Der Japanische Fischotter – Versuch eines schwierigen Portraits 2

Lesedauer: etwa 14 Minuten
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Den ersten Teil dieses Beitrages über Japanische Fischotter, ihre mythologische Bedeutung und Geschichte findet ihr hier.

 

Zweite Suche 1994

In diesem Jahr kehrten Zoologen zu der Stelle zurück, wo sie die Exkremente gefunden hatten. Dabei fand man Urin, von dem man annahm, dass es aus der Ranzzeit der Otter stammte. Daraufhin nahm die Regierung der Kochi-Präfektur von Oktober 1994 bis April 1995 eine Fotofalle in Betrieb. Die einzigen Tiere, die sich jedoch vor der Kamera zeigten waren Marderhunde (Nyctereutes procyonoides). (Nicht ausreichend belegt, zu finden auf: Englischer Wikipedia-Seite, AnimalFandom u.a.).

 

Marderhund
Ein Marderhund

 

Dritte Suche 1996

Zwischen dem 4. und dem 9. März 1996 durchkämmte eine Gruppe aus Zoologen, lokaler Verwaltungsbeamten und interessierten Laien die Gegenden, wo in der Vergangenheit Otter gefunden worden waren. Darunter befand sich die Küstenregion in Susaki, Gebiete entlang des Niyodo-Flusses in Sakawacho und Inocho, sowie entlang des Shimanto-Flusses. Alle Orte befinden sich entweder in der Präfektur von Ehime oder in Kochi, wo ja der letzte Otter gesichtet worden war. Kein Beweis für die Anwesenheit von Ottern wurde gefunden (nicht ausreichend belegt, zu finden auf: Englischer Wikipedia-Seite, AnimalFandom u.a.).

 

Otter-Losung
Losung vom Europäischen Fischotter (Beispielbild by Fernando Losada Rodriguez)

 

1999: Funde von Exkrementen?

Professor Michida tat gegenüber der Zeitung Mainichi auch die Hoffnung kund, dass der Otter überlebt haben könnte: „Es gab 1999 einen bestätigten Fall von Otter-Exkrementen. Ich denke, dass es möglich ist, dass sie noch immer existieren und ich würde gerne meine Nachforschungen in diese Richtung weiterführen“ (zitiert nach: Cryptomundo). Dabei wird betont, dass sich Japans Otter vor allem von Krabben ernährten – und die gefundenen Exkremente wiesen daher eindeutig auf einen Otter hin (nicht ausreichend belegt, zu finden auf: Cryptomundo, Scientific American)

 

„höchst vertrauenswürdige Sichtung“ im Jahre 2009

In einem anderen, bereits erwähnten Zeitungsartikel des Mainichi aus dem Jahre 2017 (siehe oben), sprach Michida von Sichtungen der Kochi-Präfektur im Jahre 2009. Darunter befand sich auch eine „höchst vertrauenswürdige Sichtung“ eines Künstlers, der seinem Bericht eine Skizze beilegte. Die abgebildeten Charakteristiken des Japanischen Fischotters – die kleinen Ohren und der Schwanz – seien laut Machida hier sehr gut erfasst (belegt bei Mainichi News vom 28. März 2017).

 

Japanischer Fischotter 1979 Kochi mit Narbe
Ein 1979 fotografierter Japanischer Fischotter

 

2012: Das offizielle Aus für Japanische Fischotter

Dennoch war die Geduld des Umweltministeriums des Japanischen Umweltministeriums schon bald zu Ende. Am 28. August 2012, drei Jahre nach der letzten bestätigten Sichtung, wurde der Otter von dieser Behörde offiziell für ausgestorben erklärt (TsukuBlog). Auch von anderen Arten, darunter eine Fledermausart (Rhinolophus pumilus miyakonis) sowie der Kragenbär auf der Insel Kyushu verabschiedete man sich an diesem Tag von offizieller Seite (Scientific American).

 

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Nach 2012 – Symboltier und mehr Sichtungen

Hatte der Schutz des Otters in der öffentlichen Meinung vor den 2000-er Jahren noch Priorität, so avancierte der Japanische Fischotter danach zum Symbol für regionale Entwicklung (und Identität), die an einer stabilen Umwelt gemessen wurde (Yamamoto & Ando, 2011: 32 – 33), ganz ähnlich, wie andere Tierarten in Japan. Auch vor diesem Hintergrund erklärt sich wohl die bürgerliche “Entrüstung” über das offizielle Aussterben des Otters. Folklore-Blogger Avi Landau hierzu: “sogar nach der offiziellen Erklärung wurde das Ministerium mit Anrufen von Bürgern überflutet, die den Otter gesehen haben wollen – so ein Freund von mir, der beim Ministerium arbeitet” (TsukuBlog).

 

Skelett des Japanischen Fischotters
Skelett des Japanischen Fischotters am Tokio Museum für Natur und Wissenschaft (Foto: Momotaru)

 

Widerspruch der Regionen!

Die regionalen Präfekturen waren (und sind) indes stets bemüht, die Existenz des Japanischen Fischotters zu beweisen. Ja, sie gehen sogar soweit, der nationalen Deklaration zum aktuellen Stand des Otters als ausgestorbenes Tier zu widersprechen. Auf der Roten Liste der Präfektur Ehime wird der Japanische Fischotter als “gefährdete Art” geführt. “Es gibt gelegentlich Berichte über Sichtungen und es besteht die Möglichkeit, dass eine kleine Anzahl von ihnen in den Küstengebieten der Nanyo-Region lebt, aber angesichts der Situation im Lebensraum ist die Art vom Aussterben bedroht” (Rote Liste der Ehime Präfektur).

 

Ottersuche in der Ehime-Präfektur

Doch es bleibt nicht bei informativem Widerspruch. Vom 23. April 2014 bis zum 20. März 2015 führte die Präfektur Ehime, die den Otter ja auch als ihr Symboltier trägt, eine systematische Suche nach dem Otter durch. Fotofallen wurden aufgestellt. Zeugen befragt. Doch vor die Kamera trotteten 15 Säugetierarten, aber kein Otter. Vermeintliche Otterkadaver entpuppten sich, wie früher im benachbarten Kochi auch schon (Yoshikawa et. al., 2017: 335), als Fleckenmusang (Paradoxurus hermaphroditus), der zur Familie der Schleichkatzen gehört.

 

Fleckenmusang
Historische Abbildung eines Fleckenmusangs (Lydekker, 1896)

 

Japanische Fischotter: Alte und neue Sichtungen

Die Ottersichtungen, die bei dieser Suche gesammelt wurden, liegen teilweise 60 Jahre zurück. Allerdings gibt es auch neuere Berichte, so zum Beispiel aus dem Jahre 2011, als ein Bürger einen Otter vor der Küste der Region Chuyu in 500 Meter Entfernung gesehen haben will, “schwebend im Wasser, als würde er im Takt der Wellen fliegen”. In geringerer Entfernung, aber ebenfalls vor der Küste von Chuyo soll ein Otter beobachtet worden sein, “als mehrere Personen zugegen” waren. (Anm. d. Red.: Hier liegt möglicherweise ein Fehler bei der Transkription aus dem Japanischen vor. Wir konnten keine Orte oder Regionen des Namens in Japan finden.)

 

Ein anderer Zeuge will mehrere “otterähnliche Tiere” (schwarz, leicht weiß, langschwänzig – und nicht maskiert wie eine Schleichkatze) gesehen haben. Die anderen Sichtungen liegen 10 Jahre oder mehr zurück. Es gibt auch Berichte über einen versehentlichen Fang eines Otters. Der Fänger hatte dieses Tier noch nie zuvor gesehen, erkannte es aber als Otter, weil es einen “Sauger an der Pfote hatte”. Die Ohren waren klein, der Kopf scharf und flach. Schließlich entließ er es wieder in die Freiheit (alle Sichtungen zu finden im Bericht der Ehime Präfektur von der Otter-Suche 2014/2015, S.5).

 

Keine „direkten Beweise“

Auch wenn keine “direkten Beweise” für die Existenz des Japanischen Fischotters gefunden würden, geben sich die Verantwortlichen im Abschlussbericht kämpferisch: “Es ist nicht leicht, das Überleben des japanischen Flussotters festzustellen. Er weist eine extrem niedrige Populationsdichte auf und es ist notwendig, die Untersuchung so lange wie möglich fortzusetzen, um die Möglichkeit zu erhöhen, Hinweise zu finden.“ (Bericht der Ehime Präfektur von der Otter-Suche 2014/2015).

 

Brücke
Brücke an einer Flussmündung in der Ehime-Präfektur. Wie oft in Japan ist das Tiefland maximal entwickelt, die Berge aber noch bewaldet.

 

2017 – der Durchbruch?

Doch drei Jahre später, im Februar 2017, sollte der fehlende “direkte Beweis” endlich gelingen. Allerdings 400 km weiter westlich von der Ehime-Präfektur, genauer gesagt auf der Tsushima-Insel auf dem halben Weg nach Südkorea. Ein Forscherteam hatte Fotofallen aufgestellt, eigentlich zur Beobachtung von Tsushima´s gefährdeter Leopardkatze (Prionailurus bengalensis). Und plötzlich geschah es! Da spazierte vor die Kamera doch tatsächlich ein gut genährter und adulter…Otter! (Kyodo News vom 17. August 2017).

 

Prionailurus bengalensis, die Leopardkatze (Foto: paVan)

 

Die Überraschung war groß. Eine Pressekonferenz wurde abgehalten. Schnell rollten Reminiszenzen an den letzten Japanischen Otter aus dem Jahre 1979 durch die Presse.

 

War der Beweis für einen überlebenden Japanischen Fischotter nun endlich geglückt?

 

Forscher haben weitere Proben vor Ort genommen, eine taxonomische Untersuchung eingeleitet. Und schon bald musste ihr Verantwortlicher, Professor Hiroshi Sasaki von der Chikushi Jogakuen Universität, die anfänglichen Hoffnungen wieder dämpfen. “Es ist unwahrscheinlich, dass es sich bei dem Tier um Nachkommen von der Insel Shikoku [und damit meinte er die Japanischen Otter] handelt.” Die Ähnlichkeiten und DNA-Analyse der gefundenen Exkremente sprechen viel eher für einen Eurasischen Otter. “Es handelt sich also nicht um einen Japanischen Otter im engeren Sinne“ (Eartouch-News vom 19. Oktober 2017).

 

Tsushima
Tsushima ist deutlich subtropisch geprägt.

 

Wie war der Otter auf die Insel gekommen?

Eurasische Otter sind auf der koreanischen Halbinsel zu Hause. “Das ist nur ein Steinwurf von der Tsushima-Insel entfernt”. Die Otter könnten also durch die Strömung auf die Insel gedriftet oder aktiv herübergeschwommen sein. Das Japanische Umweltministerium schloss auch nicht aus, dass die Otter schon “in historischen Zeiten” auf der Insel heimisch geworden waren (Eartouch-News vom 19. Oktober 2017).

 

Drei Otter auf Tsushima

Tatsächlich blieb der gefilmte Otter auf der Insel kein Einzelfall. Ein Jahr darauf gab das Japanische Umweltministerium bekannt, dass drei wilde Otter auf der Insel zu Hause sind. Es handelt sich hierbei um zwei Männchen und ein Weibchen. Auch wurde die DNA von 10 Exkrement-Samples untersucht – zwei Otter hatten dabei eine engere familiäre Verbindung. Entweder waren sie Geschwister oder Elternteil und Kind (Japan Times vom 29. März 2018).

 

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Otter-“Hype” in Tokio …

Auch wenn es sich nicht um einen “authentisch japanischen” Otter handelte. Die Meldung aus der Provinz verhallte nicht ungehört in Japans Öffentlichkeit. Nur eine Woche nach der Meldung über den gefilmten Otter gab es in Tokio in einem Café namens Harry Harajuku Terrace Zwergotter (Aonyx cinerea) zu bestaunen und zu betatschen. “Nachdem die Meldung über die Ottersichtung öffentlich wurde, haben sich viele Leute gefragt, wie so ein Otter wohl wirklich ist” so der Manager Mayo Saito. Die Besucher können mit den Tieren interagieren.

 

Zwergotter Aonyx cinerea
Zwergotter Aonyx cinerea leben in Gruppen

 

Im Gegensatz zu den Igeln und den Chinchillas, auf die man in diesem Café ebenfalls trifft, stehen die Otter jedoch nicht zum Verkauf. Dennoch war die Attraktion offenbar ein Erfolg. Selbst in Tokio, einer Stadt der unkonventionellen Cafés, schafften es die Otter, zum Publikumsmagnet zu werden. Und das sowohl bei Japanern als auch bei Ausländern. “Ich denke, von den Ottern geht eine universelle Anziehungskraft aus”, so der Manager des Cafés (Kyodo News vom 13. September 2017).

 

… mit neuen Problemen

Doch dieser neue Otter-Hype hat seine Schattenseiten. Tatsächlich bringt er die Beziehung der Japaner zu “ihren” Ottern vor neue Probleme. Und damit indirekt auch die Kryptozoologie. In Japan sind die Otter die neuen Stars unter den exotischen Haustieren. Vier Otterarten, konkret der Indische Fischotter (Lutrogale perspicillata), der Haarnasenotter (Lutra sumatrana), der Zwergotter sowie der Eurasische Fischotter werden in der Wildnis Südostasiens gefangen und als Haustiere in Japan verkauft. Dort ist man bereit, für so einen Exoten mehrere Tausend Dollar zu bezahlen. Die Südostasiatischen Länder haben den Handel mit diesen Tieren eigentlich reguliert – mit Ausnahme vom Eurasischen Otter braucht man für die Ausfuhr der asiatischen Otterarten eine Erlaubnis.

 

Gegenwärtig planen einige Regierungen, den Handel mit den Tieren ganz zu verbieten. Dennoch floriert der illegale Handel. Einschlägige Social Media Plattformen haben sich zu Umschlagplätzen für den Verkauf von exotischen “Haustieren” gewandelt. Dadurch wird die Arbeit der Polizei erschwert, dem illegalen Tierhandel auf die Schliche zu kommen. Viele Halter der “niedlichen” und verspielten Otter als Haustiere übersehen leider zu oft, dass sie eigentlich keine Haustiere sind. Anstatt an Flussläufen in Gruppen Fischen hinterherzujagen, fristen sie dann alleine ein trauriges Dasein als lebende Plüschtiere isoliert in kleinen Badewannen. Definitiv keine artgerechte Haltung dieser Tiere (National Geographic vom 10. Januar 2019).

 

Japanische Berge
Japanische Berglandschaft

 

… auch für die Kryptozoologie

So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass für das Auftauchen von Eurasischen Ottern in Japans Wildnis, mal wieder, menschliche Ursachen in Betracht gezogen werden. Man spekulierte infolge der Entdeckung des ersten Otters auf Tsushima, ob dieser von Menschen auf die Insel gebracht worden war (Kyodo News vom 17. August 2017). Allerdings bedachte man diese Möglichkeit noch bevor dort die Anwesenheit von mehreren Ottern bestätigt wurde. Angesichts der Beliebtheit der Otter als Haustiere in Japan wäre es dennoch nicht überraschend, wenn tatsächlich einmal ein ausgebüxtes Exemplar vor eine Fotofalle tappen würde.

 

Otter oder “Flussmonster” – wer ist hier der Kryptid?

Der Vollständigkeit halber soll erwähnt werden, dass der Japanische Otter, wenn mittlerweile auch selbst ein Kryptid, mitunter auch Erklärung für Japanische “Flussmonster” ins Gespräch gebracht wird (Cryptomundo). Allen voran der Matsudodon (benannt nach der Stadt Matsudo bei Tokio) am Fluss Edo, ein robbenähnliches Tier mit Katzenkopf und Klauen an den Armen, das im Jahre 1973 von zahlreichen Zeugen gesehen worden sein soll. Auffällig war der “verspielte Charakter” des Tieres, der bis zur Interaktion mit Fischern reichte (Mysterious Universe).

Nicht verwunderlich, dass man hier – neben einem Flossenfüßer – auch an einen Otter denken muss.

 

Fazit: Japan ohne Otter. In jeder Hinsicht ein Verlust

Es scheint, als wären in der komplizierten Beziehung des modernen Japans zu “seinen” Ottern noch längst nicht alle Steine aus dem Weg geräumt. Gerade aus diesem Grund ist es eigentlich zu begrüßen, dass auf lokaler Ebene nach wie vor versucht wird, die letzten japanischen Otter ausfindig zu machen und zu schützen. Natürlich ist es aus der Ferne schwer zu beurteilen. Doch angesichts der Abwesenheit von “soliden Beweisen” ist es fraglich, ob die engagierte Suche nach überlebenden japanischen Ottern Aussicht auf Erfolg haben wird.

 

Bach ohne Japanische Fischotter
Ohne Japanische Fischotter sind die Gewässer des Landes ärmer

 

Tatsächlich wäre der endgültige Verlust dieser endemischen Tiere in vielerlei Hinsicht schade. Aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten, weil damit ein Puzzlestein in Japans partikularer evolutionsgeschichtlicher Entwicklung verloren geht. Aus ökologischen Gründen, weil dann ein integraler Bestandteil von Japans Fluss-Ökosystem fehlt. Auch für die Artenvielfalt ist es ein herber Schlag, wenn eine lokale Form einer Art (oder gar eine ganz eigene Art) ausstirbt.

 

Japanische Uferlandschaft
und auch die Kultur ist ohne ihn ärmer…

 

Doch nicht zuletzt ist das Verschwinden des Japanischen Otters vor allem auch ein kultureller Verlust. Er führt die Tragödie von Japans Weg in die Moderne (und auch das aller Industrienationen) ein weiteres Mal auf drastische Weise vor Augen. So besagt es ein japanisches Volksmärchen (Japanese Folk Tale Review) – der Otter geht mit dem lokalen Fischer. Und so stirbt mit dem Otter auch ein Stück lokaler Identität. Vor diesem Hintergrund ist der Nachweis von Eurasischen Ottern auf der Insel Tsushima doch ein höchst erfreulicher “Trostpreis”. Die Zukunft lässt hoffen.

Zumindest auf der Insel Tsushima.

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