Medienmittwoch: „Der Fisch, der die Welt veränderte“

Lesedauer: etwa 4 Minuten
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Vor vielen Jahren bin ich über dieses Buch gestolpert, fast im wahrsten Sinne des Wortes. Eine große Verlagsbuchhandlung in Düsseldorf machte dicht und hatte Lagerverkauf. Ich hatte eine große Tüte voll Bücher, die ich mir sonst nie geleistet hätte und war bereits auf dem Weg von der Kasse zur Straßenbahn.

Da kam ich an einem Angebotstisch vorbei, Bücher, die auch nach dem dritten Herabsetzen keinen Kunden fanden. Auf mich wirkt das immer ein wenig wie der letzte Welpe im Schaufenster – und ein gebundenes Buch für einen Euro, das auch noch was mit Biologie zu tun hat? Das kann ich nicht liegen lassen.

 

Kabeljaufischer
Stolze Kabeljaufischer von den Lofoten und ihre Beute, Anders Beet Wilse, 1910

Der Fisch, der die Welt verändert hat

Kaum schlägt man das Buch auf, schlägt einem die Atmosphäre entgegen. Kleine Fischerstädte in Neufundland, mit hübsch restaurierten Holzhäusern, einer breiten Promenade, an der kleine Fischerboote anlegen, Kisten mit armlangen Fischen, Möwen, die kreischend ihre Runden drehen, sogar der Geruch von Seewasser schlägt einem entgegen.

 

So tief und eingehend beschreibt Mark Kurlansky die Blütejahre des Kabeljaufanges in Neufundland – zumindest die späten. Vorher waren hier schon die Basken und die Wikinger, und natürlich Mitglieder der First Nations, denn Kabeljau war zwar „nur“ ein Fisch. Aber eben auch ein wunderbar wohlschmeckender Fisch mit feinem, grätenfreien Fleisch, das sich hervorragend trocknen oder später tieffrieren lässt. Und so wurde gefischt, was das Zeug hält. Wo die Nordsee Erprobungsgebiet für neue Fischereimethoden ist, muss der Kabeljau zur Erprobung neuer Verarbeitungsmethoden herhalten.

Eine sehr kurzweilige Mischung

Doch es bleibt nicht bei der Geschichte des Fisches. Auch wenn die Basken und die Wikinger seinetwegen den Atlantik überquerten, England und Island sogar drei weitgehend unblutige Kriege führten – es gibt mehr.

 

Mehr in Form von Anekdoten um den Kabeljau, um Kühe, deren Milch nach Fisch schmeckte, weil sie Kabeljaureste fraßen und deren Hufe jeweils in einem Fischkopf steckten. Um die Geschichte einer Generation von Fischern, die auf einmal mit ansehen mussten, wie unerschöpflich geglaubte Fischbestände zusammenbrachen. Geschichten von Stolz und Hoffnungslosigkeit, von neuen Ideen und einem neuen Aufschwung.

 

Aber Kulansky kommt nicht als fingerzeigender Verbieter daher. Er ist weit mehr. Augenzwinkernder Beobachter ebenso wie begabter Erzähler. Und er ist Genießer. Dies merkt man seinem Buch deutlich an, denn er spickt es mit Rezepten. Rezepten mit Kabeljau.

Kabeljau


Meine Meinung

Wer dieses Buch bekommen kann, sollte trotz des recht hohen Preises für antiquarische Exemplare zuschlagen. Die Zeit, in der man es neu für einen Euro bekommen hat, ist leider lange vorbei. Das Buch hatte den Weg auf den Grabbeltisch mit Sicherheit nicht verdient.

 

Die Kombination aus der Geschichte der Kabeljaufischerei, den Anekdoten um den Fisch und den Rezepten mit dem Fisch ist sehr kurzweilig, eine echte Liebeserklärung an den einen Fisch.

 

Eine klare Leseempfehlung!

 

Kabeljau. Der Fisch, der die Welt veränderte von Mark Kurlansky ist 1998 zunächst auf Englisch erschienen, 1999 dann auf Deutsch. Die deutsche Ausgabe ist im Claassen Verlag erschienen und hat 316 Seiten. Es gibt auch eine spätere Ausgabe als Taschenbuch von List Tb.

 

Da beide Ausgaben nur noch antiquarisch zu erhalten sind, kann ein Preis schlecht genannt werden. Für gute bis sehr gute Exemplare zahlt man mit Versand (im Juni 2020) etwas mehr als 20 Euro.

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