Freitagnacht-Kryptos: Ein „seltsames Thier“ aus Südamerika

 

Vor dem Fernsehen und den Kinos gab es Jahrmärkte und reisende Menagerien, um das Volk zu belustigen. Diese Menagerien waren stets auf der Suche nach neuen Sensationen, und so landeten exotische Tiere eher dort als in einem Museum. Aber die Menagerien scheuten sich auch nicht, Fälschungen auszustellen oder exotischen Tieren ganz falsche Hintergrundgeschichten zuzuschreiben.

Worum mag es sich bei diesem Tier gehandelt haben, von dem die „Münchner Zeitung“ am 3. Wintermonat [November] 1777 berichtete?

„In dem Hotel d’Espagne in der Dauphinestrasse zu Paris wird gegenwärtig ein sehr seltsames Thier gezeigt, welches, wie es heißt, aus den amazonischen Gebirgen gebracht worden ist, und von welchem die Naturforscher noch keine Meldung gethan haben. Es hat einen Löwenhals, einen weißen Bart, Aerme und Hände, wie ein Mensch, und seine Schnauze besteht aus drey Röhren von verschiedenen Farben.“

Man ist geneigt, an einen Kaiserschnurrbarttamarin oder Weißkopfsakis zu denken, die jedoch eher in den Urwaldebenen als im Gebirge leben – was aber sollen die „drey Röhren von verschiedenen Farben“ sein, die die Schnauze bilden?

Kaiserschnurrbart-Tamarin
Kaiserschnurrbart-Tamarin

Weißkopfsaki
Weißkopfsaki

Literatur:

Münchner Zeitung vom 3.11.1777