Medienmittwoch: Füchse – Unsere wilden Nachbarn

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Der Rotfuchs (Vulpes vulpes), ein kleiner Canide, der sich fast alle Lebensräume an Land erschlossen hat und sich als Generalist als sehr erfolgreiche Tierart erwiesen  hat, muss mit einem schlechten Image leben. Diebisch sei er, würde Krankheiten verbreiten, die Städte unsicher machen und obendrein auch ökologische Schäden anrichten, indem er die am Boden brütenden Vögel bedrohen würde.

Das Resultat dieses schlechten Images ist eine starke Bejagung des kleinen Rotschopfs, die, glaubt man obigen Vorwürfen, durchaus gerechtfertigt erscheint.

Ein faszinierendes Bild von Reinecke

In ihrem Buch „Füchse“ hat sich die britische Ökologin Adele Brand nun dem erfolgreichen Räuber angenommen und zeichnet ein faszinierendes Bild von Reinecke.

 

 

Herkunft, Verbreitung, Morphologie und Verhalten der Füchse werden hier anhand der wissenschaftlichen Erkenntnisse dargestellt und immer wieder aufgelockert durch eigene Beobachtungen (sowohl im Rahmen wissenschaftlicher Studien, als auch durch rein private Begegnungen).

Der Rotfuchs wird demnach sowohl seinem schlechten Ruf, als auch vielen anderen Mythen um ihn gar nicht gerecht.

 

Wussten sie, dass Füchse gar keine ausgesprochenen Einzelgänger sind? Oft leben sie in kleinen Verbänden mit ranghöheren und rangniederen Tieren, die sich zwar nicht fortpflanzen, aber bei der Aufzucht der Welpen helfen.

Auch hält sich hartnäckig das Gerücht, Füchse seien Nacht- und Dämmerungsaktiv. Tatsächlich ist auch das nicht ganz richtig. Im Wesentlichen richten sie ihre Aktivität nach zwei Kriterien aus: ihrer Beute und möglicher Gefahren. Da sich Füchse in unseren Breitengrade zu einem überwiegenden Teil von Mäusen (und saisonal von Beeren) ernähren, sind sie von Haus aus eher tagaktiv. Durch die starke Bejagung in vielen Regionen, weichen die dortigen Tiere aber lieber auf ein Leben in der Dunkelheit aus.

Stadtfüchse sind nicht eingewandert, sondern geblieben

Füchse bei Tag konnte ich selbst auch immer wieder beobachten. Sei es in einem kleinen Ort in Brandenburg, wo der Fuchs ein bisschen als Dorfmitglied gesehen wird, oder etwa im ägyptischen Nationalpark el-Maʿādī, wo sie Hasen jagen und sich lediglich über die brütenden Mittagsstunden in Höhlen verkriechen.

 

Selbst in der kargen Landschaft des Nationalpark el-Maʿādī bei Kairo lassen sich Füchse beobachten (Foto: André Kramer)

 

 

Insgesamt ist die Anpassungsfähigkeit dieser Tiere durchaus erstaunlich. Längst haben sie sich die Stadt als Lebensraum erschlossen (oder besser: an diesen angepasst). Schließlich, das betont Adele Brand, sind die Stadtfüchse nicht eingewandert, sondern waren schon immer da. Nur ihr Lebensraum wurde ausgewechselt. Wälder wurden gerodet und Häuser und Straßen an ihrer Stelle errichtet. Der Fuchs ist geblieben). Hier konnte er sich wunderbar einrichten und kann selbst im großstädtischen Milieu gedeihen.

Schließlich gibt es Menschen, die glauben, dass Füchse gefährlich seien und etwa Kinder attackieren würden. Adele Brand zeigt hier nüchtern auf, dass dies bei einem gesunden (nicht an Tollwut erkrankten) Tier sicherlich nicht der Fall sein wird. Selbst große Füchse erreichen selten ein Gewicht, das auch nur 7 Kilogramm erreicht und jagen nur Beute, die kleiner ist als sie selbst. Die Gefahr, von einem Fuchs attackiert zu werden, ist also denkbar gering.

Fuchsjagd hat keinen ökologischen Sinn

Als Kritiker der Jagd, hat das Buch meine Annahme, dass die Fuchsjagd keinen ökologischen Sinn hat, auch immer wieder bestätigt. Einen regulativen Effekt hat die Jagd zumindest kein, wie sie ausführt. Auf großen Populationsdruck durch gesteigerte Bejagung, reagieren Fähen mit kürzeren Tragzeiten. Außerdem werden frei gewordene Reviere sofort nachbesetzt. Werden das dominante Männchen oder Weibchen einer Gruppe geschossen, steigen rangniedere Tiere auf. Auch die Gefahr einer „Überpopulation“ von Füchsen besteht nicht. Die Zahl der Beutetiere bestimmt schlicht die Populationsgröße der Beutegreifer und so regulieren sich die Bestände selbst hoch und runter.

 

Junger Fuchs in Brandenburg (Foto: André Kramer)
Junger Fuchs in Brandenburg (Foto: André Kramer)

 

Füchse haben sogar einen regulativen Effekt auf die Rehpopulation. Aus einer schwedischen Langzeitstudie geht hervor, dass Füchse bis zu 81% der jährlich geborenen Kitze erbeuten.

 

Hierzu ließen sich weitere Argumente anführen (bezogen auf Tollwut, Fuchsbandwurm, Bodenbrüter usw.), doch würde dies vom Inhalt dieses Buches zu weit wegführen. Zumal Adele Brand durchaus betont, dass Sorgen und Konflikte zwischen Mensch und Wildtier durchaus ernst zu nehmen sind.

 

Auch wird betont, dass gerade Fuchswelpen einen äußerst ausgeprägten Spieltrieb haben und sich hierfür gerne Spielzeuge erbeuten. Dazu gehören auch Schuhe, und so werden einige Beispiele von besonders emsigen Schuhsammlern unter den Füchsen aufgezählt (dieser Skurrilität habe einen Beitrag im Jahrbuch für Kryptozoologie Nr. 1 gewidmet).

 

Rotfuchs

 

Fazit

Insgesamt ist „Füchse. Unsere wilden Nachbarn“ auf seinen gut 200 Seiten ein schönes Porträt des kleinen Caniden, das leicht verständlich geschrieben ist, aber trotzdem über eine genügend große Menge echter fachlicher Informationen und Diskussionen verfügt.

 

Einige wenige, dafür aber sehr schöne Fotos in Schwarz-Weiß lockern den Text immer wieder auf.

 

Ich habe das Lesen dieses Buches nicht bereut und kann es interessierten LeserInnen nur weiterempfehlen.

 

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Unsere wilden Nachbarn – die Füchse

Seit Urzeiten begleitet der Fuchs den Menschen, und schon immer war er für seine Intelligenz und Schlauheit berühmt. Heute ist er das am weitesten verbreitete Raubtier und sein leuchtendes Fell selbst in den Städten ein häufiger Anblick. Doch wer ist dieser wilde Nachbar des Menschen in Wirklichkeit? Adele Brand erschließt uns in ihrem klugen und warmherzigen Buch den mysteriösen Kosmos der Füchse mit ihren erstaunlichen Überlebenskünsten.

 

Füchse: Unsere wilden Nachbarn ist 2020 bei C.H. Beck erschienen und hat 208 Seiten. Es kostet als gebundenes Buch € 22,-

 

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