Freitagnacht-Kryptos: Storchengericht in der Oberpfalz

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Sogenannte Storchengerichte wurden früher von Amateurzoologen öfters gemeldet, u.a. aus meiner Heimat bei Oggersheim in der Pfalz. Gemeinhin stellen sich Störche in einem Kreis auf, in dessen Mitte ein mutmaßlicher storchischer Deliquent wartet, bis die Gemeinschaft ein Urteil fällt, das dann auch vollzogen wird (die Todesstrafe).

 

 

Der folgende Fall, den der „Baiersche Eilbote“ am 20. Oktober 1841 (S. 1006) aus der Region entlang der Naab in der Oberpfalz meldet, ist bisher unbekannt:

 

 

„Wenn sonst die Storchen auf Buchters Haus viele Jahre nisteten, so blieben sie seit Kurzem, nämlich seit dem Tode des Hauseigenthümers, ganz aus. Man sagt, daß sich diese Vögel schon seit geraumer Zeit in Schwandorf nicht mehr heimisch fanden, und wirklich nach dem Tode des Kramers Buchter beschlossen, Haus und Gegend zu verlassen. Sie hielten vorerst noch auf einer Wiese an den Naabfluße großen Rath und Gericht über einen jungen Storchen, der das Gesetz der Treue und des Gehorsams gegen die alte Mutter nicht erfüllte; denn nach dem Gesetzbuche der Storchenrepublik haben die jungen Storchenkinder, wie bei uns, ihre Eltern, wenn sie schwach und unvermögend würden, zu versorgen.“

 

 

Quelle:

Baierscher Eilbote: 1841

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