Iberische Luchsin „Gitanilla“ wirft 3 Junge – und mit ihr viele Katzen mehr

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Der Iberische Luchs (Lynx pardinus) gehört zu den bedrohtesten Katzenarten der Welt. Im Jahre 2016 gab es in den letzten zwei sicheren (und voneinander getrennten) Rückzugsgebieten, dem Nationalpark Doñana und der cordobesischen Sierra Morena, zusammen gerechnet wenig mehr als 150 reproduktionsfähige Exemplare (Gil-Sánchez, 2016: 272). Im benachbarten Portugal waren sie schon rund 15 Jahre vorher als ausgestorben erklärt worden (Gil-Sánchez, 2016: 281).

Glück im Unglück?

Als Ursachen gelten die „üblichen Verdächtigen“. Zerstörung des Lebensraumes, aber auch direkte Jagd – die Population im Naturpark Sierra de Andújar (mit den meisten Tieren) verdankt ihre Existenz mitunter auch den Eigentümern dreier grosser Fincas, die erklärten, auf die Spezies keine Jagd zu gestatten – andere hingegen sahen das anders (Gil-Sánchez, 2016: 281).

Besser zu spät als nie?

Iberischer Luchs
Ein Iberischer Luchs in einem Gehege

Der Mensch reagierte spät. Seit 1994 rief man verschiedene Projekte zur Konservierung der Spezies ins Leben. Zwischen 2011 und 2016 verfügten diese Life-Projekte über ein beachtliches Budget von 34 Millonen Euros. Seit dem kommt es wieder zu einem Anwachsen der Population (Gil-Sánchez, 2016: 281 – 282). Das soll jedoch nocht darüber hinwegtäuschen, dass der Zustand des Iberischen Luches kritisch bleibt – die Nachstellung, eine Viren-Epidemie bei den Kaninchen (von der die Luchse abhängig sind) und die Verengung des Lebensraumes, kurzum: das 20. Jahrhundert hat die Population genetisch verarmt. Das macht die Tiere vulnerabler gegenüber Krankheiten. Eine Leukämie raffte im Jahre 2007 zahlreiche Exemplare im Nationalpark Doñana dahin. Die Empfindlichkeit könnte mit dem reduzierten Genpool in Zusammenhang stehen (Gil-Sánchez, 2016: 282).

Erfolgreiche Projekte

Umso erfreulicher ist es, in diesem Zusammenhang über die Erfolge der Life Projekte berichten zu können. Am Morgen des 28. März brachte die Luchsin „Gitanilla“ in einem speziellen Zucht- und Auswilderungszentrum in der andalusischen Provinz Huelva zwei Junge zur Welt – ein Drittes sollte alsbald folgen. Für viele der krisengebeutelten Spanier waren die Bilder der Livekamera ein aufmunternder Lichtblick:

 

 

Das verantwortliche Luchsprojekt „Lynxexsitu“ verfügt gegenwärtig über 26 Zentren in ganz Spanien. 26 Luchspaare befinden sich auf das ganze Land verteilt abhängig von den Installationen der Zentren und der Genetik der Individuen. Damit ist der erfolgreiche Nachwuchs aber noch keinesfalls garantiert. Die territorialen Luchse akzeptieren ihre potentiellen Partner nicht zwangsläufig – doch „Gitanilla“ und ihr „Macho“ Damán liessen sich schliesslich aufeinander ein – und erfreuen die Welt mit ihrem Nachwuchs (Restauracion de Ecosistemas).

Reger Verkehr

Trockenlebensräume
Der Iberische Luchs ist ein Bewohner der Trockenlebensräume in Spanien

Die Beiden waren nicht die Einzigen in den letzten Wochen, welche ihre Betreuer mit frisch geborenen Jungen entzückten. Am vorangegangenen Samstag war bereits ein Jungtier in Jaén zur Welt gekommen. Darüber hinaus wird in diesem und dem nächsten Monat von 22 weiteren Paaren der Nachwuchs erwartet (Restauracion de Ecosistemas). Das Projekt Lynxexsitu verfügt über Live Cameras, mit denen der Verlauf auch aus dem Internet verfolgt werden kann:

https://lynxexsitu.es/directo.php

Im Anschluss werden die Exemplare ausgewildert. Vielleicht kann mit diesen aufwändigen Projekten das Aussterben des Iberischen Luchses tatsächlich gestoppt werden. Und der Tasmanische Wolf bliebe im kryptiden Nirvana ausgerottener Tierseelen auch weiterhin ohne Konkurrenz.


Zum Weiterlesen:

Projekt Lynxexsitu

https://lynxexsitu.es/directo.php

Restauración de Ecosistemas:

Esta mañana han nacido dos linces en el Centro de Cría del Lince Ibérico El Acebuche

Gil-Sánchez, J. M.: El lince ibérico. In: Lozano, j./Lacasa, M., El libro de los carnivoros. Barcelona: Photodigiscoping.

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