Kryptozoologische Presseschau 29/2020

Lesedauer: etwa 10 Minuten
image_pdfimage_print

Liebe Leserinnen und Leser,

 

wie immer montags gibt es auch diese Woche die kryptozoologische Presseschau.

Auch wenn das Wetter es noch nicht immer glauben lässt: Das Sommerloch ist da. Corona, Feuer und Formel 1 lassen das kaum glauben, aber zumindest der WDR hat das erste Sommerlochtier diesen Jahres bereits gekrönt. Känguru „Boomer“ hoppste durch den deutsch-niederländischen Grenzbereich, nicht ohne die Polizei und andere wohlmeinende Fänger zu foppen. Ob leider oder zum Glück: in der vergangenen Woche gelang es der Feuerwehr, das Tier wieder einzufangen und hinter Schloss und Riegel zu bringen. Mal sehen, für wie lange.

 

Diese Woche haben wir eine Woche der Wale. Haben wir letztens noch berichtet, dass es bestimmten Populationen gut geht, ist es diesmal eher anders herum. Die Grauwale der amerikanischen Pazifikküste hungern. Ein einzelner Weißer Hai schafft es, einen -zugegeben bereits geschwächten- Buckelwal niederzuringen und das ohne große Anstrengung. Bemerkenswert, was diese Tiere alles drauf haben.

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser


Werbung

 

Astrobiologie

Sollte es Leben in unserem Sonnensystem geben, wird es in diesem Jahrhundert gefunden werden. Mit diesem Buch wird dem Leser der aktuellste Stand der Astrobiologie verständlich vermittelt und über die heutigen und anstehenden Missionen der Raumfahrtbehörden berichtet. Kommen Sie mit auf die Reise von der Entstehung des Lebens, über die Möglichkeiten von Leben in unserem Sonnensystem, bis hin zu Exoplaneten und fernen erdähnlichen Welten, um das Phänomen des Lebens als planetaren Prozess verstehen zu können.

 

Astrobiologie – die Suche nach außerirdischem Leben ist in der ersten Auflage 2019 bei Springer erschienen und hat 306 Seiten.

Grauwale verhungern

Aus Nordkalifornien kommt eine beunruhigende Meldung. Die Mendocino-Voice bemerkt sehr regelmäßige Strandungen von Grauwalen. 2020 ist dabei das dritte Jahr in Folge, in dem eine ungewöhnlich hohe Mortalität von Grauwalen an der nordamerikanischen Pazifikküste registriert wird.

Die Wissenschaftler sind sich noch unsicher, was den Anstieg der Todesrate verursacht. Es gibt aber deutliche Hinweise auf klimabedingte Faktoren, erklärt Sheila Semans, Executive Director am Noyo Center for Marine Science, in Nordkalifornien. Die National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) entdeckte bei der Obduktion der Kadaver, dass zahlreiche Wale mangelernährt waren. Offenbar finden die Tiere nicht mehr genug Nahrung in ihren „feeding grounds“ im Golf von Alaska. Ohne ausreichende Vorräte schaffen sie die 10.000-Meilen-Reise in den kalifornischen Golf nicht. Dort sind die Fortpflanzungsstätten.

gestrandeter Grauwal
Mitarbeiter der Fisheries and Oceans Canada vermessen einen gestrandeten Grauwalkadaver, Mai 2020

„Die Ozeane erwärmen sich und die Verbreitung der Nahrungsorganismen hat sich verändert. Die Wale haben schlicht nicht genug Treibstoff, um den ganzen Weg zu schaffen“, fasst Semans das Dilemma zusammen.

In diesem Jahr sind 137 Grauwalkadaver entlang der Wanderroute angespült worden. Durchschnittlich wurden in den Jahren 2000 bis 2018 19 Kadaver gefunden.


Weißer Hai erbeutet erwachsenen Buckelwal

Dies ist die erste wissenschaftliche Beobachtung eines Weißen Haies, der einen Buckelwal angreift und tötet. Ein Video einer Drohne zeigt, wie ein etwa 3,5 m langer Weißer Hai („Helen“) einen 11 m langen Buckelwal angreift und tötet. Der Buckelwal war allerdings zu dem Zeitpunkt bereits von seiner Gruppe isoliert und vermutlich wegen einer Verstrickung in ein Seil bei schlechter Gesundheit. Dennoch war nicht zu erwarten, dass ein einzelner Hai einen so großen Wal alleine erfolgreich erbeuten kann. Dabei ging der Hai nahezu strategisch vor:

Weißer Hai
Weißer Hai

Zunächst biss der Hai den Wal in den Schwanzstiel. Dies ist die einzige Stelle, die er mit seinem Maul umfassen kann. Dabei verletzte er die Schwanzarterie, große Mengen Blut traten sichtbar aus. Etwa 30 Minuten umkreiste der Hai sein Opfer und wartete, bis der Blutverlust den Wal zusätzlich geschwächt hatte. Dann griff der Hai erneut an, diesmal am Kopf. Er drückte den geschwächten Wal unter Wasser, so effektiv, dass das riesige Tier nicht ein einziges Mal Luft holen konnte. 50 Minuten nach dem ersten Angriff war der Wal tot.

 

Quelle: Dailymail.co.uk mit sehenswerten Bildern


Diesjähriges Sommerlochtier: ein Känguru?

Dieses Jahr ist das Känguru „Boomer“ der erste Kandidat für das Sommerlochtier. Boomer stammt aus dem niederländischen Landgraaf und war vor etwa 14 Tagen ausgebüchst. Am 14.7. wurde es das erste Mal in Herzogenrath gesichtet, am 16.7. konnten Mitarbeiter der Stadt und der Feuerwehr das Beuteltier einfangen.

Sommerlochtiere haben in Deutschland bereits einige Tradition, die vom Brillenkaiman Sammy 1994 begründet wurde. Weitere berühmte Sommerlochtiere sind der Killerwels Kuno von 2001, der sich aber als Ente erwies. Realer waren „Problembär“ Bruno 2006, Schwan Petra 2006 bis 2008 und die Kuh Yvonne, die 2011 ausriss und mehr als drei Monate nicht einzufangen war.

 

Quelle: WDR



160 Schildkröten vor Bangladesch aus Plastikmüll gerettet

Naturschützer haben am bekannten Strand von Cox’s Bazar in Bangladesch etwa 160 Schildkröten aus Plastikmüll gerettet. Ungefähr 200 Oliv-Bastardschildkröten seien am vergangenen Wochenende zusammen mit Bergen von Plastikflaschen, Fischernetzen und anderem Müll angeschwemmt worden. Viele der Tiere waren verletzt, etwa 30 weitere konnten nur tot geborgen werden.

 

Bangladeschs führender Schildkrötenexperte Shahriar Caesar Rahman vermutet, dass die Tiere in den schwimmenden Plastikmassen gefangen waren. „Sollte es uns nicht gelingen, die Umweltverschmutzung im Golf von Bengalen unter Kontrolle zu bekommen, werden viele dieser Meerestiere ein ähnliches Schicksal erleiden“, warnte er.

 

Quelle: AFP


Bochum bekommt einen Buckelwal

Nein, der Zoo in Bochum wird nicht gewaltig erweitert und das „Himmelbett für Tauben“ (Herbert G.) bekommt auch kein Naturkundemuseum. Die Ruhr ist er nicht hochgewandert (obwohl der Fischlift am Baldeneysee stromanbwärts jetzt in Betrieb ist, siehe unten) und in die Emscher passt er nicht.

Beim Bochumer Buckelwal handelt es sich um den Kunststoffabguss eines (offensichtlich männlichen) Tieres, das 2018 tot in Südafrika gestrandet war. Der Künstler Gil Shachar nahm direkt am Strand die erste Negativform des Kadavers ab. Später wurde dann ein Abguss in schwarzem Epoxydharz erstellt.

Das Whale Cast Project wird ab dem 26.07.2020 im Kunstmuseum Bochum der Öffentlichkeit präsentiert. Shachar hatte das Ziel, „das größte lebende Säugetier auf Erden in Form eines Kunstwerkes zu ehren.“ Warum er dazu einen Buckelwal verwendet, der etwa halb so lang und ein sechstel bis ein achtel so schwer wird, wie das größte lebende Säugetier, konnte oder wollte der Künstler der Presse nicht sagen – vermutlich weil sie nicht gefragt hat.

Buckelwale
Zwei Buckelwale, lebend sind sie der Redaktion doch lieber

Quelle: WDR


Blattohrmaus als Rekordhalter

Gelbrumpf-Blattohrmaus-by-Marcial-Quiroga-Carmona
Gelbrumpf-Blattohrmaus-by-Marcial-Quiroga-Carmona

In dieser Höhe – auf genau 6739 Metern – wurde noch kein Säugetier entdeckt. Damit erhält die Gelbrumpf Blattohrmaus Phyllotis xanthopygus rupestris den Weltrekord für das höchste nachgewiesene Säugetier.

Der Nachweis gelang Forschern am Gipfel des nordchilenischen Vulkans Llullaillaco in 6739 Meter Höhe. Es sei das erste Mal, dass in so großer Höhe ein Säugetier gesichtet wurde, schreiben die Wissenschaftler in der US-Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ („PNAS“). Bislang hielt der Großohr-Pfeifhase aus dem Himalaya den Rekord mit einer belegten Sichtung auf 5182 Metern und glaubwürdigen Berichten über einen Fund auf 6130 Metern Höhe.

Weitere Informationen mit Bildern und Videos gibt’s in der Originalarbeit:  https://doi.org/10.1073/pnas.2005265117


Fehlfarbene Würfelnatter sorgt für Überraschung

Anwohner des Kurparkes in Bad Oldesloe entdeckten bereits am 24.6. eine unbekannte Schlange. Die Polizei stellte sie sicher und gab sie in die Obhut eines reptilienerfahrenen Beamten. Dieser bestimmte das Tier zusammen mit dem NABU als fehlfarbene Würfelnatter.

fehlfarbene Würfelnatter
Die fehlfarbene Würfelnatter

Würfelnattern sind die größten in Deutschland vorkommenden Schlangen und nur an drei Hotspots verbreitet. Bad Oldesloe gehört nicht dazu. Das farblich abweichende Tier dürfte aus der Population der Schweiz stammen, in der es solcherart gefärbte Tiere gibt. Doch damit nicht genug: In der Obhut des Polizeibeamten legte die 80 cm lange Schlange insgesamt 14 Eier.

Die Behörden konnten einen zertifizierten Pfleger von Würfelnattern ausfindig machen, der Schlange und Eier übernimmt und weiter pflegt, bis ein rechtmäßiger Besitzer gefunden ist.

Pressemeldung der Polizeidirektion Ratzeburg


Neu beschrieben:

Akihito, Tenno von Japan im Ruhestand widmet sich wieder seinem gelernten Beruf. Als studierter Ichthyologe und ausgesprochener Fachmann für Grundeln hat er eine bisher unbekannte Art beschrieben. Mitglieder seiner Forschungsgruppe haben neun unbekannte Arten entdeckt, diese ist die erste seit seinem Rückzug vom Thron im letzten Jahr. Leider legt der Telegraph in seiner Meldung mehr Wert auf Akihito als auf die Fischart. Immerhin der Gattungsname ist bekannt: Callogobius und sie stammt aus der südlichen Okinawa-Region.

  • Ein „neuer“ Großbuntbarsch der Gattung Cichla ist beschrieben worden. Cichla cataractae stammt aus dem Essequibo-Gebiet in Guayana und Venezuela.
  • Ein kleiner Laubfrosch aus dem südlichen Amazonien mit einem grünen Kehlsack heißt jetzt Dendropsophus bilobatus.  DOI10.3897/zookeys.942.51864

 

 

Werbung

Aliens der Ozeane

Man muss die Aliens nicht im Weltraum suchen, sie sind bereits unter uns: In den Tiefen der Meere leben sie ihre geheimnisvolle und längst nicht komplett erforschte Existenz. Der Wissenschaftsjournalist Heinz Krimmer stellt die Welt der Cephalopoden – der Kopffüßer – vor und nimmt uns mit in den Lebensraum dieser bizarren Wesen. Spannend und unterhaltsam beschreibt er Verhalten und Ökologie und enthüllt erstaunliche Fakten, z. B. warum sich Bewusstseinsforscher für Kraken interessieren. Ein wunderbar gestalteter Band mit spektakulären Bildern – so faszinierend wie die Begegnung mit einem Kraken.

 

Aliens der Ozeane: Neun Gehirne und drei Herzen – die bizarre Welt der Tintenfische ist im Franckh Kosmos-Verlag erschienen, fest gebunden und hat 206 bildgewaltige Seiten.

 

Kurz gemeldet:

Rezent

  • Der Essener Fischlift am Wehr des Baldeneysees ist endlich probeweise in Betrieb. Der WDR meldet, dass bereits erste Fische die Aufstiegsmöglichkeit genutzt haben. Das 6,8 Millionen Euro teure Bauwerk ist der einzige Bypass des Ruhrstaus an dieser Stelle und sollte bereits im letzten Jahr in Betrieb gehen.
  • Die Polizei in Drakenburg in Niedersachsen hat ihrer Rolle als Freund und Helfer wieder einmal voll entsprochen. Als ein Mann am vergangenen Mittwoch einen verletzten Seeadler retten konnte, meldete er sich bei der Polizei. Die Beamten (die sich ja häufig mit ungewöhnlichen Problemen herumschlagen müssen und daher improvisieren können) brachten das verletzte und unberingte Tier zu einer Wildtierstation.
    Röntgenaufnahmen zeigten keine schweren Verletzungen, „nur“ die Federn der Handschwinge seien gebrochen, daher könne er kaum fliegen. Nun wird das etwa sechs Jahre alte Männchen eine Weile in der Station leben, bis die Federn wieder nachgewachsen sind.
    Quelle: n-tv
  • Hunde könnten sich bei der Wahl ihrer Laufrouten am Magnetfeld der Erde orientieren. Catherine Lohmann von der University of North Carolina, die normalerweise den Magnetsinn von Meeresschildkröten untersucht, bermerkte, dass Hunde auch in unvertrautem Gelände zuverlässig Abkürzungen fanden.
    Dass sich Hunde am Erdmagnetfeld orientieren, hat Hynek Burda 2013 nachgewiesen: Beim Urinieren tendieren sie zu einer strengen Nord-Süd-Ausrichtung. Für diese Arbeit bekam er 2014 zusammen mit anderen den Ig-Nobelpreis. Ausführlicher wird Lohmann’s Arbeit im Sciencemag beschrieben.

Strandfunde

  • Ein etwa 5 m langes Buckelwalkalb ist an der US-Pazifikküste gestrandet. Das Tier befand sich in einem relativ frischen Zustand, als es etwa 60 km südlich des Ortes Eureka (Califonia) angeschwemmt wurde. Quelle: KymKemp

 


Feld-Ornithologisches

Wir schreiben aus unerklärlichen Gründen eine Ibis-Woche. Als Gefangenschaftsflüchtlinge zeigten sich in Nettetal am Niederrhein ein Andenibis und bei Voerde ein Schwarzflügelibis. Der Niederrhein bekommt also ein wenig südamerikanisches Flair.

Neu in der vergangenen Woche

  • Passend zu den beiden südamerikanischen Ibissen haben sich am vergangenen Samstag im Hauke-Haien-Koog etwa 15 braune Sichler (Pelgadis falcinellus) eingefunden.
  • In Belgern bei Riesa an der Elbe wurde mehrfach ein Nonnensteinschmätzer beobachtet und fotografiert.

Die „immer noch da“-Meldungen:

  • Der Hauke-Haien-Koog ist auch immer noch zwischenzeitliches Heim für je einen Graubrust-Strandläufer und einen Weißbürzel-Strandläufer. Beide Tiere dominieren die Beobachtungsmeldungen der vergangenen Woche.
  • Am selben Ort hat sich noch ein Tundra-Goldregenpfeifer gezeigt, auch der ist schon bekannt.
  • Der Steppenkiebitz ist immer noch in der Horloffaue, macht jedoch weitere Ausflüge.
  • Am vergangenen Sonntag wurde bei Schwirzheim bei Bittburg ein Gänsegeier beobachtet.

Die hübschen Rosenstare sind leider abgewandert. In der vergangenen Woche haben Vogelfreunde aus Deutschland kein Tier mehr gemeldet.


Zu guter Letzt:

Diesmal dachte ich „Es wird Sommer, ein Eis täte gut“:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.