Mein Wort zum Sonntag – 24. Mai 2020

Lesedauer: etwa 12 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

 

Zum ersten Mal seit so vielen Wochen konnte ich an diesem Wochenende meine Familie wieder besuchen. Deshalb melde ich mich heute einmal nicht aus Kiel, sondern aus dem idyllischen Bokensdorf.

 

Dort habe ich nun auch endlich einen Beitrag zu dem Leseprogramm des Ehrlich Verlages eingelesen, die ihr euch bald schon auf unserem YouTube-Channel anschauen könnt. Natürlich handelt es sich dabei um eine spannende Stelle aus meinem neuen Buch, auf das du vielleicht schon sehnsüchtig wartest. Um dir die Wartezeit zu verkürzen, schau unbedingt mal rein!

 

Wir. Gemeinsam. Für Literatur

 

Lange dauert es nun hoffentlich nicht mehr, denn sowohl mein Lektor Christoph und ich sind sehr fleißig, um „Blut der Sonne“ endlich druckreif zu kriegen. Ein paar Wochen musst du dich jetzt aber noch gedulden.

 

Leider hat sich immer noch nichts daran geändert, dass alle Künstler, also auch wir Autoren, gerade eine schmerzhafte Phase mit finanziellen Engpässen durchmachen müssen, da uns aufgrund der nicht stattfindenden Lesungen ein wichtiger Teil unserer Einnahmen verloren geht. Aus diesem Grund sind die Online-Lesungen zwar gratis anschaubar, ich bitte jedoch im Namen aller Autoren darum, uns für unsere Mühen einen kleinen Obulus zum Dank in unseren „virtuellen Hut“ zu werfen:

 

Link zum „virtuellen Hut“. Jede Spende hilft! Danke!


Das Bild der Woche

Das heutige Hell Creek-Bild zeigt zwei Schildkröten der prähistorischen Art Saxochelys gilberti, die im letzten Jahr neu beschrieben wurde und hier vor einem Dakotaraptor auf der Hut sein müssen, der ihnen an einem Flussufer nachstellt. Das Bild habe ich im Novataxa-Blogspot gefunden, der die Erstbeschreibung der Schildkröten illustriert hat:

Zwei Schildkröten der prähistorischen Art Saxochelys gilberti, die vor einem Dakotaraptor auf der Hut sein müssen.

Die Paläo-News

Kommen wir nun wieder zu den Nachrichten aus der letzten Woche:


Theropoden: Sprinter oder Marathonläufer?

Die wohl vielseitigste Gruppe unter den Dinosauriern waren die Theropoden. Das Spektrum reichte von geradezu einzigen Waldbewohnern über gemächlichen Alles- und Pflanzenfresser bis hin zu gewaltigen Jägern. Um genauer zu bestimmen, welche Theropoden nun besonders flink, welche aber nicht zu den schnellen Läufern zählten, Wissenschaftler vom Mount Marton College in South Dakota die Beinlängen, Körpergrößen und das Gewicht von mehr als 70 Theropoden-Arten ausgewertet.

Stimmt dieses Bild? Tyrannosaurier als Sprinter.

Das Ergebnis: längere Hinterbeine brachten den Theropoden nur bei einem Körpergewicht von etwa einer Tonne eine höhere Geschwindigkeitsleistung. Bei größeren Theropoden ging der Trend dann vielmehr in Richtung der Energieersparnis, sodass sie vielmehr nur für kurze Sprints, aber vor allem für lange Wanderungen gebaut waren, sie aber schnelle Beute nicht mehr über längere Distanz hetzen konnten. Sehr große Fleischfresser wie zum Beispiel Tyrannosaurus profitierten also nicht mehr in Sachen Speed von ihren verhältnismäßig langen Hinterbeinen, da sie das Geschwindigkeits-Potenzial bereits voll ausgereizt hatten und ihnen ihre schwerer Körper nun nicht mehr erlaubte, zu rennen: ein Fuß musste immer am Boden bleiben.

 

Die langen Beine der Tyrannosaurier brachten jedoch trotzdem einen großen Vorteil mit sich, da sie durch die größeren Schrittlängen erheblich energiesparender liefen als andere große Raubsaurier. Tyrannosaurier brauchten dadurch etwa 16 kg weniger Nahrung pro Tag als andere gleichgroße Fleischfresser wie zum Beispiel die Allosauroiden. Die jagten wohl ganz andere, schwerfällige Beutetiere wie Thyreophoren und vor allem Sauropoden und brauchten dazu keine große Ausdauer, um sie zu überwältigen. Für die Jagd auf Cerstopsier und Hadrosaurier sei Ausdauer aber wohl unerlässlich gewesen.

 

Die Studie stützt auch die Annahme, dass Tyrannosaurier im Rudel auf die Jagd gingen, denn eine Strategie, die auf Ausdauer und Cleverness setzt, funktioniert in der Gruppe immer noch am besten.

 

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Flugsaurier lebten gefährlich

Viele Pterosaurier ernährten sich von Fischen, doch am Ende der Kreidezeit wurden sie nicht selten auch selbst zur Beute von Haien und großen Knochenfischen, wie schon seit langem bekannt ist. Besonders spektakulär: ein Wirbelknochen eines riesigen Pteranodon, in dem noch der Zahn des Urzeit-Hais Squalicorax steckte.

 

Flugsaurier lebten gefährlich, hier das Fossil mit dem beschriebenen Biss.

 

Ein im Jahr 2014 entdeckter und nun präparierter Fund trägt zu dem Bild der gefährlich lebenden Flugsaurier bei: hier fanden die Forscher nicht nur Haibisse! Die deutlich sichtbaren Kratzer auf dem Knochen eines jungen Pteranodon hielt der Präparator dabei zuerst noch für einen Patzer seinerseits und er glaubte, er hätte das Fossil beschädigt. Die Risse passen jedoch eindeutig zu den Zähnen des Barrakuda-ähnlichen Raubfischs Saurodon. Der etwa 40 kg schwere Flugsaurier wurde also gleich von mehreren Fischen angeknabbert, bevor er schliesslich versteinerte.

 

Bildquellen: Mark Witton, Dana Ehret
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Die Herkunft der Theropoden

Woher kommen die Theropoden? Eine neue Studie des Smithsonian klärt ihre Ursprünge

 

Woher kamen eigentlich die riesigen fleischfressenden Dinosaurier? Tatsächlich waren die Top-Räuber unter den Dinos über viele Millionen Jahre relativ klein. In der Trias kamen nur die wenigsten über die Größe eines Schäferhundes hinaus, und auch im frühen Jura blieben die meisten Theropoden weit hinter den Berühmtheiten zurück, die uns in den Museen vor Ehrfurcht erzittern lassen: Giganten wie Allosaurus, Carcharodontosaurus und natürlich Tyrannosaurus traten jedoch erstmal im späten Jura und in der Kreidezeit auf, also erst, als die Dinosaurier die Hälfte ihrer Herrschaftszeit schon hinter sich hatten.

 

Ein neuer Artikel des Smithsonian Museums beleuchtet den interessanten Werdegang der Super-Theropoden, deren Geschichte immer noch viele Geheimnisse birgt.

 

Bildquellen und Link zum Artikel

 


Neue „Säbelzahn-Sardelle“

 

Säbelzahlsardelle
Sardellen mit einem einzigen Säbelzahn

Das große Massenaussterben am Ende der Kreidezeit fegte auch die Ozeane leer. Nachdem die großen Meeresreptilien verschwunden waren, hätte Mutter Natur also wieder genug Platz, um neue Dinge auszuprobieren. Und so erfuhren auch die Knochenfische eine schnelle Radiation und spalteten sich in viele neue Arten auf – darunter auch einige richtig bizarre.

 

In Belgien und Pakistan entdeckten Forscher nun die Fossilien zweier etwa 50 Millionen Jahre alter skurriler Knochenfische, die eng mit den heutigen Sardellen verwandt sind. Allerdings haben sie nicht viel mit dem harmlosen, planktonfressenden Pizzabelag unserer Tage gemeinsam: Clupeopsis straeleni und Monosmilus chureloides waren erstens deutlich größer (0,5 bzw. knapp über einen Meter lang), und außerdem verfügten sie über mächtige Fangzähne, mit denen sie anderen Fischen das Leben schwer machten. Besonders Monosmilus sticht mit einem extrem verlängerten Vorderzahn hervor, der so groß war, dass er aus dem Maul hervorragte.

Die „Säbelzahn-Sardellen“ erinnern damit etwas an den auch in „Die weißen Steine“ vorkommenden „Säbelzahn-Hering“ Enchodus, jedoch sind sie nicht besonders eng miteinander verwandt. Die oberflächliche Ähnlichkeit ist das Ergebnis konvergenter Evolution.

 

Bildquelle: Joschua Knüppe

 

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Australische Megafauna verschwand wohl nicht (nur) wegen uns Menschen

australische Megafauna
Szenenbild der australischen Megafauna

 

Auch auf dem abgelegenen Inselkontinent Australien lebten während der letzten Eiszeit riesige Tiere, jedoch aufgrund der Millionen Jahre langen Isolation eine einzigartige Megafauna: riesige Kängurus und nashorngroße Wombats, Warane von über 6 m Länge und gewaltige „Donnervögel“ mit einem Gewicht von über 300 kg. All diese Tiere gab es noch, als die ersten Menschen – die Vorfahren der Aborigines – den Kontinent erreichten, in der Zeit vor etwa 50.000 Jahren.

 

Eine neue Studie untersuchte nun, aus welchem Grund all die großen Tiere binnen kürzester Zeit verschwanden. Lange Zeit war die Ankunft des Menschen als wichtigste Ursache benannt worden, doch überraschenderweise fanden die Forscher hierfür keinerlei Belege. Mehr als zehntausend Jahre lang haben demnach Menschen und australische Riesentiere miteinander gelebt, ohne dass es zu einem starken Artenschwund kam.

 

Doch dann geschah alles recht plötzlich: vor etwa 40.000 Jahren sorgte ein massiver Klimawandel für drastische Umweltveränderungen. Es wurde merklich trockener, und auch Belege für häufig auftretende Buschfeuer konnten von den Forschern sichergestellt werden. Auch in Gegenden, die noch nicht oder nur sehr spärlich von Menschen besiedelt waren, ging es für die Tiere nun bergab. In nur wenigen Jahrhunderten waren die meisten von ihnen ausgestorben.

Zwar kann ein Zusammenhang zwischen Umweltfaktoren und Bejagung durch den Menschen dadurch nicht rigoros ausgeschlossen werden, den Forschern zufolge ist es aber wahrscheinlicher, dass die Natur selbst für das Ende der australischen Großtieren der Hauptfaktor war.

 

Bildquelle: Peter Trusler, Monach University

Link zur Studie


Eurasischer Waldelefant in Schöningen entdeckt!

Waldelefanten und ihre Jäger
Eine Gruppe Heidelberg-Menschen und Waldelefanten

 

Neuer spektakulärer Fund aus dem niedersächsischen Schöningen: dort fanden Archäologen das etwa 300.000 Jahre alte und nahezu vollständiges Skelett einer Elefantenkuh. Die Eurasischen Waldelefanten wurden jedoch deutlich größer als ihre modernen Verwandten aus Afrika. Die gefundene Kuh war mit einem geschätzten Gewicht von 6,8 Tonnen schon so groß wie ein wirklich großer afrikanischer Elefantenbulle und besaß gewaltige Stoßzähne von 2,8 m Länge.

 

Das Tier ist vermutlich an Altersschwäche gestorben, so vermuten die Forscher, doch weisen die Knochen zahlreiche Biss- und Schneidspuren auf. Offenbar haben sich gleich mehrere Aasfresser über den Kadaver hergemacht – unter ihnen auch Frühmenschen, die ebenfalls in den deutschen Urwäldern während der langen Eem-Warmzeit lebten.

 

Bildquelle: Karol Schauer; National Geographic.

Artikelquelle


Kurioser Einbruch in Sydney

Bei dem 25-jährigen, der vor zehn Tagen unbefugt in das noch geschlossene Australische Museum  einbrach, handelt es sich offenbar um einen deutschen Studenten. Der junge Mann muss sich nun wegen seines Verhaltens vor dem örtlichen Gericht verantworten: er posierte bei seinem Einbruch vor mehreren Exponaten, u.a. den Repliken von Dinosaurier-Fossilien, und machte mit ihnen Selfies. Unter anderem steckte er seinen Kopf zwischen die Kiefer eines ausgestellten Tyrannosaurus-Schädels. Darüber hinaus entwendete er sowohl einen Hut eines der Angestellten sowie einen in der Meldung nicht näher benannten Kunstgegenstand.

Welche Folgen der kuriose Museumsbesuch für den Typen haben wird, ist derzeit noch nicht klar, genauso wenig wie, er überhaupt in das Museum hereinkam.

 

Selfie mit Theropode
Eines der dämlichsten Selfies, die man sich vorstellen kann, oder?

 

Bildquelle: Überwachungskamera des Museums.

Artikel zum Weiterlesen


Riesiger Panzerfisch Titanichthys war kein Jäger, sondern Planktonfresser

 

Titanichthys
Titanichtys waren Planktonfresser, wie die modernen Riesenhaie

Im Devon, einer Periode der Erdgeschichte vor etwa 380 Millionen Jahren und damit noch lange vor den Dinosauriern, als gerade die Amphibien als erste Wirbeltiere ihren Fuß auf das Land setzten, wurden die Ozeane noch von großen Panzerfischen beherrscht. Einige dieser bizarren Kreaturen konnten deutlich über 6 m Körperlänge erreichen, wie der gewaltige Dunkleosteus, der wohl bekannteste Fisch und größte Jäger dieser Zeit.

 

Neben Dunkleosteus existierten jedoch auch kaum weniger riesige Panzerfische, die sich jedoch – wie jetzt in einer neuen Studie herausgefunden wurde – als friedliche Planktonfresser verdingten. Titanichthys termieri, dessen Fossilien in Marokko gefunden wurden, besaß weit leichtere und flexiblere Kieferknochen, die, wie man jetzt weiß, ähnlich wie die eines Walhais oder Bartenwals zum Filtrieren eingesetzt werden konnten.

 

Bildquelle: Mark Witton.

Artikelquelle


Interessanter Ichthyosaurier-Fund aus Nevada

Wie anspruchsvoll und aufwendig die Arbeit von Paläontologen sein kann, und wie viele Jahre der harten Arbeit sie von ihnen fordert, bevor sie eine bedeutsame Entdeckung machen können, beschreibt die Geschichte von Martin Sanders und seinem Cymbospondylus.

 

Schon seit 20 Jahren beschäftigt sich der deutsche Paläontologe mit ausgestorbenen Wirbeltieren aus Nevada. Im Jahre 2011 begann er mit seinem Team die Erforschung einer neuen Grabungsstelle, die als Hot Spot für triassischen Meeresreptilien galt. Die spektakulären Funde blieben aber lange Zeit aus. Immer wieder musste das Team enttäuscht zusammenpacken und nach Ablauf der Grabungszeit die Ausgrabungsstelle verlassen, wohlwissend, dass es Monate oder gar Jahre dauern würde, bis sie ihre Arbeit fortsetzen konnten.

 

Erst 2014 stießen Sanders und sein Team in den Augusta Mountains auf das Rückgrat eines großen Meeresreptils von der Größe eines Delfins. Und das besondere an dem Tier: es war trächrig! Mit 247 Millionen Jahren auf dem Buckel ist das Fossil nun das zweitälteste bekannte Ichthyosaurier-Fossil mit ungeborenem Nachwuchs, und obendrein noch eine neue Art der Gattung Cymbospondylus, die Sanders nun als C. duelferi neu beschreiben konnte.

 

Die Art ist mit etwa 3,5 m Länge im Vergleich zu anderen Cymbospondylus-Arten, die mehr als 15 m erreichen konnten, relativ klein, besaß aber einen mächtigen Schädel mit sehr großen Zähnen, mit denen das Tier Fische und Kopffüßer in den Meeren der frühen Trias fing. Das Fossil ist ein spannendes Zeugnis für die Zeit kurz nach dem größten Massenaussterben im Perm und belegt, dass sich das Leben in den Meeren rasch wieder neu entfalten konnte.

 

Bild- und Artikelquellen:

Martin Sander;

Bild- und Artikelquellen: Martin Sander; Dinopedia


Ungewöhnlicher Verwandter der Seelilien entdeckt

Und noch eine Nachricht für alle Fußballfans: Kaum hat die Bundesliga wieder begonnen (wovon man halten kann, was man will…), ist auch die Naturwissenschaft im Fußballfieber. Jüngst wurden in außerirdischen Molekülproben, sogenannte „Buckyballs“, also Kohlenstoffstrukturen nachgewiesen, die in ähnlicher Form wie ein Fußball angeordnet waren: die charakteristische Oberflächenform, bestehend aus vielen Sechs- oder auch Achteckecken, wie wir sie vom runden Leder kennen, kommt auch in der Natur vor und gibt diesen Molekülen ihre Stabilität.

 

Fußbälle sind also eine alte Erfindung der Natur.

 

Doch damit noch nicht genug des Fußballwahnsinns: sogar Fossilien aus der oberen Kreidezeit belegen, dass „Fußbälle“ schon eine ganz alte Erfindung der Natur sind. Wirbellose Seetiere wie Uintacrinus socialis und Marsupites testudinarius waren Verwandte der heutigen Seelilien und besaßen wahrscheinlich eine ähnliche Lebensweise, doch auch sie sahen aus wie kleine Fußbälle. Ihre Fossilien wurden in 80 Millionen Jahre alten Schichten aus Australien entdeckt und nun wissenschaftlich beschrieben.

 

Bildquellen: University of Western Australia; NASA

Artikel zum Weiterlesen

Link zur Studie


Das war es aus dieser Woche mit den Neuigkeiten aus der Paläontologie. Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag, und bis zum nächsten Mal!

 

Liebe Grüße,

 

Markus Peter Kretschmer

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