Granadas Panther fotografiert?

Lesedauer: etwa 9 Minuten
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„Auf jeden Fall ein Panther“

„Es ist auf jeden Fall klar, dass es sich um einen Panther handelt“, so der Bürgermeister des granadinischen Dorfs Ventas de Huelma – hier wurde seit letzten Freitag von Panthersichtungen berichtet (Granada Hoy vom 15. September 2020). Spurenfunde gab es vergangenes Wochenende auch schon. Eine offizielle Identifikation derselben als klare Pantherspuren jedoch nicht. Der eine oder andere Bewohner des 600-Seelen-Nests wollte das Tier gehört haben (La Información vom 15. September 2020).

 


Lage von Ventas de Huelma, wo sich der Panther aufhalten soll

„Fang noch heute Abend“

Das Tier schon könnte „heute Abend gefangen werden“, meinte der Bürgermeister am Dienstagabend. Denn die zuständigen „Sepronas“, die Naturschutzbehörde der Guardía Civil, hätten die Zone lokalisiert, in der sich das Tier aufhalte (Granada Hoy vom 15. September 2020).

 

 

Keine eindeutigen Beweise für den Aufenthalt

Sepronas und der „Zivilschutz“, die sich letzte Woche auf die Suche nach dem Panther begeben hatten, sprachen hingegen davon, dass es keine sicheren Beweise dafür gebe, dass sich das Tier tatsächlich in besagter Zone aufhielt (Granada Hoy vom 15. September 2020).

Neue Sichtung in nur 20 Meter Entfernung

Die Sichtungen gingen jedoch weiter. Am 15. September, um 14 Uhr, wollte ein Bewohner der Kleinstadt das Tier in 20 Meter Entfernung seines Fahrzeugs gesehen haben. Die Behörden und der Zivilschutz machten sich daraufhin gleich zum Ort der Sichtung auf, um Spuren sicherzustellen. (Granada Hoy vom 15. September 2020). Laut der Facebook-Seite des Rathauses wurden die Spuren im Anschluss an die Sichtung eindeutig als jene eines Panthers identifiziert (El Confidencial vom 20. September 2020)

 

Panther von Fahrradfahrer fotografiert

Im selben Beitrag wurde auch ein Foto veröffentlicht – bei dem es sich um den Panther handeln sollte. Nähere Umstände der Sichtung gehen aus dem Artikel nicht klar hervor. Unter dem Bild wird ohne weitere zusätzliche Information einfach gefragt: „Erstes Foto der Katze? Der Bürgermeister erwartet ihren Fang schon an diesem Abend“ (Granada Hoy vom 15. September 2020). Einem anderen Kommentar im Diario Sur zufolge hatte das Foto ein Fahrradfahrer geschossen (Diario Sur vom 15. September 2020). Laut dem El Confidencial wurde der Autor des Fotos auch ausfindig gemacht – aber keine weiteren Details über die näheren Umstände des Bildes herausgegeben. Man wusste lediglich, dass der Fahrradfahrer das Tier schon am Samstag, 12. September, fotografiert hatte. (El Confidencial vom 16. September 2020)

Dieses Bild veröffentlichte die „Ideal“ am 14. September 2020

Ist dieses Foto schon am 12.9. entstanden?
Schwarzer Panther?
Diese Ausschnittsvergrößerung zeigte der Diario Sur am 16. September.

 

Nicht das erste Foto

Die Aufnahme ist relativ scharf. Sie ist aber nicht das erste angebliche Foto, das von Granada´s angeblichem Panther durch die Medien geisterte. Schon am Montag, 14. September, war ein Artikel mit einer Sofortbildfotografie in Granadas Ideal veröffentlicht worden, das den Panther auf einem Getreidefeld zeigen sollte – ein stark verpixelter schwarzer Punkt ist darauf zu sehen, mehr nicht (El Ideal vom 14. September 2020)

 

Schwarzer Panther


Woher kommt der „Panther“?

Es mag nicht verwundern, dass schnell zahlreiche Theorien über die Herkunft des vermeintlichen Panthers aus Granada im Netz kursierten. Die Zeugen schienen darin übereinzustimmen, dass es sich um ein domestiziertes Tier handelte, das seinem Halter entkommen war. In den Spekulationen über den möglichen Eigentümer schwadronierte man von einem reichen Drogenbaron (Pablo Escobars Nilpferde grüssen aus der Netflix-Serie „Narcos“) bis zu einem russischen Magnaten. Auch hielt man es für möglich, dass das Zier aus der Nachbarprovinz Málaga eingewandert war. (Granada Hoy vom 16. September 2020) Oder es ist jene andere „Geisterkatze“ aus Almería von 2013 (siehe unten im Dossier), die nun im fortgeschrittenen Alter einen „Umzug“ in das 130 Kilometer entfernte Venta de Huelma vollzogen hatte?… (Diario de Almería vom 14. September 2020).

Ein neuer Stern am Himmel des Spanischen Kryptiversums

Granadas Panther war mittlerweile in ganz Spanien zu einer Berühmeit geworden. Selbst der establierten Zeitung El País war er eine kurze Meldung wert (El País vom 16. September 2020). Aber trotz ausgedehnter Suchaktion mit Helikopter und Wärmebildkamera konnte das Tier bisher nicht dingfest gemacht werden. Das Lokalblatt Granada Hoy spricht in diesem Zusammenhang auch vom „culebrón felino“ (Granada Hoy vom 15. September 2020). „Culebrón“ bedeutet „grosse Schlange“, kann aber auch mit „Serie“ oder „Seifenoper“ übersetzt werden. Und da wäre noch die „serpiente de verano“, Spaniens „Sommerschlange“, die analog zum deutschen Begriff des „Sommerlochs“ verwendet werden.

Schwarzer Panther oder späte „Sommerschlange“?

Würde die Zeit zeigen, ob es sich bei Granadas Panther in Wirklichkeit um eine späte „Sommerschlange“ handelte,  – oder – sich dieser Fall als Meilenstein in der Suche nach Europas „Alien Big Cats“ heraustellte? In Granada war es letztes Wochenende jedenfalls noch sehr heiss. Es bestand also Grund zur Skepsis.

Post Skriptum: Was seitdem geschah

Das war der Stand des Wissens um Granada´s Panther bis zum, 17.09.2020, 14.30 Uhr. Doch nur eine halbe Stunde später nahmen die Ereignisse eine überraschende Wendung.

Ein Seprona hatte den vermeintlichen Panther inzwischen selbst gesehen. Allerdings glaubte er nicht, dass er einen Panther gesehen hatte. Kein Panther, sondern eine andere Katzenart, deren Art erst noch genauer zu bestimmen sein müsse. Dennoch könne man die Möglichkeit des Panthers noch nicht gänzlich ausschliessen (Ideal vom 17. September 2020).

Doch dann.. Die Auflösung

Am gestrigen Tag machte sich der Naturfotograf Alfonso Azaustre in das Sichtungsgebiet auf, um dem mysteriösen Panther nachzuspüren. Fotos von einer schwarzen Katze sollte ihm dann tatsächlich auch gelingen. Um 11 Uhr morgens, nur 500 Meter vom Dorf entfernt. Mit seinem 400 mm Objektiv machte er aus 50 Meter Distanz mehrere Bilder von dem schwarzen Feliden. „Die grosse Katze posiert mit Haltung“, so der Ideal. Aber ein Panther ist es nicht.

Alfonso Azaustre's Panther
Der „Panther“, wie ihn Alfonso Azaustre vorfand
Alfonso Azaustre's Panther
Alfonso Azaustre‘ große Katze. Sie posiert mit Stil, aber ein Panther ist sie nicht.

 

Tatsächlich handelt es sich um eine schwarze, „gewöhnliche“ Hauskatze. Ohne besondere Eigenschaften, also auch nichts von einer Wildkatze. Die Behörden, die die Gegend in diesen Tagen in einer grossen Suchaktion mit ihrem Helikopter, Wärmebildkamera durchkämmt hatten, Fallen stellten und die Bewohner zur Vorsicht mahnten, haben bisher noch keine Stellungnahme abgegeben, ob die fotografierte Hauskatze die Hysterie ausgelöst hat. Doch es sieht so aus, als habe zumindest Granadas Ideal den Fall nun ad acta gelegt. (Ideal vom 17. September 2020) Es ist ja jetzt auch nicht mehr so heiss.


Anmerkung: Der Artikel ist rein informativ – er stellt keine tiefergehende Analyse der Ereignisse dar.


Dossier: Großkatzen in Spanien

2013: Die „Geisterkatze“ von Castala

Tatsächlich ist der „Geisterpanther“ von Granada nicht der erste ABC-Fall aus Andalusien. 2013  war in einem Park in Granadas Nachbarprovinz Almería (Castala in der Gemeinde von Berja) schon einmal ein mysteriöser Panther gesichtet worden – doch die Suche der Behörden war nicht erfolgreich. Neben den Zeugenberichten gibt es lediglich einen Videoausschnitt aus Distanz, das einen schwarzen Fleck an einer Hangterasse zeigt und ein Jahr nach den Sichtungen aufgenommen wurde – das ist alles (ABC Sevilla vom 14. Juli 2014). Aber im Gedächtnis der Journalisten ist die mysteriöse Katze wohl immer noch. „Erscheint der Panther von Castala wieder erneut?“, so murmelt es ein Zeitungskommentar im Zusammenhang mit den jüngsten Panthermeldungen aus Granada (Ideal vom 13. September 2020)

2016: Panther in Werkhalle

Doch nicht immer folgen Andalusiens Grosskatzenmeldungen dem klassischen ABC-Schema. 2016 konnten die Sepronas in Arboleas (Almería) tatsächlich bei einer Überprüfung eines Werkhallenkomplexes einen schwarzen Panther dignfest machen. Der Eigentümer des Grundstücks war wegen dubiosen Bescheinigungen für den Besitz exotischer Vogelarten ins Visier der Behörden geraten. So wurde die Suche auf andere Hangars des Eigentümers ausgedehnt. Und dabei stiessen die Behörden auf weitere exotische Arten  – und den Panther. Er war in einem separaten, abgeschlossenen Raum untergebracht. Wie die anderen Tiere auch – ohne Genehmigung. Der Eigentümer wurde daraufhin wegen Schmuggel bedrohter Spezies verhaftet. Der Panther kam in einen Zoo nach Alicante (ABC Sevilla vom 3. November 2016).

2009: Die Löwin auf der Autobahn

Am 12. September 2009 musste die Autobahn A-92 bei Loja (Provinz Granada) abgesperrt werden, um eine entlaufende Löwin zu betäuben. Dieser Aktion waren allerdings Notfallanrufe aus der Nachbarschaft vorausgegangen. Das Tier konnte betäubt werden und daraufhin brachte man es in ein Veterinärzentrum nach Almuñecar (im Süden der Provinz Granada). Der Guardia Civil lag damals schon eine Anzeige von Zirkuseigentümern aus der Provinz Cádiz vor, die die Flucht einer ihrer Löwinnen meldeten. Das entflohene Tier soll in seinen Charakteristiken jenen der betäubten Löwin entsprochen haben (Las Provincias vom 12. September 2009)

Spanien: Land der „Out-of-Place-Kryptiden“?

Es ist in Spanien nicht ungewöhnlich, dass ein exotisches Tier ein Sommerloch füllen muss. Im Juni dieses Jahres suchte man ein Krokodil in Valladolid – unter den „Beweisen“ seiner Existenz fanden sich Spuren, „Schlafplätze“ und Fischreste seiner letzten Mahlzeit. Wie die Suche der Behörden klarstellte: es gab am Río Duero keinen einzigen Hinweis auf ein Krokodil, aber viele Fischotter (La Información vom 15.09.2020)

Und 2018 waren die Bewohner des Dorfs Jadraque, im Zentrum Spaniens, ebenfalls davon überzeugt, einen schwarzen Panther gesehen zu haben. Die Guardía Civil konnte den vermeintlichen Panther sogar filmen – dieser entpuppte sich jedoch dann ziemlich schnell als schwarzer Hund (La Información vom 15.09.2020)


Siehe auch: Dossier: Großkatzen in Spanien


Zum Weiterlesen:

(in umgekehrter chronologischer Reihenfolge)

Ideal vom 17. September 2020: https://www.ideal.es/granada/fotografias-gato-quiso-20200917173750-nt.html

Ideal vom 17. September 2020: https://www.ideal.es/granada/seprona-avista-animal-ventas-huelma-pantera-granada-20200917140554-nt.html

 

El Confidencial vom 16. September 2020: https://www.elconfidencial.com/sucesos/2020-09-16/pantera-negra-granada-ventas-huelma_2750108/

 

El Páis vom 16. September 2020: https://elpais.com/videos/2020-09-16/una-fotografia-hecha-por-un-ciclista-confirma-la-existencia-de-la-pantera-de-granada.html

 

Granada Hoy vom 16. September 2020: https://www.granadahoy.com/provincia/pantera-Granada-teorias-procedencia-Huelma-donde-salido_0_1501950250.html

 

Diario Sur vom 15. September 2020: https://www.diariosur.es/andalucia/fotografia-pantera-granada-20200916095431-nt.html

 

Granada Hoyvom 15. September 2020:https://www.granadahoy.com/granada/captura-pantera-Ventas-Huelma-fotografia-primera-Granada_0_1501650415.html

 

La Información vom 15. September 2020: https://www.lainformacion.com/asuntos-sociales/pantera-granada-huellas/2815034/

 

ABC Sevilla vom 14. Juli 2014: https://sevilla.abc.es/andalucia/almeria/20140715/sevi-pantera-sierra-gador-201407151039.html

 

Diario de Almería vom 14. September 2020: https://www.diariodealmeria.es/provincia/pantera-Castala-muda-Granada_0_1501350204.html

 

Ideal vom 14. September 2020: https://www.ideal.es/granada/provincia-granada/unica-imagen-tomado-pantera-ventas-huelma-granada-20200914154148-nt.html

 

Ideal vom 13. September 2020: https://www.ideal.es/almeria/provincia-almeria/reaparece-pantera-castala-20200913142415-nt.html

 

Las Provincias vom 12. September 2009: https://www.lasprovincias.es/20091212/mas-actualidad/sociedad/leona-escapa-circo-provoca-200912121829.html


In den deutschen Medien

Umwelt-Panorama und zahlreiche andere übernahmen am 16. September eine AFP-Meldung. Viele Artikel sind daher gleichlautend.

 

Die Wiener Zeitung weiß ein wenig mehr, offenbar hat zumindest ein Redakteur Kontakte in der Gegend.

 

n-tv berichtet ebenfalls, mit augenzwinkerndem Bezug auf das Unstrut-Krokodil.

 

Das Nachrichtenportal nachrichten.es wird etwas ausführlicher

 

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