Medien-Mittwoch: Der Kosmos Vogelführer

Lesedauer: etwa 4 Minuten
image_pdfimage_print

Vogelfreunden ist „Pareys Vogelbuch“ oder kurz „der Parey“ bekannt. Dieses mittlerweile 40 Jahre alte Werk wird wohl nicht noch einmal aufgelegt. Es ist nur noch antiquarisch zu bekommen – ein veraltetes Buch zu horrenden Preisen.

 

Einen Vergleich mit seinem Vorbild muss der Kosmos Vogelführer nicht scheuen. Übrigens: Rechts sind Abbildungen aus dem Parey zu sehen.

 

Der Kosmos Vogelführer tritt in die sehr großen Fußstapfen des Parey. Wie sein Vorbild zeigt auch er Zeichnungen nahezu jeder Vogelart Europas. Dabei ist Europa weit geschnitten und umfasst auch den Kaukasus sowie die gesamte Türkei, den nahen Osten und Nordafrika bis in die Sahara hinein. Dem entsprechend zahlreich sind die vorgestellten Vogelarten. Auf dem Umschlag wirbt der Herausgeber mit „über 900 Arten“ und „über 4000 Farbzeichnungen“.

Zeichnungen machen das Buch aus

Anders als viele sonstige Vogelbücher machten gerade die Zeichnungen den Charakter des Parey aus. Der Kosmos Vogelführer hat dieses Prinzip übernommen und weiter perfektioniert. Anhand von Zeichnungen kann der jeweilige Grafiker die Eigenheiten der Art besonders hervorheben. Sei es eine spezielle Färbung, Länge der Federn oder Körperhaltung, so speziell kann man Fotos von Wildtieren gar nicht machen.

 

Hinzu kommt für nahezu jede Vogelart eine eigene Verbreitungskarte mit Differenzierung zwischen Brut- und Überwinterungsgebiet, Zugrouten, gehäuften Vorkommen etc.

 

 

Die Texte vervollständigen das Bild

Zu den Texten wird jede Vogelart in einem kurzen Text vorgestellt. Er beginnt mit dem am häufigsten genutzten deutschen Namen, eventuellen Alternativnamen, dem meistgenutzten englischen Namen und dem wissenschaftlichen Namen. Damit hat der Leser die Chance in einer immer weiter internationalisierten Welt schnell den englischen Namen griffbereit zu haben, ohne den Umweg über die wissenschaftliche Bezeichnung gehen zu müssen.

 

Es folgt eine allgemeine Beschreibung mit Größe und vielen für den Beobachter wichtigen Merkmalen. Den Hauptteil des Textes nehmen meist die äußeren Kennzeichen des Vogels ein, dann folgt eine Beschreibung der Stimme. Die in Buchstaben gebrachten Rufe der Vögel lesen sich zum Teil recht lustig, so das „Tschulsch“ als Bettelruf junger Uhus. Hier steht ein gewisser Code hinter der Beschreibung, den man erst durch Übung wirklich entziffern kann.

 

Ergänzend zu den über 900 Artenportraits ist bereits im Innencover eine tolle Tafel abgebildet. Sie bezeichnet die Körperpartien des Vogels, wie Gefiederpartien und die Kopfzeichnung benannt werden und welche Feder wo liegt. Sie ist bei den Beschreibungen immer wieder hilfreich. Deswegen ist sie auch im vorderen und hinteren Einband abgebildet.

 

Es folgt ein einleitender Text, in dem die Autoren durch Systematik und Namensgebung führen. Dann erklären sie einige Fachbegriffe, Grundzüge und Stolperfallen bei der Bestimmung, z.B. Gegenlicht. Nahezu ohne Absatz geht es direkt in den Artenteil.

 

Die Arten selber sind nach einer neueren, jedoch nicht der aktuellen Systematik sortiert. So stehen die Enten- und Hühnervögel am Beginn des Buches, die Falken jedoch noch bei den Greifvögeln. Hierbei sollte man beachten, dass die Autoren ein zweidimensionales Bild in eine eindimensionale Abfolge bringen mussten. Das heißt, dass aufeinander folgende Gruppen nicht zwingend eng verwandt sind.

 

Mein Fazit

Ich besitze und nutze den Kosmos-Vogelführer seit etwas mehr als zwei Jahren und kann bisher keinen Nachteil zum vorher genutzten Parey feststellen. Im Gegenteil, die englischen Namen sind eine echte Erleichterung in der Kommunikation mit weltweit verteilten Vogelfreunden. Die Zeichnungen sind ähnlich lebensecht und ansprechend, wie im großen Vorbild.

 

In die neue Systematik arbeitet man sich schnell ein, die Beschreibungen sind durchweg hervorragend, die Bilder stehen außerhalb jeder Diskussion, besser geht es einfach nicht. Nur an den Farben der Verbreitungskarten knabbert man eine Weile, wenn man die Karten aus dem Parey gewohnt ist.

 

Klare Kaufempfehlung für jeden, der im Gelände oder anhand von Fotos Vögel bestimmen möchte – ob zuhause oder im Urlaub am Mittelmeer oder im hohen Norden. Ein Buch für alle.

 

 

Anzeige

Das neue Standardwerk zur Vogelbestimmung

Der Kosmos Vogelführe ist in seiner zweiten Auflage 2017 erschienen und mit über 900 Vogelarten auf 400 Seiten ein kompaktes, aber umfangreiches Handbuch geworden. Er besticht sowohl durch Aufmachung wie durch Information.
Der Kosmos Vogelführe ist nur als gebundenes Buch erhältlich und kostet € 32,-

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.