Mein Wort zum Sonntag – 21. Februar 2021

Lesedauer: etwa 23 Minuten
image_pdfimage_print

Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Der Winter scheint sich endlich dem Ende zu nähern. Das heftige Schneechaos, das viele Teile Deutschlands in den letzten Wochen erleben mussten, hat uns in Kiel eher kalt gelassen – im positiven Sinne. Hier fiel bloß letzte Woche einmal richtig Schnee. Ich habe den Tag genutzt, um endlich einen schönen Winterspaziergang am Strand zu machen. Bei dichtem Nebel zwar, aber es war wirklich stark. Ich kann jedem nur raten, das auch einmal zu machen!


Ankündigungen

Die Website zu „Die weißen Steine“ steht in den Startlöchern. In naher Zukunft werden meine Beiträge in besserer Qualität von meiner eigenen Seite erreichbar sein. Natürlich auf Facebook und Instagram aber weiterhin so wie gehabt! Wenn es losgeht, sage ich noch einmal Bescheid.


Mein neuer Verlag wird außerdem bald mit der Arbeit an „Die weißen Steine II – Blut der Sonne“ beginnen. Das Buch wird dieses Jahr noch erscheinen, voraussichtlich im Frühsommer. Wer den ersten Band noch nicht hat, darf mir gerne eine Nachricht schreiben – ich habe noch ein paar Exemplare bei mir auf Lager! Ihr bekommt sie von mir natürlich auch gern mit persönlicher Widmung, zum kleinen Preis von € 12,10 (inklusive Portokosten innerhalb Deutschlands).


Bild der Woche

Ein Struthiomimus-Weibchen mit ihrem Nachwuchs wandert über die Ebenen von Hell Creek, auf Nahrungssuche. Die Dino-Mama hält dabei wachsam Ausschau nach Bedrohungen.

 

Das Bild stammt von Julio Lacerda.

 


Paläo-News

Auch in den letzten Wochen gab es wieder viele spektakuläre Nachrichten aus der Urzeitforschung:


Die Seychellen in der Eiszeit: als Krokodile Jagd auf Riesenschildkröten machten

Als bei uns in Europa die Weichsel-Würm-Kaltzeit begann und Mammuts, Wollnashörner und Riesenhirsche durch die Tundra stapften, wäre der Aldabra Atoll auf den Seychellen wohl ebenfalls ein interessantes Reiseziel gewesen: Internationale Forscher aus der Schweiz, Italien und Deutschland arbeiteten mit örtlichen Experten zusammen, um eine interessante ökologische Verbindung zwischen Krokodilen und Schildkröten zu rekonstruieren.

 

 

Das UNESCO-Weltkulturerbe Aldabra Atoll beherbergt heute etwa 100 000 Riesenschildkröten (Aldabrachelys gigantea), deren Fossilienbestand bis ins späte Pleistozän zurückreicht. Grabungen in Schichten mit einem Alter von ca. 90–125 000 Jahren gaben Knochen und Panzer von Riesenschildkröten frei, sowie mehrere Schädel und Rumpfknochen von Krokodilen. Mehrere Schildkrötenknochen weisen kreisförmige Löcher, Gruben und Kratzspuren auf, die als Bissspuren von Krokodilen interpretiert werden.

 

 

Dass es dort große Krokodile der Art Aldabrachampsus dilophus gab, die immerhin 2 bis 3 m Länge erreichten, ist seit einiger Zeit bekannt, aber die kürzlich vorgestellten Krokodilreste, die in der neuen Studie vorgestellt werden, sind deutlich größer als die zuvor beschriebenen. Dies weist auf das Vorhandensein mindestens einiger größerer Krokodile derselben oder einer anderen Art auf dem Atoll hin. Diese größeren Krokodile, wahrscheinlich die Apex-Raubtiere im Aldabra-Ökosystem zu dieser Zeit, waren in der Lage, selbst die sehr großen Riesenschildkröten zu erbeuten und ihre Panzer zu knacken.

 

Bildquellen und Link zur Studie



Anzeige

Ein Zwergsauropode und seine Welt – mitten in Europa

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese alte Weisheit ist der Grundtenor dieser Graphic Novel, einem Comic im Buchformat, welche ein Inselökosystem in Norddeutschland vor 154 Millionen Jahren wieder zum Leben erweckt. Der titelgebende Zwergsauropode Europasaurus, welcher im Steinbruch Langenberg in Niedersachsen 1998 gefunden wurde, steht im Zentrum und ist gleichzeitig narrativer Faden durch die Handlung. Aber er ist nur ein Teil eines viel größeren Ensembles. In mehreren Episoden wird das Leben der damaligen Tiere in ihrer Umwelt visuell erzählt. Die Geschichten sind stimmig miteinander verknüpft, sodass das jurazeitliche Ökosystem in all seinen bisher bekannten Facetten dargestellt werden kann. Damit werden die Forschungsergebnisse der langjährigen Arbeiten am Langenberg für ein breites Publikum erschlossen. (Aus einer Amazon-Rezension)

 

EUROPASAURUS: Urzeitinseln voller Leben – Life on Jurassic Islands ist am 3. November 2020 bei Dr. Friedrich Pfeil erschienen und hat 184 Seiten auf Deutsch und Englisch.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

Gesichtsform von amerikanischen Ureinwohnern geht z.T. auf Gene von Denisova-Menschen zurück

Sie sind wahrscheinlich die rätselhaftesten aller Menschenarten, hatten aber dennoch einen gewaltigen Einfluss auf unsere heutige Diversität: die Denisova-Menschen. Fossil nur spärlich überliefert, wird ihre Existenz vor allem durch Genanalysen belegt. Wir wissen heute, dass sie wahrscheinlich die Schwesterspezies des Neandertalers waren und so wie er wohl vor etwa 300.000 Jahren aus Populationen des Heidelberg-Menschen hervorgingen. Bis vor etwa 40.000 Jahren besiedelten sie große Teile Asiens.

 

Wie auch mit den Neandertalern in Europa haben sich unsere eigenen Vorfahren (Homo sapiens) auch mit Denisovanern erfolgreich vermischt, besonders in Südost- und Nordasien, wo ihre Population wohl ziemlich früh in der unseren aufging. Dabei haben sie einige ihrer Eigenschaften an ihre Nachfahren vererbt, wie nun durch eine neue Studie von Kaustubh Adhikari vom University College, London und seinen Forschungskollegen bestätigt werden konnte.

 

 

In ihrer Arbeit nahmen Adhikari und sein Team Genproben von über 6.000 Menschen lateinamerikanischer Herkunft. Dabei konnten sie 32 Gensequenzen (Loci) lokalisieren, die für die Beschaffenheit des Gesichts verantwortlich sind: Größe und Form von Nase, Lippen, Kiefer und der Augenbrauen werden durch diese Gene codiert. Das überraschende: mindestens eines dieser Gene wurde offenbar direkt von den Denisovanern ererbt, wie aus Vergleichsanalysen hervorging. Das TBX15-Gen, was z.B. die Dicke der Lippen codiert, stammt von den Denisovanern. In der Studie konnten auch gänzlich neue Gene identifiziert werden, über deren Funktion zuvor noch Unklarheit herrschte: das VPS13B-Gen ist z.B. für die Form der Nase verantwortlich.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Neue Fossilien von Bodenfaultier Megatherium beschrieben!

Das „Riesenfaultier“ ist wohl eines der bekanntesten Eiszeittiere der beiden Amerikas, nicht erst durch die Rolle des „Sid“ im Animationsfilm „Ice Age“. Eigentlich sollte man diese Tiergruppe aber eher „Bodenfaultiere“ nennen, denn nicht alle von ihnen waren riesig. Manche Gattungen entwickelten sich sogar zu Meerestieren weiter, die vermutlich ähnlich wie Seekühe lebten. Doch auch sowohl die Bodenfaultiere als auch die Meeresfaultiere sind heute ausgestorben.

 

Lebendrekonsturktion eines Megatherium von Brian Engh.

 

Megatherium war die bei weitem größte Gattung aller je existierenden Faultiere. Während des Pleistozäns spielte die Art M. americanum mit ca. 4 Tonnen Gewicht schon in der Liga der Mastodons und Mammuts! Megatherium war ein Hochlandbewohner, einige Arten lebten auch in der Bergregion der Anden, wobei diese jedoch oft kleiner waren. Der engste Verwandte von Megatherium, Eremotherium, war dagegen im Flachland verbreitet und erreichte über den Isthmus von Panama auch Nordamerika. Megatherium war dagegen nur auf Südamerika beschränkt.

 

 

Einige Zeit früher, noch vor den Eiszeiten und während der Epoche des Pliozäns, existierte zwischen den Amerikas noch keine Landbrücke. Doch schon damals hatten die Megatherien Südamerikas die Größe von heutigen Nashörnern. Die rund 3,6 Millionen Jahre alten Fossilien, die in der Chapadmalal Formation von San Eduardo del Mar gefunden wurden, gehören zu der Art M. altiplanicum und belegen seine Anwesenheit zu dieser Zeit auch in Argentinien, wo man bislang noch keine so alten Überreste von Megatherium fand. Die Fossilien, ein gut erhaltener Schädel mit Zähne und Teile des Rumpfskeletts, stammen vermutlich von einem Jungtier.

 

Link zur Studie


Tiktaalik rosae: Änderung der Ernährungsweise spielte große Rolle beim Landgang der ersten Wirbeltiere

Während viele Fische ihre Beute in einer Kombination aus schnappen und ansaugen in ihr Maul bekommen, muss ein Landtier vor allem zupacken und kräftig beißen können. Doch wie weit waren die allerersten Landwirbeltiere dazu schon in der Lage? Dieser Frage gingen die Paläontologen Justin B. Lemberg, Edward B. Daeschler, und Neil H. Shubin auf den Grund und untersuchten dazu die Schädelanatomie des ersten „laufenden“ Fisches Tiktaalik rosae, der im Oberdevon vor ca. 380 Millionen Jahren lebte.

 

Lebendrekonstruktion von Tiktaalik rosae nach Kalliopi Monoyios.

 

Die Forscher entdeckten dabei, das Tiktaalik bei einer erheblichen Umstrukturierung des Schädels im Vergleich zu seinen noch vollaquatischen Verwandten zur über einen beweglichen Schädel verfügte, der ihm das Beißen und Knacken erleichterte, und dass er auch gleichzeitig Fressen und Atmen konnte.

 

 

Die Analyse der Schädelnähte legt außerdem nahe, dass die Fähigkeit, die Wange und den Gaumen seitlich auszudehnen, während des Übergangs von Fisch zu Tetrapode erhalten blieb, sodass Tiktaalik auch noch wie ein Fisch im Wasser seine Beute ansaugen konnte, so wie es heutige Alligatorenfische auch tun. Diese Eigenschaft könnte ein wichtiger Zwischenschritt in der Entwicklung einer für Landtiere typischen Ernährungsweise gewesen sein, indem die Fähigkeit zum Ansaugen zunächst beibehalten und gleichzeitig ein Mechanismus für das Zubeißen entwickelt wurde.

 

Link zur Studie


Überraschende Erkenntnis: wir sind deutlich „primitiver“ als bisher gedacht!

Was brauchten unsere frühesten Vorfahren, bevor sie aus dem Wasser ans Land kamen? Ganz einfach, Beine und Lungen, würden die meisten wohl antworten, und dabei denken, dass sich beides wohl ziemlich gleichzeitig und nahe zu der Zeit entwickelt haben muss, als die ersten Ur-Tetrapoden auftauchten, wie Tiktaalik oder Acanthostega. Doch wie Forscher der Universität Kopenhagen nun herausfanden, sind beide Merkmale tatsächlich schon 50 Millionen Jahre älter und traten schon bei relativ primitiven Knochenfischen auf, die ausschließlich im Wasser lebten.

 

 

Dazu untersuchten die Forscher die Genomsequenzen von vier verschiedenen Linien der Knochenfischen: Flösselhechte (Polypteriformes), Löffelstöre (Acipenseriformes), Kahlhechte (Amiiformes) und Alligatorenfische (Lepisoteiformes) besitzen alle die gleichen genetische Anlagen, die bei den Landwirbeltieren für die Ausbildung von Lungen und Gliedmaßen zuständig sind. Die bislang lediglich morphologisch begründete Homologie zwischen Schwimmblase und Lunge konnte außerdem nun auch das erste Mal genetisch belegt werden: beide Organe werden durch exakt die gleichen Gene codiert. Und auch die Anlagen für ein Herz-Kreislauf-System, das eine effiziente Luftatmung mit der Lunge überhaupt erst möglich macht, haben sogar alle Kieferfische schon in ihren Genen.

 

 

Die Wege, die wir Landwirbeltiere also einst gehen sollten, wurden von der Evolution also bereits viele Millionen Jahre früher angelegt, als sich einige dann tatsächlich aufmachen sollten, sie zu beschreiten. Und dazu waren gar nicht so viele Neumutationen nötig!

 

Bildquellen und Link zur Studie


Wie aus Flossen Beine wurden – und auch wieder werden könnten!

Wie „kurz“ der evolutionsbiologische Weg von der Flosse zu den Gliedmaßen eines Landbewohners ist, veranschaulicht eine weitere Studie: dort haben Forscher der Harvard University und des Bostoner Kinderkrankenhauses untersucht, was auf genetischer Ebene geschieht, um unterschiedliche Muster im Flossenskelett gegenüber dem Gliedmaßen-Skelett zu steuern.

Ein Zebrabärbling (Danio rerio). Bildquelle: Wikipedia.

 

Dabei stießen sie auf ungewöhnliche Mutationen beim Zebrabärbling, eines kleinen Knochenfischs, der wild vor allem im Ganges lebt, aber auch als Aquarienfisch sehr beliebt ist. Die Zebrabärblinge bildeten in ihren Brustflossen häufig überzählige und zu lange Knochen aus. Diese neuen Knochen integrierten sich in die Muskulatur, bildeten Gelenke und artikulierten mit benachbarten Elementen, sodass den Fischen keine Nachteile bei der Fortbewegung entstanden.

 

 

Ursächlich für die Ausprägung dieser gliedmaßenähnlichen Flossen ist eine Mutation am Hox11-Gen, dem gleichen Gen, das bei einem Defekt bei Landwirbeltieren für schwere Missbildungen an den Vordergliedmaßen verantwortlich ist, wie sie z.B. bei Mäusen häufig vorkommt. Dies ist ein weiterer klarer Beleg für eine Homologie der Entwicklung von Brustflosse und Armskelett.

 

Link zur Studie


Abstammungsgeschichte von Ur-Primaten erforscht

Die Ablagerungsschichten des südlichen Bighorn Basins in Wyoming, die sich im frühen Eozän vor etwa 55 bis 50 Millionen Jahren bildeten, sind für ihre reichen Ölvorkommen bekannt. Weitaus weniger Beachtung finden meist die Säugetierfossilien, die sich aus dieser Zeit dort erhalten haben. Obwohl sie sicherlich sehr interessant sind, denn dort könnten die frühesten bekannten Primaten und damit auch die ältesten Vorfahren von uns Menschen gelebt haben.

 

 

In einer neuen Studie beschreiben Mary T. Silcox und ihre Forschungskollegen die Fossilien von drei kleinen Säugern aus der Unterfamilie der Microsyopinae, eines frühen Seitenzweigs der Primaten. Sie konnten im Bighorn Basin mehrere Fossilien der Gattung Arctodontomys, zumeist Zahnfunde, sicherstellen. Dabei stellte sie fest, dass die Fossilien der kleineren Art A. wilsoni, in jüngeren Schichten durch die deutlich größeren Fossilien von A. nuptus ersetzt werden. Diese wird dann in den jüngsten Schichten wiederum durch die Art Microsyops angustidens abgelöst. Forscher gingen längere Zeit davon aus, hier ein direktes Abstammungsverhältnis zwischen den drei Primaten nachweisen zu können.

 

Lebendrekonstruktion der Ur-Pimatan aus der Wiley Online Library.

Doch nun fand man Fossilien der „mittleren“ Art A. nuptus auch in Schichten, die 60 m über den ältesten Fossilien von M. angustidens lagen. Beide Primaten haben also eine recht lange Zeit noch nebeneinander existiert. Es ist also wahrscheinlich, dass sich die kleinen, insektenfressenden Primaten dort eher in mehrere Population und schließlich Arten aufgespalten haben, und sie haben es in nur fünf Millionen Jahren geschafft, von der Größe einer Maus zur Größe eines Wiesels heranzuwachsen.

 

Link zur Studie

 

 


Postosuchus vs. Typothorax: Bissmarken enthüllen urzeitliches Massaker

In der späten Trias, als die Geschichte der Dinosaurier gerade erst begann, teilten sie sich die Welt noch mit vielen anderen, archaischen Reptilien und hatten auch noch längst nicht die „Herrschaft“ in ihren Ökosystemen inne. Die Top-Räuber dieser Zeit waren die Rauisuchier, zweibeinig laufende Verwandte der Krokodile, mit mächtigen Kiefern, die auch die härteste Beute zur Strecke bringen konnten.

 

Die Bissmarken auf dem Panzer des Typothorax zeigen, dass das Tier regelrecht zerfetzt wurde. Lebendrekonstruktion: Jeff Martz

 

Wie viel Kraft in so einem Rauisuchier-Kiefer steckte, können jüngst entdeckte Fossilien aus dem Petrified Forrest in Arizona nur erahnen lassen: auf den Knochen des Aetosauriers Typothorax coccinarum, eines großen, gepanzerten Pflanzenfressers, der ebenfalls mir den Krokodilen verwandt war, entdeckten Forscher nun Bissspuren eines großen Fleischfressers. Die Fraßrillen passen perfekt zu den Zähnen des Postosuchus kirkpatricki, eines sechs Meter langen Rauisuchiers.

 

Lebendrekonstruktion eines Postosuchus, ebenfalls von Jeff Martz.

 

Ob der mächtige Räuber seine Beute selbst zur Strecke gebracht hat, oder ob er nur an einem Kadaver fraß, lässt sich leider nicht mit Sicherheit sagen.

 

Link zur Studie


Wie die Dinos von Südamerika bis zum Nordpol kamen

Die Dinosaurier haben sich neuesten Erkenntnissen nach auf der Südhalbkugel entwickelt. Die ältesten Fossilien stammen aus der Trias von Südafrika, Brasilien und Argentinien und sind zwischen 245 und 235 Millionen Jahre alt. Spätestens vor 230 Millionen Jahren waren die zwei großen Hauptgruppen der Sauropodomorpha und der Theropoda über weite Teile des Südens von Pangaea verbreitet, des Superkontinents, der damals alle Landmassen in sich vereinte.

 

Der Urkontinent Pangaea. Eingezeichnet sind mehrere bekannte Dinofundstellen aus der Trias.

 

Und genau hier stoßen Forscher auf ein großes Rätsel: wieso gab es damals im Norden Pangaeas noch keine Dinosaurier? In dem Teil, der später zu Nordamerika werden sollte, tauchen sie erst vor 224 Millionen Jahren auf. Europa und Nordasien erreichte sie noch später. Und im nördlichsten Winkel Grönlands sind ihre Spuren erst vor rund 215 Millionen Jahre nachzuweisen. Da alle Kontinente zusammenhingen, und es auch keine hohen Gebirge gab, die den Dinos den Weg versperrten, so ist ihr „Schneckentempo“ kaum zu erklären, besonders wenn man bedenkt, wie erfolgreich diese Tiergruppe einmal werden sollte.

 

 

Das Rätsel zu lösen könnte den Paläontologen Dennis V. Kent and Lars B. Clemmensen nun gelungen sein: sie vermuten einen Zusammenhang zwischen der Migration der Dinosaurier und einem plötzlichen Absinken des CO2-Gehalts in der Atmosphäre, der einen drastischen Klimawandel in der Zeit vor etwa 215 bis 212 Millionen Jahren zur Folge hatte. Zuvor war der Norden Pangaeas eine raue, von trockenen Wüsten gezeichnete Landschaft, wo Dinosaurier, die in feuchten Wäldern und fruchtbaren Tiefebenen gediehen, nicht gut zurechtkamen. Erst als das Klima milder und feuchter, und die Vegetation üppiger wurde, habe es die Dinos auch weiter nach Norden gezogen.

 

Link zur Studie


Deutschland gehörte während der letzten Eiszeit zu den trockensten und staubigsten Orten der Erde!

 

Zu dieser Erkenntnis kam ein geologisches Forscherteam unter der Leitung der Universität von Kopenhagen nach einer umfassenden Analyse der Löss-Ablagerungen von Nußloch bei Heidelberg. Durch Lumineszenz-Datierung und C14-Messungen ermittelte das Team die jeweilige Dauer der Ablagerungsperioden und konnte diese in Bezug zur Menge des vom Wind eingetragenen Staubs setzen.

 

 

So stellten sie überraschend fest, dass es in Mitteleuropa besonders in der Zeit vor dem letzten Vereisungshöhepunkt, vor 28.900 bis 23.300 Jahren, zu massiven Staubablagerungen gekommen sein muss, oft als Resultat verheerender Staubstürme, die über die ausgetrockneten Kaltsteppen fegten. Pro Jahr blieben damals auf einem Quadratmeter bis zu drei Kilogramm Staub liegen, dreimal so viel wie z.B. in den Trockensteppen Chinas.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Fluvionectes sloanae: Gut erhaltener Süßwasser-Elasmosaurier beschrieben!

Die Plesiosaurier gehörten zu den formenreichsten Meeresbewohnern des Mesozoikums. Von mächtigen Top-Jägern über geschickte Fischer bis hin zu gemächlichen Filtrierern besetzten sie bis zu ihrem Aussterben am Ende der Kreidezeit alle möglichen ökologischen Nischen. Doch nicht nur in den Ozeanen: einige Plesiosaurier lebten auch im Landesinneren, in Flüssen, Lagunen und großen Seen.

 

Fluvionectes in seiner natürlichen Umgebung. Rekonstruktion von Andrea Elena Noriega.

 

Schon aus jurassischen Ablagerungen aus Europa sind ihre Fossilien auch in Flusssedimenten nichts Außergewöhnliches. Doch nun fanden James A. Campbell und seine Kollegen in der kanadischen Dinosaur Park Formation die gut erhaltenen Überreste eines etwa 5m langen Plesiosauriers, der wahrscheinlich zu den meist langhalsigen Elasmosauriern gehörte. Fluvionectes sloanae, wie die Forscher das Tier nun beschrieben, ist der bislang am besten erhaltene Süßwasser-Plesiosaurier und lebte genau im gleichen Lebensraum wie viele Entenschnabel- und Horndinosaurier! In den Flussdeltas und Süßwasserseen fanden kleinere Plesiosaurier offenbar reiche Fischgründe.

 

 

Viele dieser Seen hatten aber zumindest zeitweilig auch einen Zugang zum Western Interior Seaway und damit zum offenen Meer, weshalb man auch nicht ausschließen kann, dass Fluvionectes nur gelegentlich die Flüsse hinaufschwamm und ansonsten wie seine Verwandten im Meer lebte. Vielleicht benutzte er das Süßwasser nur als Kinderstube.

 

Link zur Studie


Die „Boring Billion„: Gebirgsbildung stagnierte vor 1,8 Milliarden Jahren, und damit auch die Evolution der Lebewesen?

Die Erde hatte offenbar eine Midlife Crisis. Nur gingen ihr da nicht etwa die Haare aus, sondern vielmehr die Berge! Eine Forschergruppe um Ming Tang von der Universität Beijing untersuchte die sich verändernde Zusammensetzung von Zirkon-Mineralien, die in der Erdkruste vor mehreren Milliarden Jahren kristallisierten und ein guter Indikator für Sedimentations- und orogenetische Prozesse (Ablagerungen und Gebirgsauffaltung) sind.

 

 

Dabei fanden die Wissenschaftler heraus, dass die durchschnittliche Dicke der aktiven kontinentalen Kruste sich mitunter stark veränderte, wobei sich die dickste Kruste im Archaikum (4 bis 2,5 Milliarden Jahre vor unserer Zeit) und noch einmal sehr viel später im Phanerozoikum (ab 0,541 Milliarden Jahren v.u.Z bis heute) bildete. Im Proterozoikum hingegen nahm die Krustenstärke kontinuierlich ab und die Kontinente blieben bis zum Ende des Äons völlig frei von hohen Bergen. Alles, was die Natur bis dahin auf dem Superkontinent Numa-Rodinia an Gebirgen aufgefaltet hatte, wurde nun durch die Erosion wieder komplett abgetragen. Die Erde war glatt und völlig kahl – und da es damals noch kein höheres Leben gab, also auch keine Wälder, nicht einmal Pilze oder Bakterien im Boden, war die Erde damals wohl der langweiligste Planet im Sonnensystem.

 

 

Die Forscher vermuten, dass die fehlenden Gebirge auch der Grund dafür sind, dass die Evolution des Lebens fast eine Milliarde Jahre lang so gut wie gar nicht voran ging. Ohne Berge, durch die Bäche und Flüsse fließen, gelangten auch kaum Mineralien und Nährstoffe ins Meer, was die Ausbreitung von Leben stark hemmte. Erst vor 800 Millionen Jahren, als Rodinia wieder zerbrach und neue Gebirge entstanden, nahm die Evolution des Lebens an Fahrt auf.

 

Link zur Studie


Stonehenge – stand das prähistorische Monument ursprünglich in Wales?

In der Artussage heißt es, dass der mächtige Magier Merlin einst einen riesigen Steinkreis aus dem Gebiet der Kelten nach England transportiert haben soll. In dieser Legende könnte ein Körnchen Wahrheit stecken, nur liegt dieses bereits etliche Jahrtausende vor dem Frühmittelalter und den Rittern der Tafelrunde.

 

 

Durch geochemische Untersuchungen steht bereits seit einiger Zeit fest, dass die Megalithen von Stonehenge im englischen Wiltshire, das vor etwa 5.000 Jahren in der Jungsteinzeit errichtet wurde, ursprünglich aus einem rund 225km Steinbruch in Südwales stammen. Archäologen vom University College London fanden im walisischen Waun Mawn, nur einen Katzensprung von besagtem Steinbruch entfernt, nun Hinweise darauf, dass dort einst ebenfalls ein mächtiger Steinkreis stand.

 

Überraschenderweise hatte der Graben, der den Steinkreis umgab, einen Radius von 110m – genau wie Stonehenge heute! Die Löcher, in denen dort einst die Megalithen standen, passen in Form und Größe außerdem nahezu perfekt zu den Steinen, die heute in England stehen. Beide Kreise waren in identischer Weise zum Sonnenaufgang während der Sommersonnenwende hin ausgerichtet. Datierungen am Steinbruch ergaben außerdem, dass die Steine genau zu der Zeit herausgebrochen wurden, als der Steinkreis von Waun Mawn errichtet wurde – Jahrhunderte vor der Errichtung von Stonehenge!

 

Link zur Studie


Forschern gelingt Nachzüchtung von Neandertaler-Gehirngewebe

Wissenschaftler einer internationalen Forschungsgruppe ist ein besonders interessantes Kunststück gelungen: Sie verwendeten die Genschere CRISPR-Cas-9, um eine archaische Genvariante des NOVA1-Gens in menschliche Stammzellen einzuschleusen. Das archaische Erbgut ist typisch für unsere Geschwisterspezies: Neandertaler und Denisovianer. So gelang es den Forschern, Zellkulturen mit Hirn-Organoiden von Frühmensch-Mensch-Hybriden heranzuzüchten, sowie zum Vergleich auch Kulturen mit unveränderten Erbgut.

 

 

Die Gewebehaufen haben einen Durchmesser von etwa 5mm. Und obwohl ihr Erbgut doch zum größten Teil identisch ist, haben die archaischen Gensequenzen doch dafür gesorgt, dass sich die Gewebestrukturen beider Kulturen in Größe, Form und Konsistenz doch deutlich unterscheiden – wahrscheinlich, weil die Zellen unterschiedlich wuchsen und sich vermehrten.

 

 

Für die Forschung ist das ein großer Durchbruch, auch im Verständnis der Entwicklungsgeschichte unseres Gehirns. Denn nur mit deren genauen Verständnis lassen sich Hirnerkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson erforschen und vielleicht eines Tages heilen. Aber natürlich ist es auch für die Evolutionsbiologie selbst sehr interessant: Da die archaischen Varianten restlos verdrängt wurden und heute ausgestorben sind, vermuten die Forscher einen deutlichen Selektionsvorteil für unsere modernen Gehirne. Worin genau der bestand, muss zwar noch erforscht werden, aber es könnte etwas mit der Kommunikation zwischen den Synapsen zu tun haben, deren Aufbau durch das NOVA1-Gen codiert wird.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Nachweise von hochqualitativen Steinwerkzeugen bei Neandertalern aus Israel

In der israelischen Shuqba-Höhle, tief in den Bergen des Westjordanlands, stießen Forscher auf einen weiteren Beleg für die weiterentwickelten technologischen Fähigkeiten der Menschen, die dort vor 70.000 bis 50.000 Jahren lebten: die dort gefundenen Steinwerkzeuge wurden mithilfe der Nubian-Levallois-Abschlagtechnik gefertigt. Zahnfunde aus den gleichen Schichten, die zu einem etwa neunjährigen Kind gehörten, weisen eindeutige Neandertaler-Merkmale auf, was auch eine Neandertaler-Familie als Besitzer und Hersteller der Werkzeuge sehr wahrscheinlich macht.

 

 

Der Fund ist der erste direkte Nachweis für diese Technologie in direktem Zusammenhang mit Neandertalern. Zwar wurde die Meinung, dass ihre Verwendung exklusiv für den „höher entwickelten“ Homo sapiens sei, inzwischen längst verworfen, aber bislang hatte man nur Indizien dafür, dass diese Technik auch von anderen Menschenpopulationen angewendet wurde. Es steht nun außer Frage, dass auch die Neandertaler zur Herstellung qualitativ hochwertiger Steinwerkzeuge fähig waren, die denen ihrer „Sapiens-Konkurrenten“ in nichts nachstanden.

 

 

Der Fund ist auch deshalb sehr überraschend, weil die Höhle zuvor noch von frühen Vertretern des Homo sapiens bewohnt wurde, die sich dann aber aus irgendeinem Grund aus der Gegend zurückgezogen haben. An ihre Stelle traten nun die Neandertaler – mit moderneren Werkzeugen als bei ihren Vorgängern. Es ist außerdem der bislang südlichste Nachweis für eine derart lange dauerhafte Besiedlung durch Neandertaler.

 

Link zur Studie


Neue Studie zur Evolution und Herkunft des europäischen Wisents

Der Ursprung und die Evolutionsgeschichte des Wisents (Bison bonasus) ist nach mehreren morphologischen, genomischen und paläogenomischen Studien in den letzten Jahren klarer geworden, aber diese haben neue Fragen zur Evolution der Art aufgeworfen. Eine Gruppe bulgarischer Wissenschaftler hat in ihrer jüngsten Studie nun zusätzliche Informationen über die Populationsvielfalt der Arten basierend auf der Analyse neuer subfossiler Überreste von der Balkanhalbinsel zusammengetragen. Sieben alte Proben, die aus Höhlen in der westlichen Stara Planina in Bulgarien stammen, wurden mittels mitochondrialer D-Loop (HVR1) -Sequenzanalyse untersucht. Die Proben wurden durch Radiokohlenstoffanalyse auf ein Alter von 3.800 Jahren datiert. Zusätzlich wurde eine phylogenetische Analyse durchgeführt, um die genetische Beziehung zwischen den untersuchten Proben und allen in der Genbank verfügbaren mitochondrialen DNA-Sequenzen der Gattung Bison zu untersuchen.

 

Ein heute noch lebender Wisentbulle. Bildquelle: NABU Deutschland.

 

Die Ergebnisse verglichen die Forscher mit Sequenzen anderer Wisent-Populationen. Die Gene der prähistorischen Balkan-Wisents sind nahezu identisch mit Proben aus der fossilen Alpenpopulation aus Frankreich, Österreich und der Schweiz, nicht jedoch mit denen der jüngsten mitteleuropäischen Population (deren Knochen vom Grund der Nordsee geborgen wurden, die während der Eiszeit trockener Weidegrund der Wisents war). Auch mit der ausgestorbenen kaukasischen Population besteht nur eine entfernte Verwandtschaft. Zusammenfassend weisen diese Daten darauf hin, dass die in der historischen Zeit existierenden Balkan-Wisente ein Überbleibsel und wahrscheinlich eine isolierte Bevölkerung der spätpleistozän-holozänen südwestlichen Bergwisent-Population darstellen.

 

Link zur Studie


Das war es für heute mit den Paläo-News. Mehr davon gibt es wieder in zwei Wochen, oder natürlich in Echtzeit auf meinen Facebook- und Instagram-Seiten, und natürlich der bald online gehenden Website!


Anzeige

Das T. rex-Skelett für zuhause

Für das Skelett des Tyrannosauriers „Stan“ wurden letztes Jahr bei Christies für 31,8 Millionen US$ verkauft. Aber mal Hand auf’s Herz: Wer hat zuhause schon den Platz für ein 12 m langes Skelett im Wohnzimmer, draußen kann man es nicht aufstellen, es verwittert oder wird nachher noch geklaut. Klar, die ganze Nachbarschaft kommt gucken, wenn’s aufgestellt wird, aber spätestens im zweiten Jahr muss man ihm im Winter eine Weihnachtsmannmütze aufsetzen, damit sich die Leute das noch angucken.
Da ist es viel besser, ein kleines Modell in einem brauchbaren Maßstab aufzubauen.

 

Das Tyrannosaurus rex-Skelett kommt da deutlich platzsparender mit etwa 70 cm Länge und 22 cm Höhe daher. Dies ist fast die opimale Größe für zuhause, es passt ins übliche 80 cm-Raster vieler Regale.
Das Skelett hat ein wunderbares braunes Finish, das vielen Museumsexemplaren sehr nahe kommt. Es wird als Bausatz mit nur 54 Teilen geliefert, die nur teilweise geklebt werden müssen.

 

Der SUREH T. rex- Skelett Modellbausatz kostet aktuell € 19,99 und wird von Amazon kostenlos verschickt.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

Artikel der Woche

Gestern habe ich meine Artikel-Reihe „Die Geschichte unserer Erde“ mit der dritten Episode fortgesetzt. Darin geht es um blutrote Ozeane, Schneeball-Erden und den Beginn des Lebens auf unserem Planeten. Wer mag, darf gerne reinlesen:


Ich wünsche dir jetzt noch einen schönen Sonntag,

Liebe Grüße und bleib gesund, Dein

Markus Kretschmer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.