Medienmittwoch: Die Wildkamera

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Vieles in der Kryptozoologie lebt von Bildern. Häufig ist allerdings ein Problem, dass viele Wildtiere die Nähe des Menschen meiden – insbesondere die selten beobachteten Tiere. Kein Wunder, würden sie sich dauernd sehen lassen, würde man sie ja häufig beobachten. Leider sind es genau diese Tiere, die das Interesse der Kryptozoologen wecken.

tiger
Tiger in der Fotofalle von F. W. Champion

Eine klassische Idee

Einer der ersten, dem dieses Problem auffiel war Frederick Walter Champion (1893 – 1970). Champion war kein ausgesprochener Kryptozoologe, sondern Forstbeamter, Polizist, Naturschützer und vor allem einer der ersten Tierfotografen. Er konstruierte die ersten Kamerafallen, die ein Tier durch Stolperdrähte auslöste, bereits in den 1920er Jahren. Dabei setzte er bald auch Blitzlichter ein, schuf beeindruckende Nachtaufnahmen. Er fotografierte wild lebende Tiger, Lippenbären und Indische Wildhunde und entdeckte, dass man Tiger an ihrem Streifenmuster individuell unterscheiden konnte.

 

Man kann sich vorstellen, wie eine solche Anlage aussah: Eine Kamera bestand damals zwar nicht mehr aus einem schuhkarton-großen Holzkasten, sondern war durch Balgenoptiken etwa so klein bzw. groß wie eine heutige Vollformat-Spiegelreflex-Kamera geworden. Um in Indien (und seinem Monsun) arbeiten zu können, muss Champion die Kamera dennoch in eine Holzkiste verpackt haben, die irgendwo in der Landschaft stand – optimalerweise an einem Wildwechsel. Vor der Kamera zog er einen Stolperdraht, der bei Zug den Auslöser der Kamera aktivierte. Nach dem Auslösen musste sich der Draht von der Kamera lösen, sonst hätte das Tier die Kamera umgeworfen und im schlimmsten Fall hinter sich her gezogen.

So war pro Nacht immer nur eine einzige Aufnahme möglich. Allerdings ist auch zu beachten, dass Champion Batterieblitze einsetzte. Mit den damaligen Batterien wird auch nicht viel mehr möglich gewesen sein und viele Tiere werden den Umkreis der Kamera nach dem Auslösen des Blitzes sowieso vermeiden.

Leopard
Ebenso ging Champion dieser Leopard vor die Linse

Eine weitere Verbesserung brachten druckempfindliche Auslöser, die aus einem flachen Ballon voll Wasser bestanden, der auf den Wildwechsel gelegt wurde. Dieser Ballon wurde mit einer Platte abgedeckt und mit einem Schlauch so an den Auslöser der Cam gekoppelt, dass ein ansteigender Druck im Ballon den Auslöser herunter drückte und somit das Bild auslöste.

 

Moderne Methoden

Heute sind diese mechanischen Auslöser kaum noch in Verwendung. Sie sind fehleranfällig und wartungsintensiv. Moderne Wildkameras arbeiten mit einer Infrarot-Steuerung, die Bewegung im Bereich des nichtsichtbaren Lichtes feststellt und dann auslöst. Viele dieser Kameras sind auch mit Infrarot-Blitzen ausgerüstet, die für Mensch und Tier unsichtbar blitzen. Moderne Batterie- und Speichertechnik ermöglicht es dann noch, dass die Kameras mehrere Monate an Ort und Stelle verbleiben und die Bilder entweder per Funk übertragen (wLan, MMS, WhatApp) und/oder auf einer Speicherkarte sichern. Der Unterschied zur Digitalkamera oder zum Smartphone findet sich hauptsächlich in Details und im Bewegungsmelder.

Spannende Einblicke

Durch völlige Geräuschlosigkeit und den Einsatz von Infrarotblitzen lassen sich Tiere (und Menschen) nachts völlig unbemerkt beobachten. Dies ermöglicht Tierfotografen und -filmern ungewöhnlich intime Aufnahmen von nachts jagenden Tieren, aber auch vom Familienleben in Wald und Flur.

SW-Bild einer Wildkamera zeigt einen Bären, der am Fu0e eines Baumes etwas zu fressen scheint
Foto einer Wildkamera. Der 2. Bär in Deutschland nach JJ1. (Foto: „privat“)

Erschwingliche Technik

Dies wiederum hat zur Folge, dass solche Kameras billig geworden sind. Zahlte man vor einigen Jahren noch Beträge um 600 € für eine Wildkamera, gibt es sie heute für einen Bruchteil. Sicher in ein wassergeschütztes Kunststoff- oder Metallgehäuse verpackt, sind sie selber oft bereits mit einem Tarnmuster überzogen. Solche Kameras lassen sich natürlich an Bäumen und anderen Gegenständen befestigen. Die Tierbeobachtung ist nur noch ein Einsatzbereich, einige Unternehmen nutzen sie auch als kostengünstige Alternative zu einer vollständigen Überwachungstechnik.

Angebliches Bigfoot-Foto
Dieses angebliche Sasquatch-Foto stammt von einer Wildkamera

Auch im Hobbybereich gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Von regelmäßigen Fotos der Vogelhausbesucher über die Säugetiere unter den Gartenbesuchern bis hin zur Frage, wer denn bei den Hühnern Schaden anrichtet, lässt sich vieles klären.

 

Rechtliche Hürden

In Deutschland ist der Wald in der Regel öffentlich zugänglich. Der private Einsatz von Wildkameras in öffentlich zugänglichen Wäldern ist grundsätzlich nicht erlaubt. Zu wissenschaftlichen Zwecken können Ausnahmeregelungen beantragt werden. Bei welcher Behörde das erfolgt, habe ich nicht feststellen können, möglicherweise ist es von Bundesland zu Bundesland anders.

Privatgelände darf der Besitzer oder Pächter überwachen. Allerdings muss die Kamera aus Datenschutzgründen so aufgestellt sein, dass dabei kein öffentlicher Raum (Straße, Gehwege) mit überwacht oder fotografiert wird. Das „zufällige Helferlein“ zahlreicher Krimi-Kommissare ist damit nicht gestattet. Wenn ich so ein Gerät aufstelle und Besucher/innen fotografiere, muss ich sie darauf hinweisen und ihnen die Möglichkeit geben, wieder abzuhauen, bevor sie fotografiert werden.  Halböffentliche Wege, z. B. von der Straße zum Briefkasten oder zur Türklingel, die beispielsweise ein Postzusteller nicht vermeiden kann, dürfen dann natürlich nicht im Bild sein.

(Diese Zusammenstellung ist weitgehend aus der Wikipedia übernommen und stellt die Situation auf dem Stand von 2013 dar. Ob sich da was geändert hat, weiß ich nicht.)

 

Auf was muss ich achten?

 

Die Auslösezeit

Die Auslösezeit ist die Zeit, die eine Fotofalle von der ersten Feststellung der Bewegung bis zum Aufnahmestart benötigt. Dieser Wert ist technisch bedingt und hängt unter anderem davon ab, wie schnell die Kamera aus dem Standby-Modus „aufwacht“, wie schnell der Autofocus ist und ähnlichen Faktoren.

Kameras mit einer Auslösezeit von unter 0,5 Sekunden gelten als schnell bis optimal, häufig sind diese Werte aber unter Laborbedingungen ermittelt, in der Realität kann es schon einmal länger dauern.

Die Auslöseentfernung

Die Auslöseentfernungen ist die maximale Entfernung, in der ein Tier die Kamera dazu anregt, auszulösen. Wildkameras unterscheiden sich sehr stark, denn die Auslöseentfernung hängt vom verbauten Bewegungssensor ab.

Auch hier spielen Umweltfaktoren wie die Luftfeuchtigkeit und Temperatur eine große Rolle, ebenso die Deckung im Gelände. Daher schwankt sie stark und wird von den Herstellern in der Regel als Intervall angegeben. Typische Werte liegen zwischen 10 und 20 Meter, so dass die Kamera Tiere in der optimalen Entfernung gut aufnehmen kann. Was der Bewegungsmelder tatsächlich kann, kann man überprüfen, in dem man an unterschiedlichen Stellen in den Auslösebereich eintritt (sich so lange vortastet, bis der Blitz auslöst).

Aufnahmemodi

Üblicherweise werden Wildkameras dazu genutzt, Fotos zu machen. Hierbei kann fast immer zwischen Einzelfotos und einer kurzen Serie umgeschaltet werden. Fast jede moderne Kamerafalle hat darüber hinaus die Möglichkeit, statt eines Fotos auch ein Video zunehmen.

Die Vorteile der Modi erschließen sich: Ein Bild ist gerade bei sich schnell bewegenden oder kleinen Tieren nicht genug, aber mehrere Bilder kosten mehr Speicherplatz. Ein Video kostet noch mehr Speicher und Batterien, sagt aber auch wesentlich mehr über die beobachteten Tiere aus.

Bildqualität

Moderne Wildkameras sind recht leistungsfähig. Fotos mit zwölf Megapixeln sollte heute jede Kamera können, selbst in kostengünstigen Smartphones werden kaum noch Kameras mit geringerer Auflösung eingebaut. Eine höhere Auflösung liefert natürlich detailreichere Bilder, bedingt aber auch neben dem teureren Sensor auch einen schnelleren und größeren Speicher und vor allem eine hochwertigere Optik. 20 Megapixel sind heute bei mittelpreisigen Geräten schon keine Seltenheit mehr.

 

Neben der Pixelzahl sind andere Faktoren für ein gutes Bild wichtig. Die Farbwiedergabe sollte möglichst genau werden, ebenso sollte es kontrastreich sein und wenig rauschen.

Von einer Videofunktion kann man heute auch erwarten, dass sie HD-Qualität (1024 x 768 p) liefert, einige Kameras sind hier bei Full HD mit 2 Megapixeln oder noch höher.

Auch hier gilt: Je besser die Qualität des Bildes oder Videos, um so mehr Speicherplatz und Batterie erfordert es. Daher kann man bei vielen Wildkameras die Bilder / Videos vor dem Speichern herunterrechnen lassen.

Gesichtsfeld

Die Fläche, die eine Kamera überwacht, ist ihr Gesichtsfeld. Das Gesichtsfeld wird häufig mit dem Winkel zwischen den Rändern des sichtbaren Bereiches beschrieben. Typisch sind Angaben zwischen 40 und 55°. Einige Kameras bieten Weitwinkeloptionen von etwa 100°.

Blitzlicht

Das Blitzlicht der Kamera macht Nachtaufnahmen möglich. Dabei sind diverse Blitzvarianten erhältlich: Infrarot, Weißlicht, gefiltertes Blitzlicht oder LED-Varianten.

Der gefilterte Infrarotblitz wird von den meisten Tieren kaum bis gar nicht wahrgenommen. Allerdings ist IR-Licht energieärmer als sichtbares Licht, was eine längere Belichtungszeit und geringe Reichweite des Blitzes zur Folge hat: Die Bilder können Bewegungsunschärfe haben und im Außenbereich dunkel sein. Außerdem sind IR-Aufnahmen nur in schwarz-weiß möglich. Da Menschen kein IR-Licht sehen können, werden solche Kameras auch oft im Objektschutz eingesetzt.

Einige Tierarten können „nahes“ IR-Licht noch sehen, zumal viele IR-Dioden ein „Nebenglühen“ im sichtbaren Bereich haben. Je länger die Wellenlänge des IR-Lichtes, um so weniger wahrscheinlich ist es, dass Tiere hiervon erschreckt werden.

Spektrum des sichtbaren Lichtes und dessen Randbereichen (by Horst Frank CC 3.0)

Der Weißlichtblitz wird vor allem in der Forschung z.B. zur Individuenerkennung eingesetzt. Die Tiere bemerken den störenden Weißlichtblitz und reagieren entsprechend. Allerdings lassen sich damit Fellzeichnung und -färbung individuell identifizieren.

Auch in modernen Kameras werden Blitze von Kondensatoren mit Energie versorgt. Die Entladung eines Kondensators ist meist mit einem kurzen „Plopp“-Geräusch verbunden. Beim Aufladen können Kondensatoren pfeifen. Das kann ein beobachtetes Tier stören.

Batterie oder Akku

Die meisten Fotofallen werden dankenswerterweise mit handelsüblichen Batterien der Sorten AA oder AAA betrieben. Die Anzahl und Kapazität der Batterien bedingt die Laufzeit der Kamera, aber auch die Zeit, in der der Blitzkondensator wieder aufgeladen ist. Je nach Modell und Einstellung sind zwischen 5000 und 30.000 Fotos mit einer Batterieladung möglich. Das Ganze kann bei einigen Geräten mit einem Solarmodul ergänzt werden, so dass die Kameras fast unbegrenzt eingesetzt werden können.

Speicher

Fast alle Wildkameras verfügen über einen SD Speicherkartenslot. Mehr ist dazu gar nicht mehr zu sagen, SD-Karten bekommt man für wenig Geld im Fachhandel. Hier sollte man nicht sparsam sein, 90 MB/s sollte eine Karte schon schreiben können, sonst besteht die Gefahr, dass Videos nicht komplett aufgezeichnet werden.


Der Vergleich

Wir haben drei Modelle für euch verglichen, leider nur in der Theorie:

 

Bezeichnung

Victure Wildkamera 16MP

Coolife Wildkamera H953

Apeman H55

Auflösung Foto 16 MP 20 MP 20 MP
Auflösung Video 1080 P 1520 P 1080 P
Auslösezeit 0,5 s 0,1 s 0,3 – 0,6 s
LED-Technik  26 IR-LED (940 nm) 46 IR-LED (850 nm) IR-LED (940 nm)
Stromversorgung 8 AA-Batterien 8 AA-Batterien 8 AA-Batterien
Speicherkarte SD micro-SD (mitgeliefert) SD/SDHC
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