Freitagnacht-Kryptos: Die Geschichte vom Kraken

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Über den Kraken oder Krabben, das größte Tier der Welt, schreibt der norwegische Bischof Erik Pontoppidan in seinem Buch „Versuch einer natürlichen Historie von Norwegen“ (Zweyter Theil. Kopenhagen: Franz Christian Mumme 1754) unter anderem, auf S. 398–400:

Ein ehrenwerter Beobachter

Der Herr Consistorialassessor Fris, Prediger in Bodöe in Nordland und Vicarius Collegii de cursu Evang. promov. hat im letztverwichenen Jahre, als er hier in Bergen war, mir folgendes erzählt, das ich auf seinen Credit wieder erzähle.

 

Der Fjord
Die Siedlung Sandnessjöen liegt an der Ulvangen-Bucht. Foto: Zorrolll CC BY 1.2

 

Im Jahr 1680 soll ein Kraken (vielleicht ein junger und unvorsichtiger) in die Bucht Ulvangen im Kirchspiel Alstahough gekommen seyn, da es sonst seine Gewohnheit ist, sich einige Meilen vom Lande aufzuhalten, daher er denn auch allhier umkommen mußte. Diese Sache soll folgendergestalt geschehen seyn: es sollen seine ausgestreckten langen Zacken, oder Fühlhörner, die er, wie es scheint, nach Art der Schnecken dazu gebraucht, damit hin und wieder herumzufühlen, vielleicht in einigen dicht an der Bucht stehenden Bäumen hängen geblieben seyn, die aber gar leicht konnten losgerissen werden, aber vornehmlich, und, wie man hernach gesehen, sind sie in einige offene Spalten, Steinritze und Klüfte an den Klippen gerathen, woran sie sich so fest geheftet hatten, daß sie daran hängen geblieben waren, daß es sich daher nicht wieder losarbeiten konnte.

 

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Dadurch kam das Thier an selbigen Orte um, wo es auch zugleich verfaulte. Da denn dessen langsam verfaultes Aas einen grossen Theil bemeldter Bucht Ulvangen soll angefüllt haben, wodurch denn diese Seite den Leuten, die eine zarte Nase hatten, ganz unwegsam geworden. Von diesem Thiere haben die Fischer hier in Norwegen diese wahrsagende Redensart genommen, wenn sie sagen:

Nur ein Bericht eines tödlichen Kontaktes

Du mußt auf dem Kraken gefischet haben; welche sie von einem gebrauchen, der in seinem Fange vor seinesgleichen besonders glücklich gewesen; indem sie meynen, es wäre keine Kunst, wenn er einen so fischreichen Grund angetroffen hätte. Daß der Kraken jemanden einen wirklichen Schaden sollte zugefüget haben, er müßte denn einem das Leben genommen haben, so daß man davon nichts hätte erfahren können, davon habe ich nichts gehört, ausser einem einzigen Exempel.

 

Kraken?
Fantasievolle Darstellung eines Kontaktes mit dem Kraken

 

Man erzählet, es habe sich vor wenig Jahren bey Fridrichstadt im Stifte Aggerhus zugetragen, daß ein paar Fischer unvermuthet, und zu ihrer grossen Verwunderung, mit ihrem Boote in eine solche Stelle auf dem Wasser gerathen, die, nach voriger Beschreibung, fast ganz morastig und schleimicht war. Sie verliessen sie daher schleunig, allein sie hatten nicht so viel Zeit, geschwind genug umzuwenden, daß nicht eine der Zacken des Krakens hätte an ihr Boot schlagen sollen, wodurch denn das Obertheil desselben ganz zerschmettert ward, daß sie auch darauf, wie auf einem Wrack, kaum ihr Leben bergen konnten, obgleich das Wetter ganz stille war. Allein dieses Ungeheuer kommt, so wie die Seschlange, niemals in einem andern Wetter zum Vorschein.“

 

Der Fjord Ulvangen ist 15 km lang und 5 km breit – wenn das verfaulte Aas „einen grossen Theil bemeldter Bucht Ulvangen soll angefüllt haben“, dann ist der Kraken wahrlich riesig!

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