Medien der Woche: Birdwatching

Lesedauer: etwa 10 Minuten
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Birdwatching – auf Deutsch: „Vögel beobachten“ ist in den vergangenen zwei Pandemie-Jahren deutlich populärer geworden. Ursprünglich kommt dieser Trend – wie könnte es anders sein – aus dem Vereinigten Königreich. Dort war diese Tätigkeit schon im 19. Jahrhundert populär. Die Popularität hat sich bis heute erhalten, ist angewachsen und hat nebenbei auch noch die ersten Naturschutzgruppen der Welt entstehen lassen.

 

Vögel beobachten: Grünspecht auf der Wiese
So hätte man seine Vogelfotos gerne: Formatfüllend, erkennbar und auch noch attraktiv

 

Beim Birdwatching kommt es nicht nur darauf an, einfach nur Vögel zu beobachten. Eine sportliche Seite ist auch dabei: Jeder Birdwatcher macht sich Notizen, wo und vor allem welche Vögel er beobachtet. Mit Einführung der Kleinbildkameras wurde dann das Notieren auch gerne durch ein Foto ersetzt. Dieses hat dann den Vorteil der „Beweiskraft“.

Heute, durch die überall günstig und qualitativ gut verfügbare Digitalfotografie ist ein Foto beinahe Pflicht. Hierauf haben die Hersteller reagiert: Es gibt nicht nur maßgeschneiderte Anschlüsse an die gängigen Objektivbajonette, sondern auch Optiken und Halterungen für Smartphone.

 

Vögel beobachten: Nachtigall?
Doch meist kommt sowas dabei rum: Zu weit weg, zu klein und doch nicht genau bestimmbar. Ist es eine Nachtigall?

 

Ziel des Birdwatching ist nicht nur, für sich selber die Vögel zu beobachten – obwohl das vielen Enthusiasten bereits reicht. Für nicht wenige gehört ein sportlicher Aspekt dazu: In einem festgelegten Zeitpunkt oder in einem festgelegten Terrain möglichst viele Vögel zu beobachten und auf den Chip zu bannen. Diese Version wird oft auch als Twitchen oder Bird-Spotting bezeichnet.

Der erfolgreichste Twitcher ist vermutlich Jonathan Hornbuckle (1943 – 2018), der in seinem Leben rund 9600 Vogelarten nachweisen konnte.

Bedeutung des Birdings für die Wissenschaft

Gerade Veranstaltungen, bei denen viele Teilnehmer innerhalb kurzer Zeit versuchen, möglichst viele Vögel zu beobachten, sind als Reihenuntersuchungen für die Wissenschaft interessant. Viele Naturschutzverbände veranstalten solche Events als „Birdrace“, bei dem innerhalb eines Tages an einem oder mehreren Orten beobachtet wird. Die „Stunde der Wintervögel“ und die „Stunde der Gartenvögel“, zu der wir hier auch aufrufen, ist ebenfalls in diesem Zusammenhang zu sehen.

Deutliche Veränderung der Sichtweise in den letzten Jahren

Stand am Anfang des Birdwatching tatsächlich eine „friedliche Jagd mit Fernglas und Notizbuch“ im Vordergrund, so hat sich die Sicht dieses Hobbys in den letzten Jahren geändert. Insbesondere ein stärker gewordenes Selbstbewusstsein der Frauen, sich in die Öffentlichkeitsarbeit einzubringen, hat die Paradigmen verändert. Nicht mehr die reine Jagd und die akribische Artenliste stehen im Vordergrund, sondern auch der Spaß bei der Sache, das Glücksgefühl, draußen in der Natur einen „neuen“ Vogel zu finden, die Geschichten um das Birden drumherum und natürlich auch die Entspannung stehen im Mittelpunkt vieler neuer Bücher. Schließlich soll ein Hobby ja Spaß machen!


Die Ausrüstung

Ein Spektiv

Ohne ein anständiges „Fernglas“ macht Birdwatching wenig Sinn. Für Aktionen mit Gartenvögeln, wie der „Stunde der Wintervögel“ reicht die bloße Sicht, aber für Naturbeobachtungen sollte man eine größere Optik zu Rate ziehen.

Optimal hierfür und von den meisten Birdwatchern verwendet, ist ein Spektiv. Es handelt sich hierbei um ein Beobachtungsfernglas mit meist einem Okular, das für die Erdbeobachtung konstruiert wurde.

Ein gutes Stativ ist robust, wetterfest und leicht transportabel. Die meisten Spektive haben einen 45° Schrägeinblick, es gibt jedoch auch Modelle mit gerade Optik.

Objektiv…

Wie bei den meisten optischen Instrumenten ist ein Spektiv aus zwei optischen Baugruppen zusammengesetzt. Das Objektiv (das Ende, das zum Vogel zeigen sollte) ist hier meist fest mit dem Gehäuse verbaut und erlaubt keinen weiteren Zoom. Je nach Bauart hat das Objektiv einen Durchmesser von 50, 60, 62, 65, 77, 80, 82, 85 und 100 Millimeter.

 

Vögel beobachten: Kiebitz
Eigentlich ein schöner Bildaufbau, aber ich hätte lieber den Kiebitz formatfüllend. Ein Spektiv hilft da sehr.

 

Hierbei gilt, wie bei allen optischen Geräten: je größer der Durchmesser, desto mehr Licht kann das Objektiv einfangen. Große Optiken sind generell teurer und schwerer, viele Hersteller verwenden sie nur bei einer besonderen Abbildungsqualität. Hier sollte man also einen für sich passenden Kompromiss aus Abbildungsqualität, Lichtstärke, Größe und Gewicht suchen.
Üblicherweise haben die Objektive einen Vergrößerungsfaktor von 20 bis 80fach.

 

Einige Hersteller haben ein Objektivgewinde montiert, in das Fotofilter geschraubt werden können. Ob ein solcher Filter sinnvoll ist, nur dem Schutz der Objektivlinse dient oder sogar gewünschte Kunsteffekte hervorruft, muss jeder Birdwatcher selbst entscheiden. Wer viel fotografiert, weiß möglicherweise einen Polarisationsfilter zu schätzen.

… und Okular

Das andere Ende des Stativs ist das Okular. In das Okular blickt man hinein und sieht das Bild. Okulare sind in der Regel austauschbar. Ein Spektiv ohne ein austauschbares Okular ist nicht sehr flexibel und selbst im Niedrigpreissegment kaum noch vertreten.
Es gibt Festbrennweiten-Okulare mit einem festen Vergrößerungs- und Zoomfaktor. Er liegt meist bei 20-, 30- oder 40-fach. Die Alternative sind Zoom- oder Vario-Okulare, deren Vergrößerungsfaktor über einen drehbaren Ring oder Hebel zwischen (meist) 20- und 40-fach variiert werden kann.

Die Eigenschaften der beiden Okular-Varianten sind gegensätzlich. Feste Brennweiten lassen sich optisch mit wenigen Linsen herstellen. Sie sind kostengünstiger, schlucken weniger Licht und haben oft bessere Abbildungsleistungen als Vario-Okulare. Allerdings wird man möglicherweise mehrere von ihnen benötigen.
Vario-Okulare sind zwangsläufig optisch und mechanisch aufwändiger, sie brauchen mehr Einzellinsen. Dadurch schlucken sie mehr Licht und die Abbildung ist immer ein Kompromiss zwischen der kleinsten und größten Vergrößerung. Bei preisgünstigen Modellen sollte man auf Farbsäume vor allem im oberen Vergrößerungsbereich achten.

 

Viele Spektive bieten heute bereits als Standard einen Smartphone-Halter. Die Kamera des Phones fotografiert dabei das Bild, das man mit dem Auge durch das Okular sehen würde. Automatische Bildkorrekturen der Smartphone-Software verbessern das Bild dabei deutlich. So wird das Handy oft auch als Monitor während der Beobachtung eingesetzt und nicht nur zum Fotografieren.

 

Wer höhere Ansprüche an seine Fotos stellt, ist gut damit beraten, das Okular durch einen Kamera-Adapter zu tauschen. Es gibt Adapter für die Bajonette der Spiegelreflex-Kameras von Nikon und Canon sowie Systemkameras mit Wechselobjektiven von Olympus, Panasonic und zahlreichen anderen Herstellern (die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit). Hierdurch wird die Kamera zum Bestandteil des Spektiv-Systems oder das Spektiv zu einem gewaltigen Tele-Objektiv.

 

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Beispiel für ein Einsteigerstativ

 

Das hier vorgestellte Spektiv ist vom Marktführer Gosky. Es gilt als ein gutes Einsteigergerät.

Das Objektiv hat einen Linsendurchmesser von 60 mm und hat eine 60-fache Vergrößerung.

Das Vario-Okular hat eine variable 20 bis 60-fache Vergrößerung. Es ist austauschbar.

Das Gehäuse ist mit Stickstoff gefüllte und damit beschlagfrei. .

 

Im Lieferumfang sind ein Smartphone-Digiscoping-Adapter, eine Tragetasche, Abdeckungen für Okular und Objektiv. Ein 1/4″-Stativanschluss ist ebenso vorhanden. Das mitgelieferte Tisch-Stativ ist für Naturbeobachtungen eher unbrauchbar und sollte gegen ein höheres Modell ausgetauscht werden.

 

Gosky Spektiv mit Stativ, Tragetasche und Smartphone-Adapter – BAK4 abgewinkeltes Teleskop – wasserdicht für Vogelbeobachtung, Wildtierlandschaft: auspacken und loslegen. Alles drin!

 

Bis zum 17.2. gibt es bei Amazon eine Coupon-Aktion, bei der 15 € gespart werden können.

 

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Vögel beobachten: Grünfinken
Am Ende klappt es doch: Zwei Grünfinken am Feeder

 


Das Stativ

Damit das Spektiv und die möglicherweise darauf montierte Kamera sicher stehen, ist ein Stativ notwendig. Erfahrungsgemäß kaufen Fotofreunde drei Stative in ihrem Leben: zuerst ein billiges, dann ein leichtes und zuletzt ein gutes. Das gilt so in etwa auch für Birdwatcher.

 

Um den Kauf des billigen und des leichten Statives zu vermeiden und direkt ein Gutes zu bekommen, lohnt es sich, kurz darüber nachzudenken, was das Stativ leisten soll:

  • Es sollte das Spektiv sicher tragen und auch bei leichten Stößen nicht direkt in sich zusammenklappen. Das Stativ sollte so groß sein, dass der Beobachter ohne das Ausfahren einer Mittelsäule das Okular von Spektiv oder Kamera mindestens auf Brusthöhe hat.
  • Es sollte sich auf eine gut packbare Größe zusammenschieben lassen. Die Beine sollten mit Verschlüssen gesichert sein, die sich geräuschlos und mit einer Hand öffnen und schließen lassen.
  • Es sollte einen in alle Richtungen dreh- und neigbaren Stativkopf haben, um das Spektiv auch genau dorthin ausrichten zu können, wo der Vogel sitzt.
  • Eine Schnellwechselplatte ermöglicht es, das Stativ und Spektiv schnell auf- und wieder abzubauen und sitzt oft fester als eine per Hand angedrehte Schraube.

 

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Das letzte Stativ deines Lebens

Ob das hier vorgestellte Manfrotto-Stativ das letzte Stativ des Lebens ist, kann man nie sicher sagen. Eins ist aber sicher: Es ist sehr gut und für eine große Zahl von Beobachtungspositionen geeignet.

 

Voll ausgefahren hat es eine Höhe von 151 cm, während das Packmaß nur 40 cm beträgt. Es wiegt nur 1600 g.

Der Kugelkopf trägt bis zu 8 kg, was für ein schweres Spektiv und eine DSLR mehr als ausreicht. Er ermöglicht, das Spektiv in jede gewünschte Richtung zu drehen und zu neigen.
Ein massiver Schnellverschluss mit Gegenplatte (die am Spektiv verbleibt), ist ebenfalls im Lieferumfang enthalten.
Die Teleskopbeine werden durch einen sicheren und einhändig zu bedienenden Klemmverschluss gehalten.

 

Das Manfrotto Befree Advanced Alu Reisestativ bietet alles, was ein anspruchsvoller Birdwatcher benötigt.

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Bevor es los geht: Literatur

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Der Kosmos-Vogelführer

hat 2017 Parey’s Vogelbuch als Standardwerk der Feldführer der Vögel Europas abgelöst. 900 Vogelarten – Brutvögel, Durchzügler, Ausnahmeerscheinungen, eingebürgerte Arten – auf über 4.000 Farbzeichnungen mit den verschiedenen Kleidern, Unterarten und Geschlechtern. Erklärungen im Bild verweisen auf wichtige Merkmale und erleichtern die Orientierung. Detaillierte Texte beschreiben Größe, Lebensraum, Kennzeichen, Verbreitung und Stimme. Umfangreiche Veränderungen aufgrund neuster Forschungen bei Sturmtauchern, Greifvögeln, Möwen, Tauben, Eulen, Drosseln, Zweigsängern und Würgern werden erläutert. Aktuelle Verbreitungskarten mit Brut- und Überwinterungsgebieten, Zugrouten runden das Standardwerk von den führenden Ornithologen und Vogelzeichnern der Welt ab.

 

Der Kosmos Vogelführer ist 2017 bei Franckh-Kosmos erschienen und hat 400 Seiten. Wer sich in dieses Buch eingearbeitet hat, braucht eigentlich kein weiteres Buch mehr, wenn es um die Vögel Europas geht.

 

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Vögel beobachten und bestimmen

Ungewöhnlich für einen Feldführer ist, dass die Vögel in diesem Buch nicht als zoologische Aquarell-Zeichnungen, sondern als Fotos abgebildet werden. Dies macht vor allem Einsteigern die Bestimmung leichter. Insbesondere im Detailbereich sind für den fortgeschrittenen Beobachter dann Aquarelle besser geeignet.

 

Vögel beobachten und bestimmen ist 2003 bei Dorling Kindersley erschienen und nur noch antiquarisch erhältlich, dann jedoch für ein paar Euro – und jeden Euro wert!

 

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Die 100 besten Vogelbeobachtungsplätze in Deutschland

Dieser „Falke-Sonderband“ führt Sie zuverlässig zu den besten Beobachtungsplätzen in Deutschland! Oder möchten Sie gerne ganz bestimmte Vogelarten beobachten? Kein Problem: Eine umfangreiche Artenliste gibt Ihnen entsprechende Empfehlungen! Alle beschriebenen Plätze sind sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar als auch mit dem PKW. GPS Koordinaten führen Sie sicher an den Ausgangspunkt. Auch „vor Ort“ sind Sie nicht auf sich allein gestellt: Unsere Autoren nennen Ihnen Ansprechpartner (mit Telefon, E-Mail, Internet), machen Routenvorschläge und geben nach Möglichkeit auch Tipps, wo Sie nahe gelegene Übernachtungsmöglichkeiten finden.

 

Die 100 besten Vogelbeobachtungsplätze in Deutschland“ sind 2016 im Aula-Verlag als Sonderband des „Falke“ erschienen. Er bietet auf 416 Seiten genug Stoff für die nächsten 20 bis 30 Ausflüge.

 

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Federlesen: Vom Glück, Vögel zu beobachten

Draußen vor Ihrer Haustür gibt es einen Schatz. Wenn Sie nur einen Moment hinhören, dann entdecken Sie ihn. In Mauervorsprüngen, in Baumkronen, auf Wiesen und auf Fenstersimsen trillert, pfeift und schnarrt es – durch unsere heimischen Vögel. Begleiten Sie die preisgekrönte Journalistin Johanna Romberg ein Jahr lang dabei, wie sie die Welt der fliegenden Genies erkundet. Lernen Sie, ein Schneehuhn von einem Steinhuhn zu unterscheiden. Erfahren Sie, wie man aus einer Wolke von Zwitscherlauten das nadelfeine Trillern eines Erlenzeisigs heraushört. Und spüren Sie, wie Ihre Sinne mit jeder Beobachtung schärfer werden – und Sie selbst achtsamer und glücklicher.

 

Federnlesen: Vom Glück, Vögel zu beobachten ist ein tiefsinniges, wissensreiches und inspirierendes Buch über die Liebe zur Natur – und davon, was diese Liebe mit uns macht.

 

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