Mein Wort zum Sonntag – 10. Mai 2020

Lesedauer: etwa 8 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir!

Erste Erleichterungen

Eine erste Erleichterung ist nach dieser Woche spürbar. Die meisten Geschäfte haben wieder geöffnet, auch die Spielplätze und Parks. In den nächsten Wochen werden in den meisten Teilen Deutschlands auch wieder die Freizeitparks und Museen wieder öffnen. Die schlimmste Phase der Corona-Epidemie in Deutschland sollte hinter uns liegen. Doch das sollte uns nicht in falscher Sicherheit wiegen: Die Infektionszahlen gehen zurück, aber noch immer haben wir jeden Tag zahlreiche Neuinfektionen! Die strengen Sicherheitsregeln und Maßnahmen, die wir alle einhalten müssen, zeigen uns, dass wir von einer Rückkehr in den normalen Alltag immer noch weit entfernt sind.

 

Das ist auch der Grund, weshalb ich trotz der Öffnung vieler Freizeitparks und Museen vorerst noch keine Dino-Treffen und Lesungen organisieren werde. Das Risiko, wenn aus ganz Deutschland ein gutes Dutzend Menschen zusammenkommen, ist einfach zu groß, und ich halte es für schwierig, dabei die Abstandsregeln einzuhalten. Eine Lesung mit Mundschutzmaske wäre außerdem für alle beteiligten blöd, da würde man mich ja kaum verstehen. Also heißt es: abwarten. Sollte sich die Kurve über den restlichen Mai und Juni weiter abflachen, können wir vielleicht schon ab Juli wieder etwas planen.

 

Bis dahin möchte ich euch sagen: Bleibt weiterhin vorsichtig und nehmt die Sache ernst. Wenn ihr könnt, unterstützt die Museen und Freizeitparks vielleicht trotzdem. Unternehmt mal wieder einen Ausflug mit der Familie, im kleinen Rahmen könnt ihr die tollen Ausstellungen ja trotzdem noch genießen. Und wenn ihr einen dinostarken Tag hattet: Schickt mir gerne eure Bilder! Empfehlt die Standorte weiter, bei denen ihr Spaß hattet, und vielleicht sehen wir uns dort in einigen Monaten sogar wieder!

„Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ kann vorbestellt werden

Natürlich muss ich auch für mich selbst immer noch um Unterstützung bitten. Noch immer bleibt „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ in der Vorbestellphase. Wer bis zum Erscheinen des Buches vorbestellt, der erhält sein Exemplar von mir handsigniert. Das gilt übrigens auch für den ersten Teil „Blut der Sonne“, wenn ihr beide Bücher zusammenbestellt.

 

Schaut also auf jeden Fall mal auf der Verlagsseite vorbei – nicht nur wegen „Die weißen Steine“. Dort gibt es auch viele andere tolle Bücher. Und jedes Buch, dass der Ehrlich Verlag verkauft, hilft dabei, den Verlag und damit auch mein Baby „Die weißen Steine“ vorm Ertrinken zu retten, denn in der Krise steht besonders Künstlern und Kleinverlagen das Wasser bis zum Hals. Daran wird sich auch durch die nun erfolgten Lockerungen nicht viel ändern, leider.

https://www.ehrlich-verlag.de/

Kommen wir nun aber zu den positiven Nachrichten:

Am Freitag war ich online zu Gast in Björn Katzurs Instagram-Show „Björn bringt dich zum Lachen“ und durfte ihm alles Mögliche über Dinosaurier erzählen. Leider machte mein Handy einige Zicken bei der Tonübertragung, sodass ich etwas schwer zu verstehen war. Aber trotzdem war es ein lustiger Abend! Wer mehr davon sehen möchte: Jeden Montag, Mittwoch und Freitag hat Björn andere Leute zu Gast, die er mit seiner Show zum Lachen bringen möchte!

 

Link zu meinem Instagram-Profil

 

Link zu Björn Katzurs Instagram-Profil


Das Bild der Woche

 

Das heutige Hell Creek-Bild zeigt eine Familie der mächtigen Edmontosaurier, den riesigen „Entenschnäbeln“, die hier in der Dämmerung durch einen Sumpf streifen. Urheber des Bildes ist Ralph H. Lomotan, und ich habe es bei Artstation gefunden.

 



Die Paläo-News

Ceratopsier in der Lyrik

Der jüngst beschriebene Ceratopsier Stellasaurus hat meinen Freund Jürgen Brandtner zu einem hübschen Gedicht inspiriert. Johann Rexobald bekommt nun Gesellschaft, in Form der bezaubernden Stella Stardust! Lest mal rein, ist wirklich niedlich.

 

Und wer von dinostarken Gedichten nicht genug bekommen kann: Schaut gerne auch mal bei Jürgens YouTube-Kanal vorbei. Seine Gedichtssammlung „Lyrik im leeren Raum“ ist wirklich sehenswert.

 


Noasauriden lebten auch in der Nähe des Südpols

In der australischen Eumeralla-Formation aus der späten Unterkreide fanden Forscher den Wirbelknochen eines Theropoden, der sehr wahrscheinlich von einem elaphrosaurinen Noasauriden stammt. Diese Familie der Ceratosaurier war bislang nur aus Südamerika, Indien, Madagaskar und Afrika bekannt. Offenbar bewohnten die Tiere jedoch ganz Gondwana, auch die sehr hohen Breiten, die damals nahe am Südpol lagen.

Schädel von Masiakasaurus knopfleri
Schädel des Noasauriers Masiakasaurus knopfleri (Chicago Field Museum, Foto James St. John, CC2.0)

Der neue Dinosaurier hat bislang aufgrund des spärlichen Fundes noch keinen Namen. Es bleibt zu hoffen, dass demnächst noch weitere Funde von dem mysteriösen Theropoden auftauchen.

Link zur Studie:


Neue Studie über das Tully-Monster: Doch ein Wirbeltier?

Tullimonstrum
Künstlerische Darstellung des Tullimonstrum (Anonymus Cc 4.0)

In den Gewässern des Karbon, vor mehr als 307 Millionen Jahren, trieb eine bizarre Kreatur ihr Unwesen: Tullimonstrum gregarium, auch einfach nur „Tully-Monster“ genannt war ein mysteriöses Wesen, das mit seinen seitlich abstehenden Augen und dem „Fangrüssel“ nicht von dieser Welt zu sein scheint. Forscher rätseln seit langem, in welche verwandtschaftliche Gruppe dieses Tier gehörte. Eine neue Studie, bei der Forscher die chemischen Rückstände auf den Fossilien analysierten und sie mit anderen Bewohnern des Mazon Creek-Ökosystems verglichen, stellt das Tully-Monster nun in das Taxon der Wirbeltiere. Offenbar war seine Außenhaut nicht aus Chitin-Molekülen wie bei Wirbellosen aufgebaut, sondern aus den gleichen Proteinen wie bei Fischen und sogar uns Menschen.

Artikelquelle:

Link zur Studie:


Ornithocheirus hilsensis“ ist kein Flugsaurier mehr

In seiner neuesten Arbeit untersuchte der deutsche Paläontologe Jahn Hornung die wissenschaflichen Rekonstruktionszeichnungen eines Fossils, das in den 1880ern entdeckt, damals von Ernst Koken einem großen Pterosaurier zugeschrieben und als „Ornithocheirus hilsensis“ benannt wurde. Leider sind die Originalfossilien heute verschollen, sodass nur an dem Bildmaterial geforscht werden konnte.

Großer Flugsaurier
Ornithocheirus simus, nach Fabrizio DeRossi

Hornung stellt nun nach einer Analyse der gezeichneten Hand- und Fußknochen fest, dass die Überreste wohl vielmehr zu einem theropoden Dinosaurier gehörten, der damit einer der ersten in Deutschland gefundenen Nichtvogel-Dinosaurier sein dürfte. Das Tier behält nun vorerst noch seinen Namen, natürlich als Nomen dubium, und wird in einer neuen Beschreibung vielleicht noch einen eigenen bekommen.

Bildquelle: Fabrizio DeRossi

Link zur Studie:


Neue Erkenntnisse zur Evolution der Löwen

Vor etwa 30.000 Jahren, als der moderne Mensch allmählich zu einer einzigen Spezies zusammenschmolz und alle übrigen Menschenarten verdrängte, waren Raubkatzen die dominanten Beutegreifer auf fünf Kontinenten. Dabei besonders erfolgreich: der Löwe.

Löwen in Südafrika
Sie gehören zu den erfolgreichsten Großkatzen: Die Löwen.

Mehr als 30 verschiedene Untertaxa des Löwen wurden inzwischen beschrieben. Ihre genauen verwandtschaftlichen Verhältnisse waren lange Zeit sehr unklar und Gegenstand vieler Spekulationen. Eine neue Studie, bei der das Erbgut heutiger Löwen, aber auch ihrer fossilen Vettern analysiert wurde, bringt nun etwas Licht ins Dunkel und zeigt, welche Löwen miteinander enger, welche nur entfernt miteinander verwandt waren. Somit könnte auf genetischer Ebene der berühmte Höhlenlöwe und sein amerikanischer Verwandter, der Amerikanische Löwe, sogar einen eigenen Artstatus einfordern, da sie sich von den übrigen Löwenlinien schon sehr früh getrennt haben.

Artikel zum weiterlesen und Bilder vom National Geographic:

Link zur Studie:


Tödliche Umarmung mit Tintenfisch

In Dorset, England, fanden Forscher den Beweis eines 200 Millionen Jahre alten tödlichen Angriffs: das bemerkenswert gut erhaltene Fossil zeigt die Überreste eines Knochenfischs aus dem Unterjura, eng umschlungen von den Fangarmen eines Tintenfischs.

Link zum Artikel:


Raptoren: Doch keine Rudeljäger?

Die Dromaeosaurier, auch bekannt als Raptoren, gelten unter Dinofans als gefürchtete, im Rudel jagende Tiere mit einer beachtlichen Intelligenz. Doch dieses Bild könnte komplett falsch sein: zuerst einmal wurden Hinweise auf ein Rudelverhalten bislang bloß bei einer einzigen Spezies entdeckt, Deinonychus antirrhopus, von dem man häufiger mehrere Individuen an ein und derselben Stelle fand, oft in Verbindung mit den Fossilien des Tenontosaurus, eines großen Pflanzenfressers der frühen Kreidezeit. Auch bei anderen Tenontosaurus-Fossilien wurden oft die Zähne von Deinonychus gefunden, was das Räuber-Beute-Verhältnis belegt.

Moderne, vollbefiederte Rekonstruktion eines Deinonychus von Emily Willoughby (CC 4.0)

Diese Zähne waren nun Gegenstand einer Studie, die überraschendes feststellte. Die chemische Analyse ergab unterschiedliche Kohlenstoff-Werte zwischen den kleineren Zähnen von Jungtieren und größeren Zähnen von Erwachsenen, was darauf hindeutet, dass die Tiere unterschiedliche Nahrung und Beutetiere bevorzugten. Offenbar haben die Eltern ihre Jungen also nicht gefüttert bzw. an den von ihnen erlegten Rissen fressen lassen.

Was bedeutet unterschiedliche Nahrung?

Dieses Muster passt nicht zu stark sozial agierenden Rudeljägern, sondern eher zu im losen Verband lebenden, aber einzeln jagenden Tieren wie Komodo-Waranen und Krokodilen. Auch die meisten Vögel verhalten sich deutlich weniger gruppenkoordiniert als Säugetiere wie Wölfe oder Löwen, weshalb man das Bild der Dinosaurier als Rudeljäger und insbesondere die sozial agierenden Raptoren aus Filmen wie „Jurassic Park“ infragestellen sollte.

Andererseits sagt die Studie aber auch erst einmal nur aus, dass Deinonychus-Jungtiere und ihre Eltern unterschiedliche Nahrungsquellen bevorzugten. Das kann die unterschiedlichsten Gründe haben: Vielleicht lebte Deinonychus doch im Rudel, doch wurden die Jungen nur die erste Zeit nach dem Schlüpfen noch von den Eltern versorgt und gefüttert. Sobald sie das Nest verlassen konnten, sind sie auf eigene Faust auf Nahrungssuche gegangen, bis sie alt genug waren, sich auch an der gemeinsamen Jagd zu beteiligen. Vorher wurden sie von den Erwachsenen am Riss vielleicht nicht toleriert. Es gibt schließlich weder für die Rudelbildung, noch für den losen Sozialverband irgendwelche Belege – das sind und bleiben erst einmal nur Hypothesen.

Artikelquelle:
Link zur Studie:


Das war es aus dieser Woche mit den Neuigkeiten aus der Paläontologie. Ich wünsche Dir nun viel Spaß weiterhin auf meiner Seite und einen schönen Sonntag!

 

Liebe Grüße

 

Markus Peter Kretschmer

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