Mal wieder: Alien Big Cats in England

Das britische Boulevard-Magazin Daily Star meldete bereits am 27. April den Fund eines Hirschskelettes, das angeblich von einer Großkatze hinterlassen wurde. In der Nähe des Weilers Tehidy an der Nordküste Cornwalls hat eine Naturfreundin ein skelettiertes Teilskelett eines Hirsches gefunden. Spekulationen legen nahe, eine Großkatze habe das Tier erbeutet.

Ungewöhnliche Fundumstände

„Ich wanderte durch die wunderschönen Glockenblumen in einem Eichenwald, als meine Hunde plötzlich stehen blieben. Wir standen vor den Überresten eines Hirsches, die völlig offen vor uns auf dem Weg lagen“. So schildert Lynne Norton den Fund in einem Wald bei Tehidy, nordwestlich von Redruth, Cornwall. Lynne fotografierte das Teilskelett und beurteilte es als „frischen Kadaver eines Hirsches, aber ungewöhnlich stark skelettiert. Das Tier wurde erst kürzlich getötet, es begann erst zu riechen.“

Ein Teil eines Hirschskelettes liegt auf einem Weg
Der skelettierte Hirschkadaver liegt auf einem Weg. Foto: Cornwall Live

Mattschpfütze mit angblichem Pfotenabdruck
Dieser Abdruck wird von James Stephenson einer Großkatze zugeschrieben. Foto: James Stephenson


Weg von Tehidy Woods nach Harrowbarrow. Hat die mutmaßliche Großkatze eine solche Strecke in knapp einem Monat zurückgelegt?

Vier Wochen vorher, 75 km entfernt

Kurze Zeit vor dem Fund des Hirschkadavers wurde James Stephenson im etwa 75 km entfernten Harrowbarrow Zeuge, wie eine große, schwarze Katze seinen jungen Hund angriff. Der Hundebesitzer hielt die Katze für einen Panther. In dem Dorf sind zahlreiche Katzen verschwunden und ein Hund wurde verletzt.
Der Hundebesitzer James Stephenson hat am 28. März 2019 eine große Katze aus seinem Garten heraus beobachtet, die ein Lamm im Maul trug. Er konnte auch Fußspuren fotografieren, die er einer großen Katze zuordnet.


Kommentar:

Von Tobias Möser

In Großbritannien sind keine größeren Beutegreifer als Füchse, Wildkatzen und Adler bekannt. Letztere kommen im Süden des Königreiches nicht vor. Daher ist davon auszugehen, dass der Hirsch eines natürlichen Todes, im Verkehr oder durch einen wildernden Hund gestorben ist – oder eben eine Alien Big Cat.
Das Skelett ist stark abgefressen, was nicht zwangsläufig ein Hinweis auf eine Großkatze sein muss. Füchse, Dachse und viele kleinere Tiere bis hin zu Staren und kleinen Singvögeln fressen Aas und lösen so einen Kadaver auf. Den Rest schaffen spezialisierte Insekten.

Die Überreste des Hirsches, wie sie auf dem Weg liegen: Schädel, Wirbelsäule, Hüfte und Hinterläufe wiegen nur wenige Kilogramm. Die kann ein Fuchs problemlos wegschleifen. Die Lage spricht dafür, dass das Tier bewegt wurde, sonst wäre er an den vorher gehenden Tagen von Wanderern bemerkt worden. Auch in Großbritannien nehmen viele Leute die Woche nach Ostern frei – und Wandern ist dort mindestens so beliebt wie hier (Ostersonntag war am 21.04.2019, knapp eine Woche, bevor die Daily Star diese Meldung brachte).

Quelle:

Daily Star (27.04.2019): Savaged deer carcass found in UK woods sparks big cat fears


Hintergrund „Alien Big Cats“

1980 eingefangener Puma Felicity im Museum Inverness
Dermoplastik des 1980 in Schottland eingefangenen Pumas Felicity im Museum Inverness

Mit Alien Big Cats sind keine außerirdischen Katzen gemeint, sondern schlicht „ortsfremde“ Großkatzen. Typische out-of-place-Sichtungen im Sinne der Kryptozoologie. Die Beobachtung von Raubkatzen im Vereinigten Königreich hat eine vergleichsweise lange Tradition. Die ersten neuzeitlichen Sichtungen traten noch punktuell in den 1950ern auf. Seit den 1970ern sind sie verbreiteter, der erste „moderne“ Bericht stammt von 1980 aus Schottland. Seit dem stehen sie mehr oder weniger regelmäßig in den Schlagzeilen der Boulevard-Medien. Auch in der Umgebung von St Albans wurden angeblich Großkatzen gesehen. Aus dieser Stadt in der Nähe von London war im Januar eine Cupacabra-Sichtung gemeldet worden.

Beweise indes sind selten. 1980 konnte in Schottland ein Puma eingefangen werden, der in guter Kondition noch einige Jahre im Highland Wildlife Park lebte. Heute steht er als Dermoplastik im Inverness Museum.

Alien Big Cats sind auch aus anderen Teilen der Welt bekannt. Viele Sichtungen gibt es aus New South Wales in Australien, aus Neuseeland, aber auch gelegentlich aus Mitteleuropa. Interessanterweise sind ein Großteil der beschriebenen Alien Big Cats schwarz, obwohl Schwärzlinge von Großkatzen in der Natur eher selten sind.

Kaum Angriffe auf Menschen

Bisher sind zwei Angriffe auf Menschen bekannt geworden. Im Jahr 2000 wurde ein elfjähriger Junge in Monmountshire von etwas angegriffen, das er als große schwarze Katze beschreibt. Die Polizei dokumentierte fünf lange Kratzer von Krallen auf seiner linken Wange und zog einen Großkatzen-Experten hinzu. Erfolglos.
Ebenfalls von einer schwarzen Großkatze wurde ein Mann angegriffen, der in Sydenham Park im Südosten Londons lebte. Sein Garten grenzte an eine Eisenbahnlinie, von dort aus wurde er angegriffen und überall am Körper zerkratzt. Ein Polizist beschreibt eine Katze von der Größe eines Labradors.

2011 ließ das Centre for Fortean Zoology Haare testen, die in Nord-Devon gesammelt wurden. Der DNA-Test der Durham University belegte, dass ein Leopard in der Gegend lebte. Im folgenden Jahr konnte an zwei Hirschkadavern in Gloustershire nur Fuchs-DNA festgestellt werden. Es gab zahlreiche Berichte von Großkatzen in dieser Gegend.

Wo kommen die Katzen her?

Die Kryptozoologie hat unterschiedliche Erklärungen für die Sichtungen und anderen Nachweise von Großkatzen im vereinigten Königreich. Seit 1976 gilt in UK der „Dangerous Wild Animals Act“, der die Haltung bestimmter Wildtiere verbietet. Um Probleme mit dem Gesetz zu vermeiden, sollen einige Wildtierhalter Großkatzen wie Pumas oder Leoparden einfach frei gelassen haben. Einige Großkatzen haben sicherlich das Potenzial, sich in Großbritannien dauerhaft zu etablieren. Dafür sind die Sichtungen aber deutlich zu selten.

Viele der Sichtungen fallen aber auf „mittelgroße“ Katzen wie Luchse, Servale oder Ozelots zurück. Auch diese wurden als Heimtiere gehalten, teilweise heute noch. Der Europäische Luchs Lynx lynx war in Großbritannien heimisch, wurde aber bereits zwischen 500 und 700 n. Chr. ausgerottet. Eine Wildpopulation existiert nicht mehr und es gab bisher keine Ansiedlungsversuche.

Eine dritte Möglichkeit sind die in GB sehr beliebten Main Coon-Katzen. Diese Hauskatzenrasse ist eine der größten Rassen überhaupt, große Männchen können beinahe das Gewicht eines kleinen Luchses erreichen. Viele Sichtungen sind durch diese Tiere erklärbar.

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