Kryptozoologische Presseschau 26/2020

Lesedauer: etwa 10 Minuten
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Liebe Leserinnen und Leser,

 

wie immer montags gibt es auch diese Woche die kryptozoologische Presseschau.

 

In der klassischen Kryptozoologie hat es eigentlich nur ein Highlight gegeben, einen Hoax um das Loch Ness Monster. Ein britischer Blog-Autor hat die Sache meisterhaft auseinander genommen und das Ganze in kurzer Zeit gelöst.

In Deutschland sind vor allem die Vögel interessant, die Rosenstare nehmen immer mehr ab. Dafür ziehen weiterhin Gänsegeier einzeln und in kleinen Gruppen durch bzw. über Deutschland, den Niederlanden, Polen und Tschechien. Offenbar sind mindestens zwei Gruppen unterwegs, eine lässt sich wohl auf die halbwilden Tiere aus dem Zoo Innsbruck zurück führen. Die andere scheint aus dem Südwesten zu kommen, die genaue Herkunft ist unklar.

 

Bei uns tut sich einiges. Einer unserer Autoren hat sich tief in ein Thema verbissen und eine Serie aus drei Artikeln hervorgebracht, die sich mit einem hoch interessanten, jedoch kaum beachteten Kryptid befassen. Im Hintergrund arbeiten wir an einem weiteren Webportal, das vermutlich bald die Pforten öffnet.

Und – wie immer: „Wir sind auf der Suche nach Autoren!“ Wer ein Thema hat, wir helfen gerne, einen Artikel draus zu machen. Wir helfen beim Schreiben und beim Recherchieren. Fragt einfach nach.

 

Ach übrigens: Der Staat Oregon hat dem Wal, den man vor fast 50 Jahren mit sehr seltsamem Erfolg ein Wal zu sprengen versuchte, mit einem Park ein Denkmal gesetzt. Ab sofort kann man den Exploding Whale Memorial Park besuchen, wegen Corona derzeit nahezu nur virtuell: Website

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser


 
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DAS Standardwerk zur Haltung von Dinosauriern

Überall, wo sich Freunde und Halter von Dinosauriern treffen, ist der Name Robert Mash in aller Munde. „Robert Mash hat dies getan“, „Robert Mash hat jetzt“, „Hast du vom neuen Dino von Mash gehört, der kann…“ machten die Gerüchte unter der Hand ihre Runde. Jetzt hat Mash geliefert und seine Erfahrung mit der Haltung von Dinosauriern in einem Buch zusammengefasst.

 

„Mit wunderbar übersetztem typischen englischen Humor beschreibt der Autor 57 Dinosaurierarten und für welche Zwecke sie sich am besten eignen … Dieses Buch ist ein großer Spaß mit wissenschaftlichem Hintergrund. Auf jeder Seite findet man eine neue phantastische Idee, eine neue humorvolle Beschreibung mit ebenso phantastischen Fotos.“ beurteilt GMIT das Werk.

 

Wir finden: ein tolles Lesebuch für junge und junggebliebene Dinosaurierfreunde. Man kann es toll zusammen lesen und sich dann vorstellen, wie es ist, mit Dinos zusammen zu leben. Keine Frage, wer da die besseren Ideen hat.

 

Dinosaurier [nicht nur] für Haus, Hof und Garten: Ein praktischer Ratgeber für den modernen Tierfreund. Mit einem Vorwort von Richard Dawkins ist 2004 bei Spektrum erschienen, hat ein Hardcover und 96 quadratische Seiten. Leider ist es nur noch antiquarisch zu bekommen. Die Preise variieren, aber für gute Exemplare zahlt man etwa 20 €. Mit steigenden Preisen wird gerechnet.


DNA-Beweis: Der Bindenlangur ist mehr als eine Art

Presbytis femoralis
Raffles Bindenlangur Presbytis femoralis, die Nominatform aus Singapur. (Foto by Andie Ang, CC 4.0)

Der Bindenlangur, Presbytis femoralis, galt bisher als eine Art, die im Süden Thailands, in Singapur und auf Sumatra jeweils eine Unterart bildete. Forscher des Singapure Wildlife Conservation Funds, der Andalas University und weiterer Institute sammelten Kotproben freilebender Affen und extrahierten daraus deren DNA.

 

Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass sie die drei Unterarten jeweils zu eigenen Arten erhoben: Presbytis robinsoni in Thailand, die ehemalige Nominatform P. femoralis in Singapur und P. percura im Osten Sumatras. Alle drei Arten sind in ihrem Bestand gefährdet.

Literatur: Originalarbeit in Scientific Reports


Riesen-Fake in Loch Ness

Loch Ness Fake
Das ist das Fake-Bild

Vor gut 14 Tagen gingen vier neue Bilder viral, die bei Loch Ness, am Urquhart Castle aufgenommen sein sollen. Sie zeigen einige Zweige im Vordergrund, dunkelblaues Wasser und im Hintergrund Berge mit Wald und Feldern. Interessant ist ein gefleckter Rücken, der aus dem Wasser ragt.

Insgesamt gehören vier Bilder zu dieser Serie. Die Bilder sahen recht „natürlich“ aus, wenn auch Licht und Wellen um den „Rücken“ komisch wirkten. Ein Gegencheck mit den eigenen Aufnahmen von Loch Ness bestätigen: Der Aufnahmeort stimmt.

Blieb nur noch der Versuch, den fleckigen Rücken einem Tier, insbesondere einem Nar- oder Grauwal zuzuordnen. Leider gelang das weder mir noch zwei anderen Autoren dieser Seite.

 

„Glasgow Boy“, ein Autor bei lochnessmystery.blogspot.com ging einen anderen Weg. Er kontaktierte den Fotografen und suchte nach ihm im Web. Der Fotograf konnte oder wollte die raw-Dateien seiner Kamera nicht herausrücken, schickte statt dessen großformatige jpg oder tiff-Dateien. Gleichzeitig fand „Glasgow Boy“ heraus, dass der Fotograf sein Geld mit CGI, also computer-generierten Bildern verdient. Ein Schelm, wer schlechtes dabei denkt.

 

Die endgültige Auflösung kam dann am vergangenen Mittwoch. Ein findiger Mensch, Jeriah Houghton, fand ein identisches Fleckenmuster auf dem Rücken eines Welses, der unfreiwillig mit einem Angler posen musste. Lediglich die Farbbalance war etwas verschoben.

Wels
Hier kommt das Fleckenmuster her

Fazit: Fake verursacht Aufregung und wird sauber geklärt. Ausführlicher gibt’s die Story im lochness-Mystery Blogspot: hier und hier.


Fischsterben an der Nordseeküste

Sylt, St. Peter-Ording, Büsum, Cuxhaven: an mehreren Stellen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen hat die Nordsee in den vergangenen Tagen tote Fische angespült. Hauptsächlich waren das heringsartige Fische wie Heringe und Sprotten, aber auch Aale und ein Stör, der bei Cuxhaven gefunden wurde.

Toter Stör bei Otterndorf
Entdeckt vor Otterndorf: Dieser rund 1,2 Meter lange Stör ist an Land gespült worden. Rolf Schumacher hat das leblose Tier bei einer Wattwanderung fotografiert. Foto: Rolf Schumacher

Bemerkenswert ist, dass viele Wasser- und Watvögel zwar mit jungen Heringen ihre Küken füttern, aber die toten Fische nicht anrühren.
Umweltschützer vermuten die vor ein paar Tagen begonnenen Baggerarbeiten an der Elbvertiefung in Hamburg. Andere Experten bringen auch Giftblüten von Cyanobakterien ins Spiel.

Einen ähnlichen Vorfall gab es 2007 vor Sylt, als hunderttausende tote Fische angeschwemmt wurden. Damals konnte nicht geklärt werden, warum es dazu kam.


Beluga bei San Diego

Belugawale sind polare Tiere, schon die Farbe legt ihre Verbindung zu Schnee und Eis nahe. Sie kommen normalerweise an den Küsten Russlands, Alaskas und Kanadas vor. Die Population im Sankt Lorenz Golf ist ein südlicher Ausreißer.

Beluga in Kalifornien
Der Beluga vor San Diego (Foto: Gone Whale Watching San Diego, Facebook)

Um so verwunderlicher ist, wenn  Whale Watcher vor Dan Diego einen Beluga entdecken. San Diego liegt am südlichen Ende des US-Bundesstaates Kalifornien, an der Grenze zu Mexiko. Die Beobachtung von Lisa LaPointe,Chris Faist und Domenic Biagini konnte durch Drohnenaufnahmen bestätigt werden. Es ist die erste Beobachtung eines Belugas in kalifornischen Gewässern, fast 4000 km vom nächsten natürlichen Vorkommen im Süden Alaskas entfernt.
Auf den Fotos wirkt das Tier gesund, zeigt keine Verletzungen und wird von den Beobachtern auf 5 m Länge geschätzt.


Den Seepferdchen tut Covid 19 gut

Der britische Seahorse Trust hat eine Pressemitteilung rausgegeben: Den Seepferdchen in den britischen Gewässern geht es so gut, wie seit 2008 nicht mehr. Bei einem Zähltauchgang in der Studland Bay in Dorset, England habe man 16 Langschnäuzige Seepferdchen (Hippocampus guttulatus) gezählt.

 

Neil Garrick-Maidment, Gründer des Trustes sagt; „Es gibt so viele Seepferdchen, weil die Nahrungskette sich erholt hat. Es gibt mehr zu fressen und bessere Verstecke.“

 

Weiteres bei Return to now.net


Neu beschrieben:

Leptobrachium lunatum
Leptobrachium lunatum, Bild aus der Erstbeschreibung: Stuart, Som, Neang, Hoang, Le, Dau, Potter & Rowley
  • Noch eine neu beschriebene Froschart aus Vietnam: Diesmal ist es eine Art aus der Familie Megophryidae, den Asiatischen Krötenfröschen. Leptobrachium lunatum heißt die Art und ist bis auf eine auffällig weiß bis orange gefärbte, halbmondförmige Fläche (Name!) auf der Iris eher unauffällig graubraun. Erstbeschreibung im Journal of Natural History.
  • Zwerggarnelen sind bei Aquarianern in den letzten Jahren sehr beliebt, kein Wunder, dass Einheimische und Forscher genauer hinsehen. Im Norden Vietnams wurden zwei bisher unbekannte Arten der Gattung Caridina beschrieben: Caridina tricincta und Caridina pacbo. Die Erstbeschreibungen sind im Raffles Bulletin erschienen.
  • Bradinopyga konkanensis heißt eine neu beschriebene Libellenart aus den Western Ghats in Indien. Soweit bekannt ist es die einzige hier endemische Art, die mit lateritischen Küsten verbunden ist. Originalarbeit: Zootaxa

 

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Welcher Gartenvogel ist das?

Welche Vögel leben vor unserer Haustür? Wie kann der eigene Garten vogelfreundlich gestaltet werden? Der KOSMOS Kindernaturführer zeigt die 85 wichtigsten heimischen Gartenvögel mit Vogelstimmen zum Anhören über die kostenlose App. Zusätzlich gibt er nützliche Tipps und Tricks rund ums Beobachten, Bestimmen und Selbermachen.

 

Kompetent und kindgerecht stellt dieser Naturführer für Kinder die spannende Welt der heimischen Gartenvögel vor. Empfohlen vom NABU.

 

Welcher Gartenvogel ist das? Kindernaturführer ist 2019 bei Kosmos erschienen und für Vogelfreunde ab 7 Jahren empfohlen. Das Taschenbuch hat 112 Seiten und wird durch eine kostenlose App ergänzt.

 


Kurz gemeldet:

Rezent

  • In den Dolomiten, am Monte Peller hat es einen unschönen Zusammenstoß zweier Wanderer mit einem Bären gegeben. Der Bär sei überraschend aufgetaucht und der jüngere der beiden Männer vor Schreck hingefallen. Der Bär habe sich über ihn gebeugt, worauf hin sich sein Vater „auf den Bär gestürzt habe“. Fazit: der 59-Jährige erlitt Knochenbrüche im Bein und tiefe Wunden, der Sohn kam mit oberflächlichen Verletzungen davon. Der Bär ist flüchtig.
    Im Trentin(o) wurden Bären wieder angesiedelt, mehrere Dutzend Tiere leben größtenteils unauffällig in den Bergen.
  • Eine nach der Paarung mit einem Hund nahe Schwaan (Landkreis Rostock) am 10. oder 11. April abgeschossene Wölfin ist nicht trächtig gewesen. Dies hätten die Sektion des Tieres im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin sowie weitere Untersuchungen ergeben, teilte das Umweltministerium in Schwerin am Donnerstag mit. Aufnahmen aus Wildkameras hatten wiederholte Paarungen zwischen der Wölfin und einem Hund gezeigt, das Ministerium hatte deswegen eine erhebliche Gefahr der Hybridisierung befüchtet und eine Sondergenehmigung erteilt.
  • Bei Rheinstetten im Kreis Karlsruhe sind zwei Hunde in einer Altrheinschleife verschwunden. Die Feuerwehr suchte am vergangenen Dienstag mit 26 Einsatzkräften vergeblich nach einem Labrador und einem Dalmatinermischling.

Historisch

  • Im schottischen Edinburgh haben Bauarbeiter bei Bodenarbeiten für die Straßenbahn zwei Walknochen gefunden. Zwischen der Post und einem Schrottplatz in der Constitution Streef lagen die Knochen im Boden. Mitarbeiter des National Museum of Scottland identifizierten die Knochen, Radius und Ulna (Speiche und Elle) eines großen, männlichen Pottwals.
    Experten vermuten das Alter bei bis zu 800 Jahren, eine C14-Datierung steht noch aus.
    Elle und Speiche eines Wales sind nicht Ziel des Walfanges gewesen. Wieso die beiden Knochen in der Constitution Street lagen, wird kaum zu klären sein. Aktuell wird vermutet, dass sie ein Walfänger als Souvenier mitgenommen hat.

Feld-Ornithologisches

Immernoch sind Rosenstare in Deutschland unterwegs, aber die Beobachtungen werden seltener. Diese Woche kommen sie nur noch von Hamburg, Göttingen und natürlich Helgoland.

 

Dafür verbreiten sich die Gänsegeier immer weiter. Sie wurden im Wettersteingebirge, bei Murnau, aber auch in Dinklage, am Steinhuder Meer, im Sauerland und erstaunlicherweise in Hamburg beobachtet.

Neu in der vergangenen Woche

  • In Aholfing bei Regensburg an der Donau ist ein Pazifischer Tundra-Goldregenpfeifer Pluvialis fulva eingeflogen. 
  • Keine 10 km vom zukünftigen Büro der Redaktion, in Wupperhof/ Solingen hat sich ein Sichler sehen lassen.
  • Bei Kamenz in der Westlausitz ist ein Schwarzstirnwürger eingeflogen.
  • Der Triel in Niederkrüchten ist dagegen schon fast unauffällig.

Die „immer noch da“-Meldungen:

  • Der Kaiseradler am Randowbruch – jetzt das letzte Mal gemeldet, in Zukunft nur noch, wenn es News gibt. Schade, dass es nur einer ist.

Zu guter Letzt:

Auf dem Weg mit einer Adlerdame durch die Allgäuer Alpen:

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