Mein Wort zum Sonntag – 21. Juni 2020

Lesedauer: etwa 12 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

 

Bei herrlichem Frühsommerwetter sitze ich gerade gemütlich unten bei mir im Garten, um meinen neuen Artikel zu schreiben. Genau so kann es gerne bleiben, und ich werde die kommenden freien Wochen sicher auch gut nutzen können, um am dritten Band von „Die weißen Steine“ zu arbeiten.

 

Der zweite Teil ist leider immer noch nicht in Sicht. Ich belasse es bei dieser Nachricht. Sich zu ärgern bringt das Buch schließlich auch nicht auf den Weg und lässt die Probleme meines Verlags verschwinden. Ihr könnt es dort zwar immer noch vorbestellen, aber wann es endlich erscheint, steht weiterhin in den Sternen.

 

https://www.ehrlich-verlag.de/produkt/die-weissen-steine-band-2-blut-der-sonne/


Außer der kreativen Arbeit an meinen Büchern wird mich in den Sommerferien sicher auch der eine oder andere Tag im Museum „Tor zur Urzeit“ beschäftigen. Im kleinen Dörfchen Brügge bei Bordesholm nahe Kiel bin ich in den kommenden Sommerwochen zumeist am Samstag anzutreffen, so auch gestern, als ich zusammen mit Dr. Gerald Kopp und einer Gruppe von 90 interessierten Besuchern in einer Kiesgrube nach Fossilien gesucht habe. Zugegebenermaßen hatten die Kinder dort aber entweder mehr Geduld, ein schärferes Auge oder einfach nur mehr Glück als ich: außer einigen abgebrochenen Donnerkeilen und immerhin einem sehr hübschen Seeigel konnte ich leider nichts finden. Ansonsten hätte es jetzt ein schönes Foto gegeben. Allerdings war es ein sehr schöner Tag, und ich kann jedem, der sich für Erdgeschichte interessiert, oder Kinder hat, die für Fossilien brennen, einmal so einen Ausflug mitzumachen!

 

Auf der Seite des Museums „Tor zur Urzeit“ findet ihr auch die nächsten Termine, wann wir dort wieder in die Kiesgrube gehen, und auch alle anderen Veranstaltungen:

 

https://www.torzururzeit.de/


Wenn alles weiterhin so gut läuft wie bisher und die Corona-Zahlen sinken, kann ich nächste Woche im „Wort zum Sonntag“ vielleicht sogar schon das nächste Dinotreffen oder eine Lesung ankündigen. Lasst und also weiterhin auf das Beste hoffen – aber nicht nur das! Jeder kann ja nun durch die neue Corona-App daran mitwirken, dass die Infektionswege rückverfolgbar und die Seuche damit schneller eindämmbar ist. Da so gut wie jeder von uns ja eh jeden Tag sein Handy durch Apps wie Facebook, Whatsapp und vor allem Google mit hunderten von persönlichen Daten füttert, ist auch das Datenschutzproblem kein Argument, sich vorm Installieren dieser App zu drücken. Also danke ich jedem, der bei dieser Sache mitmacht.


Bild der Woche

 

Was ist das denn? Ein seltsamer Vogel? Nein, es ist Anzu, das „Giant Chicken from Hell“, wie ihn seine Entdecker scherzhaft nannten. Dieser Oviraptoride aus Hell Creek ist der heutige Star unseres Sonntagsartikels, und er hält wachsam nach den neuesten Meldungen über Dinosaurier Ausschau, mit denen wir auch gleich loslegen wollen.

 

Das Artikelbild habe ich auf der Seite DeviantArt gefunden und es stammt von einem Künstler, der sich dort „Primevalraptor“ nennt. Bildquelle


Paläo-News

In dieser Woche drehte sich fast alles um Meerestiere und Dinosauriereier. Ein spektakulärer Fund eines Rieseneis sorgte für großen Wirbel unter den Wissenschaftlern und stellt die Fachwelt vor einige Rätsel… Aber lest selbst!


Riesen-Ichthyosaurier schwanger mit Drillingen!

Bereits im Jahr 2011 entdeckten Forscher des Instituts für Geowissenschaften der Universität Bonn in Nevada die Fossilien eines großen Ichthyosauriers, der vor 242 Millionen Jahren in den frühtriassischen Flachmeeren des östlichen Panthalassa-Ozeans sein Unwesen trieb. In mühevoller Präparationsarbeit entdeckten die Wissenschaftler im Leib des 4,3 m langen Tieres die Überreste von drei Jungtieren, die offenbar kurz vor der Geburt standen.

 

 

Erstaunlicherweise befanden sich die ungeborenen Ichthyosaurier-Babys in einer Lage mit dem Kopf nach vorne, was für lungenatmende Meerestiere höchst ungewöhnlich ist. In der Regel werden diese nämlich mit dem Schwanz zuerst geboren, um den Zeitraum, den das Jungtier von der Mutter mit Sauerstoff versorgt werden kann zu verlängern und noch nicht selbstständig atmen muss. Dauert die Geburt nämlich zu lange, würde das Jungtier ertrinken.

 

Es ist allerdings unklar, ob die Babys tatsächlich mit dem Kopf zuerst geboren wurden, oder ob sie ihre Position kurz vor der Geburt noch einmal änderten und sich drehten; oder ob sie durch Verwesungsprozesse in diese ungewöhnliche Lage gebracht wurden.

 

Die Ichthyosaurier-Mama wurde der Gattung Cymbospondylus zugeordnet, weist aber genug Alleinstellungsmerkmale auf, dass sie als neue Art beschrieben und C. duelferi getauft wurde – nach Olaf Dülfer, der für deinen Einsatz bei der Präparationsarbeit vieler Meerestiere geehrt wurde.

 

Bildquelle (oben): Dinopedia

Bildquelle (unten) und Link zur Studie:


Riesiges prähistorisches Ei mit weicher Schale entdeckt!

Schon vor einigen Jahren machten Forscher des Museo Nacional de Historia Natural von Chile in der Antarktis einen eigenartigen Fund, den sie in Anlehnung an den Horror-Klassiker von John Carpenter „The Thing“ nannten. Bei dem Fossil handelt es sich, wie eine aktuelle Studie bestätigte, um das versteinerte Ei eines großen Tieres, das in der Kreidezeit lebte.

 

Wer es einst gelegt hat, ist unklar, jedoch war die Schale ledrig und weich wie die eines Reptils und nicht hart wie die eines Vogels. Die Forscher vermuten als Mutter ein großes Meeresreptil, vielleicht einen Mosasaurier, aufgrund der schieren Größe des Eis: es hat ein Volumen von mehr als vier Litern und ist damit fast so groß wie das eines Elefantenvogels.

 

Allerdings ist es bei einem so großen Meerestier unwahrscheinlich, dass es seine Eier an Land ablegte. Wahrscheinlich ist eher, dass das Tier seine Eier im Innern seines Körpers ausbrütete und die Jungen lebend im Wasser zur Welt brachte. Die ledrige Schale wurde dann kurz vor oder erst nach der Geburt ausgeschieden, während das Jungtier dabei war zu schlüpfen.

 

 

Da von anderen Mosasauriern wie Plioplatecarpus allerdings Fossilien bekannt sind, die gut entwickelte Föten ohne Eierschale innerhalb des Mutterleibs zeigen, ist ein Mosasaurier als Mutter vielleicht gar nicht unbedingt wahrscheinlich. Einige Experten merken an, dass auch einige Dinosaurier weichschalige Eier legten, und vor allem auch die Pterosaurier. Da das Ei aus der späten Oberkreide stammt, wurde es vielleicht von einem gigantischen Azdharchiden-Flugsaurier gelegt, oder auch ein antarktischer Ankylosaurier war die Mutter.

 

Link zur Studie: Bildquelle und Link zur Studie:


Auch einige Dinosaurier legten Eier mit weicher Schale!

Der weichschalige Fund des Rieseneis aus der Antarktis ist nicht der einzige seiner Art: auch unter den Dinosauriern gab es einige, die noch eher reptilienartige Eier legten, deren Schale nicht hart und fest, sondern ledrig und elastisch war.

 

Eierfossilien bei Dinosauriern sind sehr selten, und besonders dann, wenn die Schale so weich ist, verwest sie meist, lange bevor sie zum Fossil werden kann. Aus diesem Grund wissen wir über die Fortpflanzung der Dinosaurier noch sehr wenig. Fast alle Dinosauriereier stammen von Tieren, die bereits Eier mit einer harten, vogeleiähnlichen Kalkschale legten.

 


 

Doch einige neuere Funde zeigen, dass es mehrere Eitypen gab, wie nun in einer neuen Studie vorgestellt wurde: die frühsten Dinosaurier legten wahrscheinlich alle noch weichschalige Eier, wie sie z.B. von dem frühen Sauropodomorphen Mussaurus überliefert sind. Aber auch noch einige aus der späten Kreidezeit blieben bei der weichschaligen Variante, wie Protoceratops.

 

Habitus von Mussaurus

 


Das Ei mit der harten Kalkschale hat sich also mindestens dreimal unabhängig voneinander in konvergenter Evolution entwickelt: bei den höheren Theropoden (einschließlich der Vögel), bei einigen Ornithischiern (wie den Hadrosauriern; u.a. Maiasaura), und auch bei den größeren, fortschrittlicheren Sauropodomorphen (wie Hypselosaurus).

Habitus von Protoceratops

 


Bildquelle Mussaurus: SpinoInWonderland

Bildquelle Protoceratops:

Link zur Studie


Exzellent erhaltene Pflanze aus dem Oberdevon

Den größten Teil unserer Erdgeschichte gab es an Land kein Leben. Keine grüne Pflanzen, keine Insekten, nicht einmal Würmer oder sogar Bakterien im Boden waren auf unserem Planeten bis weit ins Phanerozoikum hinein die Regel.

 

Nachdem die ersten Pflanzen und Flechten wahrscheinlich schon im späten Kambrium oder spätestens im Ordovizium als erste Pioniere an Land auftraten, begann die erste große Radiation der Landpflanzen erst in der Zeit vom Silur bis zum Devon, in der Zeit von vor etwa 440 bis 360 Millionen Jahren.

 

Ein interessantes Fossil aus dem Oberdevon, das schon in den 1960ger Jahren in Australien gefunden wurde, bringt nun neues Licht in die frühe Evolution der Pflanzen: Keraphyton mawsoniae, wie sie in einer neuen Studie beschrieben wurde, besaß einige Ähnlichkeiten mit den Farnen und Schachtelhalmen und gehört bereits einer relativ hoch entwickelten Flora an, die vor 360 Millionen Jahren in den Sümpfen und frühen Wäldern die Erde allmählich ergrünen ließ.

 

 

Zu dieser Zeit ereignete sich auf der Erde ein gewaltiges Massenaussterben, bei dem viele Arten, auch Pflanzen wie Keraphyton mawsoniae ausstarben. Ihre Verwandten überdauerte allerdings bis heute.

Bildquelle: Zdenek Burian

Fotos: Antoine Champreux er al.

Link zur Studie


Gab es Riesen-Theropoden in Australien?

Obwohl in Australien bereits viele interessante Fossilien von Dinosauriern entdeckt wurden, fehlten bislang jegliche Nachweise, dass es dort auch riesige Raubdinosaurier gab. Die früher als „Zwergallosaurier“ bekannt gewordenen Theropoden wie der Megaraptoride Australovenator waren mit etwa 6 m Länge und 500 kg Gewicht zwar aus unserer Sicht schon beeindruckend, aber noch kleine Zwerge im Vergleich zu den mesozoischen Super-Prädatoren anderer Kontinente, die dort mehr als die doppelte Körperlänge und das fünfzehnfache Gewicht erreichten.

 

ie einzigen Hinweise auf wirklich große fleischfressende Dinosaurier geben Fußabdrücke, die schon in den 50ern und 60ern im Lark Quarry in Queensland gefunden wurden. Der Paläontologe Anthony Romilio ist überzeugt, dass eine Fährte mit Abdrücken von 80 cm Länge zu einem großen Theropoden gehört, der beinahe die Größe eines Tyrannosaurus erreicht hat: mit 11 m Länge und 3 m Höhe könnte der Urheber der dem Ichnotaxon Kayentapus zugeordneten Fährte Jagd auf Sauropoden wie Rhoetosaurus gemacht haben, die im frühen Oberjura die Ebenen Gondwanas durchstreifen, des großen Südkontinents, von dem Australien einst ein Teil war.

 

 

Andere Fußabdrücke, die einst ebenfalls großen Theropoden zugeschrieben wurden, erwiesen sich bei näherer Untersuchung jedoch schon häufig als Missinterpretationen von Ornirhopoden- oder sogar Sauropoden-Fährten. Wirkliche Sicherheit über die Anwesenheit von Riesen-Theropoden können deshalb nur Knochenfossilien geben, die aber erst noch gefunden werden müssen.

 

Bild- und Artikelquelle:


Gewaltiger Kohlebrand am Ende des Perm nachgewiesen!

Am Übergang vom Perm zur Trias, also noch vor den ersten Dinosauriern, ereignete sich das wohl verheerendste Massenaussterben der Erdgeschichte, dem zwischen 80 und 95% aller Arten zum Opfer fielen. Die genauen Ursachen dieses großen Sterbens sind jedoch immer noch nicht geklärt. Als eine der wahrscheinlichsten und hauptsächlich verantwortlichen Ursachen gilt die Bildung des sibirischen Trapps infolge mehrerer heftiger Vulkaneruptionen, aber auch der Einschlag eines großen Asteroiden auf Wilkesland, Antarktika könnten für eine Kette von Katastrophenszenarien die Ursache sein.

 

Einer dieser begleitenden Katastrophen war nun Gegenstand einer aktuellen Studie von Forschern der Arizona State University, die das Gestein aus Sibirien näher untersuchten. Chemische Analysen, aber sogar mit bloßem Auge erkennbare Strukturen deuten darauf hin, dass vor etwa 252 Millionen Jahren eine extrem große Fläche von Kohleablagerungen abbrannte, vielleicht als direkte Folge des Vulkanismus. Die Gesteinsproben stammen aus vielen unterschiedlichen Gegenden aus Sibirien, und selbst aus Kanada sind noch ähnliche Funde bekannt, welche die gleiche Geschichte eines gewaltigen Infernos erzählen.

 

 

Die freigesetzten Mengen an CO2 waren dabei so enorm, dass sie den Treibhauseffekt massiv verstärkten und zu einem drastischen Klimawandel führten. Die Temperaturen stiegen weltweit auf Durchschnittswerte deutlich über 35°C, was besonders die Meeresbewohner extrem hart traf. Anoxische Ereignisse, bei denen der Sauerstoffgehalt in den Ozeanen drastisch sank, bereiteten vielen Tieren den Garaus, nicht nur im Meer, auch an Land.

 

Bildquelle (oben): Julio Lacerda

Link zur Studie


Interessanter Beleg für prähistorischen Genfluss: Neandertaler aus dem Westen ersetzten ihre Artgenossen aus dem Osten.

Zu diesem Schluss kamen Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, als sie die zwischen 80.000 und 60.000 Jahre alten Überreste von Neandertalern aus der Tschagyrskaja-Höhle im Altai-Gebirge untersuchten. Dabei stellte sich beim Vergleich mit bereits bekannten Genom-Daten heraus, dass die dort gefundenen Neandertaler enger mit denen aus Mitteleuropa verwandt waren, als mit älteren aus West- und Mittelasien!

 

Zu erklären ist dies durch mehrere Migrationsbewegungen. Offenbar lebte zuvor im Altai-Gebirge nur eine kleine Population von Neandertalern, die sich dann auch noch mit der dort häufigeren Menschenart, den Denisova-Menschen, vermischte. Beweise für diese Hybridisierung sind schon länger bekannt, nach dem Skelettfund eines etwa 13 Jahre alten Mädchens, deren Gene uns verrieten, dass es eine Neandertaler-Mutter und einen Denisovianer-Vater hatte.

 

Denisova-Mensch, Neandertaler und der Fundort: Die Tschagyrskaja-Höhle.

 

Im Laufe der Zeit müssen aber mehrmals noch westeuropäische Neandertaler in das Gebiet nachgekommen sein und sich dort niedergelassen haben. Die nun untersuchten Menschen stammen demzufolge von diesen Nachzüglern ab.

Neandertaler und Denisovianer starben beide in der Zeit von vor 40.000 bis 30.000 Jahren aus, als auch eine weitere Menschenart, der Homo sapiens, in ihre Verbreitungsgebiete vordrang.

Link zur Studie:


Artikel der Woche

In meinem „Artikel der Woche“ war diesmal wieder ein Tier aus Hell Creek dran, der urzeitlichen Gegend, an der mein Roman „Die weißen Steine“ spielt und Heimat des Tyrannosaurus rex. Doch der war bei weitem nicht der größte Killer seiner Zeit: gegen einen Mosasaurus würde selbst ein T. rex klein aussehen:

 

 

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Wenn du magst, lies doch mal in den Artikel rein!


Ich wünsche dir nun noch einen schönen Sonntag, bleib gesund und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer

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