Kryptozoologische Presseschau 34/2020

Lesedauer: etwa 12 Minuten
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Liebe Leserinnen und Leser,

 

wie immer montags gibt es auch diese Woche die kryptozoologische Presseschau.

So langsam kommen die ersten Aktivitäten für die Nach-Corona-Zeit in Gange, obwohl die Pandemie noch lange nicht überwunden ist. In der vergangenen Woche sind direkt zwei relevante Termine für kryptozoologisch Interessierte bekannt gemacht worden:

Apropos Tor zur Urzeit: Das Museum hatte in unserer Facebookgruppe zu Spenden für den Knochentisch aufgerufen. Gesucht wurden (sub)fossile Knochen und anderes Material, das auf dem „Knochentisch“ verkauft werden kann. Die Resonanz war toll, das Museum hat mehrere Pakete voller Knochen und Knochenfragmete, dazu über 100 kleine Dinosauriermodelle und ein paar Fossilien aus Süddeutschland zum Handverkauf.

Herzlichen Dank an alle Spender!

Bei der Gelegenheit möchten wir euch auch auf unsere Facebook-Aktivitäten aufmerksam machen: es gibt eine Facebook-Gruppe und eine Facebook-Seite zum Netzwerk für Kryptozoologie. Wenn ihr sowieso im „Buch der Gesicher“ aktiv seid, schaut doch mal vorbei.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

 

Eurer / Ihr

 

Tobias Möser


Blauwal-Finnwal-Hybriden sind fruchtbar!

Walhybrid
Hybrid zwischen Blau- und Finnwal. Foto: Adam Ernster

Kreuzungen zwischen Finnwal und Blauwal sind seit den 1880ern bekannt. Mittlerweile weiß man,  dass sie sogar regelmäßig vorkommen. Bisher waren Wissenschaftler der Meinung, dass diese Tiere nicht fruchtbar sind. Christophe Pampoulie (Meeres- und Süßwasserforschungsinstitut in Island) und seine Kollegen analysierten DNA-Proben von verschiedenen Walen und machten eine bemerkenswerte Entdeckung: Ein Individuum war der Nachkomme eines männlichen Blauwals und einer weiblichen Kreuzung.

 

Möglicherweise sind diese Hybriden auch der Hintergrund des 52 Hz-Wales.

 

Quelle: Evolutionary Applications

 

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Der 52 Hertz-Wal, einsamster Wal der Welt

Es gibt einen Wal, dessen zu hohe Stimme die anderen Wale nicht hören können. 1989 wurde an der Westküste der USA von einem U-Boot-Abwehr-Hydrophon der US-Marine erstmals der Gesang eines Wales aufgenommen, der aufgrund eines angeborenen Sprachfehlers viel, viel höher sang als alle anderen Wale. Man geht davon aus, dass andere Wale ihn nicht hören und er andere nicht hören kann. Der Wal lebt unter dem Namen „52 Hertz“ als „der einsamste Wal der Welt“ allein im Pazifik und wird seit Jahren wissenschaftlich begleitet

 

„Ein zutiefst philosophisches Buch, das interessante Gesprächsanlässe bietet.“ — Maren Bonacker, Welt des Kindes

 

Der einsamste Wal der Welt“ hat 48 Seiten und am Ende ein 1 m langes Unterwasser-Panorama. Der Verlag gibt an, es sei für Kinder von 4 bis 8 Jahren geeignet, wir halten diese Zielgruppe ob des traurigen Themas für zu jung.

 

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Ist das ein Schwertfisch?

Das britische Nachrichtenportal Daily Record berichtet am 19. August, dass in der Nähe eines Spielplatzes in Ayr (50 km südwestlich von Glasgow) ein Kadaver angeschwemmt worden ist. Anhand des Bildes wurde er sehr schnell als „Schwertfisch“ identifiziert.

vermeintlicher Schwertfisch
Ein Schwertfisch? Foto: Ewan Robertson

Mitglieder des Netzwerkes für Kryptozoologie sehen das anders. Schwertfische haben ein deutlich reduziertes Körperskelett, während der Kadaver massive Wirbel mit kräftigen Fortsätzen aufweist, die im vermeintlichen Brustbereich jedoch keine Rippen bilden. Das Schwert ist bei Schwertfischen aus Teilen des Oberkiefers und Schädels und ist nicht segmentiert. Hier zeigen sich deutliche Segmente. Das Kopfskelett ist nicht sichtbar. Eine Maulöffnung ist nicht erkennbar, Flossen wie Rücken-, Brust- und Bauchflossen fehlen völlig.

Insbesondere die schweren Wirbel und das seltsame „Rostrum“ lassen eine völlig andere Interpretation zu. Bei dem vermeintlichen Auge handelt es sich um den Anus eines Tieres, das dann sehr schnell als Schweinswal identifiziert werden kann.

 

Zum Vergleich: ein montiertes Schwertfischskelett:

Schwertfischskelett
Schwertfisch-Skelett. Foto by Postdlf. CC 3.0

und das eines Schweinswals:

Schweinswal-Skelett
Skelett eines Hafenschweinswals Phocoena phocoena by André-Philippe Picard, adaptiert

Was Spirit-Bears ausmacht

Spirit Bear
Ein Jungtier mit der Spirit-Bear Fellfarbe und seine Mama. Foto: Doug Neasloss

Spirit-Bears waren lange Zeit bei den weißen Amerikanern nur Legende, die First Nations der nördlichen Wälder kannten die hellen Bären und schützten sie. Mittlerweile ist bekannt, dass sie gelegentlich auftreten: Schwarzbären mit hellem, beinahe weißem Fell.

Ein Forschungsprojekt, in das vor allem Mitglieder der First Nations eingebunden sind, untersucht nun diese Bären. Eine der ersten Maßnahmen war es, Scheuerstellen aufzustellen, an denen Bären ihr Fell abschubbern können. Hierzu rammten die Mitarbeiter Pfähle fest in den Boden und umwickelten sie mit Stacheldraht, um sie danach mit einem Lockstoff zu beduften. Die Bären, denen die Haare des abgestoßenen Winterfells nach dem Winterschlaf juckten, ließen sich nicht lange bitten.

Die Haare erzählen so manche Geschichte. Art und Geschlecht der Bären, Stresslevel, Nahrungspräferenzen und natürlich das Ziel der Studie: Ob sie die Gene für das helle Fell der Spirit-Bears tragen. Diese Gene ähneln der Genvariante, die bei Menschen helle Haut und rote Haare verursacht.
Sie zeigten aber auch, dass die Genvariante nur halb so häufig war, wie in früheren Studien abgeschätzt. Dafür ist sie weiter verbreitet, als erwartet. Leider zeigen sie aber auch, dass viele „Spirit-Bear Hotspots“ nicht ausreichend geschützt sind.

 

Die New York Times hat den Artikel gebracht.


Galapagos: Forscher entdecken 30 neue Arten

Ein internationales Team von Meeresforschern hat in der Tiefsee vor den Galápagos-Inseln 30 neue Tierarten entdeckt. Unter den Neuentdeckungen seien 14 Korallen, ein Seestern, elf Schwämme sowie vier bisher unbekannte Krustentiere, erklärte der Galápagos-Nationalpark.

Galapagos
Die Galapagos-Inseln sind die Inseln mit der höchsten Endemitenquote – und gelten als Inspiration für Darwins Evolutionstheorie

Diesen Erfolg erzielten die Forscher der Charles-Darwin-Stiftung in der Tiefsee um die Vulkaninseln. Hierzu untersuchten sie die Gewässer am Abhang der Vulkane bis in 3400 m Tiefe.


Felsgleithörnchen wieder aufgetaucht

Das Felsgleithörnchen Eupetaurus cinereus ist das größte und zugleich seltenste Gleithörnchen der Welt. Es stammt aus der westlichen Himalaya-Region, Kaschmir und Sikkim. Bisher sind nur 11 Museumsexemplare bekannt. Es galt seit 1924 als ausgestorben. 1994 entdeckte eine gelang einer gezielt nach dem Tier suchenden US-amerikanischen Expedition das Tier wieder. Sie fanden ein Tier in einer Höhle in den Bergen oberhalb des Sai-Tales im Norden Indiens.

Felsgleithörnchen Eupetaurus-cinereus
Das Felsgleithörnchen Eupetaurus cinereus aus Richard Lydekker – Mostly Mammals, 1903

Weitere Versuche, das Felsgleithörnchen zu finden, blieben erfolglos, so dass es als ausgestorben galt. Mitarbeiter des Wildlife Institute of India konnten das Tier in 13 von 18 Waldgebieten im Gangotri National Park im Bundesstaat Uttarakhand. Möglicherweise ist das Tier noch weiter verbreitet.

 

Quelle: Hindustan times


Neu beschrieben:

  • Vor Java haben Biologen eine neue Tiefsee-Garnele gefangen. Das Tier hat jetzt den Namen Glyphocrangon serratirostris. Die Erstbeschreibung erschien im Raffles Bulletin 68
  • Aus Ostbrasilien stammt Hypomastictus santanai, eine bisher unbekannte Art der Schlanksalmler. Er wurde standesgemäß in der Copeia beschrieben.

 

 

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Mein Blockhaus in Kanada: Wie ich mir den Traum von Wildnis und Einsamkeit erfüllte

2017/2018 erfüllte sich Carmen Rohrbach einen lang gehegten Traum und lebte mehrere Monate in einem Holzhaus fernab der Zivilisation, an einem See mit glasklarem Wasser, umkränzt von felsigen Bergen. Fesselnd berichtet sie von den Vorbereitungen und Schwierigkeiten ihres Abenteuers. Wie sie auf ausgedehnten Wanderungen die Wildnis erkundete und schließlich mehrere Wintermonate in völliger Isolation bei bis zu minus 48 Grad verbrachte, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen. Auf mitreißende Art lässt sie uns an ihren intensiven Erfahrungen und Wahrnehmungen, ihren Beobachtungen und Gedanken teilhaben.

 

Mein Blockhaus in Kanada ist im September 2019 bei Malik erschienen und hat 288 gebundene Seiten.

 

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Kurz gemeldet:

Rezent im Wasser

  • Wir hatten ihn schon mehrmals in der Presseschau: Der Fischlift am Baldeney-See in Essen geht nun offiziell in Betrieb.
    Mithilfe einer künstlichen Strömung werden die Fische in die zwei Fahrkörbe des Lifts hineingelockt . Nach einiger Zeit schließt sich eine Tür und die Kammer steigt nach oben bzw. unten. Dort öffnet sich die Tür automatisch und die Fische können in den Baldeneysee oder die untere Ruhr schwimmen.
    Laut Ruhrverband waren die Tests, die seit Anfang Juli liefen, sehr erfolgreich. Deshalb sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Fische ihren neuen Fahrstuhl annehmen, heißt es.
  • Den Orcas an der kanadischen Westküste geht es etwas besser. Drohnenaufnahmen des kanadischen Center for Whale Research zeigen, dass zahlreiche Tiere trächtig sind, wesentlich mehr als in den letzten Jahren. Ob dies mit der Ruhe während des Corona-Shutdowns oder der fortschreitenden Renaturierung der Laichgewässer der Wildlachse (Hauptbeute der Residents) zu tun hat, wird sich zeigen.
  • Nach Meldung von Mark Chapman sind zwei Sowerby-Schnabelwale Mesoplodon bidens von Norfolk aus auf den Weg nach Süden in die Nordsee. Die Art gilt als eine der am besten bekannten Mesoplodon-Arten. Nahezu alles, was man von den Tieren weiß, stammt von gestrandeten Tieren. Die meisten dieser Tiere sind an den britischen Inseln gestrandet.
Sowerby-Schnabelwal
Sowerby-Schnabelwal, Foto: P.J. Vanderlinde

Rezent an Land

  • Die Lüftungsanlage der Uni Freiburg wurde zahlreichen Fledermäusen zum Verhängnis. Ende Juli haben Mitarbeiter in verschiedenen Etagen des Chemie-Gebäudekomplexes bis zu 2400 Zwergfledermäuse entdeckt. Die Tiere kamen aber gegen den starken Luftstrom nicht mehr aus dem Gebäude und waren so gefangen.
    Mitarbeiter der Uni, ehrenamtliche Helfer und Experten konnten immerhin mehr als 1700 der Fledertiere retten.
    Die Lüftung ist eigentlich mit Fledermaus-Schutzgittern abgedeckt, diese waren aber beschädigt. Daher ermittelt nun die Polizei.
  • In Stuttgart-Möhringen wurden nach Angaben der Stadtverwaltung Tigermücken und deren Eier entdeckt. Die Tiere sind in der Lage, das Dengue-Fieber und andere Krankheitserreger zu übertragen. Die Tiermücke ist in Deutschland 2007 das erste Mal nachgewiesen worden. 2011 und 2012 wurden ebenfalls versprengte Einzeltiere gefunden, die vermutlich mit Zügen oder Flugzeugen nach Süddeutschland kamen. 2014 wurde in Freiburg eine stabile Gründerpopulation entdeckt. Seit dem breiten sich die Tiere langsam aber stetig aus.
    In anderen Stadtteilen Stuttgarts wurde das Tier noch nicht gefunden.
  • Am Samstag ist auf der A 1 bei Lohne in Niedersachsen ist ein Auto mit einem Pfau kollidiert. Die Insassen des Autos blieben unverletzt, der Pfau überlebte den Unfall nicht.
  • Die Behörden haben den Zoo aus dem Netflix-Hit „Tiger King“ wegen fortgesetzter Verstöße gegen den Tierschutz geschlossen.

Ausgestorben

  • Der Name Oculudentavis khangraae behält wohl Gültigkeit. In einem Paper belegt Alois Dubois, dass Retraktionen von Papers im Sinne der zoologischen Nomenklatur nicht gibt. Der Name ist also gültig, bis formal etwas anderes belegt ist. Das Paper ist als pdf verfügbar.

Strandfunde

  • Am Mittwoch, den 19. August strandeten gleich sieben Nördliche Entenwale bei Rossnowlagh im County Donegal an der nordwestirischen Küste. Sechs von ihnen verstarben trotz des unermütlichen Einsatzes von Helfern der Irish Whale and Dolphin Group (IWDG). Sie konnten das siebte Tier wieder ins Wasser bringen. Es schwamm weg, war jedoch geschwächt.
    Ob weitere Tiere der Schule in der Nähe sind oder ob die komplette Schule gestrandet ist, konnte nicht geklärt werden. Entenwale gehören zu den tieftauchenden Hochseearten und nähern sich nur selten Küsten.

    Entenwale
    Zwei der in Donegal gestrandeten Entenwale. Foto: Thomas & Louise Coleman

  • Rockford in Illinois hat 152.000 Einwohner, liegt am Rock River, ziemlich genau 100 km vom Michigansee und 125 km von Chicago entfernt. Es hat einen Radiosender, der sich „Home of Classic Rock“ nennt und seit Kurzem ein Monster.
    Stephanie, Reporterin des Radiosenders bekam von einer Freundin ein Bild eines Kadavers, der bei den Docks am Wasser lag. Die Reporterin, Fan von 80er-Jahre B-Movies, nannte das Tier The Rock River Rodent. 
    Das NfK ist anderer Meinung. Nicht nur die Ähnlichkeit zum Montauk-Monster und zum Staten-Island-Kadaver sind sehr groß. Auch Zähne und Pfoten entsprechen einem Waschbär:

 


Feld-Ornithologisches

Diese Woche gibt es einiges an ungewöhnlichen Arten zu vermelden.

Am Dienstag sichelte ein Scharlachsichler bei Wersabe-West (bei Cuxhaven), am Freitag zeigte sich quasi das weiße Pendant, ein Schneesichler bei Vechta. Ein Jungfernkranich wurde am Donnerstag in Haar an der Ems beobachtet und am Freitag bei Steinau im Kreis Cuxhaven.

 

Zu den weniger exotischen Tieren:

 

Neumeldungen

  • Auf Helgoland ist ein Rosenstar unterwegs, vermutlich ein Jungtier aus diesem Jahr. Mehrfach wurde auch bei Neuwerk im Watt ein diesjähriger Rosenstar beobachtet. Haben die Tiere irgendwo verborgen gebrütet?
  • Bei Seedorf in Schleswig-Holstein zieht ein Adlerbussard seine Kreise.
  • Auf Spiekeroog hat sich eine Schwalbenmöwe niedergelassen, ungewöhnlich früh dieses Jahr.
  • Bei Lübben im Spreewald schnepft eine männliche Doppelschnepfe über den Polder Kockrowsberg.
  • Helgoland ist bei den ungewöhnlichen Sturmtauchern sehr beliebt, ein Dunkler Sturmtaucher und ein Balearensturmtaucher sind zu beobachten.
  • Sicher die Stars dieser Woche sind zwei Zwergadler der dunklen Morphe, die bei Großenkneten im Oldenburger Land ihre Kreise in den Aufwind zeichnen.

 

Noch immer vor Ort:

  • Der Nonnensteinschmätzer von Belgern. Am Dienstag haben Vogelschützer in Absprache mit der Vogelwarte Hiddensee und der UNB das Tier gefangen, beringt, vermessen und die Identität abschließend geklärt. Es handelt sich um ein Männchen aus dem Vorjahr, das die Mauser so gut wie abgeschlossen hat. Die Bestimmung als Nonnensteinschmätzer ist sicher, Zypernsteinschmätzer kann ausgeschlossen werden.

Zu guter Letzt:

Jeden Abend bei Sonnenuntergang verlassen hunderttausende Faltlippen-Bulldoggfledermäuse (Chaerephon plicata) die Tham Khangkhao genannte Fledermaushöhle bei Pak Chong in Thailand:

 

 

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