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Der Brand im Affentropenhaus im Zoo Krefeld

 

Knapp einen Monat nach dem Feuer im Affentropenhaus hat sich der Rauch sowohl physisch wie auch in der Informationsverbreitung verzogen. Emotionen sind ein wenig abgeklungen, Fakten kommen zu Tage, eine Diskussion kann offener geführt werden. Hier kommt von Seiten der Redaktion eine möglichst sachliche Zusammenfassung des Vorfalls und seiner Folgen:

Die Nacht zum 1. Januar 2020

kurz nach Mitternacht wird die Feuerwehr Krefeld alarmiert: Das Affentropenhaus im Zoo steht in Flammen. Wie sich später herausstellt, sind eine oder mehrere „Himmelslaternen“ auf dem Haus oder direkt danben heruntergegangen und haben es entweder direkt oder durch trockenes Laub in Brand gesetzt. Eine Brandmeldeanlage oder ein Sprinklersystem gibt es in dem über 40 Jahre alten Haus nicht.

Trotz vollem Feuerwehreinsatzes brennt das Haus bis auf wenige Reste nieder. Mehr als 30 Tiere sterben, darunter fünf Borneo-Orang-Utans, ein Schimpanse, die beiden Gorillas Boma und Massa, drei Goldene Löwenäffchen, zwei Silberäffchen und sechs Zwergseidenäffchen. Auch einige Vögel und Flughunde konnten nicht gerettet werden. Nur zwei Schimpansen überlebten den Brand mehr oder weniger unverletzt.

Erst später wurde bekannt, dass zwei Orang-Utans eingeschläfert werden mussten. Gorilla-Silberrücken Massa litt unter schweren Brandverletzungen mit großflächigen Hautschäden. Bei ihm konnte das verwendete Narkotikum nicht seine volle Wirkung erzielen, um ihm weitere Leiden zu ersparen, musste ihm ein Polizist den Gnadenschuss geben.

Der Zoo beziffert den Sachschaden auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Er bleibt einige Tage geschlossen.

Die direkten Folgen

Orang-Utan Bunjo
Auch der Borneo-Orang-Utan Bunjo kam bei dem Feuer ums Leben.

Bereits kurz nach dem Unglück brachte die Bevölkerung ihr Mitgefühl mit den Tieren, aber auch mit den Pflegern zum Ausdruck. Neben überwältigender Empathie und Trauer gab es leider auch andere Töne, die den Vorfall nutzten, um Interessen wie Verbot von Silvesterfeuerwerk oder Tier- bzw. Menschenaffenhaltung in Zoos in die Diskussion einzubringen. Sie hatten nur geringen Anteil. Dennoch trafen einige hasserfüllte Briefe und E-Mails die Mitarbeiter des Zoos schwer. Esther Jansen berichtet davon.

Kurz nach dem Feuer meldeten sich die mutmaßlichen Verursacher des Brandes, eine Mutter mit zwei erwachsenen Töchtern, die diese Himmelslaternen zu Silvester aufsteigen ließen. Wie weit sie juristisch Schuld auf sich geladen haben und welche Vermögensschäden eine Versicherung übernehmen kann, muss erst ein Prozess zeigen. Wann dieser stattfindet, ist noch völlig offen.

Unabhängig hiervon hat sich eine Diskussion um die Feuersicherheit von Zoogebäuden entwickelt. Brandschutzexperten meinen, viele Zoogebäude seien gefährdet, vor allem ältere Gebäude, die nicht in Brandschutzabschnitte aufgeteilt worden sind. Rauch- und Feuermelder sind oft aufgrund der feuchtigkeitsgesättigten Atmosphäre und des Staubes sehr wartungsintensiv, oft gar nicht einsetzbar. Viele Zootiere lassen sich im Fall eines Feuers nicht einfach aus dem Gebäude retten und alte Anlagen haben oft keine Fluchttüren in die Außengehege.

Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen gab dem WDR ein Interview, in dem er kurz die Vorgänge zusammenfasste. Die Mitarbeiter und er sind schwer geschockt, aber auch von der Anteilnahme der Zoofreunde berührt. Für die Erhaltungszucht, insbesondere der Borneo-Orang-Utans ist das Feuer ein herber Rückschlag. Bevor er Zukunftspläne schmieden kann, muss er erst einmal Trauerarbeit geleistet werden, viele Mitarbeiter müssen erst einmal das Trauma verarbeiten.

Was geschah nach den ersten Tagen

Auf einer großen Kundgebung konnten sich die Trauernden treffen und gemeinsam den Tieren gedenken. Erste Spendenaktionen laufen an, der Zoo hat zwei Konten eröffnet, auf denen Spenden eingezahlt werden können. Zahlreiche Prominente nutzen die Gelegenheit, um Spenden einzuwerben. Eine Brauerei verschenkt Bier gegen eine Spende an den Zoo.

Bereits zwei Tage nach dem Feuer gibt Zoodirektor Dreßen bekannt, dass der Zoo weiterhin Menschenaffen pflegen möchte. Zwei Schimpansen und die beiden Gorillagruppen aus dem Gorillagarten haben das Feuer überlebt. Dreßen erklärt auch, dass es keine Möglichkeit gegeben habe, die Tiere im Affentropenhaus beispielsweise durch Umsperren zu retten. Das wäre nur bei einem kleineren, lokalen Brand möglich gewesen.

Die Spendenaufrufe gehen unvermittelt weiter, aber die Polizei warnt auch vor falschen Spendensammlern. Indess öffnet der Zoo am 3.1. wieder.

Die Brandermittler der Polizei ermitteln, wie das Affentropenhaus genau Feuer gefangen haben kann. Brandexperten überprüfen, ob eine Himmelslaterne die Plexiglasverkleidung entzünden kann, die Kriminalpolizei ermittelt, ob nach einer Reparatur die Verkleidung auch korrekt verbaut wurden. Die geretteten Schimpansen haben wieder Futter und Wasser von ihren vertrauten Pflegern angenommen. Ein echter Lichtblick.

Keine Beisetzung der Menschenaffen

Bereits kurz nach dem Feuer wurden Stimmen laut, die eine Bestattung der umgekommenen Menschenaffen wünschten. Am 6.1. gab der Zoo bekannt, dass dies aus juristischen Gründen nicht möglich sei. Die Mitarbeiter des Zoos haben sich auch gegen eine Urnenstätte auf dem Zoogelände ausgesprochen. Langfristig soll eine Gedenkstätte im Zoo gebaut werden.

Leider gab es einen weiteren Shitstorm, als bekannt wurde, dass Gorillamännchen Massa von einem Polizisten erschossen werden musste. Es ist leicht vorstellbar, in welchem emotionalen Durcheinander ein solcher Gnadenschuss erfolgt. Da liegt ein schwerst verletzter, vermutlich blutender Menschenaffe, dessen Schmerzen so schwer sind, dass das Narkotikum nicht anschlägt. Er gibt nur noch schwache Lebenszeichen von sich, stöhnt vielleicht, windet sich, es stinkt nach Rauch, Blut und verbrannter Haut. Der Polizist ist in keinster Weise auf so eine Situation vorbereitet, es gibt nur ein kurzes Gespräch mit dem Pfleger und der Tierärztin…  Ich kann nur hoffen, dass der Mann oder die Frau sehr gut psychologisch betreut wird.

Doch von den überlebenden Schimpansen gibt es gute Neuigkeiten. Das Männchen Limbo zeigt seit Freitag (17.1.) wieder Imponierverhalten. Er macht Krach, stäubt sein Fell und schlägt mit Ästen. Diese angsteinflößenden Gesten gehören zum Leben von Schimpansenmännchen, Weibchen Wally nimmt die Sache gelassen hin. Die Pfleger freuen sich, denn es ist ein Schritt zur Normalität. Mittelfristig sollen Limbo und Wally in einen anderen Zoo umziehen, um dort in einer größeren Schimpansengruppe zu leben.

Der Spendenmarathon

Am vergangenen Freitag gab es vor dem Krefelder Rathaus eine Gedenkveranstaltung für den Zoo, die auch prominent besucht war. Im Rahmen dieser Veranstaltung gab der Zoo bekannt, dass die Zoo Krefeld gGmbH und der Verein Zoofreunde Krefeld bereits 1,43 Millionen Euro gesammelt hätten. Inzwischen ist auch klar, dass der Zoo Krefeld weiterhin Menschenaffen pflegen wird. Der Aufsichtsrat hatte am Mittwoch, 22.1.2020 den Bau eines „Artenschutzzentrums Affenpark“ beschlossen. Wie dieser genau aussehen soll und was er kosten wird, ist noch unklar. Bis hier die ersten Tiere einziehen können, werden noch einige Jahre vergehen.

Am vergangenen Wochenende gab es zwei Benefiz-Konzerte in der Krefelder Kulturfabrik. Musiker, Techniker und Helfer verzichten auf ihre Gagen und Aufwandsentschädigungen, die kompletten Eintrittseinnahmen und Teile des Merchandise kommen dem Krefelder Zoo zugute. 1400 Karten wurden verkauft.


Spendenkonten

Zoo Krefeld gGmbH

Sparkasse Krefeld
IBAN: DE 10 3205 0000 0000 4271 53
BIC: SPKRDE33
Verwendungszweck: Spende Affenhaus

Zoofreunde Krefeld e.V.

Sparkasse Krefeld
IBAN: DE 42 3205 0000 0000 3177 43
BIC: SPKRDE33
Verwendungszweck: Spende Affenhaus

Website des Zoo Krefeld: www.zookrefeld.de