Mein Wort zum Sonntag – 13. September 2020

Lesedauer: etwa 13 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Zwei Jahre. So lange gibt es inzwischen schon meine Seite auf Facebook, und auch mein gleichnamiges Buch „Die weißen Steine“ feiert in dieser Woche Geburtstag, dessen erster Band „Neue Alte Welt“ am 08.09.2018 offiziell erschienen ist. Blicke ich auf diesen Tag und diesen Moment zurück, den wir sogar als Video festgehalten haben, kommt es mir einerseits noch gar nicht so lange her vor.

 

Andererseits dann aber wieder doch. Das Jahr 2020 war tatsächlich ein sehr langes Jahr, in welchem abseits der Online-Aktivität für mich leider kaum etwas los war. Man kann nur hoffen, dass es im kommenden Jahr besser wird. Und dass dann auch endlich der zweite Teil erscheinen kann. Ob ich dann wieder so nervös und sprachlos sein werde? Ich bin gespannt. Doch nebst der Spannung werde ich dafür wohl noch etwas Geduld brauchen, und um die muss ich wieder einmal auch meine Leser bitten.


Wort zum Sonntag jetzt nur noch 14-tägig!

Das Verfassen meiner Artikel, und insbesondere meine Wochenrückschau, bereitet mir natürlich viel Spaß, aber es ist auch sehr zeitaufwändig. Um in Zukunft an den Wochenenden auch mal etwas entspannen zu können, insbesondere, weil ich gerade in mehreren Projekten hänge und auch bald in einen neuen Wochenend-Job am Museum „Tor zur Urzeit“ starte, wird das „Wort zum Sonntag“ nun nur noch alle zwei Wochen erscheinen und dann die Nachrichten aus diesem Zeitraum zusammenfassen. Wer nichts verpassen möchte, der sollte also unbedingt meine Seite auf Facebook oder Instagram abonnieren, denn da erscheinen alle Artikel meiner Paläo-News natürlich weiterhin in Echtzeit!


Bild der Woche

 

Das letzte Bild aus meiner Sammlung von den Blue Rhino Studios! Heute am Rand eines Bruchwaldes von Hell Creek, der sich zur offenen Farnebene öffnet. Hier leben die wirklich großen Dinosaurier, und ein paar davon tummeln sich auch in unserem Bild der Woche. Könnt ihr sie entdecken? Und welche Tiere verstecken sich da wohl noch?

 

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Dinosaur Facts and Figures

Die Theropoden beherrschten den Planeten über Millionen von Jahren, mit Arten, die vom mächtigen Tyrannosaurus rex bis zu gefiederten Raptoren reichten, die nicht größer als Truthähne waren. Dinosaur Facts and Figures ist ein atemberaubend illustriertes Buch mit Aufzeichnungen für diese wunderbaren Kreaturen – wie die größten, die kleinsten und die schnellsten Theropoden sowie die mit dem stärksten Biss.

 

Dinosaur Facts and Figures: The Theropods and Other Dinosauriformes ist im Juni 2019 auf englischer Sprache erschienen und hat 288 gebundene Seiten voller Dinosaurier.

 

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Paläo-News

Eine ereignisreiche Woche liegt hinter uns, die mit einigen echten Sensationen aufwarten konnte!


Archäologen entdecken 8.000 Jahre altes Grab in der Uckermark

Auf einem der bekanntesten Grabungsfelder Deutschlands haben Archäologen eine neue Entdeckung gemacht: in der brandenburgischen Uckermark legten sie ein Skelett aus der Mittelsteinzeit frei.

 

Das auf ein Alter von rund 8.000 Jahren datierte Grab war allerdings durch vorherige moderne Landnutzung nicht mehr im besten Zustand. Deshalb wurde das Grab im Block geborgen, um es unter Laborbedingungen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin untersuchen zu können.

 

Bildquelle und Artikel zum Weiterlesen

 


Knochenfunde bei Salzmünde: Belege für den Totenkult und Untergang einer Kultur?

Auf einem Acker an der Hangkante zur Saale machten Archäologen einen bemerkenswerten Fund: rund 5.000 Jahre alte Tierknochen, vielleicht die Überreste einer rituellen Opferung von. Schafen, Rindern und Ziege. Auch ein menschliches Grab würde gefunden, das den Forschern Aufschluss über die Bestattungsriten der Menschen aus der Bronzezeit gibt: der Unterkiefer lag weit entfernt vom Schädel. Möglicherweise ist das ein Beleg für einen Toten- bzw. Ahnenkult, bei dem Teile des Schädels als Talisman weiter bei den Nachkommen mitgeführt wurden.

Das Grabungsfeld bei Salzmünde. Bildquelle: Steffen Schellhorn.

Der Fund scheint außerdem ein Beleg dafür sein, dass die Siedler der Bernburger Kultur ihre Vorgänger, die Salzmünder Kultur, zu jener Zeit verdrängten. Der Boden scheint zusammen mit den Siedlungen der Vorgängen geradezu plattgemacht worden zu sein.

 

Artikel zum Weiterlesen


Makabrer Totenkult in der Bronzezeit nachgewiesen

Auch aus anderen Teilen Europas gibt es Hinweise auf einen bronzezeitlichen Totenkult. Die Archäologen Thomas Booth und Joanna Brück stellten bei der Datierung von Skelettresten aus 55 verschiedenen Gräbern aus der Bronzezeit (2.500 bis 600 v. Chr.) Erstaunliches fest: in knapp der Hälfte dieser Gräber wurde neben dem dort eigentlich Bestatteten auch weitere menschliche Knochen gefunden, die zum Teil Jahrzehnte älter sind als das Grab. Den Verstorbenen wurden also menschliche Gebeine mit ins Grab gegeben, die lange vor ihnen gestorben waren.

 

 

Zur Interpretation dieser makabren Funde sind noch weitere Forschungen nötig. Bislang kann über die Hintergründe dieses Bestattungsritus nur spekuliert werden. Naheliegend ist, dass man damals die Überreste von direkten Vorfahren als eine Art Talisman aufbewahrte und man damit einen Ahnenkult pflegte, bei dem man an den Schutz durch die Eltern auch noch nach deren Tod glaubte. Ebenso ist es möglich, dass aber auch die Knochen mächtiger Stammesführer aufbewahrt und gepflegt wurden, und man sie von Generation zu Generation an den neuen Anführer weitergab. Und nicht zuletzt ist es auch denkbar, dass man hier die Knochen eines getöteten Feindes aufbewahrte, um einerseits die Kraft des Gegners selbst aufzunehmen, oder ihn postum zu demütigen.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Neuer Theropode aus England: Vectaerovenator inopinatus

Das offizielle Paper zu dem unlängst auf der Isle of Wight gefundenen Theropoden ist da (wir berichteten)! Anders als bei den ersten Nachrichtenmeldungen noch angegeben, sind die Autoren nun aber von der Vermutung abgerückt, dass Vectaerovenator inopinatus ein frühkreidezeitlicher Tyrannosauroid sei. Sie stellen ihn nun an die Basis der Tetanurae.

 

 

Das Fossil zeigt einige Charakteristika, die sowohl für Megalosauroiden, Carcharodontosaurier und basale Coelurosaurier typisch sind. Seine genaue verwandtschaftliche Zugehörigkeit muss allerdings noch durch weitere Forschungen ermittelt werden.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Menschen in Mitteleuropa vertragen erst seit wenigen Jahrtausenden Milch

Milchprodukte – Für unsere Vorfahren sind sie noch gar nicht so lange eine geeignete Nahrungsquelle!

Milch ist für Erwachsene eigentlich kein geeignetes Nahrungsmittel – jedenfalls ist es das den größten Teil der Menschheitsgeschichte nicht gewesen. Erst einer Mutation ist es zu verdanken, dass mache Menschen auch als Erwachsene noch genügend Laktase produzieren können, um den Milchzucker aufzuspalten und zu verdauen. Wer diese Mutation nicht in seinen Genen trägt, ist laktoseintolerant.

 

Während das heute auf nur jeden zehnten Europäer zutrifft, war noch bis in die Bronzezeit der Großteil der Bevölkerung unseres Kontinents nicht an Milch als Nahrung angepasst. Das geht jedenfalls aus einer Untersuchung der Knochen vom Tollensee hervor: dort ereignete sich vor etwa 3.300 Jahren eine große Schlacht. Auch wenn wir heute nicht mehr wissen, warum man einst dort kämpfte, so verraten uns Genanalysen, dass den meisten der dort gefallenen Kriegern das Laktase-Gen noch fehlte.

 

Das Schlachtfeld vom Tollensee. Bildquelle: Stefan Sauer.

 

Die Fähigkeit, Milch zu verdauen, begann sich damals offenbar gerade erst als Selektionsvorteil allmählich hervorzutun – als die Menschen zusehends abhängiger von der Viehhaltung wurden. In einer Krisenzeit konnten die Leute mit der Mutation nun auch auf Milch als Nahrungs- und Wasserquelle zurückgreifen. Dass sich diese Mutation in so kurzer Zeit ausgebreitet hat und heute gar zum Standard geworden ist, unterstreicht die Bedeutung dieses Vorteils.

 

Bildquellen: Stefan Sauer

 

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Riesige Krater in Sibirien – Eine Folge des Klimawandels?

Einer der geheimnisvollen sibirischen Krater. Bildquelle: Evgeny Chuvilin.

Gewaltige, mehr als 20m Meter breite und ebenso tiefe Löcher, wo vorher keine waren: immer wieder tauchen sie auf und sorgen für viele Spekulationen. Noch sind sich die Wissenschaftler nicht sicher, was die Ursache für die sibirischen Krater sein könnten, die sich in der dortigen Tundralandschaft vielerorts bilden.

 

Es könnte sich um sogenannte „Eisvulkane“ handeln, so vermutet es jedenfalls Arktisforscher Evgeny Chuvilin, der die Krater erforscht. Seinem Erklärungsmodell zufolge wurden die Krater dadurch gebildet, dass auf dem Boden eines ausgetrockneten Sees sich enormer Druck aufbaute, als die Böden des ehemaligen Grundes immer wieder gefroren und auftauten. Schließlich kam es durch die dabei eingeschlossenen Gase zu einer gewaltigen Explosion.

 

Die drei letzten ungewöhnlich heißen Sommer in der Arktis könnten die Entstehung der Cryovulkane weiter fördern. Kritisch ist auch, dass durch diese Explosionen enorme Mengen Methan und andere Treibhausgase freigesetzt werden, die den Klimawandel noch mehr fördern.

 

Artikel zum Weiterlesen

 


Neuer erdbaugrabender Dinosaurier aus China entdeckt: Changmiania liaoningensis

Rekonstruktion der schlafenden Changmiania. Bildquelle: RBNSmuseum.

Dinosaurier waren alle riesige Bestien, die den Erdboden erzittern ließen? Weit gefehlt. Denn manche waren klein und lebten sogar darunter! Anzeichen dafür, dass manche kleine Ornithischier Baue gruben, in denen sie Schutz suchten, fand man bereits vor einigen Jahren.

 

Nun ist ein weiterer Untertage-Dino dazugekommen: Changmiania liaoningensis, wie seine Beschreiber ihn tauften, lebte vor etwa 127 Millionen Jahren während der Unterkreide in China. Gleich zwei Individuen dieses Tieres wurden freigelegt, beide Individuen in einer Pose, die darauf hindeutet, dass die Tiere im Schlaf gestorben sind. Die Fossilmatrix zeigt deutliche Spuren, dass hier ein Hohlraum mit Sedimenten aufgefüllt wurde, und die Fossilien sind derart gut erhalten, dass ein vulkanischer Ascheregen oder ein pyroklastischer Strom die Höhle mitsamt ihrer dort schlafenden Bewohner verschüttete.

 

 

Diese Vermutung ließen die Forscher auch in die Namensgebung mit einfließen: „Changmiania“ bedeutet abgeleitet aus dem Chinesischen so viel wie „Die ewig Schlafende“.

 

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Neuer früher Ceratopsier aus der Mongolei: Beg tse

In der mongolischen Ulanoosh-Formation fanden chinesische Wissenschaftler die Überreste eines kleinen Horndinosauriers. Das nur 14 cm lange Schädelfossil, sowie weitere fragmentarische Knochen, gehören wahrscheinlich zu einem frühen Vorfahren der Ceratopsier, der vor etwa 100 Millionen Jahren etwa in der Mitte der Kreidezeit lebte. Das Tier wurde nach der Himalaya-Gottheit Begtse benannt.

 

Der Schädel von Beg tse.

 

Ganz in der Nähe waren bereits zuvor eine Menge anderer Fossilien gefunden worden. Die Ulanoosh-Formation ist besonders für Schildkrötenfossilien bekannt. Aber auch Sauropodenknochen und Dinosauriereier gehoben zu den Funden.

 

Rekonstruktion eines Liaoceratops von Nobu Tamura. Der neuentdeckte Beg Tse war eng verwandt und könnte ähnlich ausgesehen haben.

Das neue Fossil wirft damit nicht nur neues Licht auf die Entwicklungsgeschichte der Horndinosaurier (wie des berühmten Triceratops), sondern gibt auch Aufschluss über die Ökologie in der frühen Oberkreide.

 

Link zur Studie


Nachweis durch Isotopenanalyse: Am Ende der Trias mussten viele Meerestiere jämmerlich ersticken

Am Übergang von der Trias zum Jura, vor etwa 201 Millionen Jahren, fand eines der größten Massenaussterben der Erdgeschichte statt. Als der Superkontinent Pangaea auseinanderbrach, stieg die vulkanische Aktivität auf dem ganzen Planeten, und es kam zu einem verheerenden Klimawandel.

 

 

Auch die Abnahme des Sauerstoffs in den Meeren, infolge eines sogenannten anoxischen Ereignisses, trug aber wohl zum Niedergang vieler Spezies bei. Durch solche Sauerstoffverarmung können Tiere und auch viele einzellige Mikroben nicht mehr atmen, und so verliert die Nahrungspyramide ihre Basis und ganze Ökosysteme brechen zusammen.

 

Dass es so ein anoxisches Ereignis auch am Ende der Trias gab, wird schon lange vermutet. Ein weiterer Nachweis ist einer internationalen Forschungsgruppe jetzt durch die Analyse von Schwefel-Isotopen gelungen. In Sedimenten aus jener Zeit wiesen sie eine höhere Dichte des schwereren 34S-Isotops im Verhältnis zum leichteren 32S nach, was sich nur auf einen deutlich verringerten Sauerstoffgehalt zurückführen lässt.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Vollständiger Höhlenbär im sibirischen Permafrost geborgen!

Durch den Klimawandel tauen große Teile des sibirischen Permafrosts nach und nach ab. Besonders die Hitzewelle dieses Jahr hat für eine deutliche Schmelze gesorgt. Während die Auswirkungen auf Natur und Umwelt, nicht nur für Sibirien, sondern auch für den Rest der ganzen Welt verheerend sein können, profitiert jedoch die Forschung davon. Zu einem hohen Preis zwar, aber im schwindenden Permafrost wurden in den letzten Jahren einige spektakuläre Funde gemacht.

 

 

Ein weiterer könnte jetzt dazugekommen sein: russische Zeitungen melden die Entdeckung der ersten vollständigen Eismumie eines Höhlenbären. Bei dem Fund handelt es sich offenbar um ein Jungtier. Ausgewachsene Höhlenbären wurden deutlich größer als heutige Braunbären, waren allerdings Pflanzenfresser. Sie starben auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit vor etwa 24.000 Jahren aus. Die Ursachen dafür sind noch nicht geklärt, doch vielleicht kann der neue Fund etwas Licht auf die Frage werfen.

 

Sobald ein offizielles Paper verfügbar ist, erfährst du es auf meiner Seite natürlich zuerst! Bis dahin schon mal ein Artikel zum Weiterlesen.

 

 

 

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Komm mit auf eine Reise durch die Schichten der Erde

zum Erdmittelpunkt und wieder zurück an die Oberfläche! Du wirst unterwegs die erstaunlichsten und interessantesten Dinge sehen! Dieses fast endlose Leporellobilderbuch lenkt den Blick auf das, worüber wir meist achtlos laufen: den Boden unter unseren Füßen. Was ist eigentlich unter der Oberfläche unserer Straßen, Wiesen und Felder? Wasserrohre, Kabelschächte, Abwasserröhren, Humusschichten mit vielen Insekten, Flussläufe … Tiefer und tiefer geht es hinein in die Unterwelt durch Gesteine, Mineralien und Magma bis zum glutheißen Erdkern – und wieder zurück.

 

Unter meinen Füßen: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde wurde von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur  als Umwelttipp des Monats September 2018 empfohlen. Leipziger Lesekompass 2019 in der Kategorie 6 bis 10 Jahre. Es ist 2018 bei Prestel erschienen und hat 22 in ein Hardcover gebundene Seiten. 

 

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Das war es für heute mit den Paläo-News!


Artikel der Woche

 

Im Artikel der Woche war wieder eine weitere Folge der preisgekrönten BBC-Doku „Dinosaurier – Im Reich der Giganten“ an der Reihe, sich in meiner Serie „Film vs. Wissenschaft“ auf Herz und Nieren prüfen zu lassen. Auch die Folge „Unter Flügeln von Giganten“ würde mit dem Wissen aus 21 zusätzlichen Forschungsjahren heute deutlich anders aussehen! Schau gerne auf meiner Facebook-Seite vorbei!


Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag, bleib gesund und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer

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