arktische Hyänen in Alaska

Heute gibt es auf der Welt vier Arten von Hyänen, die auf Afrika beschränkt sind. Historisch haben einige dieser Arten auch Teile von Europa und Asien besiedelt. Eine wesentlich größere Artenzahl und -vielfalt ist fossil überliefert. Eine gängige Systematik der Familie fasst 24 Gattungen in drei Unterfamilien zusammen, eine vierte Unterfamilie wird mittlerweile oft als eigene Familie gesehen. Diese 24 Gattungen waren im Miozän und Pliozän weit über Afrika, Europa und Asien verbreitet.

Fluss mit deutlich sichtbarem Überschwemmungsstreifen vor Wald und Bergen
Die Lebensbedingungen in Alaska waren zu Zeiten der Chasmaporthetes noch härter.

Da während der letzten 140.000 Jahre die Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska immer wieder geschlossen war, ist es nicht verwunderlich, dass auch Hyänen nach Amerika vordringen konnten. Vor wenigen Tagen berichteten Wissenschaftler in der Zeitschrift „Open Quaternary“ vom Fund von Hyänenfossilien in Alaska. Entdeckt wurden sie bereits in den 1970ern, im Schotter des Old Crow Rivers an der Nordküste Alaska. Sie sind damit der -erwartungsgemäß- nördlichste Nachweis von Hyänen in Nordamerika. Bisher waren die nördlichsten Hyänenfossilien wurden über 4000 km weiter südlich in Kansas gefunden.

Nur eine Art

Wie die bisherigen Funde von Hyänen gehören auch die Old Crow River-Fossilien der Art Chasmaporthetes ossifragus* an. Die Gattung Chasmaprthetes entstand im späten Miozän in Eurasien. Im Pliozän, vor etwa 5 Millionen Jahren, erreichte sie über die Bering-Landbrücke Nordamerika. Hier verbreiteten sich die Tiere bis runter nach Mexiko. Sie überlebten sie bis ins frühe Pliozän, nach anderen Angaben sind die jüngsten Fossilien ca. 800.000 Jahre alt.

„Die neuen Fossilien erweitern die geografische und biologische Reichweite, die Hyänen haben könnten“, sagte Erstautor Jack Tseng, Paläontologe an der Universität von Buffalo in New York. „Jetzt haben wir den Beweis, dass Hyänen da oben waren. Möglicherweise reisten sie nur durch und starben, aber sie waren in der Gegend“. Zur Zeit des Pliozäns war das Klima in Alaska noch härter, als heute.

Kaum mit heutigen Hyänen vergleichbar

Schabrackenhyäne im Zoo
Vielleicht ist die Schabrackenhyäne ein halbwegs brauchbares Modell für die fossile Hyäne Alaskas

„Wenn man nur die rezenten Arten ansieht, untersucht man nicht einmal 10% der Diversität, die Hyänen entwickelt haben“ gibt Tsang zu bedenken. Chasmaporthetes unterschied sich von den heutigen Hyänenarten deutlich. Die Tiere hatten lange Beine und waren vermutlich schnelle Läufer und Hetzjäger. Chasmaporthetes- Arten jagten vermutlich arktisches Wild wie Karibus, Pferde und möglicherweise sogar Mammuts.

„Wir sagen nicht, dass sie ausgewachsene Mammuts gejagt haben, das wäre eine Großtat für jedes Raubtier. Wir wissen aber, dass Tüpfelhyänen heute junge und sogar heranwachsende afrikanische Elefanten erbeuten können. Das scheint der Art, wie Chasmaporthetes gejagt haben könnte, zu entsprechen.“ spekuliert Tsang über die Fähigkeiten der fossilen Hyäne.

Sein Team glaubt, dass Chasmaporthetes ähnlich dichtes Fell wie Mammuts und Wollhaarnashörner hatte und dass die einen Farbwechsel durchmachten, wie man ihn von Schneehasen und Polarfüchsen kennt: „Es ist nicht weit her geholt, wenn man sich vorstellt, dass die arktischen Hyänen ein zottiges Fell hatten, mit helleren Farben im Winter, so dass sie erfolgreich im Schnee jagen konnten“.

Arktische Hyänen?

Wissenschaftler hatten lange angenommen, dass Chasmaporthetes über die arktische Landbrücke in der Beringstraße nach Nordamerika gekommen war. Aber die Old Crow River-Fossilien sind die ersten Beweise, dass Hyänen auch unter arktischen Bedingungen überleben konnten. „Es motiviert zu sehen, dass Hyänen wirklich diese Wanderroute nahmen“ sagt Larisa DeSantis, Expertin für fossile Raubtiere, die nicht in die Publikation eingebunden war. „Es bestätigt unseren Verdacht, dass diese Hyänen über die Bering-Landbrücke gekommen und weiter nach Süden gewandert sind.“

Chasmaporthetes

Die neuen Funde deuten auf eine Hyäne hin, die mindestens ebenso dicht behhaart war, wie die rezente Schabrackenhyäne Parahyaena brunnea

Die Gattung Chasmaporthetes gehört zu einer Gruppe, die auch als hundeähnliche oder rennende Hyänen bezeichnet wird. Sie waren schmaler gebaut und hatten schlankere Gliedmaßen, vergleichbar heutigen Geparden. Dafür fehlte ihnen der kräftige, knochenbrechende Kiefer, ihre Reißzähne waren schärfer und schlanker ausgebildet. Die einzige überlebende Art dieser Gruppe ist der Erdwolf, der aber stark abgeleitet ist und nur ein unscharfes Beispiel liefern kann.

Aus der Gattung sind bisher neun Arten beschrieben worden. In Amerika kam nur die Art C. ossifragus vor, man kennt sie aus Florida, Arizona, Kansas, Colorado und Mexiko sowie neu Alaska. Die Tiere erreichten eine Länge von etwa 1,3 m, eine Schulterhöhe von 90 cm und wogen zwischen 30 und 60 kg.

Kryptozoologie

Historisches Präparat, das als Shunka Warak’in bezeichnet wurde. Mittlerweile ist genetisch geklärt, dass es sich um einen schlecht präparierten Wolf handelt.

Die Gattung Chasmaporthetes, insbesonder C. ossifragus ist auch von kryptozoologischem Interesse. Sie wird mehr oder weniger regelmäßig mit den sogenannten Super-Wölfen in Verbindung gebracht, wie dem Shunka-Warak’in, dem Ringdocus, der Waheela oder dem Cuitlamiztli, gelegentlich sogar der Onza.

Nur weil die jüngsten Fossilien knapp 800.000 Jahre alt sind, heißt es nicht, dass diese nordamerikanischen Hyänen nicht länger überlebt haben. Bisher hat man nur keine jüngeren Fossilien gefunden. Wenn sie erst mit der nordamerikanischen Megafauna ausgestorben sind, könnten sie Eingang in die Legenden und Mythen der Paläo-Indianer gefunden haben. Einige der heutigen Erzählungen der rezenten Indianer gehen auf diese Legenden zurück.

Quellen:

Nationalgeographic: Hyenas once stalked the Arctic, fossils reveal

wikipedia.org: Chasmaporthetes

fossilworks: Chasmaporthetes

prehistoric fauna: Chasmaporthetes mit Bild-Rekonstruktionen.


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