Devil Monkey: Die Sagen der Ureinwohner (6/8)

Lesedauer: etwa 11 Minuten

„Devil Monkeys“ in Überlieferungen der Ureinwohner?

 

Bequem wäre es schon, sämtliche Sichtungen von Devil Monkeys als Fehlidentifikationen abzutun. Mal war das Tier eben ein Affe, dann wieder ein Känguru. Die Fantasie der Zeugen tat ihr Übriges und schon entstand ein monströser Affe…

Eines kann dieser Ansatz aber nicht erklären: Wenn die Devil Monkeys bloß entlaufene Tiere (oder deren Nachkomme) sein sollen – wie konnten ihn dann bereits die Ureinwohner Amerikas kennen? Schließlich kamen Kängurus und Affen erst mit den europäischen Siedlern (bzw. mit deren Nachfahren) nach Nordamerika.

 

Tatsächlich deuten aber mehrere Quellen darauf hin, dass den Devil Monkeys ähnliche Wesen auch zuvor schon in der Sagenwelt der indigenen Bevölkerung präsent waren:

 

Anzeige

Mythen und Legenden der alten Völker Nordamerikas, Band 1

Mythen und Legenden der indianischen Völker des nordöstlichen Waldlandes und der Region um die Großen Seen, in deutscher Übersetzung nach alten englischen Quellen. Manche sind nur eine Seite lang, andere über zehn Seiten. Die Themen und die handelnden Personen sind äußerst unterschiedlich. Ein Glossar kann das Verständnis erleichtern, mehrere Abbildungen illustrieren den Text.

 

Mythen und Legenden der alten Völker Nordamerikas, Band 1 ist 2020 als Book on Demand erschienen. Es hat als gebundenes Buch 512 Seiten und ist auch für den Kindle erhältlich.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Die Cet’aeni nach einer Sage der Ahtna

„Die schwanztragenden Leute“, so lässt sich der aus der Sprache der Ahtna entstammende Name „Cet’aeni“ ins Deutsche übersetzen. Das Volk der Ahtna lebt noch heute im Westen Kanadas, nahe der Grenze zum US-Bundesstaat Alaska. Sie wissen von Wesen zu berichten, die den Devil Monkeys verblüffend ähnlich sind.

 

Die Stadt Zymoetz am Copper River als ungefährer Orientierungspunkt des Siedlungsgebietes der Copper-River-Ahtna

 

 

Der kanadische Autor und Webvideo-Produzent Hammerson Peters erzählt in einer 2022 erschienen Direct-to-Youtube-Dokumentation eine ihrer Sagen über die Cet’aeni nach:

 

Diese Cet’aeni waren menschenähnliche Kreaturen. Vor allem ihr aufrechter Gang auf den Hinterbeinen prägte wohl diesen Eindruck. Auch die Gesichter und Hände dieser sonderbaren Leute ähnelten denen der Menschen. Doch zugleich waren die Cet’aeni – vom Gesicht abgesehen –  am ganzen Körper behaart und verfügten über lange Schwänze. Sie sollen etwas größer gewesen sein, als ein durchschnittlicher Mensch.

 

Die Ahtna scheinen aber der Ansicht zu sein, dass die „Cet’aeni“ inzwischen nicht mehr existieren – und dafür ist ihr Volk verantwortlich:

 

Copper River, lebte hier ein Volk der Devil Monkeys?
Das Tal des Copper River vom Richardson Highway aus gesehen

 

Die Ausrottung des Devil Monkey?

Demnach wurde hunderte Jahre zuvor eine Gruppe von Ahtna am Copper River regelrecht durch einen unbekannten Angreifer gejagt. Nach und nach verschwanden Stammesmitglieder. Einer der Ahtna konnte allerdings eine Begegnung mit einem Cet’aeni heil überstehen, da er unentdeckt blieb. Er berichtete seinen Stammesangehörigen davon, die wiederum einen Kundschafter entsandten.

 

Als dieser besonders mutige Krieger schließlich das Lager der Cet’aeni ausfindig machen konnte, hatte er die Gelegenheit, dieses Volk zu beobachten. Dabei sah er unter anderem, dass die Wesen sich mit ihren Schwänzen abfederten, um zu springen. Bald darauf begann es, zu regnen und die Cet’aeni zogen sich in ihre Höhlen zurück. Zuvor hatte der Krieger aber feststellen müssen, dass die barbarischen Wesen ein Ballspiel mit dem Kopf eines seiner Stammesgenossen betrieben!

 

Der Krieger kehrte zu den Seinen zurück, um sich mit ihnen zu beratschlagen. Man beschloss, dass das Volk der Cet’aeni unbedingt ausgerottet werden musste. Da diese Wesen klug, jedenfalls aber gefährlich waren, sollte diese Auslöschung durch einen einzigen Angriff erfolgen. So wurden sogar die Frauen des Stammes an diesem Unternehmen beteiligt.

 

Waldbrand, haben die Ahtana die Devil Monkeys so ausgerottet?

 

Man band also Bündel von Blättern an lange Stangen. Diese Bündel wurden nahe der Höhlen, in die sich die Cet’aeni zurückgezogen hatten, in ein Feuer gehalten. Die nun rauchenden Blätter wurden wiederum mittels der Stangen in die Höhleneingänge geschoben.

 

Die Cet’aeni waren also gezwungen, ihre geschützte Position zu verlassen. Da sie durch die vermeintlichen Brände in ihren Höhlen panisch und verwirrt waren, hatten die Ahtna die Oberhand. Es gelang den Kriegern so, letztlich jeden einzelnen der Cet’aeni zu töten.

 

Die Ahtna hatten dagegen lediglich einen Toten zu beklagen. Dafür wurden sie niemals wieder mit den Cet’aeni konfrontiert. Das schwanztragenden Leute scheinen seitdem ausgerottet zu sein.

 

Anzeige

Auf Indianerpfaden durch den Westen der USA: Abenteuer-Bildband

Auf historischen Pfaden durch die schönsten und faszinierendsten Landschaften des amerikanischen Westens: die Rocky Mountains mit ihren schneebedeckten Gipfeln, tiefen Schluchten und dichten Wäldern, die High Plains mit ihren scheinbar endlosen Ebenen und dem weiten Himmel, den Südwesten mit seinen rotbraunen Felsen und seinen Kakteenwüsten. Fotografiert von Christian Heeb und beschrieben von Thomas Jeier, beide ausgewiesene Kenner der Kultur und Geschichte der nordamerikanischen Indianer und seit vielen Jahren auf diesen Pfaden unterwegs.

 

Auf Indianerpfaden durch den Westen der USA zeichnet sich nicht nur durch die historischen Wege, sondern auch durch 210 hervorragende Bilder auf 128 großformatigen Seiten aus. Das Buch ist gebunden 2018 bei Stürz erschienen.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Ähnlich lautende Geschichten weiterer indigener Stämme Kanadas

Die Ahtna sind aber bei weitem nicht der einzige Stamm, der von haarigen Männern mit Schwänzen berichtet. Im Westen Kanadas und wohl auch in Alaska scheint der Glaube an die (ehemalige) Existenz solcher Kreaturen weit verbreitet zu sein.

 

Stets werden diese Wesen in englischsprachigen Nacherzählungen als „Monkey People“ bezeichnet. Die jeweiligen, lokalen Namen variieren freilich, doch die Beschreibungen bleiben gleich: Es sind haarige Gestalten mit langen Schwänzen, denen man besser aus dem Weg gehen sollte. Jedenfalls wird immer wieder erwähnt, dass diese schwanztragenden Affenleute Menschen töten und teilweise wohl auch fressen.

 

Die Tanaina und Ingalik nennen ein solches Wesen etwa „Chynkat“. Von den bereits bekannten Gemeinsamkeiten abgesehen, liefern ihre Berichte aber keine weiteren Informationen.

 

In Peters‘ Dokumentation wird direkt danach ein Volk erwähnt, welches Tanana genannt wird. Auch hierbei handelt es sich um menschliche Ureinwohner Alaskas. Trotz des enorm ähnlichen Namens scheinen sie nicht mit den Tanaina identisch zu sein. In der Sprache der Tanana nämlich werden die Kreaturen „Cetin“ genannt.

 

Die Tanana variieren die bekannte Geschichte von den Cet’aeni leicht. Zunächst einmal sollen ihre Cetin alten Männern ähnlich gesehen haben, wobei ihre Schwänze aber doch ein sicheres Unterscheidungsmerkmal boten. Diese Cetin werden nicht bloß als Mörder, sondern auch Vergewaltiger beschrieben. In manchen Versionen wurden sie auf dieselbe Art ausgerottet, wie die Cet’aeni der Ahtna. In anderen Erzählungen sind sie dagegen beinahe unsterblich und können nur durch das Einfrieren ihres Schwanzes getötet werden.

 

Modernes Fischercamp der Tanana
Ein modernes Fischercamp der Tanana (1997) am Tanana River

 

Weitere Stämme bzw. Völker, die Geschichten über die schwanztragenden Leute kennen, listet Peters ebenfalls auf: Mindestens ein Stamm der Gwi’chin aus Nordalaska berichtet von einer namentlich nicht benannten Kreatur, die einem Affen ähneln soll. Auch die Thaltan kennen Erzählungen über die „Monkey People“. Ebenso war im Volk der Dene der Ansicht, dass ihre Vorfahren einst aus einem Gebiet eingewandert waren, in dem schwanztragende Männer lebten.

 

 

Anzeige

Tennessee: Hidden Nature – Wild Southern Caves

More than ten thousand known caves lie beneath the state of Tennessee according to the Tennessee Cave Survey, a nonprofit organization that catalogs and maps them. Thousands more riddle surrounding states. In Hidden Nature, Michael Ray Taylor tells the story of this vast underground wilderness. In addition to describing the sheer physical majesty of the region&;s wild caverns and the concurrent joys and dangers of exploring them, he examines their rich natural history and scientific import, their relationship to clean water and a healthy surface environment, and their uncertain future.

 

Hidden Nature – Wild Southern Caves ist 2020 bei Vanderbild University Press erschienen und hat als Paperback 330 Seiten. Es ist auch für den Kindle erhältlich.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Die Chatata-Kreatur von Tennessee

Die Ausführungen Peters‘ bezogen sich allesamt auf die Sagenwelt Kanadas bzw. Alaskas. Möglicherweise existiert aber im US-Bundesstaat Tennessee eine Quelle, die ebenfalls auf eine zweibeinige, kryptide Art hindeutet.

Känguruhaltung USA mit Chatata River und Sichtungen der Devil Monkeys
Beobachtungen der Devil Monkeys, ergänzt um das Chatata Valley

Karl Shuker bezieht sich in seiner Besprechung des Devil Monkey – bzw. Phantom Kangaroo – Phänomens auf eine Felsmalerei, die Ende des 19. Jahrhunderts in Bradley County nahe Cleveland gefunden wurde.

 

Diese zeigt die Tierwelt Nordamerikas und die meisten der dort abgebildeten Tiere sind auch leicht identifizierbar. Eine Ausnahme stellt diejenige Zeichnung dar, die Shuker als den „Chatata Biped“, den „Chatata-Zweifüßler“ also bezeichnet.

 

Chatata-Kreatur von Dr. Karl Shuker
Der Chatata-Zweifüßer. Zeichnung: Dr. Karl Shuker, Creative Commons

 

Einen Vogel scheint die Darstellung nicht zu zeigen. Die gut sichtbaren (leicht mäuseartigen) Ohren und die kurzen, dünnen Arme der dort abgebildeten Kreatur sprechen dagegen. Wenn es sich um ein Säugetier handeln sollte, würde dieses tatsächlich am ehesten einem Känguru ähneln. Zwar sehen die Füße seltsam aus und Kängurus tragen keine Bärte – doch kein anderer Vergleich liegt so nahe, wie mit diesem Beuteltier.

 

Dummerweise lässt sich nicht einmal sicher sagen, wie alt die Felszeichnungen sind. Der Fundort der Chatata-Zeichnungen geriet nämlich schnell wieder in Vergessenheit und ist bis heute unbekannt. Dieser Umstand empört auch Shuker; dennoch erachtet er die Quelle für authentisch.

 

Nicht zuletzt aufgrund dieser recht unsicheren Quellenlage fällt es schwer, den „Chatata Biped“ im Kontext der Devil Monkey-Thematik einzuordnen. Eine Übereinstimmung äußerer Merkmale ist schon zu erkennen – allerdings vor allem, wenn man sich auf moderne Augenzeugenberichte bezieht. Die Legenden der indigenen Bevölkerung dagegen sprechen von einem menschenartigen Tier, dessen wichtigste Unterscheidungsmerkmale seine Behaarung am ganzen Körper und eben auch sein langer Schwanz sind.

 

Auch bietet die Felsmalerei – und sei sie noch so authentisch – keinen Kontext. Die Tiere scheinen nebeneinander abgebildet worden zu sein. Ihre Bedeutung ist allerdings unklar. Dementsprechend ist der Wert dieser Quelle für die „Erforschung“ der Devil Monkeys stark begrenzt.

 

„Sehr kleine“ Devil Monkeys?

Dazu kommt noch, dass in Teilen Nordamerikas verschiedene Arten der sogenannten Kängururatten und Hüpfmäuse heimisch sind. Zwar sind diese keine Kängurus und auch sonst keine Beuteltiere. In ihrem Körperbau weisen sie allerdings Merkmale auf, die sich mit den Kängurus decken. Namentlich sind die kräftigen Hinterbeine zur springenden Fortbewegung und der lange Schwanz zu nennen. Es ist daher nicht völlig auszuschließen, dass der Chatata-Zweifüßler eine solche Tierart darstellen soll – zumal mindestens eine Art der Hüpfmäuse in großen Teilen Tennessees heimisch war und ist.

 

Wiesenhüpfmaus
Die Wiesenhüpfmaus Zaphus hudsonius ist ein Kandidat für die Erklärung des Chatata Biped

 

Anzeige

Versunkene Kulturen: Mythen und Mächte der Urzeit

Unser Bild der Geschichte ändert sich rasant. Vieles kann nicht so gewesen sein, wie die Spezialisten noch vor 10 Jahren meinten. Der Schlüssel zu neuen Erkenntnissen liegt in der Eisschmelze vor 12.000 Jahren, die global zur Überflutung aller Küstengebiete geführt hat. Lange waren Nordeuropa und Nordamerika von riesigen Eisschilden bedeckt, ab 10.000 vZ versanken in der Karibik, in der Adria, im Persischen Golf und in Südostasien riesige Gebiete im Meer.

Könnte es sein, dass die Mythen von Sintflut, Atlantis und versunkenen Zivilisationen einen historischen Kern haben? Mythen der Völker, die von Sintfluten erzählen, erscheinen plausibel, seit wir wissen, wann die Gletscher der Eiszeit schmolzen und welche Länder im Meer versanken.

 

Versunkene Kulturen: Mythen und Mächte der Urzeit ist im März 2022 independend erschienen. Es ist als Taschenbuch mit 222 Seiten oder fürs Kindle erhältlich.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 


Wie immer bei umfangreichen Artikeln bieten wir die Literaturliste am Ende zum Download an.

 

Special service for our fans from abroad: With the last part at November, 24th, we will offer you the whole article as pdf for download in english.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert