Kryptozoologische Presseschau 14/2021

Lesedauer: etwa 20 Minuten
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Einen wunderschönen Sonntag wünschen wir euch, liebe Leserinnen und Leser,

 

unser Autor Markus Kretschmer hat den lange erwarteten 2. Band seines Erfolgsromans „Die Weißen Steine“ veröffentlicht. „Das Blut der Sonne“, so der Titel, ist ab sofort exklusiv bei Amazon bestellbar, es wird als gebundenes Buch, Paperback und für den Kindle erhältlich.

 

Wir gratulieren Markus zu diesem tollen Erfolg und wünschen ihm mit dem 2. Band mindestens so viel Erfolg, wie Band 1 hatte. Und euch Lesern wünschen wir mit dem Buch genauso viel Spaß, wie mit dem ersten Buch.

 

Briten und Dinosaurier

Diese Woche habe ich eine Studie über das Wissen von Briten über Dinosaurier gelesen. Etwa jeder 10. Brite glaubt, dass es heute noch Dinosaurier gibt. Zuerst war die Reaktion ein Lachen, aber dann musste ich mich fragen: „Was antwortest du, wenn dich jemand fragt: ‚Glauben Sie, dass es heute noch Dinosaurier gibt?'“. Ja, Nichtvogel-Dinosaurier sind ausgestorben, aber was ist mit den Vögeln, die ja auch zu den Dinosauriern gehören?

 

Wie würdet Ihr eine solche, unpräzise Frage beantworten?

 

Ja, am Wochenende gibt es zum Frühstück ein Dinosaurierei, vielleicht wandert am Samstagabend ein Dinosaurierschenkel auf den Grill, oder sogar zwei. Auch den Nudel- oder Kartoffelsalat dekorieren wir mit Dinosauriereiern.

 

55% der befragten Briten sagten, ihre Kinder seien von Dinosauriern begeistert und etwa die Hälfte davon gibt an, dass sich ihre Kinder besser als sie mit Dinos auskennen. Ebenfalls 55% gaben auch an, dass sie ihre Liebe zu Dinosauriern an ihre Kinder weiter gegeben haben.

Leider ging das nicht mit tiefgehendem Wissen einher. 25% glauben, Dinosaurier lebten mit Urmenschen zusammen. Das Interesse für Dinosaurier zieht also offenbar nicht immer Interesse an allgemeiner Naturgeschichte nach sich. Bei diesem Teil der Gruppe scheinen Dinosaurier eine austauschbare „Phase“ darzustellen, wie Pokemons, kleiner roter Traktor oder Bob der Baumeister.  Damit ist diese Gruppe für die Zoologie leider verloren.

 

Weiß der Geier?

Seit 21. Mai sind wieder Gänsegeier in Deutschland unterwegs. Dies hatten wir in den vergangenen Jahren auch schon, teilweise zogen Trupps von über 60 Tieren aus Südwest-Europa bis nach Schleswig-Holstein und Mecklenburg.

So weit ist es dieses Jahr nicht gekommen, die Gruppen waren kleiner, meist waren eine Handvoll Tiere gemeinsam unterwegs, mehr als 20 Tiere wurden nicht gemeinsam beobachtet. Die Gänsegeier befliegen auch Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Spannend in dem Zusammenhang ist, dass auch andere Geier mit den Gänsegeiern gesehen werden. In den Niederlanden ist ein Mönchsgeier unterwegs, in Mecklenburg hat sich ein Bartgeier sehen lassen!

 

Anzahl der Geierbeobachtungen in Deutschland
Anzahl der Geier-Einflüge in Deutschland. Die Zahlen für 2019 lagen leider nicht vor. Stand 03.07.2020

 

 

Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser

 

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Die weißen Steine, Band 2: Das Blut der Sonne

John und die Schüler harren bereits seit mehreren Wochen in der Urzeit aus. Die tägliche Nahrungssuche, das Abwehren von Dinosauriern und die Einrichtung in ihrem neuen Zuhause sind zum Alltag geworden. Doch die Idylle ist trügerisch und beginnt rasch zu bröckeln. Ohne jede medizinische Versorgung können selbst scheinbar harmlose Verletzungen zu einer lebensbedrohlichen Infektion führen. Und dann beginnt das Wertesystem zu erodieren, das die Schüler aus ihrem alten Leben mitgebracht haben.

Die Gruppe droht im Streit auseinanderzubrechen; einige verteidigen die Regeln und Normen, die sie aus der Zivilisation kennen. Andere wollen mit allen Mitteln das Recht des Stärkeren durchsetzen. Die wenigen Menschen entzweien sich in einer bitteren Fehde, die schließlich ein erstes Todesopfer fordert.

Dann aber machen einige der Schüler und John eine unglaubliche Entdeckung am Strand. Eine Entdeckung, die alles, was sie bisher über die Kreidezeit zu wissen geglaubt haben, infrage stellt …

 

Die Weißen Steine – Blut der Sonne: Zeitreise in die Welt der Dinosaurier (Die Weißen Steine – Zeitreise in die Welt der Dinosaurier, Band 2) ist vorgestern independent erschienen. Es hat 316 Seiten in deutscher Sprache und ist als gebundenes Buch, Taschenbuch oder fürs Kindle erhältlich.

 

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Die Meldungen im Einzelnen:

Göttingen: Wels verschluckt Schildkröte und stirbt

Bei dem Versuch, eine noch nicht identifizierte Schildkröte zu fressen, kam ein Wels ums Leben. Auch die Schildkröte überlebte nicht. Wassersportler hatten die beiden Tiere am Mittwoch im Göttinger Kiessee gesprochen.

Anders als die Angaben in den sozialen Medien handelte es sich keinesfalls um einen „Riesenwels“, zusammen mit der Schildkröte wog er etwa 40 kg. Damit ist eine Gesamtlänge von etwa 150 cm zu erwarten. Groß, keine Frage, aber kein „riesiger Wels“, die etwa bei dem doppelten Gewicht „anfangen“.

 

Den sprichwörtlichen „Vogel“ schießt aber die Ostseezeitung ab, indem sie fragt, ob von Welsen auch eine Gefahr für Menschen ausgeht.

 

Quellen: Twitter, Göttinger Tageblatt, Ostseezeitung


Wieder Geier in Deutschland unterwegs

Die Beobachtungen von Geiern in Deutschland und den Benelux-Ländern häufen sich:

  • Do, 10.6.2021: 1 Mönchsgeier über Orroir (Hainaut, Belgien)

Dienstag, 15.6.2021

  • 30 Gänsegeier bei Oberstdorf
  • 6 Gänsegeier bei Mittenwald
  • 9 oder mehr Gänsegeier bei Simmozheim (bei Calw)
  • Große Zahl von Beobachtungen: bis zu 12 Gänsegeier in den Niederlanden, v.a. in der Strijbeeksche Heide (Noord-Babant), dort auch übernachtend
  • 1 Bartgeier bei Hoort (15 km südl. von Schwerin!)

Mittwoch, 16.6.2021

  • 10 Gänsegeier zwischen 9:20 und 10:00 Uhr bei Bayrischzell
  • 1 Gänsegeier gegen 16:00 bei Mittenwald
  • 10 Gänsegeier gegen 14:30 bei Wiesloch (südl. v. Heidelberg), nach NW abgezogen
  • 7 Gänsegeier gegen 10:20 Uhr bei Meer-Rommernsven (Antwerpen, Belgien)
  • 11 Gänsegeier überfliegen Ruien – Kluisbos oost (Oost-Vlaanderen, Belgien)
  • Die Gänsegeier aus der Strijbeeksche Heide sind ortstreu und werden überwiegend in der Nähe beobachtet

Donnerstag, 17.6.2021

  • 1 Gänsegeier bei Bad Hindelang
  • 9 Gänsegeier bei Legden (ca. 35 km nordwestlich v. Münster) am Mittag, ziehen nach Süden ab

Freitag, 18.6.2021

  • 1 Mönchsgeier und 11 Gänsegeier bei Kelkheim (Taunus)
  • 1 Mönchsgeier und 11 oder 12 Gänsegeier von Kelkheim kommend über Kriftel und Hofheim kreisend, Richtung Odenwald abfliegend
  • Bis zu 20 Gänsegeier werden in den niederländischen Provinzen Utrecht, Gelderland, Limburg, Zuid-Holland und Noord-Brabant beobachtet.

Samstag, 19.6.2021

  • 1 Gänsegeier gegen 14:15 Uhr bei Alfter (nordwestlich Bonn) am Hardtberg, folgt möglicherweise dem Ville-Rücken
  • 2 Gänsegeier bei Dorsten/ Wufen (nördl. Ruhrgebiet)
  • 6 Gänsegeier am Effelder Wandsee bei Wassenberg (linker Niederrhein)
  • 5 Gänsegeier bei Nordhorn, ziehen nach Norden, werden westlich verdriftet
  • 4 Gänsegeier bei Engden (Nachbargemeinde von Nordhorn), ziehen nach NO ab
  • ca. 30 Gänsegeier überfliegen kurz nach 10 Uhr Hagelands Bos – Tienbunderbos Oost (Vlaams-Brabant, Belgien), Mittags Sichtungen von 37 bis 45 Tieren in Vlaams-Brabant.
  • 8 Gänsegeier, kurz nach 10 Uhr bei Furfooz (Namur, Belgien)
  • bis zu 11 Gänsegeier in den niederländischen Provinzen Overijssel, Utrecht, Limburg und ab Nachmittag bei Nijmegen in Gelderland.

Sonntag, 20.6.2021

  • 1 Gänsegeier bei Karlsruhe, überfliegt nach SSO
  • 3 Gänsegeier über Krefeld, gegen 16:40, sehr hoch, ziehen nach SW
  • 1 Gänsegeier am Schwarztonnensand bei Drochtersen (Elbmündugsbereich)
  • 5 Gänsegeier überfliegen Polleur (bei Lüttich/Liege, Belgien) gegen 8:15 h
  • 2-3 Gänsegeier über Bree und Bocholt (Limburg, Belgien)
  • 17 Gänsegeier um 18:10 h über Wéris, Luxembourg gesichtet
  • Zahlreiche Gänsegeier-Beobachtungen in den Niederlanden, Einzeltiere in Gelderland, am Nachmittag bis zu 12 Tiere in Noord-Brabant
Gänsegeier
Gänsegeier im Flug

Montag, 21.6.2021

  • 1 Bartgeier bei Oberstdorf
  • 3 Gänsegeier bei Rupprichteroth (25 km östl. von Bonn)

Dienstag, 22.6.2021

  • 1 ruhender Gänsegeier im Riedpolder (Friesland, NL) am Abend

Mittwoch, 23.6.2021

  • gegen Mittag 2 Gänsegeier bei Bühne im nördlichen Harzvorland
  • am frühen Nachmittag 1 Gänsegeier bei Liebenburg (nördliches Harzvorland), mutmaßlich eines der bei Bühne beobachteten Tiere
  • 1 Gänsegeier bei Mechelen-Aan-De-Maas (Limburg, Belgien)

Donnerstag, 24.6.2021

  • keine Beobachtung veröffentlicht

Freitag, 25.6.2021

  • keine Beobachtung veröffentlicht

Samstag, 26.6.2021

  • bis Redaktionsschluss, 14 Uhr, keine Beobachtung veröffentlicht.
    Wir werden die Sache weiter verfolgen.

 

Der Mönchsgeier ist ein riesiger, schwarzer Vogel.
Mönchsgeier können im Segelflug viele hundert Kilometer zurücklegen.

 

In den Niederlanden ist/war zudem ein Mönchsgeier unterwegs. Das Tier ist im 2. Kalenderjahr und farbberingt, ein weißer Ring mit schwarzer Aufschrift FVX am rechten Bein. Der erste Nachweis erfolgte am 16.6. in Frederiksoord in der Provinz Drenthe, im Norden des Landes. Der aktuell letzte Nachweis erfolgte am Sonntag, 20.6., auf einer Insel mit dem passenden Namen De Dode Hond (Der tote Hund), Noord-Holland. Das bekannte Naturentwicklungsgebiet Oostvaardersplassen ist in unmittelbarer Nähe.

 

Nachtrag, Sonntagabend: Ich habe gerade eine Mail von Julien Traversier vom Programme LIFE GYPCONNECT bekommen. Sie kennen den Mönchsgeier, der aktuell in den Niederlanden fliegt. Er ist 2020 im Massif Baronnies, 120 km nördlich von Marseille, dem südwestlichsten Ast der Alpen geschlüpft. Das Tier trägt den Namen Garrigues, stammt aus einer Wildbrut, so dass sein Geschlecht nicht bekannt ist. Herzlichen Dank, Monsieur Traversier!


Schmutzgeier auf britischer Insel

Schmutzgeier
Zwei Schmutzgeier (Beispielbild)

 

Passend hierzu ist auch die Meldung der BBC: Auf den Isles of Scilly wurde das erste Mal seit 150 Jahren ein Schmutzgeier auf britischem Boden gesichtet und fotografiert. Britische Vogelbeobachter sind seit jeher gut organisiert und haben zwei Nachweise von Schmutzgeiern in Großbritannien gefunden: 1825 und 1868. Der aktuell auf den Scillys rastende Vogel kam vermutlich aus Frankreich, hier gibt es laut BBC eine Population im Norden des Landes.


Forscher entdecken eine neue Art der Baumschliefer

Baumschliefer sind meerschweinchen- bis hasen-große Tiere, die in Afrika leben und nahe mit den Elefanten verwandt sind. Bisher sind drei rezente und eine fossile Art bekannt. Nun kommt mit Dendrohyrax interfluvialis eine vierte rezente Art dazu. Sie lebt in einem Gebiet zwischen den Flüssen Volta und Niger, eine Gegend, die sowohl tropische Regenwälder wie auch Trockenwälder beheimatet.
Die neu beschriebene Art hat noch keinen deutschen Namen. Sie unterscheidet sich von den lokalen Beständen des nahe verwandten Regenwald-Baumschliefers durch helleres Körperfell. Ihre Rufe sind anders strukturiert. Sie bestehen aus einer Serie von Kreisch-, Rassel- und Belllauten. Die Rufe des Regenwald-Baumschliefers bestehen aus hupenartigen Tönen.

 

Baumschliefer
Beecroft-Baumschliefer (Dendrohyrax dorsalis); nicht die neu beschriebene Art. Foto aus Kole, Democratic Republic of the Congo. Credit: Valerius Tygart / CC BY-SA 3.0

 

Die deutschsprachige Wikipedia hat bereits eine Seite über Dendrohyrax interfluvialis.

 

Die Erstbeschreibung erschien im Zoological Journal of the Linnean Society, zlab029, https://doi.org/10.1093/zoolinnean/zlab029

 


Komoren-Quastenflosser werden bis zu 100 Jahre alt

Nachgebildeter Quastenflosser-Lebensraum im NHM Wien (Foto: M. Bühler)

 

Komoren-Quastenflosser Latimeria chalumnae sind seit der Entdeckung lebender Tiere in ihrem Lebensraum nicht unbedingt für große Aktivität bekannt. Die „lebenden Fossilien“ leben langsam und energiesparend. Die Tiere können bis zu 2 m lang und 105 kg schwer werden, erst mit 1,5 m Länge werden sie geschlechtsreif. Sie bekommen wenige, große Jungtiere. So lag es nahe, dass die Tiere sehr alt werden können bzw. müssen.

Daher war es unerwartet, dass eine frühere Studie an 12 Individuen ein maximales Alter von 20 Jahren vermuten ließ.

Eine Studie des französischen Meeresforschungsinstituts IFREMER an 27 Schuppenproben zeigte ein anderes Bild. Das älteste Tier war 84 Jahre alt, vermutlich haben die Wissenschaftler das Alter der Tiere um den Faktor 5 unterschätzt, Einzelne Tiere sind vermutlich über 100 Jahre alt.

 

Quelle: Sci-News: African Coelacanths Can Live for Up To 100 Years, Scale Analysis Shows

 

Originalarbeit: New scale analyses reveal centenarian African coelacanths: https://doi.org/10.1016/j.cub.2021.05.054


Neue Vogelart in Neuguinea entdeckt

Die Bergregionen Neuguineas sind vermutlich die Landregion der Erde, die am wenigsten gut biologisch untersucht ist. Zahlreiche steile Täler mit hohen Wasserscheiden teilen die Insel nicht nur in zahlreiche Faunengebiete auf. Sie erschweren auch durch ihre Unzugänglichkeit die Forschung.

 

Jetzt haben Ornithologen eine bisher unbekannte Art Beerenpicker im Westen der Insel entdeckt. Die Art trägt den Trivialnamen Satin-Beerenpicker, wissenschaftlich Melanocharis citreola. Die Art unterscheidet sich von den fünf anderen Arten der Gattung durch die Gefiederfärbung, morphologische und genetische Unterschiede.

 

Beim Satin-Beerenfresser handelt es sich nur um die zweite in den letzten 80 Jahren von Neuguinea beschriebene Vogelart und repräsentiert die erste endemische Art in der „Vogelhals“-Region im Westen der Insel. „Das legt nahe, dass es nur noch wenige unbeschriebene Vogelarten auf der Insel gibt und zeigt, dass Ornithologen in den letzten Jahrzehnten in dieser Region sehr erfolgreich gearbeitet haben.“,

 

Quelle: Meet Satin Berrypecker, New Bird Species from New Guinea; Sci-News

Erstbeschreibung: A new, undescribed species of Melanocharis berrypecker from western New Guinea and the evolutionary history of the family Melanocharitidae; https://doi.org/10.1111/ibi.12981

 


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Denisovaner: Der rätselhafte Urmensch bekommt ein Gesicht

Hätte mir jemand vor 20 Jahren im Archäologiestudium erzählt, die Genetik würde bald viele Rätsel der Geschichte lösen, ich hätte es für ziemlich abwegig gehalten. Und heute? Lässt sich die Genetik nicht mehr aus der Archäologie wegdenken. Heute wissen wir, wie die Pestwellen einst über die Kontinente schwappten, wann der Mensch Schwein, Pferd und Hund zähmte oder wie das Erbgut ausgestorbener Arten aussah. Und wir wissen sehr viel mehr über uns, den Homo sapiens. Nicht nur, dass der moderne Mensch einst von Afrika aus die Welt eroberte, sondern auch, dass er auf seinem Weg andere Menschen traf, die ihm ähnelten und dennoch anders waren. Viel mehr noch: Diese anderen, ausgestorbenen Menschenformen haben Spuren in unserem Genom hinterlassen.

 

Spektrum Geschichte – Denisovaner: Der rätselhafte Urmensch bekommt ein Gesicht (Spektrum Geschichte / Von der Menschwerdung bis in die Neuzeit)ist 2020 im Spektrum-Verlag erschienen und hat 84 Seiten. Es ist als Taschenbuch oder für den Kindel erhältlich.

 

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Nahezu ausgestorbene Dibblers vermehren sich erfolgreich!

Die Sprenkelbeutelmaus (Parantechinus apicalis), auch unter ihrem englischen Namen Dibbler bekannt. Sie ist ein kleiner Raubbeutler mit etwa 14 bis 15 cm Kopf-Rumpf-Länge und lebt in Heidegebieten im Westen Australiens. Sie ist durch eingeschleppte Räuber, vor allem Katzen und Füchse so stark gefährdet, dass man sogar fürchtete, sie sei bereits ausgestorben.

 

Dibbler
Ein ausgestopfter Dibbler. Foto: Emöke Dénes im Zoologischen Museum Cambridge, CC BY 4.0

 

Doch die Dibblers halten sich auf zwei kleinen, vorgelagerten Inseln tapfer. Auch auf dem Festland findet man immer wieder vereinzelte Tiere, so selten, dass keine Angaben zum tatsächlichen Verbreitungsgebiet gemacht werden können. Die IUCN rechnet mit einer Wildpopulation von 500 bis 1000 Tieren. Der Zoo von Perth führt ein Erhaltungszuchtprogramm, aus dem immer wieder größere Zahlen von Tieren ausgewildert werden können. Im letzten Jahr konnten die Projektmitarbeiter eine Zahl dieser Beuteltiere auf Dirk-Hartog-Island auswildern. Ein erster Kontrollfang bestätigte nicht nur, dass die Dibblers dort überleben: „Sie hatte acht Junge im Beutel, das war wirklich aufregend und der erste Beweis für eine erfolgreiche Fortpflanzung auf Dirk Hartog.“, sagte Dr. Saul Cowan den abc.net.au-News.


Neue Geräuschfamilie bei Elefanten entdeckt

 

Asiatische Elefanten im Zoo
Asiatische Elefanten im Zoo. Elefanten sind sehr kommunikative Arten.

Elefanten tröten nicht nur oder erzeugen mit ihren Stimmbändern tieffrequente Laute, die andere Elefanten viele km weiter mit den Füßen spüren können. Jetzt haben die Verhaltensbiologinnen Veronika Beeck und Angela Stöger von der Universität Wien eine neue Lautfamilie entdeckt. Wenn sie sehr aufgeregt sind, produzieren asiatische Elefanten hohe Quietschlaute. Dazu nutzen sie ihre Lippen.
Das verdeutlicht, wie bedeutsam Lautäußerungen für die komplexe Sozialstruktur der Elefanten sind.

 

Quelle: Beeck, V.C., Heilmann, G., Kerscher, M. et al. A novel theory of Asian elephant high-frequency squeak production. BMC Biol 19, 121 (2021). https://doi.org/10.1186/s12915-021-01026-z


Orcas pflegen Freundschaften untereinander

Orcas gelten als extrem soziale Tiere. Sie reisen in großen, abwechslungsreichen Familiengruppen, versorgen Enkel nach den Wechseljahren und ahmen sogar die menschliche Sprache nach. Jetzt fügen Meeresbiologen der Liste ein weiteres Verhalten hinzu: schnelle Freundschaften schließen.

 

Orcas
Orcas in der Vancouver-Strait, möglicherweise Southern Residents

 

Audio- und Videoaufnahmen haben gezeigt, wie manche Meeressäuger soziale Strukturen pflegen – darunter auch männliche Delfine, die die „Namen“ enger Verbündeter lernen. Aber es gibt nur wenige Aufnahmen von wilden Schwertwalen, die im offenen Wasser jagen und spielen. Orcas wandern nur mit etwa 6 Stundenkilometern. Dennoch ist es schwierig, sie von Booten aus vollständig zu beobachten. Sie verhalten sich möglicherweise nicht natürlich in der Nähe von Menschen.

 

Hier kam die Drohnentechnologie ins Spiel. Michael Weiss, Verhaltensökologe am Center for Whale Research in Friday Harbor, Washington und Kollegen starten unbemannte Drohnen von Booten oder den Ufern des nördlichen Pazifiks. Sie fliegen sie 30 bis 120 Meter über einer Gruppe von 22 Southern Resident Orcas. Das war hoch genug, um die Wale nicht zu stören. Sie zeichneten innerhalb von 10 Tagen insgesamt 10 Stunden Filmmaterial auf.

 

„Diese neuen Bilder zeigen viele Berührungen vieler verschiedener Arten, wahrscheinlich im Zusammenhang mit verschiedenen Arten von Emotionen, ähnlich der komplexen sozialen Dynamik, die wir bei Menschenaffen sehen.“

 

Freundschaft zwischen den Orcas

Zu ihrer Überraschung registrierten die Forscher mehr als 800 Fälle von Körperkontakt zwischen einzelnen Individuen. Dazu gehörten rutschende Umarmungen, Rücken-an-Rücken- und Nase-an-Nase-reiben und „Flipper Slaps“ zwischen zwei Walen. Alles verteilt um synchrone Sprünge aus dem Wasser. Andere Wale warfen spielerisch Kälber in die Luft und ließen sie neben sich ins Wasser zurückfallen.
Diese Interaktionen waren nicht nur zufällig, sagt Weiss. Die Drohnenbilder zeigten klare Präferenzen unter den Individuen, meist für einen „besten Freund“ gleichen Geschlechts und Alters. Nehmen wir zum Beispiel J49 und J51 – zwei entfernt verwandte junge Männer im Alter von 9 und 6 Jahren. „Jedes Mal, wenn Sie eine Gruppe von Walen sehen, interagieren diese beiden direkt miteinander“, sagt Weiss. „Ich würde nicht zögern, hier das Wort Freundschaft zu verwenden.“

 

Quelle: Science Communication 

 

Originalarbeit: Age and sex influence social interactions, but not associations, within a killer whale pod


Der Turm von Urquhart Castle, hier soll sich Nessie am häufigsten rumtreiben
Der Turm von Urquhart Castle, hier soll sich Nessie am häufigsten rumtreiben

Klassische Kryptide

  • Kaum kommt das Sommerloch, lässt Nessie mal wieder von sich hören.
    – Zeit: 2. Juni 2021; gegen 13:30 Uhr Ortszeit
    – Ort: In der Nähe von Urquhart Castle
    – Melder: ein Tourist
    – Wetter: warm, sonnig, exzellente Sicht
    – Meldung: Der Tourist sah mit dem Fernglas für etwa 2 Sekunden eine unidentifizierte Kreatur.

Garry Campbell, der das The Official Loch Ness Monster Sightings Register betreibt, nimmt diesen Bericht als siebte Nessie-Beobachtung in diesem Jahr auf.


Neu beschrieben:

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Brachycephalus ibitinga, Abb. aus der Erstbeschreibung
  • Krishnamon heißt eine neu beschriebene Gattung. Die bisher als Telphusa austeniana bezeichnte Süßwasserkrabbe war nur von einem einzogen Exemplar aus Indien bekannt. Fotos zeigen eine wunderschön violett gefärbte, recht gewöhnlich aussehende Krabbe. DOI10.1093/jcbiol/ruaa009
  • Brachycephalus ibitinga heißt eine neu beschriebene, winzige und orangefarbene Art der Kurzkopf-Kürbisfrösche (Anura: Brachychephalidae). Sie kommt aus dem Südosten Brasiliens. DOI10.1655/HERPETOLOGICA-D-20-00031
  • Aus China stammt eine andere neu beschriebene Froschart. Megophrys ombrophila heißt sie, ist mit 27,4 bis 34,5 mm Körperlänge etwas größer und gehört zur Familie Megophrydae. DOI10.11646/zootaxa.4554.2.9 
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Achalinus huangjietangi in einer Handfläche. Abb. aus der Erstbeschreibung.
  •  Ebenfalls aus China, aus Huangshan, Provinz Anhui im Osten des Landes stammt die neu beschriebene Schlangenart Achalinus huangjietangi (Serpentes: Xenodermidae). Sie lebt unterirdisch in Tallagen und wird nur wenige Zentimeter lang. DOI: 10.16373/j.cnki.ahr.200075  
  • Gecko der Woche ist Hemiphyllodactylus zhutangxiangensis. Auch er stammt aus China, aber aus der Provinz Yunnan. Er ist mit maximal 44 mm Standardlänge (ohne Schwanz) oftmals kürzer als sein ausgeschriebener Name. DOI10.11646/zootaxa.4980.1.1

Kurz gemeldet

Biochemie

Säugetierzellen können unter gewissen Umständen RNA-Segmente in DNA übersetzen. Dies fand ein internationales Team von Wissenschaftlern an mehreren Unis der USA heraus. Hierzu verwendet die Zelle das ungewöhnliche Enzym aus der Gruppe der Polymerasen, die Polymerase Theta.

 

Bemerkenswert an dieser Erkenntnis ist, dass sie gegen das Zentrale Dogma der Molekularbiologie verstößt. Diese „reverse Transkription“ war bisher nur von Viren bekannt.

 

Quelle: Sci-News


Rezent im Meer

Australien erwartet in diesen Wochen 25.000 Buckelwale, die an der Ostseite des Kontinentes nach Süden wandern, um im Südsommer im antarktischen Ozean zu fressen.
Es gibt strengere Regeln für Bootsführer und Drohnenpiloten, um die Wale zu schützen.

 

Buckelwale
Zwei Buckelwale

Rezent im Süßwasser

Größter bekannter Arapaima gefangen

Am 15.6. berichtete das Nachrichtenportal BNC Amazonas von einem riesigen Arapaima. Der Fisch befindet sich in einem Kühlhaus für Speisefisch in Manaus, Brasilien. Er wurde bei der Ilha da Mameloca im Rio Japurá, einem nördlichen Nebenfluss des Amazonas gefangen. Das Tier wurde bereits am 12. November 2020 gefangen, misst 2,9 m in der Länge und wiegt gefroren und ohne Eingeweide 220 kg, das Gesamtgewicht lag sicherlich bei 270 kg oder mehr. Sein Kopf misst 69 cm, die Brustflossen sind 40 cm lang.

 

 

Riesiger Arapaima
der gewaltige Fisch auf einer Karre (Alle Fotos: BNC)

 

Das kapitale Tier wurde auf 30 Jahre geschätzt. Sie stammt aus der Gemeinde Ilha da Mameloca, wo 20 Fischerfamilien in einer Art Genossenschaft einen Fluss bewirtschaften und nachhaltig befischen. Auf diese Weise werden begehrte Fische wie der Arapaima vor Schwarzfischern geschützt. 

 

Drei Männer posieren mit dem tiefgefrorenen Kadaver. Auffällig ist die geringe Rotfärbung des Rückens.
Riesiger Arapaima
der riesige Fisch im Vergleich zu einem durchschnittlich großen Arapaima.

Um welche der vier bekannten Arapaima-Arten es sich handelt, war nicht zu klären.


Strandfunde

Archäologen fanden in einem Grabungsfeld bei Tsukumo in Japan das Skelett eines Mannes. Er starb an multiplen Verletzungen: Mehr als 790 einzelnen Sägeverletzungen an Armen, Beinen, dem Brust- und Bauchbereich. Das rechte Bein fehlte, das linke war abgetrennt und lag verkehrt herum auf dem Torso. Da ein menschlicher Konflikt ausgeschlossen werden konnte, nimmt man an, dass sich der Mann gegen einen Haiangriff gewehrt hat, denn die Wunden sind die typischer Abwehrverletzungen.
Vermutlich war der Mann gemeinsam mit anderen Menschen fischen, als ein Tigerhai oder ein weißer Hai ihn angriff. Die Tatsache, dass noch so viel von seinem Körper erhalten ist, spricht dafür, dass seine Kollegen ihn rasch bergen konnten.


Rezent an Land

Ein Wolf liegt auf einer Baumwurzel
Der Wolf kommt, jetzt auch nach Belgien.Die Frage ist, wie die Gesellschaft mit ihm umgeht.

 

Ein Wolf aus dem Rudel in Schermbeck ist in Belgien nachgewiesen worden. Es handelt sich um den Sohn der Wölfin „Gloria“. Gloria war mehrmals Thema bei uns, da ein Schäfer durch sie schwer geschädigt war und für besseren Schutz klagte. Aus Belgien sind über „GW2089m“, so der Name des Wolfes, noch keine Klagen bekannt.


Ausgestorben

„Oculo-Was?“ – „Da war doch noch was!“

ja, das Schauspiel um Oculudentavis geht in den nächsten Akt über. Nachdem im vergangenen Jahr ein Riesentamtam um eine inhaltlich grob falsche Erstbeschreibung einer Bernstein-Inkluse gemacht wurde, löst ein -damals vermutlich bereits bekanntes- neues Fossil die Sache besser auf. Als Oculudentavis naga hat ein Team von Wissenschaftlern die fossile Art beschrieben. Sie weicht in zahlreichen Punkten von der Typusart, Oculudentavis khaungraae ab. Der Einfachheit halber ist hier das auf Deutsch übersetzte Abstract der Erstbeschreibung:

Oculudentavis naga
Die Schädel von Oculudentavis naga (oben) und O. khaungraae (unten)

 

Oculudentavis khaungraae wurde anhand eines winzigen, in Bernstein eingeschlossenen Schädels beschrieben. Das schlanke, sich verjüngende Rostrum mit eingezogenen Nasenöffnungen, großen Augen und einem kurzen gewölbten Gehirngehäuse führte zu seiner Identifizierung als kleinster Vogeldinosaurier, der mit den kleinsten lebenden Kolibris vergleichbar sei. Trotz seines vogelähnlichen Aussehens wies Oculudentavis mehrere Merkmale auf, die nicht mit seiner ursprünglichen phylogenetischen Platzierung übereinstimmten. Hier beschreiben wir ein vollständigeres Exemplar, das zeigt, dass Oculudentavis tatsächlich eine bizarre Echse mit unsicherer systematischer Position ist. Das neue Exemplar wird als neue Art innerhalb der Gattung Oculudentavis beschrieben. Die Neuinterpretation und phylogenetische Platzierung heben einen seltenen Fall einer konvergenten Evolution bei den Schädelproportionen hervor, aber anscheinend nicht bei den morphologischen Merkmalen. 

 

Originalarbeit: Unusual morphology in the mid-Cretaceous lizard Oculudentavis DOI:https://doi.org/10.1016/j.cub.2021.05.040

 

Wir hatten im letzten Jahr zu Oculudentavis einige Beiträge. Hier sind die drei wichtigsten:

 

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PRIMORDIA – Auf der Suche nach der vergessenen Welt

Als Ben Cartwright in sein elterliches Heim zurückkehrt, um den Tod seines Vaters zu betrauern, stößt er zufällig auf eine Reihe von kryptischen Briefen zwischen Arthur Conan Doyle und seinem Ur-Urgroßvater, welcher 1908 während einer Dschungelexpedition im Amazonas spurlos verschwand. Dieser Briefwechsel lässt den unglaublichen Schluss zu, dass die Expeditionen seines Ahnen dem berühmten Autor als Basis für seine fantastische Geschichte über eine vergessene Welt voller urzeitlicher Lebewesen diente. Ben stellt auf eigene Faust Nachforschungen an

 

PRIMORDIA – Auf der Suche nach der vergessenen Welt: Roman ist ein 2018 im Luzifer-Verlag erschienener Roman. Er hat 400 Seiten und ist als Paperback, Kindle und Hörbuch erschienen.

 

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Zu guter Letzt:

Diesmal gibt es Haie und Sturmvögel, bzw. einen Hai und einen Sturmvogel:

 

 

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