Freitagnacht-Kryptos: Der Riesenoktopus von Florida

Lesedauer: etwa 7 Minuten
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Heute längst als Walblubber entlarvt, geisterte der „Riesenoktopus von Florida“ von 1896 fast ein Jahrhundert lang als echter Kryptiden durch die Seiten der kryptozoologischen – und manchmal sogar wissenschaftlichen Literatur. Hier ist eine deutsche Meldung über den Fund – garniert mit einer Sichtung des Riesenkraken, die bislang in keinem mir bekannten Buch aufgetaucht ist. Der Artikel stammt aus dem „Amts- und Anzeigeblatt für den Bezirk des Amtsgerichts Eibenstock und dessen Umgebung“ und ist vom Donnerstag, den 7. September 1899, Seite 2–3:

 

Kampf mit dem Riesenoktopus
So stellte sich der Illustrator von Jules Vernes Roman den Kampf mit dem Riesenkraken vor

 

Kampf mit einem Seeungeheuer.

Von E. Holtz-Evansville, Jnd.

Die beliebte .Seeschlange“, die da 20–40 Meter lang sein soll, und im Hochsommer sowohl im Meere wie in verschiedenen Zeitungsspalten öfter auftaucht, ist lange für einen „Vogel“ gehalten worden, nämlich für eine „Ente“. In letzten Jahren aber hat sich die Wissenschaft doch davon überzeugen können, daß außergewöhnlich große Seethiere noch außer dem Walfisch, Walroß, Eisbär usw. vorhanden sind. Besonders große Tintenfische oder Kopffüßler sind an die Oberfläche gekommmen und haben sogar Boote mit Insassen angegriffen. Kopffüßler heißen diese Thiere, weil die Füße d. h. die langen starken Fangarme vom Kopfe ausgehen.
 

 

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Im Reich der Riesenkraken

Schroffe Felsen säumen die Küste von British Columbien im Westen Kanadas. Sie halten siet Jahrmillionen der harten Brandung des Pazifiks stand. Der Reichtum an Nährstoffen lässt Schnecken, Seesterne und Seeanemonen zur Rekordgröße gedeihen. Doch der unbestrittene Herrscher dieser untermeerischen Welt ist der Riesenoktopus. Auch er profitiert von dem reichen Nahrungsangebot, durch das er eine Spannweite von 8 Metern erreicht. Nur selten zieht der Schatten eines noch größeren Jägers durch sein Revier: des Schwertwals. Besonders imposant sind die intelligenten Riesen im Rudel, zu dem sie sich für die Jagd zusammenschließen. Atemberaubende Bilder der nahezu unwirklichen Unterwasserwelt entführt den Zuschauer in die Einsamkeit der kanadischen Natur.

 

Die DVD ist in deutscher Sprache auf Dolby/Pal erhältlich und bei bei MCP erschienen. Die Spieldauer beträgt 60 Minuten.

 

 

Zwei Sportsleute aus New-Haven in Connecticut machten vor wenigen Monaten eine Lustreise nach Florida. Auf einer Fischtour in der Nähe von Miami, so erzählt der eine, sahen wir plötzlich etwas Gelbliches über die Oberfläche des Wassers ragen, ungefähr wie ein sehr langer Menschenarm aussehend. Bald verschwand diese Erscheinung jedoch wieder. Neugierig hielten wir sofort auf die Stelle zu und bemerkten nun etwa 1–2 Meter unter der Wasseroberfläche einen lang gestreckten Kadaver, dessen Endtheile vom Wasser geschaukelt wurden. Unsere Wißbegierde war auf’s Höchste gereizt, wir warfen unsere stärkste Angelschnur aus, um das räthselhafte Ding anzuhaken und eventuell an Land zu schleppen. Was nun aber folgte, war so absonderlich, daß wir zunächst wie versteinert im Boot standen.

 

Der Kadaver bewegte sich, ein langer, rüsselförmiger Arm tauchte aus den Fluthen hervor und schlug auf unsere Boot-Wand, daß sich das Fahrzeug zur Seite neigte. Unser alter Bootsmann rief uns zu, daß wir es mit einem Seeungeheuer zu thun hätten, einem riesenhaften Kraken (Octopus), fluchte und ries dazwischen wieder alle Heiligen an. Ein zweiter Arm langte jetzt ins Boot hinein und hätte im Nu meinen Freund am Bein erfaßt, wenn er nicht so plötzlich zur Seite gesprungen wäre, daß er mich zu Boden warf. Bei diesem Falle stieß ich hart mit dem Ellbogen auf unser kleines Schiffsbeil und sofort leuchtete mir ein, daß dies das einzige Werkzeug unserer Rettung sei. Schon faßte ein dritter Arm, trotzdem der Steuermann wie wahnsinnig mit einem Knüppel auf die unheimlichen Fangarme einschlug, über Bord. Ich schlug nun mit dem Beil drein, aber bei dem Schaukeln des Fahrzeuges, das jeden Augenblick umzustürzen drohte, verfehlte ich das Ungeheuer und schlug nur in die Bordwand. Unser Alter riß mir das Beil aua der Hand und trennte nun mit einigen gewichtigen Schlägen zwei der Arme vom riesenhaften Körper. Furchtbar gereizt, rüttelte das Ungeheuer nun mit zwei noch weiterauftauchenden Armen so an unserem Boot, daß wir alle drei zu Boden stürzten und schon meinten, unser letztes Stündlein habe geschlagen und das Riesenthier würde unser Boot in die Tiefe ziehen.
 

 

Der Neuseeland Globster
Ein in Neuseeland angeschwemmter Globster auf einem zeitgenössischen Foto. So ähnlich wird auch der Florida-Fund ausgesehen haben.

 

 

Da gelang es unserem wackeren Steuermann nochmals auf einen der größten Arme mit Erfolg einzuschlagen, so daß die Kraft des Thieres wohl gelähmt erschien, unser Boot richtete sich wieder etwas aus, die übrigen Körpertheile des unheimlichen Seethieres ließen aber durchaus nicht eher los, bis auch sie mit Beilschlägen bearbeitet waren und aufathmend trieben wir sofort von dem gewaltigen Unthier ab schleunigst der Küste zu.

Die Eingeborenen glauben den Bericht

Unserem Abenteuer wurde bei den eingeborenen Bewohnern des Festlandes unbedingter Glaube geschenkt, skeptischer verhielten sich später die Gelehrten, trotzdem bekannt ist, daß alle mittelamerikanischen Gewässer reich an Kopffüßlern find, von denen einige eine recht ansehnliche Größe erlangen. Sie hausen meist in Höhlen des Ufers aber in gewaltiger Tiefe.

Vor mehreren Jahren wurde ein Kraken von bisher unerhörter Größe auch an der Küste von Newfoundland angeschwemmt. Naturgetreue Nachbildungen desselben erregen noch jetzt das Staunen aller Besucher der naturhistorischen Museen zu New-Jork und Washington. Am 5. Dezember 1896 war ein noch größeres Exemplar derselben Gattung südlich von St. Augustine auf die floridanische Küste geworfen und ist seit jener Zeit mehrfach Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen gewesen. Der erste Bericht über das Monstrum erschien im „New-Jork Herold“ am 3. Januar, zwei Wochen später begannen Mr. de Witt Webb und Professor A. E. Verrill von der Universität zu Yale den gewaltigen, zum großen Theil mit Sand überdeckten Kadaver bloßzulegen, wobei sich herausstellte, daß er nicht, wie man befürchtet hatte, dem Verwesungprozeß anheimgefallen war, sondern vielmehr einen Austrocknungsprozeß durchgemacht hatte.

 

 

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Richard Ellis: The search for the giant squid

Das Meer birgt viele Geheimnisse, und zu den beständigsten gehören Riesenkalmare der Gattung Architeuthis. Über diesen Tintenfisch, der in der klassischen Mythologie als „Krake“ bekannt ist, wissen wir wenig, außer dass der ozeanografische Autor Richard Ellis feststellt, dass „er gelegentlich an Land gespült wird – und wenn das passiert, wissen wir nicht warum.“

Einige dieser seltsamen Kreaturen, bemerkt Ellis, sind 60 Fuß lang, kannibalisch und offensichtlich wild. Sie haben die größten Augen aller Tiere auf dem Planeten, nützlich, um in der tintenschwarzen Dunkelheit der Tiefsee zu sehen. Riesenkalmare gehören nicht zu den Tieren, denen man am Kontinentalschelf begegnen möchte. Das hat sogar Ian Fleming in „Doctor No“ deutlich gemacht, als Superspion James Bond ein solches, unangenehmes Treffen hatte. Aber dank Ellis‘ gut recherchiertem Bericht sind Riesenkalmare das perfekte Thema für Sessel-Kryptozoologen. Er erzählt Ihnen so ziemlich alles, was Sie über Riesenkalmare wissen möchten, von den Biologen, Entdeckern und Kryptozoologen, die ihn Jahrhunderte lang gejagt haben.

 

The Search for the Giant Squid ist als gebundene Ausgabe oder Taschenbuch erhältlich, leider nur noch antiquarisch. für gute Exemplare zahlt man ca. 20 bzw. 50 Euro.

 

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Nach der Entfernung des Sandes ergab sich, daß der Kopf des Thieres und der vordere Theil des Körpers leider arg zerstört waren, dagegen war der hintere Theil des Körpers von der Mitte desselben ab unversehrt. Er zeigte eine birnenförmige Gestalt ohne jedes Anhängsel und besaß eine fast glatte Bedeckung. Messungen ergaben eine Länge von 7, eine Breite von 2 ½ und eine Dicke von 1 ½ Meter. Das Gewicht dieser Körpermasse wird auf mindestens 10 Tonnen veranschlagt. Zwölf Mann vermochten sie nicht zu bewegen, und erst nachdem man sechs Pferde zur Hilfe genommen, gelang es, den Kadaver aus einen höher gelegenen Theil des Strandes und auf eine hölzerne Unterlage zu bringen, wo Photographien angefertigt wurden und der weitere Austrocknungsprozeß durch Anwendung von Konservirungsmitteln unterstützt wurde.

Die Fangarme fehlen

Da alle Fangarme des Thieres fehlten, so war man bezüglich Ihrer Länge nur aus Muthmaßungen angewiesen. Da die acht Arme aber immer in einem gewissen Verhältnis zum Körper stehen, so nahm man an, daß sie wenigstens 30 Meter lang gewesen sein müssen und daß das ganze Thier bei Lebzeiten ein Gewicht von 18–20 Tonnen besessen habe. Das Fehlen der Arme wird einem Kampf mit einem der in den Gewässern des Golfstromes nicht seltenen Spermwalfische zugeschrieben, in deren Magen sehr oft gewaltige Mengen verschluckter Tintenfische vorgefunden wurden. Vielleicht sind auf diese Kraken die vielen Legenden über die Seeschlange zurückzuführen.

 

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