Mein Wort zum Sonntag – 20. Dezember 2020

Lesedauer: etwa 24 Minuten
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Einen schönen Vierten Advent wünsche ich dir!

Weihnachten steht vor der Tür. Für viele von uns wird es wohl ein sehr einsames Weihnachten werden. Wer vernünftig ist, verzichtet es dieses Jahr, in großer Zahl zu feiern, und bleibt im kleinen Kreise zu Hause. Die schreckliche Pandemie ist noch längst nicht überwunden, ganz im Gegenteil: So schlimm wie jetzt war es noch nie. Auch in meinem Bekanntenkreis gibt es jetzt schon mehrere, die mit dem Virus zu kämpfen hatten. Bei den meisten gottseidank in Form eines milden Verlaufs, aber leider nicht bei allen.


Ich habe am Anfang meines Wortes zum Sonntag und auch in vielen Beiträgen sehr oft geklagt und geschimpft, über Leute, die die Sache nicht ernst nehmen, oder über die Regierung, die viele Entscheidungen zu spät oder in falschem Maße traf. Doch erscheint es mir jetzt kurz vor Weihnachten falsch, über den zweiten Lockdown zu poltern, oder meiner Wut über die Querdenker Luft zu machen. Meine Gedanken sind viel mehr bei denen, die gerade jetzt an Weihnachten mit Corona im Krankenhaus liegen. Ihnen gelten meine besten Wünsche und Hoffnungen.


Hoffnung – das ist gerade jetzt an Weihnachten das passendste Wort, um das alte Jahr zu verabschieden. Bald schon kann mit den Impfungen begonnen werden, was Hoffnung macht. Der Lockdown wird sicher so wie beim letzten Mal für sinkende Fallzahlen sorgen. Auch das macht Hoffnung. Zwar wird Corona uns auch 2021 noch lange Zeit begleiten, da dürfen wir uns noch nichts vormachen. Aber ich hoffe trotzdem darauf, dass wir die Lage bald schon so weit in den Griff bekommen werden, dass zumindest Lesungen, Dino-Treffen und andere Aktionen wieder möglich sein werden!


Gewinnspiel und Giveaway-Aktion

Das Advents-Gewinnspiel geht in die letzte Runde! Denn wie könnte man die kalte Jahreszeit besser bestreiten und sich die Einsamkeit erträglicher machen, als mit einem guten Buch? Aus diesem Grund habe ich mir für die Adventszeit eine ganz besondere Aktion überlegt:

 

Wer bis zum vierten Advent (20.12.2020) ein Exemplar meines Romans „Die weißen Steine – Neue Alte Welt“ bei mir bestellt, der bekommt von mir die Portokosten geschenkt (bei Bestellungen innerhalb Deutschlands). Ihr zahlt also nur den Ladenpreis des Buches (9,90 €).

 

Und für alle, der oder die gerne jemandem anders noch eine Freude unter dem Weihnachtsbaum bereiten möchte: Wenn du zwei Bücher bestellst, bekommst du ein drittes Exemplar gratis mit dazu!

 

Außerdem wird unter allen Bestellern jeden Sonntag ein Exemplar verlost und kommt dann vielleicht als Geschenk zu dir!

Auf Wunsch werden natürlich alle bestellten Exemplare von mir handsigniert und mit einer persönlichen Widmung versehen!

Worauf wartest du noch? Schreib mir einfach einen Kommentar und sag mir, welches dein Lieblings-Weihnachtsfilm ist, und schon bist du mit im Lostopf.

 

Diese Aktion läuft unabhängig von Facebook und Instagram bis zum 20.12.2020.

Worum es in dem Buch geht, erfährst du entweder beim Durchstöbern meiner Seite, oder auch im etwas ausführlicheren Text zum Gewinnspiel vom letzten Sonntag:

 

 

Anm. d. Redaktion: Wer nicht über Facebook etc. schreiben, aber dennoch teilnehmen möchte, kann uns einfach eine Mail mit der Adresse an Redaktion@Netzwerk-Kryptozoologie.de schicken. Wir leiten das dann weiter.
(Datenschutzhinweis: Wir empfangen die Mail über ein Mailprogramm, einer von uns liest sie, leitet sie an Markus weiter und das wars. Unser Mailer speichert die empfangene und weiter geleitete Mail, bis wir sie händisch löschen. Sie interessiert uns nach dem Weiterleiten aber nicht mehr.)


Bild der Woche

Weit im Westen von Hell Creek erheben sich die mächtigen Berge der laramidischen Gebirgskette. Im Winter, manchmal sogar noch bis in die Sommermonate hinein sind die höchsten dieser Gipfel von Eis und Schnee bedeckt. Kein angenehmer Ort für Dinosaurier, die ansonsten das subtropisch warme Wetter genießen, doch dieser Dakotaraptor hat einen Abstecher in die eisigen Höhen gemacht. Warum? Ist er auf der Suche nach einem neuen Revier? Wer traut sich, ihn zu fragen?

 

Das Bild stammt von Jonathan Kuo.

 

Wer glaubt, in der Adventszeit würde es ruhiger in der Welt der Urzeitforschung, der irrt. Und zwar gewaltig: Zum Jahresabschluss gab es noch einmal eine ganze Reihe von Meldungen, einige davon sogar sensationell!

Paläo-News


Indosinosuchus kalasinensis: neue Meereskrokodil-Art aus Thailand beschrieben

Als im Jura die tektonischen Prozesse den Superkontinent Pangaea auseinanderrissen, falteten Vulkane den Meeresboden auf. Dadurch stieg der Meeresspiegel massiv an und weite Teile der Welt, die in der Trias noch trockenlagen, lagen im Jura nun unter Wasser. Auch Deutschland entwickelte sich zu dieser Zeit zu einer Landschaft aus Inseln, Riffen und Lagunen, ganz wie auf den Bahamas. Den neuen Lebensbedingungen passten sich die dortigen Tiere perfekt an, allen voran die Krokodile, von denen sich einige nun auf eine Lebensweise komplett im Meer anpassten. Und sie besetzten dabei eine ganze Menge ökologischer Nischen: während die einen gefürchtete und zum Teil sogar recht große Jäger wurden, die im flachen Küstenbereich Meeresschildkröten und anderen Tieren auflauerten, entwickelten sich andere wiederum zu langschnäuzigen „Schnappern“, die in ihrer Nahrungsbeschaffung weniger wählerisch waren.

 

Lebendrekonstruktion eines Indosinosuchus von Nikolay Zverkov.

Auch in Thailand wurden in den vergangenen Jahren immer mehr Überreste von Meereskrokodilen gefunden. Letztes Jahr stellten Wissenschaftler eine neue Gattung aus der Gruppe der bislang nur wenig erforschten Teleosaurier auf, die sie Indosinosuchus („Krokodil aus Indochina“) nannten und mit der Typusart I. potamosiamensis einführten.

 

 

Eine weitere Art wurde nun von Forschern der Universität von Edinburgh neu beschrieben: Indosinosuchus kalasinensis wirft neues Licht auf die Evolution und Anpassungsfähigkeit der Teleosaurier im Oberjura und der frühen Kreidezeit. Er ging wahrscheinlich nicht im Meer, sondern in den Flüssen und Süßwasserseen des prähistorischen Thailands auf die Jagd.

 

Link zur Studie


Große flugunfähige Vögel waren in der Eiszeit weiter verbreitet als bislang gedacht

Wer an große Eiszeittiere denkt, der denkt zuerst an Mammuts, Wollnashörner und Säbelzahnkatzen. Dass es in der sogenannten Mammutsteppe, einer riesigen Tundra-Graslandschaft, die sich von Spanien bis nach Alaska erstreckte, auch noch deutlich mehr Tiere gab, wird dabei oft vergessen, und ganz zuletzt denkt man wohl an große Laufvögel, wenn von der Eiszeit die Rede ist.

 

Laufvögel erreichten auch im eiszeitlichen Europa Riesengröße, wie dieser Pachystruthio dmanisensis (Bildrekonsruktion von Leo Delaunkey).

Tatsächlich waren Verwandte der heutigen Strauße aber im Pleistozän weit verbreitet, und manche von ihnen sogar deutlich größer als ihre heutigen Cousins. Heute kommen große flugunfähige Vögel nur noch in wenigen Gegenden auf dem Planeten vor, doch vor der Ausbreitung des Menschen gehörten sie zu den häufigsten und artenreichsten Bewohnern der Steppe. Eine Forschergruppe um Ferran Sayol von der Universität von Göteborg in Schweden verglichen nun die Daten über gefundene Vogelfossilien und stellten dabei fest, dass es flugunfähige Vertreter in nahezu der Hälfte aller bekannten Vogelordnungen gegeben hat und sich die Flugunfähigkeit etwa 150 Mal unabhängig voneinander entwickelte.

 


Dieser Trend wurde erst gestoppt, als der Mensch auf den Plan trat: vielerorts verschwanden die großen Vögel alsbald, wenn der Mensch in ihrem Lebensraum auftauchte. Wahrscheinlich haben unsere Vorfahren dem großen Geflügel nachgestellt, sie ihres Fleisches und ihrer Federn wegen gejagt und ihre Nester geplündert, die sie aufgrund der Flugunfähigkeit am Boden anlegen musste. Der Bestand der Vögel konnte sich als Resultat nicht mehr schnell genug erholen, Klimawandel und Umweltveränderungen taten ihr übrigens dazu.

 

Link zur Studie


Seroherpeton yangquanensis: Jüngster Vertreter der Embolomeri entdeckt!

Die Embolomeri waren halb ans Wasser gebundene Jäger, die ihre Blütezeit in den Kohlesümpfen des Karbons hatten. Während des Perms ging ihr Artenreichtum stark zurück, bislang waren nur zwei weitere Arten der aalartigen Kreaturen, deren systematische Position irgendwo zwischen den Amphibien und den ersten Reptilien liegt.

Bildrekonstruktion eines Embolomeri von Dimitry Bogdanov.

Forscher beschrieben aber nun eine dritte Art, Seroherpeton yangquanensis, von der Teile ihres Oberkiefers in der Sunjiagou Formation in China gefunden wurden. Sie ist mit einem Alter von etwa 255 Millionen Jahren der jüngste bekannte Embolomeri und ist damit ein Beleg, dass diese Tiergruppe wahrscheinlich doch noch bis zum Ende des Perms überdauerte. Ausgestorben sind diese bizarren Wesen also wahrscheinlich erst bei dem großen Massenaussterben zu Beginn der Trias, zusammen mit wahrscheinlich mehr als 80% aller anderen Tierarten, die die Evolution bis dahin hervorgebracht hatte.

 


Seroherpeton unterscheidet sich von anderen Angehörigen der Embolomeri durch spezielle Schädelmerkmale und insbesondere durch die Stoßzahnartigen Auswüchse des Oberkiefers, die ihn wahrscheinlich zu einem gefürchteten Räuber machten.

 

Link zur Studie


Trilobiten: Vielseitige Alleskönner des Kambriums

Als „Kambrische Explosion“ wird ein Zeitintervall bezeichnet, als sich in der Zeit vor etwa 540 Millionen Jahren in geologischen Maßstäben gesprochen blitzartig eine ganze Reihe neuer Lebewesen entwickelte. Alle heute bekannten Tierstämme fächerten sich damals zu einer enormen Bandbreite an neuen Spezies auf. Zu den vielseitigsten Geschöpfen dieser Zeit gehörten die heute ausgestorbenen Trilobiten.

 

Lebendrekonstruktion von Phantaspis auritus nach Huo Xiuquan.

Wie hoch ihr Artenreichtum, aber auch ihre Spezialisierung auf unterschiedliche Lebensweisen im Kambrium bereits war, enthüllt eine neue Studie unter der Leitung von Zhao Fangchen vom Institut für Geologie und Paläontologie an der chinesischen Wissenschaftsakademie in Nanjing.

 


Hochspezialisierte Trilobiten sind in kambrischen Gesteinsschichten verhältnismäßig selten. Doch einige besaßen auch damals schon charakteristische Kopfstacheln und Mandibeln. Fangchen und sein Team konnten sogar einige neue bislang unbekannte Gattungen und Arten beschreiben, die sie in der Mantou Formation in der Provinz Shandong gefunden hatten, wie zum Beispiel Phantaspis auritus (oben im Bild).

 


Die Trilobiten waren das gesamte Erdaltertums eine höchst erfolgreiche Tiergruppe, die auf dem ganzen Globus vorkam und vor allem Küstenregionen bewohnte. Sie überlebten mehrere große Massenaussterben-Ereignisse, von denen sie sich immer wieder erholen und neu ausbreiten konnten. Am Ende des Perms verschwanden sie jedoch endgültig, engere Verwandte im 21. Jahrhundert haben sie nicht mehr.

 

Bildquelle (oben): HUO Xiuquan

 

Link zur Studie


Neuer Beleg für Flugfähigkeit des Archaeopteryx: Federn zeigen Merkmale einer flugunterstützenden Mauser-Strategie

Das wichtigste Kriterium für einen Vogel, der fliegen möchte, ist die Funktionsfähigkeit seiner Flügel – besser gesagt, seiner Federn. Während andere Tiere mit einer permanenten Flugmembran fliegen, müssen die Federn eines Vogels regelmäßig ersetzt werden. Verliert ein Vogel eine seiner Federn, wächst gleich eine neue nach – man nennt dies „Mauser“.

Archaeopteryx im Flug. Bildrekonstruktion von Jana Růžičková.

Die Mauser muss bei flugfähigen Vögeln aber in einem asynchronen Zyklus geschehen, denn wenn sie alle Federn auf einmal oder kurz hintereinander wechseln würden, könnten ihre Flügel sie ja nicht mehr tragen. Offenbar könnte bereits der Urvogel Archaeopteryx mit so einer flugunterstützenden Mauser-Strategie aufwarten, wie Thomas G. Kaye, Michael Pittman und William R. Wahl in einer neuen Studie herausfanden.

 


Mithilfe von Laser-stimulierter Fluoreszenz-Technologie konnten sie auf den fossilen Federresten Schattierungen nachweisen, die man mit bloßem Auge nicht erkennen kann. Diese Schattierungen deuten klar auf einen asynchronen Federwechsel hin – ein Beleg, dass Archaeopteryx bereits an ein dauerhaft flugfähiges Leben angepasst war.

 

Link zur Studie


Lagerpetiden: waren sie die Vorfahren der Flugsaurier?

In der Erdgeschichte kam es an mehreren Punkten zu explosionsartiger Bildung von neuen Arten, meist als Resultat eines vorherigen großen Artensterbens: die Überlebenden passten sich der veränderten Umwelt an und besetzten ökologische Nischen neu, die zuvor von jetzt ausgestorbenen Tieren eingenommen wurden. So etwas nennt man in der Biologie „Radiation“. Eine besonders große „Artenexplosion“ gab es zu Beginn der Trias, nach dem größten Massenaussterben der Erdgeschichte. Viele neue Tiergruppen entstanden und begannen, den leergefegten Planeten für sich zu erobern: die Dinosaurier taten das an Land, die Ichthyosaurier im Wasser, und die Flugsaurier (Pterosaurier) in der Luft.

 


Doch woher kamen die Pterosaurier? Sicher ist seit langem, dass sie die Schwestergruppe der Dinosaurier sind, aber wann sich ihre Wege trennten und wer ihre frühesten Vorfahren sind, darüber wird noch immer gestritten. Viele Forscher meinen, ihre Spur führt zurück zu den Lagerpetiden, einer Gruppe kleiner, baumbewohnender Archosaurier der frühen Trias.

Ein kleiner Lagerpeton klettert auf einen Baum in der unteren Trias, um Insekten zu jagen. Genau so könnte die Entwicklungsgeschichte der Flugsaurier begonnen haben.

Eine internationale Forschergruppe um Martín D. Ezcurra ist dieser Frage nun ebenfalls nachgegangen und gibt der Lagerpetiden-Theorie neues Futter: sie zeigten anhand der jüngsten Entdeckungen von Schädelüberresten und CT-Scans, die sie an dem bislang vorhandenen Material durchführten, dass die Lagerpetiden eine ganze Reihe gemeinsamer Merkmale mit den Flugsauriern hatten, was ausreicht, um sie zumindest als ihre nächsten Verwandten zu klassifizieren. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die ersten Flugsaurier auch direkt aus ihnen hervorgegangen sind.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Brukterodon und Cheruscodon: zwei neue Säugetiere aus dem Mesozoikum in Deutschland entdeckt!

Mitarbeiter des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) entdeckten bei Grabungen in den Jahren 2002 und 2019 in einem Steinbruch bei Balve im Hönnetal die winzig kleinen Fossilien prähistorischer Säugetiere. Die Fundstücke, einige Zähne von der Größe einer Kugelschreiber-Spitze und Kieferfragmente, kleiner als eine Cent-Münze, wurden nun genauer untersucht.

 


Eine internationale Forschergruppe aus Bonn, Münster und St. Petersburg studierte die Fossilien nun gründlich und konnte sie als die Überreste von bislang unbekannten Säugetieren aus der Gruppe der Multituberculata identifizieren, die während der frühen Kreidezeit bei uns in Deutschland lebten. Die Fossilien sind die ersten bekannten Multituberculata-Funde in Nordrhein-Westfalen überhaupt.

 


Die erfolgreichen Pflanzenfresser ähneln auf den ersten Blick den Nagetieren unserer Zeit, wie z.B. den Eichhörnchen, sie sind aber eine viel ältere Tiergruppe und nicht eng mit den heutigen Nagern verwandt. Ihre Erfolgsstory begann bereits zur Zeit der Dinosaurier und reichte bis ins späte Eozän fort – danach starben sie aus, erst lange Zeit nach den Dinos.

So könnte es in Deutschland vor 125 Millionen Jahren ausgesehen haben. Interpretation nach John Sibbick.

Die neuentdeckte Multituberkulaten wurden nach den germanischen Stämmen benannt, die 125 Millionen Jahre nach ihrem Tod nur unweit der Fundstelle in der berühmten Varusschlacht den römischen Legionen eine empfindliche Niederlage beibrachten. Sie tragen nun den Namen „Cheruscodon balvensis“ (nach den Cheruskern) und „Brukterodon alatus“ (nach den Brukterern).

 

Link zur Studie


Neue Hinweise bestätigen Begräbnispraxis der Neandertaler

Haben Neandertaler ihre Toten bestattet? Diese Frage wird schon seit Jahren in der Anthropologie diskutiert, denn ein „Ja“ wäre ein deutlicher Beleg für die kognitiven Fähigkeiten und das kulturelle Verhalten unserer Schwester-Spezies. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit haben Forscher nun neue Hinweise auf die mögliche Begräbnispraxis der Neandertaler zusammengetragen.

 


Sie untersuchten dabei einerseits Material, dass bereits in den Jahren 1968 bis 1973 an der berühmten Fundstelle La Ferrassie 8 in Frankreich zutage gefördert wurde, sowie bei neueren Feldforschungen im Jahr 2014 und führten eine umfassende taphonomische Studie durch. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Überreste eines etwa zweijährigen Kindes, die dort gefunden wurden, in einer sterilen Grablege lagen, nach Westen hin ausgerichtet begraben wurden.

 

 

Nach der Beschaffenheit der dortigen Topographie wäre diese Ausrichtung völlig untypisch, wäre der Leichnam einfach liegengelassen worden und der Natur überlassen geblieben. Alle Knochen befanden sich zudem in einem gleich guten Erhaltungszustand, was darauf schließen lässt, dass das Kind kurz nach seinem Tod vor etwa 41.000 Jahren begraben wurde. In der Nähe gefundene gleichalte Tierknochen weisen ein ganz anderes Profil auf. Außerdem sind die umgebenden Sedimente auch älter, wie C14-Messungen ergaben, was ebenfalls für den Aushub eines Grabes spricht.

 

So könnte die Bestattung bei den Neandertalern ausgesehen haben. Bildquelle: Ancient Origins.

In anderen Studien wurde bereits früher immer wieder auf Begräbnisrituale der Neandertaler eingegangen, oft auch auf eine mögliche Praxis mit Grabbeigaben. Diese konnten allerdings wissenschaftlich nie genau bestätigt werden, da z.B. die Anwesenheit von Blumenpollen auch durch natürliche Prozesse zu erklären wäre und nicht allein durch die Beigabe von Blumenkränzen. Hier haben wir nun jedoch einen stichhaltigen Beleg dafür, dass ein Kind nach seinem Tod beerdigt wurde, und möglicherweise mit einem zeremoniellen Hintergrund, worauf die Ausrichtung des Grabes nach Westen hinweist.

 

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Ubirajara jubatus: Kleiner Theropode mit Weichteil-Erhaltung und Federn in Brasilien trug Feder-Mähne

Ein internationales Forscherteam, darunter auch der deutsche Paläontologe Eberhard „Dino“ Frey, beschreibt in seiner aktuellen Studie einen bemerkenswerten Fund aus der nordostbrasilianischen Crato Formation: Das Fossil eines kleinen Theropoden aus der unteren Kreidezeit zeigt deutliche Abdrücke von dünnen, einstrahligen Federfilamenten, die entlang von Hals, Rücken und Schwanz eine Mähne bildeten.

 

 

Außerdem besaß das Tier, das vor etwa 120 Millionen Jahren lebte, an den Schultern zwei paar langgezogene Schmuckfederbänder, ganz ähnlich wie sie heute der Bänderparadiesvogel (Semioptera wallacii) trägt. Wahrscheinlich dienten die Federn des Dinosauriers sogar einem ähnlichen Zweck wie bei seinen modernen Pendants: nämlich der Zurschaustellung bei der Balz und anderer Formen der innerartlichen Kommunikation.

 


Derartige Fossilstrukturen sind bislang vor allem aus China bekannt, auf der Südhalbkugel hat man bisher noch niemals so ein gut erhaltenes Fossil entdeckt. Ubirajara jubatus, wie die Forscher das Tier beschrieben, ist auch der erste bekannte Theropode außerhalb der Gruppe der Maniraptora mit ausgeprägten Schmuckfedern.

Lebendrekonstruktion von Ubirajara nach Bob Nicholls.

Allerdings stieß löste das Paper auch einen großen Sturm der Empörung aus: Die brasilianischen Fossilien, die sich nun in Deutschland befinden, sind offenbar nicht so ganz legal aus dem Land gebracht worden. Fossilienschmuggel ist zu einem weltweiten Problem geworden, und mit den gleichen Vorwürfen, die sich Wissenschaftler oft anhören müssen, die mit Bernstein aus Myanmar, Fossilien aus Nordafrika oder der Mongolei arbeiten, müssen sich nun auch die deutschen Forscher auseinandersetzen.

 

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Thalassodraco etchesi: neuer Ichthyosaurier aus England beschrieben

Die wohl am besten an das Leben im Meer angepassten Reptilien aller Zeiten wären wohl die fischähnlichen Ichthyosaurier, die von der frühen Trias bis etwa zur Mitte der Kreidezeit in allen Weltmeeren des Mesozoikums anzutreffen waren. In dieser langen Zeit brachten sie eine ungeheure Fülle von Arten hervor, und obwohl sie zu den am besten erforschten prähistorischen Meerestieren überhaupt zahlen, werden immer noch neue Arten entdeckt.

 


So auch in der Sammlung des Fossilienjägers Steve Etches, der im Jahre 2009 das gut erhaltene Fossil eines eher kleinen Ichthyosauriers von etwa 1,8 m Länge in der Kimmeridge Clay Formation von Dorset gefunden hatte. Megan Jacobs und David M. Martill nahmen dieses Fossil nun genau unter die Lupe und stellten fest, dass es zu einer unbekannten Art gehörte, die sie als Thalassodraco etchesi („Etches‘ Seedrache“) neu beschrieben.

 


Thalassodraco, der am Ende des Jura vor etwa 149 Millionen Jahren lebte, war vermutlich ein Tiefseejäger. Dies legen seine übergroßen Augen und der breite Brustkorb nahe, die es dem Tier ermöglichten, seinen Atem sehr lange anzuhalten und auch in nahezu völliger Dunkelheit noch sehen zu können.

Lebendrekonstruktion von Thalassodraco, alle Bildquellen von der Paper-Autorin Megan Jacobs.

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Waren Menschen schon vor mehr als 130.000 Jahren in Amerika?

Ein internationales Forschungsteam um Luc Bordes meint, neue Beweise dafür gefunden zu haben. Sie untersuchten Fossilien, die sie an der Cerutti Mastodon Site gefunden haben – Überreste von Elefantenverwandten, die – nach ihrer Interpretation – durch von Menschenhand gemachte Werkzeuge bearbeitet wurden. Ich bin da wie der Großteil der Wissenschaftler allerdings sehr skeptisch, denn alle bisherigen Erkenntnisse lassen nur den Schluss zu, dass Menschen erst frühestens vor etwa 20.000 Jahren Amerika erreichten. Die vermeintlichen Verarbeitungsspuren können genauso gut durch natürliche Einflüsse, oder auch durch die Bauarbeiter verursacht worden sein, die an der Fundstelle werkelten – wobei die Fossilien überhaupt erst ans Licht kamen.

 

Um euch aber ein eigenes Bild zu machen, lest am besten selbst nach. Hier der Link zur Studie.

 

Ob die in der „Cerutti Mastodon Site“ gefundenen Spuren tatsächlich von Menschen-Werkzeugen verursacht wurden, mag bezweifelt werden. Um euch aber ein eigenes Bild zu machen, lest am besten selbst nach: Hier der Link zur Studie.

Für die wahrscheinlichere Besiedlungsgeschichte gibt es nämlich tatsächlich neue Belege und keine bloß vagen Vermutungen:  Fossile Pollen und Insekten deuten darauf hin, dass in Alaska vor etwa 20.000 Jahren ein verhältnismäßig mildes Klima herrschte. Ein Team um James Rae von der University of St Andrews sammelte anhand von Sedimentproben aus der Tiefsee Daten über Salz- und Nährstoffgehalt sowie die Strömungen des Pazifiks am Ende des Pleistozäns. Dabei stellten sie fest, dass der Pazifik einst deutlich salziger und auch reicher an CO2 war als heute, und dass er wohl eine relativ warme Meeresströmung nach Norden führte, was ein angenehm mildes Klima zur Folge hatte.

 

 

Über die damals eisfreie Beringstraße, die wegen des niedrigen Meeresspiegels trockenes Land war, gelangten Menschen wohl über Kamtschatka nach Nordalaska, wo sie mehrere Jahrtausende siedelten.

 

 

Eine Gletscherwand versperrte ihnen allerdings den Weg, tiefer nach Nordamerika vorzudringen. Wie und wann genau die ersten Menschen dort ankamen, ist nach wie vor nicht genau beantwortet: entweder, dies gelang ihnen über den Landweg erst, als sich die Gletscher am Ende der Kaltzeit vor etwa 15.000 Jahren wieder zurückzogen, oder sie gelangten über den Seeweg vielleicht sogar schon früher an die Gestade der nordamerikanischen Westküste.

 

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Messelopython freyi: Ältester bekannter Python kommt aus Deutschland!

Pythons gehören zu den größten Schlangen der Erde. Sie sind zwar nicht giftig, aber trotzdem hocheffiziente Killer, die ihre Beute mit einem festen Würgegriff töten. In einem blitzschnellen Angriff gepackt, hat kaum ein Beutetier eine Chance, ihnen wieder zu entkommen. Ein Python kann dank seiner aushakbaren Kiefer auch Beutetiere verschlingen, die weitaus größer ist als sein Kopf und fast an sein eigenes Gewicht herankommt. Nach dem Verschlingen seiner Beute kann er dann monatelang von dieser zehren und sich ausruhen – abgesehen von ihren gelegentlichen Jagdzügen führen Pythons also ein sehr entspanntes Leben.

 


Dieses Leben begann bereits im frühen Eozän, vor rund 47 Millionen Jahren. So alt ist der bislang älteste je gefundene Vertreter der Pythons, der nun als Messelopython freyi benannt wurde, nach dem Fundort in der Grube Messel bei Darmstadt und zu Ehren des Paläontologen Eberhard „Dino“ Frey. Der rund einen Meter lange Messelopython ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Ursprung der Pythons nicht etwa in Afrika oder Südostasien zu finden ist, wo heute das Hauptverbreitungsgebiet dieser Riesenschlangen ist. Überraschenderweise stammen sie offenbar aus Mitteleuropa und haben sich von dort aus in der Alten Welt ausgebreitet!

 


Während des Eozäns war es in Deutschland tropisch heiß und unsere Heimat von üppigen Regenwäldern bedeckt, ein idealer Lebensraum also für Schlangen. Auch Eoconstrictor fischeri, eine weitere frühe Riesenschlange, allerdings aus der Gruppe der Boas, ging dort auf die Jagd, was belegt, dass Pythons und Boas einst im gleichen Lebensraum vorkamen und sich nicht wie bislang gedacht in getrennten Biomen konvergent entwickelt haben.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Die „Superkräfte“ der Langschnäbel

Im verlängerten Schnäbeln von Kiwis, Ibissen, Brachvögeln, Schnepfen und viele anderen modernen Vögel steckt eine wahre Superkraft: durch sehr empfindliche Drucksensoren an der Schnabelspitze sind sie imstande, ihre Beute aufzuspüren – meist Insektenlarven, Würmer, kleine Krebse und andere Tiere, die verborgen im Boden leben. Manche Vögel können feinste Bewegungen ihrer Beute in Form von leichten Vibrationen direkt spüren, andere nutzen dagegen Töne im Ultraschallbereich, um ähnlich wie Fledermäuse oder Delfine mit einer Art Echo-Ortung Nahrung zu finden.

 


Erstaunlicherweise besitzen auch heutige große Laufvögel wie Emus oder Strauße ähnliche Sinnesgruben in ihren Schnäbeln. Zwar ernähren sich diese Vögel völlig anders, aber diese noch vorhandenen Rezeptoren weisen darauf hin, dass es Rudimente sind, und dass Vögel diese „Superschnäbel“ bereits vor langer Zeit entwickelten.

 

Die Wissenschaftler C. J. du Toit, A. Chinsamy und S. J. Cunningham kamen nun dem Geheimnis der Superschnäbel auf die Spur:

Offenbar besaßen bereits im Paläozän einige Vögel aus der Familie der Lithornithidae wie Lithornis promiscuus genauso empfindliche Schnäbel, mit denen sie auf exakt die gleiche Art und Weise Beute fanden, wie es die Langschnäbel unserer Zeit tun.

 

Es ist durchaus möglich, dass die Entwicklung von Druckrezeptoren noch zu Zeiten der Dinosaurier erfolgte, sogar vor der Trennung von Ur- und Neukiefervögeln. Damit besäßen alle heutigen Vögel die Anlagen für solche Superschnäbel. Dieses Rätsel zu lösen ist aber noch eine weitere Aufgabe für die Forscher, die sich nun erst einmal der Frage widmen, wie tief die heutigen Langschnäbel ihre Beute im Boden eigentlich aufspüren können.

 

Lebendrekonstruktion von Lithornis promiscuus nach Jack Wood.

 

 

Link zur Studie


Nach Untergang der Dinosaurier: Explosionsartige Ausbreitung von Wäldern nachgewiesen

Eines der größten und sicherlich berühmtesten Massenaussterben der Erdgeschichte ereignete sich am Ende der Kreidezeit. Als die Nahrungskette infolge eines gewaltigen Asteroideneinschlags zusammenbrach, gehörten vor allem Tiere mit einem hohen Energieverbrauch zu den großen Verlierern. Was sich aber für Dinosaurier, Pterosaurier und die großen Meeresreptilien als Apokalypse herausstellte, war für andere Lebewesen aber offenbar ein Segen.

 


Wo es Verlierer gibt, da gibt es immer auch Gewinner. Und zu Beginn des Paläozäns waren das die Wälder, wie Forscher der McGill University nun belegen konnten. In den fluvialen Ablagerungsschichten der KP-Grenze in Saskatchewan, Kanada, fanden sie viele Spuren, die auf einen drastischen ökologischen Wechsel hindeuten. Nadelwälder und Farnprärien, Zykadeenhaine und Mangroven verschwanden, während sich nun vor allem dichte Laubregenwälder ausbreiten – und das rasant, so verraten die Proben.

In Ablagerungen aus dem kanadischen Saskatchewan fanden Forscher Hinweise auf einen drastischen Wandel der Ökosysteme nach dem plötzlichen Ende der Kreidezeit.

Diese explosionsartige Verwaldung hat nach Ansicht der Forscher zwei entscheidende Gründe: einerseits stieg nach dem Einschlag der CO2-Gehalt in der Atmosphäre extrem an. Dies hatte einerseits starke Auswirkungen auf den Treibhauseffekt, sodass es deutlich wärmer würde, andererseits hatten die Pflanzen nun viel mehr Kohlenstoff zur Verfügung, um ihre Biomasse zu vergrößern. Der zweite Grund war natürlich auch das Verschwinden der Dinosaurier: ohne die großen Pflanzenfresser, die in den Baumwipfeln weiteren, konnten die Bäume nun ungehindert wachsen.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Kein prähistorisches Pompeii: Psittacosaurus starb durch Erdrutsch, nicht durch vulkanischen Aschestrom

In der chinesischen Yixian Formation haben Forscher viele exzellent erhaltene Dinosaurierfossilien gefunden. Oft sind sogar Haut und Federn konserviert – was bei der Fossilisation äußerst ungewöhnlich ist. Der Grund für diese tollen Erhaltungsbedingungen: in der Kreidezeit kam es in der Gegend immer wieder zu verheerenden Vulkanausbrüchen, und ganz wie in der römischen Stadt Pompeii, die 79 n. Chr. in der vulkanischen Asche versank, fanden auch viele Dinosaurier ihr Ende durch die Gewalt, die aus dem Inneren der Erde kam.

 

In Yixian fanden viele Dinosaurier ihr Ende durch pyroklastische Ströme und Lahare, die während verheerender Vulkanausbrüche entstanden. Hier eine Bildinterpretation von John Sibbick.

Doch die Entstehungsumstände eines Psittacosaurus-Fossils müssen nun in einem neuen Licht betrachtet werden: Forscher vermuteten bisher, dass Tier sei von einem pyroklastischen Strom erfasst worden – einer tödlichen, viele hundert Grad heißen Wolke aus Asche, Lava und sich schnell bewegenden Gasen; oder einem Lahar, einer vulkanischen Schlammlawine.

Radiometrische Untersuchungen haben nun ergeben, dass die umgebende Fossilmatrix deutlich ältere Gesteinskörnchen enthält, als die fossilierten Knochen alt sind. Während der Psittacosaurus vor 125 Millionen Jahren starb, sind manche der Körner gut zehnmal so alt. Sie sind also nicht während der Kreidezeit entstanden.

Die Matrix des fossilen Psittacosaurus enthält Granulate, die nicht zur selben Zeit wie das Fossil entstanden sein können. Ein deutliches Indiz, das gegen die Todesursache Vulkanausbruch spricht.

Wahrscheinlicher ist, dass der Psittacosaurus also nicht bei einem Vulkanausbruch starb, sondern von einem Erdrutsch oder einem Schlammstrom lebendig begraben wurde. Es ist gut möglich, dass sich der Dinosaurier zuvor in eine Höhle oder einen Erdbau zurückgezogen hatte, als ihn der Tod ereilte, ganz ähnlich wie der kleine Ornithopode Changmiania, der dieses Jahr neu beschrieben und in einer Schlafpose gefunden wurde.

 

Link zur Studie, Download als pdf


Das war es für dieses Jahr mit den Paläo-News im „Wort zum Sonntag“.  Doch nächstes Jahr geht es sofort weiter mit spannenden Neuigkeiten aus der Urzeit!


Artikel der Woche

 

In der letzten Folge meiner laufenden Serie „Film vs. Wissenschaft“ nahm ich mir die letzte Episode der Doku-Reihe „Die letzten Jahre der Dinosaurier“ unter die Lupe – eine meiner Lieblingsfolgen, in welcher ein Velociraptor-Weibchen namens White Tip um ihr Überleben kämpft. Doch wie akkurat ist diese Doku heute noch, 17 Jahre nach ihrer Erstausstrahulung?


Jetzt verabschiede ich mich erst einmal in den Weihnachtsurlaub. Auf meiner Facebook-Seite wird es aber trotzdem noch einige Beiträge geben. Wir lesen uns wieder am zweiten Januar des neuen und hoffentlich besseren Jahres 2021!


Ach ja, und bitte mach bei meiner Buch-Aktion und dem Gewinnspiel mit! Du kannst mich damit wirklich sehr unterstützen.

 

Viele liebe Grüße aus dem weihnachtlichen Kiel

 

Markus Kretschmer

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