Freitagnacht-Kryptos: Das redende Perlhuhn

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The Superior Times, 29. Juni 1907

 

Kalifornier kreuzt Papagei und Perlhuhn mit seltsamem Ergebnis

San José, Cal. – Nach zehn Jahren des Experimentierens hat Clinton H. Willis, ein Rancher an der Monterey Road, ein Huhn gezüchtet, das sprechen kann.

 

Das Geflügel ist die sechste Generation einer Kreuzung zwischen einem Papagei und einem Perlhuhn, aber in allen Merkmalen außer der unteren Hälfte seines Schnabels und der Anordnung seiner Zehen ist der Vogel ein Huhn.

Perlhuhn
Ein Perlhuhn…

Die obere Hälfte des Schnabels ist wie beim Perlhuhn gerade, während der untere Teil eindeutig ein Papageienschnabel ist. Seine Zehen sind zwei und zwei statt drei und eins wie beim Stallgeflügel angeordnet.

 

Derzeit beschränkt sich der Wortschatz des Huhns auf „Mornin‘ Clint“, „Chowterbaker, Clint“ und ein dreisilbiges Schimpfwort.

 

Papagei
… und ein Papagei. Kann man sie kreuzen und lernen sie dann auch „sprechen“?

 

Die Existenz des seltsamen Vogels wurde heute Nachmittag durch den Besuch von J.H. in San Jose erfahren. Middleton, ein Dime-Museum-Betreiber aus Cincinnati, bot 200 Dollar für den Vogel. Willis lehnte das Angebot ab, da er versuchen wird, die Rasse zu verbessern und als Urheber des Vogelstammes bekannt sein möchte.


Aktueller Bezug

Wir haben diesen Beitrag für heute ausgewählt, weil es hier sogar einen aktuellen Bezug gibt. Eine Studie in den „Philosophical Transactions of the Royal Society B“ beschreibt eine Lappenente (Biziura lobata), die menschliche Geräusche imitieren können.

 

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Eine Lappenente, charakteristisch ist der ungewöhnliche Kehlsack (Foto: Mdekool, CC BY-SA 3.0)

 

Insbesondere die Handaufzucht „Ripper“ tut sich hier hervor. In einem youtube-Video (siehe unten)  zeigt Ripper, wie er unterschiedliche Laute imitiert. Dazu gehört das Geräusch der Tür des Vogelhauses oder das Grummeln eines Pflegers.

 

Ripper ist nicht die einzige Lappenente, die zu so etwas in der Lage ist. Die Entdeckung ändert das Verstehen des Sprachlernen bei Vögeln. Das Nachahmungstalent der Lappenente deutet darauf hin, dass mehrere Vogelgruppen diese Fähigkeit unabhängig voneinander entwickelt haben. In der Studie heißt es, die Beobachtungen belegten „das Vorhandensein eines fortgeschrittenen Lauterwerbs auf einem Niveau, das mit dem von Singvögeln und Papageien vergleichbar ist“. Und: „Die Struktur der Entenvokalisationen weist auf eine recht ausgefeilte und flexible Kontrolle des Vokalproduktionsmechanismus hin.“

 

In mehreren aktuellen Presseberichten wurde der englische Name (Australian Musk Duck) wörtlich in „Australische Moschusente“ übersetzt. Biziura lobata wird im Deutschen jedoch meist als Lappenente oder Moschusruderente bezeichnet.

 

Originalarbeit: Vocal imitations and production learning by Australian musk ducks (Biziura lobata)

 

 

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