Mein Wort zum Sonntag – 24. Januar 2021

Lesedauer: etwa 28 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Noch nicht einmal ein Monat ist rum, und es könnte mit dem Jahr eigentlich schon genug sein. Über die schreckliche Lage in Bezug auf Corona schweige ich mich heute mal aus, und auch über Unruhen und doch den seltsam ruhigen Abgang eines Unruhestifters möchte ich keine Worte mehr verlieren. In den letzten Wochen habe ich dazu schon genug gesagt. Außerdem: wenn ich meinen Lesern immer zu Anfang in der Kolumne einen Schlag in die Magengrube gebe, wer kann dann die Paläo-News noch genießen?


Und von denen gab es die letzten Wochen reichlich. Ich bin nicht einmal dazu gekommen, alle Nachrichten in Artikel zu verwandeln – die werden aber in den nächsten Tagen folgen. Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht allzu stark in Rückstand gerate.


Ankündigungen

„Die weißen Steine“ bekommen in den nächsten Tagen eine eigene Website. Es sind inzwischen so viele Artikel zusammengekommen, dass das wirklich allerhöchste Zeit wird. Ich werde natürlich auch weiterhin auf Facebook alle Neuigkeiten posten, aber dann wohl hauptsächlich über eben diese Seite, wo dann auch das „Wort zum Sonntag“ und die Artikel der Woche erscheinen werden. Alle Neuigkeiten dazu erfährst du hier natürlich zuerst.


Schau dich doch außerdem bitte gern mal auf meiner Instagram-Seite um. Dort findest du zu allen möglichen Urzeit-Themen und Nachrichten Shortcuts zu den Artikeln in Form einer lustigen Story, auch mit musikalischer Untermalung. So werden die Paläo-News gleich viel lebendiger! Sie erscheinen dort immer kurz nach dem das „Wort zum Sonntag“ online ist und sind dann zwei Wochen lang sichtbar, wenn du auf das „Paläo-News“-Symbol klickst. Meinen Instagram Account erreichst du hier.


Bild der Woche

Alaska war während der späten Kreidezeit ein wahrer „Dinosaurier-Highway“. Dort entlang führte ein Wanderpfad, von welchem aus viele Dinosaurier im jährlichen Wechsel von Norden in den wärmeren Süden wanderten. An einigen Punkten in der Erdgeschichte wanderten Tiere hier sogar über die verlandete Beringstraße nach Asien, und auch aus Asien wieder in Nordamerika ein, weshalb sich die Tierwelt auf beiden Kontinenten auch stark ähnelt. Hier im Bild ist eine Edmontosaurus-Herde in einen Schneesturm geraten. Hoffen wir, dass sie sich nicht im Schneegestöber verirrt.

 

Das Bild habe ich auf der Seite Prehistoric Kingdom gefunden.


Paläo-News

Die letzten zwei Wochen scheinen den Trend zu bestärken, dass 2021 das Jahr der Superlative wird, auch in der Welt der Urzeitforschung: Die früheste bekannte Felsmalerei. Die ältesten je gefundenen Steinwerkzeuge. Der erste Seestern der Erdgeschichte. Und sogar der größte jemals gefundene Dinosaurier aller Zeiten – wenn man den Nachrichtenmeldungen glauben will. Und 2021 hat jetzt auch seinen ersten neu benannten Dinosaurier! Doch jetzt mal hübsch der Reihe nach… Haltet euch fest, hier kommen die brandheißen Paläo-News!


Gut erhaltener Megantereon-Schädel in Südchina entdeckt!

Die Säbelzahnkatzen gehören sicher zu den populärsten Urzeittieren. Jedem Eiszeit-Fan ist dabei vor allem der berühmte Smilodon ein Begriff, doch es gab im Laufe der Zeit viele weitere Arten. Säbelzahnkatzen waren deutlich Gattungs- und artenreicher als heutige Großkatzen, mit denen sie übrigens gar nicht so eng verwandt waren.

 

Megantereon nihowaensis, nach einer Rekonstruktion von Maurico Antón.

 

Eine der ursprünglicheren Säbelzahnkatzen war die Gattung Megantereon, die sich vermutlich schon vor ca. 7 Millionen Jahren in Afrika entwickelte und von dort aus einen Siegeszug antrat, der sie von dort aus nach Europa, Asien und sogar bin nach Nordamerika führte. Auch bei uns in Deutschland wurden ihre Fossilien gefunden, die Gattung hielt sich hier bis vor ca. 900.000 Jahren, während ihre letzten Vertreter in China bis vor ca. 500.000 Jahren noch lebten.

 

 

Besonders aus Nordchina sind zahlreiche ihrer Schädel benannt, die von den gleichen Fundstellen stammen wie viele Homo erectus-Fossilien. Die frühen Menschen sind diesem Raubtier also noch über den Weg gelaufen und mussten vor den Säbelzähnen arg auf der Hut sein.

 

 

Nun fanden Forscher aber auch in der Sabretooth Cave von Chongzuo einen gut erhaltenen Schädel der Art Megantereon nihowaensis, was das Verbreitungsgebiet der Säbelzahnkatze noch einmal deutlich ausweitet. Südchina war damals von dichten Wäldern bewachsen, weshalb aufgrund der Seltenheit ihrer Fossilien dort vermutet werden kann, dass sie eigentlich eher das offene Buschland als Lebensraum bevorzugte.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Smilodon fatalis: Fossilien enthüllen langes Zusammenleben von Müttern und ihrem Nachwuchs

Und noch einmal Säbelzahnkatzen, jetzt aber zu ihrem wohl berühmtesten Vertreter Smilodon: dieser war wohl ein ziemliches Muttersöhnchen. Dies bestätigen Fossilien aus Ecuador, wo vor allem die Art Smilodon fatalis verbreitet war (die anderen beiden Arten S. gracilis und der weit größere S. populator kamen in Nord- bzw. in Südamerika vor). Während aus anderen Fundstellen wie den berühmten Asphaltgruben von La Brea in Kalifornien kaum etwas aus dem Sozialleben dieser zieren hervorgeht, lassen die Fossilien aus Ecuador darauf schließen, dass hier eine Smilodon-Mutter mit zwei zweijährigen Sprösslingen gefunden wurde.

 

Zwei Smilodons, nach einer Lebendrekonstruktion von Velizar Sime.

 

Die Halbstarken waren offenbar Geschwister, denn beide besaßen aufgrund eines Erbfehlers einen zusätzlichen Backenzahn, was nur bei sehr wenigen Smilodons auftrat. Das spricht dafür, dass beide Katzen sehr eng verwandt waren.

 


Obwohl Smilodon sehr schnell wuchs und mit zwei Jahren schon beinahe ausgewachsen war, wurde er doch wesentlich später selbstständig als ein heutiger Tiger. Schon aufgrund anderer Fossilien haben Forscher vermutet, dass das Sozialverhalten von Smilodon eher dem von Löwen glich. Die lange Abhängigkeit von der Mutter scheint das weiter zu bestätigen.

 

Link zur Studie


Fossilien von brütendem Oviraptoriden in China entdeckt

In den kreidezeitlichen Ablagerungen von Ghanzou in der chinesischen Provinz Jiangxi stießen Paläontologen auf ein gut erhaltenes Dinosauriernest mit 24 Eiern einschließlich der brütenden Dino-Mutter. Die rund 70 Millionen Jahre alten Fossilien gehören zu einem bislang noch nicht genauer bestimmten Mitglied der Oviraptorosaurier, kleinen bis mittelgroßen Theropoden, die in Asien und Nordamerika verbreitet waren.

 


Waren Oviraptorosaurier früher dafür bekannt, als berüchtigte Eierdiebe die Nester anderer Dinosaurier zu plündern, so weiß man heute, dass diese Nester ihnen selbst gehörten und dass man ihnen meinst Unrecht tat: sie waren keine Eierdiebe, was auch die Übersetzung ihres Namens ist, sondern sie waren fürsorgliche Eltern! Wie heutige Vögel haben sie ihre Eier ausgebrütet, was auch durch den neuen Fund wieder gut illustriert wird. Natürlich lagen die Eltern aber nicht mit ihrem gesamten Körpergewicht (immerhin mehr als 40 kg) auf dem Nest, sondern in der Mitte, während die Eier kreisförmig um sie herum angeordnet lagen. Die Tiere schützten und wärmten ihren ungeschlüpften Nachwuchs mit den flügelähnlichen Armen, während ihre Beine genau wie bei brütenden Vögeln unter dem Körper zusammengefaltet lagen.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Direwölfe waren keine echten Wölfe!

Der Direwolf, auch bekannt als „Schreckenswolf“ und durch George R. R. Martins Buchreihe „Das Lied von Eis und Feuer“ (Game of Thrones) als „Schattenwolf“ berühmt geworden, war der größte bekannte Wolf der Erdgeschichte. Oder eben doch nicht, wie eine aktuelle genetische Studie enthüllt.

 

Ein Direwolf-Rudel verteidigt seinen Riss gegen ihre kleineren Vettern, ein sich näherndes Wolfsrudel (Canis lupus).

Canis dirus, so sein bisheriger wissenschaftlicher Name, erreichte mit einer Körperlänge von 1,5 m und einem Gewicht von durchschnittlich 60 kg in etwa die Größe der größten rezenten Wölfe aus Alaska. Er besaß aber einen größeren Schädel und eine kräftigere Statur, und die größten Exemplare konnten wahrscheinlich über 80 kg erreichen. Außerdem war sein Fell wahrscheinlich nicht grau, sondern rotbraun gefärbt.

 


Eine Forschergruppe um Angela R. Perri sequenzierte nun aber das genetische Material aus Fossilien mit einem Alter zwischen 50.000 und 13.000 Jahren. Dabei stellten sie fest, dass sich die Linie der Direwölfe und der heutigen Wölfe schon vor 5,7 Millionen Jahren trennte, und es zu keinerlei Genfluss mehr zwischen ihnen kam. Die Direwölfe stellen also einen eigenen, viel älteren Zweig dar, der gar nicht zur Kronengruppe der Gattung Canis gehört. Die große Ähnlichkeit im Körperbau ist wahrscheinlich nur auf konvergente Evolution zurückzuführen.

 

 

Der Direwolf gehörte zu einer Stammlinie von Hundeartigen, die sich in Nordamerika entwickelte. Während die Vorfahren der Wölfe, Kojoten und Schakale einst über die Beringstraße nach Eurasien zogen, verblieb der Direwolf in Nordamerika und entwickelte sich dort isoliert. Als die echten Wölfe dann später zurückkehrten, waren sie mit ihren „Vettern“ nicht mehr kreuzbar. Die Forscher schlagen deshalb einen neuen Gattungsnamen vor: Direwölfe werden künftig als „Aenocyon dirus“ bekannt sein, was „Furchtbarer Schreckenswolf“ bedeutet.

 

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Bereits als Baby schon über 2 m lang: Studie enthüllt Ontogenese von Urzeit-Hai Megalodon

Er ist eines der populärsten ausgestorbenen Meerestiere: Otodus megalodon, der größte Hai der Erdgeschichte. Noch bis zum Beginn der Quartären Eiszeit lebte dieser bis zu 16 m lange und 50 Tonnen schwere Raubfisch in unseren Ozeanen und jagte dort nach Walen, die kaum kleiner waren als er, bis ihm der Klimawandel, das Verschwinden seiner Wanderrouten und die Konkurrenz durch neue Beutegreifer wie Weiße Haie und Orcas den Garaus machten.

Ein Megalodon mit neugeborenem Nachwuchs. Lebendrekonstruktion von Herschel Hoffmeyer.

In den letzten Jahren fanden Wissenschaftler erstaunliche Details über „the Meg“ heraus, obwohl von ihm vor allem nur die gewaltigen, handtellergroßen Zähne bekannt sind. Wie bei allen Haien bestand sein Skelett nämlich nur aus Knorpeln, die verwesten, bevor sie versteinern konnten. Doch aus den wenigen überlieferten Wirbeln können Forscher trotzdem einige Informationen herauslesen.


Wie bei den Wachstumsringen in einem Baumstamm zeigen auch die Wirbel einen jährlichen Wachstumszyklus, der erkennen lässt, dass sie jedes Jahr um rund 16 cm dicker wurden. Der untersuchte Wirbel zeigt 46 solcher Ringe und dürfte mit einem Alter von ebenso vielen Jahren zu einem Tier gehört haben, das etwa 9,2 m lang war, als es starb. Ausgehend davon, dass noch deutlich größere Wirbel gefunden wurden, dürfte die Lebenserwartung eines Megalodon bei über 88 Jahren gelegen haben, und er wuchs sein ganzes Leben lang weiter!

 

Zurückgerechnet auf die Größe, die der Hai bereits im ersten Jahr gemessen haben muss, und abgeleitet aus Vergleichen mit heutigen Haien, kamen Megalodons bereits mit einer Länge von über 2 m zur Welt! Wie die meisten Makrelenhaie war auch Megalodon lebendgebärend. Die enorme Größe des Nachwuchses lässt darauf schließen, dass die jungen Haie in Mutterleib kannibalisch von den unbefruchteten Eiern lebten, wodurch sie so groß werden konnten. Bereits bei ihrer Geburt hatten Megalodons nur wenige natürliche Feinde und nahmen bereits eine hohe Position in der Nahrungskette ein.

 

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45.500 Jahre alt: Älteste Höhlenmalerei in Indonesien entdeckt!

Im tiefen dunkel einer bislang kaum erforschten Leang-Tedongnge-Höhle auf der indonesischen Insel Sulawesi haben Forscher von der Griffith University in Brisbane einen sensationellen Fund gemacht. Sie entdeckten dort Jahrzehntausende alte Felsmalereien, die nach aktuellem Forschungsstand die ältesten der Welt sind.  Dargestellt wurde von den prähistorischen Höhlenkünstlern eine Rotte der dort heimischen Warzenschweine, das größte abgebildete Exemplar rund 1,3 m lang und 54 cm hoch. Die Abbildungen zeigen daneben auch mehrere Handabdrücke und eine Jagdszene, was die wichtige Bedeutung der Schweine als Nahrungsquelle für die Menschen dort unterstreicht.

 

 

Kippt man das Schwein jedoch zur Seite, hat die Zeichnung aber auch starke Ähnlichkeit mit einem Vogel. Ob das beabsichtigt war, und ob der Künstler hier bewusst eine optische Täuschung erschaffen wollte, lässt sich leider nicht mit Gewissheit sagen.

 

 

Nach den altbekannten, aber etwas jüngeren Funden aus Spanien, Frankreich und Australien belegen nun auch die Zeichnungen aus Südostasien, dass Höhlenkunst eine lange Tradition hat und auf mehreren Erdteilen verbreitet war. Bereits zuvor haben Forscher nur unweit der Leang-Tedongnge-Höhle Felsmalereien entdeckt, die nur etwas jünger waren. Möglicherweise hat Homo sapiens schon in seiner Frühzeit in Afrika solche Tierzeichnungen angefertigt, bevor er sich aufmachte, die Welt zu besiedeln. Die Tradition der Felsmalerei brachte er bei seinen Wanderungen dann mit. Andere Erklärungen wären, dass sich die Höhlenkunst mehrfach unabhängig voneinander entwickelte, oder sie sich von einem Ort zum anderen durch Wanderer ausbreitete.

 

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Bislang älteste bekannte Steinwerkzeuge in der Olduvai-Schlucht (Tansania) entdeckt

Ein Forschungsteam vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena förderte bei einer umfassenden Grabung in Ostafrika zahlreiche Artefakte aus der Frühzeit der menschlichen Entwicklungsgeschichte zutage, die das Leben und die Umwelt unserer Vorfahren näher beleuchten. Unter den mehr als 560 Fundstücken, vor allem Tier- aber auch Frühmenschenknochen, befanden sich auch zehn primitive Steinwerkzeuge, die mit einem Alter von 2,03 Millionen Jahren zu den ältesten der Welt gehören.

 

 

Wer diese Werkzeuge einst benutzte, ist unklar. Schließlich lebten auf diesem Gebiet damals gleich mehrere Arten von Frühmenschen, wie Australopithecus, Paranthropus und auch der Gattung Homo. Als sehr wahrscheinlicher Kandidat dürfte Homo habilis gelten, dessen Überreste aus ähnlich alten Ablagerungsschichten nur einen Steinwurf weit vom Ausgrabungsort entfernt gefunden wurden.

 

 

Da Steinwerkzeuge in mehreren unterschiedlich alten Schichten gefunden wurden, folgern die Wissenschaftler, dass diese Gegend viele Generationen lang durchgehend besiedelt war.

 

 

Sie fanden außerdem Hinweise auf ein sich stetig ändernde Klima, bei dem sich auch die Vegetation und damit die Umweltbedingungen mehrfach wandelten. Aus Wäldern wurde Buschland, aus Buschland Savannen und aus Savanne wieder Regenwald, im Laufe der Jahrtausende. Zur Zeit der ältesten Werkzeugmacher war die Gegend rings um das Ufer des Olduvai-Flusses, der diese Landschaft formte, von Farnen, Wiesen und Palmenhainen geprägt. Kohleablagerungen belegen zudem, dass die Landschaft häufig von Bränden umgestaltet wurde.

 

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Shri devi: Neuer Dromaeosaurier aus der späten Kreidezeit der Mongolei

2021 hat seinen ersten Dinosaurier! Ein Theropode aus der Mongolei hat in diesem Jahr einen neuen Namen erhalten. Es handelt sich aber nicht um eine Neuentdeckung: das Exemplar mit der Katalognummer IGM 100/980 wurde bereits vor fast 30 Jahren von Mark Norell bei einer Ausgrabung an den berühmten Flaming Cliffs der Djadochta Formation in der mongolischen Wüste Gobi entdeckt.

So könnte Shri devi ausgesehen haben. Rekonstruktion nach Nobu Tamura.

 

Norell nannte das Tier scherzhaft „Ichabodcraniosaurus„, in Anlehnung an die Romanfigur Ichabod Crane, der es in Washington Irvings Gruselroman „The Legend of Sleepy Hollow“ mit einem kopflosen Reiter zu tun bekommt. Dem ansonsten gut erhaltenen Fossil fehlte nämlich der Schädel.

 

 

Einige Jahre später wurde das Exemplar der Art Velociraptor mongoliensis zugeordnet. In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnten von Alan H. Turner und seinen Kollegen nun aber etliche Merkmale ausgemacht werden, die deutlich vom bekannten Material des Velociraptors abweichen. Demnach konnten sie dem Exemplar nun einen eigenen Gattungs- und Artnamen geben: sie nannten es Shri devi, nach einer Gottheit aus dem tantrischen Buddhismus.

 

 

Shri devi war ein kleiner Theropode von etwa 1,8 m Länge, der vor etwa 72 Millionen Jahren lebte. Als er noch ein Velociraptor war, wäre dieses Exemplar das jüngste dieser Spezies gewesen. Gut möglich, dass Shri devi also ein direkter Nachfahre, oder zumindest eine eng verwandte Schwestergattung des berühmten Dino-Stars war.

 

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Stegastochlidus saraemcheana: stacheliger Borkenkäfer in kreidezeitlichem Bernstein gefunden!

In einem burmesischen Bernstein haben Forscher einen 4,2 Millimeter langen, recht behaarten Borkenkäfer entdeckt, der vor 100 Millionen Jahren von einem Tropfen Harz eingeschlossen wurde. Sie gaben dem zu den Rindenkäfern zählenden Tier den Namen Stegastochlidus saraemcheana (übersetzt etwa: „Sarah Emches bedeckte Verzierung“ – Sarah Emche ist Wissenschaftlerin des US-Landwirtschaftsministeriums im Bereich Agrarforschungsdienst und Freundin des zweiten Autors).

 

 

Das Besondere an diesem kreidezeitlichen Borkenkäfer sind die reichlich vorhandenen Stacheln und Borsten, die seinen Panzer bedecken. Die Forscher vermuten, dass sie als Tarnvorrichtung dienten, damit er sich im Moos gut verstecken konnte, um auf Beute zu warten. So wurden zwischen den Borsten Sporenkapseln verschiedener Pilze entdeckt, was auf diesen eher fauligen Lebensraum verweist. Die Mundwerkzeuge haben sich bei dieser Art der Konservierung durch Baumharz ebenso gut erhalten und geben ihn als Raubtier zu erkennen, das vermutlich auf kleine Insekten und deren Larven Jagd machte. Möglichweise – so vermuten die Forscher – krabbelte Stegastochlidus auch in die Brutgänge, die andere Borkenkäfer geschaffen hatten, und verspeiste deren Eier. Außerdem fanden die Forscher zwischen den Borsten noch zwei parasitische Milben, die sich anscheinend an der Körperflüssigkeit des Stegastochlidus gütlich taten.

 

Danke an Hiltrud Cantauw (Dinosaurier-Interesse.de) für den Text!

 

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Interessantes Review-Paper über die triassischen Sauropodomorphen Südamerikas!

Die Sauropodomorpha ist eine Großgruppe der Dinosaurier, deren erste große Auffaltung (Radiation) während der Trias begann. Während dieser Zeit veränderten sie ihren Körperbauplan stark: von kleinen, flinken Fleischfressern, die auf zwei Beinen liefen, wurden sie zu großen, langhalsigen und vierbeinigen Pflanzenfressern. Am Ende der Trias hatten sie so schon die ökologischen Spitzennischen unter den großen Pflanzenfressern eingenommen, und das auf allen Erdteilen.

 

 

Die Bandbreite unter den triassischen Sauropoden Südamerikas, die an drei großen Ablagerungskomplexen (Ischigualasto- und Santa Maria Formation, 235 Ma; Caturitta Formation, 226 Ma und Los Colorados- und Quebrada del Barro Formation, 215 Ma) gefunden wurden, ist dementsprechend divers, das hier auch der Ursprung dieser Dinosaurier gelegen haben dürfte. Allein schon die Gewichtsspanne reichte von Zwergen von nur 10 kg Gewicht bis zu 5 Tonnen schweren Riesen.

 

 

Um den Entwicklungsprozess dieser Tiergruppe zu verstehen, hat eine argentinische Forschungsgruppe um Diego Pol viele in der Vergangenheit erschienene Studien einem umfassenden Review unterzogen, um die Diversität der südamerikanischen Sauropodomorphen und ihre Radiation sowie ihre Verbreitungsgeschichte besser zu beleuchten.

 

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Ein Zwergsauropode und seine Welt – mitten in Europa

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Diese alte Weisheit ist der Grundtenor dieser Graphic Novel, einem Comic im Buchformat, welche ein Inselökosystem in Norddeutschland vor 154 Millionen Jahren wieder zum Leben erweckt. Der titelgebende Zwergsauropode Europasaurus, welcher im Steinbruch Langenberg in Niedersachsen 1998 gefunden wurde, steht im Zentrum und ist gleichzeitig narrativer Faden durch die Handlung. Aber er ist nur ein Teil eines viel größeren Ensembles. In mehreren Episoden wird das Leben der damaligen Tiere in ihrer Umwelt visuell erzählt. Die Geschichten sind stimmig miteinander verknüpft, sodass das jurazeitliche Ökosystem in all seinen bisher bekannten Facetten dargestellt werden kann. Damit werden die Forschungsergebnisse der langjährigen Arbeiten am Langenberg für ein breites Publikum erschlossen. (Aus einer Amazon-Rezension)

 

EUROPASAURUS: Urzeitinseln voller Leben – Life on Jurassic Islands ist am 3. November 2020 bei Dr. Friedrich Pfeil erschienen und hat 184 Seiten auf Deutsch und Englisch.

 

Mit dem Kauf über den Link unterstützt ihr den Betrieb dieser Website.

 

Überreste eines sehr großen Sauropoden in Südamerika entdeckt!

Langweilige Überschrift, oder? Dabei hat man doch letzte Woche in allen namhaften Zeitungen gelesen, dass Forscher in Argentinien das größte Landtier aller Zeiten entdeckt hätten! Warum ich das hier anders mache, hat einen Grund: Man ist es inzwischen schon gewohnt, dass bei einer Meldung von wirklich gewaltigen Dinosaurierfunden immer Superlative benutzt werden. Und sogar in der jüngst erschienenen Studie über eben diesen großen, vermutlich mit der kleineren Bonitasaura verwandten Sauropoden kam man ohne einen solchen Superlativ nicht aus: obwohl nur einige Wirbel und fragmentarische Knochen gefunden wurden, die so wenig aussagekräftig sind, dass man sie noch nicht einmal einer bekannten Art zuordnen bzw. keine neue Art beschreiben konnte, wurde der Vergleich mit Patagotitan, der als „größter“ Dinosaurier überhaupt gilt, nicht gescheut.

 

 

Doch solche reißerischen Vergleiche sind meiner Meinung nach Unsinn, genau wie die Deklarierung „Größter Dinosaurier“ für Patagotitan. Für ein kleines Kind mag es noch interessant und pädagogisch sogar wichtig und richtig sein, die vermeintlichen Superlative zu lernen, da es ja den Wunsch hat, genau zu wissen, wer der größte, stärkste oder gefährlichste Saurier war. Als Erwachsener Dino-Enthusiast und besonders als Paläontologe sollte man diese Sichtweise aber meiner Meinung nach besser ablegen. Der einfache Grund: für den Gigantismus eines Landtieres mit dem Körperbau eines Sauropoden gibt es physikalische Grenzen. Diese Grenzen haben manche Sauropoden tatsächlich voll ausgeschöpft, aber das haben mehrere Gattungen und Arten auf der ganzen Welt über viele Millionen Jahre hinweg getan, und eben nicht nur Patagotitan. Es lässt sich also überhaupt nicht sagen, welcher nun wirklich der größte war, denn die Natur hat ihnen allen ab einem gewissen Punkt Einhalt geboten.

 

 

Gleiches gilt für heutige Tiere. Es lässt sich z.B. auch darüber streiten, welcher Bär denn nun das größte Landraubtier unserer Zeit ist. So erreichen Eisbären im Durchschnitt höhere Gewichte als Braunbären, jedoch werden bestimmte Populationen der Braunbären (v.a. die von der Insel Kodiak) deutlich größer und schwerer als durchschnittliche Eisbären. Der größte je erlegte Bär aller Zeiten soll aber wiederum ein Eisbär gewesen sein.

 


Solche Streitereien bringen also nichts, weil sie sich an den Werten von Durchschnitts- und Ausnahme-Exemplaren aufhängen, und das ist bei Dinosauriern sogar noch ein deutlich breiteres Feld. Von vielen Sauropoden wurden inzwischen wahrhaft gigantische (Teil-)Fossilien entdeckt, und man könnte mehr als ein Dutzend verschiedene Sauropoden-Gattungen benennen, die um den Titel „größter Dinosaurier aller Zeiten“ konkurrieren.

 

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Psittacosaurus: Neue Studie über die Fortpflanzungsorgane von Dinosauriern

Das Frankfurter Exemplar des Psittacosaurus, das in der Jehol Formation der unteren Kreidezeit Chinas gefunden wurde und heute im Senckenberg Museum ausgestellt wird, gehört zu den am besten erhaltenen Dinosaurierfossilien der Welt. Nicht nur das Skelett, sogar Haut und Federn sind in so gutem Zustand, dass Forscher sogar die Farbe des Tieres bestimmen konnten. Und auch die Weichteile, sogar die Genitalien des Tieres sind überliefert.

 

Lebendrekonstruktion von Psittacosaurus nach Bob Nicholls.

 

Die Forschungen zu diesem Thema gehen nun unter der Leitung von Jakob Vinther von der University of Bristol in die nächste Runde. Vinther und seine Kollegen schauten dem Dinosaurier noch einmal unter den Rock und verglichen die überlieferten Geschlechtsteile mit denen anderer Wirbeltiere. Dabei setzten sie 3D-Computermodelle ein, um die Kloakenöffnung virtuell aufzufalten, die während der Versteinerung flachgedrückt wurde.

 

 

Sie fanden heraus, dass die Kloake des Tieres von zwei Hautlappen bedeckt war, also nicht der eines Vogels, sondern vielmehr der eines Krokodils ähnelte. Daraus kann man ableiten, dass zumindest bei Psittacosaurus die Befruchtung auch durch Penetration und nicht nur durch einen „Kloakenkuss“ erfolgte wie bei den meisten Vögeln. Ob Psittacosaurus-Männchen tatsächlich über einen Penis verfügten, lässt sich aber nicht mit Gewissheit sagen. Vinther vermutet außerdem, dass die vergrößerten Hautlappen auch eine Duftdrüse geschützt haben könnten, und dass Gerüche bei der Partnerwerbung eine wichtige Rolle gespielt haben könnten. Dies wird von anderen Wissenschaftlern aber bereits als ein zu weiter Ausflug in die Welt der Spekulationen kritisiert.

 

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Asteracanthus ornatissimus: ausgezeichnet erhaltenes Fossil von jurassischem Urzeit-Hai aus Deutschland gibt neue Einblicke in Phylogenie und Lebensweise

Die Gegend um den Bayrischen Ort Solnhofen sah vor 150 Millionen Jahren noch ganz anders aus als heute: statt einer kontinentalen Lage im Herzen Europas lag Bayern damals noch direkt am Meer, und größtenteils sogar darunter. Einige kleine und größere Inseln, geprägt durch Mangroven, Sümpfe, kilometerlange Sandstrände und azurblauer Lagunen boten ihren Bewohnern trockenes Land. Auch Dinosaurier wie Compsognathus und der Urvogel Archaeopteryx lebten dort, während die küstennahen Riffe von Pliosauriern, Meereskrokodilen und Haien beherrscht wurden.

 


Einen dieser Urzeithaie entdeckte man bereits vor rund 180 Jahren: Asteracanthus ornatissimus gehörte zur damals sehr erfolgreichen Gruppe der Hybodontiden. Ein besonders gut erhaltenes Exemplar von über 2 m Länge wurde nun von einem Team aus österreichischen und schweizer Forschern beschrieben. Dies ist insofern ein außergewöhnlicher Fund, da Haie wie alle Knorpelfische so gut wie nie im Ganzen versteinern, sondern sonst fast nur durch Zahn- und Wirbelfossilien überliefert sind. Der Rest ihres Skeletts besteht aus Knorpeln, die üblicherweise rasch verwesen.

 


Mit diesen Ausmaßen gehörte Asteracanthus zu den größten Haien seinerzeit und auch zu den größten Hybodontiden, die ihre erste Blütezeit schon lange vor den Dinosauriern, im Devon vor mehr als 360 Millionen Jahren. Da sie erst zusammen mit den letzten großen Dinosauriern am Ende der Kreidezeit vor 66 Millionen Jahren aussterben, gehörten sie zu einer der langlebigsten Linie aller Wirbeltiere. Asteracanthus war, wie seine über 150, mit mehreren Spitzen versehenen Zähne nahelegen, wohl ein erfolgreicher Jäger, der in den Lagunen und Riffen bei der Auswahl seiner Beute nicht wählerisch war.

 

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Chinatichampsus wilsonorum: Früher Vertreter der Kaimane in Südtexas gefunden

Die Kaimane sind eine Gruppe von Krokodilen aus der Familie der Alligatoren, die heute mir sechs Arten nur noch in Süd- und Mittelamerika verbreitet sind. Dort waren sie Laufe des Känozoikums außerordentlich erfolgreich: auch Purussaurus, möglicherweise das größte Krokodil der Erdgeschichte, gehört zu ihrer Verwandtschaftslinie.

 

 

Auch wenn Krokodile schon als Tiergruppe so alt sind wie die ältesten Dinosaurier, die Entwicklungsgeschichte der Kaimane begann erst nach deren Verschwinden auf dem damals noch völlig isoliert liegenden Inselkontinent Südamerika. Lange Zeit ging man davon aus, dass die Kaimane auch mindestens bis zur Kollision mit Nordamerika auch auf diesen beschränkt blieben, doch ein Fossil aus den Eozänen Schichten der Dalquest Desert Resesarch Site am Lake Casa Blanca in Texas, das bereits 2010 bei einer Grabung entdeckt wurde, bestätigt, dass die Kaimane auch schon sehr früh ihr Verbreitungsgebiet nach Norden hin ausdehnten und sogar die Meerenge überquerten, die beide Kontinente einst trennte.

 

 

Der Grund für ihren Erfolg liegt wahrscheinlich im heißen Klima begründet, dass in dieser Zeit herrschte und den Kaimanen optimale Lebensbedingungen auch in Texas bot. Zu diesem Schluss kamen amerikanische Forscher um Michelle R. Stocker in ihrer Studie, in der sie das Kaiman-Fossil, bestehend aus einem fragmentarischen Schädel, nach Analyse des gut erhaltenen Hirnschädels von allen anderen ausgestorbenen Kaimanen abgrenzen konnten und es als neue Art Chinatichampsus wilsonorum beschrieben. Der Schädel ist etwa 30 cm lang und gehört damit zu einem mittelgroßen Kaiman, der vor etwa 42 Millionen Jahren lebte.

 

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Oberarmknochen eines Stegosauriers in Südamerika entdeckt!

Das Verbreitungsgebiet der berühmten Plattenechsen vergrößert sich weiter: nachdem ihre Fußabdrücke und auch einige Knochen im hohen Norden Schottlands gefunden wurden, konnte ein Forschungsteam um Oliver Rauhut nun einen Humerus (Oberarmknochen) eines solchen Tieres aus Südamerika identifizieren. Es ist der erste bekannte Nachweis eines Stegosauriers von diesem Kontinent. Da man aber ihre Überreste auch auf anderen Kontinenten der Südhalbkugel fand (wie z.B. Kentrosaurus in Tansania, Afrika), war es schon zu vermuten, dass die Stegosaurier auf allen Erdteilen vorkamen. Südamerika war im späten Jura vor 150 Millionen Jahren noch mit Südamerika, Afrika, Indien, Australien und der Antarktis zu einem großen Kontinent namens Gondwana verbunden. Auch nach Nordamerika und Europa gab es zeitweilig einige Landverbindungen.

 

Ein Humerus (Oberarmknochen) eines Stegosaurus (nicht das Fundmaterial; dazu liegen leider noch keine Bilder vor!)

 

Wie der südamerikanische Stegosaurier aussah, und wie er heißen soll, ist aufgrund der Spärlichkeit des Fundes aber noch nicht klar. Die Forscher konnten ihn noch nicht von anderen Arten abgrenzen, und so heißt er jetzt einfach erstmal „Stegosauria sp.„. Gefunden wurde das Fossil in der the Cañadón Calcáreo Formation von Argentinien.

 

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Cantabrigiaster fezouataensis: frühester bekannter Vertreter der Seesterne entdeckt!

Vor etwa 480 Millionen Jahren (was übrigens von uns aus gesehen fast doppelt so weit ist, wie eine Zeitreise zu den ersten Dinosauriern!) hatte das Leben die erste große Explosion seiner Entfaltung bereits hinter sich. Doch auch jetzt, in der Periode des Ordoviziums, machte die Evolution keine Pause. Aus dieser Zeit stammt u.a. das älteste Fossil einer frühen Seesterns, das von den Paläontologen Aaron Hunter und Javier Ortega-Hernández in der marokkanischen Fezouta Formation gefunden wurde.

 

 

Als Cantabrigiaster fezouataensis wurde das Tier nun neu beschrieben. Der exzellente Zustand., indem er erhalten blieb, bei dem sogar die Weichteile noch erkennbar waren, wirft neues Licht auf die Evolution der Stachelhäuter (Echinodermata). Zu denen gehören neben den Seesternen und Schlangensternen auch die Seeigel, Seewalzen und Seelilien.

 

 

Bereits Cantabrigiaster hatte bereits den für diese Tiere typischen fünfstrahligen Körperbau, allerdings noch keine durch Kalkblätter getrennten Armränder. Mit den federartigen Wedeln, in denen seine Arme auslaufen, ähnelt Cantabrigiaster auch eher noch den Seelilien, was auf eine enge Verwandtschaft beider Gruppen hindeutet. Cantabrigiaster ist also ein wichtiges „Missing Link“ zum Verständnis ihrer gemeinsamen Evolution.

 

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Ammonit mit Weichteilerhaltung gefunden!

Sie sind die wohl häufigsten Tiere des Erdmittelalters und wahrscheinlich jeder Fossiliensammler hat einen in seiner Vitrine: Ammoniten. Die Tintenfisch-Verwandten mit ihrem charakteristischen Spiralgehäuse sind typisch für alle Schichten des Mesozoikums, sodass man sie sogar für eine Erstdatierung als Leitfossil heranziehen kann.

 

 

Trotzdem bergen diese Tiere noch viele Geheimnisse. Über ihr genaues Aussehen und ihre Lebensweise ist tatsächlich kaum etwas bekannt, da zwar ihre Gehäuse milliardenfach überliefert sind, aber die weichen Körper längst verwest oder von Fleischfressern gefressen worden sind, bevor sie zum Fossil werden konnten. So ist z.B. bis heute nicht bekannt, wie viele Tentakel ein Ammonit besaß.

 

 

Eine spektakuläre Ausnahme haben Forscher nun im bayrischen Wintersdorf bei Eichstätt in Gesteinen aus dem Oberjura vor rund 155 Millionen Jahren entdeckt. Ein dort entdeckter Ammonit zeigt sowohl den Verdauungstrakt, die Kiemen und sogar die Geschlechtsorgane des Tieres, die unter UV-Licht sichtbar gemacht wurden. Die Forscher um Christian Klug beschrieben ihre Entdeckung in einer neuen Studie:

 

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Neue Studie zu Sexuadimorphismus bei Dinosauriern

Zwischen Männchen und Weibchen gibt es bei vielen Lebewesen deutlich mehr Unterschiede als nur das Geschlecht: bei vielen unterscheiden sich die Geschlechter vor alle in der Größe, in der Farbgebung und auch, was bestimmte Schmuckelemente wie Kämme, Hörner, Mähnen und Federn angeht. Dies ist besonders bei hoch entwickelten Wirbeltieren sehr praktisch, sodass die Tiere bei einem Artgenossen schon auf den ersten Blick sehen, hören oder riechen, ob sie einen möglichen Fortpflanzungspartner vor sich haben. Bei anderen Tieren unterscheiden sich die Geschlechter aber auch nur gering bis gar nicht.

 

 

Doch wie war das bei Dinosauriern? Da kann man nur anhand des Skeletts natürlich nicht erkennen, ob das Tier einmal männlich oder weiblich war. Doch könnte es Sexualdimorphismus auch bei Dinos gegeben haben? Dieser Frage ging der japanische Paläontologe Ryosuke Motani in einer neuen Studie auf den Grund. Motani analysierte die veröffentlichten Daten von 139 Arten lebender Tiere, die sexuell dimorph sind. Die bisherige Methode für Dinosaurier erkannte nur 5% der lebenden Arten korrekt als dimorph. Diese Rate konnte Motani durch Modifizieren der Methode auf 50% verbessern und auch die Fehlerquote auf unter 0,05% verringern. Eine Neubewertung der Daten von Dinosauriern legt nahe, dass zumindest bei einigen Arten wie Allosaurus fragilis wahrscheinlich ein sexueller Dimorphismus bestand. Wir werden in Zukunft durch voranschreitende Technik und neue Methoden also immer präziser sagen können, ob zwei sich sehr ähnliche Dinosaurier doch zu ein und derselben Art gehören und bloß Männchen und Weibchen einer Spezies sind.

 

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Riesige Borstenwürmer lauerten schon im Miozän auf Beute

Polychaeten sind eine Gruppe von Meereswürmern, die heute in allen Weltmeeren verbreitet sind. Doch ihre Entwicklungsgeschichte steckt voller Rätsel. Da die Würmer hauptsächlich aus Weichgewebe bestehen, dass keine gute Aussichten hat, als Fossil überliefert zu werden, sind Forscher auf die Spurenfossilien angewiesen, die uns die Urzeitwürmer hinterlassen haben: ihre Bohrlöcher und Wohnhöhlen. Und nach denen suchten Forscher um Yu-Yen Pan von der National Taiwan University nun am Nordostrand der Insel Taiwan.

 

Pennichnus (so der Name des neuen Spurenfossils) gibt neue Einblicke in die Evolution der Borstenwürmer, die ihre Lebensweise also bereits im Miozän entwickelt hatten.

 

Taiwan ist eine geologisch noch recht junge Insel, die sich erst vor rund 5 Millionen Jahren durch tektonische Auffaltungsprozesse aus dem Meer erhob. Der Nordostrand der Insel war also zuvor Meeresgrund, wo Pan und ihre Kollegen nun einen ebenso interessanten wie gruseligen Fund machten: sie stießen auf über 2m lange, L-förmige Höhlen mit einem Durchmesser von etwa 3cm, die von riesigen Meereswürmern bewohnt wurden. Diese Spurenfossilien beschrieben die Forscher nun als „Pennichnus„.

 

 

Ganz ähnlich wie heutige Borstenwürmer (Eunice aphroditois) lauerte der Urheber von Pennichnus auf vorbeischwimmende Fische. Sobald sich einer näherte, stieß der Wurm blitzschnell hervor, packte sein Opfer und zerrte es in ihren Bau, wo er es tötete und verschlang. Die Ränder der Bohrhöhlen wiesen eine hohe Konzentration von Eisen auf, was darauf schließen lässt, dass die Würmer ihre Gänge mit Schleim ausstatteten, um die Schäden zu reparieren, die ihre sich noch wehrende Beute darin anrichteten.

 

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Das war es für heute mit den Paläo-News! Und ich kann versprechen: Es wird genauso interessant weitergehen!


Artikel der Woche

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Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag! Wir lesen uns dann wieder in 14 Tagen! Bis dahin alles Gute, bleib gesund!

 

Markus Kretschmer

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