Kryptozoologische Presseschau 05/2021

Lesedauer: etwa 28 Minuten
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Liebe Leserinnen und Leser,

 

beim Durchsehen der Meldungen für diese Woche musste ich staunen, sage und schreibe 65 Bookmarks mit Meldungen habe ich in den letzten 14 Tagen hinterlegt. So viel hatten wir noch nie. Und es sind wirklich alle Themen dabei, von Nessie bis Muschelkrebs, von Seepferdchen bis Tyrannosaurus rex, von Alaska bis Neuseeland, von modernster Tiefseeforschung bis zu den Wandmalereien der Ägypter. Bigfoot spielt diese Woche eine besondere Rolle, wir haben insgesamt drei Beiträge über diesen Kryptiden, ein vierter stand an, ist aber in der internen Verifizierung stecken geblieben.

Auch wenn wir diese Woche fast eine halbe Stunde Lesezeit haben, lohnt es sich, jeden einzelnen Artikel zu lesen. Viel Spaß damit.

 

Andererseits gibt es Dinge, über die ich mich noch mehr freue: Die ersten größeren Formationen von Kranichen sind über uns hinweg gezogen, die Frühblüher sprießen reichlich, von Krokus bis Hasel. Heute, Sonntag, soll auch wieder hervorragendes Kranich-Flugwetter sein. Ich nutze den Sonnenschein und versuche, weiter Vögel auf den Chip zu bannen.

 

Und es gibt noch einen weiteren Grund, sich zu freuen: Mit etwas Schaffensschmerz hat unser Autor Markus Kretschmer seine eigene Website auf den Weg gebracht. Heute morgen geht sie offiziell online: www.DieWeissenSteine.de

 

Da die Meldungen diese Woche so zahlreich sind, halte ich mich mit länger mit Vorreden auf, sondern gehe sofort zu den Meldungen über.

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser

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Einstein: Die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit

Jetzt hat die kleine Maus doch wirklich das große Käsefest in Bern verpasst! Genau einen Tag ist sie zu spät gekommen. Wie konnte das passieren? Die Maus beginnt, sich mit dem Thema Zeit zu beschäftigen. Egal, wie viel sie lernt, eine Frage bleibt: Lässt sich die Zeit anhalten oder sogar zurückdrehen? Nach vielen vergeblichen Versuchen gelingt es der Maus durch ihren Erfindungsgeist und die Aufzeichnungen eines gewissen Albert Einstein, in die Vergangenheit zu reisen. Doch Zeitreisen will gelernt sein, und die Maus verfehlt ihr Ziel um knapp 80 Jahre. Wie soll sie jemals wieder in ihre eigene Zeit zurückkehren? Dann aber hat sie Glück im Unglück, denn jemand kreuzt ihren Weg, der wenig später unsere Vorstellung von Raum und Zeit auf den Kopf stellen sollte…

 

Einstein: Die fantastische Reise einer Maus durch Raum und Zeit hat 128 fantastisch illustrierte Seiten und wendet sich an (Eltern von) Kinder(n) ab 5 Jahren.

 

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Die Meldungen im Einzelnen:

War die Story von Casey nur wieder aufgewärmt?

Vor 14 Tagen berichteten wir über den 3jährigen Casey Hathaway aus Ernul im US-Bundesstaat North Carolina. Dabei nutzten wir ein US-Nachrichtenportal als Quelle. Es gab an, Casey sei am 22.1. beim Spielen im Garten der Großmutter nicht nach Hause gekommen. Erst drei Tage später hätte ihn eine Mitarbeiterin von Suchkräften gefunden. Casey soll gesagt haben, er sei von einem Bär bewacht worden – was Bigfoot-Freunde schnell den Schluss ziehen ließ, dass ein solches Wesen aufgepasst habe.

 

Leider konnte ich aufgrund knapper Zeit nicht tiefergehend recherchieren, aber die Geschichte kam mir bekannt vor. Kein Wunder, die Berliner Morgenpost hatte fast exakt 2 Jahre vorher exakt die selbe Geschichte, mit den selben Namen und dem selben Ort publiziert.


Polizist meldet 7-fuss-großen Hominiden am Straßenrand – verschwunden

Der Polizist Rick Bates berichtete der Bigfoot Field Research Organisation folgendes:

 

 

Ich fuhr am [23. Januar 2021] von Brookings, Oregon, nach Hause. Ich war auf dem Highway 101 in südlicher Richtung, südlich von Garberville (Kalifornien) und südlich des Benbow Inn. Die Straße macht einige Kurven und das Tempolimit fällt in der Gegend ab. Als ich um eine Rechtskurve bog, sah ich eine Gestalt am Straßenrand auf der rechten Schulter liegen. Ich war das einzige Fahrzeug in der Gegend gegen 20:15 Uhr. Meine Geschwindigkeit war ungefähr 45-50 MPH, als ich die Gestalt passierte. Sie lag auf der rechten Straßenseite. Ich schätzte die Höhe auf ungefähr sieben ft. Ich schaute auf den Rücken der Kreatur und bemerkte, dass sie breite Schultern und eine dicke Rumpfform hatte. Während die Form einem Menschen ähnlich war, war sie nicht menschlich. Es war auch kein Bär. Ich konnte muskulöse Züge in seinen Gesäßmuskeln und einen Kopf auf den Schultern sehen, der sich etwas nach oben verjüngte und der nicht auf dem Boden lag. Das Haar war schokoladenbraun und sehr natürlich. Das Haar war überhaupt nicht wie das Fell eines Bären.

 

Ich drehte mich ein Stück hinter der Stelle um und kehrte dorthin zurück, wo ich sie gesehen hatte. Von der Zeit, als ich die Kreatur sah, bis zu meiner Rückkehr an ihren Standort geschätzte zwei Minuten waren keine anderen Fahrzeuge nach Norden oder Süden gefahren. Als ich an der Stelle ankam, an der ich es gesehen hatte, war die Kreatur verschwunden.

 

 

Dies meldet die Singular Fortean Society (SFS). Dort hat man bereits erste Plausibilitätsprüfungen angestellt. Im Rohnert Park Police Departement ist ein Sergeant Rick Bates beschäftigt.

 

Unser erster Realitätscheck ergab, dass die Sonne am 23.1.2021 in Garberville um 17:23 Uhr untergegangen ist. Die Beobachtung fand also knapp 3 h nach Sonnenuntergang statt, es muss stockfinster gewesen sein. Ob man im Scheinwerferlicht bei 70 bis 80 km die Details einer Kreatur am Straßenrand erkennen kann, während man das Auto lenkt?

 

Quellen: Singular Fortean Society; SunEarthTools


Florida: Bigfoot-Jäger filmt mysteriöse Figur auf einem Feld

Der Daily Star hat ein Video der BFRO Facebook-Seite zitiert, auf dem eine ungewöhnliche, zweibeinige Kreatur zu sehen ist. Das dunkle Wesen überquert gemessenen Schrittes eine Lichtung, die für Strom-Freileitungen offen gehalten wird.

Die Figur auf dem Handy-Video ist jedoch für eine Untersuchung zu klein.

 

Quelle: Daily Star vom 21.2.2021


Bigfoot-Diebe haben erneut zugeschlagen

Wir berichteten bereits, dass überall in den USA große Bigfoot-Figuren gestohlen werden. Diesmal schlugen sie in Marion, North Carolina zu und stahlen eine 150 Pfund (ca. 60 kg) schwere, etwa 1 m hohe Beton-Figur. Bigfoot ist das „offizielle Tier“ der Gemeinde Marion, die Stadt veranstaltet jedes Jahr ein Fest zu seinen Ehren.

Bigfoot
Eine Bigfoot-Statue aus Holz

Wenn es so läuft, wie mit vielen vergangenen „Bigfoot-Entführungen“, könnten die Diebe eine „Belohnung“ für die Entdeckung der Statue fordern. Sie taucht danach irgendwo an einem abgelegenen Ort wieder auf.

 

Quelle: Tim Binnall in Coast-to-Coast am 16.2.2021


Der älteste beringte Vogel ist wieder Mutter geworden

„Wisdom“, ein Laysan-Albatros-Weibchen ist erneut Mutter geworden. Am 1.2.2021 schlüpfte ihr Küken auf Midway im Zentralpazifik. Wisdom ist mindestens 70 Jahre alt. Sie und ihr aktueller Partner Akeakamai haben mindestens seit 2012 immer wieder Junge.

 

Wisdom hat in ihrem Leben vermutlich mindestens 30 bis 36 Jungtiere großgezogen, schätzen Wissenschaftler. 2018 konnten Biologen ihr Jungtier von 2011 nur wenige Meter von ihrem Nest auf Midway entfernt beobachten.

 

Quelle: Medium.com


Florida hat ein neues Flussmonster

Florida hat sich zu einer Art Exoten-Freiluftzoo entwickelt. Von Pythons über Nilkrokodile, Leguane, Capybaras und mindestens 50 Arten Aquarienfische haben sich allerlei Exoten aus dem Heimtierhandel dort etablieren können. Nun scheint eine weitere, riesige Art hinzu zu kommen: Leah Getts aus Cape Coral meldete der Fort Myers News Station WBBH, dass sie im Caloosahatchee-River einen Arapaima beobachtet habe.

„Er war größer als mein siebenjähriger Sohn. Ich dachte „Das ist nichts, was ich vorher schonmal gesehen habe“. Das Tier hatte einen rötlichen Schwanz“, schildert Getts ihre Beobachtung. „Als man mir sagte, es sei ein Arapaima, sah ich mir Bilder an und war totsicher.“

 

Arapaima

 

Arapaimas leben natürlicherweise im Amazonasbecken und gehören zu den größten reinen Süßwasserfischen. Sie können Längen von mehr als 2 m erreichen und werden mehr als 20 Jahre alt. Als Jäger könnten sie großen Einfluss auf die Süßgewässer Floridas haben. Sie können durch Schwimmblasenatmung Trockenphasen gut überstehen, sind jedoch gegen gelegentliche Kälteeinbrüche empfindlich.

 

Quelle: Orlando Weekly


Wo wir schonmal dabei sind:

Alligatorhecht in Singapur angeschwemmt

Am Ufer des MacRitchie-Stausees in Singapur wurden die Überreste eines Alligatorhechtes angeschwemmt. Obwohl das Tier als „prähistorisches Ungeheuer“ durch die Presse gegangen ist, hatten die städtische Wasserversorgung und die Nationalpark-Leitung sofort gemeinsam veröffentlicht, dass es sich um einen Alligatorhecht Atractosteus spatula handele. Diese Art kommt im Stromgebiet des Mississippi und in den kleineren Strömen am Golf von Mexiko vor.

Alligatorhechte
Alligatorhechte im Aquarium

Die Tiere werden gelegentlich als Zierfische oder Besatzfische für „Big Game“-Angelteiche gehandelt. Auf diesem Weg könnten der Fisch nach Singapur gekommen sein. Alligatorhechte können unter guten Bedingungen mehr als 2 m lang und 100 kg schwer werden. Es ist gut vorstellbar, welchen Einfluss diese Tiere auf andere Gewässersysteme haben. Das Aussetzen von exotischen Tieren in Singapur kann unangenehm teuer werden, bis zu 3000 Singapur-Dollar sind fällig (etwa 1500 €).

 

Quelle: The Indepedent


Rekordzahl von Bibern in Großbritannien ausgesetzt

Der Wildlife Trust Großbritanniens hat in den Landschaften Dorset, Derbyshire, Hampshire, der Isle of Wight, Nottinghamshire und Montgomeryshire zahlreiche Biber ausgesetzt. Im letzten Jahr hatten sich zusätzlich am Otter-River in Devon Biber „inoffiziell“ angesiedelt, die Regierung entschied, sie können dort bleiben.

 

schwimmender Biber
In Großbritannien sind Biber willkommene Neu-Altbürger.

 

Craig Bennett, Vorsitzender der Wildlife Trusts sagt dazu: „Biber sind eine fantastische Schlüsselart. Sie spielt eine gewaltige Rolle in der Verwirklichung von Wildnis in Großbritannien.“ und weiter: „Die Vorteile für die Menschen sind klar: Biber helfen, Überschwemmungen zu verhindern, filtern Schwebstoffe aus dem Wasser und schaffen Lebensräume für Otter, Schermäuse und Eisvögel. Und die Leute lieben es, sie zu sehen, ihre Anwesenheit verstärkt den Tourismus im Hinterland.“

 

Der Guardian weiß noch mehr.


Grauwale lernen riskante Nahrungsbeschaffung

gestrandeter Grauwal
Mitarbeiter der Fisheries and Oceans Canada vermessen einen gestrandeten Grauwalkadaver, Mai 2020

Den Grauwalen an der US-Westküste geht es zur Zeit nicht gut (wir berichteten). Sie unterliegen derzeit einer Periode schlechter Nahrungsversorgung und erhöhter Sterblichkeit. Doch anstatt einfach so zu hungern hat sich eine Gruppe von ihnen, die „Sounders“ eine neue, riskante Art der Nahrungsbeschaffung einfallen lassen.

Die Sounders stellen eine Gruppe von Tieren dar, die von März bis Mai im Pudget Sound verbleiben. Mittels Drohnenaufnahmen haben haben Wissenschaftler nun herausfinden können, was sie anders machen, als die Durchreisenden: Sie wandern in den Possession Sound, einen Nebenarm des Pudget Sound, der nahe des Boeing-Werkes in Everett liegt. Dort finden sie am Boden die Amerikanische Glasgarnele Neotrypaea californensis in dichten Populationen. Die brauchen sie nur aus dem Schlamm aufzupusten und einzusammeln. „Es ist bemerkenswert“, kommentiert John Durban, Senior Scientist bei den Southall Environmental Associates, „sie haben eine Strategie für sich entwickelt, die funktioniert. Ich war fast schockiert, wie schnell sie ihre Statur von ausgemergelt in wohlgenährt ändern.“

 

Doch dabei gibt es ein Problem: Die Wale wandern bis zu einer Meile in den Tidenbereich hinein. Sie riskieren damit, bei Niedrigwasser auf Grund zu laufen und trocken zu fallen. Daher müssen sie sich selbst im Delta des Snohomish River sehr gut auskennen, immer wissen, wo sie sind, wann das Wasser wie hoch steht und wie sie bei Ebbe da raus kommen. Die Beobachtungen belegen, dass die Sounders ihre Fressaktivitäten exakt mit dem Hochwasser synchronisieren. „Manchmal liegen sie einfach nur auf dem Boden und warten, dann fressen sie ungeheure Mengen für 2 Stunden bei Flut“, beschreibt John Calambokidis, Forscher bei Cascadia ihr Verhalten.

 

Die Seattle Times weiß noch mehr.


Russland: Blaue Hunde geben Rätsel auf

„Bekannt wie ein bunter Hund“, sagt der Volksmund. Und tatsächlich, kaum tauchen im russischen Dserschinsk, 360 km östlich von Moskau, blaue Hunde auf, steht es hier in den News. Laut n-tv wurden insgesamt sieben blaue Hunde eingefangen und in Tierkliniken gebracht. Vermutlich gehören die Tiere alle zu einem Rudel verwilderter, nahezu weißer Hunde, die auf dem Gelände einer stillgelegten Fabrik für Acrylglas leben. Die Agentur Ria Nowosti meldet unter Berufung auf den Insolvenzverwalter, dass sie möglicherweise mit Kupfersulfat in Kontakt gekommen sind.

 

Blaue Hunde

 

Die Farbe der Hunde wirkt tatsächlich, als hätten sie Kontakt mit blauem Kupfersulfat gehabt. Allerdings stellt sich dann die Frage, was diese Substanz in einer Fabrik für Acrylglas zu suchen hat. Für die Herstellung von Polymethylmethacrylat, so die chemische Bezeichnung von Acrylglas, wird weder ein Kupfersalz noch ein Sulfat benötigt. Wieso diese Substanz dann in so großen Mengen in einer stillgelegten Fabrik lagen soll, ist unklar.


Schwarzfußiltis geklont – Eine Chance für den Artenschutz?

Der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) war ein in den Prärien Nordamerikas weit verbreiteter Marder. Schwarzfußiltisse nutzen als Beutetier überwiegend Präriehunde. Deren Ausrottung als Landwirtschaftsschädlinge führte entsprechend zum Zusammenbruch der Schwarzfußiltis-Populationen. 1996 wurde der Schwarzfußiltis von der IUCN Red List als in der freien Wildbahn ausgestorben gelistet. Dank Nachzuchtprogrammen und Schutzgebieten ist das Überleben dieser Art gesichert. Der heute in freier Wildbahn lebende Bestand geht auf in Gefangenschaft gezüchtete Individuen zurück. Sie leiden stark unter Inzuchtproblemen.

Schwarzfußiltis
Der Schwarzfußiltis war in der Natur bereits ausgestorben

Im Jahr 2020 begründeten der Zoo von San Diego, die Naturschutzorganisation Revive & Restore, das ViaGen Pets and Equine Company und der U.S. Fish and Wildlife Service ein Klonprojekt. Als Basis für zukünftige Klone wurde die DNA eines Mitte der 1980er Jahre gestorbenen Weibchen namens Willa ausgesucht. Wille hat keine heute lebenden Nachkommen. Dies hat zur Folge, dass das Genom eines völlig „neuen“ Tieres in die Population einfließt und die genetische Basis erweitern kann.

 

Am 10. Dezember 2020 kam der Klons auf die Welt: Ein Weibchen, das Elizabeth Ann genannt wurde. Die Projektbeteiligten hoffen, durch diese Maßnahmen den Genpool der Iltisse zu vergrößern und damit gegen die silvatische Pest widerstandsfähigere Tiere zu züchten. Experten schätzen, dass das Genom dieses Weibchens dreimal so viel genetische Vielfalt enthält wie das der noch existierenden Schwarzfußiltisse.

 

Kommentar: Hier haben die Wissenschaftler tatsächlich ein Tier klonen können, das für die Population der Schwarzfußiltisse wertvoll ist. Anders als bei der puren „Verdoppelung“ bereits bestehender Individuen (wie es bei Dolly passierte), kommt hier das Genom eines „neuen“ Tieres in den Genpool. Hierfür ist der Schwarzfußiltis eine besonders gut geeignete Art: Die Lebensbedingungen wurden wieder hergestellt, es gab tiefgefrorene Zellen der Art und die Technik ist offenbar robust genug.

Bleibt zu hoffen, dass entweder das Telomer-Problem gelöst ist, Elizabeth Ann schnell kräftige Männchen als Nachwuchs bekommt oder die Zellspenderin zu dem Zeitpunkt nicht sehr alt war. So kann sich ihr Beitrag optimal im Genpool ausbreiten.

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Bestiarium – Ein Mahnmal

Erschreckend, welche Tierschicksale dieses Buch offenbart. Dieses Buch verdeutlicht die menschliche Ignoranz gegenüber seiner Umwelt und die unglaubliche Rücksichtslosigkjeit im Umgang mit der Natur. Überall dort, wo der Mensch sich in den letzten 12.000 Jahren niedergelassen hat, sind die meisten Großtiere ausgestorben. Warum wohl? Das Buch ist ein Mahnmal und eine Aufforderung an uns, sorgsamer mit den Ökosystemen der Erde umzugehen – sonst sind wir bald selbst die nächste Spezies, die aussterben wird. (Aus einer Amazon-Bewertung)

 

Bestiarium: Zeugnisse ausgestorbener Tierarten hat 168 großformatige Seiten und ist 2014 bei Haupt erschienen.

 

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Die Polizei warnt: Lebensgefahr bei Wolfstourismus!

Wolf auf einem bemoosten Felsen
Rezenter Grauwolf

 

Allerdings geht diese Gefahr mitnichten von den Wölfen aus. Die Polizei bezieht sich hierbei auf Wolfstouristen, die sich auf dem militärischen Sperrgebiet bei Nordhorn eingefunden haben. Hier geht eine akute Gefahr von Munitionsrückständen aus etwa 100 Jahren militärischer Nutzung aus.  Insbesondere Sprengstoffreste, aber auch ganze Granaten und Landminen könnten im Boden verborgen sein.

Nach Recherchen des polizeilichen Staatsschutzes in sozialen Medien gibt es eine Facebook-Gruppe mit mehr als 700 Mitgliedern. Einige von ihnen versuchen wohl, in einer Art Abenteuer-Expedition dem auf der Nordhorn Range ansässigen Rudel nachzustellen. Diese selbsternannten Wolfsbeobachter hätten sogar kleine Lagerfeuer entfacht, was wegen der Munitions-Altlasten schnell tödlich enden kann.

 

Unser dringender Tipp: Freut euch, wenn ihr Wölfe beobachten könnt, aber geht nur unter sachkundiger Führung in militärische Sperrgebiete. Ansonsten lasst die Wölfe in Ruhe!


Verschollene Vogelart nach über 170 Jahren wieder beobachtet

Der Schwarzbraun-Mausdrossling Malacocincla perspicillata ist eine der vielen „Einmal und nie wieder nachgewiesenen“ Vogelarten. Irgendwann zwischen 1843 und 1848 wurde ein einziges Tier dieser Art irgendwo in den Dschungeln Borneos gesammelt, wo genau ist heute nicht mehr feststellbar. Doch dieses eine Exemplar, Holotyp der Art, heute im Naturalis Center in Leiden, NL, belegt, dass die Art existiert(e). Daher galt der Schwarzbraun-Mausdrossling als größtes Rätsel der indonesischen Ornithologie.

 

Der Schwarzbraun-Mausdrossling Malacocincla perspicillata
Der Schwarzbraun-Mausdrossling Malacocincla perspicillata

 

Am 5. Oktober 2020 konnten einige Ornithologen ein Exemplar im Südosten der Insel beobachten, kurzzeitig fangen und fotografieren. Dabei konnten sie den Vogel sicher bestimmen, zumal sie mit verwandten Arten vertraut sind. Sie

stellten sie einige Unterschiede zwischen dem lebenden Exemplar und der bekanntesten Zeichnung von Eaton et al. 2016 fest, so ist die Iris des Vogels rot, nicht gelb und die Beine sind dunkel schiefergrau und nicht bräunlich.

 

Der komplette Fundbericht kann hier als pdf herunter geladen werden. Der Holotyp aus Leiden ist auf deren Webseite zu sehen – mit gelben Glasaugen, der lebende Vogel hat eine rote Iris.


Ölpest in Israel

Die Mittelmeerstrände Israels sind wegen den Folgen einer Ölpest gesperrt. Teerspuren ziehen sich von Haifa im Norden des Landes bis nach Aschkelon an der Grenze zum Gaza-Streifen. Wo diese Verschmutzung her kommt, ist noch unklar. Möglicherweise hatte ein heftiger Sturm alten Teer vom Meeresboden gelöst oder ein Frachtschiff hat seine Tanks illegal gereinigt.

Finnwal bläst
Finnwal der atlantischen Population (CC 2.0 by Aqqa Rosing-Asvid)

Neben einem jungen Finnwal, der im Süden des Landes angeschwemmt wurde, starben zahlreiche andere Meerestiere, auch auf die Seegraswiesen vor der Küste wirkt sie sich verheerend aus. Die israelische Behörde für Natur und Parks sprach von einer der schwersten Umweltkatastrophen in der Geschichte des Landes. Das Umweltministerium sicherte zu, die Ursache der Verschmutzung ausfindig zu machen. Die Säuberungsaktion werde „lang und schwierig“, erklärte das Ministerium.

 

Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu besuchte einen Strand in der Krisenregion. Man habe in Gesprächen mit dem südlichen Nachbarland Ägypten zudem vorgeschlagen, dass Schiffe im Mittelmeer künftig mit umweltfreundlichem Treibstoff ausgestattet werden. „Wenn mehrere Länder zusammenarbeiten, können wir binnen weniger Jahre eine große Veränderung bewirken, so dass das Meer, das Land und die Strände sauber bleiben“, sagte Netanyahu.

 

Quelle: tagesschau.de


Leben, das es nicht geben könnte: Die ersten sessilen Organismen unter dem Schelfeis der Antarktis

In einem See unter der Antarktis, etwa 260 Kilometer vom offenen Ozean entfernt, unter einem Schelfeis eingeschlossen, haben Wissenschaftler seltsame Lebensformen gefunden.

 

Die Kreaturen wurden von der British Antarctic Survey entdeckt, als die Forscher versuchten, eine Sedimentkernprobe unter dem Filchner-Ronne-Schelfeis zu sammeln. Während sie etwa 900 Meter in das Schelfeis tunnelten, traf ihr Bohrer plötzlich einen Felsbrocken. Noch unerwarteter zeigte eine an der Bohrmaschine angebrachte Kamera, dass eine Gemeinschaft von Lebewesen auf dem Felsen saß.

 

Diese „Gemeinschaft der Meeresorganismen“ setzt sich aus sessilen Tieren, den Schwämmen ähnlich, die mutmaßlich mehreren unbekannten Arten angehören. Vorherige Bohrungen haben bewegliche Aas- und Detritusfresser wie Fische, Würmer und Krill in ähnlichen Lebensräumen gezeigt. Sessile Tiere sind typischerweise Filtrierer, die von dem leben, was vorbei geschwemmt wird. Wie diese Tiere in totaler Dunkelheit und Temperaturen von -2,2°C existieren können, ist noch unklar. Auch die Frage nach der Nahrungsversorgung steht im Raum, ist die nächste Quelle für Fotosynthese doch 1500 km weit entfernt.

 

Die Originalarbeit ist als Volltext verfügbar: „Breaking All the Rules: The First Recorded Hard Substrate Sessile Benthic Community Far Beneath an Antarctic Ice Shelf


Zeigt eine 4600 Jahre alte ägyptische Wandmalerei eine unbekannte Vogelart?

Nefermaat war ein hoher Hofbeamter in der 4. ägyptischen Dynastie. Er diente dem König Snofru und seinem Nachfolger Cheops.

In Meidum steht das Grabmal von Nefermaat und seiner Frau Itet. Es ist für seine Wandmalereien berühmt, insbesondere eine Szene mit sechs sehr detailreich dargestellten Gänsen:

 

Meidum-Gänse
Die Meidum-Gänse

Die Gänse sind so detailreich gezeichnet, dass sie problemlos bestimmt werden können. Die beiden äußeren (mit dem Kopf nach unten fressenden) Gänse sind Saatgänse, Anser fabalis. Die beiden linken Gänse, die nach links gucken, sind als Blässgänse, Anser albifrons, zu identifizieren. Spannend sind die beiden nach rechts guckenden Gänse. Die rechte der beiden ist ziemlich sicher eine Rothalsgans Branta ruficollis, während das davor stehende Tier eine deutlich andere Zeichnung zeigt.

 

Einige Kryptozoologen meinen, hier bereits die Abbildung einer unbekannten Art gefunden zu haben. Wir werden uns der Sache noch annehmen, auch unter weiteren Gesichtspunkten.

 

Quelle: phys.org


Geologen finden Asteroiden-Staub im Chicxulub-Krater

Der Chicxulub-Asteroid war wohl der Killer für alle Nichtvogeldinosaurier. Zunächst fanden Forscher eine dünne Sedimentschicht, die reich am Edelmetall Iridium ist, genau zwischen dem Ende der Kreidezeit und dem Beginn der Erdneuzeit. Iridium ist auf der Erde sehr selten, deswegen kam die Idee des außerirdischen Ursprungs schnell auf.

Der Bolide erreicht tiefere Zonen der Erdatmosphäre
Künstlerische Darstellung des Impaktes

Seit man in den 1990ern den Krater im Golf von Mexiko und in der Karibik entdeckte, lässt sich der Einschlag auch genau lokalisieren. Doch bisher fehlte noch direkte Materie des Impaktors.

 

Diese haben Geologen jetzt auch gesichert. Forscher fanden Iridium in einem Bohrkern der IODP-ICDP Expedition in der Impakt-Struktur. Im Krater ist die in den Tagen bis Jahren nach dem Einschlag abgelagerte Sedimentschicht so dick, dass die Wissenschaftler den Staub auf nur zwei Jahrzehnte nach dem Aufprall genau datieren konnten. Damit sind auch die letzten Zweifel widerlegt, die Iridium-Schicht könne möglicherweise doch nicht vom Asteroiden-Einschlag kommen. 

 

Quelle: DOI: 10.1126/sciadv.abe3647 


Die Zähne frühester Primaten beleuchten unsere älteste Vergangenheit

Die Formen versteinerter Zähne von 65,9 Millionen Jahre alten, hörnchenartigen Kreaturen lassen darauf schließen, dass der Ursprung der Primaten bis ins Erdmittelalter zurückverfolgen lässt. Ein Team von zehn Wissenschaftlern aus den USA haben eine Studie veröffentlicht, in der sie belegen,  dass eine alte Gruppe von Primaten, die als Plesiadapiformes bekannt sind, vor dem K-T-Ereignis aufgetreten ist.

 

So stellt sich Andrey Atuchin den frühesten bekannten Primaten, Purgatorius mckeeveri vor (Andrey Atuchin Illustration via Burke Museum).

 

Die Beweise stammen aus einer Analyse von Zahnfossilien, die im Gebiet von Hell Creek im Nordosten von Montana entdeckt wurden. Die Fossilien sind alle von der plesiadapiformen Gattung Purgatorius. Die Forscher sagen jedoch, dass einige der Zähne zur bekannten Ar, Purgatorius janisae gehören, während andere von der neu benannten Art Purgatorius mckeeveri stammen.

 

Das Team datiert die Zähne auf 65,9 Millionen Jahre. Das sind nur 105.000 bis 139.000 Jahre nach dem K-T-Ereignis. Das bedeutet, dass die Vorgänger der beiden genannten Purgatorius-Arten vor dem Massensterben existiert haben müssen.

 

So belegen die Zähne, dass die frühesten Mitglieder der Primatenfamilie zu den Überlebenden des Chicxulub-Impaktes gehörten.

 

Quelle: Royal Society open Science https://doi.org/10.1098/rsos.210050


360.000 Jahre alte DNA gibt neue Hinweise auf die Evolution der Höhlenbären

Ein internationales Forscherteam hat DNA aus einem 360.000 Jahre alten Schläfenbein des ausgestorbenen Höhlenbären Ursus kudarensis extrahiert und sequenziert. Die Knochen wurden  in einer Höhle im Kaukasus gefunden – es ist die älteste Genomsequenz aus einer Umgebung ohne Permafrost. Mithilfe dieses und anderer Genome von Höhlenbären haben sie die Substitutionsraten von Kern- und Mitochondrien bestimmt und die Evolutionsgeschichte von Höhlenbären überarbeitet.

 

Höhlenbär-Rekonstruktion
Rekonstruktion des Höhlenbärs Ursus spelaeus. Image credit: Sergio de la Larosa / CC BY-SA 3.0.

 

Das vom Team analysierte Fossil gehört zu einer Unterart des Höhlenbären im mittleren Pleistozän. Sie wird Ursus kudarensis praekudarensis genannt. Man nimmt an, dass sie Vorfahren des spätpleistozänen kaukasischen Höhlenbären Ursus kudarensis kudarensis ist.

Das Exemplar wurde in der Höhle Kudaro 1 im Südkaukasus in Südossetien, Georgia, gefunden.

 

Quelle: Axel Barlow et al. 2021. Middle Pleistocene genome calibrates a revised evolutionary history of extinct cave bears. Current Biology 31: 1-9; doi: 10.1016/j.cub.2021.01.073

oder per Download als Volltext


Auch Springhasen leuchten unter UV-Licht

Fluoreszenz Springhasen
Die Biofluoreszenz der Springhasen, Abb. aus der Originalarbeit

 

Vor einigen Monaten haben Wissenschaftler an Schnabeltier-Fellen wiederkehrende Muster festgestellt, die im UV-Bereich leuchten.

Bei beiden Arten der Familie der Springhasen konnten Forscher ebenfalls Biofluoreszenz nachweisen. Fluoreszenz entsteht, wenn UV-Licht Atome dazu anregt, im Bereich des sichtbaren Lichtes zu leuchten. Jeder Disko-Besucher kennt Schwarzlicht und entsprechende Leuchtfarben.

Offenbar ist Biofluoreszenz im Tierreich weiter verbreitet, als gedacht. Bei Wirbellosen kennt man es ebenso wie bei allen Wirbeltierklassen. Bei Säugetieren ist es bisher bei Schnabeltieren, den amerikanischen Beutel-Opossums und den nordamerikanischen Flughörnchen bekannt. Über den Sinn können die Forscher bisher nur Vermutungen anstellen, hauptsächlich wird über eine Form der Kommunikation debattiert. Die Biofluoreszenz wurde bisher nur bei nachtaktiven Säugetieren festgestellt.

 

Quelle: Scientific Reports https://doi.org/10.1038/s41598-021-83588-0


Genom früher Hunde aus Alaska entschlüsselt

Wissenschaftler haben mitochondriale DNA aus Teilen eines Oberschenkelknochens eines historischen Hundes, der vor 10.150 Jahren in Alaska lebte, extrahiert und sequenziert. Die Resultate belegen die Zugehörigkeit zu einer Linie von Hunden, die vor etwa 16.700 Jahren von sibirischen Hunden abgespalten wurde. Das sequenzierte Tier könnte eng mit den Hunden verwandt sein, die die Menschen bei der Wanderung nach Amerika begleiteten.

 

Shikoku-Hund
Der japanische Shikoku gilt als urtümliche Hunderasse, vielleicht ähnelte er dem gefundenen Hund?

 

Quelle: https://doi.org/10.1098/rspb.2020.3103 sogar Fulltext!

 

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Die Vogel-WG: Die Heinroths, ihre 1000 Vögel und die Anfänge der Verhaltensforschung

Eine Etagenwohnung mitten in Berlin. In jedem Zimmer Vögel. Eine Nachtschwalbe brütet auf dem Teppich, ein Specht hackt Löcher in den Schrank, ein Mauersegler kreist durchs Wohnzimmer. Ein reales Szenario. Es liegt 100 Jahre zurück. Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte des Naturforscher-Paares Heinroth, das in seiner Wohnung fast 1.000 Vögel aufzog. Mit subtilem Sinn für Komik beschreiben die Heinroths ihre Beobachtungen und bringen dem Leser heimische Vogelarten damit ungewöhnlich nahe. Begleitet werden die kuriosen wie lehrreichen Beschreibungen von ihren besten Aufnahmen, die erst kürzlich wiederentdeckt wurden.

Spannende und interessante Fakten aus hautnaher Forschung über früher häufige und heute sehr seltene Vogelarten

Oskar Heinroth und seine ebenso passionierte Frau Magdalene gelten als Begründer der Verhaltensforschung. Über 30 Jahre lang zogen sie in ihrer Wohnung aus den Eiern, die sie selbst gesucht hatten oder überreicht bekamen, heimische Vögel auf, beobachteten ihre Verhaltensweisen und dokumentierten sie in Text und Bildern.

 

Die Vogel-WG: Die Heinroths, ihre 1000 Vögel und die Anfänge der Verhaltensforschung ist bereits in der 2. Auflage bei Knesebeck erschienen und hat 272 Seiten zum Schmökern, Lernen und Staunen.

 

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Neu beschrieben:

  • Eine hübsche, mit Muscheln assoziierte Garnele aus den Gewässern vor Hawaii heißt jetzt Opaepupu huna. DOI: 10.11646/zootaxa.4903.1.3 (Bild oben)
  • Bei einer Revision der chinesischen Nothybidae, einer kaum bekannten Fliegenfamilie, haben die Bearbeiter nicht nur einen Bestimmungsschlüssel für die chinesischen Arten herausgegeben, sondern auch die Art Nothybus absens wiederbeschrieben. Diese Art war 2016 nur anhand eines Fotos beschrieben worden, jetzt sind Männchen und Weibchen hinterlegt.
    DOI10.11646/zootaxa.4926.2.3
  • Die Rüsselkäferfamilie Dryophthorinae hat über 1200 Arten in 153 Gattungen. Chamorro, de Medeiros & Farrell haben sie anhand ihrer ribosomalen DNA verglichen und festgestellt, dass die Artenbildung in der Erdneuzeit stattgefunden hat. DOI10.1002/ece3.7131
  • Gymnocephalus aurocephalus heißt eine bisher unbekannte Muräne aus der Andamanensee vor Indien. Sie hat eine dunkle Grundfärbung und weiße Punkte, die zum Kopf hin dichter und gelblicher werden. Die Tiere kommen in Tiefen von 90 bis 130 m vor, der Holotypus hat eine Länge von gut 70 cm.  DOI10.11646/zootaxa.4877.2.8
  • Eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern hat die Seepferdchen überarbeitet und anhand deren Genetik die Evolution und mögliche Ausbreitungsrouten beschrieben:
  • Aus Südvietnam kommt mit Scincella baraensis eine neu beschriebene Art der Skinke.
  • Von der peruanischen Pazifikküste hingegen kommt eine neu beschriebene Art der Bogenfingergeckos. Stenocercus ica heißt sie: Salamandra 57(1)
  • Die Erstbeschreibung des Gold-Mützenlangurs Presbytis johnaspinalli basierte bisher auf fünf Fotografien, die Tiere eines einzelnen Händlers aus Ost-Java, Indonesien. In der Geschichte hinter dieser etwas dürftig hinterlegten Erstbeschreibung steckt eine hübsche Räuberpistole, aber auch die Überarbeitung der Art bringt nur wenig Klarheit. Viel Spaß beim Lesen: https://doi.org/10.3897/zse.97.62235

Fossil neu beschrieben:

  • Aus der Oberkreide, genauer dem Campan der Aguja-Formation in West-Texas ist die Schildkröte Chupacabrachelys complexus beschrieben worden. Sie gehört zu den Halswenderschildkröten (Pleurodira), ihr Typusexemplar ist eines der vollständigsten Fossilien aus der ausgestorbenen Familie Bothremydidae. Ihr Kopf und Kiefer waren schmal, dreieckig und dorsoventral abgeplattet. https://doi.org/10.1080/02724634.2010.520782

Kurz gemeldet

Ausgestorben

Rezent im Meer

  • Der belgische Naturfotograf Yves Adams konnte einen leuzistischen Königspinguin fotografieren. Er fand das einzigartige weiß-gelbe Tier unter 120.000 normalfarbigen Frackträgern auf der Salisbury Plain in Südgeorgien. PetaPixel weiß mehr.

    Gelber Königspinguin
    Der angesprochene, leuzistische Königspinguin

Rezent an Land

  • In Viersen am Niederrhein hat ein aggressiver Greifvogel einen Passanten und seinen Hund angegriffen. Experten vermuteten, es handele sich um einen Rotschwanzbussard, der aus einer Falknerei entkommen ist.
  • Bund und Länder haben seit Jahren weniger Naturschutzgebiete ausgewiesen, als das EU-Recht verlangt. Weil sich trotz Mahnungen aus Brüssel kaum etwas getan hat, klagt die EU-Kommission nun vor dem Europäischen Gerichtshof. Ein Urteil könnte für Deutschland teuer werden.
  • In London werden die Ratten immer dreister. Kaum bleiben die Menschen wegen des Lockdowns zuhause, erobern Ratten die Innenstadt, nicht nur Grünanlagen und Kanäle erobern sie, auch die ruhigen Geschäfte bekommen „Besuch“. Lokale Kammerjäger glauben, es sei schwierig, die Ratten auch in Zukunft vom Besuch abhalten zu können und warnen vor bösen Überraschungen.
  • Naturfotograf Sean Weekly konnte in Wales einen leuzistischen Roten Milan fotografieren. Passenderweise posierte das einmalige Tier auch noch im Schnee. Quelle: County Times
  • Eine etwa 2 m große Felszeichnung eines Kängurus, die in einem Rock-Shelter im nordöstlichen Kimberley in Westaustralien entdeckt wurde, gilt jetzt als älteste erhaltene Zeichnung Australiens. Sie konnte auf 17.100 bis 17.500 Jahre datiert werden – mit Hilfe von Resten von Wespennestern, die sich unter und über dem Farbauftrag fanden.

    leuzistischer Rotmilan
    Ein weißer Rotmilan im Schnee, besser konnte es kaum kommen.

Im Süßwasser

  • Im Norden Queenslands, Australien scheint ein Fischer Opfer von Krokodilen geworden zu sein. Der 69jährige kehrte von seiner Ausfahrt nicht zurück, sein Boot wurde kieloben treibend gefunden. In der Nähe fanden die Behörden menschliche Überreste. Sie fingen auch zwei Leistenkrokodile, die sich in der Nähe aufhielten, eines von ihnen war 14 ft., also etwa 4,25 m lang. In seinem Magen fanden sich weitere menschliche Überreste. Unklar ist, ob der 69jährige Opfer der Krokodile wurde oder ob er an etwas anderem starb und das Krokodil nur an seinem Leichnam fraß.

    Salzwasserkrokodil
    Das Leistenkrokodil ist im Norden Australiens weit verbreitet.

  • US-Autor und Kryptozoologe Ken Gerhard zeichnet sich nicht nur durch einen speckigen Hut, sondern auch durch immer wieder neue Thesen zur Erklärung von Kryptiden aus. Jetzt will er Nessie, das Loch-Ness-Monster mit einem Vertreter ausgestorbener, schlangenartiger Wale erklären. Ach ja, und er will, dass man sein neues Buch kauft.

Strandfunde

  • Ungefähr 100 tote Aale haben Umweltschützer nach dem Frühjahrshochwasser am Rheinufer in Dormagen (zwischen Köln und Düsseldorf) entdeckt. Nach Angaben der Organisation Rhein Clean Up lagen die über 60 cm langen Tiere in Ästen oder am Boden auf einer Strecke von etwa 1 km. Die Tiere weisen keine Verletzungen auf, wieso sie dort strandeten, ist unklar und wird weiter erforscht. Quelle: WDR
  • In Hafen der französischen Stadt Saint Tropez ist am 18.2. ein nur 2,2 m langes Zwergwalkalb gestrandet. Normalerweise kommen Nordatlantische Zwergwale, die in den deutschen Medien auch (falsch) als Minkwale bezeichnet werden, im Mittelmeer sehr selten vor. Dies ist erst die siebte Strandung an der französischen Mittelmeerküste seit 1972, so der ortsansässige Walfachmann Frank Dhermain auf Facebook. Eine Untersuchung des Kadavers ist anberaumt.
  • Auf dem Farewell Spit in Neuseeland, einer langen Sandbank im Norden der Südinsel sind mehr als 50 Langflossen-Grindwale gestrandet. Nachdem am 21.2. bereits 9 Tiere verendet waren, konnten Helfer etwa 40 Tiere mit der Flut ins Wasser bringen. Leider strandeten am folgenden Tag viele Tiere erneut, mindestens 12 weitere Tiere starben. Immerhin gelang es der Rettungsgruppe 28 Wale mit der Flut ins Meer zu treiben. Da es keine Folgemeldung gibt, ist von einem Erfolg auszugehen.
    Auf der Farewell Spit genannten Sandbank kommt es häufiger zu spektakulären Strandungen, vor vier Jahren strandeten rund 650 Grindwale, von denen mehr als 350 verstarben.
  • Am Padre Island National Seashore im Süden Texas‘ ist ein Zwergpottwal gestrandet. Die Behörden sprechen von einem „Pygmy Sperm Whale“, das wäre Kogia breviceps. Die Fotos der Pressemeldung helfen nicht bei der Bestimmung. Am Golf von Mexiko sind in den letzten drei Wochen zahllose Tiere an den Folgen eines Kälteeinbruches gestorben, darunter ganze Fischschwärme und viele Schildkröten.
  • Bei den Schildkröten haben die Behörden schnell reagiert und über 5000 Tiere aus dem kalten Wasser gesammelt und warm untergebracht. Nachdem die Temperaturen wieder im normalen Bereich liegen, werden die Tiere mit Booten aufs Meer gebracht und über eine Rutsche ins Wasser entlassen. Das gibt spektakuläre Bilder.

Die Polizei meldet

  • In den letzten Wochen wurden verstärkt illegale Tiertransporte festgestellt. Meist wurden hier Hunde aus den Balkanstaaten oder Nordafrika nach Deutschland gebracht. Oft sind diese Tiere in tragbare Käfige eingepfercht und werden in Sprintern über mehrere Tage transportiert.
    Gerade zu Corona-Zeiten ist die Nachfrage nach Hunden in Deutschland groß und schlägt solche Blüten.
  • In Westerstede in Oldenburg kam es am vergangenen Sonntag zu einem seltsamen Einsatz. Gegen 9 Uhr rief ein Anwohner die Polizei, vor seinem Haus liege eine Schlange. Sie sei weich und bewege sich nicht.
    Die Polizei rückte an und stellte fest, dass es sich um eine echte Schlange handelt. Mittels eines Handyfotos konnte ein Fachmann des Reptilienzoos Saterland die Schlange identifizieren: Es handelte sich um eine ungiftige Kornnatter. Eine mutige Beamtin nahm die Schlange daraufhin in einer Transportbox in Gewahrsam. Die Schlange leistete keinen Widerstand und kam zunächst in den Reptilienzoo Saterland.

Aus Zoos und Museen

  • Im Krefelder Zoo sind 16 Keilkopf-Glattstirnkaimane geschlüpft. Bisher ist die Zucht der seltenen Echsen 2005 das erste Mal in Krefeld, dann 2013 in Dortmund und 2017 in Ungarn gelungen. Paleosuchus trigonatus stammt aus Südamerika und ist ein Bewohner schnellfließender Gewässer.

Zu guter Letzt: Neuer Fast-Woll-Weltrekord

Die Wolle von Merino-Schafen wächst permanent, sie werfen sie nicht ab. Daher müssen sie mindestens einmal jährlich geschoren werden. Dies hat offenbar ein australischer Widder übersehen, als er sich selbstständig machte und aus der Herde ausbüchste. Mindesens fünf Jahre später wurde er wieder eingefangen und geschoren. 35 kg wog sein total verfilztes Vliess, während der Widder selbst etwas untergewichtig war. Kein Wunder, unter der Matte konnte er kaum noch sehen, wo er was zu fressen finden konnte.

Das Baarack genannte Schaf ist Nummer 2 in einer langen Reihe von Rekordschafen. Ein durchschnittliches Schaf liefert 4,4 kg Wolle, 2005 lieferte „Shrek“ 27 kg, ebenfalls 2005 schor man von „Chris“ 41 kg Wolle herunter, das doppelte seines Körpergewichtes. Aus den 35 kg von Baarack ließen sich 61 Pullover oder 490 Paar Herrensocken produzieren.

 

Quelle: the Guardian am 25.2.2021

 

 

 

 

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