Einheitsbuddeln – oder: Der Klimawandel im Garten

von: Tobias Möser

Ein kluger Mensch hat die Idee des „Einheitsbuddelns“ auf den Weg gebracht: heute haben wir einen eher zufällig terminierten Nationalfeiertag. Anders als in vielen anderen Nationen gibt es an dem Tag keine wirkliche Tradition, wie man in Deutschland den Nationalfeiertag begeht. Unser Redakteur beteiligt sich am Einheitsbuddeln – mit Hindernissen. Dies ist sein persönlicher Bericht und hat fast nichts mit Kryptozoologie zu tun.

„Einheitsbuddeln“ besagt, dass man am Tag der Deutschen Einheit einen Baum pflanzt. Mir gefällt diese Idee, denn sie tut der Natur gut. Sie wirkt sich -wenn auch wenig- direkt auf das Klima aus und gibt für das nächste Jahr die Möglichkeit, sich an dem Baum dessen zu erinnern, was in den letzten 12 Monaten passiert ist.
Dazu ist ein Baum auch noch ein Symbol, das für so vieles steht, der „deutsche Wald“ ist ein unglaublich vielfältiges Nationalsymbol und Bäumepflanzen gilt als das Symbol für Zukunft und Aufbau… und aufzubauen haben wir in diesem Land ja genug.

Denkblase mit einzeln stehendem Baum
Einen Baum zum drunter her laufen hätte ich gerne

Garten mit Loch und virtuellem Maulwurf
Das erste Loch war da, aber da war noch was. Also musste ein zweites her

Von einem der auszog, einen Baum zu pflanzen

An die Ecke der Wiese sollte der Baum, und es sollte ein Obstbaum sein. Er muss so hoch sein, dass ich unter der Krone herlaufen kann, ohne mich bücken zu müssen. Damit waren die Grenzen gesetzt. Ein Walnussbaum fällt aus, denn die gerbstoffreichen Blätter setzen dem Boden so zu, dass es schwierig ist, dort die Blumenwiese zu erhalten. Alles andere müsste gehen – „müsste“.
Irgendwann hatte ich den passenden Baum gefunden: er braucht wärmebegünstigte Orte, ist also ein Zukunftsbaum, er kommt ohne Befruchter aus, blüht toll und ist eine gute Bienenweide, wächst hoch und mit schicker Krone, kann aber auch beschnitten werden und hat leckere Früchte: Die Süßmandel.
Bei einer Baumschule in Norddeutschland wurde ich schließlich fündig: Eine hochstämmige Säulenmandel, 120 bis 160 cm hoch, bezahlbar, bio, kommt per Post. Nächste Woche.

Das Klima schlägt zurück

Letzte Woche wollte ich ein paar Blumenzwiebeln setzen. Schon der Versuch, ein Loch in den Boden zu bekommen, war von Misserfolg gekrönt, so hart und trocken war der Boden.
Seit dem hat es mehrere Tage, lang, sehr sanft, feine Tropfen, aber ergiebig geregnet. Der Boden hat das Wasser aufgenommen, wie ein Schwamm. So griff ich zum Spaten und fing an, ein etwa 60 x 60 cm großes Loch auszuheben. Gut 30 cm tief sollte werden, in der Mitte gerne etwas tiefer. „Romms“ klang es aus dem Boden, als ich den Spaten hineinstieß. Okay, ich hatte wohl einen alten Trittstein getroffen, den die Wiese im Laufe der Jahre überwuchert hatte.
Doch ganz gleich, wo ich es versuchte, nach 15 cm war Schluss. Ich kam also dazu, ein 60 cm „Quadrat“ auszuheben, aber nur 15 cm tief. Darunter war der Boden betonhart und staubtocken. In den nächsten Tagen ist Regen angesagt.

Zwei trockene Sommer

Die Wiese stellt einen relativ geschützten Bereich dar. Sie bekommt kein externes Wasser, aber die umliegenden Häuser halten den Wind ab und spenden Schatten. Wenn hier der Boden nach zwei trockenen und teilweise heißen Sommern so ausgetrocknet ist, kann ich mir langsam bildlich vorstellen, welche Probleme der Wald hat. Keine Frage: Er hat einen anderen Boden und ein anderes Mikroklima, aber er verdunstet auch noch mehr Wasser, als eine Wiese.

Zeichnung eines Männchens mit Fragezeichen über dem Kopf
Wo bleibt der Baum nur?

Paket
Immerhin kam gestern die Meldung „Ist auf dem Weg!“

Was bei mir nur eine Unannehmlichkeit war, bzw. ist, das Loch ist ja noch nicht gegraben, muss auch anderswo spürbar sein, an Stellen, wo es deutlich mehr Schäden verursacht. Ich hoffe auf einen schneereichen Winter.

Cut: eine Woche später. In der Zwischenzeit hat es mehrere Tage kräftig geregnet. Der Baum ist noch nicht da.

Die Telekom, bzw. das Telefonkabel

Inzwischen hat der Regen den Boden im und um das Loch ein wenig weiter durchfeuchtet. Also griff ich wieder zum Spaten und legte los. Der Boden war weicher, ich kam gut voran… bis ein gelbes Kunststoffband im Weg lag. „Achtung! Telefonkabel!“ stand drauf. Mist. Aber irgendwie war ja auch das Telefon ein Symbol der Einheit…

Die Chance, dass ich mit dem Spaten das Kabel lethal beschädige, ist zwar relativ gering, aber die Baumwurzeln könnten da mehr Schaden anrichten. Versetze ich den noch nicht angekommenen Baum nun um 30 cm oder mehrere Meter? Die Besprechung mit meinem Vater ließ mich wieder zum Spaten greifen: andere Ecke, auch nett lokalisiert, und ein neues Loch. Der Boden war auch hier ein gutes Spatenblatt tief feucht und grabbar. Danach war Schluß: Trockener Lehm setzte meinen Bemühungen ein Ende.

Der Baum ist gestern (02.10.) auf den Postweg gegangen.

Schönen Feiertag euch allen.


 

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