Freitagnacht-Kryptos: Karl May und der Schneemensch

In den Archiven kramte: Ulrich Magin

 

In seinem Abenteuerroman „Durch die Wüste“ beschreibt der beliebte deutsche Romanautor Karl May „seine“ Reise von Ägypten durch Saudi Arabien (inklusive Mekka) nach Kurdistan. Der Roman erschien zuerst in Fortsetzungen von 1881 bis 1888 in der Zeitschrift „Der deutsche Hausschatz“.

Karl May (oder Kara ben Nemsi, wie ihn die Araber nennen) ist ein Held seiner Zeit (auch wenn seine Reisen imaginär sind), vor allem als Christ fühlt er sich den von ihm als abergläubisch und religiös simpel gestrickt geschilderten Muslimen weit überlegen (heute liest sich ein solcher Religionschauvinismus natürlich sehr unangenehm). In Kurdistan besucht er die Yaziden, die Karl May kurioserweise für eine christliche, den Muslimen deshalb überlegene Sekte hält, im Gegensatz zu den Türken und Arabern, die sie für Teufelsanbeter halten.

Karl May, der große Erzähler

Titelbild von „Durch die Wüste“

Titelbild von „Winnetou 1 bis 3“

Der australische Yahoo

Kara ben Nemsi erklärt ihnen, dass das nur in anderen Ländern so ist: „Ich war in einem Land, weit jenseits des großen Meeres; die Franken nennen es Australien. Dort fand ich wilde Männer, welche einen Scheitan haben, dem sie den Namen Yahu geben. Den beten sie an.” (Karl May: Durch die Wüste. Tosa, o.O., o.J., p. 316)

Das ist der Yahoo, die erste Inkarnation des australischen Yetis oder Yowies. May wird seine Informationen vermutlich aus einem volkskundlichen oder geografischen Werk haben, allerdings konnte ich seine Quelle nicht identifizieren.

In Amerika: der Bigfoot

Natürlich spielen die bekanntesten Romane Karl Mays in einem imaginären wilden Westen. Hat er eventuell auch einmal auf den Bigfoot hingewiesen? Diese Frage stellte sich der bekannte Querdenker Horst Friedrich in den „Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft“ (Band 23, Nr. 88, Juni 1991, S. 52).

Postkarte nach Karl Mays Erzählung

Zahlreiche Buchrücken von Karl-May-Büchern

Unter dem Titel „Böse Geister in Schluchten und Cañons“ meint er, die einzige derartige Stelle finde sich in Winnetou III (Erstveröffentlichung 1893) bei der Beschreibung von unwegsamen Gelände an der Grenze von Idaho zu Wyoming: „Dorthin war außer dem schleichenden Indianer oder einem flüchtigen Trapper noch kein Mensch gekommen, und es zog mich förmlich, mich an dem Wagnisse zu versuchen, in jene unwirtlichen, nach der Sage der Rothäute von bösen Geistern belebten Schluchten und Cannons einzudringen.“ (Ausgabe 1915, S. 357)

Ich danke Frau Dr. Franziska Dokter, Soest, die mich auf diesen Aufsatz aufmerksam gemacht hat.

 


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