Kryptozoologische Presseschau 31/2020

Lesedauer: etwa 9 Minuten
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Liebe Leserinnen und Leser,

 

wie immer montags gibt es auch diese Woche die kryptozoologische Presseschau mit Neuem aus Kryptozoologie, Zoologie und interessanter Tierwelt.

Der Sommer grüßt, nun hat auch uns das Sommerloch erreicht. Die Meldungen werden seltener, es wird schwerer, eine Presseschau zu füllen.

In der Redaktion herrscht immer noch große Aktivität, was mit dem Umzug und der weiteren Entwicklung zu tun hat. Wir freuen uns über Julian Tetzlaff, den wir als neuen Autoren gewonnen haben und der sich spontan dafür angeboten hat, letzten Freitag den Freitagnacht-Krypto zu schreiben: Herzlich Willkommen!

 

Auch sonst freuen wir uns über Rückmeldung, diesmal sogar international. Der Mehrteiler über den Orang Pendek hat einiges an Reaktionen hervorgerufen, die wir euch hoffentlich bald präsentieren können. Aber auch der laufende Dreiteiler zum Japanischen Wolf (diese Woche erscheint der letzte Teil) wurde hervorragend angenommen, wir bekamen sogar Resonanz aus Japan.

 

Hilfe können wir immernoch brauchen: Konkret suchen wir jemanden, der einmalig ein oder zwei Stunden investieren kann und sich ein wenig mit Wiki-Systemen wie der Wikipedia nicht nur als Leser, sondern auch als Autor auskennt. Alles weitere dann gerne im direkten Kontakt.

 

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser


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Das neueste Buch unseres Autors Ulrich Magin

Heute kaum mehr als eine folkloristische Reminiszenz, war der Tatzelwurm früher eine echte Gefahr: Das Reptil stürzte sich auf Menschen und spie sie mit seinem giftigen Atem an. Für dieses Buch hat der Autor über 430 Augenzeugenberichte gesammelt und analysiert. Das Ergebnis ist eine aufregende zoologische Schnitzeljagd und zugleich eine spannende Traditionsgeschichte des gesamten Alpenraums. Bei der Lektüre der Berichte wird klar, dass der Tatzelwurm ein wandelbares Geschöpf ist mal hat er den Kopf einer Schlange, mal den einer Katze, mal zwei, dann mehr Füße, mal hat er Flügel, mal keine, mal ist die Haut glatt, dann wieder schuppig. Er kann scheu oder aggressiv und giftig sein; manche empfehlen sogar seinen Genuss.

 

Der Tatzelwurm: Porträt eines Alpenphantoms ist im Juli 2020 bei Edition Raetia erschienen und hat 232 Seiten

 

Rettungsaktion für Titicaca-Riesenfrosch

Der Titicaca-Riesenfrosch Telmatobius culeus ist der größte ausschließlich im Wasser lebende Frosch der Welt. Die Art kann bis zu 60 cm groß werden, erreicht aber heute nur etwa ein Viertel der Länge (von der Nase bis zu den Zehenspitzen, bei ausgestreckten Beinen). Er kommt – wie der Name schon sagt – ausschließlich im Titicaca-See in den Anden vor. Durch Lebensraumveränderung und Fang steht er am Rande des Aussterbens, insbesondere ein vermutlich durch Pestizide ausgelöstes Massensterben 2016 hat der Art stark zugesetzt.

Bei der lokalen Bevölkerung gilt „Froschsaft“ als Heilmittel und Aphrotisiakum. Daher werden die seltenen Tiere immer noch stark bejagt, meist illegal.

Titicaca-Frosch
Ein freundlich- glubschiger Blick: der Titicaca-Frosch (Foto: Museo d’Orbigny)

Forschungsinstitute aus den USA; Bolivien, Peru und Ecuador suchen nun gemeinsam nach einem Weg, den Frosch zu erhalten. Das Programm wird unter anderem von den Vereinten Nationen gesponsort.

Der Aquazoo in Düsseldorf ist ebenfalls an dem Projekt beteiligt. Am Freitag, 31.7. wurde dort eine Zuchtanlage für die Titicaca-Riesenfrösche feierlich eingeweiht.


Haiunfall in Maine (USA), eine Tote

Strenge Schutzmaßnahmen, ausreichende Zahlen von Beutetieren: Die nach dem Film „Der weiße Hai“ fast ausgerottete Weißhai-Population an der Ostküste Nordamerikas entwickelt sich hervorragend. Hier gibt es regelmäßig gute Nachrichten, was sicher auch an der hervorragenden Öffentlichkeitsarbeit liegt.

Weißer Hai
Weißer Hai (Foto: Elias Levy, CC 2.0)

Leider geht bei aller Euphorie über die spektakulären Fische der Gedanke, dass es sich um gefährliche Raubtiere handelt, gelegentlich in den Hintergrund. Doch Unfälle passieren, wenn Badende und Haie zusammenkommen. Leider hat es am Montag, 27.7. in Maine einen Todesfall gegeben. Eine 63-jährige New Yorkerin schwamm außerhalb der Surfzone vor Bailey Island angegrifffen, als sie von einem Weißen Hai angegriffen wurde. Kajakfahrer brachten sie noch ans Ufer, wo sie noch vor Eintreffen des Rettungsdienstes verstarb.

 

Dies ist der erste bekannte, unprovozierte Angriff eines Weißen Haies auf einen Menschen in Maine.

Quelle: CNN


Was ist dran am Mini-Wasserelefanten?

Ein Anbieter für „spirituelle Reisen“ hat im Webportal tabularasa ein bisher kaum bekanntes Kryptid vorgestellt. Der Cham Nang – der geheimnisvolle Wasserelefant gleiche einem nur wenige Zentimeter großen Elefanten. Das Tier lebt angeblich amphibisch in trübem Wasser, wo es den Rüssel wie einen Schnorchel benutzt. In seinen Stoßzähnen sei ein starkes Gift.

 

Gelegentlich gelangen „Kadaver“ solcher Tiere in den Handel, so auch in diesem Fall. Das NfK bzw. einzelne Mitglieder hatten bereits mehrfach Anfragen, sich näher mit dem Tier zu befassen. Wir werden uns in der nächsten Zeit ausführlicher damit auseinandersetzen und euch informieren.

 


Und nochmal: Oculudentavis

Bernstein mit Oculudentavis
Bernstein mit der Kopf-Inkluse (Foto: Lida Xing)

Mittlerweile kommt schon eine gewisse Routine zu Meldungen zum vermeintlichen Mini-Dinosaurier Oculudentavis auf. Doch jetzt meldet sich einer der Big Player in dem Spiel: Nature beschreibt in ihrem News Round-Up am 29.7. die aktuelle Situation:

  • Die Autoren des Ausgangspapers Xing, L. et al. sagen, dass ihre Beschreibung des kleinen Schädels akkurat sei. Dem wird nicht ernsthaft widersprochen.
  • Mitautorin Jingmai O’Conner sagt, dass neue Daten darlegen, dass sie definitiv falsch lagen. Sie sagt auch, dass das Exemplar nicht reklassifiziert werden kann, ohne dass neue Fossildaten publiziert werden.
  • O’Conner sagt weiter, dass das Fossil immer noch eine Herausforderung ist, weil es so viele ungewöhnliche Merkmale hat. „Das Exemplar ist für die Wissenschaft immer noch sehr interessant .“

Nach mehreren, unabhängigen, aber unbestätigten Meldungen wird der Name Oculudentavis khaungraae gültig bleiben.

Quelle: Nature News Round-Up


Fuchs mit Schuhfetisch

In Berlin Zehlendorf wunderten sich die Einwohner einer Gartensiedlung, dass immer wieder Schuhe verschwanden, vor allem die von Frauen. Die Lösung war relativ einfach: Einer der Füchse in der Umgebung klaute die Treter und schleppte sie weg. So hat das Tier bereits über 100 Schuhe gesammelt.
Wildtierexperten sagen hierzu, dass junge Füchse extrem verspielt sind, Leder und Kunststoff für sie attraktiv rieche und Schuhe gut wegzutragen sind.

 

Ob es sich um einen männlichen oder weiblichen Fuchs handelt, ist trotz zahlreicher Filmaufnahmen ungeklärt.


Neu beschrieben:

Acanthobunocephalus_scruggsi
Acanthobunocephalus scruggsi, Abb. aus der Erstbeschreibung

 

  • Bratpfannenwelse sind an sich schon extravagante Tiere. Diese Fische leben in Südamerika und bevorzugen Falllaubflächen, in denen sie hochangepasst sind. Nun haben Wissenschaftler eine miniaturisierte Art beschrieben: Acanthobunocephalus scruggsi heißt das Tier jetzt: DOI10.1643/CI-19-309

 

 

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Die weißen Steine – ein Kreidezeit-Jugendbuch

Ein greller Lichtblitz setzt der Klassenfahrt der 10b ein jähes Ende. Aus voller Fahrt rast ihr Bus gegen einen Baum. Der Busfahrer stirbt bei dem Aufprall, die beiden Lehrer werden schwer verletzt. Doch das Merkwürdigste: Die Landschaft hat sich verändert. Tropische Pflanzen, exotische Vögel und die sommerlichen Temperaturen lassen keinen Zweifel, dass sich die Klasse nicht mehr in Deutschland befindet. Leon, Heinrich und Wasi ergreifen die Initiative und machen sich auf die Suche nach Hilfe. Doch als sie zum Bus zurückkehren, bietet sich innen ein Bild des Schreckens: Riesige Fußbadrücke bedecken den Boden, der Bus ist völlig verwüstet und von ihren Mitschülern fehlt jede Spur. Einzig ihre Klassenlehrerin liegt im Schlamm unter dem Buswrack. Lebendig zwar, aber sichtlich unter Schock bleibt sie den Jungs eine Antwort auf die wichtigste Frage schuldig: „Was ist aus dem Rest ihrer Klasse geworden?“

Die weißen Steine: Neue Alte Welt von unserem Autor Markus Kretschmer ist beim Christoph Peter Ehrlich Verlag 2018 erschienen. Das Paperback hat 504 Seiten und ist für Leser ab 12 Jahren empfohlen.

 


Kurz gemeldet:

Rezent

  • Erstmals seit vielen Jahren ist Wildschützern gelungen, im Westen Thailands wilde Tiger mit einer Kamerafalle zu dokumentieren. Die meisten der etwa 160 in Thailand vorkommenden Indochinesischen Tiger leben im Osten des Landes.
  • Erstmals ist mit GW1706m ein Wolf aus einer südeuropäischen Population nach Deutschland eingewandert. Das Tier stammt aus einer Population, die in Slowenien und Kroatien lebt. Die anderen Wölfe in Deutschland entstammen Populationen aus dem Alpenraum oder dem östlichen Mitteleuropa.
  • In Uganda ist ein Mann wegen der Tötung eines Berggorillas und weiterer Wildtiere zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Felix Byamukama hatte zugegeben, den rund 25 Jahre alten beliebten Silberrücken-Gorilla Rafiki im vergangenen Monat im Bwindi-Impenetrable-Nationalpark getötet zu haben. Nach Angaben der ugandischen Wildschutzbehörde gab der Verurteilte an, in Notwehr gehandelt zu haben.

Strandfunde

  • Die britische Zeitung „Echo“ meldet eine stinkende, 15 ft. lange Kreatur, die in Ainsdale bei Liverpool an einem Strand der Irischen See aufgefunden wurde. Man spekuliert in der Zweitüberschrift, ob es sich um ein Alien, ein Pferd oder ein Wollhaarmammut handelt.
    Bei Betrachtung der Fotos erscheinen tatsächlich Beine mit Pferdehufen sichtbar, alleine zwei lange, schlanke, nur leicht gebogene Kieferknochen und ein kräftiger Schwanz sprechen dagegen. Es handelt sich mit Sicherheit um einen Bartenwal, aufgrund der Größe ist ein Zwergwal am wahrscheinlichsten.
    Quelle: Echo vom 31.07.2020
Ainsdale-Creature
Die Ainsdale-Creature am Strand. Auf 15 ft. geschätzt und stinkend. (FB-Gruppe Ainsdale)

 


Feld-Ornithologisches

Das Rätsel um den Italiensperling bzw. um den Italien – x Haussperlingshybriden am Ausflugsschiff-Anleger in Treptow hat sich geklärt. Es ist keine oder-Entscheidung, es handelt sich um jeweils einen Italiensperling und einen Hybriden. Beide waren letzte Woche gut zu beobachten.

 

Neu in der vergangenen Woche

  • Ein Gänsegeier hat sich letzten Sonntag bei Ragösen im Kreis Dessau-Roßlau sehen lassen. Der Beobachter zitiert einen Jagdpächter, der ihn schon eine Woche „kennt“.
  • Bei Norddeich rennt ein Wüstenregenpfeifer übers Watt. Ob seine Anwesenheit mit den geringen Niederschlägen der letzten Jahre zu tun hat und er schon mal das Gelände sondiert?
  • Vor Sylt wurde auch einiges beobachtet, je ein Atlantiksturmtaucher, ein Balearensturmtaucher, ein Sturmwellenläufer und ein unbestimmter Wassertreter.
  • Bei Kressbronn am Bodensee zog ein Adlerbussard mit den Wespenbussarden nach Süden.
  • Neu ist ein Graubrust-Strandläufer am Illerstausee bei Lautrach.
  • Im bzw. auf dem Altmühlsee ist eine Marmelente aufgetaucht.

Die „immer noch da“-Meldungen:

  • Der Nonnensteinschmätzer in Kathewitz an der Elbe bleibt vor Ort.
  • ach ja, und der Kaiseradler vom Randowbruch ist immer noch in der Liste.

Zu guter Letzt:

Wenn Flusspferd Fiona aus dem Zoo in Cincinnati (USA) „ihre 5 Minuten“ hat, bekommt man einen Eindruck davon, dass die Flusspferde zu den Verwandten der Wale gehören. Wer weiß, für was ein ungeübter Beobachter unter schlechten Sichtbedingungen so etwas interpretiert?

 

 

 

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