Freitagnacht-Kryptos: Die Riesenkraken der Tonga-Inseln

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Die Ludwigshafener Tageszeitung „Die Rheinpfalz“ brachte am 18. Juli 1958 auf S. 3 folgende naive Pressemeldung, die wenig mit dem modernem Wissen über den Riesenkalmar Architeuthis zu tun hat und eher an Jules Verne gemahnt …

 

 

Harold Nissen jagt Riesenkraken

Denkende Ungeheuer der Tiefsee – Wal-Köder wiegen zehn Zentner

New York (IP) – Der Amerikaner Harold Nissen unternimmt gegenwärtig eine Expedition in die Südsee, um bei den Cook- und Tonga-Inseln Riesenkraken zu fangen. Er will diese Ungeheuer der Tiefsee, die durch alle Seemannslegenden spuken, mit zehn Zentner schweren Ködern aus Walfleisch aus ihren Schlupfwinkeln hervorlocken. Man nimmt heute an, daß es Riesenkraken gibt, die eine Länge bis zu 40 Metern erreichen. Der berühmte Tiefseeforscher Professor Piccard glaubt, daß ihr Reich erst unter einer Wassergrenze von 3500 Metern beginnt. Auf dem Meeresgrund soll es nach seinen Forschungsergebnissen Bodensümpfe geben, die selbst noch Hunderte, wenn nicht Tausende von Metern tief sind.

 

Weltkugel Tonga
Lage Tongas im Pazifischen Ozean

Nuku Island
Nuku Island, eine der Inseln Tongas. Sie gelten zu Recht als Südseeparadies (Foto Stefan Heinrich CC 1.2)

 

 

Darin tummeln sich die seltsamsten, noch fast unbekannten Lebewesen, die mit ihren gewaltigen Tentakeln selbst einem modernen Unterseeboot gefährlich werden. Bisher hat man nur wenige dieser Tiefseebewohner mit Hilfe von Fangleinen und elektrisierten Stahlnetzen an Bord von Expeditionsschiffen bringen können. Professor Piccard ist davon überzeugt, daß die Riesenkraken sogar eine gewisse ‚Intelligenz‘ besitzen und in ihrem Lebensraum ganze Rudel bilden, die einander vielleicht erbitterte Schlachten liefern.

 

Dunkle Monster im dunklen Meer

 

 

Wie dem auch sei – schon der römische Schriftsteller Plinius wußte vor rund 1900 Jahren von einem ‚Meeresungeheuer‘ zu berichten, daß bei Carteja die Behälter der Fischhändler zu plündern pflegte und dabei einen fürchterlichen Gestank verbreitete. Es jagte selbst die mutigsten Hunde in die Flucht und wurde schließlich von einer Unzahl von Dreizackstichen getötet. Nach Berichten des nordischen Bischofs Pontoppidan aus dem Jahre 1751, die zwei Jahre später auch ins Deutsche übersetzt wurden, sollte es sich bei den Kraken um sagenhafte, riesige Seetiere von der Größe einer Insel (!) handeln, die gar Schiffen als Ankerplatz dienen könnten.

 

Ein Mann liegt neben einem toten Riesenkalmar an einem schwarzen Strand
Tatsächliche Größe eines Riesenkalmars, der auf Neuseeland angeschwemmt wurde. Foto: Aplin-Brüder

Kampf mit dem Riesenkalmar
So stellte sich der Illustrator von Jules Vernes Roman den tödlichen Kampf mit dem Riesenkalmar vor

 

 

Die moderne Wissenschaft versteht unter diesen unheimlichen Geschöpfen eine Abart der Tintenfische, aus der höchstentwickelten Klasse der Weichtiere, mit deutlich von dem sackartigen Rumpf abgesetztem Kopf und meist hochentwickelten Augen sowie einem Kranz langer, oft mit Saugnäpfen besetzter ‚Arme‘, die zugleich der Fortbewegung und dem Ergreifen der Beute dienen. Von über 10 000 Krakenarten leben heute nur noch etwa 600.

Der Amerikaner Harold Nissen hat sein Schiff mit Geschützen und starken Harpunen bestückt. Er hofft, mit dieser Bewaffnung auch den stärksten Riesenkraken gewachsen zu sein. Allerdings ist anzunehmen, daß die Tiere nur nachts an die Meeresoberfläche kommen, von der sie infolge ihrer dunklen Tarnfarbe kaum zu unterschieden sind. Im übrigen scheinen von allen Seetieren nur die Wale Kämpfe mit Riesenkraken lebend zu überstehen. Man fand jedenfalls Narben an ihren Körpern und Tentakelstücke in ihren Mägen, die von erbitterten ‚Duellen‘ zwischen diesen Ungetümen zeugen.

 


Literatur:

Die Rheinpfalz, 18.07.1958, S. 3


 

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