Medium der Woche: Wood Knocks Vol. 5 (2021)

Lesedauer: etwa 6 Minuten

Wood Knocks Vol 5

 

Der Band ist bereits im Dezember 2021 in den Vereinigten Staaten erschienen, aber es hat lange gebraucht, bis mein Exemplar hier eingetrudelt ist. „Wood Knocks“ ist eine von David Weatherly nun bereits zum fünften Mal herausgegebene Anthologie mit Beiträgen über das Monster Bigfoot, den amerikanischen Yeti oder ABSM (Abominable Snowman), allerdings in vielerlei Form und aus den unterschiedlichsten Herkunftsgebieten.

 

 

Das Buch umfasst die folgenden Beiträge:

 

 

 

Kevin Lee Nelson: „Wildman or Wendigo?“

Kanada
Kanadas Wälder beherbergen den Wendigo, eine Legende der Indianer

 

Der Wendigo oder Wetiko ist ein übernatürliches Wesen der Algonkin, einer First Nation des südöstlichen Kanada und der nordwestlichen USA. Kevin Lee Nelson sammelt in seinem Beitrag Volkserzählungen, fiktive Horrorgeschichten und anthropologische Deutungen. Ein Wendigo entsteht in drei Phasen, bis er zum Schluss ein menschenfressendes Monstrum geworden ist (unter anderem dadurch, dass er Besitz eines Menschen ergreift). Da der Wendigo in Kanada eine bekannte Sagenfigur geworden ist, verwenden Augenzeugen den Namen, wenn sie Begegnungen schildern, die sie in den USA dem Bigfoot zugeordnet hätten. Kevin Lee Nelson bietet mehrere Erklärungsmöglichkeiten an: Der Wendigo könnte ein Bigfoot sein, ein bloßer Mythos, ein Warnmärchen, das man am Lagerfeuer erzählt – oder sind menschenfressende Bigfoots gar Sasquatches, in die ein Wendigo gefahren ist?

 

 

David Weatherly: „Yahoos & Yowies: Historical Accounts of Australian Hairy Men“

Typische australische Landschaft
Sind die trockenwälder Australiens die Heimat eines Wildhominiden?

 

Der Beitrag des Herausgebers ist eher konventionelle Kryptozoologie, allerdings gut durchdacht. Zunächst wird die Herkunft der beiden Worte Yahoo und Yowie geklärt, dann nimmt Weatherly mehrere Episoden von 1871 bis 1912 aufgrund der zeitgenössischen Presseberichte unter die Lupe und kommt zu dem Ergebnis, dass dem kryptiden Yowie ein reales, der Wissenschaft noch unbekanntes Tier entspricht. Die Bandbreite der gemeldeten Wesen ist sehr groß, von Gorillas über menschengroße Affenwesen bis zu 1,20 Meter hohen kleinen Wesen mit zwei Klauen an den Füßen und drei Klauen an den Händen.

 

 

 

Michelle Souliere: „Bigfoot in Maine“

Spuren eines amerikanischen Schwarzbären
Fußspuren eines amerikanischen Schwarzbären im Schlick. (Foto: Matt Goff)

Hier geht es hauptsächlich um eine fiktive Geschichte, die Erzählung „Was It an Indian Devil?“, die 1876 in der Jugendzeitschrift „Ballou’s Monthly Magazine“ erschien. Darin schildert der Autor C. A. Stephens mehrere Begegnungen mit „indianischen Teufeln“, großen behaarten Riesen, die unserem heutigen Bild des Bigfoot entsprechen. Indianische Teufel ist ein umfassender Begriff, mit dem auch Pumas bezeichnet wurde (zuweilen auch Wer-Pumas, die auf zwei Beinen gingen).

Insgesamt werden fünf alte Erzählungen angeführt, von denen besonders eine, aus dem „Boston Transcript“ vom 31. Dezember 1902, wie moderne Augenzeugenberichte klingt. Die Devils hinterlassen stets nackte menschliche Fußspuren, allerdings mit Krallen wie ein Bär. Neben den Fiktionen konnte die Autorin keine als echt gemeldeten Begegnungen aus dieser Zeit finden.

 

 

Richard Freeman: „Relic Hominins Behind the Iron Curtain“

Almasti-Nagel?
Das Netzwerk für Kryptozoologie ist in Besitz eines Stückes, das als „Almasti-Nagel“ bezeichnet wird. Nähere Untersuchungen werden in Kürze publiziert

 

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse bei der Suche nach Almas im Kaukasus, die das Centre für Fortean Zooology durchgeführt hat. Der ganze Beitrag ist als Travelogue verfasst, und Freeman ist ein erfolgsverwöhnter Kryptozoologe – jeder, den er trifft, hat entweder einen Almasty gesehen (es gibt zwei Arten, einen, der etwas größer ist als ein Mensch und einen Riesen „wie der Yeti“) oder doch eine zehn Meter lange, schwarze Riesenschlange, und wenn nicht im Kaukasus, dann doch in Sibirien, in der Ukraine oder in Afghanistan. Jeder Schritt seiner Expeditionen 2008 und 2017 ist mühsam protokolliert, ich fand die Lektüre aufgrund der vielen Details recht schwergängig. Freeman selbst begegnet einem Almasty, aber leider registrieren die aufgestellten Wildtierkameras nichts.

 

 

Micah Hanks: „Wild People of the Pyrenees: Southern European Perspectives on the Relict Hominoid Enigma“

Der Affenmensch aus den Pyrenäen?
Statute des Basajaun von Rober Garay

 

Es geht um wilde Menschen in den Pyrenäen. Der Autor führt hauptsächlich eine Sichtung (von 1774) eines wilden Menschen und die Sagen vom Basajaun auf. Hier hätte eine tiefergehende Recherche gut getan. Alleine in den forteanischen Zeitschriften „INFO Journal“ und „Pursuit“ sind ein halbes Dutzend Artikel über ABSM in den Pyrenäen erschienen, mit zahllosen modernen Zeitungsberichten über Sichtungen.

 

Hanks deutet die Wilden Menschen als überlebende Urmenschen.

 

 

Hier auf der Website des Netzwerkes für Kryptozoologie hat Peter Ehret die ganze Sache schön zusammengefasst:

Das Mögliche Unmögliche – Yetis in Spanien (Teil 1)

 

Der Affenmensch aus dem Pyrenäen (Teil 2)

 

Wir haben auch einen Artikel von Dominik Schindler zum gleichen Thema:

 

Der Basajaun, ein westeuropäischer Yeti? 

 

 

 

Ulrich Magin: „Bigfoot in the Andes of South America“

Beobachtet der Kondor auch Wildmenschen?
Gibt es den südamerikanischen Affenmenschen? Der Kondor weiß es sicher.

 

Mein Beitrag behandelt Sichtungen von menschaffenartigen Wesen in den Anden, also nicht im Amazonasbecken, wo der Mapinguari spukt, der von Heuvelmans und Sanderson als ABSM, von heutigen Kryptozooologen aber als Riesenfaultier gedeutet wird – aufgrund derselben Berichte übrigens. Bereits die ersten Entdecker meldeten Begegnungen mit Menschenaffen, affenähnlichen Menschen und Affenungeheuern in den Anden. Es gibt zudem ein paar Hinweise auf große Fußabdrücke im Schnee. Die Meldungen, die bis in die heutige Zeit reichen, reden von zwei Arten – einem Zwerg und einem Riesen. Ungewöhnlich für den Rest der Welt, in Südamerika aber die Norm, ist die Verbindung der Bigfoots zu UFOs – sie erscheinen in deren Nähe oder steigen gar aus Untertassen aus. Ich optiere daher dafür, dass es sich nicht um reale Lebewesen handelt.

 

Gerade, weil unterschiedliche Standpunkte vertreten sind, ist „Wood Knocks“ eine spannende Lektüre, auch dann, wenn man andere Meinungen vertritt wie die Autoren. Besonders erwähnt werden sollte die wie immer tolle Coversgestaltung von Sam Shearon und der schöne Innensatz. Der interessante Sammelband ist auch über deutsche Versender zu beziehen.


 

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Wood Knocks: A Journal of Sasquatch Research: Vol. 5

Wood Knocks A Journal of Sasquatch Research: Volume 5 erschien am 13. November 2021 bei der Eerie Lights Publishing (in Englisch) im amerikanischen Trad Paperback-Format mit 156 Seiten

 

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