Mein Wort zum Sonntag – 10. Januar 2021

Lesedauer: etwa 22 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Rückblickend auf die letzten Wochen fällt mir nur ein Wort ein, um das Geschehen zu beschreiben: Wahnsinn. Damit meine ich nicht nur die auf deutlich über die 1.000er-Marke gestiegenen täglichen (!) Todeszahlen hier in Deutschland, nicht nur den grauenhaften Anschlag auf die Demokratie in den Vereinigten Staaten oder den plötzlichen Wintereinbruch, der für Chaos gesorgt hat. Und auch nicht die verschärften Lockdown-Regeln, die jetzt gelten und bei vielen für Unverständnis, große Sorge und sogar Wut sorgen. Es ist irgendwie alles zusammen. Dass wir alle deshalb in Aufruhr sind, ist natürlich verständlich. Aber was mich in diesen Tagen wirklich mehr als alle andere ankotzt, sind die ganzen Streitgespräche. Dieses nervige Gebocke derer, die den Ernst der Lage noch nicht begriffen haben. Davon, dass es immer noch genug Gestörte gibt, welche die Pandemie leugnen und alles für inszeniert halten, einmal ganz abgesehen.


All der Streit, all das Gezeter über die Maßnahmen ist aber doch eigentlich völlig unnötig!  Die Behörden haben überhaupt nicht die Kapazitäten, die Einhaltung dieser neuen Regeln auch nur im Ansatz zu überwachen. Deshalb sind sie leider auch völlig überflüssig. Doch das soll jetzt beileibe kein Aufruf sein, auf sie zu pfeifen. Im Gegenteil! Viel wichtiger ist es, dass alle begreifen, dass wir jetzt mehr denn je jeden unserer Kontakte doppelt und dreifach hinterfragen und jeden Besuch, jedes Treffen, das nicht unbedingt nötig ist, unterlassen, ganz egal welche Regeln gerade gelten! Und das FREIWILLIG!


Unsere Trümpfe und die des Virus

Wer sich einbildet, wir würden diese Pandemie oder auch jede andere Krise nur mit Verboten und Gesetzen in den Griff kriegen, ist ein Narr. Das Virus interessiert sich nicht für Verordnungen und Regeln. Wir schaffen uns diese Pest nur mit drei Dingen vom Leib: Solidarität, Vorsicht und Rücksichtnahme. Das sind unsere einzigen drei Trümpfe.


Leider hat das Virus aber auch zwei ziemlich hässliche Asse im Ärmel. Und das ist zum einen das lächerlich bockige Verhalten derer, die meinen, über dem Gesetz zu stehen. Ja, ihr Idioten, das tut ihr leider wohl tatsächlich, weil der Staat euch wahrscheinlich eh nicht drankriegt, wenn ihr verbotenerweise mit Tante Tilly und Cousine Marta am Samstag Kaffee trinkt. Aber Grund, euch stark und unantastbar zu fühlen, habt ihr keinen, ihr kleinen Rebellen, denn der Staat ist es leider nicht, der hinter euch her ist. Sondern es ist dieses verdammte Virus! Dem gebt ihr mit dieser Haltung selber die besten Chancen, euch zu kriegen. Anders als der Staat nimmt euch dieses Virus wenn es euch erwischt aber keine Geldbuße ab, sondern vielmehr das Leben eurer lieben und nicht mehr so ganz rüstigen Mitmenschen, vielleicht sogar auch euer eigenes.


Das zweite Ass des Virus ist neben der dummen Überheblichkeit aber vor allem die beinahe noch dümmere Sorglosigkeit. „Ach, den Herrn Mayer kenne ich ja schon so lange, der wird es schon nicht haben.“ – „Ach, Oma hat euch Kinder ja jetzt schon seit Weihnachten nicht mehr gesehen, heute machen wir mal eine Ausnahme. Wird schon nichts passieren.“ – „Ach, im Harz liegt so schön Schnee, lasst uns doch mal am Wochenende wieder Rodeln oder Skilaufen. Ein bisschen rauszukommen, das kann bestimmt nicht schaden.“ Wer so denkt, der leistet dem Virus die ganze Vorarbeit.


Kennt also die Trümpfe eures Feindes, lasst sie nicht zum Zuge kommen, sondern spielt eure eigenen aus. Nehmt die Sache verdammt nochmal ernst! Nur so kriegen wir irgendwann unser altes Leben zurück. Bleibt stark und seid geduldig! Frühere Generationen haben Kriege, Tyrannei und Naturkatastrophen überlegt, wo noch viel strengere Regeln galten und deutlich mehr Entbehrungen sie plagten. Da schaffen wir es doch wohl, einfach mal mit dem Arsch in unseren beheizten Wohnzimmern zu bleiben.


Ankündigungen

Aber glücklicherweise gesellten sich zu all den schrecklichen Meldungen auch einige sehr positive. Zunächst für mich persönlich: Ich habe auf meiner Seite bei Facebook nun endlich die 2.000 geknackt! Wir sind jetzt also offiziell eine Seite von TAUSENDEN URZEIT-FANS! Ich kann euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich darüber freue! Was als kleines Projekt begann, um meine Buchreihe zu begleiten, ist nun zu einem beachtlichen Netzwerk geworden. Darauf bin ich wirklich stolz! Ja, ich bin stolz auf euch alle! Und ich danke euch von Herzen! Vielen, vielen Dank, dass ihr mich immer unterstützt. Für all die vielen Kommentare und fruchtbaren Diskussionen über meinen Beiträgen! Für alle, die meine Artikel teilen und in die Welt hinaustragen! Ich lasse mir bei Gelegenheit bestimmt noch eine nette Dankeschön-Aktion dafür einfallen.


Und noch eine weitere gute Nachricht: Die Übergangsverhandlungen sind nun endlich angelaufen und ich bin guter Dinge, dass schon bald die Arbeiten bei meinem neuen Verlag an „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ beginnen können. Der zweite Teil meiner Romanreihe, auf den sich viel von euch schon so freuen, wird also bald realisiert und veröffentlicht werden. Bis zum Sommer müsst ihr euch da zwar wohl noch gedulden, aber nach den langen Monaten des Zitterns um die Zukunft meines „Babys“ ist nun endlich ein Silberstreif am Horizont zu sehen.


Bild der Woche

Hoch im Norden Laramidias, in der Gegend des heutigen Alaskas, herrschten am Ende des Maastrichtiums gemäßigte Verhältnisse. Die Dinosaurier der dortigen Prince Creek Formation erlebten oft bitterkalte Winter mit Frost und Schnee. Hier wandern ein paar Pachyrhinosaurier durch die gefrorene Winterlandschaft. Glücklicherweise schützt sie ihr dichter „Pelz“ aus Filamentfedern vor der bitteren Kälte und den eisigen Nordwinden.

Das Bild stammt von Mark Witton.

Paläo-News

Weitere gute Nachrichten erreichten mich in den letzten Wochen natürlich auch wieder aus der Welt der Paläontologie. Und da waren wieder einige richtige Kracher darunter!


Thecodontosaurus antiquus: CT-Scan und 3D-Modelle geben neue Einblicke in Lebensweise von frühem Sauropodomorphen

Und ein weiterer Dinosaurier gibt seine Fähigkeiten preis: nachdem bereits vor einigen Wochen eine Studie zu Buriolestes schultzi, einem der frühesten Dinosaurier aus der Trias, herauskam und dessen Lebensweise enthüllte, stellte es sich herausstellte, dass er doch ein Recht cleveres Kerlchen und ein geschickter Jäger war. Nun ist ähnliches auch beim Thecodontosaurus antiquus aus dem Unterjura gelungen.

 

 

Mit einer ähnlichen Technik wie bei Buriolestes ist es nun einem Team aus Bristol gelungen, tiefe Einblicke in den Schädel dieses kleinen Tieres zu bekommen, dass die Fachwelt lange Zeit für einen Pflanzenfresser hielt, so wie die meisten seiner wohl bekanntesten Verwandten: Thecodontosaurus ist (wie wohl auch Buriolestes!) eng mit den Tieren verwandt, die sich einige Millionen Jahre später zu den riesigen, langhalsigen Sauropoden entwickelten.

 

 

Sein Gehirnaufbau spricht aber für einen Nahrungsgeneralisten: Thecodontosaurus lief auf zwei Beinen, sie der Bau seines Innenohrs verrät, das Gehirn war für eine schnelle Reizverarbeitung ausgestattet und das Tier besaß ein räumliches Sehvermögen, einen guten Geruchssinn und ein feines Gehör. All das spricht dafür, dass Thecodontosaurus zumindest imstande war, kleine Beutetiere zu jagen.

 

 

Die Karriere der Langhälse begann also mit kleinen, doch recht intelligenten Beutegreifern, die sich erst zu Allesfressern, dann aber zu reinen Vegetariern entwickelten, die ihre Cleverness zugunsten eines effizienten Verdauungsapparates und einem Trend zum Gigantismus aufgaben, der sie zu den größten Landtieren aller Zeiten machen sollte.

 

Bildquellen und Link zur Studie:


Algen spielten Schlüsselrolle beim Entstehen der Eiszeiten

Bereits vor Jahren schon fanden Forscher heraus, dass der atmosphärische Anteil am Kohlenstoffdioxid (CO2) während der Glazialphasen (Kaltzeiten) deutlich geringer war als während der Warmzeiten. Dies ist auch soweit logisch, spielt doch CO2 eine wichtige Rolle beim Treibhauseffekt: es verhindert, dass die Sonnenwärme von der Erde wieder in den Weltraum abstrahlt.

 

 

Doch wo war all das CO2 während der Kaltzeiten eigentlich hin? Die Antwort liegt sehr wahrscheinlich hauptsächlich in der Meeren. Durch die Untersuchung von Mikrofossilien aus marinen Ablagerungen während des Pleistozäns haben Wissenschaftler der Princeton University in Zusammenarbeit mit dem Max Planck Institute for Chemistry nun durch die Untersuchung von Tiefseebohrkernen festgestellt, dass sich auf dem Meeresboden des antarktischen Meeres in den Kaltzeiten deutlich mehr Algen ablagerten, als es zu wärmeren Zeiten und auch heute der Fall ist.

 

Mehr Algen bedeuteten eine höhere Aufnahme von CO2, dass diese für die Fotosynthese benötigen. Außerdem stoßen Algen ihrerseits wieder Sauerstoff aus, was den CO2-Spiegel in der Atmosphäre zusätzlich herunterdrückt. Nach ihren Ableben sinken die Algen hinab und nehmen den Kohlenstoff mit bis in die Abgründe der Tiefsee, wo es sozusagen „gespeichert“ und aus dem natürlichen Kreislauf des Gasaustauschs herausgenommen wird. Dies geschah während der Kaltzeiten in deutlich höherem Maß als heute, wie die Bohrkernanalysen bestätigen.

 

 

Neben Erdachsenneigung, Vulkanismus, Ausrichtung der Meeresströmungen und anderer Faktoren ist also auch der Aufbau des marinen Phytoplanktons ein wesentlicher Schlüssel für unser Weltklima – umso wichtiger also, dass wir die Meere als größtes zusammenhängendes Ökosystem der Welt schützen!

 

Bildquellen und Link zur Studie


Eismumien: Wolfswelpe und Baby-Wollnashorn in Permafrost entdeckt!

Durch den Klimawandel gibt der schwindende Permafrost viele Eiszeitschätze wieder frei. Jetzt wurde ein weiterer davon wissenschaftlich untersucht und in einer Studie beschrieben: ein rund 57.000 Jahre alter Wolfswelpe!

 

 

Die Eismumie, die schon 2016 von einem kanadischen Bergarbeiter im kanadischen Dauerfrostboden entdeckt und geborgen wurde, ist noch so gut erhalten, dass auch Fell und Fleisch noch in gutem Zustand sind. Der exzellente Zustand der Überreste erlaube detaillierte Rückschlüsse auf Alter und Lebensstil der Tiere sowie die Verwandtschaft zu modernen Wolfsarten. Es ist überdies der bislang vollständigste mumifizierte Wolf, der je gefunden wurde.

 

Link zur Wolfswelpen-Studie


Generelles zu Permafrostmumien

Ihr Auftauchen ist eigentlich alarmierend: Eismumien geben Forschern zwar ungeahnte Einblicke in die Welt des Pleistozäns, sie gehören zu den aufschlussreichsten und wertvollsten Funden von prähistorischen Tieren überhaupt. Aber sie stehen auch wie nichts anderes für die drastischen Auswirkungen des Klimawandels, der dafür verantwortlich ist, dass die Tundra ihre Schätze nun freigibt.

 

 

Im Yakutien (Sibirien) ist vor einiger Zeit auch der Kadaver eines jungen Wollnashorns entdeckt worden. Der Kadaver ist zu mehr als 80% vollständig und zusammenhängend, lediglich ein noch recht kleines Horn fand man einzeln. Eine Studie zu diesem neuen Fund wird wohl bald folgen. Entdeckt wurde das junge Eiszeit-Tier unweit der Fundstelle, wo man 2014 schon einen anderen Kadaver eines Wollnashorn-Kalbs entdeckte, dass liebevoll „Sascha“ getauft wurde.

 

Rekonstruktion und Ausstellung der Nashorn-Mumie „Sasha“.

 

Während Sascha ein rotblondes Fell trug und vor etwa 34.000 Jahren starb, scheint das neue Nashornkalb eine etwas dunklere Fellfarbe zu haben. Eine genaue Analyse steht allerdings noch aus: das Alter muss im Labor noch radiometrisch bestimmt werden, und die Forscher werden dann auch die Lebens- und Todesumstände genauestens untersuchen. Derzeitiger Stand: das kleine Nashorn ist wahrscheinlich ertrunken.

 

Studie zu „Sasha“


Erstmals Fuß- und Handabdrücke eines aufstehenden Tyrannosauriers entdeckt!

Wie hat Tyrannosaurus rex eigentlich geschlafen? Und noch wichtiger: wie kam er nach dem Schlafen wieder auf die Beine? Ein neun Tonnen schweres Tier dürfte mit so kurzen Ärmchen jedenfalls einige Schwierigkeiten gehabt haben. Manche Wissenschaftler vermuteten sogar, T. rex hätte immer nur im Stehen geschlafen.

 


Gut erhaltene Ichnofossilien (versteinerte Fußabdrücke) aus dem Raton Basin im Süden der U.S.A., wo 1994 bereits die ersten Fußspuren gefunden wurden, die man Tyrannosaurus zuschrieb, geben nun eine Antwort auf die Schlafgewohnheiten des berühmten Dinosauriers. Gleich mehrere entdeckte Fährten, sowohl aus Colorado als auch aus New Mexico zeigen, dass Tyrannosaurus wohl in Bauchlage schlief.

 


Bei einer der Fossilien wurde neben den Abdrücken des Fleischfressers auch ein tiefer Abdruck eines anderen großen Körpers, vielleicht der Kadaver eines Beutetiers entdeckt. Offenbar hat sich ein T. rex, nachdem er sich ordentlich satt gefressen hatte, dort zu einem Nickerchen hingelegt. Nach dem Schläfchen stützte sich der T. rex zuerst auf alle Viere, was durch zwei tiefe parallele Eindrücke der Finger deutlich zu erkennen ist. Anschließend neigte er sich nach vorn und brachte sich dann mit einem Ruck auf die Beine, den er schließlich mit einem Ausfallschritt des linken Fußes abfing und sich so wieder ins Gleichgewicht brachte.

 

 

Die fossilen Spuren stützen vorherige Hypothesen zum Aufsteh-Verhalten des Tyrannosaurus, wie hier in der Rekonstruktion von Hiltrud Cantauw. Das Bild wurde genehmigt mit der freundlichen Unterstützung der Seite Dinosaurier-Interesse.

 

Link zur Studie


Tyrannosaurier waren Kannibalen

Ein Tyrannosaurus rex verschlingt die Überreste eines toten Artgenossen. Bildrekonstruktion von Tuomas Koivurinne.

Bissmarken auf Tyrannosaurier-Fossilien sind nichts Außergewöhnliches. Vor allem die Schädel der Tyrannenechsen sind häufig geradezu übersät mit Zahnfurchen anderer Tyrannosaurier, was belegt, dass diese Tiere häufig mit Artgenossen aneinander gerieten. Ein weiteres grausiges Detail über das Leben der Tyrannosaurier: sie haben sich auch gegenseitig aufgefressen.

 

 

 

An den fossilen Überresten gleich mehrerer Individuen verschiedener Tyrannosauriden konnten Forscher nun viele Bissmarken feststellen, sowohl bei ausgewachsenen als auch subadulten Tieren, die man im San Juan Basin der Ojo Alamo Formation und der älteren Fruitland Formation in New Mexico entdeckte.

 

Diese Bissmarken sind aber nach Ansicht der Forscher nicht nur bei Kämpfen entstanden, denn nur bei einigen gibt es Anzeichen für Heilung und damit den Nachweis, dass die Tiere nach dem Kampf wieder auseinander gingen und weiterlebten. Manche der besonders tiefen Furchen vor allem an Oberschenkelknochen und Wirbeln deuten aber vielmehr auf Fraßspuren hin, die erst post mortem entstanden. Die gleichen vier Muster – „beißen und reißen“, „reißen und kratzen“, „durchstechen“ sowie „durchstechen und brechen“ sind identisch mit denen, die man von Ceratopsiern und Hadrosauriern – ihrer Lieblingsbeute – kennt.

 

Nachdem auch für Allosaurier im letzten Jahr Kannibalismus nachgewiesen wurde, sind die Tyrannosauriden nun die nächste Familie, von denen nun klar auf der Hand liegt, dass sie keine Nahrungstabus kannten: sie waren ebenfalls Kannibalen.

 

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400 Millionen Jahre altes Fischfossil enthüllt die Herkunft unserer Zähne

Wie haben sich eigentlich unsere Zähne entwickelt? Bisher war man davon überzeugt, dass die Zähne, die wir in Mund tragen, auf sogenannte dermale Odonten, also gewissermaßen „Hautzähnchen“ zurückzuführen sind, die bei primitiven Fischen sowohl auf der schuppigen Haut als auch im Mund zu finden sind. Auch die Homologie zwischen Haizähnen und ihrer Sandpapierartigen Hautoberfläche gilt als schon lange bekannter Hinweis auf die Herkunft unserer Zähne.
Ein internationales Team unter der Leitung der Universität von Uppsala in Schweden betrachtete nun mithilfe hochauflösender Röntgenstrahlung die 400 Millionen Jahre alten Fossilien eines Lophosteus, einem frühen Vertreter der Knochenfische aus dem Silur, um die dreidimensionale Struktur der dermalen Odonten mit den primitiven Zähnen, die der Fisch bereits im Maul trug zu vergleichen.

 

 

Sie fanden dabei heraus, dass bei der Entstehung beide Strukturen noch sehr ähnlich waren, sie sich dann aber abhängig davon, ob sie im Maul oder auf der Haut wuchsen, doch unterschiedlich entwickelten. Dies legt nahe, dass sie auf verschiedene chemische Signale reagierten, und dass beide ursprünglich aus denselben Anlagen hervorgingen. Die „Hautzähnchen“ sind also tatsächlich der Vorläufer auch unseres eigenen Gebisses, doch bei den frühesten Knochenfischen bestimmte noch kein eigenes genetisches Programm über ihre Form und ihren Zweck, sondern die Chemie ihrer Umgebung entschied darüber, in welche Form sie sich in Phänotyp entwickelten. Getrennte genetische Systeme, wie bislang gedacht, gab es vor 400 Millionen Jahren wohl doch noch nicht.

 

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Paludirex vincenti: neues Krokodil aus dem Pleistozän Australiens beschrieben

Bereits in den 80er Jahren wurden die Fossilien eines bis zu fünf Meter langen Krokodils entdeckt, in nur wenige Millionen Jahre alten Ablagerungen im australischen Queensland, nahe der Stadt Chinchilla. Nachdem die Fossilien zunächst der Gattung Crocodylus zugeschrieben wurde. In einer kürzlich erschienenen Revision wurden jedoch genug Alleinstellungsmerkmale anhand des Materials präsentiert, um eine eigene Gattung aufzustellen.

 

 

Das Krokodil würde Paludirex vincenti getauft, was übersetzt so viel heißt wie „Vincents Sumpfkönig“ (zu Ehren von Geoff Vincent, der das Fossil einst entdeckte). Es erreichte in etwa die Ausmaße eines heutigen Leistenkrokodils, des größten heute in Australien vorkommenden Krokodils.

 

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Kreidezeitliche Blume in Bernstein entdeckt!

Auch wenn die Arbeit mit Bernsteinfossilien aus Myanmar bei Fachleuten verschrien ist, weil durch den Verkauf des „Burmits“ (so nennt man den Bernstein von dort) zahlreiche Menschenrechtsverletzungen gegen muslimische Minderheiten finanziert werden, so tauchen dort trotzdem wundervolle Zeugnisse aus der Urzeit auf. So wie diese Blume, die vor etwa 99 Millionen Jahren zu Beginn der Oberkreide blühte und in perfektem Zustand bis heute überliefert wurde.

 

 

Die Blume gehört zur Art Valviloculus pleristaminis und ist ein früher Vertreter der Lorbeergewächse, die nun von einem Team der Oregon State University neu beschrieben wurde. Obwohl sie winzig ist – kaum 2 mm im Durchmesser! – ist diese Blume mit ihren 50 spiralförmigen Staubblättern ein wundervolles Zeugnis der blühenden Pflanzenwelt aus der Zeit der Dinosaurier, und gibt neue Einblicke in die Evolution der Blütenpflanzen, die zu dieser Zeit gerade erst an Fahrt aufnahm.

 

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Israel: Forscher finden Hinweise auf möglicherweise schwersten Tsunami des östlichen Mittelmeers

Das Mittelmeer ist heute zwar vor allem für seine schönen Urlaubsziele bekannt, jedoch ist es eine tektonisch höchst aktive Region, wo es im Laufe der Erdgeschichte zu einigen massiven Erdbeben, Vulkanausbrüchen und such Tsunamis kam – riesigen Oberflächenwellen, die durch tektonische Prozesse und unterseeische Rutschungen und Verwerfungen entstehen.

 

 

Klimaforschern der University of California in San Diego fanden nun überraschenderweise einen Beleg für den möglicherweise schwersten bekannten Tsunami im Mittelmeerraum. Eigentlich wollten sie die klimatischen Veränderungen am Ende der letzten Kaltzeit untersuchen und nahmen dazu Bohrkernproben in der Nähe von Tel Dor in Israel. Dabei wurden die lehmig-brackigen Bohrkernschichten, die sich in der damaligen Marschlandschaft gebildet haben, abrupt von einer Schicht aus Meersand, Muscheln und anderen Überresten unterbrochen – in einer Gegend, die damals 1,5 bis 3km von der Küste entfernt lag!

 

 

Das Meer muss also für kurze Zeit sehr weit ins Landesinnere vorgestoßen sein. Aufgrund der Topographie und die Veränderungen der Küstenabschnitte einkalkuliert, kam das Forschungsteam zu dem Schluss, dass eine Tsunamiwelle von mindestens 16, aber vielleicht auch bis zu 40 m Höhe vor 9.350 bis 9.900 Jahren auf die Ostküste des Mittelmeers traf.

 

 

Die Entdeckung trägt möglicherweise auch zur Lösung eines archäologischen Rätsels bei: obwohl die Gegend damals schon lange von Menschen besiedelt war, klafft in der Überlieferungsgeschichte der Region eine fast 1.000 Jahre alte Lücke, aus der keinerlei Funde bekannt sind. Der Tsunami könnte sämtliche Zeugnisse menschlicher Kultur aus der Zeit vor dem Unglück einfach weggespült haben.

 

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Banane, Curcuma und Soja: Handel mit exotischen Waren bereits in der mediterranen Bronzezeit nachgewiesen

Es wirkt wie ein krasser Anachronismus, doch scheint es wahr zu sein: die Menschen der bronzezeitlichen Kulturen in der Levante haben sich offenbar bereits Bananen, exotische Gewürze und Öle schmecken lassen, die sie aus fernen Gegenden Asiens importierten. Zu diesem Schluss kamen Forscher eines internationalen Forschungsteams, die die Zähne aus einem 3.700 Jahre alten Grab in Megiddo im nördlichen Israel mit paläoprotenomischen Methoden analysierten. Im Zahnstein der dort bestatteten Person fanden sie überraschende Spuren von Nahrungsresten.

 

Das abwechslungsreiche Treiben auf einem Markt in der Bronzezeit – könnte es so ausgesehen haben? Bildrekonstruktion nach Nikola Nevelov.

 

Die sogenannte Paläoproteomik ist ein relativ neues wissenschaftliches Feld, das sich aber bald als Standardprozedur in der Archäologie durchsetzen könnte. Dabei suchen Wissenschaftler nach verschiedenen Eiweißstrukturen im Zahnbelag, welche sich ganz bestimmten Nahrungsquellen zuordnen lassen. Die mangelhafte Zahnhygiene unserer Vorfahren ist für die Forscher ein Glücksfall, der ihnen neue Fenster in die Lebenswirklichkeit längst vergangener Zeiten ermöglicht.

 

Die Fundstätte bei Megiddo in Israel. Bildquelle: Philipp Stockhammer.

Und auch das Aufdecken von Fernhandelsbeziehungen, an die bislang überhaupt nicht zu denken war: die Studie legt nahe, dass manche Produkte bereits Jahrhunderte, ja sogar Jahrtausende früher das Mittelmeer erreichten als bislang vermutet.

 

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Dinosaurier als „Super-Spreader“: Pflanzenfresser verbreiteten Samen über weite Entfernungen

Mit Blick auf ihre Screentime in Hollywoodfilmen spielen sie meist nur eine Nebenrolle. Pflanzenfressende Dinosaurier besaßen aber einen enormen Einfluss auf ihre gesamte Umwelt. Und sie brachten sie überhaupt erst zum Funktionieren, wie eine neue Simulation nahelegt.

 


Während der Zeit des Covid-Lockdowns war der Botaniker und Waldökologe George Perry nicht faul und wertete die Daten mehrerer fossiler Mageninhalte von herbivoren Dinosauriern aus, die er anschließend mit der Bewegungsrate heutiger großer Pflanzenfresser verglich. Als prähistorische Probanden dienten ihm berühmte Dinosaurier wie Stegosaurus, Triceratops und Brachiosaurus, aber auch kleine und mittelgroße Theropoden wie Ornithomimus und Deinocheirus, die mit heutigen Elefanten, aber auch flugunfähigen Vögeln wie der Weka-Ralle verglichen wurden.

 

 

Ausgehend davon, dass in großen Tierkörpern die Nahrung in dem im Verhältnis dann deutlich längeren Verdauungstrakt auch wesentlich länger verbleibt, ist natürlich auch mit einer weit größeren Reichweite zu rechnen, die das Tier vom Ort der Nahrungsaufnahme bis dorthin zurücklegt, wo es sich wieder erleichtert. Auch die Körpermasse und Bewegungsgeschwindigkeit flossen in die Schätzung mit ein.

 

Horndinosaurier wie Triceratops haben nach der spekulativen Annahme von George Perry wesentlich zur Ausbreitung von Pflanzensamen beigetragen. Bildrekonstruktion nach Chris Masnaghetti.

 

Perry kam zu dem Ergebnis, dass die großen Sauropoden (langhalsige Pflanzenfresser) wegen ihrer nur sehr geringen Fortbewegungsrate für die Verbreitung von Pflanzensamen eine nicht so entscheidende Rolle spielten wie die großen Ceratopsier und Thyreophoren. Die Horn- und Panzerdinosaurier sieht Perry als die eigentlichen „Gärtner“ des Mesozoikums an.

 

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Keratansulfate – Neue Indikatoren bei der Geschlechtsbestimmung von Dinosauriern?

Da von Dinosauriern meist nur Knochen, aber kein Weichgewebe überliefert ist, und man natürlich auch keine Genmarker mehr findet, kann man leider unmöglich sagen, welches Geschlecht das Tier einst hatte. Doch was einst unmöglich war, muss ja nicht unmöglich bleiben: bereits 2005 hatte die Paläontologin Mary H. Schweitzer erstens durch den Nachweis von weichem, kaum mineralisiertem Gewebe, und zweitens durch den Beleg von Medullarstrukturen an dem Tyrannosaurus-Exemplar „B-Rex“ (MOR 1125) für Furore gesorgt.

Das von Mary H. Schweitzer an „B-Rex“ nachgewiesene Medullargewebe, sowie eine ihrer Lebendrekonstruktionen von Tyrannosaurus.

 

Medullargewebe ist eine Form der Calciumeinlagerung in den Knochen, die ausschließlich bei Tieren auffindbar ist, die kurz vor der Eiablage stehen. Somit muss B-Rex ein Weibchen gewesen sein. Seither arbeitete Schweitzer, zuletzt mit ihren Kolleginnen Aurore Canoville, Lindsay E. Anno und Wenxia Zheng daran, weitere Indikatoren zu finden, um das Geschlecht eines fossilen Dinosauriers zu bestimmen. Dazu untersuchten sie die Knochen von zwanzig verschiedenen rezenten Vogelarten auf ihre chemische Zusammensetzung und nach Markern, die für eines der beiden Geschlechter einzigartig ist.

 

 

Bei Vögeln scheinen Polysaccharide wie Keratansulfat ein deutlicher Indikator fürs weibliche Geschlecht zu sein, dass bei 18 weiblichen Vögeln, aber nicht bei ihren männlichen Konterparts zu finden war. Die Paläontologinnen untersuchten daraufhin auch das Gewebe von B-Rex auf Keratansulfat – und das Testergebnis war positiv!  Dieses Ergebnis bringt uns völlig neue Möglichkeiten für die Geschlechtsbestimmung von Dinosauriern und dürfe in der Zukunft für viele weitere Studien eine große Rolle spielen.

 

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Namacalathus hermanastes: War er der früheste Vorfahre der Muscheln und Tintenfische?

Als „Kambrische Explosion“ wird ein relativ kurzes Zeitfenster in der Erdgeschichte vor etwa 540 Millionen Jahren bezeichnet, in welchem sich die meisten der noch heute lebenden Tierstämme erstmals entwickelten. Nicht umsonst galt die Zeit vor dem Kambrium lange als „leblose“ Zeit, in der lediglich Mikroben auf der Erde lebten. Dass allerdings auch schon einige Zeit vor dem „Urknall“ des (höheren) Lebens eine doch recht beachtliche Artenvielfalt die Urmeere bevölkerte, kommt erst jetzt, in der jüngeren paläontologischen Forschung allmählich ans Licht.

 

Fossilien von Namacalathus hermanastes aus dem Ediacarium.

 

Das Ediacarium reicht als Periode fast 100 Millionen Jahre vor das Kambrium zurück und gilt nun als erster Sandkasten-Versuch des heutigen Lebens. Obwohl das Ediacarium noch viele Rätsel aufgibt, weil viele der damals existierenden Tiere heute ohne Nachfahren ausgestorben sind und unter Wissenschaftlern oft Uneinigkeit über ihre zoologische Zugehörigkeit herrscht, kommen die Forscher manchen Antworten inzwischen immer näher.

 

Das Schema zu Namacalathus passt zu einem primitiven Lophotrochozoon.

 

So könnten z.B. die Lophotrochozoen, eine umfangreiche Gruppe von Wirbellosen, die heute viele Würmer, aber auch die Weichtiere wie Muscheln, Schnecken und Tintenfische umfasst, schon Vorfahren im Ediacarium gehabt haben. Namacalathus hermanastes, ein sessiles Tier mit Fangarmen, das am Meeresboden vor 549 Millionen Jahren dichte Gemeinschaften bildete, könnte ihr frühester bekannter Vertreter oder zumindest Verwandter sein, wie eine neue gemeinsame Studie von Wissenschaftlern aus Edinburgh und Moskau vorschlägt. Mithilfe von CT-Technologie fertigten sie ein 3D-Modell dieses Lebewesens an und konnten dabei einige Merkmale ausmachen, die diese Vermutung stützen.

 

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Erstaunlicher Fund aus der Jungsteinzeit in Spanien: Dolch aus Kristallgestein entdeckt!

In einem rund 5.000 Jahre alten Megalith-Grab bei Montelirio in Südwestspanien, dass schon 2007 entdeckt und in den folgenden drei Jahren freigelegt wurde, machten Archäologen einen bemerkenswerten Fund: einen perfekt gearbeiteten, transparenten Dolch. Er bestand aber nicht aus Flint, wie es in dieser Zeit noch üblich gewesen wäre, sondern aus Quarzkristall, der in der Fundgegend überhaupt nicht vorkommt. 2015 stellten die Forscher ihre Arbeit erstmals in einer Studie über die Kristallwerkzeuge vor. Doch immer noch geben der im Durchmesser rund 75 m messende Grabkomplex und die dort entdeckten Artefakte einige Rätsel auf.

 

 

Der Dolch jedenfalls könnte ein Hinweis für einen weitverzweigten Handel mit Gesteinen oder auch schon fertigen Waffen sein. Er ist mit außerordentlicher Kunstfertigkeit gearbeitet, die eine ungeheure Präzisionsarbeit am brüchigen Quarz voraussetzten, und steckte überdies in einem reich verzierten Griff aus Elfenbein. Eine kunstvolle Hülle wurde ebenfalls gefunden.

 

 

Die Waffe – offenbar ein zeremonieller Gegenstand oder auch ein wertvolles Statussymbol – wurde in einer eigenen Kammer des Gemeinschaftsgrabes aufgefunden, wo man neben mehreren anderen wertvollen Grabbeigaben und Tierknochen außerdem die Überreste von mehr als zwanzig Menschen freilegte, Männern und Frauen im Alter zwischen 17 und 25 Jahren. Mehrere Leichen weisen Anzeichen dafür auf, dass sie an einer Vergiftung starben. Man kann spekulieren, dass hier eine sehr mächtige Person bestattet wurde, und dass einige der übrigen ihr vielleicht freiwillig in den Tod folgten.

 

 

Bildquellen und Link zur Studie (2015)


Das war es für heute mit den Paläo-News! Doch ich kann euch versprechen, dass es spannend bleibt. Mich erreichen gerade schon die nächsten tollen Berichte!


Ich wünsche euch allen jetzt noch einen schönen Sonntag, bleibt zu Hause und vor allem gesund! Gebt auf euch Acht!

Markus Kretschmer

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