Mein Wort zum Sonntag – 25. Oktober 2020

Lesedauer: etwa 19 Minuten
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Einen schönen Sonntag wünsche ich dir!

Der Blick aus dem Fenster meines Arbeitszimmers könnte schöner kaum sein: Die Herbstfarben laden zu einer Radtour ein, die ich solange das Wetter hält auch gleich nach Fertigstellung dieses Artikels unternehmen werde. Radtouren sind zur Zeit ja noch gut möglich, und man kann sich damit gut die sorgenvollen Nachrichten vertreiben, die uns in den letzten Tagen ereilt haben. Noch ist der Norden, wo ich wohne, glücklicherweise kein Risikogebiet und wir haben hier auch keine Sperrstunden oder ähnlich einschneidende Regelungen. Noch haben wir bundesweit auch keinen zweiten Lockdown. Die Schulen und Kitas sind weiterhin offen.


Aber auch die Museen und Freizeitparks haben noch bzw. wieder geöffnet, und da in vielen Bundesländern noch Ferien sind: stattet ihnen doch mal einen Besuch ab. Sie sind nach der langen Zeit, in der sie schließen mussten, auf jede Unterstützung angewiesen, und auch ihr habt da nochmal die Möglichkeit, rauszukommen. Solange ihr die Hygiene- und Abstandsregeln einhaltet, könnt ihr dort noch einen schönen Tag mit der Familie genießen. Und es schaudert mich, dass ich diesen letzten Satz schreiben muss: Genießt es, solange es noch geht.


Bild der Woche

Ein Ankylosaurus genießt einen Schluck aus einer kristallklaren Bergquelle an den Hängen der laramidischen Gebirgskette, um in den frühsommerlichen Tag zu starten. Doch es wird wahrscheinlich sein letzter sein, denn ein gewaltiger Asteroid rast auf den Golf von Mexiko zu…

 

Bildquelle: Fabio Manucci
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Der Tyrannosaurus im Regalformat

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Paläo-News

Es gab in den letzten Wochen allerdings auch viele spannende und interessante Nachrichten abseits von Corona, nämlich aus der Welt der Urzeitforschung:


Früher basaler Abelisaurier aus Brasilien entdeckt: Spectrovenator ragei

In der brasilianischen Quiricó-Formation stießen Wissenschaftler auf die fossilen Überreste eines der bislang ältesten Exemplare der Abelisaurier. Diese Linie der der basaleren Theropoden gedieh vor allem auf dem Südkontinent Gondwana, der sich in der frühen Kreide schon bereits von den Regionen weiter nördlich getrennt hatte. Vor etwa 126 bis 112 Millionen Jahren vergrößerten sich die Abstände zwischen Südamerika, Afrika, Indien, der Antarktis und Australien weiter, als die Kontinente allmählich auf ihre heutige Position zusteuerten.

 

Während zu dieser Zeit noch die mächtigen  Carcharodontosaurier in Südamerika die dominanten Landbeutegreifer waren, machte sich bereits eine weitere Theropodenfamilie bereit, ihren Platz an der Sonne zu fordern: die Abelisaurier. Mit ihren kurzen Ärmchen und den kräftigen Kiefern unverkennbar, waren diese schnellen Jäger auf ganz andere Beutetiere spezialisiert.

 

 

Der neuentdecktes Spectrovenator (übersetzt „Geisterjäger“), von dem ein gut erhaltener Schädel überliefert ist, gibt nun neue Einblicke in die frühe Entwicklungsgeschichte dieser Tiere, da deren Schädel sonst vor allem nur aus der Oberkreide bekannt sind. Bei Spectrovenator fehlen noch die für spätere Abelisauriden charakteristischen speziellen Kiefermerkmale.

 

Lebendrekonstruktion von Spectrovenator ragei. Bildquelle: Sergey Krasowskiy

 

Bildquellen und Link zur Studie:


Forscher entdecken in fossilem Weichgewebe Fortpflanzungsorgan eines Dinosauriers!

 

Einer Forschergruppe um Phil R. Bell könnte eine Sensation gelungen sein: bei der genauen Untersuchung einer Psittacosaurus-Fossilmumie, die derzeit im Senckenberg-Museum von Frankfurt am Main ausgestellt ist, entdeckten sie eine vogel- bzw. krokodilartige Kloake.

 

Die Kloake ist die gemeinsame Körperöffnung von Darmausgang und den Fortpflanzungsorganen bei allen eierlegenden Landwirbeltieren. Die Forscher machten die genaue Position des Organs zwischen Schwanzwirbelsäule und Beckengürtel des noch nicht ausgewachsenen Tieres fest.

 

 

Da sich die Kloake von männlichen und weiblichen Tieren aber nicht äußerlich unterscheidet, konnten sie das Geschlecht des jungen Psittacosaurus leider nicht bestimmen. Trotzdem ist diese Entdeckung eine Sensation: bislang konnte über den genauen Aufbau der Fortpflanzungsorgane von Dinosauriern nur spekuliert werden.

 

Psittacosaurus Senckenberg
Das Psittacosaurus-Fossil aus dem Senckenberg-Museum in Frankfurt (Foto by Ghedoghedo, CC 3.0)

 

Bildquelle und Link zur Studie (Hinweis: Die Studie ist noch brandneu und muss noch das Peer Review durchlaufen. )


Ein Dino mit Super-Sinn: Forscher entdecken druckempfindliche Schwanzschuppen bei Juravenator starki

Als der Juravenator, dessen Überreste in der Fränkischen Alb gefunden wurden, im Jahr 2006 beschrieben worden war, wunderten sich die Forscher noch, dass trotz fossiler Hautreste kein Hinweis auf ein Federkleid gefunden werden konnte. Damals begründeten es die Forscher damit, dass das gefundene Exemplar möglicherweise noch zu jung war, um Federn auszubilden, oder dass der Juravenator vielleicht nur saisonal ein Federkleid trug – oder dass diese einfach nicht fossil überliefert worden waren. Im Jahr 2011 stellten die Forscher dann bei weiteren Untersuchungen der Augenhöhlen im Schädel fest, dass dieser Saurier wahrscheinlich nachaktiv war.

 

Lebendrekonstruktion von Juravenator. Bildquelle: Jake Baardse.

 

Nun haben Forscher ein weiteres Detail beim Juravenator gefunden, das die beiden vorherigen Ergebnisse miteinander zu verbinden scheint: An den fossilen Hautresten, die von der Schwanzunterseite des Juravenator-Exemplars stammen, konnten die Forscher regelmäßige, kreisrunde Erhebungen auf den Schuppen entdecken, die an die Integument-Sinnesorgane (ISOs) der heutigen Krokodile erinnern.

 

Mit diesen ISOs nehmen Krokodile die Bewegung von Beutetieren in ihrer Umgebung, die Wassertemperatur und den Säuregehalt des Wassers wahr. Sollte Juravenator tatsächlich nachts auf Beutefang gegangen sein und dabei durch die damalige Lagunenlandschaft der heutigen Schwäbischen Alb gestreift sein, könnten diese ISOs dem kleinen Raubsaurier neben seinen anderen Sinnesorganen beim Aufspüren seiner Beute gute Dienste geleistet haben.

 

Link zur Studie:


Langlebige Ur-Säuger: Führten sie ein Leben wie Reptilien?

Forschern der University of Bristol machten stellten bei der Untersuchung der Zähne von triassischen Ursäugern erstaunliches Fest: als sie den Aufbau des Zahnschmelzes analysierten, konnten sie dabei Wachstumsringe nachweisen. Ganz wie bei den Jahresringen der Bäume lässt sich sehr gut berechnen, wie viele Jahre der ehemalige Besitzer des Zahns bereits am Leben war, bevor er ihn verlor – bzw. starb. Da Säugetiere anders als die meisten Reptilien nur einmal und sehr früh im Leben ihre Zähne wechseln, kann man daraus ableiten, wie alt die frühen Säuger geworden sind.

 

 

Heutige Nagetiere vergleichbarer Größe, also zum Beispiel Hamster, Mäuse, Ratten und Eichhörnchen, haben eine relativ geringe Lebenserwartung. Mit einer hohen Stoffwechselrate und einer hohen Vermehrungsfreudigkeit ausgestattet, reicht ihnen eine kurze Lebensspanne aus, um ihr Fortbestehen zu sichern: kaum einer dieser Zwerge wird älter als ein paar Jahre.

 

 

In der Trias war das jedoch anders: bei den frühen Säugern, wie Morganucodon oder Kuehneotherium, lassen die Zähne auf eine deutlich höhere Lebenserwartung zwischen 9 und 15 Jahren schließen, was viel eher zu der Lebenserwartung von Echsen und kleinen Waranen passt.

 

Die Ursäuger führten also eine deutlich entschleunigten Lebenswandel, setzten vermutlich weniger Nachkommen in die Welt und benötigten dafür auch weniger Energie. Obwohl auch sie sehr wahrscheinlich schon warmblütig waren, schlug ihr Herz wahrscheinlich deutlich langsamer als das eines heutigen Nagers.

 

 

Dass frühe Säugetiere so oft mit Nagern verglichen werden, sollte also überdacht werden: vermutlich hatten sie hinsichtlich ihres Lebensstils überhaupt nicht viel mit ihnen gemein!

 

Bildquellen und Link zur Studie


Die Spinosauriden von Iberia: Studie fasst Datenlage über westeuropäische Spinosaurier zusammen

In den letzten Jahren wurde der Fossilberichte über die Theropoden der iberischen Halbinsel immer reichhaltiger. Aus Portugal und Spanien wurden dabei viele neue Gattungen und Arten aus den Schichten der unteren Kreidezeit zutage gefördert, meist jedoch nur beschrieben an fragmentarischen Knochenresten und Zahnfossilien. Auch Spinosauriden waren mit dabei, hauptsächlich aus den Becken von Cameros und Maestrazgo im Osten Spaniens. In der Vergangenheit wurden diese Fossilien meist der aus England bekannten Gattung Baryonyx zugeordnet.

 

Die Spinosauriden von Iberia, nach den Rekonstruktionen von Robinson Kunz; Felipe Elias und Cisiopurple (DeviantArt): Baryonyx (oben), Vallibonavenatrix und Camarillasaurus.

 

In einer neuen Studie nahm eine Forschergruppe um Elisabete Malafaia die Fossilien genauer unter die Lupe. Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass in der Unterkreide mindestens drei Spinosauriden-Taxa in Iberia lebten: der schon genannte Baryonyx walkeri (oben) oder eine sehr eng verwandte Art, Vallibonavenatrix cani (Mitte) und möglicherweise auch Camarillasaurus cirugedae (unten), dessen Überreste erst kürzlich als die eines Megalosauroiden interpretiert wurden. Die letzten beiden scheinen verwandtschaftlich auch den Spinosauriden aus Gondwana nahezustehen als denen aus Nordwesteuropa.

 

Link zur Studie


Sensation: Erstmalig Überreste von Baby-Tyrannosauriern untersucht!

Bereits in den Jahren 1987 und 2017 wurden in der kanadischen Provinz Alberta Fossilien gefunden, die eine Forschergruppe der University of Edinburgh nun als die Überreste eines jungen Theropoden aus der oberen Kreidezeit identifizieren konnten. Sehr wahrscheinlich stammen die fossilen Zehenkrallen und die fragmentarischen Kieferknochen von einem Albertosaurus sarcophagus, eines älteren Verwandten des Tyrannosaurus rex.

 

Größenvergleich verschiedener Albertosaurus-Individuen mit Gregory Funston, dem Urheber der Studie und Illustrator der Bildquellen dieses Artikels.

 

Der Fund zeigt, dass die gewaltigsten Beutegreifer aller Zeiten einmal winzig anfingen: ihre Schädel waren kaum größer als eine Feldmaus! Ausgewachsen erreichte auch schon Albertosaurus Körperlängen von über neun Metern. Weil die winzigen Fossilien nur schwer aus dem umgebenden Stein herauszulösen waren, sind sie bislang niemals wissenschaftlich untersucht worden. Mithilfe modernster Scan-Techniken war es aber nun möglich, das Fossil zu untersuchen, auch ohne es aus dem Stein heraus zu präparieren.

 

 

Aufgrund des Entwicklungszustandes der im Kiefer angelegten Zähne, aber auch der wohl noch nicht vollständig verhornten Zahnkrallen kamen die Forscher zu dem Schluss, dass sie entweder die Überreste von gerade erst geschlüpften Tyrannosauriern in Händen hielten, oder, was sogar noch wahrscheinlicher ist, dass es sich noch um Embryonen handelt. Zwar wurden am Fund keine Eierschalen gefunden, doch muss dies nichts heißen: einige Dinosaurier legten auch Eier mit weicher Schale, die nicht gut fossiliert.

 

 

Fossilien von Theropoden-Jungtieren sind extrem selten, von derart jungen sogar bislang völlig unbekannt. Die meisten Funde von juvenilen Tyrannosauriern stammen von Tieren, die mindestens schon ein Alter von zwei Jahren hatten. Somit ist der Fund eine echte Sensation.

 

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Bernstein-Fossilien aus Myanmar geben neue Erkenntnisse über die Evolution der Insekten

Eingeschlossen in fossilem Baumharz und so für Ewigkeit konserviert, sind die Bernsteinfossilien aus Myanmar wahre Schätze für die paläontologische Forschung – auch wenn der Erwerb dieser Schätze nicht unumstritten ist, wegen der schweren Menschenrechtsverletzungen, die u.a. durch den Erlös direkt mitfinanziert werden. Die Forschung hat hier also einen sehr schlechten Nachgeschmack, auch wenn die Ergebnisse oft verblüffend sind.

 


Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von David Peris von der Universität Bonn untersuchte 99 Millionen Jahre alte Insektenfossilien und konnte einige Geheimnisse dieser heute ausgestorbenen Tiergruppe lüften, die aufgrund der Schwierigkeit bei der zoologischen Zuordnung nicht zu Unrecht den Namen „Mysteriomorphidae“ bekamen.

 

 

Peris und sein Team fanden nun heraus, dass diese Käfer offenbar einen heute ausgestorbenen Zweig der Elateroidea repräsentieren, also eng mit heutigen Schnellkäfern, Weichkäfern und Glühwürmchen verwandt sind.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Evolution: immer mehr Menschen haben dritte Armarterie!

Eine interessante Studie zeigt auf, dass auch bei uns Menschen die Evolution stetig weitergeht: die ursprünglich nur im Embryonalstadium vorhandene Median-Arterie im Arm, die sich normalerweise während der weiteren Entwicklung zurückbildet, bleibt heute immer mehr Menschen als Resultat einer Mutation auch im Erwachsenenalter erhalten.

 

Während es Ende des 19. Jahrhunderts noch eine relativ seltene Anomalie war, die bei weniger als 10% aller Menschen zu finden war, weißen nach neueren Forschungen heute gut ein Drittel aller untersuchten Probanden eine solche zusätzliche Armarterie auf. Der wachsende Trend wird wohl dazu führen, dass bald die Mehrheit aller Menschen, und dass in vielleicht nur 100 Jahren sogar fast alle von uns sich über eine zusätzliche Ader im Arm freuen dürfen.

 

Bildquelle und Link zur Studie


Leptostomia begaaensis: Flugsaurier mit langem Schnabel entdeckt!

Die Ernährungsstrategien der Pterosaurier waren höchst divers, wie neuere Forschungen ergeben. Manche von ihnen fingen Fische, andere fraßen Fleisch, manche jagten am Boden nach kleineren Tieren, andere im Flug Insekten, wieder andere filterten wie ein Flamingo kleine Krebstierchen aus dem Wasser.

 

Lebendrekonstruktion von Leptostomia. Bildquelle: Megan Jacobs.

 

Ein neuentdeckter Flugsaurier, der in Gesteinen aus der späten Unterkreide Marokkos gefunden wurde und vor etwa 100 Millionen Jahren lebte, zeigt nun eine weitere Ernährungsweise auf: das etwa Truthahngroße Tier besaß einen langen, spitzen Schnabel und dürfte sich damit ähnlich wie ein Ibis oder Brachvogel seine Nahrung gesucht haben, indem es im Schlick und Schlamm des kreidezeitlichen Ufersandes nach Würmern und anderen Wirbellosen stöberte. Eine solche Ernährungsweise war für Flugsaurier bislang unbekannt.

 

 

Die Forscher beschrieben ihre Entdeckung in einer neuen Studie als Leptostomia begaaensis, der wahrscheinlich zur Familie der Azdharchiden gehörte.

 

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Fußspuren erzählen Geschichte aus der Eiszeit

Die Megafauna des pleistozänen New Mexico. Bildquelle:Cornell University.

New Mexico, der „State of Enchantment“ war vor mehr als 11.000 Jahren sicher sogar noch bezaubernder: die ersten Menschen, die damals dort lebten, mussten sich ihren Lebensraum nämlich noch mit einer ganzen Reihe von heute ausgestorbenen Großtieren teilen. Mammuts, Mastodonten, Riesenfaultiere und auch gefährliche Raubtiere wie Löwen, Wölfe und Säbelzahnkatzen bevölkerten den amerikanischen Südwesten und machten Wanderungen dort so spektakulär wie auch lebensgefährlich.

 

Die neuentdecke Menschenfährte. Bildquelle: White Sands National Park. Wie mag es wohl gewesen sein, in so einer Wildnis ein Kleinkind aufzuziehen? Einen Einblick in den Alltag des späten Pleistozäns gibt uns eine neuentdeckte Fährte aus dieser Zeit, die eine spannende Geschichte erzählt. In der schlammigen Oberfläche eines austrocknenden Seebetts haben ein junger Erwachsener, wahrscheinlich eine Mutter und ihr nur wenige Jahre altes Kleinkind ihre Abdrücke hinterlassen, und das auf einer mehr als 2 km langen Strecke.

 

Die Fährte erzählt, wie das Kleinkind auf den Arm genommen und im Laufe der Strecke mehrfach die Tragehaltung von links nach rechts gewechselt wurde. Vielleicht war es müde und konnte nicht mehr alleine weitergehen, vielleicht hat es geweint und gequengelt. Über der Fährte liegen weitere Fußabdrücke, offenbar von genau der gleichen Person – sie muss die Strecke also auf gleichem Wege noch einmal ohne das Kind zurückgegangen sein.

 

So könnte sich die Wanderung der jungen Mutter vor mehr als 11.000 Jahren zugetragen haben. Bildquelle: Karen Karr.

 

Die Fährte wird außerdem an mehreren Stellen von den Abdrücken von Großtieren gekreuzt, was deutlich zeigt, dass die Wanderung der beiden wohl kein entspannter Sonntagnachmittagsspaziergang gewesen sein dürfte.

 

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Skybalonyx skapter: ein unterirdisch lebendes Reptil aus der Trias?

Die Trias war eine der bemerkenswertesten Perioden der Erdgeschichte. Im Zuge einer sich stetig wandelnden Erde, mehrerer größer klimatischer Umbrüche und einer ganzen Reihe von Massenaussterben gezeichnet, gab es wohl zu keiner Zeit eine sich so schnell und so vielseitig ändernde Tierwelt wie in der Zeit von vor 252 bis 201 Millionen Jahren. Die Trias wird auch als „Zeitalter der Reptilien“ bezeichnet, und tatsächlich hat die Erde in dieser Zeit eine Menge verschiedenster Reptilien kommen und gehen gesehen. So gut wie alle heutigen Reptiliengruppen brachten in der Trias ihre ersten Vertreter hervor.

 

Aus der Chinle Formation geborgene Krallenfossilien eines neuen Drepanosauriers.

 

Neben den frühesten Vorfahren der Echsen, Krokodile, Schildkröten und auch der Dinosaurier lebten aber auch viele Reptilien, die es heute nicht mehr gibt. Eine Familie dieser Reptilien waren die Drepanosaurier, die besonders vielfältige Formen hervorbrachten. Die meisten von ihnen waren insektenfressende Baumbewohner, die sich mit ihren gebogenen Krallen und dem beweglichen Schwanz gut an den Zweigen festklammern konnten. Manche von ihnen könnten auch im Wasser zuhause gewesen sein, während es auch Spekulationen darüber gibt, dass einige andere sogar gleiten konnten.

 

Skybalonyx skapter nach einer Lebendrekonstruktion von Midiaou Diallo.

 

Eine aktuelle Ausgrabung in der Chinle Formation von Arizona gibt Grund zu der Vermutung, dass die Drepanosaurier auch noch eine weitere ökologische Nische besetzten: die neuentdeckte Krallen eines Tieres, das die Forscher als Skybalonyx skapter beschrieben, scheinen ideal zum Graben und Anlegen von Tunneln gewesen zu sein. Möglicherweise verbrachte diese kleine Echse, die vor etwa 220 Millionen Jahren lebte, ihre Zeit also vor allem unter der Erde.

 

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Junge Tyrannosaurier fraßen ganz anders als ausgewachsene!

Joseph E. Peterson und Karsen N. Daus von der University of Wisconsin Oshkosh haben im Rahmen ihrer neuesten Studie herausgefunden, dass Tyrannosaurus-Teenager ganz andere Tischmanieren hatten als ihre erwachsenen Artgenossen. Die Forscher untersuchten dazu die Bissmarken, die auf den Knochenresten von Edmontosauriern hinterlassen wurden, der Lieblingsbeute des T. rex.

 

Die Bissmarken auf den Wirbelknochen eines Edmontosaurus deuten darauf hin, dass hier ein 11 bis 12 Jahre alter Tyrannosaurus-Teenager fraß.

 

Mithilfe von Silikonabdrücken konnten Petersen und Daus einerseits die Form und Größe der Zähne bestimmen und sie im Vergleich den Fossilien eines jugendlichen T. rex zuordnen, der ein Alter von 11 bis 12 Jahren hatte. Außerdem konnten sie die Kraft berechnen, die die Zähne des Tyrannosaurus auf den Edmontosaurus-Wirbel ausgeübt hatten.

Die Gebissmorphologie unterscheidet sich bei ausgewachsenen und jungen Tyrannosauriern sehr deutlich.

 

Der Tyrannosaurus-Teenager hat offenbar mit einer Kraft von unter 1.000 kg pro Quadratzentimeter auf den Knochen gebissen, was immerhin in etwa der Kraft eines heutigen Flusspferdes entspricht. Das ist jedoch nichts im Vergleich zu einem ausgewachsenen T. rex, der mit der beinahe fünffachen Kraft zubeißen konnte.

 

Die Spuren erzählen außerdem, dass der Teenager mit seinen schmalen, scharfen Zähnen auch eher reißende Bewegungen ausgeführt hat, als er fraß. Ein Erwachsener, dessen Zähne auch viel breiter gewesen sind, zermalmte seine Nahrung regelrecht, zerbrach Knochen und zerquetsche Muskeln und Sehnen, um dann riesige Stücke im Ganzen zu verschlingen, während die Jungtiere ihre Nahrung zuvor in mundgerechte Happen zerrissen.

 

Bildquellen und Link zur Studie


Neue Studie bestätigt: Scimitar-Katzen waren ausdauernde Jäger

Forscher betrachten heute längst nicht mehr nur die Fossilien, um Rückschlüsse auf das Leben eiszeitlicher Großtiere zu gewinnen. Auch die Genforschung ermöglicht ihnen immer neue Einblicke, nicht nur in ihre Verwandtschaftsbeziehungen, sondern mitunter auch darüber, wie sie sich wahrscheinlich verhielten. Forscher der Universität von Kopenhagen ist dies anhand eines Homotherium-Fossils gelungen, dass mehr als 47.000 Jahre lang im Permafrost Nordkanadas überdauerte. Durch die Sequenzierung des Erbguts erfuhren die Wissenschaftler viel über das mögliche Leben der Scimitar-Katze, einer großen Vertreterin der Säbelzahnkatzen.

 

 

Die Gattung Homotherium war ausgesprochen erfolgreich und mit mehreren Arten für viele Jahrhunderttausende auf fünf Kontinenten vertreten. Dies spiegelt sich auch in den Genen wieder: das Erbgut der Katzen weist eine im Vergleich doch sehr hohe Diversität auf. Auch dass die Scimitar-Katzen wohl ausdauernde Jäger waren, die vor allem großen Säugetieren wie Wildpferden nachstellen, und dass sie sehr wahrscheinlich im Rudel jagten, leiteten die Forscher aus den Ergebnissen ihrer Studie ab.

 

Bildquelle und Link zur Studie:


Archäologie: spielte man im Alten China bereits Polo?

In einem Reitergrab bei Yanghai in China entdeckten Archäologen die bislang ältesten Spielbälle der Welt. Der Tote, dem der mit Leder ausgestopfte Ball gehörte, war seiner prächtigen Kleidung zu urteilen ein einflussreicher Krieger, der vor etwa 3200 Jahren lebte. In einem ähnlich alten Grab hatten die Forscher einige Jahre zuvor auch die älteste Hose der Welt entdeckt, nun haben sie die wahrscheinlich ältesten Spielgeräte gefunden.

 

 

Wie mit den Bällen gespielt wurde, könnte eine Grabzeichnung enthüllen, die allerdings aus viel jüngeren Zeiten, nämlich der Tang-Dynastie stammt. Dort lässt sich gut erkennen, wie Reiter im 7. Jahrhundert mit gebogenen Stöcken Bälle schlugen. Da genau solche Stöcke ebenfalls in einem Grab von Yanghai entdeckt würden, könnte dieses Spiel schon viele tausend Jahre alter sein, als man bislang dachte.

 

Wandmalereien in einem Grab von Li Xian. Bildquelle: Chen.

 

Allerdings könnten die Schlagstöcke auch aus einer anderen Zeit stammen als die Bälle – genau auf dieselbe Zeit datieren konnte man Stöcke und Bälle bislang nicht. Wie mit den Bällen gespielt wurde, und ob es tatsächlich auch schon vom Pferd aus geschah, bleibt also vorerst ein Geheimnis.

 

Link zur Studie


Das war es schon wieder mit den Nachrichten aus der Urzeit! Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit, viele Grüße aus Kiel und einen schönen Sonntag! Wir lesen uns in zwei Wochen wieder!

 

Markus Kretschmer

 

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Palaeoartist’s Handbook

Ausgestorbene Welten leben wieder in Paläoart: Kunstwerke fossiler Tiere, Pflanzen und Umgebungen, die sorgfältig aus paläontologischen und geologischen Daten rekonstruiert wurden. Solche Kunstwerke sind in der Populärkultur weit verbreitet und erscheinen in Dokumentarfilmen, Museen, Büchern und Magazinen sowie in inspirierenden Darstellungen von Dinosauriern und anderen prähistorischen Tieren im Kino. Dieses Buch beschreibt, wie fossile Tiere und Umgebungen aus ihren Fossilien rekonstruiert werden können, und erklärt, wie Paläo-Künstler Lücken in fossilen Daten überwinden und „Weichteil“ -Anatomien vorhersagen, die um fossile Knochen nicht mehr vorhanden sind.

 

Palaeoartist’s Handbook ist 2017 bei Crodwood Press erschienen und hat 224 Seiten in englischer Sprache.

 

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