Kryptozoologische Presseschau 25/2020

Lesedauer: etwa 12 Minuten
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Liebe Leserinnen und Leser,

 

wie immer montags gibt es auch diese Woche die kryptozoologische Presseschau. Diese Woche ist nicht so viel dabei, die „gewöhnlichen“ Nachrichten dominieren in den Medien, Politiker und Corona sind (noch) interessanter als Tiere – doch das Sommerloch kommt. Viele Kryptozoologen erwarten es mit einer Mischung aus Freude und Abscheu, denn Sommerloch heißt auch immer, dass drittklassige Meldungen aus dem Randbereich der Kryptozoologie aufkommen. Nachrichten wie „Amerikaner sitzt 20 Jahre auf einem Baum, um endlich einen Bigfoot zu schießen“ helfen nicht wirklich, um die Kryptozoologie seriös darzustellen.

Ähnlich verrückt, aber im positiven Sinne sind die Leute in Point Pleasant, wo jedes Jahr ein dreitägiges Fest für den Mothman veranstaltet wird. Sie wollen alte, Südstaaten-Denkmäler stürzen und …

 

Aber auch ohne solche Pseudosensationen gibt es diese Woche zwei Meldungen aus dem Bereich der „klassischen Kryptozoologie“. Vor Südmadagaskar hat ein Fischer einen Quastenflosser gefangen. Ebenfalls Fischer waren beim zweiten Fund beteiligt: sie zogen bei Whakaari in Neuseeland einen 3 m langen Kalmar aus dem Netz. Welcher Art das Tier angehört, ist noch nicht sicher.

 

Ornithologisch ist es im Moment ruhig, die Rosenstare sind weiter in Deutschland unterwegs, aber die Beobachtungen werden seltener und konzentrieren sich immer mehr auf die Nordseeinseln. Der Trend ist in Europa ähnlich, nach einem Peak um den 7.6. fallen die Beobachtungszahlen schnell ab. Der Beobachtungsschwerpunkt liegt immernoch in Norditalien, an der Adria- wie der Cote-Azur-Küste und dem südlichen Alpenvorland.

Der Einflug der Gänsegeier ist nahezu eine Eintagsfliege geblieben, weitere Beobachtungen bleiben im Rahmen. Die Ferienzeit beginnt, es wird ruhig.

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser


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Ausgestorben – Das Buch der verschwundenen Tiere

Was haben Triceratops, Säbelzahntiger und Elefantenvogel gemeinsam? Sie sind für immer von diesem Planeten verschwunden. Dieses Buch ist all jenen Tierarten gewidmet, die sich in der Natur heute nicht mehr bestaunen lassen. In witzigen und liebevollen Illustrationen bringt es das Wollhaarmammut, das Quagga und den Stegosaurus zurück. Die Leser lernen Aussehen und Lebensweise kennen, erfahren aber auch den Grund des Verschwindens von Dino und Dodo, sei es durch Evolution, Naturkatastrophen oder den Menschen.

 

„Ausgestorben – Das Buch der verschwundenen Tiere“ ist im Januar 2020 bei der Ravensburger Verlag GmbH erschienen. Das großformatige Buch hat 64 üppig illustrierte Seiten und ist für Leser ab 8 Jahren geeignet.


West Virginia: Mothman-Statuen sollen umstrittene Denkmäler ersetzen 

 

https://www.mothmanfestival.com/
Impression vom jährlichen Mothman Festival in Point Pleasant: https://www.mothmanfestival.com/

Kaum ein US-Bundesstaat war so sehr vom Bürgerkrieg gezeichnet worden, wie West Virginia. Die Konflikte sind heute noch da, genauso wie zahlreiche Statuen von Südstaaten-Kriegshelden. Diese Statuen stehen häufig auch für Sklavenhalter, und nicht erst seit den jüngsten Unruhen gegen die Bürgerrechte von afrikanisch-stämmigen Amerikanern.

 

Jetzt kam nicht nur Lehrer Jay Sisson auf die Idee, diese Bilder zu stürmen und durch Kryptide zu ersetzen: der Sasquatch, das Flatwoods-Monster und vor allem der Mothman sollen sie ersetzen. Sisson sagte hierzu dem MelMagazin: „Ich möchte, dass unsere Gemeinde etwas unerwartetes tut. Der Mothman kann jeden inspirieren, denn er gehört zu uns. Er ist ein Symbol für etwas größeres.“

 

Die Zahl von Einwohnern West Virginias, die die Südstaaten-Denkmäler vom Sockel holen und durch den Mothman ersetzen wollen, steigt stetig. Auch in den sozialen Medien gewinnt die Bewegung an Schwung. Der Nutzer „Problem Clown“ hat 1007 (!) Gründe gefunden, warum sich der Mothman besser als Denkmal eignet, als irgend ein Südstaaten-General.

 

Die erste Sichtung des Mothmans fand in Point Pleasant in West Virginia am 15. November 1966 statt. Als dann exakt 13 Monate später nur wenige km weiter eine Brücke einstürzte und es viele Tote zu beklagen gab, wurde der Mothman bekannt.


Quastenflosser vor Madagaskar gefangen

Quastenflosser auf Wagen
Quastenflosser beim Transport. Foto: Thierry Cordenos

Über iNaturalist kamen drei Fotos eines Quastenflossers Latimeria chalumnae. Das Tier liegt auf der Fußablage einer Handrikscha. Gefangen wurde das Tier offenbar vor der Mündung des Onilahy-Rivers, der im Süden der Westküste Madagaskars ins Meer fließt.

 

Vor Madagaskar, insbesondere in dieser Gegend wurden bereits öfter Quastenflosser gefangen. Unklar ist, ob es sich um verdriftete Tiere der Komoren-Population oder einer unbekannten Population handelt.

In wieweit das Tier für die Wissenschaft erhalten werden kann, muss sich noch zeigen.

Quastenflosser
Der gefangene Quastenflosser: himmelblau und groß, so kennt man ihn aus dem westlichen indischen Ozean (Foto: Thierry Cordenos)

 

Mehr zum Quastenflosser haben wir hier: Latimeria-Beitrag


Unerklärtes Elefantensterben in Botswana

 

Afrikanische Elefanten
In Botswana gibt es eine ungewöhnliche Häufung unbekannter Todesfälle bei Elefanten.

Mehr als 150 Elefanten sind in den Okawango-Sümpfen in Botswana in den letzten Monaten gestorben. Mitarbeiter der Wildtierbehörde fanden die Kadaver unangetastet, ohne Anzeichen für Wilderei, Vergiftung oder Anthrax. „Wir erleben immer noch, dass Elefanten am Okawango sterben. Wir sehen auch Elefanten, die Krankeitsanzeichen zeigen und offenbar mit dem Tode ringen“, sagte der Wildtier-beauftragte Dikamatso Ntschebe Reportern Anfang des Monats.

 

In Botswana leben zur Zeit etwa 130.000 Elefanten, etwa 1/3 der Population der Savannenelefanten.

 

Quelle: Reuters


Babyboom bei den Saiga-Antilopen

In Kasachstan sind dieses Jahr über 500 junge Saiga-Antilopen auf die Welt gekommen. Nachdem die Wilderei in den 1910er Jahren 90% der Saigas ausrottete, dauerte es bis in die 1950er bis wieder große Herden die zentralsaiatische Steppe bevölkerten. Doch der Bedarf an Hörnern für die traditionelle chinesische „Medizin“ ließ die Wilderer erneut aktiv werden. Als dann 2015 noch eine bakterielle Infektion 200.000 Tiere das Leben kostete, brach in zwei Jahren die Population um 70% ein. Doch sie erholte sich, trotz anhaltenden Jagddruckes schnell. 2019 lebten bereits wieder über 330.000 Tiere in Kasachstan, mehr als doppelt so viele wie 2017.

Saigas in Westkasachstan
Saiga-Herde auf dem Weg zum Wasserloch (Foto: Yakov Fedorov CC4.0)

Jetzt erwarten die Wildschützer in Kasachstan jedes Jahr sehnsüchtig die Geburt der Kälber. 2018 waren 58 Tiere geboren, 2019 nur vier. Für dieses Jahr werden jetzt schon 530 Neugeborene gemeldet. (Der Redaktion ist unklar, wie eines solche Geburtenzahl eine Population innerhalb von zwei Jahren auf 330.000 Tiere (2019) verdoppeln sollte, offenbar wandern die meisten Tiere aus Nachbarländern ein).

 

„Eins ist klar, sie sind ‚Survivor““ sagt E.J. Milner-Gulland, Vorsitzender der Saiga Conservation Alliance, „Diese Art wurde vielfach niedergeschlagen, und jedes Mal kommt sie zurück.“


Riesiger Kalmar in Neuseeland gefischt

gigantischer Kalmar
Dieser riesige Kalmar wurde am 19.6. vor Neuseeland gefangen (Foto; )

Die Crew des Tiefseefischers „Margaret Philippa“ hatte Glück – oder Pech, je nachdem, wie man es sieht. Sie fischten in etwa 1000 m Tiefe bei Whakaari/ White Island am Rand des Kontinentalschelfes. Innerhalb von 24 h fingen sie einen Kalmar von 10 kg, dann einen von 30 kg und jetzt ein gewaltiges Tier von 80 kg. Es handelt sich hierbei offensichtlich um ein Weibchen, es ist voll mit Eiern. Zur genauen Artbestimmung kommt der Kalmar ins Auckland Museum.

Unser Autor Markus Bühler hat das Tier anhand des Fotos als Taningia danae identifiziert. Dieser Kalmar trägt die größten bekannten Leuchtorgane in der Tiefsee. Sie sind in den Fangarmen integriert, ein Video zeigt, wie der Kalmar mit blitzenden Lichtern seine Beute blendet.
Die größten Tiere dieser Art erreichen bis zu 160 kg, eine Mantellänge von 170 cm und eine Gesamtlänge von 2,3 m. Bisher sind nur wenige Tiere der Art bekannt, unter anderem von Galicien und Bermuda.

 

Quelle: Sunlive.co.nz


Neu beschrieben:

  • Ein Madagaskar-Engmaulfrosch ist mit dem wissenschaftlichen Namen Platypelis laetus neu beschrieben worden. Der ca. 25 mm lange Frosch ist im Tsaratanana-Massiv im Norden der Insel endemisch. Die Originalarbeit ist in der Zoosystematics and Evolution erschienen.
  • Noch ein weiterer Frosch ist neu beschrieben worden. Pristimantis rupicola gehört zur Familie Craugastoridae und ist eine von über 500 beschriebenen Arten der Gattung. Die Erstbeschreibung steht im J. of Herpetology.

 

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Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren 

Wie sah ein Tretretretre aus? Was ist ein Dodo? Was wurde aus den Riesenbibern? Hélène Rajcak und Damien Laverdunt erzählen in Text und Bild, in naturgetreuen Illustrationen und informativen Comics vom Leben und Sterben von Tieren, die irgendwann zwischen der Steinzeit und unserer Gegenwart ausgestorben sind – großartige Tiere, die es verdienen, dass wir ihrer gedenken.Dieses Buch erzählt von dreißig verschwundenen Tieren aus fünf Kontinenten und damit von der Geschichte des Lebens in seiner Vielfalt.

 

Unglaubliche Geschichten von ausgestorbenen Tieren ist bei Jacoby & Stuart am 29. Februar (!) 2012 erschienen und hat 77 Seiten. Es ist für Zoodetektive ab 10 bis 12 Jahren geeignet – und natürlich für kindgebliebene Erwachsene.

 


Kurz gemeldet:

Rezent

  • Der Leipziger Zoo hat drei Löwenbabies Mateo, Hanna und Elsa getauft. Löwenmutter Kigali hatte am 25. und 26. Dezember 2019 gesunde Fünflinge zur Welt gebracht, jedoch nach einer Routineimpfung attackiert und zwei Junge getötet. Die verbliebenen drei wurden nun wegen Corona ohne Besucher getauft, die Zeremonie wurde im Livestream übertragen.
  • Auf der Autobahn A 4 bei Düren in NRW ist ein Kleintransporter wegen eines geplatzten Reifens verunfallt. Bei der Ladung handelte es sich teilweise um lebende Krabben, die sich nach dem Unfall auf der Fahrbahn und den Seitenstreifen verteilten. Die Feuerwehr „fischte“ auf der Autobahn nach den Zehnfüßlern und brachte sie zunächst in Kühlbehältern unter, bevor sie „an einen Zoo“ weiter gegeben wurden.
  • Artenschutzhaus Gelsenkirchen
    Das Artenschutzhaus ist Heim für zahlreiche unterschiedliche Tierarten (Foto: WDR)

    Der Strukturwandel im Ruhrgebiet bringt vieles mit sich. In Gelsenkirchen Hassel entsteht auf dem Gelände einer alten Kokerei ein Stadtteilpark. Das Stellwerk der Kokereibahn wurde dabei  von NaBu und der Ruhrkohle AG zum Artenschutzhaus umgebaut. Es bietet gibt es Nischen, Vorsprünge und Nistkästen zum Beispiel für Fledermäusen und Schwalben. In dieser Form wurde es von der UN als wichtiger Beitrag zur Biologischen Vielfalt ausgezeichnet.

Ausgestorben

  • Der kleine Handfisch Sympterichthys unipennis gilt nun offiziell als ausgestorben. Bekannt ist er ausschließlich durch den Holotyp, der bereits 1802 gesammelt wurde. Die Art kam in den Gewässern um Tasmanien endemisch vor. Als Aussterbegründe werden Schwermetallverschmutzung und ein eingeführter Seestern, der die Laichschnüre der Handfische frißt, angegeben.
    Die Tiere wurden nur etwa 5 cm lang und lebten sehr versteckt. Es ist nicht auszuschließen, dass sie auch nach über 200 Jahren noch unbeobachtet überleben.

Strandfunde

  • Der letzte Woche in Wales gestrandete Finnwal wurde vom CISP obduziert. Das Waljunge war 12,65 m lang und männlich. Er war in mäßigem bis schlechten Ernährungszustand und hatte in der letzten Zeit nicht gefressen. Er litt nur unter leichter Parasitenbürde und hatte keinen Abfall im Magen. Möglicherweise hat ein Parasit der Gattung Crassicauda eine Niere des Wals stark geschädigt. In wieweit das Aufsuchen eines ausgesüßten Bereiches eine Folge davon sein kann, ist spekulativ.

Sonstige Funde

Diese kleine Fledermaus hat bei ihren meschlichen „Gastgebern“ zumindest für Verwunderung, möglicherweise auch für Verstopfung gesorgt. Hoffentlich gab es noch eine andere Toilette im Haus:

Fledermaus an Klopapier
Diese Fledermaus hat einen ungewöhnlichen Notschlafplatz gefunden (Foto: ABC Sydney)

Feld-Ornithologisches

Der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) erfasst regelmäßig alle möglichen Vogelgruppen in Deutschland. Jetzt ist der Bericht über die „Erfassung von Brutvögeln“ erschienen. Er kann für € 9,80 beim DDA bestellt werden, oder über diesen Link kostenlos als pdf herunter geladen werden: Download pdf

Mehr zum Thema und die Bestellmöglichkeit für die gebundene Form sowie weitere Berichte gibt es auf der Website des DDA.

 

Neu in der vergangenen Woche

  • In Magdeburg stolzierte ein Nandu durch die Gärten der Berliner Chaussee. Natürlich ist er nicht von selbst her gekommen, sondern aus einer Privathaltung geflüchtet. Da wollte er offenbar nicht wieder hin zurück und flüchtete, bevor der Besitzer kam.
  • Bemerkenswert sind diese Woche die Würger. Diese Familie der Singvögel zeichnet sich durch eine ungewöhnliche Ernährungsweise aus: sie jagt relativ große Insekten und andere Kleintiere, bis zu Mäusen. Alle Arten haben in Deutschland und den umliegenden Ländern seit den 1950ern große Populationsverluste bis hin zum landesweiten Aussterben hinnehmen müssen. Um so erfreulicher ist, dass bei Burgdorf bei Hannover ein Schwarzstirnwürger, und bei Rostock sowie im Erzgebirge ein Rotkopfwürger beobachtet wurden.
  • Neu ist auch ein Adlerbussard, der bei Kiel seine Kreise zog.

Die „immer noch da“-Meldungen:

  • Weiterhin sind Gänsegeier in Deutschland unterwegs. Am Wochenanfang flogen kleine Trupps im Saarland und der Pfalz, am Wochenende auch am Rhein bei Neuwied. Ein größerer Truoo von über 30 Tieren landete am Freitagabend in der Nähe des Steinhuder Meeres. Dazu kommen ein paar Einzelmeldungen, aus dem Allgäu und bei Lüneburg.
  • Rosenstare sind weiterhin die Stars bei den Vogelbeobachtern. Diese Woche wurden sie bei Hitzacker an der Elbe, Wedel vor den Toren Hamburgs, bei Göttingen und auf den Inseln Nordstrand und Helgoland beobachtet.
  • Der Steppenkiebitz bei Riesigk von vorletzter Woche wurde am vergangenen Montag noch gemeldet. Ob er noch da ist, wissen wir nicht.
  • Natürlich ist auch noch der Kaiseradler am Randowbruch. Mittlerweile scheint er ein recht sicherer Kandidat zu sein, vielleicht macht mal einer der Mitleser da eine Tour hin?

Zu guter Letzt:

Die Cingino-Staumauer ist eine Bruchstein-Staumauer, die etwa sieben Kilometer südwestlich von Antrona Schieranco in der Provinz Verbano-Cusio-Ossola im Piemont, Italien, steht. Steinböcke erklettern diese Mauer, um an lebenswichtige Calciumsalze zu gelangen, die die Mauer ausschwitzt. Die Bilder sind atemberaubend:

 

 

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