Mein Wort zum Sonntag – 19. Juli 2020

Lesedauer: etwa 7 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Es wird wieder wärmer! An diesem wundervollen Sommerwochenende war ich mal wieder in der Kiesgrube, zusammen mit vielen anderen jungen und junggebliebenen Fossilienjägern. Ich habe dabei einen ganz passablen Seeigel und mehrere Donnerkeile gefunden. Immerhin!


Aktion: „Bücher suchen ein Zuhause“

Von meiner Buchaktion „Bücher suchen ein Zuhause“ sind die meisten Exemplare meiner Abenteuer-Romanreihe „Die weißen Steine“ inzwischen wohlbehalten bei ihren neuen Besitzern angekommen. Ein paar (genau fünf!) habe ich jedoch noch übrig, die würde ich gerne noch verschicken. Wie Du an ein Exemplar von „Die weißen Steine – Blut der Sonne“ herankommst, erfährst Du hier:

 

https://www.facebook.com/DieWeissenSteine/photos/a.493967921046503/951755751934382

 

Falls die Bücher schon vergriffen sein sollten, wenn du das hier liest: Macht nichts. Auch beim Ehrlich Verlag gibt es sie noch zu bestellen – dann allerdings vorerst ohne Widmung. Auch der zweite Band, der sich weiterhin verzögert, kann dort immer noch vorbestellt werden:

 

https://www.ehrlich-verlag.de/produkt/die-weissen-steine-band-2-blut-der-sonne/


Vielleicht kann es im Spätsommer und Herbst noch einige Lesungen geben, warten wir es ab. Ich halte Dich hier selbstverständlich auf dem Laufenden, wann und wo ich in der nächsten Zeit lesen werde! Vielleicht wird es dieses Jahr auch noch weitere Dinotreffen geben, auch dort verkaufe und signiere ich natürlich liebend gern ein Exemplar!


Bild der Woche

Aufgepasst! Ein Dakotaraptor auf der Pirsch scheint etwas entdeckt zu haben. Im Morgennebel eines Lorbeerwaldes nähert er sich langsam dem unvorsichtigen Opfer…

 

 

Das Artikelbild stammt von einem Paläokünstler und Twitternutzer, der sich dort „DragonsOfWales“ nennt.

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Paläo-News

Diese Woche war es etwas ruhiger in der Welt der Paläontologie, deshalb gibt es heute nur eine abgespeckte Form meiner Wochenzusammenfassung. Allerdings war immerhin ein neuentdeckter Dinosaurier und noch eine weitere kleine Sensation dabei:


Neuer fleischfressender Dinosaurier in Brasilien entdeckt: Aratasaurus museunacionali

In der 115 Millionen Jahre alten Romualdo Formation, einem Teil des Araripe-Beckens in Brasilien, legten Forscher die Überreste eines mittelgroßen Theropoden aus der Gruppe der Coelurosaurier frei. Das Tier war etwa 3,5m lang und damit größer als die meisten Dromaeosauriern (Raptoren), mit denen es entfernt verwandt war. Es handelt sich wahrscheinlich um das Teilskelett eines Jungtiers, also könnte das Wesen ausgewachsen sogar noch erheblich größer gewesen sein. Das Fossil wurde als Aratasaurus museonacionali beschrieben und mit dem Artnamen das brasilianische Nationalmuseum geehrt, dass die Ausgrabungen vorantrieb.

 


Aratasaurus war offenbar ein Verwandter des chinesischen Zuolong, zu dem das Skelett einige Übereinstimmungen aufweist. Dieser lebte jedoch schon 40 Millionen Jahre früher, in der Zeit des Jura, sodass eine gemeinsame Verwandtschaftslinie genauso wahrscheinlich ist wie konvergente Evolution. Die genaue systematische Zugehörigkeit dieses Tieres wird wohl nur durch weitere Fossilfunde möglich sein.

 

Bild- und Artikelquelle

Link zur Studie

 


Forscher rekonstruieren riesigen Siebenschläfer

Noch bis vor wenigen Jahrtausenden existierte auf den Mittelmeerinseln eine völlig eigene, verdreht erscheinende Welt: während einige Tiere dort geradezu winzig waren, waren andere im Vergleich zu ihren Verwandten auf dem Festland wahre Riesen. Neben zwergenhaften Elefanten, Hirschen und Flusspferden gab es auf Malta und Sizilien auch riesige Schwäne, Eulen und eben auch Nagetiere.

 

Bildquelle: James Sadler, University of New York
Bildquelle: James Sadler, University of New York

Leithia melitensis war ein besonders bizarrer Vertreter der Schlafmäuse, also ein riesiger Siebenschläfer, der die Größe einer Katze erreichte. Einem internationalen Forscherteam ist es nun gelungen, die fragmentarischen Fossilreste digital zu einem kompletten Schädelmodell zusammenzufügen, dass neue Einblicke in die Anatomie des kleinen Riesen ermöglicht, der vor etwa 2 Millionen Jahren lebte.

 

Link zur Studie


Auswertung der Spurenfossilien an Dinosaurier-Kadavern aus dem Oberjura

Bei der näheren Untersuchung der Wirbeltier-Fossilen im oberjurassischen Mygatt-Moore-Quarry der Morrison Formation in Colorado stellten Forscher bei 2.161 Knochen an der Oberfläche Veränderungen fest, die teils von aasfressenden Wirbeltieren, aber mehrheitlich von Wirbellosen verursacht wurden.

Szene aus der Morrison-Formation mit Dino-Kadaver. Bildquelle: Davide Bonadonna
Szene aus der Morrison-Formation mit Dino-Kadaver. Bildquelle: Davide Bonadonna

Sechs verschiedene Typen von Fraßspuren wurden dabei festgestellt, darunter Höhlen, Röhrenbauten, Furchen und Gänge, die von Insekten und ihren Larven und Weichtieren ins Knochengewebe gefressen wurden. Da diese Strukturen stark denen heuriger Destruenten ähneln, schließen die Wissenschaftler daraus, dass sich auch schon im Oberjura Käfer, Schnecken und andere fleisch- und knochenfressende Kleintiere an einem frischen Dinosaurier-Kadaver gütlich getan haben.

 

Auch wenn diese Tiere praktisch niemals als Fossilien erhalten bleiben und direkt überliefert werden, so gibt die neue Studie dennoch einen aufschlussreichen Einblick in die verborgene Welt der Artenvielfalt der Kleinlebewesen, die Seite an Seite mit den Dinosauriern lebten.

 

Link zur Studie


Tiefsee-Leben erholte sich nach Chicxulub-Desaster sehr schnell.

Infolge einer groß angelegten Bohrung entlang des Chicxulub-Kraters wurden mehrere Bohrkerne geborgen, die nun von Forschern der Universität von Texas ausgewertet werden. So gelangen ihnen immer neue Einblicke in die Welt, die vor 66 Millionen Jahren durch den Einschlag eines gewaltigen Meteoriten in Schutt und Asche gelegt wurde.

 

Kleinstlebewesen im Krater von Chicxulub, kurz nach der Katastrophe. Bildquelle: John Maisano; University of Texas
Kleinstlebewesen im Krater von Chicxulub, kurz nach der Katastrophe. Bildquelle: John Maisano; University of Texas

 

Überraschenderweise hatte der Einschlag in der Tiefsee keine großen bis sogar überhaupt keine Auswirkungen, wie nun festgestellt wurde. Schon 2016 fanden die Forscher heraus, dass sich das Leben in der Nähe des Kraters rasch erholte. Nun scheint sich das durch eine neue Studie weiter zu bestätigen: bei den Schichten, die sich nur 700.000 Jahre nach dem abrupten Ende der Kreidezeit abgelagert haben, ist praktisch kein Unterschied zu denen zu erkennen, die noch vor dem Einschlag entstanden. Die Struktur der Spurenfossilien, die durch planktonische Kleinstlebewesen in der Tiefsee verursacht worden, ist absolut identisch.

 

Es hat den Anschein, als sei selbst die völlig verwüstete Gegend direkt um den Kraterrand, wo eigentlich alles Leben mit einem Schlag vernichtet wurde, schon unmittelbar nach dem Einschlag wieder neu von Kleinstlebewesen besiedelt worden, die sich innerhalb eines geologisch sehr kurzen Zeitraums ihren Lebensraum vollständig zurückeroberten.

 

Die neue Studie bietet außerdem Einblicke in den Aufbau ökologischer Gemeinschaften, wie sich diese nach Kataklysmen verhalten und wieder erholen, und auch, welche Auswirkungen das auf die größeren Lebensformen, auch die an Land lebenden gehabt haben könnte.

Link zur Studie


Raptoren mauserten genau wie heutige Vögel!

Dass Raptoren keine kahlen, reptilienartigen Monster waren wie in Jurassic Park, sondern sie gefiedert waren, ist schon lange bekannt. Einige Dromaeosaurier, wie diese Gruppe in der Fachsprache heißt, konnten sogar erstaunlich gut fliegen. Der kleine chinesische Microraptor etwa nutzte dafür nicht nur seine Armflügel, sonder auch noch zwei zusätzliche Tragflächen, die durch lange Beinfedern gebildet wurden.

 

Microraptor bei der Insektenjagd. Bildquelle (oben): DURBED/WIKIMEDIA COMMONS (CC BY-SA 3.0)
Microraptor bei der Insektenjagd. Bildquelle (oben): DURBED/WIKIMEDIA COMMONS (CC BY-SA 3.0)

 

Wie gut Microraptor ans Fliegen angepasst war, und dass der Flug einen essentiellen Teil seines Lebens ausmachte, enthüllte nun eine neue Studie, die chinesische Forscher jüngst veröffentlichten. Die hervorragend erhaltenen Fossilien aus der Jiofutang Formation in der chinesischen Provinz Liaoning zeigen die Federn des Tieres so deutlich, dass die Wissenschaftler sogar ihr Wachstum nachvollziehen konnten. Dabei wurde deutlich, dass Microraptor seine Federn von Zeit zu Zeit verlor, aber immer nach und nach. Er mauserte also, genau wie ein heutiger Vogel, und behielt dadurch das ganze Jahr seine Flugfähigkeit.

Bildquelle (unten); Link zur Studie


Das war es dann auch schon mit den Paläo-News!


Artikel der Woche

 

In meinem „Artikel der Woche“ gab es diesmal wieder ein Hell-Creek-Tier, das in meinem Buch „Die weißen Steine“ auftritt. Bei den Vögeln aus dieser Gegend ist das allerdings so eine Sache: Viele Taxa sind umstritten oder einfach noch zu wenig erforscht, und so ist auch „Palaeotringa vetus“ ein sogenanntes Nomen dubium – es gab dieses Tier zwar wirklich, doch die verwandtschaftliche Zugehörigkeit zur ausgestorbenen Gattung Palaeotringa ist umstritten. Wer mehr dazu lesen möchte:

Link zum Artikel


Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag, bleib gesund und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer

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