Freitagnacht-Kryptos: Die Seeschlange im Mittelmeer

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Es muss nicht immer der Loch Ness oder Lake Okanagan sein – auch im Mittelmeer kann man Seeschlangen begegnen – etwa in Bar in Montenegro, wie dieser Bericht eines Augenzeugen zeigt, der solch einem Wesen im Juni 1917 am Kap Volovizza (heute: Volijica) begegnet sein will:

 

 

Herr R. L. beobachtete um 15 Uhr ein „rätselhaftes Tier“. Es „war kaum drei Meter vom Ufer entfernt und hob den Kopf aus dem Wasser heraus; Aussehen und Blick des Tieres waren derart, daß Herrn L. ‚das Grauen überlief.‘ Durch einen Kameraden ließ er schleunigst ein Gewehr holen und begab sich dann selber ‘außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone’, so daß er es wagen mochte, das Tier näher anzusehen. Er schildert das Aussehen folgendermaßen: Der Kopf, der sich etwa 1 Meter hoch über einem Stein am Ufer befand, war ‘plump, keulenstumpfförmig, etwa wie ein länglicher Kalbskopf, besaß zwei klare, mittelgroße Augen und scheinbar zwei Ohrläppchen – oder waren es Kiemen?

 

Bar in Montenegro
Bari in Montenegro (Foto: Martin Brozs, CC 3.0)

Mittelmeer-Mönchsrobbe
Mittelmeer-Mönchsrobbe (Foto: V. Andreou, CC 4.0)

Porträt eines Ungeheuers

 

Eine Mundöffnung sah ich nicht, da der Kopf gescheckt war; schmutzigbraun, mit grauen Flecken und weißen Streifen, so daß trotz der geringen Entfernung und der klarsten Sicht doch eigentliche Einzelheiten schwer zu unterscheiden waren.’ Dann ließ sich die ‘Schlange’ nieder und schwamm ruhig hinaus in die offene See. ‘Sie zeigte dabei keine Hast und blieb an der Wasseroberfläche.’ Die Länge des ganzen Körpers gibt Herr L. mit etwa 12 m an. Kopf und Hals waren deutlich voneinander abgesetzt; in der Mitte war der Körper etwa schenkeldick, gegen den Schwanz zu wieder etwas schwächer und stumpf auslaufend. ‚Die Farbe war durchweg ein schmutziges Graubraun mit dunklen Flecken.‘ Flossen sah unser Gewährsmann keine; in der Nähe des Schwanzendes befanden sich zwei Anschwellungen, von denen er nicht recht weiß, was sie sein mochten.

‚Längs des ganzen Rückens lief eine Kette von Knorpeln (?), die sich beim Vorwärtsbewegen ausnahmen, wie eine gestreckte Zahnradkette.‘ Diese Knorpeln mochten 5–6 cm breit sein; vorn und hinten waren sie kleiner als in der Körpermitte. ‚Das Tier bewegte sich nicht durch Seitwärtsschlingen, sondern durch ein eigentümliches Vorschieben, wobei jedoch der Körper in nicht besonders hohe, gebückte Stellungen kam – er schob sich etwa bis 40 cm hoch.‘ Die Bewegung erinnerte an die wellenförmigen Schwingungen eines Taues; das Tier schwamm auch nicht schneller, als R. L. es mit Steinen bewarf; als der Kamerad mit dem Gewehr ankam, war es bereits gegen die offene See hin verschwunden.“

 

Wer schafft es, sich nach dieser Beschreibung ein Phantombild des Ungeheuers zu erstellen? Was war es? Möglicherweise ein verhungerndes Tier, auf dessen Rücken sich die Wirbelsäule abzeichnete?


Literatur:

Hilckman, Anton: Noch einmal: Gibt es Seeschlangen? Kosmos, August 1933, S. 271-273, hier S. 271f