Mein Wort zum Sonntag – 09. August 2020

Lesedauer: etwa 12 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Jetzt ist er da, der Sommer 2020, auch bei mir im Norden. Heute schreibe ich mein „Wort zum Sonntag“ auch nicht am heimischen Schreibtisch. In meiner Dachgeschosswohnung ist es inzwischen so heiß, dass gestern Abend zwei Hobbits bei mir geklingelt und einen Ring durch die Tür geworfen haben. Aus diesem Grund bin ich in ein nahes Wäldchen geflüchtet. Unter den grünen Buchenzweigen ist es angenehm schattig, und man findet hier hervorragend Ruhe zum Schreiben. Das werde ich jetzt bestimmt öfter machen!


Kommentar zur Berliner Großdemo vom 01.08.2020

In der Idylle des Waldes bekommt man wenigstens etwas Ablenkungen von den Geschehnissen, die sonst in unserem Land abgehen. Besonders verärgert hat mich die Großdemo vergangene Woche in Berlin, und auch die verschiedenen Reaktionen auf diese Versammlung der Menschenverachtung, der Ignoranz und des schieren Wahnsinns. Die Forderung, dass man diesen Leuten, die leichtfertig und aus purer Selbstsucht mit unserer Sicherheit, ja unser aller Gesundheit spielen, mehr Verständnis und Respekt entgegenzubringen, hat mich so aufgebracht, dass ich dazu einen scharfen Kommentar verfasst habe.

Ich sage Nein zu Nazis, Reichsbürgern, Impfgegnern und Corona-Leugnern!

 

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/photos/a.493967921046503/971672573276033/


Bild der Woche

Als wenn das Wetter noch nicht mies genug wäre, hat sich dieses Alphadon wirklich keinen guten Platz zum Insektenjagen ausgesucht: Ein junger Tyrannosaurus hat Lust zu spielen.

 

Das Artikelbild stammt von Jan Sovak.

 


Paläo-News

Diese Woche ließ wenig Zeit zum Ausarbeiten neuer Artikel, da ich nebenbei auch noch den Schulunterricht vorbereiten muss. Allerdings gab es trotzdem so einiges zu vermelden:


Ausgestorbener Riesenkranich im Allgäu entdeckt!

An der Fossilfundstelle Hammerschmiede in bayrischen Allgäu, also genau dort, wo letztes Jahr das Fossil von Udo, dem aufrechtgehenden Menschenaffen aus dem Miozän gefunden wurde (Danuvius guggenmosi), haben Forscher den fossilen Schädel eines sehr großen Vogels aus der Familie der Kraniche entdeckt. Das 11 Millionen Jahre alte Fossil ähnelt stark den heutigen langschnäbligen sibirischen Kranich, und es ist der früheste bekannte Nachweis eines so großen Kranichs überhaupt.

Der allgäuer Riesenkranich im Vergleich mit Danuvius und einem modernen Menschen.

Das Tier dürfte ausgehend vom Vergleich mit den größten heutigen Kranicharten eine Höhe von 1,75m und eine Flügelspannweite von 2,8m erreicht haben. Es hat seinen Zeitgenossen Udo also um beinahe das Doppelte überragt! Forscher vermuten, dass der bislang noch unbenannte Riesenkranich aus dem Allgäu am Anfang der Entwicklungslinie der echten Kraniche gestanden haben könnte, und wahrscheinlich die erste Riesenform dieser Familie war.

Rechts: der fossile Kranich-Schädel im Vergleich mit einem Sibirischen Kranich (in der Mitte) und einem europäischen Kranich (ganz rechts). Links ein lebender europäischer Kranich.

Einen ausfrührlicheren Artikel zum Weiterlesen gibt es bei GeoHorizon. (Wie immer vielen Dank an die Autorin!)

 

Bildquellen und Link zur Studie


Deformierter Knochen entdeckt: Dinosaurier mit bösartigem Tumor!

An den fossilen Knochen eines Centrosaurus, die deutlich verformt waren und zuerst für einen heilenden Bruch gehalten wurden, entdeckten Forscher des Royal Ontario Museums mithilfe hochauflösender CT-Scans nun, dass die Deformierung durch eine schwere Form eines Osteosarcoms. Diese streuende Form von Knochenkrebs tritt meist in den Arm- und Beinknochen auf, in diesem Fall am Schienbein.

 


Das Tier dürfte schon Wochen vorm Zeitpunkt seines Todes in seiner Bewegung stark eingeschränkt und nicht mehr imstande gewesen sein, richtig zu laufen. Dies deuten die Forscher als ein weiteres Indiz dafür, dass Centrosaurier in großen Herden lebten. Ein Tier ohne solchen Herdenschutz wäre ansonsten sehr schnell von Beutegreifern geschlagen worden.

 

Von Centrosaurus, der vor etwa 76 Millionen Jahren während der späten Kreidezeit im westlichen Nordamerika lebte, sind außerdem schon mehrere Bonebeds mit vielen Dinosaurierskeletten an einem Ort gefunden worden, was die Herden-Hypothese ebenfalls stützt. Auch das Individuum mit den deformierten Knochen wurde zusammen mit vielen Artgenossen auf so einem Dinosaurier-Friedhof entdeckt.

Eine Centrosaurus-Herde beim Überqueren eines Flusses. Genau so könnte der kranke Kentrosaurus ums Leben gekommen sein! Bildquelle: Raul Martin

 

Link zur Studie


Daemonosaurus – doch kein Bindeglied zwischen frühen Saurischiern und späteren Theropoden!

Die Entwicklungsgeschichte der Dinosaurier steckt immer noch voller Geheimnisse. Zum Beispiel liegt wegen des lückenhaften Fossilberichts die Verbindung zwischen den frühesten Dinosauriern aus dem Karnium und dem Rhaetium, also der frühesten und der spätesten Stufe der Obertrias, immer noch im Dunkeln, also zwischen frühen Dinosauriern wie Herrerasaurus und Daemonosaurus.

Der erhaltene Daemonosaurus-Schädel. Bildquelle: The Smithsonian Magazine

 

Anhand der osteologischen Untersuchung, die jetzt von Sterling J. Nesbitt und Hans-Dieter Sues an den Überresten von Daeomonosaurus chauliodus durchgeführt wurde, konnte aufgrund morphologischer Unterschiede jedenfalls keine enge Verwandtschaft zu Herrerasaurus, und auch zu keiner anderen Theropodenlinie festgestellt werden. Daemonosaurus besaß dagegen viele eigene abgeleitete, aber bei keinem anderen Theropoden nachgewiesene Merkmale, und er scheint deshalb vielmehr zu einer eigenen, basalen Linie der Saurischier (Echsenbeckendinosaurier) zu gehören. Er ist auch ihr letzter bekannter Vertreter, bevor die Linie am Ende der Trias erlosch.

Lebendrekonstruktion von Daemonosaurus. Bildquelle: Wikipedia.

 

Link zur Studie


Ungewöhnlicher Werkzeugfund: Faustkeil aus Flusspferdknochen entdeckt

Forscher der japanischen Tohuko-Universität staunten nicht schlecht über ihre Entdeckung, die sie in der äthiopischen Konso-Formation machen: dort fanden sie einen gut ausgearbeiteten Faustkeil, den Frühmenschen vor etwa 1,4 Millionen Jahren aus dem Oberschenkelknochen eines Flusspferdes gefertigt hatten. Für die Zeit des Homo erectus, dem die Forscher den Fund zuschrieben, ist dies ein eher ungewöhnlicher Werkstoff.

 

Bildquelle: Berhane Asfaw

 

Der Fund offenbart damit das große Geschick und die Kreativität unserer Vorfahren, die jede verfügbare Ressource nutzen konnten, um ihren Alltag einfacher zu gestalten. Nicht so einfach wird es dagegen gewesen sein, an den Flusspferdknochen heranzukommen: diese Tiere sind nämlich enorm gefährlich und wären für einen Frühmenschen wohl eine eher ungeeignete Jagdbeute gewesen. Es ist daher anzunehmen, dass der Faustkeil aus dem Knochen eines Tieres geschnitzt wurde, das bereits zuvor verendet gewesen war.

Eine Homo-erectus-Familie beim Anfertigen verschiedener Werkzeuge. Bildquellen: Science Source

 

Link zur Studie


Tanystropheus: Geheimnis um bizarres Reptil aus der Trias gelöst

Tanystropheus gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten und auch bizarrsten Geschöpfen aus der Trias. Mit seinem absurd lang erscheinenden Hals und dem recht kurzen Körper sticht dieses Reptil, das kurz vor Erscheinen der ersten Dinosaurier lebte, deutlich aus der Galerie seiner Zeitgenossen hervor. Lange Zeit war jedoch nicht bekannt, ob die in den schweizer und italienischen Alpen gefundenen, rund 240 Millionen Jahre alten Fossilien zu nur einer einzigen Art, oder doch verschiedenen Spezies gehörten. Doch nun konnte ein Team des Chicagoer Field Museums Klarheit schaffen.

Zwei Tanystropheus-Individuen im Direktvergleich. Bildquelle: Field Museum Chicago.

 

Die größeren Individuen besaßen einen Kiefer mit spitzen, zum Festhalten zappelnder Beute geeigneten Zähnen, mit denen sie offenbar im Wasser nach Fischen jagten. Bei den kleineren Individuen, die bislang oft für die Jungtiere gehalten wurden, handelte es sich aber wohl um eine eigene Art, mit flachen, zum Knacken von Schalentieren geeigneten Zähnen. Es handelt sich also wohl um zwei eng verwandte Tanystropheus-Arten, die jedoch unterschiedliche ökologische Nischen besetzten. Die großen, fischenden Individuen wurden nun der Art T. hydroides zugeordnet, die kleinen, muschelfressenden der Art T. longobardicus.

Die verschiedenen Arten von Tanystropheus im Überblick: Der große T. hydroides und der kleine T. longobardicus. Bildquelle: Mark Witton.

 

Die Studie legte außerdem Hinweise vor, die zumindest T. hydroides als ein aktiv im Wasser jagendes Tier vermuten lassen.

 

Link zur Studie


Ungewöhnlicher Inselzwerg: Studie enthüllt Geheimnisse über italienischen Entenschnabeldinosaurier

In der späten Kreidezeit bestand Europa wegen des höher liegenden Meeresspiegels aus einer Insel- und Lagunenlandschaft. In dem kargen, maritimen Lebensraum waren Nahrung und Platz knapp, weshalb sich die dort lebenden Dinosaurier anpassten und oft zu Zwergen wurden. Einer dieser kleinen Bewohner des europäischen Archipels war Tethyshadros insularis, der in Italien gefunden wurde und zu den am besten erhaltenen Dinosauriern Europas zählt. Seit seiner Erstbeschreibung vor elf Jahren verblüfft das etwa vier Meter lange Tier immer wieder durch neue, beeindruckende Erkenntnisse, die durch die Forscher gewonnen werden können.

Der europäische Zwerg-Hadrosaurier Tethyshadros. Bildquelle: Lukas Panzarin.

In einer neuen Studie betrachteten sich die Forscher vor allem den im Vergleich zu anderen Entenschnabeldinosauriern recht außergewöhnlichen Hinterleib. Besonderes der Schwanz wirkt geradezu bizarr: er läuft extrem spitz zu und war nahezu unbeweglich, und bei weitem nicht so muskulös wie der seiner Verwandten. Es könnte sich hierbei um eine Anpassung an die Inselumgebung handeln, in der die Tiere oft ins Wasser gingen und nur selten lange Wanderungen an Land unternahmen. Ein schwerer Schwanz hätte da nur gestört.

Auch das „Innenleben“ des Dinosauriers ist recht außergewöhnlich. Das Fossil weißt Anzeichen auf eine sehr große Blase und eine verlängerte Kloake auf, die es den weiblichen Tieren ermöglichten, viele Eier in kurzen Intervallen abzulegen.

Die verschiedenen Morphotypen zwischen den gefundenen Exemplaren werden in der Studie außerdem als Hinweise auf Geschlechtsdimorphismus und ontogenetische Unterschiede interpretiert.

 

Link zur Studie


Triassisches Fossil gibt Aufschluss über die Evolution des Schildkrötenpanzers

Schildkröten gehören noch immer zu den erfolgreichsten Reptilien. Ihre Entwicklungsgeschichte reicht bis in die späte Trias zurück, sie sind also genauso alt wie die ersten Dinosaurier! Im Laufe des Mesozoikums haben sie sich eine Menge ökologische Nischen erobert und waren in mancherlei Hinsicht sogar viel erfolgreicher als die „schrecklichen Echsen“, denn sie überlebten mehrere große Massenaussterben, auch das letzte am Ende der Kreidezeit, das den Dinos zum Verhängnis würde, und es gibt sie nahezu unverändert bis heute.

Lebendrekonstruktion von Waluchelys. Bildquelle: Jorge A. Gonzales.

 

Eines der frühesten bekannten Schildkrötenfossilien stammt von Waluchelys cavitesta, die vor etwa 220 Millionen Jahren lebte und 2015 in Nordwestargentinien entdeckt und beschrieben wurde. Eine neuveröffentlichte Studie befasste sich nun mit der im Vergleich zu anderen Schildkröten noch recht bizarren Form des Panzers dieses frühen Prototypen: Der Panzer sieht auf den ersten Blick wie der einer modernen Schildkröte auf, doch das könnte sich als trügerisch erweisen, da es bislang keine bekannten Übergangsformen zu derart alten Schildkröten und den etwas moderneren gibt.


Weiterhin lassen die Fossilien vermuten, dass die Struktur und die Verknöcherung der Randplatten plastischer und für Variationen offener waren, als andere Elemente des Panzers, zumindest bei den frühesten Formen der Schildkrötenevolution. Der Fund stützt außerdem die Annahme, dass der Schildkrötenpanzer in einer Zwei-Stufen-Entwicklung entstand.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Tolle Bilder von Neandertalern!

Sind das nicht wunderschöne Neandertaler-Rekonstruktionszeichnungen von Tom Björklund? Der skandinavische Paläokünstler Tom Björklund versteht es wie kaum ein anderer, seinen Darstellungen von Urmenschen Seele zu geben. Herausgekommen sind hier fantastische, unglaublich realistische Zeichnungen von Neandertalern, wie sie zu Lebzeiten wirklich ausgesehen haben könnten.

 

 

Und noch etwas können wir aus diesem Bildern lernen: nämlich das Menschen wunderschön sind, sogar die, die uns am fremdesten erscheinen mögen – und das auch, wenn sie zu einer anderen Spezies gehören.

 

Schaut euch auch unbedingt seine anderen Bilder an!

 

https://www.instagram.com/tombjorklundart/


Artikel der Woche

In meinem „Artikel der Woche“ gab es diesmal wieder einen neuen (fiktionalen!) Bericht über ein Hell-Crek-Tier, das in meinem Roman „Die weißen Steine“ auftaucht. Diesmal ging es um Alphadon, ein kleines Beuteltier.

 

 

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/photos/a.493967921046503/969321110177846/


Für den guten Zweck:

Ganz zum Schluss noch ein Aufruf an alle Fossiliensammler: Das Museum Tor zur Urzeit e.V. in Brügge bei Kiel, ist ein kleines, aber sehr interessantes vereinsgeführtes Museum in dem ich auch ehrenamtlich mitarbeite.
Dieses Museum beinhaltet hauptsächlich eiszeitliche Themen und Informationen rund um die Geologie Schleswig-Holsteins. Weitere Informationen findet man hier auf der Homepage des Museums:

 

https://www.torzururzeit.de


Auch die Kryptozoologie ist in Brügge ein wichtiger Teil des „Tors zur Urzeit“, und wird durch Hans-Jörg Vogel betreut und vertreten. Um unsere Museumsarbeit kontinuierlich fortsetzen zu können, sind wir natürlich auch auf Spenden angewiesen. Diesmal geht es nicht ums Geld an sich, sondern unser sogenannter „Knochentisch“ ist fast leer. Dabei handelt es um einen Tisch, auf dem sich die Spenden von Fossiliensammlern, die ihre überzähligen eiszeitlichen Knochenfunde abgegeben haben, befinden. Es handelte sich dabei meist nur um Knochenfragmente, die nicht immer zugeordnet werden konnten. Diese stehen für einen kleinen Obolus Interessenten / Besuchern des Museums zur Verfügung. Natürlich haben die jüngeren Museumsbesucher das meiste Interesse gezeigt und haben viel Gebrauch von diesem Angebot gemacht.

 

Nun gehen die Vorräte dem Ende entgegen. Wir würden uns sehr über kostenlose Spenden von fossilen Eiszeitknochen oder Knochenfragmenten für unseren „Knochentisch“ freuen. Bisher hatten wir Mammutknochen, Pferdeknochen, Hirschknochen, Stücke von Geweihen, Zahnfragmente von Mammuten und viele andere nicht näher bestimmte Knochenfragmente mehr.

 

Die anfallenden Portokosten würden wir Ihnen auf jeden Fall in Form von Briefmarken erstatten und dazu legen wir noch ein paar Informationen über das Museum mit bei.

 

Ihre Spenden und die damit verbundene Unterstützung für das Museum helfen wirklich sehr!

 

Bei Interesse senden Sie die Spenden bitte direkt an das:

 

Museum Tor zur Urzeit e.V.

Kennwort: „Knochentisch“

Dorfstraße 4

D – 24582 Brügge


Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit und noch einen schönen Sonntag!

 

Markus Peter Kretschmer

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