Kryptozoologische Presseschau 08/2021

Wunderschöne Ostern wünschen wir euch, liebe Leserinnen und Leser,

 

Wer diese Woche das „Wort zum Sonntag“ von Markus Kretschmer erwartet hat, ist hoffentlich nicht enttäuscht. Markus ist diese Woche aus persönlichen Gründen verhindert. Ich springe gerne für ihn ein, zumal er morgen außer der Reihe einen spannenden Artikel liefern wird.

 

Wie jeden Ostersonntag hat auch heute morgen wieder das bekannteste Kryptid Deutschlands, der „Osterhase“ bunte und energiereiche Eier in Gärten und Häusern verteilt. Bekanntermaßen ist das Netzwerk für Kryptozoologie in der Osterhasenforschung führend. So konnten wir bei unseren Beobachtungsversuchen im vergangenen Jahr feststellen, dass alle Beobachter vor dem Eintreffen des Osterhasen einschliefen, kurze Zeit danach aber wieder aufwachten. Die Schlafphase dauerte nur wenige Minuten.

Aufgrund des koordinierten Auftretens, der Kürze und Tiefe der Schlafphase vermuten wir, dass der Osterhase Pheromone ausschüttet, die ihn wie eine Wolke umgeben und die Umgebung in Schlaf versetzen. Diese wären sicher technisch interessant, wir stellen uns da eine Reihe von sinnvollen Anwendungen vor, von der Medizin über die Abwehr gefährlicher Tiere, im Polizeieinsatz bis zur Waffentechnologie.

Plazenta-Chauvinismus?

Bisher gingen wir davon aus, dass der Osterhase eine wie auch immer einzuordnende „Variante“ des Feldhasen Lepus europaeus sei. Im letzten Jahr kamen Stimmen auf, dass dies möglicherweise nicht so ist. Kein Wunder, hier müsste sich ein ungewöhnlicher Evolutionsweg zeigen, der bis zur Eiablage führt, selbst wenn es nur unfruchtbare Nähr- oder Ködereier sind. Dennoch setzte sich diese Sichtweise durch, da in Mitteleuropa nur Plazenta-Tiere vorkommen. Ein klarer Fall von Placenta-Chauvinismus.

 

Feldhase
Ist der Osterhase nur eine Manifestation des Placenta-Chauvinismus?

 

Statt des Placentaliers „Hase“ wurde ein Monotremat, also ein eierlegendes Säugetier aus der Verwandtschaft der Schnabeltiere und Schnabeligel vorgeschlagen. Hier wäre dann kein eigener anatomischer und Stoffwechselweg notwendig, da diese Tiere ja bereits Eier legen. Allerdings sind sie nicht für ihre Legefreude bekannt, auch tragen sie die Eier in einer Bauchfalte mit sich herum. Andererseits verfügen alle rezenten Monotrematen über Gift. Hier ist der Weg vom Schnabeltiergift zu einem Schlafpheromon nicht so weit. Schnabeltiergift verursacht unter anderem eine Vasodilatation, also die Erweiterung von Blutgefäßen, die mit einem Blutdruckabfall einher geht. Diese kann zur raschen Ermüdung führen…

 

 

Wir haben diese Woche eine ungewöhnlich hohe Zahl von neu beschriebenen oder wenigstens neu entdeckten Arten, auch bei Großtieren, wie Vögeln und Säugern. Dafür fallen die Kurzmeldungen – nunja – kürzer aus, so viel ist da seit letzter Woche nicht passiert.

 

Dennoch oder deswegen: Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser

 

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Der Kosmos-Vogelführer

Der Kosmos-Vogelführer ist das umfassendste Bestimmungsbuch für Vögel aller Arten in Europa, Nordafrika und Vorderasien. Er beinhaltet Brutvögel, Durchzügler, Wintergäste, Irrgäste und eingebürgerte Tiere, insgesamt 900 Arten, die in meisterhaften Aquarellzeichnungen dargestellt werden. Damit ist kaum ein Vogel nicht abgedeckt, der in Europa zu finden ist.

 

Detaillierte Texte beschreiben die Tiere, nicht nur in  Größe, Lebensraum, Kennzeichen, Verbreitung und Stimme. Hinzu kommen aktuelle Verbreitungskarten.

 

Der Kosmos Vogelführer: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens ist der legitime Nachfolger des berühmten „Parey’s Vogelbuch“ und damit das neue Standardwerk für alle Vogelfreunde. Die aktuelle Ausgabe ist vom 2.2.2017.

Die Meldungen im Einzelnen:

Indus- und Gangesdelfine sind getrennte Arten

Ganges Delfin
Ganges Delfin Platanista gangetica. Foto: NOAA

 

Auf dem indischen Subkontinent gibt es zwei Süßwasser-Delfinpopulationen, die in unterschiedlichen Flusssystemen vorkommen. Dem entsprechend werden sie populär als Indus- bzw. Gangesdelfin bezeichnet. Die Wissenschaft war sich lange uneins, wie die beiden Populationen zu behandeln seien. So fasste Dale W. Rice in seinem weithin als Standardwerk akzeptierten Marine Mammals of the World: Systematics and Distribution 1999 beide Arten zusammen. Er fand keine ausreichenden morphologischen Unterschiede, um sie als getrennte Arten zu bezeichnen.

 

Diese Ansicht blieb nicht lange unwidersprochen. Eine neue Studie, die internationale Wissenschaftler veröffentlichten, belegt nun, dass es sich tatsächlich um zwei Arten handelt. Platanista gangetica und P. minor unterscheiden sich im Bau der Stirnknochen hinter dem Nasenbein. Diese Unterschiede zeigen alle Individuen der entsprechenden Art, unabhängig von Größe, Alter und Geschlecht.
Ganges-Delfine sind sexuell dimorph, die Weibchen sind größer als die Männchen. Beim Indus-Delfin gibt es dieses Merkmal nicht.

 

Auch genetisch lassen sich Unterschiede feststellen. Die mDNA unterscheidet sich deutlich, es gibt keinen gemeinsamen Haplotypen. Fünf fixierte Unterschiede lassen eine längere Trennung (ca. 550.000 Jahre) erwarten, in der es keinen Genfluss gab.

 

Die Wissenschaftler waren so konsequent und haben beide Arten in der Arbeit formal gültig wieder beschrieben.

 

Quelle: https://doi.org/10.1111/mms.12801


Zwei Arten der Kreischeulen erstbeschrieben

Megascops ist die artenreichste Eulengattung in Amerika. Derzeit sind 21 Arten anerkannt. Die Gattung umfasst kleine bis mittelgroße Eulen, die als Kreischeulen bekannt sind und ein Vielzahl von Lebensräumen besiedeln.

Die Gattung erreicht ihre maximale Artenzahl in den Anden und im zentralamerikanischen Hochland.

 

Tropische Kreischeule
Eine tropische Kreischeule unbekannter Art

 

„Kreischeulen gelten im Vergleich zu einigen anderen Arten von Organismen in diesen Gebieten als eine gut verstandene Gruppe“, sagte Dr. John Bates, Kurator für Vögel am Field Museum in Chicago. „Nicht einmal professionelle Ornithologen, die ihr ganzes Leben lang an Eulen gearbeitet haben, sind sich über die tatsächliche Artenzahl einig sein. Eine Studie wie unsere wurde daher schon sehr lange erwartet“, fügte Dr. Alex Aleixo hinzu, Kurator für Vögel im finnischen Naturkundemuseum der Universität Helsinki.

 

Frühere Studien haben gezeigt, dass die im Tiefland des Amazonas weit verbreitete gelbbraune Kreischeule (Megascops watsonii) mehr als eine Art umfassen könnte. Auch die im Atlantischen Wald endemische Kreischeule (Megascops atricapilla) könnte eng mit dem gelbbraunen Kreischeulenkomplex verwandt sein.

 

„Sie sind süße kleine Eulen, wahrscheinlich 13-15 cm lang, mit Federbüscheln auf dem Kopf“, sagte Dr. Bates.

 

In der Studie verglichen die Ornithologen die Kreischeulen aus den Wäldern des Amazonas und des Atlantiks und stellten fest, dass sie unterschiedlich rufen, was auf verschiedene Arten hinweist. Sie untersuchten daraufhin auch die Morphologie und die DNA der Vögel. Insgesamt wurden 252 Museumsexemplare, 83 Tonbandaufnahmen und 49 genetische Proben aus dem gesamten Verbreitungsgebiet des gelbbraunen Kreischeulen-Eulenkomplexes in Südamerika analysiert.

 

Die Kombination aus genetischer Variation, physischen Unterschieden und einzigartigen Lautäußerungen veranlasste die Forscher, zwei neue Arten zu beschreiben: die Xingu-Kreischeule (Megascops stangiae) und die Alagoas-Kreischeule (Megascops alagoensis).

 

Diese beiden Arten sind zwar neu in der Wissenschaft, aber sie laufen bereits Gefahr, für immer zu verschwinden.

 

Die beiden neuen Arten von Kreischeulen sind in einem Artikel in der Zeitschrift Zootaxa beschrieben.


Hermelin-Art in Alaska entdeckt

Hermelin
Ein Hermelin auf der Farragut Farm auf der Prince-of-Wales Insel (Foto: Farragut Farm)

 

Mit Beginn der letzten Kaltzeit breiteten sich die Gletscher sehr schnell von Norden nach Süden aus. Tiere dieser Gebiete wurden nach Süden abgedrängt, irgendwann standen die Populationen in kleinen Gebieten zwischen Gletscher und Meer. Konnten sie dort die Kaltzeit überleben, folgten sie dem Gletscher beim Rückzug und besiedelten ihre alten Gebiete neu.

Da diese Populationen mehrere 100.000 Jahre isoliert waren, kam es gar nicht oder nur selten zu Genaustausch, neue Arten entstanden. So auch beim Hermelin. Genetische und morphologische Untersuchungen unter der Leitung des US Geological Survey in Alaska zeigen dieses beim Hermelin deutlich.

Das Hermelin ist ein kleiner Marder, der auf der gesamten Nordhalbkugel vorkommt, von den Grenzen zu den Subtropen bis weit ins Arktische rein. Da ist mit zahlreichen Formen, die aufgrund diverser Isolierungen entstanden sind, zu rechnen.

Und tatsächlich: Die Wissenschaftler konnten 34 existierende Unterarten, davon 14 Insel-Endemiten ermitteln. Dabei isolierten sie drei Hauptkladden, eine „Beringia“-Kladde aus Europa, Asien, Japan und Alaska, eine „East“-Kladde aus Kanada, Grönland und Teilen der USA östlich der Rocky Mountains und eine „West“-Kladde aus den US-Rocky Mountains etwa zwischen Seattle und Südkalifornien, Montana und der Sonora-Wüste. Spannend sind einige Insel-Endemiten an der Westküste Nordamerikas, die als Haida-Gruppe bezeichnet werden.

 

Sie sind gute Kandidaten für bald folgende Erstbeschreibungen. In der Arbeit über die Gesamtsystematik der Hermeline haben Colella et al. die Basis hierfür gelegt. Jetzt fehlt nur noch jemand, der das Ganze konsequent in Taxonomie umsetzt.

 

Die Arbeit ist als Fulltext zum pdf-Download erhältlich.


Drei „neue“ Tiefseehaie beschrieben und nebenher ein neuer Stoffwechselweg zur Bioluminiszenz entdeckt

Dalatias litcha
Das größte, leuchtende Wirbeltier: Dalatias litcha. Abb. aus der Originalarbeit, Maßstab = 10 cm

Wissenschaftler haben drei Arten von bioluminiszenten Haien in der Tiefsee vor Neuseeland entdeckt. Eine der Arten kann eine Länge von fast zwei Metern erreichen. Er bioluminisziert blau und ist damit die größte bekannte Art leuchtender Wirbeltiere.

 

Die drei biolumineszierenden Haie – der Drachenflossenhai Dalatias litcha, der Schwarzbauchlaternenhai Etmopoterus lucifer und der südliche Laternenhai E. granulosus – wurden im Januar 2020 bei Probebefischungen eines Tiefseestruktur namens Chatham Rise vor der Ostküste Neuseelands gesammelt. Alle drei Haie leben im Mesopelagial, der „Dämmerungszone“ des Ozeans, die sich über Tiefen von 220 bis 1100 m erstreckt.

 

Biolumineszenz ist in der Tiefsee bei Fischen und Tintenfischen relativ häufig, aber bei Haien weniger gut untersucht. Eine Studie, die letzten Monat in der Zeitschrift Frontiers in Marine Science veröffentlicht wurde, bestätigt die Biolumineszenz der drei Haie, legt jedoch nahe, dass sich ihr biochemischer Mechanismus zur Erzeugung von Licht von den meisten Meerestieren unterscheidet.

 

Link zur Originalarbeit: Mallefet, J., Stevens, D.W. & Duchatelet, L.: Bioluminescence of the Largest Luminous Vertebrate, the Kitefin Shark, Dalatias licha: First Insights and Comparative Aspects, Frontiers of Marine Science, 2021 (Volltext)

 

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Der Magische Wald

Naturfilmer Bryan Maltais erkundete volle drei Monate einen geheimnisvollen Wald im Herzen Europas. Dabei beobachtete er den Wechsel der Jahreszeiten vom Ende des Winters bis zum Anbruch des Sommers. Er filmte das Leben faszinierender Wildtiere, insbesondere der heimischen Reptilien und Amphibien.
Unser Autor Markus Bühler hat ihn auf einem Teil seiner Expeditionen begleitet.

 

Der Magische Wald: Reptilien und Amphibien ist 2019 erschienen und im Amazon-Prime-Paket, zum Download oder auf Datenträger erhältlich.

 

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Abwehrstoff-Gen von Pflanze auf Tier übertragen

Weiße Fliege
Bemisia tabaci, die Tabakmottenschildlaus, auch weiße Fliege genannt. (Foto: CSIRO ScienceImage 1357)

 

Viele Pflanzen enthalten Phenol-Glycoside als natürliche Abwehrstoffe gegen Insektenfraß. Sie sind aber für Pflanzen ähnlich giftig, wie für Insekten. Daher verfügen die Pflanzen auch über einen effektiven Entgiftungsweg, bei dem das Enzym Penol-Glycosid-Malonytransferase eine zentrale Rolle spielt. Es ist im Gen BtPMaT1 codiert.

Von der Tabakpflanze ist BtPMaT1 auf die Weiße Fliege (Bemisia tabaci) übergegangen. Es ist einer der ersten Fälle eines funktionalen Gentransfers von einer Futterpflanze auf einen Pflanzenfresser. Möglicherweise war die „Spenderpflanze“ mit einem Virus befallen. Dieser könnte bei der Reproduktion das Resistenzgen in sein Genom eingeschlossen und so auf die Fliege übertragen haben (siehe Abb.).

 

Mögliche Übertragung des Resistenzgens von der Pflanze auf die Fliege (Abb. aus der Originalarbeit)

 

Quelle: The Scientist: First Report of Horizontal Gene Transfer Between Plant and Animal

Originalarbeit: The Cell DOI https://doi.org/10.1016/j.cell.2021.02.014


Kalifornische Kondore kommen zurück in die Redwood-Wälder

Kalifornischer Kondor
Junger Kalifornischer Kondor. Deutlich sichtbar der Sender und sein „Nummernschild“

 

Der Stamm der Yurok-Indianer arbeitet an einer Zuchtstation für Kalifornische Kondore im Redwood-Nationalpark im Norden Kaliforniens. Die ersten Vögel können vermutlich schon im Herbst in die Freiheit entlassen werden.

 

Nach über einem Jahrhundert werden die ersten gefährdeten Kalifornischen Kondore in die Wälder des Pazifischen Nordwestens entlassen. Früher bevölkerten diese gewaltigen Vögel den Himmel im ganzen Westen Nordamerikas, von British Columbia in Kanada bis New Mexico. In den frühen 1980ern begannen erste Auswilderungsprojekte, die mit Informations- und Schutzkampagnen begleitet wurden. Eine der wichtigsten Veränderungen war, Jäger davon zu überzeugen, auf giftige Bleimunition zu verzichten und auf Weicheisen umzusteigen. Bleimunition ist in Kalifornien zwischenzeitlich verboten, wird aber von wenigen Jägern noch benutzt.

 

Nachdem die größten fliegenden Landvögel in Süd- und Zentralkalifornien, Utah, Arizona und auf der Baja California in Mexiko erfolgreich ausgewildert wurden, wird nun der Stamm der Yurok sie im Redwood-Nationalpark wieder ansiedeln. Das Projekt hat bereits 10 Jahre Vorlaufzeit, am 24. März 2021 wurde es vom US Fish and Wildlife-Service genehmigt.

Für die Yurok ist der Kondor das kulturell wichtigste, einzelne Landtier. Die Rückkehr der riesigen Neuweltgeier gilt ihnen als Erneuerung des Volkes und des Landes.


Die Nischen der Tieftaucher

Ziphius cavirostris
Ziphius cavirostris, der Cuvier-Schnabelwal

 

Tiefseeforschung ist schwierig. Grundlegende Erkenntnisse über die Dynamik von Raubtieren und Beutetieren in der Tiefsee sind kaum bekannt. Grundsätzlich ist zu erwarten, dass die tieftauchenden Meeressäuger (Pottwale, Risso-Delfine, Grindwale, Schnabelwale, Seeelefanten) ihre eigene Nische besetzen und nicht oder nur am Rand in Konkurrenz zu den anderen Arten stehen.

Forscher um Fleur Visser haben die relativ neue Methode der Umwelt-DNA-Gewinnung genutzt, um die Zusammensetzung der Kopffüßergemeinschaften in den Tiefsee-Fresszonen von Risso-Delfinen und Cuvier-Schnabelwalen zu vergleichen. Die Arten zielten selektiv auf verschiedene epi-, meso- und bathypelagische Nahrungszonen ab. In ihnen konnten die Forscher die eDNA von 39 Kopffüßertaxa feststellen, darunter 22 bekannte Beutearten. Anders als erwartet, leben in den unterschiedlichen Nahrungszonen weitgehend die selben Arten. Die ökologischen Nischen der Wale werden also nicht allein durch die Zusammensetzung der Beutegemeinschaft bestimmt.
Die Untersuchung fand vor der Azoren-Insel Terceira statt.

 

Risso-Delfin
Risso-Delfin Grampus griseus. Foto: Michael L. Baird

 

Dennoch wählen Cuvier-Schnabelwale und Risso-Delfine horizontal und vertikal unterschiedliche Nahrungszonen. Risso-Delfine jagten in einer mittleren Entfernung von 3,1 km vom Ufer entfernt und in durchschnittlich 811 m tiefem Wasser. Cuvier-Schnabelwale hingegen bevorzugten größere Abstände zum Ufer (8,8 km) und tieferes Wasser (1411 m). 39 mögliche Beutetaxa wurden untersucht, davon kamen in der Jagdzone der Risso-Delfine 30 Arten vor, in der Jagdzone der Cuvier-Schnabelwale 26. 18 Arten kamen in beiden Lebensräumen vor. Die am häufigsten gefressenen Arten, u.a. Histioteuthis reversa, Histioteuthis spec. und Heteroteuthis dispar wurden von beiden Walarten bevorzugt.

 

Die gesamte Arbeit ist bei Acience Advances erschienen: DOI: 10.1126/sciadv.abf5908 und als Volltext lesbar.


Weit verbreitete Denisova-Spuren im Genom der Inselbewohner Südost-Asiens

Die Artenverteilung fossiler Hominiden in der südost-asiatischen Inselwelt (hauptsächlich die Staaten Indonesien, Phlippinen, aber auch Malaysia, Papua-Neuguinea und sogar Palau) ist derzeit unübersichtlich. An vielen Stellen hat man Überreste von diversen Homo erectus-Populationen gefunden, zudem gibt es zwei als „super-archaisch“ bezeichnete Zwergarten: Homo floresiensis und Homo luzonensis, möglicherweise lebte auf Palau noch eine weitere Zwergart. Lediglich die Denisova-Hominiden sind fossil nicht vertreten.

 

Rekonstruktion des Homo floresiensis

 

Das Erbgut heute auf den Inseln lebender Menschen zeigt ein völlig anderes Bild. Eine internationale Forschergruppe um Kristofer Helgen untersuchte mehr als 400 Genome moderner Asiaten, darunter mehr als 200 von Inselbewohnern. Dabei fanden die Wissenschaftler weitverbreitete Genvarianten der Denisova-Hominiden, jedoch keinerlei substanzielle Reste der super-archaischen Arten.

 

Wie sich die Wissenschaftler das erklären, weiß ich nicht, denn von dieser Arbeit ist nur das Abstract kostenlos lesbar. Ich interpretiere das so, dass die Vorfahren der nach Asien und auf die Inseln eingewanderte Homo sapiens bereits Kontakt mit den (vermutlich) zentralasiatischen Denisova-Hominiden hatten und deren Gene mitbrachten. Falls es Kontakt zu den super-archaischen Arten gab, so dürfte deren geringe Größe den Genfluss (also gemeinsame Fortpflanzung) weitgehend verhindert haben. Ob dies anatomische oder kulturelle Gründe hatte, wird wohl nie zu klären sein.


Neu beschrieben:


Kurz gemeldet

Rezent im Meer

Oktopus greift an
Der Oktopus, der Lance Karlson angegriffen hat. Foto: Lance Karlson

 

  • Lance Karlson lieg am Strand entlang, als er sah, wie ein Oktopus mit seinen Armen nach einer schwimmenden Möwe schlug und sie unter Wasser zog. Als er seine Kamera nahm und sich schwimmend näherte, kam ihm der Oktopus entgegen und wedelte mit den Armen. 20 Minuten später sah Karlson den Oktopus erneut. Diesmal griff der Krake ihn an und schlug mit den Armen zunächst nach dem Arm des Schwimmers, dann saugte er sich am Nacken fest.
    Karlson war nur oberflächlich angekratzt, die Tentakel haben eine leichte Hautirritation hinterlassen. Schmerzhaft war es nicht, sagt der Australier.
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Die Wiese – ein Paradies nebenan

Sie ist buchstäblich das Paradies nebenan – die Wiese. Nirgendwo ist es so bunt, vielfältig und so schön wie in einer blühenden Sommerwiese. In diesem faszinierenden und erstaunlich jungen Lebensraum ist ein Drittel unserer Pflanzen- und Tierarten zuhause. Die Filmmacher um Jan Haft haben in nie gesehenen Bildern die schönsten, liebenswertesten und skurrilsten Bewohner der Wiese vorgestellt.

 

Die Wiese – Ein Paradies nebenan läuft 93 Minuten und ist im Amazon-Prime-Paket enthalten, kann aber auch zum Herunterladen oder auf Datenträger erworben werden. Der Film ist 2019 erschienen.

 

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Aus Zoos und Museen

Flamingo im Tierpark Hamm gestohlen

Im Tierpark Hamm haben Unbekannte ein Chile-Flamingo-Weibchen gestohlen. Der Zoo bemerkte den Diebstahl am vergangenen Sonntag, 25.3.2021. Die Polizei ermittelt, der Tierpark wertet Videoaufzeichnungen aus und sucht nach Zeugen.
„Ich glaube nicht, dass wir das Tier noch einmal wiedersehen“, sagte Geschäftsführer Sven Eiber gegenüber dem WDR. So unglaublich es ist, es gibt für Flamingos offenbar einen Schwarzmarkt, auf dem bis zu 3.500 Euro für ein Exemplar gezahlt werden. Sollte das Tier dennoch wieder auftauchen, kann man es anhand eines Chips identifizieren.

 

Der Tierpark überlegt nun, die Flamingogruppe aufzulösen. Flamingos bevorzugen das Leben in großen Gruppen, der Zoo hat nun nur noch vier Tiere. Die Haltung von Flamingos ist recht aufwändig.

 

Tierärzte protestieren gegen Medikamenten-Versandverbot

Um den illegalen Medikamentenhandel im Internet einzudämmen, will die Bundesregierung den Versand von Medikamenten neu regulieren. Dabei trifft sie auf Widerstand aus unerwarteter Seite. Fachtierärzte für Fische, Amphibien, Reptilien und Wirbellose sind selten und agieren oft bundesweit. Dazu gehört routinemäßig der Versand von Medikamenten.

Die neuen Regelungen werden sich gravierend auf die Therapie zahlreicher seltener Arten auswirken, schrieb Fachtierärztin Sandra Lechleiter in einem Brief an die Bundesregierung.

 

Kölner Zoo ist Corona-Testzentrum

Nur mit aktuellem Corona-Test in den Zoo? Das kann ein Problem sein, wenn der Zoobesuch zum früh beginnenden Tagesausflug wird. Der Kölner Zoo hat sich etwas einfallen lassen: Zusammen mit der Agentur ZooEvent bietet er jetzt Corona-Tests im eigenen Haus an. Wer negativ getestet wurde, darf in den Zoo – natürlich nur mit Eintrittskarte und Termin.

Link

 


Zu guter Letzt:

 

Wenn wir schon zuhause bleiben sollen, dann sollte das nicht von Expeditionen abhalten, zumal, wenn sie so nah sind: