Mein Wort zum Sonntag – 24. Mai 2020

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

 

Zum ersten Mal seit so vielen Wochen konnte ich an diesem Wochenende meine Familie wieder besuchen. Deshalb melde ich mich heute einmal nicht aus Kiel, sondern aus dem idyllischen Bokensdorf.

 

Dort habe ich nun auch endlich einen Beitrag zu dem Leseprogramm des Ehrlich Verlages eingelesen, die ihr euch bald schon auf unserem YouTube-Channel anschauen könnt. Natürlich handelt es sich dabei um eine spannende Stelle aus meinem neuen Buch, auf das du vielleicht schon sehnsüchtig wartest. Um dir die Wartezeit zu verkürzen, schau unbedingt mal rein!

 

Wir. Gemeinsam. Für Literatur

 

Lange dauert es nun hoffentlich nicht mehr, denn sowohl mein Lektor Christoph und ich sind sehr fleißig, um „Blut der Sonne“ endlich druckreif zu kriegen. Ein paar Wochen musst du dich jetzt aber noch gedulden.

 

Leider hat sich immer noch nichts daran geändert, dass alle Künstler, also auch wir Autoren, gerade eine schmerzhafte Phase mit finanziellen Engpässen durchmachen müssen, da uns aufgrund der nicht stattfindenden Lesungen ein wichtiger Teil unserer Einnahmen verloren geht. Aus diesem Grund sind die Online-Lesungen zwar gratis anschaubar, ich bitte jedoch im Namen aller Autoren darum, uns für unsere Mühen einen kleinen Obulus zum Dank in unseren „virtuellen Hut“ zu werfen:

 

Link zum „virtuellen Hut“. Jede Spende hilft! Danke!


Das Bild der Woche

Das heutige Hell Creek-Bild zeigt zwei Schildkröten der prähistorischen Art Saxochelys gilberti, die im letzten Jahr neu beschrieben wurde und hier vor einem Dakotaraptor auf der Hut sein müssen, der ihnen an einem Flussufer nachstellt. Das Bild habe ich im Novataxa-Blogspot gefunden, der die Erstbeschreibung der Schildkröten illustriert hat:

Zwei Schildkröten der prähistorischen Art Saxochelys gilberti, die vor einem Dakotaraptor auf der Hut sein müssen.


Die Paläo-News

Kommen wir nun wieder zu den Nachrichten aus der letzten Woche:


Theropoden: Sprinter oder Marathonläufer?

Die wohl vielseitigste Gruppe unter den Dinosauriern waren die Theropoden. Das Spektrum reichte von geradezu einzigen Waldbewohnern über gemächlichen Alles- und Pflanzenfresser bis hin zu gewaltigen Jägern. Um genauer zu bestimmen, welche Theropoden nun besonders flink, welche aber nicht zu den schnellen Läufern zählten, Wissenschaftler vom Mount Marton College in South Dakota die Beinlängen, Körpergrößen und das Gewicht von mehr als 70 Theropoden-Arten ausgewertet.

Stimmt dieses Bild? Tyrannosaurier als Sprinter.

Das Ergebnis: längere Hinterbeine brachten den Theropoden nur bei einem Körpergewicht von etwa einer Tonne eine höhere Geschwindigkeitsleistung. Bei größeren Theropoden ging der Trend dann vielmehr in Richtung der Energieersparnis, sodass sie vielmehr nur für kurze Sprints, aber vor allem für lange Wanderungen gebaut waren, sie aber schnelle Beute nicht mehr über längere Distanz hetzen konnten. Sehr große Fleischfresser wie zum Beispiel Tyrannosaurus profitierten also nicht mehr in Sachen Speed von ihren verhältnismäßig langen Hinterbeinen, da sie das Geschwindigkeits-Potenzial bereits voll ausgereizt hatten und ihnen ihre schwerer Körper nun nicht mehr erlaubte, zu rennen: ein Fuß musste immer am Boden bleiben.

 

Die langen Beine der Tyrannosaurier brachten jedoch trotzdem einen großen Vorteil mit sich, da sie durch die größeren Schrittlängen erheblich energiesparender liefen als andere große Raubsaurier. Tyrannosaurier brauchten dadurch etwa 16 kg weniger Nahrung pro Tag als andere gleichgroße Fleischfresser wie zum Beispiel die Allosauroiden. Die jagten wohl ganz andere, schwerfällige Beutetiere wie Thyreophoren und vor allem Sauropoden und brauchten dazu keine große Ausdauer, um sie zu überwältigen. Für die Jagd auf Cerstopsier und Hadrosaurier sei Ausdauer aber wohl unerlässlich gewesen.

 

Die Studie stützt auch die Annahme, dass Tyrannosaurier im Rudel auf die Jagd gingen, denn eine Strategie, die auf Ausdauer und Cleverness setzt, funktioniert in der Gruppe immer noch am besten.

 

Link zum Artikel

Link zur Studie


Flugsaurier lebten gefährlich

Viele Pterosaurier ernährten sich von Fischen, doch am Ende der Kreidezeit wurden sie nicht selten auch selbst zur Beute von Haien und großen Knochenfischen, wie schon seit langem bekannt ist. Besonders spektakulär: ein Wirbelknochen eines riesigen Pteranodon, in dem noch der Zahn des Urzeit-Hais Squalicorax steckte.

 

Flugsaurier lebten gefährlich, hier das Fossil mit dem beschriebenen Biss.

 

Ein im Jahr 2014 entdeckter und nun präparierter Fund trägt zu dem Bild der gefährlich lebenden Flugsaurier bei: hier fanden die Forscher nicht nur Haibisse! Die deutlich sichtbaren Kratzer auf dem Knochen eines jungen Pteranodon hielt der Präparator dabei zuerst noch für einen Patzer seinerseits und er glaubte, er hätte das Fossil beschädigt. Die Risse passen jedoch eindeutig zu den Zähnen des Barrakuda-ähnlichen Raubfischs Saurodon. Der etwa 40 kg schwere Flugsaurier wurde also gleich von mehreren Fischen angeknabbert, bevor er schliesslich versteinerte.

 

Bildquellen: Mark Witton, Dana Ehret
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Die Herkunft der Theropoden

Woher kommen die Theropoden? Eine neue Studie des Smithsonian klärt ihre Ursprünge

 

Woher kamen eigentlich die riesigen fleischfressenden Dinosaurier? Tatsächlich waren die Top-Räuber unter den Dinos über viele Millionen Jahre relativ klein. In der Trias kamen nur die wenigsten über die Größe eines Schäferhundes hinaus, und auch im frühen Jura blieben die meisten Theropoden weit hinter den Berühmtheiten zurück, die uns in den Museen vor Ehrfurcht erzittern lassen: Giganten wie Allosaurus, Carcharodontosaurus und natürlich Tyrannosaurus traten jedoch erstmal im späten Jura und in der Kreidezeit auf, also erst, als die Dinosaurier die Hälfte ihrer Herrschaftszeit schon hinter sich hatten.

 

Ein neuer Artikel des Smithsonian Museums beleuchtet den interessanten Werdegang der Super-Theropoden, deren Geschichte immer noch viele Geheimnisse birgt.

 

Bildquellen und Link zum Artikel

 


Neue „Säbelzahn-Sardelle“

 

Säbelzahlsardelle
Sardellen mit einem einzigen Säbelzahn

Das große Massenaussterben am Ende der Kreidezeit fegte auch die Ozeane leer. Nachdem die großen Meeresreptilien verschwunden waren, hätte Mutter Natur also wieder genug Platz, um neue Dinge auszuprobieren. Und so erfuhren auch die Knochenfische eine schnelle Radiation und spalteten sich in viele neue Arten auf – darunter auch einige richtig bizarre.

 

In Belgien und Pakistan entdeckten Forscher nun die Fossilien zweier etwa 50 Millionen Jahre alter skurriler Knochenfische, die eng mit den heutigen Sardellen verwandt sind. Allerdings haben sie nicht viel mit dem harmlosen, planktonfressenden Pizzabelag unserer Tage gemeinsam: Clupeopsis straeleni und Monosmilus chureloides waren erstens deutlich größer (0,5 bzw. knapp über einen Meter lang), und außerdem verfügten sie über mächtige Fangzähne, mit denen sie anderen Fischen das Leben schwer machten. Besonders Monosmilus sticht mit einem extrem verlängerten Vorderzahn hervor, der so groß war, dass er aus dem Maul hervorragte.

Die „Säbelzahn-Sardellen“ erinnern damit etwas an den auch in „Die weißen Steine“ vorkommenden „Säbelzahn-Hering“ Enchodus, jedoch sind sie nicht besonders eng miteinander verwandt. Die oberflächliche Ähnlichkeit ist das Ergebnis konvergenter Evolution.

 

Bildquelle: Joschua Knüppe

 

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Australische Megafauna verschwand wohl nicht (nur) wegen uns Menschen

australische Megafauna
Szenenbild der australischen Megafauna

 

Auch auf dem abgelegenen Inselkontinent Australien lebten während der letzten Eiszeit riesige Tiere, jedoch aufgrund der Millionen Jahre langen Isolation eine einzigartige Megafauna: riesige Kängurus und nashorngroße Wombats, Warane von über 6 m Länge und gewaltige „Donnervögel“ mit einem Gewicht von über 300 kg. All diese Tiere gab es noch, als die ersten Menschen – die Vorfahren der Aborigines – den Kontinent erreichten, in der Zeit vor etwa 50.000 Jahren.

 

Eine neue Studie untersuchte nun, aus welchem Grund all die großen Tiere binnen kürzester Zeit verschwanden. Lange Zeit war die Ankunft des Menschen als wichtigste Ursache benannt worden, doch überraschenderweise fanden die Forscher hierfür keinerlei Belege. Mehr als zehntausend Jahre lang haben demnach Menschen und australische Riesentiere miteinander gelebt, ohne dass es zu einem starken Artenschwund kam.

 

Doch dann geschah alles recht plötzlich: vor etwa 40.000 Jahren sorgte ein massiver Klimawandel für drastische Umweltveränderungen. Es wurde merklich trockener, und auch Belege für häufig auftretende Buschfeuer konnten von den Forschern sichergestellt werden. Auch in Gegenden, die noch nicht oder nur sehr spärlich von Menschen besiedelt waren, ging es für die Tiere nun bergab. In nur wenigen Jahrhunderten waren die meisten von ihnen ausgestorben.

Zwar kann ein Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren und Bejagung durch den Menschen dadurch nicht rigoros ausgeschlossen werden, den Forschern zufolge ist es aber wahrscheinlicher, dass die Natur selbst für das Ende der australischen Großtieren der Hauptfaktor war.

 

Bildquelle: Peter Trusler, Monach University

Link zur Studie


Eurasischer Waldelefant in Schöningen entdeckt!

Waldelefanten und ihre Jäger
Eine Gruppe Heidelberg-Menschen und Waldelefanten

 

Neuer spektakulärer Fund aus dem niedersächsischen Schöningen: dort fanden Archäologen das etwa 300.000 Jahre alte und nahezu vollständiges Skelett einer Elefantenkuh. Die Eurasischen Waldelefanten wurden jedoch deutlich größer als ihre modernen Verwandten aus Afrika. Die gefundene Kuh war mit einem geschätzten Gewicht von 6,8 Tonnen schon so groß wie ein wirklich großer afrikanischer Elefantenbulle und besaß gewaltige Stoßzähne von 2,8 m Länge.

 

Das Tier ist vermutlich an Altersschwäche gestorben, so vermuten die Forscher, doch weisen die Knochen zahlreiche Biss- und Schneidspuren auf. Offenbar haben sich gleich mehrere Aasfresser über den Kadaver hergemacht – unter ihnen auch Frühmenschen, die ebenfalls in den deutschen Urwäldern während der langen Eem-Warmzeit lebten.

 

Bildquelle: Karol Schauer; National Geographic.

Artikelquelle


Kurioser Einbruch in Sydney

Bei dem 25-jährigen, der vor zehn Tagen unbefugt in das noch geschlossene Australische Museum  einbrach, handelt es sich offenbar um einen deutschen Studenten. Der junge Mann muss sich nun wegen seines Verhaltens vor dem örtlichen Gericht verantworten: er posierte bei seinem Einbruch vor mehreren Exponaten, u.a. den Repliken von Dinosaurier-Fossilien, und machte mit ihnen Selfies. Unter anderem steckte er seinen Kopf zwischen die Kiefer eines ausgestellten Tyrannosaurus-Schädels. Darüber hinaus entwendete er sowohl einen Hut eines der Angestellten sowie einen in der Meldung nicht näher benannten Kunstgegenstand.

Welche Folgen der kuriose Museumsbesuch für den Typen haben wird, ist derzeit noch nicht klar, genauso wenig wie, er überhaupt in das Museum hereinkam.

 

Selfie mit Theropode
Eines der dämlichsten Selfies, die man sich vorstellen kann, oder?

 

Bildquelle: Überwachungskamera des Museums.

Artikel zum Weiterlesen


Riesiger Panzerfisch Titanichthys war kein Jäger, sondern Planktonfresser

 

Titanichthys
Titanichtys waren Planktonfresser, wie die modernen Riesenhaie

Im Devon, einer Periode der Erdgeschichte vor etwa 380 Millionen Jahren und damit noch lange vor den Dinosauriern, als gerade die Amphibien als erste Wirbeltiere ihren Fuß auf das Land setzten, wurden die Ozeane noch von großen Panzerfischen beherrscht. Einige dieser bizarren Kreaturen konnten deutlich über 6 m Körperlänge erreichen, wie der gewaltige Dunkleosteus, der wohl bekannteste Fisch und größte Jäger dieser Zeit.

 

Neben Dunkleosteus existierten jedoch auch kaum weniger riesige Panzerfische, die sich jedoch – wie jetzt in einer neuen Studie herausgefunden wurde – als friedliche Planktonfresser verdingten. Titanichthys termieri, dessen Fossilien in Marokko gefunden wurden, besaß weit leichtere und flexiblere Kieferknochen, die, wie man jetzt weiß, ähnlich wie die eines Walhais oder Bartenwals zum Filtrieren eingesetzt werden konnten.

 

Bildquelle: Mark Witton.

Artikelquelle


Interessanter Ichthyosaurier-Fund aus Nevada

Wie anspruchsvoll und aufwendig die Arbeit von Paläontologen sein kann, und wie viele Jahre der harten Arbeit sie von ihnen fordert, bevor sie eine bedeutsame Entdeckung machen können, beschreibt die Geschichte von Martin Sanders und seinem Cymbospondylus.

 

Schon seit 20 Jahren beschäftigt sich der deutsche Paläontologe mit ausgestorbenen Wirbeltieren aus Nevada. Im Jahre 2011 begann er mit seinem Team die Erforschung einer neuen Grabungsstelle, die als Hot Spot für triassischen Meeresreptilien galt. Die spektakulären Funde blieben aber lange Zeit aus. Immer wieder musste das Team enttäuscht zusammenpacken und nach Ablauf der Grabungszeit die Ausgrabungsstelle verlassen, wohlwissend, dass es Monate oder gar Jahre dauern würde, bis sie ihre Arbeit fortsetzen konnten.

 

Erst 2014 stießen Sanders und sein Team in den Augusta Mountains auf das Rückgrat eines großen Meeresreptils von der Größe eines Delfins. Und das besondere an dem Tier: es war trächrig! Mit 247 Millionen Jahren auf dem Buckel ist das Fossil nun das zweitälteste bekannte Ichthyosaurier-Fossil mit ungeborenem Nachwuchs, und obendrein noch eine neue Art der Gattung Cymbospondylus, die Sanders nun als C. duelferi neu beschreiben konnte.

 

Die Art ist mit etwa 3,5 m Länge im Vergleich zu anderen Cymbospondylus-Arten, die mehr als 15 m erreichen konnten, relativ klein, besaß aber einen mächtigen Schädel mit sehr großen Zähnen, mit denen das Tier Fische und Kopffüßer in den Meeren der frühen Trias fing. Das Fossil ist ein spannendes Zeugnis für die Zeit kurz nach dem größten Massenaussterben im Perm und belegt, dass sich das Leben in den Meeren rasch wieder neu entfalten konnte.

 

Bild- und Artikelquellen:

Martin Sander;

Bild- und Artikelquellen: Martin Sander; Dinopedia


Ungewöhnlicher Verwandter der Seelilien entdeckt

Und noch eine Nachricht für alle Fußballfans: Kaum hat die Bundesliga wieder begonnen (wovon man halten kann, was man will…), ist auch die Naturwissenschaft im Fußballfieber. Jüngst wurden in außerirdischen Molekülproben, sogenannte „Buckyballs“, also Kohlenstoffstrukturen nachgewiesen, die in ähnlicher Form wie ein Fußball angeordnet waren: die charakteristische Oberflächenform, bestehend aus vielen Sechs- oder auch Achteckecken, wie wir sie vom runden Leder kennen, kommt auch in der Natur vor und gibt diesen Molekülen ihre Stabilität.

 

Fußbälle sind also eine alte Erfindung der Natur.

 

Doch damit noch nicht genug des Fußballwahnsinns: sogar Fossilien aus der oberen Kreidezeit belegen, dass „Fußbälle“ schon eine ganz alte Erfindung der Natur sind. Wirbellose Seetiere wie Uintacrinus socialis und Marsupites testudinarius waren Verwandte der heutigen Seelilien und besaßen wahrscheinlich eine ähnliche Lebensweise, doch auch sie sahen aus wie kleine Fußbälle. Ihre Fossilien wurden in 80 Millionen Jahre alten Schichten aus Australien entdeckt und nun wissenschaftlich beschrieben.

 

Bildquellen: University of Western Australia; NASA

Artikel zum Weiterlesen

Link zur Studie


Das war es aus dieser Woche mit den Neuigkeiten aus der Paläontologie. Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag, und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 17. Mai 2020

Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir!

 

Es hat sich zumindest hier bei mir im Norden wieder deutlich abgekühlt. Der sonnenreiche Frühling macht zur Zeit Pause und gönnt sich einen tristen Wolken-Regen-Mix. Grund genug für etwas kreative Arbeit: Das Lektorat von „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ ist endlich gestartet und ich bekomme nun nach und nach die einzelnen Kapitel von meinem Verlag zurück, und wenn alle freigegeben sind, geht das Buch endlich in den Druck. Es wird nun also nicht mehr lange dauern, bis es erscheint!

 

Auch wenn wir in Kiel nun schon einige Tage lang keine Neuinfektionen mit dem Corona-Virus verzeichnen konnten und sich die Lage deutlich zu entspannen scheint, werde ich bei öffentlichen Lesungen jedoch immer noch nicht auftreten. Ich möchte wenigstens noch den Juni abwarten, bevor es wieder Veranstaltungen von und mit mir geben wird. Demnächst werde ich aber über den YouTube-Kanal „Wir. Gemeinsam. Für die Literatur.“ online ein Kapitel aus meinem Bald erscheinenden Buch einlesen, und vielleicht auch ein paar Kurzgeschichten, die ich vor einigen Jahren mal verfasst habe. Ihr könnt euch jetzt schon mal auf der Seite umsehen, denn einige andere sehr nette Autoren des Ehrlich-Verlags haben dort bereits online-Lesungen gepostet:

 

Link zu unserem YouTube-Channel

 

Ich möchte hierbei auch daran erinnern, dass alle Künstler, also auch wir Autoren, gerade eine schmerzhafte Phase mit finanziellen Engpässen durchmachen, da uns aufgrund der nicht stattfindenden Lesungen ein wichtiger Teil unserer Einnahmen verloren geht. Aus diesem Grund sind die Lesungen zwar gratis anschaubar, ich bitte jedoch im Namen aller Autoren darum, uns für unsere Mühen einen kleinen Obulus zum Dank in unseren „virtuellen Hut“ zu werfen:

 

Link zum virtuellen Hut. Danke!!!


Das Bild der Woche

Zwei Leptoceratopsier erfrischen sich an einem Wasserloch

Das heutige Hell Creek-Bild zeigt zwei Leptoceratopsier, die sich an einem Wasserloch erfrischen. Gefunden habe ich es auf Instagram:

Link zum Bild


Tolle Rekonstruktion

Bei dieser Rekonstruktion des Parasaurolophus walkeri wurde viel richtig gemacht. Das Tier ist kein „Hungermodell“, sondern hat angemessen Fleisch auf den Knochen. Es ist aufwändig, aber nicht überzogen bunt coloriert und auch die Haltung ist so „gewöhnlich“, dass man es wunderbar auch für ein größeres spätkreidezeitliches Diorama nutzen kann.

Der Parasaurolophus walkeri von Papo ist 15 cm lang, 6 cm hoch und 6 cm breit und besteht aus belastbarem PVC. 

Die Paläo-News

Kommen wir nun zu den Nachrichten aus der letzten Woche, die wieder einiges zu bieten hatten:

Ugrunaluuk ist wieder ein Edmontosaurus!

Zu den häufigsten Dinosauriern der späten Kreidezeit gehörten die Hadrosaurier, auch als Entenschnabeldinosaurier bekannt. Eine ihrer erfolgreichsten und am weitesten verbreiteten Gattungen war Edmontosaurus, von dem Fossilien im gesamten Westteil des nordamerikanischen Kontinents gefunden wurden. Die 69 Millionen Jahre alten Fossilien eines Jungtiers aus der entlegenen Prince Creek Formation im hohen Norden Alaskas wurden ihm ebenfalls einst zugeordnet, doch 2015 als eigene Gattung und Art „Ugrunaluuk kuukpikensis“ neubeschrieben, was in der Sprache der Inuti „Alter Grasfresser“ bedeutet.

 

Hadrosaurier kamen also sogar noch im nördlichen Polarkreis vor, ganz in der Nähe des damaligen Nordpols, da aufgrund des Kontinentaldrifts Alaska noch ein gutes Stück weiter nördlich lag. Die Tiere nutzten wahrscheinlich Landbrücken in der Gegend der heutigen Beringstraße, um zwischen Asien und Nordamerika umherzuwandern.

Polare Dinosaurier
Edmontosaurus oder…

Es war allerdings stets umstritten, ob Ugrunaluuk als eigene Gattung Gültigkeit haben dürfte, da die Ähnlichkeit des Materials zu Edmontosaurus doch sehr groß ist. Eine Neue Studie stellte bei der Untersuchung der Fossilien nun weitere große Gemeinsamkeiten zu halbwüchsigen Edmontosauriern fest, wie zum Beispiel der identische Bau des Jochbeins und der Wangenknochen. Da lediglich kleine Detailunterschiede bei der Anordnung der Zähne im Unterkiefer und beim Bau der Schädelbasis bestehen, schlagen die Autoren der Studie vor, das Fossil wieder der Gattung Edmontosaurus als „Edmontosaurus sp.“ zuzuschreiben und den Namen „Ugrunaluuk“ als ungültig zu streichen.

 

Bildquelle: Masato Hattori

 

Artikelquelle:

 

Link zur Studie:


Warum fehlen uns Jahrmillionen in der Überlieferung der Erdgeschichte?

In der Erdgeschichte klafft eine Lücke. Weltweit unter Geologen als „Große Unkonformität“ bekannt, haben bis heute nur schwer zu erklärende Erosionsprozesse die Ablagerungen von je nach Lokalität unterschiedlichen, teils mehreren Jahrhundertmillionen abgetragen. Unter der kambrischen Tonto-Formation im berühmten Grand Canyon in den U.S.A. fehlen beispielsweise zwischen 175 Millionen und 1,2 Milliarden Jahren an Gestein.

Aufschluss mit Diskontinuität
Ein Aufschluss bei Manitou Springs, Colorado, der die „Große Unkonformität“ zeigt:

Wodurch diese Gesteinsschichten vernichtet wurden und die riesigen Überlieferungslücken einst entstanden sind, dazu gibt es mehrere verschiedene Theorien. Die bislang gängigste war, dass im Cryogenium vor mehr als 700 Millionen Jahren eine totale Vereisung der Erde mit gewaltigen Gletschermassiven die Schichten geradezu weggehobelt hat.

 

Doch ist die Theorie der „Schneeball-Erde“ nicht der einzige Erklärungsansatz: Nach einer neuen Studie der University of Colorado begann die Erosion nämlich schon erheblich früher, lange vor der Vereisung schon vor rund 850 Millionen Jahren. Das spricht dafür, dass andere Prozesse, wie die Formierung eines Superkontinents die Erosion begünstigt haben könnten. Und tatsächlich formierte sich zu jener Zeit der Superkontinents Rodinia. Vor allem durch das Aufeinandertreffen der Kontinentalplatten und ihr späteres Auseinanderreißen, als Rodina wieder zerbrach, seien die Ablagerungen aus dieser Zeit zerstört worden. Die Vereisung während des Cryogeniums mag bei der Erosion bloß lokal eine Rolle gespielt haben.

 

Conclusio: die Abtragungen ereigneten sich weltweit doch nicht alle auf einmal, sondern nacheinander und durch verschiedene geologische Ereignisse.

 

Bildquelle: Rebecca Flowers

Link zum Artikel:

Link zur Studie:


Homo sapiens in Europa schon viel früher als gedacht!

Homo sapiens erreichte Europa schon einige tausend Jahre früher als bislang vermutet. Ein neuer Fund aus einer Karsthöhle in Bulgarien, bei dem etliche Steinwerkzeuge sowie auch Knochen und Zähne gefunden wurden, die sich durch Protein-Analyse und DNS-Untersuchungen eindeutig als die von Homo sapiens identifizieren ließen, belegt die Anwesenheit unserer Vorfahren nun bereits für die Zeit vor etwa 45.000 Jahren, was rund vier Jahrtausende älter ist als die bislang ältesten Funde aus Südfrankreich.

Steinwerkzeuge
Steinwerkzeuge aus Bulgarien

Homo sapiens und der Neandertaler haben also eine deutlich längere Zeit neben- und auch miteinander gelebt, wie der Fund außerdem vermuten lässt: einige der Schmuckstücke aus Tierzähnen und -Krallen sind exakt so gearbeitet wie die gleichalten Funde, die aber neben Neandertaler-Fossilien gefunden wurden. Die Neuankömmlinge haben sich also wohl auch kulturell an den Neandertalern orientiert, beziehungsweise wahrscheinlich auch umgekehrt.

 

Link zum Artikel:

 

Link zur Pressemitteilung des IDW:


Ältester Salamander der Erdgeschichte entdeckt!

Triassurus sixtelae
Das Fossil des ältesten bekannten Salamanders: Triassurus sixtelae (Foto: SMNS F.X. Schmidt)

Nach jahrelanger Arbeit haben Forscher des Stuttgarter Naturkundemuseums den bislang ältesten Vertreter der Salamander identifiziert: Triassurus sextelae lebte in der mittleren Trias vor etwa 230 Millionen Jahren auf dem Gebiet des heutigen Kirgisistan, wo er schon 2014 entdeckt wurde. Die genaue Untersuchung des nur etwa 5 cm großen Tierchens ergab, dass es rund 75 Millionen Jahre älter ist als die bislang ältesten bekannten Salamander, die man sonst erst aus dem Jura kannte.

 

Wie in meinem letzten Artikel der Woche berichtet, sind Fossilien von Amphibien aus dem Erdmittelalter ausgesprochen selten. Obwohl die Tiere in einem Lebensraum lebten, der sich sehr gut zur Fossilisation eignet, blieben sie nach ihrem Tod nur selten lange genug liegen, um zu sedimentieren: viele Kleintieren werden gefressen, bevor sie zu einem Fossil werden können. Aus diesem Grund ist über die Evolution der Amphibien kaum etwas bekannt, besonders über ihre Geschichte während des Mesozoikums. Mit der Entdeckung von Triassurus ist nun ein wichtiger Lichtstrahl in dieses Dunkel gefallen, der hoffentlich noch viele weitere offene Fragen beantworten kann.

Artikelquelle:
Link zur Studie:


Bericht über die Senckenberg-Ausgrabung am Edmontosaurus-Bonebed in Wyoming

Das aus der Lance-Formation in Wyoming geborgene Bonebed, reich an Knochen von Edmontosaurus und weiteren Fossilien, wurde nach Frankfurt transportiert und wird dort bald im Rahmen einer Kooperationsausstellung mit dem Wyoming Dinosaur Center Thermopolis, dem Frankfurter Kunstverein und National Geographic im Senckenberg Naturmuseum präsentiert.

 

In diesem Interview präsentiert der Kurator und Paläontologe Philipe Havlik einen der ersten Funde aus dem Edmontosaurus-Bonebed.

 

Link zum Video auf Facebook


Neuer Theropode in Argentinien entdeckt!

Der Forscher und sein Dino

Forscher des Museo Argentino Ciencias Naturales fanden in der südargentinischen Provinz Santa Cruz die Fossilien eines bislang unbekannten Theropoden aus der Gruppe der Megaraptoridae, einer bislang wenig verstandenen und systematisch strittigen Familie der Theropoden. Das Fossil, bestehend aus Rippen, Wirbeln sowie Teilen des Schultergürtels, gehört zu einem relativ großen Vertreter mit einer geschätzten Länge von etwa 10 m, der vor etwa 70 Millionen Jahren auf Beutefang ging. Damit gehört er zu den jüngsten bekannten Megaraptoren. Einen Namen hat der unbekannte Riese noch nicht – eine Beschreibung und damit auch die Benennung des Fossils wird allerdings wohl bald folgen.

 

Die Megaraptoridae sind insofern bemerkenswert, da sie zwar große, Her doch recht schlank gebaute Killer waren, die an den Fingern drei riesige, bei dem neuen Fossil schätzungsweise 40 cm lange und sichelförmig gebogene Krallen besaßen, mit denen sie verheerende Verletzungen schlagen konnten. Mit den „klassischen“ Raptoren, den Dromaeosauriern, die ähnliche Krallen an den Füßen besaßen, sind die Megaraptoren allerdings nicht eng verwandt.

 

Bildquelle (oben): Saul Marchese

Link zum Artikel:

 


Dinosaurier – im Reich der Giganten

Das mittlerweile 20 Jahre alte Mockumentary ist immer noch DIE Referenz, wenn es um animierte Dinosaurier geht. So viel Aufwand haben sich Filmemacher vorher oder hinterher nie wieder gemacht. Das sieht man: von wenigen Details abgesehen, wirken die Dinosaurier so echt, als könnte man sie anfassen.

Wissenschaftlich ist zwar vieles überholt, einige Dinosaurier sehen nach heutiger Rekonstruktion deutlich anders aus, als dargestellt. Bei den Größen der Tiere haben die Macher gelegentlich übertrieben, aber sonst?
Sechs Folgen á 45 Minuten Spaß mit der Wissenschaft.


 

Dino-Babys liefern neue Erkenntnisse zur Zahnentwicklung bei Riesen-Sauropoden

Zu den seltensten Dinosaurier-Fossilien gehören versteinerte Eier mit erhaltenen Embryonen. Nur von acht Spezies sind solche Funde überhaupt bekannt, so auch von dem frühen Sauropodomorphen Lufengosaurus aus China.

Dino-Embryo
Lufengosaurus-Embryo im Ei

Bei der Untersuchung der winzigen ungeschlüpften Dino-Babys fand der Paläontologe Robert Reisz heraus, dass die Embryonen schmale, stiftartige Zähne hatten, die sehr an die Zähne der gigantischen, aber erst viel später auftretenden Sauropoden wie Diplodocus oder Apatosaurus erinnern. Bei erwachsenen Lufengosauriern, aber auch schon bei älteren Embryonen waren die Zähne jedoch viel breiter. Diese Phase der Zahnentwicklung deutet darauf hin, dass bei späteren Saudopoden quasi eine „Rückentwicklung“ stattfand und sie ihre stiftartigen Zähne aus dem Embryonalstadium einfach behielten, die sogar schon Lufengosaurus im frühen Jura besaß, um sich an das Abrupfen von Blättern aus dem Kronendach der Bäume anzupassen.

 

Die neue Studie ist damit ein interessanter Beitrag zur frühen Entwicklungsgeschichte der Sauropoden und wirft neues Licht auf die Art und Weise ihrer Anpassung.

 

Bildquelle: David Mazierski

Link zum Artikel:

Link zur Studie:


Das war es aus dieser Woche mit den Neuigkeiten aus der Paläontologie. Ich wünsche Dir nun viel Spaß weiterhin auf meiner Seite und einen schönen Sonntag!

 

Liebe Grüße

 

Markus Peter Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 10. Mai 2020

Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir!

Erste Erleichterungen

Eine erste Erleichterung ist nach dieser Woche spürbar. Die meisten Geschäfte haben wieder geöffnet, auch die Spielplätze und Parks. In den nächsten Wochen werden in den meisten Teilen Deutschlands auch wieder die Freizeitparks und Museen wieder öffnen. Die schlimmste Phase der Corona-Epidemie in Deutschland sollte hinter uns liegen. Doch das sollte uns nicht in falscher Sicherheit wiegen: Die Infektionszahlen gehen zurück, aber noch immer haben wir jeden Tag zahlreiche Neuinfektionen! Die strengen Sicherheitsregeln und Maßnahmen, die wir alle einhalten müssen, zeigen uns, dass wir von einer Rückkehr in den normalen Alltag immer noch weit entfernt sind.

 

Das ist auch der Grund, weshalb ich trotz der Öffnung vieler Freizeitparks und Museen vorerst noch keine Dino-Treffen und Lesungen organisieren werde. Das Risiko, wenn aus ganz Deutschland ein gutes Dutzend Menschen zusammenkommen, ist einfach zu groß, und ich halte es für schwierig, dabei die Abstandsregeln einzuhalten. Eine Lesung mit Mundschutzmaske wäre außerdem für alle beteiligten blöd, da würde man mich ja kaum verstehen. Also heißt es: abwarten. Sollte sich die Kurve über den restlichen Mai und Juni weiter abflachen, können wir vielleicht schon ab Juli wieder etwas planen.

 

Bis dahin möchte ich euch sagen: Bleibt weiterhin vorsichtig und nehmt die Sache ernst. Wenn ihr könnt, unterstützt die Museen und Freizeitparks vielleicht trotzdem. Unternehmt mal wieder einen Ausflug mit der Familie, im kleinen Rahmen könnt ihr die tollen Ausstellungen ja trotzdem noch genießen. Und wenn ihr einen dinostarken Tag hattet: Schickt mir gerne eure Bilder! Empfehlt die Standorte weiter, bei denen ihr Spaß hattet, und vielleicht sehen wir uns dort in einigen Monaten sogar wieder!

„Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ kann vorbestellt werden

Natürlich muss ich auch für mich selbst immer noch um Unterstützung bitten. Noch immer bleibt „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ in der Vorbestellphase. Wer bis zum Erscheinen des Buches vorbestellt, der erhält sein Exemplar von mir handsigniert. Das gilt übrigens auch für den ersten Teil „Blut der Sonne“, wenn ihr beide Bücher zusammenbestellt.

 

Schaut also auf jeden Fall mal auf der Verlagsseite vorbei – nicht nur wegen „Die weißen Steine“. Dort gibt es auch viele andere tolle Bücher. Und jedes Buch, dass der Ehrlich Verlag verkauft, hilft dabei, den Verlag und damit auch mein Baby „Die weißen Steine“ vorm Ertrinken zu retten, denn in der Krise steht besonders Künstlern und Kleinverlagen das Wasser bis zum Hals. Daran wird sich auch durch die nun erfolgten Lockerungen nicht viel ändern, leider.

https://www.ehrlich-verlag.de/

Kommen wir nun aber zu den positiven Nachrichten:

Am Freitag war ich online zu Gast in Björn Katzurs Instagram-Show „Björn bringt dich zum Lachen“ und durfte ihm alles Mögliche über Dinosaurier erzählen. Leider machte mein Handy einige Zicken bei der Tonübertragung, sodass ich etwas schwer zu verstehen war. Aber trotzdem war es ein lustiger Abend! Wer mehr davon sehen möchte: Jeden Montag, Mittwoch und Freitag hat Björn andere Leute zu Gast, die er mit seiner Show zum Lachen bringen möchte!

 

Link zu meinem Instagram-Profil

 

Link zu Björn Katzurs Instagram-Profil


Das Bild der Woche

 

Das heutige Hell Creek-Bild zeigt eine Familie der mächtigen Edmontosaurier, den riesigen „Entenschnäbeln“, die hier in der Dämmerung durch einen Sumpf streifen. Urheber des Bildes ist Ralph H. Lomotan, und ich habe es bei Artstation gefunden.

 



Die Paläo-News

Ceratopsier in der Lyrik

Der jüngst beschriebene Ceratopsier Stellasaurus hat meinen Freund Jürgen Brandtner zu einem hübschen Gedicht inspiriert. Johann Rexobald bekommt nun Gesellschaft, in Form der bezaubernden Stella Stardust! Lest mal rein, ist wirklich niedlich.

 

Und wer von dinostarken Gedichten nicht genug bekommen kann: Schaut gerne auch mal bei Jürgens YouTube-Kanal vorbei. Seine Gedichtssammlung „Lyrik im leeren Raum“ ist wirklich sehenswert.

 


Noasauriden lebten auch in der Nähe des Südpols

In der australischen Eumeralla-Formation aus der späten Unterkreide fanden Forscher den Wirbelknochen eines Theropoden, der sehr wahrscheinlich von einem elaphrosaurinen Noasauriden stammt. Diese Familie der Ceratosaurier war bislang nur aus Südamerika, Indien, Madagaskar und Afrika bekannt. Offenbar bewohnten die Tiere jedoch ganz Gondwana, auch die sehr hohen Breiten, die damals nahe am Südpol lagen.

Schädel von Masiakasaurus knopfleri
Schädel des Noasauriers Masiakasaurus knopfleri (Chicago Field Museum, Foto James St. John, CC2.0)

Der neue Dinosaurier hat bislang aufgrund des spärlichen Fundes noch keinen Namen. Es bleibt zu hoffen, dass demnächst noch weitere Funde von dem mysteriösen Theropoden auftauchen.

Link zur Studie:


Neue Studie über das Tully-Monster: Doch ein Wirbeltier?

Tullimonstrum
Künstlerische Darstellung des Tullimonstrum (Anonymus Cc 4.0)

In den Gewässern des Karbon, vor mehr als 307 Millionen Jahren, trieb eine bizarre Kreatur ihr Unwesen: Tullimonstrum gregarium, auch einfach nur „Tully-Monster“ genannt war ein mysteriöses Wesen, das mit seinen seitlich abstehenden Augen und dem „Fangrüssel“ nicht von dieser Welt zu sein scheint. Forscher rätseln seit langem, in welche verwandtschaftliche Gruppe dieses Tier gehörte. Eine neue Studie, bei der Forscher die chemischen Rückstände auf den Fossilien analysierten und sie mit anderen Bewohnern des Mazon Creek-Ökosystems verglichen, stellt das Tully-Monster nun in das Taxon der Wirbeltiere. Offenbar war seine Außenhaut nicht aus Chitin-Molekülen wie bei Wirbellosen aufgebaut, sondern aus den gleichen Proteinen wie bei Fischen und sogar uns Menschen.

Artikelquelle:

Link zur Studie:


Ornithocheirus hilsensis“ ist kein Flugsaurier mehr

In seiner neuesten Arbeit untersuchte der deutsche Paläontologe Jahn Hornung die wissenschaflichen Rekonstruktionszeichnungen eines Fossils, das in den 1880ern entdeckt, damals von Ernst Koken einem großen Pterosaurier zugeschrieben und als „Ornithocheirus hilsensis“ benannt wurde. Leider sind die Originalfossilien heute verschollen, sodass nur an dem Bildmaterial geforscht werden konnte.

Großer Flugsaurier
Ornithocheirus simus, nach Fabrizio DeRossi

Hornung stellt nun nach einer Analyse der gezeichneten Hand- und Fußknochen fest, dass die Überreste wohl vielmehr zu einem theropoden Dinosaurier gehörten, der damit einer der ersten in Deutschland gefundenen Nichtvogel-Dinosaurier sein dürfte. Das Tier behält nun vorerst noch seinen Namen, natürlich als Nomen dubium, und wird in einer neuen Beschreibung vielleicht noch einen eigenen bekommen.

Bildquelle: Fabrizio DeRossi

Link zur Studie:


Neue Erkenntnisse zur Evolution der Löwen

Vor etwa 30.000 Jahren, als der moderne Mensch allmählich zu einer einzigen Spezies zusammenschmolz und alle übrigen Menschenarten verdrängte, waren Raubkatzen die dominanten Beutegreifer auf fünf Kontinenten. Dabei besonders erfolgreich: der Löwe.

Löwen in Südafrika
Sie gehören zu den erfolgreichsten Großkatzen: Die Löwen.

Mehr als 30 verschiedene Untertaxa des Löwen wurden inzwischen beschrieben. Ihre genauen verwandtschaftlichen Verhältnisse waren lange Zeit sehr unklar und Gegenstand vieler Spekulationen. Eine neue Studie, bei der das Erbgut heutiger Löwen, aber auch ihrer fossilen Vettern analysiert wurde, bringt nun etwas Licht ins Dunkel und zeigt, welche Löwen miteinander enger, welche nur entfernt miteinander verwandt waren. Somit könnte auf genetischer Ebene der berühmte Höhlenlöwe und sein amerikanischer Verwandter, der Amerikanische Löwe, sogar einen eigenen Artstatus einfordern, da sie sich von den übrigen Löwenlinien schon sehr früh getrennt haben.

Artikel zum weiterlesen und Bilder vom National Geographic:

Link zur Studie:


Tödliche Umarmung mit Tintenfisch

In Dorset, England, fanden Forscher den Beweis eines 200 Millionen Jahre alten tödlichen Angriffs: das bemerkenswert gut erhaltene Fossil zeigt die Überreste eines Knochenfischs aus dem Unterjura, eng umschlungen von den Fangarmen eines Tintenfischs.

Link zum Artikel:


Raptoren: Doch keine Rudeljäger?

Die Dromaeosaurier, auch bekannt als Raptoren, gelten unter Dinofans als gefürchtete, im Rudel jagende Tiere mit einer beachtlichen Intelligenz. Doch dieses Bild könnte komplett falsch sein: zuerst einmal wurden Hinweise auf ein Rudelverhalten bislang bloß bei einer einzigen Spezies entdeckt, Deinonychus antirrhopus, von dem man häufiger mehrere Individuen an ein und derselben Stelle fand, oft in Verbindung mit den Fossilien des Tenontosaurus, eines großen Pflanzenfressers der frühen Kreidezeit. Auch bei anderen Tenontosaurus-Fossilien wurden oft die Zähne von Deinonychus gefunden, was das Räuber-Beute-Verhältnis belegt.

Moderne, vollbefiederte Rekonstruktion eines Deinonychus von Emily Willoughby (CC 4.0)

Diese Zähne waren nun Gegenstand einer Studie, die überraschendes feststellte. Die chemische Analyse ergab unterschiedliche Kohlenstoff-Werte zwischen den kleineren Zähnen von Jungtieren und größeren Zähnen von Erwachsenen, was darauf hindeutet, dass die Tiere unterschiedliche Nahrung und Beutetiere bevorzugten. Offenbar haben die Eltern ihre Jungen also nicht gefüttert bzw. an den von ihnen erlegten Rissen fressen lassen.

Was bedeutet unterschiedliche Nahrung?

Dieses Muster passt nicht zu stark sozial agierenden Rudeljägern, sondern eher zu im losen Verband lebenden, aber einzeln jagenden Tieren wie Komodo-Waranen und Krokodilen. Auch die meisten Vögel verhalten sich deutlich weniger gruppenkoordiniert als Säugetiere wie Wölfe oder Löwen, weshalb man das Bild der Dinosaurier als Rudeljäger und insbesondere die sozial agierenden Raptoren aus Filmen wie „Jurassic Park“ infragestellen sollte.

Andererseits sagt die Studie aber auch erst einmal nur aus, dass Deinonychus-Jungtiere und ihre Eltern unterschiedliche Nahrungsquellen bevorzugten. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: Vielleicht lebte Deinonychus doch im Rudel, doch wurden die Jungen nur die erste Zeit nach dem Schlüpfen noch von den Eltern versorgt und gefüttert. Sobald sie das Nest verlassen konnten, sind sie auf eigene Faust auf Nahrungssuche gegangen, bis sie alt genug waren, sich auch an der gemeinsamen Jagd zu beteiligen. Vorher wurden sie von den Erwachsenen am Riss vielleicht nicht toleriert. Es gibt schließlich weder für die Rudelbildung, noch für den losen Sozialverband irgendwelche Belege – das sind und bleiben erst einmal nur Hypothesen.

Artikelquelle:
Link zur Studie:


Das war es aus dieser Woche mit den Neuigkeiten aus der Paläontologie. Ich wünsche Dir nun viel Spaß weiterhin auf meiner Seite und einen schönen Sonntag!

 

Liebe Grüße

 

Markus Peter Kretschmer




Mein Wort zum Sonntag – 3. Mai 2020

Wort zum Sonntag

Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir! Heute gibt es wieder die neuesten Updates zu meinem Buch, meinen künftigen Veranstaltungen und natürlich die neuesten Neuigkeiten aus der Welt der Paläontologie!

Der Mai hat begonnen, mit regnerischem Wetter, das ich aber sehr willkommen heiße. Der April war selbst in meiner Heimat Kiel, wo wir zu dieser Jahreszeit eigentlich massenweise Regen gewöhnt sind, viel zu trocken. Das Klima spielt verrückt, nach wie vor, und wir sollten uns einer Sache gewahr sein: Corona ist nicht unser einziges, und auch nicht unser größtes Problem!

Auch wenn die ersten Geschäfte nun wieder geöffnet haben und wir ein Stück unseres gewohnten Alltags zurückbekommen haben, so gilt das leider nicht für mich als Autor. Weiterhin liegen die nächsten Lesungen und auch die Dinotreffen auf Eis. Ich möchte es noch nicht riskieren, aus ganz Deutschland Leute in einem Park oder einem Museum zu versammeln, wo doch die Gefahr noch lange nicht gebannt ist, trotz sinkender Infektionszahlen. Ich behalte die konkrete Entwicklung der Lage sehr genau im Blick, und werde euch natürlich Woche für Woche auf dem Laufenden halten, wann es wieder etwas in Richtung Paläo-Action von mir geben könnte.

Es gibt leider auch noch nichts neues, was „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ angeht. Die Vorbestellphase läuft auch weiterhin, verlängert bis zum 31.05.2020. Wer in dieser Zeit das Buch, oder gern auch den ersten Teil „Neue Alte Welt“ bestellt, der erhält die Exemplare von mir handsigniert.

Damit mein Buch bald erscheinen kann, könnt ihr mithelfen! Schaut auf der Verlagsseite gern mal vorbei – nicht nur wegen „Die weißen Steine“. Dort gibt es auch viele andere tolle Bücher. Und jedes Buch, dass der Ehrlich Verlag verkauft, hilft dabei, den Verlag und damit auch mein Baby „Die weißen Steine“ vorm Ertrinken zu retten, denn in der Krise steht besonders Künstlern und Kleinverlagen das Wasser bis zum Hals. Daran wird sich auch durch die nun erflolgten Lockerungen nicht viel ändern, leider.

https://www.ehrlich-verlag.de/


Kommen wir nun aber zu den positiven Nachrichten:

Unser heutiges Hell Creek-Bild zeigt, dass auch Dinosaurier Wert auf Hygiene legen: Eine Tyrannosaurus-Familie beim Bad, gefunden bei Kaneki Ken auf Pinterest:

Tyrannosaurier im Wasser
Heute ist Badetag bei den Tyrannosauriern

Link zum Bild:

Paläo-News

In dieser Woche gab es viele spektakuläre Neuigkeiten aus der Welt der Paläontologie:


Neuer Deinocheirid aus Mexiko: Paraxenisaurus normalensis

In der Cerro del Pueblo Formation in Mexiko fanden Paläontologen die Überreste eines großen Theropoden, den sie als Paraxenisaurus normalensis neu benannten. Das Fossilmaterial, u.a. Skelettreste von der Hand und den Füßen des Tieres sowie einige Wirbelknochen, sprechen für eine Zugehörigkeit zu den bislang nur aus Asien bekannten Deinocheiriden: große, sogar teils riesige, mit den Ornithomimiden („Straußendinosaurier“) verwandte Allesfresser. Ob sich diese Systematik als zutreffend erweist, und ob es sich nicht doch um einen Therizinosaurier handelt, (die aus Nordamerika schon länger bekannt sind!) oder das Material sogar nur eine Chimäre ist, müssen weitere Forschungen erst noch klären.

Paraxenisaurus normalensis
Portrait des „neuen“ Deinocheirides aus Mexiko

Link zur Studie:

Bildquelle: Ventura Salas


Über die Sprache der Dinosaurier

 

Eberhard "Dino" Frey
Eberhard „Dino“ Frey ist einer der bekanntesten deutschen Paläontologen, aber auch er sprach noch nie mit einem Dinosaurier.

Niemand weiß, wie Dinosaurier geklungen haben. Hollywood-Filme wie Jurassic Park stellen die Tiere oft als sehr lautstarke, brüllende Bestien dar. Doch wie viel Wahrheit steckt dahinter? Der Paläontologe Eberhard „Dino“ Frey gibt in der Nürtinger Zeitung einige interessante Theorien zum Besten und widerlegt plausibel die größten Hollywood-Klischees: dass ein T. rex zum Beispiel bei der Jagd oder einem Kampf gebrüllt habe, ist aus wissenschaftlicher Sicht jedenfalls nur als Unsinn zu betrachten. Wer mehr lesen möchte:

Link zum Artikel


Neuer Ceratopsier aus Montana: Stellasaurus ancellae

In Montana fanden Wissenschaftler die Überreste eines nun neubenannten Cerstopsiers. Der Horndinosauriern wurde als Stellasaurus ancellae nach dem Hit „Starman“ von David Bowie benannt, war über 6 m lang, mehr als zwei Tonnen schwer und lebte vor etwa 75 Millionen Jahre während der Oberkreide (Campanium). Die Forscher vermuten, dass Stellasaurus ein „Missing Link“ in der Ceratopsier-Evolution sein könnte: seine Merkmale deuten darauf hin, dass er ein Nachfahre der „Stachelechse“ Styranosaurus ist und entwicklungsgeschichtlich vor dem späteren Einiosaurus steht.

David Bowie und sein Dino
Stellasaurus und David Bowie. An wen erinnert man sich wohl länger?

Bildquelle: Andrey Atuchin

Artikelquelle:


Außergewöhnlicher Säuger aus der Oberkreide Madagaskars: Adalatherium hui!

Adalotherium wui
Das „verrückte Biest“ sieht eigentlich ziemlich normal aus…

Das Skelett eines außergewöhnlichen Säugetiers fanden Forscher auf der auch schon in der Kreidezeit abgelegenen Insel Madagaskar. Adalatherium hui lebte vor etwa 66 Millionen Jahren, war ein etwa 3 kg schweres Wühltier, wie seine kräftigen Gliedmaßen und Krallen nahelegen, und dabei für ein Säugetier dieser Zeit ungewöhnlich groß. Am verblüffendsten sind jedoch seine nach hinten gerichteten Zähne, die Adalatherium – dessen Name „Irres Biest“ bedeutet – als einen Vertreter der Gondwanatheria auszeichnen. Diese sind die wohl geheimnisvollste Gruppe aller ausgestorbenen Säugetiere, die sich unabhängig von den heutigen Eutheria (Plazentatiere) und den Marsupialia (Beuteltiere) entwickelte. Adalatherium ist also mit keinem heute lebenden Säugetier verwandt und gibt durch den nahezu kompletten Skelettfund völlig neue Einblicke in das Aussehen und die Lebensweise einer bislang noch weitestgehend unerforschten Säugetiergruppe.

Bildquelle: Andrey Atuchin

Artikelquelle:

Link zur Studie:


Tragödie aus der Eiszeit: Massengrab von mehr als 20 Riesenfaultieren entdeckt!

Auf der ecuadorianischen Halbinsel Santa Elena fanden Forscher ein Massengrab von riesigen Eiszeitsäugern, die dort vor etwa 20.000 Jahren umgekommen sind, darunter die Überreste von insgesamt 22 Riesenfaultieren, 15 Erwachsene und auch einige Jungtiere, sogar zwei Neugeborene Exemplare blieben erhalten, außerdem einige Gomphotherien (Urzeitelefanten) und Pampatherien (Riesengürteltiere). Die Überreste der Tiere blieben im Asphalt einer Teergrube exzellent erhalten. Doch was hat den Tod dieser Tiere verursacht? Dass die Riesenfaultier-Familie im Asphalt stecken blieb, schließen die Forscher aus – schließlich fanden sie keine Raubtiere unter den Opfern, die aber in so einem Fall sicherlich angelockt worden und ebenfalls stecken geblieben wären (Prädatorenfalle).

Die Falle?
Künstlerische Darstellung einer Ideallandschaft mit Riesenfaultieren

Eine weitere Idee: die Tiere könnten durch einen Erdrutsch oder eine Schlammwelle verschüttet worden sein, schließlich war die Gegend damals ein großes Feuchtgebiet. Doch auch diese Erklärung scheidet aus, da in so einem Fall Wassertiere mit unter den Fossilien sein müssten, wie Fische, Schildkröten oder Krokodile, die aber ebenfalls fehlen. Das Sterben der Faultier-Familie hat sich also wahrscheinlich um einiges tragischer abgespielt: wahrscheinlich verharrten die Tiere während einer Dürre in der Nähe eines schwindenden Wasserlochs. Dieses wurde immer kleiner und schließlich auch durch die Fäkalien der Säugetiere kontaminiert, sodass die ganze Familie allmählich an einer Infektion zugrunde hing. Ihr Sterben dauerte vermutlich viele Tage, möglicherweise gar Wochen. Erst wesentlich später wurden die Kadaver in den Asphalt geschwemmt und darin konserviert.

Bildquelle: Scott Dutfield

Link zur Studie:


Spuren der Apokalypse: Neue Hinweise auf konkreten Ablauf des Hangenberg-Ereignisses im Oberdevon

Im Oberdevon kam es zu einer ganzen Reihe von Massenaussterben. Durch gleich mehrere katastrophale Ereignisse, alle im Abstand von mehreren Millionen Jahren, brach die Artenvielfalt auf der Welt zusammen und reduzierte sich um etwa 50 bis 75%, und war damit wahrscheinlich sogar verheerender als das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, bei dem die meisten Dinosaurier ausstarben.

Weltkarte Devon
Die Weltkarte des Devons

Lange vor den Dinosauriern, vor ca. 360 Millionen Jahren, war aber kein Asteroid, sondern Vulkanismus der Auslöser der Katastrophe: wie Forscher in einer neuen Studie herausfanden, wurden infolge massiver Vulkanausbrüche zwischen den Großkontinenten Laurussia und Gondwana eine große Menge Giftstoffe freigesetzt, wie Methylquecksilber, dass nun erstmalig in den Ablagerungen aus dieser Zeit nachgewiesen wurde. Durch derartige Umweltgifte starb ein großer Teil des marinen Planktons ab, wodurch einerseits die Nahrungskette in den Meeren zusammenbrach, andererseits aber auch der Sauerstoffgehalt im Wasser drastisch absank. Während dieses sogenannten Hangenberg-Ereignisses verloren viele Meereslebewesen einen Großteil ihrer Artenvielfalt, als sie infolge von Nahrungsmangel, Erstickung und Lebensraumverlust durch Umweltgifte ausstarben.

Quelle:


Neue Rekonstruktion von Spinosaurus aegyptiacus: Flossenruder statt Saurierschwanz!

Kommen wir nun zu dem „Knaller“ der Woche: Eine neue Studie über die Schwanzwirbelfossilien des berühmten Spinosaurus untermauern die Theorie, dass es sich bei dem Tier um einen semiaquatischen Sumpfbewohner handelte: die Wirbel verlängern sich zum Schwanzende hin deutlich und bilden eine effektive Schwimmhilfe, die auch von einer Seite zur anderen geschwungen werden konnte. Möglicherweise stützten die Wirbel sogar eine Art Flosse.

Spinosaurus-Schwanz
So sah der Schwanz eines Spinosauriers nach aktueller Rekonstruktion wohl aus.

Quelle:

Dass Spinosaurus nun zum wiederholten Male sein Aussehen ändert, hat natürlich unter Dino-Fans einen wahren Hype ausgelöst. Doch heißt diese neue Rekonstruktion noch lange nicht, dass man jetzt endlich weiß, wie Spinosaurus aussah. Nein, es ist überhaupt noch nicht einmal geklärt, WAS ein Spinosaurus eigentlich ist und ob es ihn so wie wir ihn jetzt zu kennen glauben überhaupt gab! Es wurde nämlich noch niemals ein vollständiges Exemplar von ihm gefunden. Alle Rekonstruktionen basieren auf Funden von mehr als neun verschiedenen Teilskeletten aus Marokko, Algerien und Tunesien, sowie den Zeichnungen des Holotyp-Materials von Ernst Stromer, das im zweiten Weltkrieg jedoch zerstört wurde. Daneben werden auch Funde aus Kenia, Niger und Libyen dem Spinosaurus zugeschrieben.

Doch ist es sehr wahrscheinlich, dass diese Funde zu deutlich mehr als nur einer einzigen Art (Spinosaurus aegyptiacus) gehören. Vielleicht haben sich zum Beispiel Fossilien des nah verwandten Sigilmassasaurus mit in die Rekonstruktionsgeschichte hineingeschlichen, und sehr wahrscheinlich auch noch andere, bislang unbenannte Gattungen und Arten. Allein schon, weil das Material aus einem gewaltig großen Zeitfenster stammt, ist das nur wahrscheinlich: Die ältesten „Spinosaurus“-Fossilien sind ca. 112, die jüngsten nur 93,5 Millionen Jahre alt, und in den mehr als 18 Millionen Jahren hat die Evolution sicher mehr als nur eine Art, wahrscheinlich sogar mehrere Gattungen hervorgebracht. Kaum eine Dinosaurierart existierte nämlich länger als 3 Millionen Jahre, bis die Evolution aus ihr eine neue machte, oder sie schließlich ausstarb.

Spinosaurus“ ist also nicht nur EIN Dinosaurier, sondern sehr wahrscheinlich ein Chimärentaxon. Weitere Fossilfunde werden darüber sicher Aufschluss geben, und das wird heißen, dass wir sehr wahrscheinlich bald wieder ein neues Bild von Spinosaurus bekommen werden, und wahrscheinlich zahlreiche neue Spinosauriden mit dazu!


Das war es aus dieser Woche mit den Neuigkeiten aus der Paläontologie. Ich wünsche Dir nun viel Spaß weiterhin auf meiner Seite und einen schönen Sonntag!

Liebe Grüße,

Markus Peter Kretschmer

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Mein Wort zum Sonntag – 26. April 2020

Einen schönen Sonntag wünsche ich!

 

Allmählich lässt sich bezogen auf die Corona-Krise ein kleiner Silberstreif am Horizont erkennen. Die ersten Maßnahmen werden morgen bereits wieder gelockert, in manchen Ländern beginnt auch bald die Schule wieder. Doch haben wir das Schlimmste tatsächlich schon überstanden? Ich begrüße natürlich alle Lockerungen, wenn sie mich in meinem Alltag nicht mehr einschränken. Aber ob das wirklich der richtige Weg ist, muss sich erst noch zeigen. Ich jedenfalls rechne mit den ersten Dinotreffen und Lesungen frühestens im Spätsommer und Herbst, und habe deshalb auch immer noch alle Termine eingefroren. Jetzt im Mai wird es also definitiv nichts in dieser Richtung von mir geben.

 

Der zweite Teil von „Die weißen Steine“ liegt weiterhin fertig beim Ehrlich Verlag und wartet auf seine Veröffentlichung. Wer das Buch bis zum 05.05.2020 bestellt, der erhält ein von mir persönlich handsigniertes Exemplar noch am offiziellen Erscheinungstag in Händen – also noch vor allen anderen, und bevor es in die Läden kommt! Wann es soweit sein wird? Wahrscheinlich Ende Mai, Anfang Juni. Es kommt jetzt ganz auf den Lektor und die Druckerei an, und wie der Verlag selbst mit der Krise fertig wird.

 

Aber dabei könnt ihr helfen! Schaut auf der Verlagsseite gern mal vorbei – nicht nur wegen „Die weißen Steine“. Dort gibt es auch viele andere tolle Bücher. Und jedes Buch, dass der Ehrlich Verlag verkauft, hilft dabei, den Verlag und damit auch mein Baby „Die weißen Steine“ vorm Ertrinken zu retten. In der Krise steht besonders Künstlern und Kleinverlagen das Wasser bis zum Hals. Daran wird sich auch durch die bevorstehenden Lockerungen nicht viel ändern, leider.

 

https://www.ehrlich-verlag.de/


Kommen wir nun aber zu den positiven Nachrichten. In dieser Woche gab es wieder viele tolle Neuigkeiten aus der Welt der Paläontologie:

Hagenbeck bekommt Dinosaurierfamilie

Der Stiftung Hagenbeck ist es gelungen, vier vollständige Skelette von einer seltenen Art der Dinosauriergattung Suuwassea für den Tierpark Hagenbeck zu sichern. © Stiftung Hamburg Foto: Michael Zapf

 

Eine bemerkenswerte Familiengeschichte von 150 Millionen Jahren, glücklicherweise mit einem Klasse Happy End: vier Sauropoden der Gattung Suuwassea, die im späten Jura auf dem Gebiet des heutigen US-Bundesstaats Wyoming lebten und dort 2009 freigelegt wurden, reisten bald darauf in schweren Holzkisten verpackt auf Initiative eines privaten Investors aus Hamburg nach Deutschland, zunächst mit dessen Absicht, sie weiterzuverkaufen. Doch damit die seltenen Fossilien in Hamburg bleiben können, hat sich nun die Stiftung Hagenbeck gekauft. So sollen die imposanten Urzeitwesen nun in einer baldigen Dauerausstellung zu sehen sein. Möglicherweise handelt es sich bei den Tieren um eine Familiengruppe beziehungsweise eine ganze Herde, die gemeinsam an einem Ort gestorben sind und über die Jahrmillionen lang erhalten blieben. Nun können sie also zusammenbleiben – und sowohl der Öffentlichkeit als auch der Forschung zur Verfügung stehen.

 

In dem Video ist übrigens mein Freund, der Paläontologe Heinrich Mallison zu sehen oder besser zu vermuten, da er eine schwarze Mundschutzmaske trägt. Liebe Grüße, Heinrich! Ich hoffe, dich und die Suuwassea-Familie bald in Hamburg treffen zu können!

 

Weiteres zu den Hagenbeck’schen Dinosauriern beim NDR


Ein weiteres Puzzleteil der Schildkröten-Evolution

http://geohorizon.de/wp-content/uploads/2020/04/newsimage-121.jpeg

 

Der Ursprung von Schildkröten gilt als eine der am häufigsten geführten Debatten innerhalb der Evolutionsbiologie. In einer kürzlich im Fachjournal „Nature Scientific Reports“ veröffentlichten Studie hat Senckenberger Ingmar Werneburg mit einem internationalen Team von Forschenden bestehende Hypothesen widerlegt und neues Licht auf die Evolution der Schädelarchitektur geworfen. Die Ergebnisse zeigen eine enge Verknüpfung der Evolution des Schädels und des hochflexiblen Halses bei den Panzerträgern.

 

Vielen Dank an Pia Gaupels und ihre Seite GeoHorizon für den tollen Artikel.


Sind Federn eine Eigenentwicklung der Dinosaurier?

 

http://www.geologypage.com/wp-content/uploads/2020/04/The-first-dinosaurs-probably-didnt-have-feathers-GeologyPage-696x360.jpg
Der Archaeopteryx hatte zweifellos Federn

Ein langes, vieldiskutiertes Thema in der Paläontologie ist die Frage nach der Herkunft der Feder, und wann und bei welchem letzten Vorfahren der Vögel sie sich entwickelt hat. Federn – oder federähnliche Strukturen – wurden bislang sowohl bei vielen Theropoden gefunden, aus denen die Vögel hervorgingen, aber u.a. auch bei Cerstopsiern (Horndinosauriern), Ornithopoden (zweibeinigen Pflanzenfresser), aber zuletzt auch bei Vertretern der Pterosaurier (Flugsaurier), die überhaupt nicht zu den Dinos gehören. Da stellt sich nun die Frage: hat sich der Vorläufer dieser Filamentstrukturen schon beim letzten gemeinsamen Vorfahren von Dinosauriern und Flugsauriern entwickelt, und waren möglicherweise sogar alle Dinosaurier zumindest teilweise gefiedert? Oder sind die Federn in der Entwicklungsgeschichte analog und damit unabhängig mehrfach in unterschiedlichen Tierfamilien entstanden?

 

Eine neue Studie unter der Leitung von Paul Barrett untersuchte nun genauer, ob die Federn außerhalb der Theropoda überhaupt die Definition einer Feder erfüllen: ob sie aus dem Protein Beta-Keratin gebildet werden, ob sie sich verzweigen und ob sie aus einem Follikel hervorgehen. Diese Definition erfüllen tatsächlich nur die Theropodenfedern, alle anderen Strukturen sind lediglich sogenannte Filamente, also unverzweigte Auswüchse. Ob sie auch aus dem gleichen Protein gebildet werden oder einem homologen Follikel hervorgehen, ist niemals klar bestätigt worden. Barrett hält die Federn von pflanzenfressenden Dinosauriern und Flugsauriern deshalb für eigenständige Produkte konvergente Evolution, was auch dadurch untermauert werde, dass die meisten Hautabdrücke anderer Dinosaurier ein Schuppenmuster zeigen, ohne eine Spur von Federn oder Federansatzstellen.

 

Link zu Geologypage und der einer ausführlichen Darstellung


Die Haie des Pierre Seaways in der Kreidezeit

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5b/Kansas_sea2DB.jpg
Bildquelle: Wikipedia; https://en.wikipedia.org/wiki/Squalicorax#/media/File:Kansas_sea2DB.jpg

In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler mehr als 1.500 Hai-Zähne, die aus verschieden alten Schichten der Hell Creek Formation, also dem westlichen Nordamerika (Montana) der späten Kreidezeit stammten. Zwischen Montana und den beiden Dakotas befand sich damals noch ein Meerarm, der Pierre Seeweg (auch: Western Interior Seaway), sodass die ganze Gegend stark vom Meer und ihren Bewohnern geprägt war: auch in den brackigen Mangroven und Flusssysteme schwammen Haie noch bis weit ins Landesinnere.

 

In den letzten Jahrhunderttausenden der Kreidezeit häufen sich die Zahnfunde sogar, was verdeutlicht, dass die Hai-Fauna zu dieser Zeit geradezu aufblühte. Die Forscher konnten die gefundenen Zähne einer Art der (heute ausgestorbenen) Hybodonten, fünf Teppichhai-Arten, einem Makrelenhai, einem Scheinsägerochen und zwei Rochen aus der Gruppe der Rajiformes zuordnen.

 

Die Zahnvielfalt nimmt hinter der KP-Grenzlinie rapide ab. In den höheren Schichten, also nach dem Ende der Kreidezeit, ist mit Myledaphus pustolosus nur noch ein Gitarrenrochen überliefert. Alle anderen Haie in Hell Creek haben das Massenaussterben also nicht überlebt.

 

Danke an Sven Sachs, der mich auf diesen Artikel bei Science Direct aufmerksam gemacht hat!


Schöningen: 300.000 Jahre alte Wurfhölzer entdeckt

https://www.sueddeutsche.de/image/dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200420-99-767068/640x360?v=0
Eins der gut erhaltenen Wurfhölzer der Heidelberg-Menschen. 300.000 Jahre alt und immer noch spitz.

Ein interessanter Fund aus dem niedersächsischen Schöningen bringt das althergebrachte Bild vom Frühmenschen als primitiven Haudrauf weiter ins Wanken. Dort gruben Archäologen unweit des Fundortes der berühmt gewordenen Speere nun gut erhaltene Wurfhölzer aus. Sie wurden vor über 300.000 Jahren von Heidelberg-Menschen hergestellt und eingesetzt, um damit Wasservögel zu jagen und Wild aufzuscheuchen. Die Stöcke lassen sich durchaus mit den Technologien viel späterer Naturvölker wie den Aborigines aus Australien vergleichen. Sie belegen, dass schon die europäischen Urmenschen keineswegs nur von der Hand in den Mund lebten, sondern planerisch und sehr geschickt agierende Jäger waren.

 

Die Süddeutsche zitiert den dpa-Newskanal hierzu.


Meereskrokodile tauchten wie Wale

https://static01.nyt.com/images/2020/04/28/science/20OBS-CROCODOLPHINS1/20OBS-CROCODOLPHINS1-jumbo-v2.jpg?quality=90&auto=webp

 

Die Meereskrokodile des Mesozoikums tauchten auf ganz ähnliche Weise wie Wale und Delfine heute. Eine Forschergruppe der Universität von Edinburgh untersuchte in einer neuen Studie vor allem den Aufbau des Innenohrs. Es war bei den Meereskrokodilen deutlich anders gebaut, als bei ihren Verwandten in den Flüssen, Sümpfen und Seen. Mit wesentlich dickeren Ohrkanälen konnten sie auch in großen Tiefen noch hervorragend das Gleichgewicht halten und sich orientieren. An die Druckunterschiede waren sie bestens angepasst, ganz ähnlich wie heutige Meeressäuger. Ein Blasloch besaßen sie allerdings nicht, sie atmeten vor dem Tauchen eher durch ihre Nasenöffnung.

 

Herzlichen Glückwunsch auch nochmal an meinen Freund Sven Sachs, der an der Studie als Co-Autor beteiligt war und nun das erste Mal in der New York Times veröffentlicht wurde.


Der marokkanische Jurassic Park

Szene aus der Kreidezeit im Osten Marokkos

Eine der ergiebigsten Fossillagerstätten Nordafrikas sind die berühmten Kem Kem Beds in Marokko.

Viele Sammler besitzen Fossilien von dort. Für kleines Geld kann man in diversen Shops Zähne vom Spinosaurus oder Carcharodontosaurus erwerben. In einen neuen, sehr umfangreichen Monographie eines Forscherteams um Nizar Ibrahim und Paul Sereno beschreiben die Forscher sehr anschaulich die Gesteine und Fossilien dieser bemerkenswerten Gegend: Heute eine karge Wüste am Nordrand der Sahara, war Marokko vor etwa 100 Millionen Jahren ein tropisches Küstengebiet am Südrand des Tethys-Meeres. Von den Gezeiten geprägte Mangrovensümpfe und ein immerfeuchtes Netzwerk aus Flusskanälen und Bruchwäldern bestimmten das Landschaftsbild.

 

Dinosaurier und riesige Krokodile beherrschten das Land und die Flüsse, Pterosaurier kreisten am Himmel. In dem Fluten wimmelte es von spektakulären Salz- und Süßwasserfischen. Die neue Studie lässt neue Einblicke in dieses prähistorische Ökosystem zu, um das komplexe Nahrungsnetz in der frühen Oberkreide etwas besser zu begreifen.


Flugsaurier und Drohnenbau?

Ein Flugsaurier-Modell, Vorbild für den Drohnenbau?

Da in dieser Woche außerdem eine interessante Studie über die avionischen Eigenschaften von Flugsauriern erschienen ist, und wie man diese vielleicht beim Drohnenbau in der heutigen Technik noch nutzbar machen könnte, habe ich in meinem ARTIKEL DER WOCHE einmal die Frage gestellt, wozu Paläontologie überhaupt gut sein kann. Schau Dir den Artikel gerne an, sofern Du das noch nicht getan hast. Es kann doch überraschend sein, wie wichtig die Urzeitforschung doch für unseren Alltag ist, und dass sie ganz und gar nicht bloß den nerdigen Dino-Fans zur Unterhaltung dient.

 

Ich wünsche nun viel Spaß weiterhin auf meiner Seite und einen schönen Sonntag!

 

Liebe Grüße

 

Markus Peter Kretschmer

 

PS: Das Titelbild stammt von Ganesh Rano und zeigt einen Pachycephalosaurus.