Medium der Woche: das ZDF zum Thema Loch Ness

Lesedauer: etwa 7 Minuten

Das Monster von Loch Ness, kurz Nessie, ist sicherlich eines der bekanntesten Objekte der Kryptozoologie. So ist es auch kein Wunder, dass das ZDF sich in seiner Reihe „Mythen und Monster“ dem schottischen See und seinen vermeintlichen Bewohnern widmet.

 

In einer knappen 3/4 h wird hier das Monster und der dahinter liegende Mythos nach allen Regeln der Kryptozoologie besprochen.

 

 

Stele mit der Bezeichnung "Loch Ness", der See im Hintergrund
Loch Ness, ohne Nessie.

Ein klassischer Beginn

Zunächst muss die Protagonistin natürlich vorgestellt werden. Hierzu gibt es ein paar Animationen und Statements unterschiedlicher Menschen, zur möglichen Existenz oder Gefährlichkeit des Monsters.

Es folgt eine kurze Geschichte des Monsters bzw. der Monsterbeobachtung, startend bei Columban, geht über die Fotoaufnahmen der 1930er und dann schnell zur These des Plesiosauriers über. Die Doku folgt der Idee eine ganze Weile. Um diese Idee zu diskutieren, werden einige Beispiele gezeigt, die auch in der Kryptozoologie bekannt sind. Die Geschichten und Argumentationen sind ähnlich, wie im Netz.

Der Turm von Urquhart Castle am Loch Ness, hier soll sich Nessie am häufigsten rumtreiben
Der Turm von Urquhart Castle, hier soll sich Nessie am häufigsten rumtreiben

 

Als Unterstützung der Plesiosaurier-These wird die – gar nicht mal so nahe – Isle of Skye zitiert, auf der es tatsächlich fossile Fußabdrücke von Dinosauriern gibt. Und tatsächlich gab es fossile Überreste auf Skye, wenn auch nur in Form eines Zahns.

Schließlich gewinnen doch die Contra-Argumente und die Doku widmet sich anderen Optionen:

 

Die Entstehung von Loch Ness und weitere Bewohner

Der Legende nach gab es früher im Tal einen wundertätigen Brunnen, der immer abgedeckt werden musste. Als eine Frau dies vergaß, flutete das Wasser des Brunnens das Tal, Loch Ness entstand.

 

Bald folgt eine einfache limnologische Untersuchung des Sees. Das torfige Schwarzwasser verhindert den tiefen Einfall von Sonnenlicht, so dass am Boden des Loch tiefschwarze Nacht herrscht. Der See ist trotz seiner Größe wenig produktiv. Ein Wissenschaftler schätzt den Bestand auf 20.000 bis 40.000 Fische, die meisten davon sehr klein. Im Ness und an dessen Mündung gibt es wesentlich mehr Nahrung.

 

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Die neuste Studie zu See-Monstern in den USA und Kanada

„Für Mutige und Neugierige ist dieses Buch eine Schatztruhe des Unglaublichen.“ – Grady Harp, The San Francisco Review of Books.
Dreißig Fuß lang mit mehreren Höckern … Es schwamm so schnell wie das Boot … Dunkel in der Farbe, schlangenförmig im Aussehen … Es hatte einen pferdeähnlichen Kopf … Sein Hals ragte fünf oder sechs Fuß aus dem Wasser … Es bewegte sich in vertikalen Wellen …
Die Beschreibungen sind allzu häufig – die Augenzeugenberichte sind bemerkenswert konsistent. Es gibt Tausende von Berichten in den Vereinigten Staaten und Kanada von Menschen mit allen möglichen Hintergründen. Sie können sich nicht alle irren – irgendetwas lauert im Wasser. ABER WAS?

 

 

A Survey of Lake Monsters in the United States and Canada ist das neuste Werk von Denver Michaels. Die Taschenbuchausgabe hat 275 Seiten und ist am 2. März 2022 in englischer Sprache erschienen.

 

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Die Entstehung des Mythos

Die ersten Fotografien entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts. In dieser Zeit waren Dinosaurier sehr populär, vor allem die ikonischen Plesiosaurier wurden immer wieder abgebildet. Das hat die Fantasie der Besucher beflügelt.

 

eine ruhige Wasserfläche mit wenigen Wellen, in der Mitte ein Gegenstand unbestimmbarer Größe, aus dem ein langer Fortsatz in einem flachen Bogen nach oben geht und dort wie abgeknickt wirkt
Das berühmte Nessie-Foto von Robert Wilson von April 1934.

Doch wer verbirgt sich hinter dem Mythos? Eine weitere typische Frage der Kryptozoologie: „Welche schottischen Süßwasserfische können zu Monstern heranwachsen?“ wird bearbeitet. Dankenswerterweise werden weder Riesenaale noch Welse erwähnt. Nur ein (fürs den Ness nachgewiesener) Stör wird vorgestellt.

Als schlangenähnlich werden Neunaugen und – jetzt doch- Aale vorgestellt. Zum Glück sagt der Sprecher, dass Aale hier bis zu 1,5 m lang werden können. Immernoch recht groß, aber keine Riesen.

 

Das Grey Picture soll das Loch Ness Monster zeigen
Das Originalbild von Hugh Grey

 

Was ist mit den Fotos?

Keiner der Fische oder eine Wasserschlange kann die buckelartigen Fotos erklären. Um sie zu erklären, wendet sich die Doku dem Meer zu und stellt kurz die Meeresungeheuer vor. Selbst ein Narwal wird dargestellt. Letztlich macht sich die Wissenschaftlerin, die am häufigsten vor der Kamera steht, auf den Weg in den Moray Firth kurz vor Inverness und fotografiert dort Seehunde oder Kegelrobben. Sie sind eine gute Erklärung für einzelne Buckel.

 

Wellen sind eine andere Erklärung für das Monster von Loch Ness. Um dies zu überprüfen, besuchen die Macher der Doku das Wellenlabor der Uni in Bangor, Wales. Sie zeigen unterschiedliche Wellenformen, die vielleicht auch als Tiere wahrgenommen werden.

 

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Mythen und Monster

Seit Tausenden von Jahren glaubten die Menschen an mythische Wesen – Drachen, Vampire oder Seemonster. Sie faszinieren uns noch heute. Aber woher kommen die Geschichten? Wie viel Wahrheit steckt hinter den Legenden? Und was können uns diese über die alten Völker erzählen, die diese Mythen erschaffen haben?

 

Mythen und Monster des ZDF ist mit allen zehn Folgen auch bei Amazon Prime erhältlich.

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Zum Schluss nach Island

Am Ende der Doku zeigen die Macher noch die Legende vom Lagarfjord, wo ein ganz ähnliches Ungeheuer die Einheimischen terrorisieren soll.

Auch hier findet sich ein lokaler Kryptozoologe, der eine alte Legende vorstellt.

 

Auf die Meta-Ebene der Mythen steigen die Autoren erst in den letzten Minuten. Nun werden Monster auf einmal zu Personifizierungen von Urängsten vor dunklen Gewässern oder Wäldern.

 

Skurriler Minibus mit einem Verkaufsstand an Loch Ness
Der Beobachtungsstand des Nessie Hunters Steve Feltham

 

Kritik

Als erfahrener Konsument von kryptozoologischem Material bietet diese Dokumentation nur wenig Neues. Die Diskussion windet sich um genau die Themen, die in der Internetcommunity seit vielen Jahren immer mal wieder diskutiert werden: Ist das Loch Ness-Monster ein Plesiosaurier? Sind die sicher ausgestorben, auch wenn es Haie und Quastenflosser nicht sind? Kann der See sie überhaupt ernähren? und so weiter. Dabei springen die Macher gerne von Thema zu Thema, es ist nicht immer einfach, ihnen zu folgen.

 

Bemerkenswert ist auch, dass sie nicht nur eine Professorin für vergleichende Anatomie, sondern auch Wissenschaftler aus dem kulturwissenschaftlichen Bereich der Mythologien zu Wort kommen lassen. Leider geben sie quasi nur ergänzende Stichworte zu Protokoll, hier würde es vermutlich schnell zu speziell.

 

Anders als bei der Bigfoot-Doku ist hier kein Experte mit kryptozoologischem Hintergrund beteiligt. Der Nessie-Hunter Steve Feltham wäre sicher ein dankbarer Interview-Partner geworden.

 

Mein Fazit:

Für jemanden aus der kryptozoologischen Community nichts Neues. Für jemanden, der beginnt, sich dafür zu interessieren ist der Beitrag eine recht gute Zusammenfassung des aktuellen Wissensstandes.
Möchte man sich hingegen nur unterhalten lassen, ist es eine Doku, der man teilweise nur schwer folgen kann. Zum Glück ist Loch Ness so weit vom Alltagsleben der meisten Deutschen entfernt, dass kein wirklicher Schaden entsteht, wenn man sich zwischendrin passend zu den Bildern des Hochlandes einen Single Malt Whiskey holt.

 

das letzte Licht über Loch Ness unter tief hängenden Wolken
Bleierne Stimmung beim Sonnenuntergang im Herbst über Loch Ness. Nur der See weiß, welche Geheimnisse er verbirgt.

 

Die Folge „Loch Ness“ aus der Reihe „Mythen und Monster“ dauert 44 Minuten und ist am 22.11.2020 gesendet worden. Sie ist bis zum 30.09.2022 in der ZDF-Mediathek sichtbar.

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