie in geologischen Zeitmaßstäben sehr häufig auftreten sie auf Lebewesen keine Auswirkungen haben. Allerdings haben sie nach der neuesten Studie wohl erhebliche Auswirkungen auf den Ozongehalt in der Atmosphäre. Dies könnte dann sehr wohl zu Klimaschwankungen führen.

 

 

Interessanterweise fällt diese Polumkehr zeitlich exakt mit dem Verschwinden mehrerer Menschenarten zusammen. Auch Homo sapiens startete damals zu einer neuen, seiner bis dato größten Auswanderungswelle und ließ sich in immer größerer Zahl in Mittel- und Westeuropa, den größten Teilen Asiens und auch erstmalig in Australien dauerhaft nieder. Es ist daher durchaus möglich, dass ihn der Klimawandel aus Afrika forttrieb oder seine Ansiedlung in anderen Teilen der Welt einfach nur begünstigte – was Neandertalern und Denisovanern jedoch den Todesstoß versetzte.


„Size-Gap“ bei Theropoden: wieso gibt es so wenige mittelgroße Jäger unter den Dinosauriern?

Kat Schroeder und ihre Kolleginnen untersuchen in einer neuen Studie die Datensätze aus 43 bekannten Fundstellen aus dem Mesozoikum: was für Dinosaurier lebten dort? Wie verteilten sich Fleisch- und Pflanzenfresser? Und wie groß wurden diese?

 

 

Das Ergebnis bei den Theropoden, den zumeist fleischfressenden Dinosauriern überrascht: während an einigen Fundstellen, wie z.B. der Morrison-Formation aus dem Jura sowohl sehr große Fleischfresser mit einem Gewicht von über 2 Tonnen (wie Allosaurus) zusammen mit vielen kleineren Beutegreifern zusammenlebten, so gibt es in den meisten anderen Dino-Ökosystemen mit riesigen Fleischfressern nur einige wenige Arten von kleineren Theropoden. Je größer der Super-Prädator, umso größer scheint auch der Abstand zum Körpergewicht des nächstgrößeren Fleischfressers zu werden.

 

 

Diese Size-Gap (Größenlücke) ist ungewöhnlich und kommt in heutigen Ökosystemen nicht mehr vor. Mögliche Erklärungen: die mittelgroßen Fleischfresser gingen den Killer-Giganten aus dem Weg und lebten in Gegenden, wo sich Fossilien nur schlecht bilden und erhalten – heißt: es gab sie, aber wir finden sie heute nicht mehr (Bias). Doch es könnte auch möglich sein, dass die Lücke von den Jungtieren der Mega-Theropoden gefüllt wurde. Die gingen ihren Eltern vielleicht ab einem gewissen Alter aus dem Weg und jagten ganz andere Beute, bis sie ausgewachsen waren. Kleinere Beutegreifer könnten gegen so eine starke Konkurrenz durch die halbstarken Superprädatoren dann keine Entfaltungschance gehabt haben.

 


Neue Studie zum Hör- und Sprachvermögen der Neandertaler

Lange Zeit galten Neandertaler als tumbe, stumpfsinnige Gesellen, und bis heute hält sich hartnäckig das Bild, dass unsere Geschwisterspezies lediglich in Grunzlauten kommunizierte- wenn überhaupt. Dass diese Vorstellung aber Blödsinn ist, und wahrscheinlich nur aus Arroganz und Vorurteilen resultiert, haben jüngste Forschungen wieder einmal bestätigen können.

 

Eine Gruppe spanischer Forscher um Mercedes Conde-Valverde untersuchte die Fossilien von Neandertalern von Sima de los Huesos in Nordspanien, wo man schon seit 1992 viele Überreste von Heidelberg-Menschen und Neandertalern fand, die das Gebiet mehr als 400.000 Jahre lang durchgängig bewohnten. Einige der Schädel waren so gut erhalten, dass mithilfe von CT-Scans und Computermodellen ein detailliertes Bild vom Innenohr und dem Hörzentrum des Gehirns erstellt werden konnte. Simulationen konnten außerdem den Frequenzbereich ermitteln, in welchem ein Neandertaler hörte. Was als Ergebnis der Studie nur wenig überrascht: Neandertaler hatten die gleichen auditiven Fähigkeiten wie moderne Menschen. Sie hörten die Töne ebenso wie wir und waren imstande, auch Sprachinformationen in gleicher Weise zu verarbeiten wie wir.

 

 

Frühere Studien hatten bereits bestätigt, dass Neandertaler auch das FOXP2-Gen besaßen, das beim Menschen für die Sprache zuständig ist. Auch Kehlkopfanalysen ergaben, dass Neandertaler durchaus sprechen konnten, bloß dass ihre Sprache wohl etwas anders klang, weil sie lange, helle Vokale (I und E) nicht lange halten konnten. Außerdem sprachen Neandertaler-Männer wohl mit einer etwas höheren Stimme. Aber es besteht kein Zweifel, dass Neandertaler genauso mit Worten kommunizierten, so wie wir das tun.


Forscher präzisieren den Faunenwechsel von Meeresreptilien während des Übergangs vom Unter- zum Mittel- und Oberjuras

Neben den Dinosauriern genießen vor allem die großen Meeresreptilien unter Urzeit-Freunden eine große Popularität. Doch was für die Dinos gilt an Land gilt, gilt selbstverständlich auch für die Herrscher der Meere (die übrigens alle NICHT zu den Dinosauriern gezählt werden): sie lebten nicht alle gleichzeitig.

 

 

Während des Übergangs vom frühen zum mittleren Jura fand ein scheinbar langsamer Faunenwechsel statt. Dabei starben frühe Neoichthyosaurier, Rhomaleosaurier-Plesiosaurier und frühe Plesiosauroide zugunsten von Ophthalmosauriden-Ichthyosauriern und Kryptoklididen- und Pliosauriden-Plesiosauriern aus. Diese Kladen dominierten anschließend den Oberjura und z.T. auch noch die Unterkreide.

 

 

Der Fossilienbestand dieser Zeiträume ist jedoch leider ziemlich schlecht. Valentin Fischer, Robert Weis und Ben Thuy beschreiben in ihrer neusten Studie eine Reihe von Ichthyosaurier- und Plesiosaurier-Exemplaren aus aufeinanderfolgenden geologischen Formationen in Luxemburg und Belgien, die die Evolution der dortigen Meeresreptilien über den Übergang vom frühen zum mittleren Jura detailliert beschreiben.

 

 

Ihre Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die Struktur der marinen Ökosysteme Westeuropas im Gegensatz zum Rest der Welt länger, nämlich bis zum Ende des Unterjura relativ konstant blieb. Zwar kamen dort auch plötzlich ophthalmosauride Ichthyosaurier und kryptoklidide Plesiosaurier vor, Rhomaleosaurier blieben jedoch häufig. Top-Jäger dort waren auch weiterhin noch riesige Temnodontosaurus-ähnliche Ichthyosaurier. Die vorherige Unsicherheit über die Dauer des Faunenwechsels, zumindest für Ichthyosaurier und Plesiosaurier, konnte außerdem auf 4 statt 14 Millionen Jahre verringert werden.


Studie über Kiefermorphologie mesozoischer Säugetiere

Die Kiefermorphologie ist eng mit der Ernährung und der biomechanischen Leistung verbunden, und Kiefer sind eines der häufigsten fossilen Elemente von Säugetieren aus dem Mesozoikum. Das Wissen über die Ernährungs- und funktionelle Vielfalt früher Säugetiere konnte in einer neuen Studie über die ökologische Struktur der Paläogemeinschaften während des Mesozoikums nun erweitert werden. Eine Forscherinnengruppe um Nuria Melisa Morales-Garcia analysierte darin, wie sich die Kieferform und der mechanische Vorteil der Muskeln auf die Ernährung von 70 heutigen und 45 ausgestorbenen Säugetieren aus dem Erdmittelalter auswirken.

 

 

Bei rezenten Säugetieren unterscheidet die Kieferform gut zwischen Ernährungsgruppen: Insektenfresser haben lange Kiefer, Pflanzenfresser kurze Kiefer, Wiederkäuer breite und flache Kiefer und bei Fleischfressern ist je nach ihrer Art und Weise des Beuteerwerbs der Kiefer mal länger, mal kürzer. Diese Merkmale waren auch für die Ernährung mesozoischer Säugetiere von Bedeutung (basierend auf früheren unabhängigen Bestimmungen der Ernährung) und bilden die Grundlage für zukünftige ökomorphologische Studien.


Frühmenschen: je kleiner die Jagdbeute, umso größere Sprünge in der Evolution?

Der Urmensch als Großwildjäger: kaum ein Stereotyp über die Eiszeit genießt mehr Popularität und Verbreitung. Doch könnte nicht die Spezialisierung auf riesige Beutetiere wie Mammuts und Nashörner, sondern vielmehr die Fokussierung auf kleinere Beutetiere den Fortschritt des Menschen begünstigt haben?

 

Miki Ben-Dor und Ran Barkai von der Universität Tel Aviv nehmen als Ergebnis ihrer neuen Studie an, dass das Aussterben der Megafauna, und damit der fortschreitende Rückgang der großen Beutetiere ein wichtiges Selektionsmerkmal in der menschlichen Vorgeschichte war. Die Entwicklung neuer physiologischer Merkmale sowie die Übernahme, Assimilation und Ersetzung kultureller Verhaltensmuster könnte direkt mit dem zusammenhängen, was und dementsprechend auch wie unsere Vorfahren jagten.

 

 

Einige Veränderungen, wie die Erweiterung des Gehirns, die Verwendung von Feuer, Entwicklungen von Steinwerkzeugtechnologien oder das Ausmaß der Ressourcenintensivierung, wurden umso fortschrittlicher, je weniger Großwild zur Verfügung stand.

 

 

Ben-Dor und Barkai argumentieren, dass gerade die Notwendigkeit, die zusätzlichen energetischen Kosten für den Erwerb zunehmend kleinerer Beute zu mindern, unsere Entwicklung entscheidend voranbracht haben könnte. Fürs Erlegen großer Beutetiere benötigt man vor allem rohe Durchschlagskraft, kleinere Beute ist aber flinker und zwar verbunden mit weniger Gefahr, dafür aber doch schwieriger zu erlegen als Großwild. Das schafften unsere Vorfahren nur mit immer besserem Geschick, neuen Technologien und mehr Grips, so die beiden Forscher.


Funktion der Muskulatur von Vorder- und Hinterbeinen des Therizinosauriers Nothronychus erforscht

Therizinosaurier gehören zu den bizarrsten Dinosauriern. Die wahrscheinlich pflanzenfressenden Theropoden aus der Oberkreide Asiens und Nordamerikas zeichnen sich durch ein vogelähnliches Skelett mit zahlreichen Hohlräumen, starken Armen mit beängstigenden langen Krallen und einen Beckengürtel aus, der es ihnen erlaubt, sehr hoch aufgerichtet zu stehen.

 

Lebendrekonstruktion eines Nothronychus. Bildquelle: ArthurWeasley (Wikipedia).

 

David K. Smith vom Northland Pioneer College in Arizona veröffentlicht in diesem Jahr nun schon das zweite Paper über den nordamerikanischen Therizinosaurier Nothronychus, der im Zuni Becken vor rund 93 Millionen in der frühen Oberkreide lebte. Smith verglich in seiner ersten Studie das Muskelsystem der Hinterbeine mit anderen Theropoden, Ornithopoden sowie Krokodilen und Vögeln mit dem Ergebnis, dass seine Muskeln am ehesten wie die eines großen Vogels zusammenspielten. Auch Nothronychus besaß ein (für einen Theropoden ungewöhnliches) nach hinten gerichtetes Schambein.

 

 

In der zweiten Studie waren die Vordergliedmaßen an der Reihe: Die Muskelanatomie des Brustgürtels und des Vorderbeins von Nothronychus hat Smith anhand sichtbarer Muskelnarben, Daten von vorhandenen Vögeln und Krokodilen sowie Modellen für andere Theropoden rekonstruiert, mit diesem Ergebnis:

 

 

In vielerlei Hinsicht waren die Arme typisch für herkömmliche Theropoden. Es gibt aber keinen Hinweis auf einen vergrößerten Bewegungsbereich innerhalb der Vorderbeine, wie dies für abgeleitete Nicht-Vogel-Theropoden angenommen werden könnte. Die Osteologie und die daraus abgeleitete Muskulatur sind ein Mosaik primitiver und abgeleiteter Merkmale für Theropoden, mit einer gewissen Ähnlichkeit wie bei den Dromaeosauriern (Raptoren).


Anteosaurier vs. Tapinocephalier: Anatomie und mögliches Verhalten von Dinocephaliern auf dem Prüfstand

Die Dinocephalier des oberen Perm, die vor mehr als 260 Millionen Jahren lebten, gehören zu den frühesten Landwirbeltieren, die eine große Körpergröße entwickelt haben. Sie umfassen die fleischfressende Anteosauria und die meist pflanzenfressende Tapinocephalia. Während die Paläoneurologie der Tapinocephalier bei Moschognathus whaitsi bereits gut untersucht wurde, war die der Anteosauria bislang völlig unbekannt.

 

Anteosaurus
Lebendrekonstruktion von Anteosaurus magnificus nach Dimitry Bogdanov.

 

Eine Forschergruppe um Julien Benoit verwendete in ihrer neusten Studie die Röntgen-Mikrocomputertomographie, um zum ersten Mal die Paläoneurologie von Anteosaurus magnificus zu untersuchen. Im Vergleich zu Moschognathus war Anteosaurus wohl ein agiles, terrestrisches Raubtier. Ein Hauptunterschied zwischen den beiden Gattungen besteht in der Ausrichtung der Gehirnschale, wie durch den Winkel zwischen der Längsachse des Schädels und der Ebene des seitlichen halbkreisförmigen Kanals deutlich wird. Dieser Winkel beträgt bei Anteosaurus 25 °, während er bei Moschognathus 65 ° beträgt, was darauf hindeutet, dass die Gehirnschale des letzteren als Anpassung an brutale Rammstöße umgestaltet wurde. Dies steht im Einklang mit einer geringeren Schädelpachyostose und der Beibehaltung eines großen Reißzahns bei Anteosaurus, was darauf hindeutet, dass das Gebiss möglicherweise zusätzlich zur Beutejagd auch für innerartliche Rangkämpfe verwendet wurde.

 

Moschops
Lebendrekonstruktion von Moschognathus nach Dimitry Bogdanov.

 

Die pflanzenfressenden Tapinocephalidae setzten dagegen auf die Entwicklung eines dicken Schädels, von Hörnern und Höckern, und sie bildeten ihre Eckzähne zurück, ganz ähnlich, wie es mehr als 250 Millionen Jahre später die Huftiere tun sollten. In ähnlicher Weise können Tapinocephalier ein komplexes soziales Verhalten entwickelt haben.

 


Entdeckung neuer Purgatorius-Art ermöglicht neue Erkenntnisse über die frühe Evolution der Primaten und ihrer Verwandten

Die Purgatoridae gehören zu den Plesiodapiformes und damit zu basalsten Verwandten der Primaten. Sie sind gleichzeitig eine der ältesten Gruppen der Plazentatiere (höhere Säugetiere) und haben sich bereits zur Zeit der letzten Dinosaurier entwickelt. Damit sind sie ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis der evolutionären und ökologischen Herkunft von Pan-Primaten und Euarchonta (der Klade aus Primaten, Riesengleitern und Spitzhörnchen).

 

Purgatorius
Lebendrekonstruktion von Purgatorius nach Andrey Atuchin.

 

Eine Forschergruppe um Gregory P. Wilson Mantilla hat nun eine neue Studie veröffentlicht, in der die Forscher über neue Zahnfossilien von Purgatorius aus Ablagerungen im frühen Paläozän (frühen Puercan) im Nordosten von Montana berichten. Die Fossilien stammen aus dem Tullock-Komplex der Fort Union Formation von Montana und aus der Zeit vor 65,9 Millonen Jahren, also kurz nach dem Chicxulub-Desaster, als ein riesiger Meteorit die Erde traf und ein Massenaussterben auslöste.

 

Die entdeckten Zähne gehören offenbar zu zwei Purgatorius-Arten, der altbekannten P. janisae und einer neuen Art, die die Forscher als P. mckeeveri neu beschrieben. Die Studie unterstützt die Theorie, dass Purgatoriden und im weiteren Sinne Pan-Primaten, Euarchonta und Placentalia wahrscheinlich aus der späten Kreidezeit stammen. Schon eine Million Jahre nach ihrem ersten Auftreten im Nordosten von Montana übertrafen die Plesiodapiformes die archaischen Huftiere schon in zahlenmäßiger Häufigkeit und dominierten die Nische der Allesfresser und Frugivoren in den lokalen Faunen von Säugetieren des frühen Paläozäns.

 


Links zu weiteren Urzeit-Nachrichten:

Homo erectus – Der unfassbare Frühmensch

 

Studie zur genetischen Diversität in der Jungsteinzeit

 

Wissenschaftler untersuchen Viren aus dem sibirischen Permafrost

 

Video über Vilevodon, ein fliegendes Säugetier (?) aus dem Jura

 

Ausgestorbene Gans auf altägyptischem Wandgemälde entdeckt?

 

Unaufhaltsam – die zukünftige Evolution des Menschen

 

Wofür sind Bärte gut? Das sagen Evolutionsbiologen

 

Der Ursprung des Lebens auf der Erde

 

Wikinger aßen gesund

 

Zähne geben weiteren Einblick in das Leben von Neandertalern

 

Tintenfisch besteht Intelligenztest für Kleinkinder

 

Utahraptor ostrommaysi : neue Fossilien des größten Dromaeosauriers gefunden

 

Cephalozygoptera: Forscher beschreiben neue Insektengruppe aus dem Oberjura

 

Wie der Tiefschlaf unseren Vorfahren einen Intelligenz-Boost verschaffte


Eigene Artikel:

Statement zu Gendergerechter Sprache

 

Styginetta lofgreni

 

Die Geschichte unserer Erde – Episode IV

 

Die neuen Dinosaurier 2021


Das war es nun mit den Paläo-News! Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag, einen guten Start in die Woche, bleib gesund! Wir lesen uns dann wieder am Sonntag in 14 Tagen.

 

Liebe Grüße und bleibt gesund, Dein

Markus Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 21. Februar 2021

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Der Winter scheint sich endlich dem Ende zu nähern. Das heftige Schneechaos, das viele Teile Deutschlands in den letzten Wochen erleben mussten, hat uns in Kiel eher kalt gelassen – im positiven Sinne. Hier fiel bloß letzte Woche einmal richtig Schnee. Ich habe den Tag genutzt, um endlich einen schönen Winterspaziergang am Strand zu machen. Bei dichtem Nebel zwar, aber es war wirklich stark. Ich kann jedem nur raten, das auch einmal zu machen!


Ankündigungen

Die Website zu „Die weißen Steine“ steht in den Startlöchern. In naher Zukunft werden meine Beiträge in besserer Qualität von meiner eigenen Seite erreichbar sein. Natürlich auf Facebook und Instagram aber weiterhin so wie gehabt! Wenn es losgeht, sage ich noch einmal Bescheid.


Mein neuer Verlag wird außerdem bald mit der Arbeit an „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ beginnen. Das Buch wird dieses Jahr noch erscheinen, voraussichtlich im Frühsommer. Wer den ersten Band noch nicht hat, darf mir gerne eine Nachricht schreiben – ich habe noch ein paar Exemplare bei mir auf Lager! Ihr bekommt sie von mir natürlich auch gern mit persönlicher Widmung, zum kleinen Preis von € 12,10 (inklusive Portokosten innerhalb Deutschlands).


Bild der Woche

Ein Struthiomimus-Weibchen mit ihrem Nachwuchs wandert über die Ebenen von Hell Creek, auf Nahrungssuche. Die Dino-Mama hält dabei wachsam Ausschau nach Bedrohungen.

 

Das Bild stammt von Julio Lacerda.

 


Paläo-News

Auch in den letzten Wochen gab es wieder viele spektakuläre Nachrichten aus der Urzeitforschung:


Die Seychellen in der Eiszeit: als Krokodile Jagd auf Riesenschildkröten machten

Als bei uns in Europa die Weichsel-Würm-Kaltzeit begann und Mammuts, Wollnashörner und Riesenhirsche durch die Tundra stapften, wäre der Aldabra Atoll auf den Seychellen wohl ebenfalls ein interessantes Reiseziel gewesen: Internationale Forscher aus der Schweiz, Italien und Deutschland arbeiteten mit örtlichen Experten zusammen, um eine interessante ökologische Verbindung zwischen Krokodilen und Schildkröten zu rekonstruieren.

 

 

Das UNESCO-Weltkulturerbe Aldabra Atoll beherbergt heute etwa 100 000 Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea), deren Fossilienbestand bis ins späte Pleistozän zurückreicht. Grabungen in Schichten mit einem Alter von ca. 90–125 000 Jahren gaben Knochen und Panzer von Riesenschildkröten frei, sowie mehrere Schädel und Rumpfknochen von Krokodilen. Mehrere Schildkrötenknochen weisen kreisförmige Löcher, Gruben und Kratzspuren auf, die als Bissspuren von Krokodilen interpretiert werden.

 

 

Dass es dort große Krokodile der Art Aldabrachampsus dilophus gab, die immerhin 2 bis 3 m Länge erreichten, ist seit einiger Zeit bekannt, aber die kürzlich vorgestellten Krokodilreste, die in der neuen Studie vorgestellt werden, sind deutlich größer als die zuvor beschriebenen. Dies weist auf das Vorhandensein mindestens einiger größerer Krokodile derselben oder einer anderen Art auf dem Atoll hin. Diese größeren Krokodile, wahrscheinlich die Apex-Raubtiere im Aldabra-Ökosystem zu dieser Zeit, waren in der Lage, selbst die sehr großen Riesenschildkröten zu erbeuten und ihre Panzer zu knacken.

 

Bildquellen und Link zur Studie



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Ein Zwergsauropode und seine Welt – mitten in Europa

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese alte Weisheit ist der Grundtenor dieser Graphic Novel, einem Comic im Buchformat, welche ein Inselökosystem in Norddeutschland vor 154 Millionen Jahren wieder zum Leben erweckt. Der titelgebende Zwergsauropode Europasaurus, welcher im Steinbruch Langenberg in Niedersachsen 1998 gefunden wurde, steht im Zentrum und ist gleichzeitig narrativer Faden durch die Handlung. Aber er ist nur ein Teil eines viel größeren Ensembles. In mehreren Episoden wird das Leben der damaligen Tiere in ihrer Umwelt visuell erzählt. Die Geschichten sind stimmig miteinander verknüpft, sodass das jurazeitliche Ökosystem in all seinen bisher bekannten Facetten dargestellt werden kann. Damit werden die Forschungsergebnisse der langjährigen Arbeiten am Langenberg für ein breites Publikum erschlossen. (Aus einer Amazon-Rezension)

 

EUROPASAURUS: Urzeitinseln voller Leben – Life on Jurassic Islands ist am 3. November 2020 bei Dr. Friedrich Pfeil erschienen und hat 184 Seiten auf Deutsch und Englisch.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

Gesichtsform von amerikanischen Ureinwohnern geht z.T. auf Gene von Denisova-Menschen zurück

Sie sind wahrscheinlich die rätselhaftesten aller Menschenarten, hatten aber dennoch einen gewaltigen Einfluss auf unsere heutige Diversität: die Denisova-Menschen. Fossil nur spärlich überliefert, wird ihre Existenz vor allem durch Genanalysen belegt. Wir wissen heute, dass sie wahrscheinlich die Schwesterspezies des Neandertalers waren und so wie er wohl vor etwa 300.000 Jahren aus Populationen des Heidelberg-Menschen hervorgingen. Bis vor etwa 40.000 Jahren besiedelten sie große Teile Asiens.

 

Wie auch mit den Neandertalern in Europa haben sich unsere eigenen Vorfahren (Homo sapiens) auch mit Denisovanern erfolgreich vermischt, besonders in Südost- und Nordasien, wo ihre Population wohl ziemlich früh in der unseren aufging. Dabei haben sie einige ihrer Eigenschaften an ihre Nachfahren vererbt, wie nun durch eine neue Studie von Kaustubh Adhikari vom University College, London und seinen Forschungskollegen bestätigt werden konnte.

 

 

In ihrer Arbeit nahmen Adhikari und sein Team Genproben von über 6.000 Menschen lateinamerikanischer Herkunft. Dabei konnten sie 32 Gensequenzen (Loci) lokalisieren, die für die Beschaffenheit des Gesichts verantwortlich sind: Größe und Form von Nase, Lippen, Kiefer und der Augenbrauen werden durch diese Gene codiert. Das überraschende: mindestens eines dieser Gene wurde offenbar direkt von den Denisovanern ererbt, wie aus Vergleichsanalysen hervorging. Das TBX15-Gen, was z.B. die Dicke der Lippen codiert, stammt von den Denisovanern. In der Studie konnten auch gänzlich neue Gene identifiziert werden, über deren Funktion zuvor noch Unklarheit herrschte: das VPS13B-Gen ist z.B. für die Form der Nase verantwortlich.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Neue Fossilien von Bodenfaultier Megatherium beschrieben!

Das „Riesenfaultier“ ist wohl eines der bekanntesten Eiszeittiere der beiden Amerikas, nicht erst durch die Rolle des „Sid“ im Animationsfilm „Ice Age“. Eigentlich sollte man diese Tiergruppe aber eher „Bodenfaultiere“ nennen, denn nicht alle von ihnen waren riesig. Manche Gattungen entwickelten sich sogar zu Meerestieren weiter, die vermutlich ähnlich wie Seekühe lebten. Doch auch sowohl die Bodenfaultiere als auch die Meeresfaultiere sind heute ausgestorben.

 

Lebendrekonsturktion eines Megatherium von Brian Engh.

 

Megatherium war die bei weitem größte Gattung aller je existierenden Faultiere. Während des Pleistozäns spielte die Art M. americanum mit ca. 4 Tonnen Gewicht schon in der Liga der Mastodons und Mammuts! Megatherium war ein Hochlandbewohner, einige Arten lebten auch in der Bergregion der Anden, wobei diese jedoch oft kleiner waren. Der engste Verwandte von Megatherium, Eremotherium, war dagegen im Flachland verbreitet und erreichte über den Isthmus von Panama auch Nordamerika. Megatherium war dagegen nur auf Südamerika beschränkt.

 

 

Einige Zeit früher, noch vor den Eiszeiten und während der Epoche des Pliozäns, existierte zwischen den Amerikas noch keine Landbrücke. Doch schon damals hatten die Megatherien Südamerikas die Größe von heutigen Nashörnern. Die rund 3,6 Millionen Jahre alten Fossilien, die in der Chapadmalal Formation von San Eduardo del Mar gefunden wurden, gehören zu der Art M. altiplanicum und belegen seine Anwesenheit zu dieser Zeit auch in Argentinien, wo man bislang noch keine so alten Überreste von Megatherium fand. Die Fossilien, ein gut erhaltener Schädel mit Zähne und Teile des Rumpfskeletts, stammen vermutlich von einem Jungtier.

 

Link zur Studie


Tiktaalik rosae: Änderung der Ernährungsweise spielte große Rolle beim Landgang der ersten Wirbeltiere

Während viele Fische ihre Beute in einer Kombination aus schnappen und ansaugen in ihr Maul bekommen, muss ein Landtier vor allem zupacken und kräftig beißen können. Doch wie weit waren die allerersten Landwirbeltiere dazu schon in der Lage? Dieser Frage gingen die Paläontologen Justin B. Lemberg, Edward B. Daeschler, und Neil H. Shubin auf den Grund und untersuchten dazu die Schädelanatomie des ersten „laufenden“ Fisches Tiktaalik rosae, der im Oberdevon vor ca. 380 Millionen Jahren lebte.

 

Lebendrekonstruktion von Tiktaalik rosae nach Kalliopi Monoyios.

 

Die Forscher entdeckten dabei, das Tiktaalik bei einer erheblichen Umstrukturierung des Schädels im Vergleich zu seinen noch vollaquatischen Verwandten zur über einen beweglichen Schädel verfügte, der ihm das Beißen und Knacken erleichterte, und dass er auch gleichzeitig Fressen und Atmen konnte.

 

 

Die Analyse der Schädelnähte legt außerdem nahe, dass die Fähigkeit, die Wange und den Gaumen seitlich auszudehnen, während des Übergangs von Fisch zu Tetrapode erhalten blieb, sodass Tiktaalik auch noch wie ein Fisch im Wasser seine Beute ansaugen konnte, so wie es heutige Alligatorenfische auch tun. Diese Eigenschaft könnte ein wichtiger Zwischenschritt in der Entwicklung einer für Landtiere typischen Ernährungsweise gewesen sein, indem die Fähigkeit zum Ansaugen zunächst beibehalten und gleichzeitig ein Mechanismus für das Zubeißen entwickelt wurde.

 

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Überraschende Erkenntnis: wir sind deutlich „primitiver“ als bisher gedacht!

Was brauchten unsere frühesten Vorfahren, bevor sie aus dem Wasser ans Land kamen? Ganz einfach, Beine und Lungen, würden die meisten wohl antworten, und dabei denken, dass sich beides wohl ziemlich gleichzeitig und nahe zu der Zeit entwickelt haben muss, als die ersten Ur-Tetrapoden auftauchten, wie Tiktaalik oder Acanthostega. Doch wie Forscher der Universität Kopenhagen nun herausfanden, sind beide Merkmale tatsächlich schon 50 Millionen Jahre älter und traten schon bei relativ primitiven Knochenfischen auf, die ausschließlich im Wasser lebten.

 

 

Dazu untersuchten die Forscher die Genomsequenzen von vier verschiedenen Linien der Knochenfischen: Flösselhechte (Polypteriformes), Löffelstöre (Acipenseriformes), Kahlhechte (Amiiformes) und Alligatorenfische (Lepisoteiformes) besitzen alle die gleichen genetische Anlagen, die bei den Landwirbeltieren für die Ausbildung von Lungen und Gliedmaßen zuständig sind. Die bislang lediglich morphologisch begründete Homologie zwischen Schwimmblase und Lunge konnte außerdem nun auch das erste Mal genetisch belegt werden: beide Organe werden durch exakt die gleichen Gene codiert. Und auch die Anlagen für ein Herz-Kreislauf-System, das eine effiziente Luftatmung mit der Lunge überhaupt erst möglich macht, haben sogar alle Kieferfische schon in ihren Genen.

 

 

Die Wege, die wir Landwirbeltiere also einst gehen sollten, wurden von der Evolution also bereits viele Millionen Jahre früher angelegt, als sich einige dann tatsächlich aufmachen sollten, sie zu beschreiten. Und dazu waren gar nicht so viele Neumutationen nötig!

 

Bildquellen und Link zur Studie


Wie aus Flossen Beine wurden – und auch wieder werden könnten!

Wie „kurz“ der evolutionsbiologische Weg von der Flosse zu den Gliedmaßen eines Landbewohners ist, veranschaulicht eine weitere Studie: dort haben Forscher der Harvard University und des Bostoner Kinderkrankenhauses untersucht, was auf genetischer Ebene geschieht, um unterschiedliche Muster im Flossenskelett gegenüber dem Gliedmaßen-Skelett zu steuern.

Ein Zebrabärbling (Danio rerio). Bildquelle: Wikipedia.

 

Dabei stießen sie auf ungewöhnliche Mutationen beim Zebrabärbling, eines kleinen Knochenfischs, der wild vor allem im Ganges lebt, aber auch als Aquarienfisch sehr beliebt ist. Die Zebrabärblinge bildeten in ihren Brustflossen häufig überzählige und zu lange Knochen aus. Diese neuen Knochen integrierten sich in die Muskulatur, bildeten Gelenke und artikulierten mit benachbarten Elementen, sodass den Fischen keine Nachteile bei der Fortbewegung entstanden.

 

 

Ursächlich für die Ausprägung dieser gliedmaßenähnlichen Flossen ist eine Mutation am Hox11-Gen, dem gleichen Gen, das bei einem Defekt bei Landwirbeltieren für schwere Missbildungen an den Vordergliedmaßen verantwortlich ist, wie sie z.B. bei Mäusen häufig vorkommt. Dies ist ein weiterer klarer Beleg für eine Homologie der Entwicklung von Brustflosse und Armskelett.

 

Link zur Studie


Abstammungsgeschichte von Ur-Primaten erforscht

Die Ablagerungsschichten des südlichen Bighorn Basins in Wyoming, die sich im frühen Eozän vor etwa 55 bis 50 Millionen Jahren bildeten, sind für ihre reichen Ölvorkommen bekannt. Weitaus weniger Beachtung finden meist die Säugetierfossilien, die sich aus dieser Zeit dort erhalten haben. Obwohl sie sicherlich sehr interessant sind, denn dort könnten die frühesten bekannten Primaten und damit auch die ältesten Vorfahren von uns Menschen gelebt haben.

 

 

In einer neuen Studie beschreiben Mary T. Silcox und ihre Forschungskollegen die Fossilien von drei kleinen Säugern aus der Unterfamilie der Microsyopinae, eines frühen Seitenzweigs der Primaten. Sie konnten im Bighorn Basin mehrere Fossilien der Gattung Arctodontomys, zumeist Zahnfunde, sicherstellen. Dabei stellte sie fest, dass die Fossilien der kleineren Art A. wilsoni, in jüngeren Schichten durch die deutlich größeren Fossilien von A. nuptus ersetzt werden. Diese wird dann in den jüngsten Schichten wiederum durch die Art Microsyops angustidens abgelöst. Forscher gingen längere Zeit davon aus, hier ein direktes Abstammungsverhältnis zwischen den drei Primaten nachweisen zu können.

 

Lebendrekonstruktion der Ur-Pimatan aus der Wiley Online Library.

Doch nun fand man Fossilien der „mittleren“ Art A. nuptus auch in Schichten, die 60 m über den ältesten Fossilien von M. angustidens lagen. Beide Primaten haben also eine recht lange Zeit noch nebeneinander existiert. Es ist also wahrscheinlich, dass sich die kleinen, insektenfressenden Primaten dort eher in mehrere Population und schließlich Arten aufgespalten haben, und sie haben es in nur fünf Millionen Jahren geschafft, von der Größe einer Maus zur Größe eines Wiesels heranzuwachsen.

 

Link zur Studie

 

 


Postosuchus vs. Typothorax: Bissmarken enthüllen urzeitliches Massaker

In der späten Trias, als die Geschichte der Dinosaurier gerade erst begann, teilten sie sich die Welt noch mit vielen anderen, archaischen Reptilien und hatten auch noch längst nicht die „Herrschaft“ in ihren Ökosystemen inne. Die Top-Räuber dieser Zeit waren die Rauisuchier, zweibeinig laufende Verwandte der Krokodile, mit mächtigen Kiefern, die auch die härteste Beute zur Strecke bringen konnten.

 

Die Bissmarken auf dem Panzer des Typothorax zeigen, dass das Tier regelrecht zerfetzt wurde. Lebendrekonstruktion: Jeff Martz

 

Wie viel Kraft in so einem Rauisuchier-Kiefer steckte, können jüngst entdeckte Fossilien aus dem Petrified Forrest in Arizona nur erahnen lassen: auf den Knochen des Aetosauriers Typothorax coccinarum, eines großen, gepanzerten Pflanzenfressers, der ebenfalls mir den Krokodilen verwandt war, entdeckten Forscher nun Bissspuren eines großen Fleischfressers. Die Fraßrillen passen perfekt zu den Zähnen des Postosuchus kirkpatricki, eines sechs Meter langen Rauisuchiers.

 

Lebendrekonstruktion eines Postosuchus, ebenfalls von Jeff Martz.

 

Ob der mächtige Räuber seine Beute selbst zur Strecke gebracht hat, oder ob er nur an einem Kadaver fraß, lässt sich leider nicht mit Sicherheit sagen.

 

Link zur Studie


Wie die Dinos von Südamerika bis zum Nordpol kamen

Die Dinosaurier haben sich neuesten Erkenntnissen nach auf der Südhalbkugel entwickelt. Die ältesten Fossilien stammen aus der Trias von Südafrika, Brasilien und Argentinien und sind zwischen 245 und 235 Millionen Jahre alt. Spätestens vor 230 Millionen Jahren waren die zwei großen Hauptgruppen der Sauropodomorpha und der Theropoda über weite Teile des Südens von Pangaea verbreitet, des Superkontinents, der damals alle Landmassen in sich vereinte.

 

Der Urkontinent Pangaea. Eingezeichnet sind mehrere bekannte Dinofundstellen aus der Trias.

 

Und genau hier stoßen Forscher auf ein großes Rätsel: wieso gab es damals im Norden Pangaeas noch keine Dinosaurier? In dem Teil, der später zu Nordamerika werden sollte, tauchen sie erst vor 224 Millionen Jahren auf. Europa und Nordasien erreichte sie noch später. Und im nördlichsten Winkel Grönlands sind ihre Spuren erst vor rund 215 Millionen Jahre nachzuweisen. Da alle Kontinente zusammenhingen, und es auch keine hohen Gebirge gab, die den Dinos den Weg versperrten, so ist ihr „Schneckentempo“ kaum zu erklären, besonders wenn man bedenkt, wie erfolgreich diese Tiergruppe einmal werden sollte.

 

 

Das Rätsel zu lösen könnte den Paläontologen Dennis V. Kent and Lars B. Clemmensen nun gelungen sein: sie vermuten einen Zusammenhang zwischen der Migration der Dinosaurier und einem plötzlichen Absinken des CO2-Gehalts in der Atmosphäre, der einen drastischen Klimawandel in der Zeit vor etwa 215 bis 212 Millionen Jahren zur Folge hatte. Zuvor war der Norden Pangaeas eine raue, von trockenen Wüsten gezeichnete Landschaft, wo Dinosaurier, die in feuchten Wäldern und fruchtbaren Tiefebenen gediehen, nicht gut zurechtkamen. Erst als das Klima milder und feuchter, und die Vegetation üppiger wurde, habe es die Dinos auch weiter nach Norden gezogen.

 

Link zur Studie


Deutschland gehörte während der letzten Eiszeit zu den trockensten und staubigsten Orten der Erde!

 

Zu dieser Erkenntnis kam ein geologisches Forscherteam unter der Leitung der Universität von Kopenhagen nach einer umfassenden Analyse der Löss-Ablagerungen von Nußloch bei Heidelberg. Durch Lumineszenz-Datierung und C14-Messungen ermittelte das Team die jeweilige Dauer der Ablagerungsperioden und konnte diese in Bezug zur Menge des vom Wind eingetragenen Staubs setzen.

 

 

So stellten sie überraschend fest, dass es in Mitteleuropa besonders in der Zeit vor dem letzten Vereisungshöhepunkt, vor 28.900 bis 23.300 Jahren, zu massiven Staubablagerungen gekommen sein muss, oft als Resultat verheerender Staubstürme, die über die ausgetrockneten Kaltsteppen fegten. Pro Jahr blieben damals auf einem Quadratmeter bis zu drei Kilogramm Staub liegen, dreimal so viel wie z.B. in den Trockensteppen Chinas.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Fluvionectes sloanae: Gut erhaltener Süßwasser-Elasmosaurier beschrieben!

Die Plesiosaurier gehörten zu den formenreichsten Meeresbewohnern des Mesozoikums. Von mächtigen Top-Jägern über geschickte Fischer bis hin zu gemächlichen Filtrierern besetzten sie bis zu ihrem Aussterben am Ende der Kreidezeit alle möglichen ökologischen Nischen. Doch nicht nur in den Ozeanen: einige Plesiosaurier lebten auch im Landesinneren, in Flüssen, Lagunen und großen Seen.

 

Fluvionectes in seiner natürlichen Umgebung. Rekonstruktion von Andrea Elena Noriega.

 

Schon aus jurassischen Ablagerungen aus Europa sind ihre Fossilien auch in Flusssedimenten nichts Außergewöhnliches. Doch nun fanden James A. Campbell und seine Kollegen in der kanadischen Dinosaur Park Formation die gut erhaltenen Überreste eines etwa 5m langen Plesiosauriers, der wahrscheinlich zu den meist langhalsigen Elasmosauriern gehörte. Fluvionectes sloanae, wie die Forscher das Tier nun beschrieben, ist der bislang am besten erhaltene Süßwasser-Plesiosaurier und lebte genau im gleichen Lebensraum wie viele Entenschnabel- und Horndinosaurier! In den Flussdeltas und Süßwasserseen fanden kleinere Plesiosaurier offenbar reiche Fischgründe.

 

 

Viele dieser Seen hatten aber zumindest zeitweilig auch einen Zugang zum Western Interior Seaway und damit zum offenen Meer, weshalb man auch nicht ausschließen kann, dass Fluvionectes nur gelegentlich die Flüsse hinaufschwamm und ansonsten wie seine Verwandten im Meer lebte. Vielleicht benutzte er das Süßwasser nur als Kinderstube.

 

Link zur Studie


Die „Boring Billion„: Gebirgsbildung stagnierte vor 1,8 Milliarden Jahren, und damit auch die Evolution der Lebewesen?

Die Erde hatte offenbar eine Midlife Crisis. Nur gingen ihr da nicht etwa die Haare aus, sondern vielmehr die Berge! Eine Forschergruppe um Ming Tang von der Universität Beijing untersuchte die sich verändernde Zusammensetzung von Zirkon-Mineralien, die in der Erdkruste vor mehreren Milliarden Jahren kristallisierten und ein guter Indikator für Sedimentations- und orogenetische Prozesse (Ablagerungen und Gebirgsauffaltung) sind.

 

 

Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass die durchschnittliche Dicke der aktiven kontinentalen Kruste sich mitunter stark veränderte, wobei sich die dickste Kruste im Archaikum (4 bis 2,5 Milliarden Jahre vor unserer Zeit) und noch einmal sehr viel später im Phanerozoikum (ab 0,541 Milliarden Jahren v.u.Z bis heute) bildete. Im Proterozoikum hingegen nahm die Krustenstärke kontinuierlich ab und die Kontinente blieben bis zum Ende des Äons völlig frei von hohen Bergen. Alles, was die Natur bis dahin auf dem Superkontinent Numa-Rodinia an Gebirgen aufgefaltet hatte, wurde nun durch die Erosion wieder komplett abgetragen. Die Erde war glatt und völlig kahl – und da es damals noch kein höheres Leben gab, also auch keine Wälder, nicht einmal Pilze oder Bakterien im Boden, war die Erde damals wohl der langweiligste Planet im Sonnensystem.

 

 

Die Forscher vermuten, dass die fehlenden Gebirge auch der Grund dafür sind, dass die Evolution des Lebens fast eine Milliarde Jahre lang so gut wie gar nicht voran ging. Ohne Berge, durch die Bäche und Flüsse fließen, gelangten auch kaum Mineralien und Nährstoffe ins Meer, was die Ausbreitung von Leben stark hemmte. Erst vor 800 Millionen Jahren, als Rodinia wieder zerbrach und neue Gebirge entstanden, nahm die Evolution des Lebens an Fahrt auf.

 

Link zur Studie


Stonehenge – stand das prähistorische Monument ursprünglich in Wales?

In der Artussage heißt es, dass der mächtige Magier Merlin einst einen riesigen Steinkreis aus dem Gebiet der Kelten nach England transportiert haben soll. In dieser Legende könnte ein Körnchen Wahrheit stecken, nur liegt dieses bereits etliche Jahrtausende vor dem Frühmittelalter und den Rittern der Tafelrunde.

 

 

Durch geochemische Untersuchungen steht bereits seit einiger Zeit fest, dass die Megalithen von Stonehenge im englischen Wiltshire, das vor etwa 5.000 Jahren in der Jungsteinzeit errichtet wurde, ursprünglich aus einem rund 225km Steinbruch in Südwales stammen. Archäologen vom University College London fanden im walisischen Waun Mawn, nur einen Katzensprung von besagtem Steinbruch entfernt, nun Hinweise darauf, dass dort einst ebenfalls ein mächtiger Steinkreis stand.

 

Überraschenderweise hatte der Graben, der den Steinkreis umgab, einen Radius von 110m – genau wie Stonehenge heute! Die Löcher, in denen dort einst die Megalithen standen, passen in Form und Größe außerdem nahezu perfekt zu den Steinen, die heute in England stehen. Beide Kreise waren in identischer Weise zum Sonnenaufgang während der Sommersonnenwende hin ausgerichtet. Datierungen am Steinbruch ergaben außerdem, dass die Steine genau zu der Zeit herausgebrochen wurden, als der Steinkreis von Waun Mawn errichtet wurde – Jahrhunderte vor der Errichtung von Stonehenge!

 

Link zur Studie


Forschern gelingt Nachzüchtung von Neandertaler-Gehirngewebe

Wissenschaftler einer internationalen Forschungsgruppe ist ein besonders interessantes Kunststück gelungen: Sie verwendeten die Genschere CRISPR-Cas-9, um eine archaische Genvariante des NOVA1-Gens in menschliche Stammzellen einzuschleusen. Das archaische Erbgut ist typisch für unsere Geschwisterspezies: Neandertaler und Denisovianer. So gelang es den Forschern, Zellkulturen mit Hirn-Organoiden von Frühmensch-Mensch-Hybriden heranzuzüchten, sowie zum Vergleich auch Kulturen mit unveränderten Erbgut.

 

 

Die Gewebehaufen haben einen Durchmesser von etwa 5mm. Und obwohl ihr Erbgut doch zum größten Teil identisch ist, haben die archaischen Gensequenzen doch dafür gesorgt, dass sich die Gewebestrukturen beider Kulturen in Größe, Form und Konsistenz doch deutlich unterscheiden – wahrscheinlich, weil die Zellen unterschiedlich wuchsen und sich vermehrten.

 

 

Für die Forschung ist das ein großer Durchbruch, auch im Verständnis der Entwicklungsgeschichte unseres Gehirns. Denn nur mit deren genauen Verständnis lassen sich Hirnerkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson erforschen und vielleicht eines Tages heilen. Aber natürlich ist es auch für die Evolutionsbiologie selbst sehr interessant: Da die archaischen Varianten restlos verdrängt wurden und heute ausgestorben sind, vermuten die Forscher einen deutlichen Selektionsvorteil für unsere modernen Gehirne. Worin genau der bestand, muss zwar noch erforscht werden, aber es könnte etwas mit der Kommunikation zwischen den Synapsen zu tun haben, deren Aufbau durch das NOVA1-Gen codiert wird.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Nachweise von hochqualitativen Steinwerkzeugen bei Neandertalern aus Israel

In der israelischen Shuqba-Höhle, tief in den Bergen des Westjordanlands, stießen Forscher auf einen weiteren Beleg für die weiterentwickelten technologischen Fähigkeiten der Menschen, die dort vor 70.000 bis 50.000 Jahren lebten: die dort gefundenen Steinwerkzeuge wurden mithilfe der Nubian-Levallois-Abschlagtechnik gefertigt. Zahnfunde aus den gleichen Schichten, die zu einem etwa neunjährigen Kind gehörten, weisen eindeutige Neandertaler-Merkmale auf, was auch eine Neandertaler-Familie als Besitzer und Hersteller der Werkzeuge sehr wahrscheinlich macht.

 

 

Der Fund ist der erste direkte Nachweis für diese Technologie in direktem Zusammenhang mit Neandertalern. Zwar wurde die Meinung, dass ihre Verwendung exklusiv für den „höher entwickelten“ Homo sapiens sei, inzwischen längst verworfen, aber bislang hatte man nur Indizien dafür, dass diese Technik auch von anderen Menschenpopulationen angewendet wurde. Es steht nun außer Frage, dass auch die Neandertaler zur Herstellung qualitativ hochwertiger Steinwerkzeuge fähig waren, die denen ihrer „Sapiens-Konkurrenten“ in nichts nachstanden.

 

 

Der Fund ist auch deshalb sehr überraschend, weil die Höhle zuvor noch von frühen Vertretern des Homo sapiens bewohnt wurde, die sich dann aber aus irgendeinem Grund aus der Gegend zurückgezogen haben. An ihre Stelle traten nun die Neandertaler – mit moderneren Werkzeugen als bei ihren Vorgängern. Es ist außerdem der bislang südlichste Nachweis für eine derart lange dauerhafte Besiedlung durch Neandertaler.

 

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Neue Studie zur Evolution und Herkunft des europäischen Wisents

Der Ursprung und die Evolutionsgeschichte des Wisents (Bison bonasus) ist nach mehreren morphologischen, genomischen und paläogenomischen Studien in den letzten Jahren klarer geworden, aber diese haben neue Fragen zur Evolution der Art aufgeworfen. Eine Gruppe bulgarischer Wissenschaftler hat in ihrer jüngsten Studie nun zusätzliche Informationen über die Populationsvielfalt der Arten basierend auf der Analyse neuer subfossiler Überreste von der Balkanhalbinsel zusammengetragen. Sieben alte Proben, die aus Höhlen in der westlichen Stara Planina in Bulgarien stammen, wurden mittels mitochondrialer D-Loop (HVR1) -Sequenzanalyse untersucht. Die Proben wurden durch Radiokohlenstoffanalyse auf ein Alter von 3.800 Jahren datiert. Zusätzlich wurde eine phylogenetische Analyse durchgeführt, um die genetische Beziehung zwischen den untersuchten Proben und allen in der Genbank verfügbaren mitochondrialen DNA-Sequenzen der Gattung Bison zu untersuchen.

 

Ein heute noch lebender Wisentbulle. Bildquelle: NABU Deutschland.

 

Die Ergebnisse verglichen die Forscher mit Sequenzen anderer Wisent-Populationen. Die Gene der prähistorischen Balkan-Wisents sind nahezu identisch mit Proben aus der fossilen Alpenpopulation aus Frankreich, Österreich und der Schweiz, nicht jedoch mit denen der jüngsten mitteleuropäischen Population (deren Knochen vom Grund der Nordsee geborgen wurden, die während der Eiszeit trockener Weidegrund der Wisents war). Auch mit der ausgestorbenen kaukasischen Population besteht nur eine entfernte Verwandtschaft. Zusammenfassend weisen diese Daten darauf hin, dass die in der historischen Zeit existierenden Balkan-Wisente ein Überbleibsel und wahrscheinlich eine isolierte Bevölkerung der spätpleistozän-holozänen südwestlichen Bergwisent-Population darstellen.

 

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Das war es für heute mit den Paläo-News. Mehr davon gibt es wieder in zwei Wochen, oder natürlich in Echtzeit auf meinen Facebook- und Instagram-Seiten, und natürlich der bald online gehenden Website!


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Das T. rex-Skelett für zuhause

Für das Skelett des Tyrannosauriers „Stan“ wurden letztes Jahr bei Christies für 31,8 Millionen US$ verkauft. Aber mal Hand auf’s Herz: Wer hat zuhause schon den Platz für ein 12 m langes Skelett im Wohnzimmer, draußen kann man es nicht aufstellen, es verwittert oder wird nachher noch geklaut. Klar, die ganze Nachbarschaft kommt gucken, wenn’s aufgestellt wird, aber spätestens im zweiten Jahr muss man ihm im Winter eine Weihnachtsmannmütze aufsetzen, damit sich die Leute das noch angucken.
Da ist es viel besser, ein kleines Modell in einem brauchbaren Maßstab aufzubauen.

 

Das Tyrannosaurus rex-Skelett kommt da deutlich platzsparender mit etwa 70 cm Länge und 22 cm Höhe daher. Dies ist fast die opimale Größe für zuhause, es passt ins übliche 80 cm-Raster vieler Regale.
Das Skelett hat ein wunderbares braunes Finish, das vielen Museumsexemplaren sehr nahe kommt. Es wird als Bausatz mit nur 54 Teilen geliefert, die nur teilweise geklebt werden müssen.

 

Der SUREH T. rex- Skelett Modellbausatz kostet aktuell € 19,99 und wird von Amazon kostenlos verschickt.

 

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Artikel der Woche

Gestern habe ich meine Artikel-Reihe „Die Geschichte unserer Erde“ mit der dritten Episode fortgesetzt. Darin geht es um blutrote Ozeane, Schneeball-Erden und den Beginn des Lebens auf unserem Planeten. Wer mag, darf gerne reinlesen:

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/posts/1123069394803016


Ich wünsche dir jetzt noch einen schönen Sonntag,

Liebe Grüße und bleib gesund, Dein

Markus Kretschmer