Breaking News: Megalodon gefangen?

Lesedauer: etwa 11 Minuten
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oder die Geschichte in der Geschichte.

 

Tierhorror-Roman-Autor Steve Alten berichtet auf seiner Internetseite vom Fang eines extrem großen Hais, möglicherweise eines Megalodon und einem dazu gehörigen Bild:

Das Alten/Facebook-Bild: Haben sie einen Megalodon gefangen?
Das Alten/Facebook-Bild (einschließlich schiefem Rand unten). So wie es dort gepostet wurde, müsste als Urheber die NOAA angegeben werden.

 

 

„Es gibt eine Serie von Fotos, die derzeit in den sozialen Medien herumgehen. Sie zeigen einen extrem großen Weißen Hai, der von einem Trawler gefangen wurde. In den letzten 36 Stunden habe ich über 400 E-Mails erhalten, alle mit der Frage, ob es ein Megalodon sei.

 

Das kann ich euch sagen: Die Fotos sind echt, aber es gibt einen Grund, warum es keine vollständige Geschichte hierzu gibt. Die Bilder wurden im Februar 2012 durch einen französischen Meeresbiologen aufgenommen, der zu der Zeit für die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration; Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde der USA) in der Philippinensee arbeitete und die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Korallenriffe studierte.

 

Das Forschungsschiff wurde zu einem Trawler in Seenot gerufen. Der (hochschwangere) Hai hatte sich im Netz verfangen und ging unter. Ich sah einige sehr unschöne Bilder eines Fischers, der eine Lanze und einen Bootshaken nutzte, um ein Jungtier aus dem Geburtskanal der toten Mutter zu ziehen, ich zeige es nicht).

 

Der Trawler sandte das Seenotsignal, weil der Hai zu groß war, um ihn aus dem Wasser zu ziehen und sich das Netz um das Ruder gezogen hatte. Ohne Tauchausrüstung konnte es nicht losgeschnitten werden und das Gewicht des Haies drohte, das Boot zu versenken. Wie groß war der Hai?

Der Trawler war 87 ft. lang (ca. 26,5 m), also muss der Hai deutlich mehr als 50 ft. lang (ca. 15,24 m) gewesen sein. Sicher kein Weißer Hai.“

 

 

 

 

Soweit die Erzählung von Steve Alten. Natürlich suggeriert er mit „Sicher kein Weißer Hai“, dass er den Fang für einen Megalodon hält, ohne es zu sagen.

Die Geschichte wirkt irgendwie unscharf

Wenn die Geschichte sich bereits 2012 so ereignet hat, wieso bekommt sie acht Jahre später so viel Aufsehen, dass jemand 400 Mails in 36 h bekommt und sich genötigt sieht, „geheime“ Bilder auf Facebook zu posten?
Wenn da tatsächlich Substanz hinter wäre, hätte ich eine solche Reaktion von anderen Institutionen erwartet, der NOAA, dem International Shark Attack File, dem Monterey Bay Research Institute oder Ähnlichem, aber nicht von einem kaum bekannten Autor von Tierhorror-Romanen. Von keiner der oben genannten Institutionen kam irgendetwas, weder vor acht Jahren, noch heute.

 

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Sie sind die erfolgreichste Gruppe von Räubern in der Erdgeschichte. Sie haben die Dinosaurier überlebt, und die Ozeane sind ihr Revier: Haie, die größten Jäger der Weltmeere.

Vom Grönlandhai, der unter dem arktischen Eis lebt, über den Epaulettenhai, der auf dem Meeresgrund laufen kann, bis zum legendären Weißen Hai – in einer atemberaubenden Bildsprache zeigen die BBC-Naturfilmer Unterwasseraufnahmen, die man so noch die gesehen hat, und portraitieren eindrucksvoll die faszinierenden Verhaltensweisen von über 30 verschiedenen Haiarten und Rochen. Dabei entdecken sie auch die verborgene Seite der Haie mit ihren komplexen Balzritualen, dem komplizierten sozialen Leben und der Aufzucht ihrer Jungen in dieser vierteiligen BBC-Serie.

 

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Die nächste Frage, die sich stellt: Was macht ein US-Forschungsschiff in der Philippinensee? Was macht ein französischer Wissenschaftler an Bord? Wieso hat er keinen Namen? In der Wissenschaft ist es üblich, ja unvermeidlich, jede Veröffentlichung mit seinem Namen zu unterschreiben. Das geht Wissenschaftlern so ins Blut, dass sie niemals solche Bilder ohne Namen weiter geben würden.

Was ist mit dem Schiff?

Auch die Physik macht da ein komisches Bild: Der Hai ist so schwer, dass er nicht an Bord gehievt werden kann. Das ist wahrscheinlich, denn das Schiff auf dem Bild hat keine Heckaufschleppe, sondern fischt mit zwei seitlichen Baumkurren. Sie werden über zwei Arme neben dem Boot ins Wasser gelassen. Da mit diesen Geräten in der Regel Garnelen (wie die Krabbenfischerei in der Nordsee) gefischt werden, müssen sie keine großen Lasten tragen. Hierzu kommt, dass eine hohe Traglast an einem seitlichen Ausleger ein Schiff zum Kentern bringen könnte.

 

Doch kein Fischer der Welt würde einen solchen Fang irgendwie riskieren. Da könnte so viel Geld drin stecken, dass er einen Großteil der Kredite für das Boot damit abbezahlt. Daher würde er genau das tun, was auf dem Bild auch zu sehen ist: er verzurrt den Hai und lässt das Wasser ein Großteil des Gewichtes tragen. Im Hafen gibt es sicher einen Kran oder einen Slipway, mit dem man das Vieh aus dem Wasser bekommt.

 

Jetzt kommt die nächste Unklarheit: Angeblich leistet ein Besatzungsmitglied mit Lanze und Bootshaken bei dem Hai Geburtshilfe. Gleichzeitig ist das Schiff manövrierunfähig (und damit in akuter Gefahr), weil sich ein Netz um das Ruder gewickelt hat.
Die erste Hilfe erfolgt bei so etwas immer mit einer Lanze und einem Bootshaken. Bei welchem Vorgang würde die Besatzung diese Werkzeuge wohl bevorzugt einsetzen?

Das Bild

Das Bild zeigt einen Trawler in ruhigem Wasser, der langsame, aber deutlich sichtbare Fahrt macht. Es gibt sowohl eine Bugwelle (1) wie auch von der Schraube verwirbeltes Kielwasser (2). Ein Signalkörper ((3), das „Stundenglas“) ist gesetzt, es zeigt an „Dieses Schiff fischt mit Schleppnetzen“. Beide Baumkurren sind ausgesetzt, das Boot fischt aktuell (4, 5). Zwei Flaggen sind gesetzt, beide zeigen drei waagerechte Streifen undefinierbarer Farbe (6). Die Sonne fällt von der Steuerbordseite, leicht achtern auf das Schiff, für den Bildbetrachter steht sie in 2 Uhr (Schatten: 7). Das Schiff wird von mehreren Möwen umflogen.

 

Boot mit angeblichem Megalodon
Das Alten/Facebook-Bild. Erklärung der Nummern im Text

Auf der dem Betrachter zugewandten Seite scheint ein sehr großer Weißer Hai festgezurrt zu sein. Im Vergleich zu dem extrem dunklen Schiff erscheint der Hai sehr hell. Sichtbar ist eine große, sichelförmige rechte Brustflosse, ein kleiner Teil der Brust sowie das unter Wasser befindliche Maul.

 

 

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Tod eines tauchenden Haischützers – nur ein Unfall?

Als der erfahrene Taucher und preisgekrönte Filmemacher Rob Stewart (Sharkwater und Sharkwater: Extinction) 2017 bei einem Tauchgang vor der Küste der Florida Keys ertrank, war dies ein Schock für die Umweltbewegung der Welt.

Berichten zufolge wurde Stewart von einem manipulativen Ausbilder namens Peter Sotis ermutigt, einen gefährlichen und letztendlich tödlichen Tauchgang durchzuführen. Einige Blogger gingen so weit, Sotis zu beschuldigen, sich selbst auf Kosten von Steward gerettet zu haben.
Ein Zivilverfahren wurde eingeleitet. Schließlich bekam Horizon Divers die Schuld, die Firma, für die Stewart tauchte. Ihr wurde grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen, man habe ihn im Wasser sterben lassen.
Mit Interviews und investigativer Berichterstattung überzeugt The Third Dive bei dem Versuch, die mysteriösen und beunruhigenden Umstände aufzudecken, die zu Rob Stewarts vorzeitigem Tod führten.

 

The Third Dive erscheint am 6. Oktober auf englischer Sprache und ist jetzt bereits vorbestellbar. Das Buch hat 216 gebundene Seiten.

 

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Was auf dem Bild auffällt:

Folgt man der Geschichte oben, die einen toten Hai im Wasser beschreibt, dem ein Fischer einen Kaiserschnitt zufügt, während das Boot mit Netz im Ruder steuerlos dahin treibt, kommen die ersten Unklarheiten auf:

  1. Wieso ist der Hai so seltsam festgezurrt. Sinnvoll ist es in jedem Fall, den Schwanzstiel mit einer Schlaufe hochzuziehen. Damit würde er dann an einem der Laschpunkte am Bug befestigt werden. Statt dessen wirkt es, als stünde der Schwanz des Haies weit vor dem Bug des Schiffs.
  2. Das Netz ist ins Ruder gelangt. Wie kommt es, dass das Schiff dann weiter Fahrt macht und niemand an Deck zu sehen ist. Hai und defekte Ruderanlage dürften genug Aufmerksamkeit erregen, um die gesamte Mannschaft an Deck zu bringen.
  3. Das „Stundenglas“ ist gesetzt, obwohl das Schiff angeblich nicht fischt, sondern in Seenot ist. Korrekterweise hätte der Kapitän das Stundenglas herunter nehmen und zwei schwarze Bälle setzen lassen müssen. Das mag sich für einen Nicht-Seemann nach einer Kleinigkeit anhören, ist es aber nicht: ein manövrierunfähiges Schiff ist eine Gefahr für alle anderen und wird sofort als solches markiert. Dies entlastet den Kapitän in Haftungsfragen.
  4. Das Schiff erscheint erstaunlich dunkel, fast schwarz, trotz Gegenlicht hätte ich deutlich mehr Farbe erwartet. Bemerkenswert hierbei: ein Ball am Heck des Schiffes ist weiß. Diese Bälle dienen als Markierung und sollten rot sein, damit man sie im Meer sieht.
  5. Der Horizont wirkt seltsam, vor den ersten Masten ist er hell, hinter dem ersten Mast ist er dunkel und „ein Stück dicker“. Die Seile, die den Mast stützen, haben auf Höhe der „dickeren Stelle“ dicker und dunkler, sie haben einen seltsamen „Schatten“. Ist das Bild bearbeitet?

Das sind zu viele Ungereimtheiten, um das Bild nicht durch die üblichen Bild-Suchmaschinen zu jagen. Siehe da, es kommt ein sehr ähnliches Bild eines wesentlich besser ausgeleuchteten Schiffes heraus – ohne den „Megalodon“.

Das Schiff

Das Original 1 des Alten/Facebook-Bildes

Dieses Bild stellt mit großer Sicherheit das Original dar. Auf diesem Bild ist das Schiff deutlich heller als auf dem ersten Bild. Nicht nur die Schattenrisse der beiden Bilder sind identisch, sogar die Möwen und die Position der Flaggen sind identisch:

Das Alten/Facebook-Bild
Das Alten/Facebook-Bild

Das Original

Erkennbar sind die beiden Baumkurren mit den Netzen, der Hintergrund und – eine deutsche Flagge. Am Bug ist die Schiffskennung „SW4“ groß zu lesen. Der Rumpf des Schiffes ist außen blau und innen gelb. Randnotiz: der Ball am Heck des Bootes ist leuchtend rot, der Horizont zeigt auf dem vermuteten Original Land mit technischen oder industriellen Anlagen.

Die Schiffskennung „SW4“ lässt sich auf den Krabbenkutter „Hartje“ zurückverfolgen. Ihr Heimathafen ist Wyk auf Föhr. Das Schiff wurde 1986 bei L. Voss in Aurich gebaut und 2013 bei VCU modernisiert. Die Hartje ist 16,99 m lang, 5,50 m breit und hat eine BRZ von 46. Keine Rede von 87ft. (26,5 m) Länge. Sie ist aktuell noch im Einsatz.

Die ACC1a „Gerda-Bianca“ ist fast baugleich mit der „Hartje“, hier kann man die seitlichen Baumkurren-Netze gut erkennen

 

Der „Megalodon“

Nachdem das Original des Trawlers gefunden wurde, ist es keine Frage, dass der angebliche Megalodon in das Bild montiert wurde.

Auch hier liefert die Bildsuche Ergebnisse: der Hai ist in zahlreichen australischen Nachrichtenportalen erschienen. Unter anderem postete ABC-News am 19.11.2018 ein Bild des Haies, der in Sydney’s Maroubra Beach in einem Haischutznetz erstickte. Das Tier maß 4,65 m, ein gewaltiger Hai, aber nicht einmal annähernd 15 m – und sicher kein Megalodon.

Der vor Sydney unabsichtlich gefangene 4,65 m-Hai.

Der Hai wurde aus dem Originalbild ausgeschnitten, gespiegelt und vor das Bild der „Hartje“ montiert. Der Photoshop-Artist hat noch ein weiteres Seil eingebaut, die Flosse zwischen den Seilen etwas ausgefranst und die schwarze Spitze der Flosse ein wenig gefälliger geformt.

 

Das gespiegelte Hai-Bild. Pfeile: siehe Text

So wird aus einem Weißhai ein Megalodon
Das Alten/Facebook-Bild, Pfeile siehe Text

 

„Und der Haifisch, der hat Zähne“, aber Steve Alten nicht!

Steve Alten schrieb zahlreiche, finanziell mittelmäßig erfolgreiche Romane, die dem Genre „Tierhorror“ zugeordnet werden können. Eigentlich gibt es in diesem Genre nur zwei Meisterwerke, „Der Weiße Hai“ von Peter Benchley aus dem Jahre 1975 und „Jurassic Park“ von Michael Crichton aus dem Jahre 1990. Beide wurden von Steven Spielberg verfilmt, was ihre Strahlkraft verstärkte. In beiden Fällen spielen nicht der von den Tieren ausgehende Horror den wichtigsten Punkt, sondern die Psychologie und Interaktion der Personen, die diesem ausgesetzt werden.

 

Die Werke von Steve Alten kenne ich nicht. Aber die Tatsache, dass er für seinen Loch Ness-Roman einen gefakten „Nessie-Zahn“ finden lassen hat und jetzt mit einer unglaubwürdigen Story und einer handwerklich schlechten Fotomontage für die Fortsetzung seines Megalodon-Romans werben muss, sprechen Bände.


Dossier Megalodon: alle hier erschienene Beiträge zum Thema


Quellen:

Zur „Hartje“ bei EO Ems.de

 

Das Originalbild des gefangenen Haies gibt es unter anderem bei ABC.net.au

 

Das Originalbild der Hartje ist bei Deep Blue als Hintergrundbild eines Artikels zur Überfischung von trächtigen Weißhaien. Vermutlich hatte hier der Autor die Idee für die Alias-Story.

 

Wikipedia zur Lichter- und Signalkörperführung bei Manövrierbehinderungen

 

Benchley, Peter: Der Weiße Hai; 1974

 

Crichton, Michael: Jurassic Park; 1990

 

NOAA: About our Agency

 

Vielen Dank an „Vincent“, der mich auf einen Widerspruch im Text hinwies. Ich habe das korrigiert.

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