Freitagnacht-Kryptos: Der Mokeló in Zentralafrika, Teil 3

In den Archiven kramte: Ulrich Magin

Der Mokeló in Zentralafrika: Teil 1 und Teil 2

 

Am 9. Juni 1848 wird die Diskussion im „Ausland“ (S. 549), um was es sich beim Mokeló handeln könnte, mit einem Abgleich mit den Hundeartigen fortgesetzt:

Ein Goldschakal (Canis aureus)

„III. Wir kommen nun zum Hundegeschlecht. Der schnelle Lauf, das Jagen, der Muth womit er den Panther angreift, stellen den Mokeló fast unbedingt in diese Gattung. Mit einer bereits bekannten Species scheint er sich aber auch nicht überein bringen zu lassen. Die drei Schakalarten Afrika’s (Canis aureus* Thunbg. C. anthus Cuv. hochbeiniger und dunkler gefärbt als der gem. Schakal, wohnt in Senegambien; Canis mesomelas Schreb. mit schwarzem Rückenkreuz) sind weder an Größe, noch an Kraft so ausgezeichnet, daß sie sich mit dem Mokeló vergleichen ließen. Sie erreichen alle nur die Größe eines Halbhundes. Wenn irgendein Raubthier mit dem Mokeló identificirt werden kann, so ist es der Simir oder wilde Hund Afrikas, Canis pictus Rüppel. von Burchell unter dem Namen Hyaena venatica, von Temmink als Hyaena picta bekannt gemacht.

Die afrikanischen Wildhunde

Der wilde Hund Afrikas ist ein ungeheures Thier, so groß als der größte Neufundlandshund, also über 6“ (1,8 m) lang, über 3“ (0,9 m) hoch, mit langen Beinen, ein vortrefflicher Läufer. Die Schnauze ist doggenartig, dick und schwarz, die Grundfarbe des Leibes gelbbraun, mit großen gelben und weißen schwarz geränderten Flecken unregelmäßig geschäckt (ein Umstand, dessen Dgalo allerdings nirgendwo gedenkt); der Schwanz ist kurz, kahl, am Ende mit einem Wedel, fast wie bei einem Esel versehen. Der Umstand, daß die Füße nur 4 Zehen haben, bestimmte Temmink, den Simir unter die Hyänen zu stellen, jedoch weist ihm der Mangel des Rückenkammes und Drüsensackes, sein ganz vollständiges Gebiß, endlich seine Lebensweise seine Stellung bei den Hunden an.

Dieser wilde Hund ist durch ganz Afrika verbreitet, jedoch überall selten, von den Gränzen der Capcolonie bis nach Arabien, wo er Simir heißt und von allen Raubthieren am meisten gefürchtet wird. Er jagt in Rudeln von 4–10 Stück alles, was ihm vorkömmt, Gazellen, Elennantilopen, Büffel, Nashörner, Panther und Löwen, Strauße und Zebra, schont jedoch in der Regel den Menschen, ja beweist sich ihm sogar freundlich. Sein Muth und seine Stärke sind so groß, daß ihrer mehrere sogar den Löwen anfallen und zerreissen. Statt des Rückenkammes hat er einen schwarzen Strich; er bellt ähnlich wie die verwilderten Haushunde, paart sich auch mit diesen und mit den großen Racen [Rassen] der zahmen Hunde, z. B. mit dem von den Engländern zur Löwenjagd eingeführten Neufundlandsdog fruchtbar.

Gruppe von afrikanischen Wildhunden im trockenen Gras
„Der wilde Hund Afrikas ist ein ungeheures Thier…“

Portrait eines afrikanischen Wildhundes
„die Schnauze ist doggenartig, dick und schwarz“

Ja, sicher, der afrikanische Wildhund!

In allen diesen Eigenschaften erkenne ich den Mokeló Dgalos so genau, daß ich keinen Anstand nehmen würde, denselben mit unserm wilden Hunde zu identificiren, wenn nicht folgende Punkte entgegenständen, nämlich geringere Größe des Simir, rudelweises Jagen desselben und zwar bei Tage; endlich die Flecken im Pelze, von welchen letztern Dingen Dgalo nirgendwo spricht. Den Simir oder wilden Hund Afrika’s kannte bereits der Capuciner Zucchelli. Er erwähnt unter dem Namen Mebbia eines Thieres ob seiner Eigenschaft, die Löwen und Panther zu zerreißen, wodurch die Mebbien die Reiserouten sichern, in seiner Missions- und Reisebeschreibung nach Congo 1717.

Von den neuern Reisenden trafen ihn Barrow, Lichtenstein und Burchell, – Rüppell schickte sogar aus der Wüste von Corti und Cordofan [im Sudan] 7 lebende, aber noch junge Exemplare ein. Der Can. Venaticus ist eine vom Haushunde und von allen Hyänen wirklich verschiedene Hundeart, und gehört unter die Subdivision Megalotis (Illiger.) seiner außerordentlich breiten und langen Ohren wegen, wohin auch der Ambukol, Fenneck oder großohrige Fuchs Afrika’s (Megalotis Zerda) und der Agouara-Gouazou oder der rothe Wolf Azaras in Südamerika (Canis jubatus L.) zu rechnen sind. Wenn wir auch, bis weitere Erkundigungen näheren Aufschluß über den Mokeló geben, nicht zu entscheiden wagen, ob er mit dem Simir eins ist, so sprechen wir uns doch dahin bestimmt aus, daß er ein Hund und zwar eine dem Simir nahe stehende Art ist.

Oder doch verwildete Haushunde?

Es gibt zwar in den Wäldern des heißen Afrikas auch verwilderte Haushunde von der Größe eines Bullenbeißers, welche Dhole heißen, ziemlich die Form eines Wolfshundes haben und von den hibernischen Windhunden der Capcolonisten abstammen; da jedoch diese einen Fahnenschwanz haben und nur im Norden der Colonie bei den Batlapinen und Kaffern gefunden werden, so können sie der Mokeló nicht seyn. Das Verfolgen und Zerreißen der Raubthiere scheint übrigens sämmtlichen wahren Hunden, wilden, verwilderten und zahmen charakteristisch. So erzählt Rengger von den verwilderten Hunden in Paraguay, daß sie den Jaguar erwürgen, O. Fabricius dasselbe vom sibirischen Hunde gegen den Eisbären.

Einzelner Wildhund im hohen Gras
Die „African Painted Dogs“ gelten als die erfolgreichsten Jäger des Kontinentes

Einzelner Wildhund auf einer Staubpiste
Und doch sind sie im Bestand bedroht

In Polen, den Pyrenäen und Abruzzen ist der Hund der unerbittlichste Verfolger der Wölfe. Erst in neuester Zeit ist uns die schätzenswerthe Nachricht von dem Vorhandenseyn einer wilden Hunderasse in den westlichen Ghats und in Dekkan zugekommen, wo man solche Thiere Colsune nennt. Dieses windhundartige Raubthier ist der Can. dukhunensis von Sykes (Zool. Proced. 1833), dessen Kühnheit Sykes besonders hervorhebt, indem er den Cheeta oder Guepard (Jagdpanther, felis jubata) und selbst den Königstieger verfolgt und zerreißt. Dasselbe Thier heißt in Nepal Buansu, wo es Hodgson geradezu unter dem Namen C. primaevus beschreibt.

Oder doch eine neue Hundeart?

Da uns morphologische und anatomische Haltpunkte zur nähern Bestimmung des Mokeló fehlen, so müssen wir aus seinen hervorstechenden Eigenschaften ihn zu enträthseln suchen, die ihn uns als eine eigne, neue Hundeart Centralafrikas erscheinen lassen. Daß er vom Simir wirklich verschieden ist, läßt sich mit ziemlicher Sicherheit annehmen. Es ist nur zu wünschen, daß ein so großes interessantes Thier den Augen des Zoologen nicht länger entgehen möge; – mich sollte es freuen, durch diese Zeilen die Augen eines Naturalisten auf ein Land gelenkt zu haben, das allem Anscheine nach große zoologische Schätze in seinem Schooße verbirgt.

Findet dieser Artikel geneigte Leser, so werden wir uns vielleicht im folgenden näher über Gegenstände aus Tumale’s Fauna verbreiten, welche nach Dgalo’s Angaben bislang kaum bekannt seyn dürften.“


Literatur:

Turschek, L. (1848): Der Mokeló in Zentralafrika; in: Das Ausland: Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde, Band 22, 1848


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